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Full text of "Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Hrsg. von W.H. Roscher. Bd. II-VII"

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AUSFÜHRLICHES LEXIKON 



DER 



GRIECHISCHEN UND RÖMISCHEN 
MYTHOLOGIE 

IM VEREIN MIT 

TH BIßT L BLOCH, 0. CRUSIUS, F. CUMONT, W. DEECKE (f), F. DENEKEN, 
W DREXLER, R. ENGELMANN, A. FÜRTWÄNGLER(f), 0. GRUPPE, 0. HÖFER, 
J. ILBERG, 0. IMMISCH, A. JEREMIAS, G. KNAACKtf-), MAX. MAYER, MELTZER, 
ED MEYER R. PETER, A. PREUNERfl-), A. RAPP(t), B. SAUER, J. SCHMIDT, 
TH SCHREIBER, K. SEELIGER, H. STEUDING, L. v. SYBEL, E. THRAMER, 
K. TÜMPEL, P. WEIZSÄCKER, L. WENIGER, G. WISSOWA, E. WORNER U. A. 

HERAUSGEGEBEN VON 

W. H. RÖSCHER. 




DRITTER BAND. 

N— P nebst Schluß von Palladion und Phoinix. 



MIT 647 ABBILDUNGEN IM TEXT. 



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LEIPZIG, 

DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER. 
1897 — 1909. 



AUSFÜHRLICHES LEXIKON 



GRIECHISCHEN UND RÖMISCHEN 



MYTHOLOGIE 



IM VEREIN MIT 

TH. BHtT, L. BLOCH, 0. CRUSIUS, F. CUMONT, W. DEECKE (f), F. DENEKEN, 
W. DREXLER, R. ENGELMANN, A. FURTWÄNGLER, 0. GRUPPE, 0. HÖFER, 
J. ILBERG, 0. IMMISCH, A. JEREMIAS, MAX. MATER, 0. MELTZER, ED. METER, 
lt. PETER, A. PREUNER, A. RAPP, B. SAUER, J. SCHMIDT, TH. SCHREIBER, 
K. SEELIGER, G. STEINDORFF, H. STEUDING, L. v. STBEL, E. THRÄMER, 
K. TÜMPEL, P. WEIZSÄCKER, L. WENIGER, G. WISSOWA, E. WÖRNER U. A. 

HERAUSGEGEBEN VON 

W. H. RÖSCHER. 






DRITTEE BAND, ERSTE ABTEILUNG. 
NABAIOTHES — PASICHAREA. 

MIT ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN. 



LEIPZIG, 

DRUCK UND VERLAG J|j VON B. G. TEUBNER. 

1897—1902. 



1 



t 



SE. EXZELLENZ DEM HEREN GRAFEN 

RICHARD VON KÜOTEMTZ-LOSSA 

DE. IUE. H. C, EHEM. PRÄSIDENTEN DEE 1. KAMMER ETC. 



ZUR FREUNDLICHEN ERINNERUNG AN DIE GEMEINSAM 
IN WÜRZEN VERLEBTEN JAHRE 



ZUGEEIGNET VOM HERAUSGEBER AM 29./VH 1908. 




„Möge das Studium der griechischen und 
römischen Litteratur immerfort die Basis der 
höheren Bildung bleiben t" Goethe. 



Vorrede. 

Die in der Vorrede zu Band II im Juni 1897 ausge- 
sprochene Hoffnung, „die Vollendung des letzten Drittels 
unseres Lexikons werde, wenn nicht unvorhergesehene Hinder- 
nisse eintreten, in etwa 7 bis 8 Jahren erfolgen können", hat 
sich zu meinem gröfsten Bedauern nicht verwirklichen lassen. 
Die unvorhergesehenen Hindernisse sind eben thatsächlich ein- 
getreten und haben den erhofften stetigen Fortgang des Werkes 
bisweilen für Monate in unliebsamer Weise unterbrochen. Es 
würde zu weit führen, wollte ich hier alle Ursachen solcher 
Unterbrechungen einzeln aufführen: es sei jetzt nur auf den allzufrühen Tod oder die 
dauernde Krankheit oder das zunehmende Alter und sonstige unverschuldete Behinde- 
rungen so manches treuen und bewährten Mitarbeiters*), vor allem aber auf die Un- 
gunst der Gegenwart**), sowie auf die von Jahr zu Jahr zunehmende Schwierigkeit, 
tüchtige und zugleich zuverlässige Mitarbeiter aus der jüngeren Generation 
zu gewinnen, hingewiesen. Nichtsdestoweniger darf, glaube ich, mit Eecht behauptet 
werden, dafs die durch die angedeuteten Verhältnisse zeitweilig veranlafste Verzögerung 
des Erscheinens der einzelnen Lieferungen (bis jetzt 59 !) dem inneren Werte der in Band III 
enthaltenen Artikel nichts geschadet, sondern eher genützt hat, insofern sie, — ebenso 
wie auch schon die des zweiten Bandes im Gegensatze zum ersten; siehe die Vorrede 
zu Band H — der bereits im Titel unseres Werkes verheifsenen „Ausführlichkeit" ent- 



*) Zu solchen unverschuldeten Behinderungen gehörte z. B. die plötzliche Versetzung 
eines Mitarbeiters in ein neues Amt oder an einen anderen Ort, wo ihm keine ausreichende 
Bibliothek zur Verfügung stand. 

**) Die 'Ungunst der Gegenwart' besteht für uns hauptsächlich in der immer noch 
zunehmenden Abkehr von den bisherigen Grundlagen unserer höheren Bildung und Kultur, d. h. 
dem klassischen Altertum, der Renaissance und unseren eigenen Klassikern auf den Gebieten 
der Litteratur und Kunst. Hier heilst es: „videant consules, ne quid respublica detrimenti 
capiat", aber ach, wie wenig geschieht von Seiten unserer „Mafsgebenden", um jener verhäng- 
nisvollen Abkehr entgegenzuwirken! Wie nahe wir z. B. bereits auf dem Gebiete der Kunst 
dem Abgrunde der Barbarei, Geschmacklosigkeit, Plattheit zugeglitten sind, zeigt jede 'moderne' 
Kunstausstellung, z. B. die jüngste Dresdener, über die S. M. König Friedrich August von 
Sachsen (natürlich abgesehen von einer Anzahl rühmlicher Ausnahmen!) ein leider nur allzu 
treffendes Urteil gefällt hat. Und geradezu unbegreiflich erscheint es, dafs die Herausgabe und 
öffentliche Verbreitung des zur Empfehlung und Ankündigung dieser Ausstellung dienenden 
Plakates, das aller Vernunft, guten Sitte und wahren Kunst förmlich Hohn spricht und auf den 
Geschmack des grofsen Publikums nur korrumpierend und verwirrend wirken kann, nicht recht- 
zeitig verhindert worden ist. 



VI Vorrede. 

sprechend, im Laufe der Zeit meist immer reichhaltiger an litterarischen Mitteilungen aller 
Art, sowie an Abbildungen geworden sind: eine Thatsache, die auch von so kom- 
petenten Beurteilern wie 0. Gruppe (Berlin) und Fr. S. Kraufs (Wien) zu meiner 
Freude voll anerkannt worden ist.*) Ich schlieise diese Vorrede mit herzlichem Danke 
gegen alle jene verehrten Mitarbeiter, die das grofse gemeinsame Werk durch ihre Treue 
und Pünktlichkeit bisher gefördert haben, und richte an sie ebenso wie an die neu- 
gewonnenen Mitglieder unserer Vereinigung die ebenso dringende wie herzliche Bitte, das 
Lexikon auch fernerhin thatkräftig fördern zu wollen, damit die Vollendung des letzten 
Viertels oder Fünftels möglichst rasch vor sich gehen kann. Ganz besonderer Dank ge- 
bührt in dieser Hinsicht Herrn Professor 0. Höfer in Dresden, dem durch geradezu be- 
wundernswerte Arbeitskraft, .Arbeitslust und Opferwilligkeit, sowie durch umfassendste 
Gelehrsamkeit ausgezeichneten Verfasser so vieler kleinerer und mittlerer Artikel, deren 
Schwierigkeit nur derjenige ermessen kann, der selbst einmal in gröfserem Umfange ver- 
sucht hat, für solche das in alle Winde zerstreute Material zu sammeln und zu verarbeiten. 
Auch der hochgeehrten Verlagshandlung sei hiermit für ihre Bereitwilligkeit, unser 
Lexikon immer reichlicher mit Abbildungen auszustatten, besonderer Dank gesagt! 

Endlich mache ich darauf aufmerksam, dafs Sp. 1985 Z. 42 ausgefallen und zu er- 
gänzen ist: 

Persephone (IItQas(p6vrj) s. Kora. 
Dresden-A., August 1908. 

Wilhelm H. Koscher. 



*) Vgl. Gruppe in Bursian-Krolls Jahresber. Bd. 137 (1908), S. 81 und Kraufs in den 
Romanischen Forschungen, herausgeg. v. K. Vollmöller, Bd. 16 (1904), S. 271 ff. 



Nabaiothes (Naßcucö&rig), Sohn des Ismael, 
Bruder des Kidaros, Abdeelos, Massamas, Idu- 
maa u. s. w., also wohl Archegetes und Epo- 
nyrnos der Nabataier; Joseph, arch. 1, 12, 4 
(vgl. Ge nes. 25, 1 2). V gl. Nab ates. [Röscher.] 
Ji Nabarze , Navarze, Beiname des Mithras. 
Derselbe kommt sicher vor in den Widmungen 
bei Gmnmt^TeMeßjt momtments figures relatifs 
gyx m%sj£res_de.Mithra Tom, 2_ p. 103 nr. 65 
(GLJL L^^JliSh Invicto d(eo) Navarze etc. 
p. 136 nr. 274 u, $. 281 Fig. 126 {Q.J.JL^S 
S. 7938) : Nabarze deo etc. ; p, J42 nr, 334 
( C. I. L. 3, 34811 : Invicto Mythrae Nabarze etc. 
Mit grofser Wahrscheinlichkeit wird N von 
Cumo nt zu Nabarze ergänzt in den Ins chrift en 
p J lMnr.44(CLI. J L._6, 722): Invicto Nfabarze?) 
etc. p. 137 n r . 293 (( 7. I . L. 3 , 1549) : B(oli) 
i(nvicto) N(abarze) M(ithrae) etc., während 
die^Hfirausgeber des_ Corpus in beid en In- 
sc hrifte n N zu n(umini) auflösen; p. 1 62 
nr. 489 (C. I.L. 7, 831): D(eo) S(oli) In- 
victo N(abarzeY) etc. p. 1 75 n r. 565 (C. I. L. 
U, 2685): D(eo) N(abarze) Mßthrae) S(oli), 
welche Inschrift Muratori zu D(eae) N(ortiae) 
m(agnae) s(anctae) ergänzen wollte. In der 
Iiia<3lirift„£aM_8fi2ad_a LJL^3SS1: [SJacrum 
Soli | Müfhrjae numini \ v . . . Invict(o) deo etc. 
ist nach Cumont p. 126 nr. 19 3 V vielleicht 
verlesen für N Abkürzung von Nabarze. 
Andrerseits ist in der Inschrift JL^I-Lu 12, 
244JL: Deo invicto N(abarze) etc. das von 
Mommsen zu N(abarze) ergänzte N nach 
Gum<mts Ansicht p. 164 nr. 499 vielleicht nur 
ein Irrtum des Steinmetzen statt M = M(ithrae). 
Die von Franz. G. I. Gr, 60JL2L. Creuzer. Z ur 
Ar chäologie 2 p. 339 AnnL J2. Karl Keil, 
Inschriften aus Griechenland^ Philologus Suppl. 
Bd. 2 Heft l 51^611 und Kaibel, Ins cr. Gr. Sic. 
et It. 998 nicht beanstandete Inschrift: 'HUcp 
Mi&qu 1 äaxQoßgovzo \ S[a]((iovi \ Naßdqäy 
( Kaib el; NaßaQäri\vä F ranz) Evrv%og ämgov 
erklären sowohl Mommsen^ Ber^ uk^iL_ Verh- 
au Kgl. Sach s. Ge s. d. W. Ph.-H. K l. 4 (1852 ) 
p. 256 als Cumon t p. 179 nr. 585 für eine 
Fälschung. Nabarze ist wohl indeklinabel und 
nicht Dativform (statt Nabarzae) von Nabarza, 
wie GrafGezaKuunj A. E. M.6 (1882) p. 10 7, 
oder von Nabarzes, wie die Hera nsgeber des 
Corpus annehmen. Zwei unhaltbare Deutungen 
rüdes Wortes giebt Garr ucci, L es myster es du 
syncreUsmephrygien dan s les c ata comb es ro- 
maines de Pretextat. Paris i__1854 _4£,_.„p_ ! L2J» 
Aam_4.zHLp,j24 (entweder „nouveau printemps 
de la splendeur, splendide printemps nouveau" 
oder als Zuruf namberzin = nam Varezem 

Koscheb, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. m. 



„louange a Berzin". Ansprechender ist folgende 
Etymologie. Im Neupersischen bedeutet nach? 
Graf_Geza_JKMun a. a,. 0. nabad „Kampf"., 
Der Name des Gottes bezeichnet ihn demnach! 
als den „Starken", den „Tapfern", vgl. oben; 
BcL2j3p, 3056. Abgeleitet von dem Gottesnamen 
ist der Personenname Nabarzanes bei Curtius 
3, 7. Kuun &.&^0. [Drexler.] 

Nabates (Naßdxrjg^ dgaßtavl b s» [ioi%iictg 

10 yevofievog), Stammvater der Nabataier, eines 
Stammes im glücklichen Arabien, Steph. Byz. 
s. v. Naß araioi. Eustath. zu Dionys. Per, 954 
(vgl, über dieses Volk und seinen Stammvater 
Winer, Bibl. Reglwörterb,* 1, 617. 2*J29_L). 
Vgl. Nabaiot hes. [Stoll.] 

Nabelcus, Beiname des Mars, bekannt durch 
drei kurze Inschriften aus der Gegend von 
Carpentorate (Carpentras) C. I. L. 12, 1169. 
1170. 1171 add . Die Auflösung der Siglen 

20 M(arti) N(abelco) in nr^jl 169 darf als ziem- 
lich sicher gelten, desgleichen die Identifizie- 
rung von nr. 11 71 (überliefert Marti Sabelco) 
mit der in den Additammta . p_. 823 mitgetheil- 
ten Inschrift, deren Ergänzung in Z. 3 — 4 
unsicher ist. Der Beiname kann ein topischer 
sein. [M. Ihm.] 
Nabia s. Na via. 
Nabu s-_N.ebp, 
Naenia (Nenia), bei den Römern die Personi- 

30 fikation der Leichenklage (naenia, &grjvog, vgl. 
Gic. de l egg. 2, 24, 62. Gell. N oct. A U . 20 , 2. Non. 
Marc, p. 145 u. 66), welche vor dem Viminali- 
schen Thore ein Heiligtum hatte, Arnob. 4, 7. 
Varrci J)ei August, de civ. dei 6, 9. Fest, p. 161. 
16a. Härtung j_Bel. d. Bb'm L % L 246i 1 L 288. 
Preller . Böm. Myt h* 588. S. Bd. 2 Sp! 207 (Art. 
Indi gitamenta) . [Stoll.] 

Nagis (Ndyig), ein Steuermann, nach dem 
die Stadt Nagidos im westlichen Eilikien be- 

40 nannt worden sein soll, Hekat. bei^Steph. Byg. 
s^v. Nd yiSo«. [Stoll.] 

Naia {Naia), 1) Bakchantin auf einem Ary- 
ballos , He ydem ann, Satyr- u. Bdkch ennanien 
12 A . F urtwängle r. Beschreib, d. Vasmsamml. 
im Antiquarium 2, 2471 p. 692. [Dumont et 
Chaplainj Les ceramigue$_de.lcL Gxe ce pr opre 1 
p. 37 2 —374 pl. XII. XIII, Litteratur daselbst 
p. 372 Anm. 3. Drexler.] Vgl. Nais. — 2) in 
Teuthrone verehrte Quellnymphe, Paus. 3, 25, 4. 

50 [Höfer.] 

Saiades (Naides) s. N y m pha e. 
Jl Naios {Nü'Cog), Kultbeiname des Zeus in 
Dodona, wo ihm der Legende nach niqigog 
(IT£(hjj(>»js?), der Sohn des "J%aatog ('löxaerog), 
aus einem Schiffbruch gerettet, einen Tempel 

1 



i\ Nais Nana 4 

gestiftet haben boII, Lex. Ehetor. bei Beiher, sati (überliefert wird NAIISATI) Claudia 

Anecd. 1, 283, 22ff. Der Beiname Naios (vgl. Plotina ex voto . . . poa(uit). Benannt 

Naia, Nafa, Naiäg, vagög) bezeichnet den Zeus nach der Stadt Naissus (heute Nis). [M. Ihm.] 

als Gott der Feuchtigkeit und der aus dieser Nakole (iVaxoijj), eine Nymphe, nach wel- 

entspringenden Fruchtbarkeit; vgl. Schol. Hom. eher die Stadt Nakoleia oder Nakolaion in 

11. 16, 233 6 8s Awämvaiog Kai Naiog: väqrjlci Phrygien (am Sangarios) genannt sein sollte, 

yao rec ixst ^ragta.. Bei Hesych. Amdmviiig Steph. Byz. s. v. Nanölsia. Vgl. Nakolos. [Stoll.] 

Zivf o avtbg v-al Stog will man für Siog Nakolos (Nänolog), Sohn des Daskylos 

lesen vdiog; ähnlich bezeichnet Apollodor bei (wahrscheinlich des mit Herakles befreundeten 
Steph. Byz. s. v. Aa>8ävr\ p. 249 Zeus AaSm- 10 Königs der Mariandyner, s. Daskylos nr. 1), 

vatog als den Gott, der äiSmaiv ijft.lv tcc nach welchem die phrygische Stadt Nakoleia 

üya&ä. Von dem Gebirge Tmaros oder To- benannt sein sollte, Steph. Byz. s. v. Naxoleiu. 

maros, an dessen Fufse daB Orakel des Zeus Vgl. Nakole. [Wagner.] 

lag, sagt Theopompos bei Plin. hist. nat. 4, 2 Nakrasos s. Narasos. 

Tomarus mons centum fontibus cirea radi- ,ß Namausicae, Beiname der Matres (s.d.) auf der 

ces celebratus. Den am Fufse des Berges ge- keltischen Inschrift von Nemausus C. I. L. 12, 

legenen Zeustempel hat Carapanos (Dodone p. 383 u. add. p. 833 (= Bonn. Jahrb. 83 p. 122 

et ses ruines) entdeckt; aufser vielen Wid- nr. 115, vgl. p. 9 f.) raQtaßog(l) IXlavoviaxog 

mungen, die dem Ad NaCoi oder Natat oder SsSe Marge ßo Nec(iaveix.aßo (= dedit Matribus 
Ndoi oder Ndq> (Carapanos a.' a. 0. 40, 2. 3. 20 Namausicabus) ßgaroväs. Mit unzureichenden 

41, 5. 6. 43, 9. 10. 11. 44, 12.13. 14; vgl. Corr. Gründen erklärt H. d'Arbois de Jubainville 

hell. 1, 253) oder Ad NdovQ) xal Aicöva, die (Eevue celtique 1890 p. 250ff.) die Sprache 

mit Zeus in Dodona avvvaog war (Strabo l\ 329), dieser Inschrift für Latein; auch Siebourg, 

oder Ad Natm Aiävrj (ebenda 45, 16. 47, 18) dar- Westdeutsche Zeitschr. 1888 p. 115 sieht in 

gebracht sind, haben sich eine grofse Anzahl Seäs Margsßo Naiiavoixccßo lateinische Formen 

Bleiplättchen gefunden, welche Fragen an in keltischer Aussprache. Zur Endung -abus 

Zsvg Näiog und duava. enthalten; sie finden s. Bücheier, Lat. Deklination (1866) p. 65 und 

sich bei Carapanos a. a. 0. 69—83. 0. Hoffmann Bonn. Jahrb. 83, 32. [M. Ihm.] 

bei Collitz, Dialektinschriften 2, 1557 — 1597. Kana (Nocva, Bedeutung „Mutter" nach Hoff- 
Bezzenberger , Beiträge 12, 186. 188. 207ff. 30 mann, Abh. f.d. Kunde d. Morgenlandes 7,167 &.), 

Pomtow, Fleckeisens Jahrb. 1883, 305—360. 1) Tochter des phrygischen Flufsgottes Sanga- 

Ein dodonaiisches Orakel befahl rä du t<5 NaCw rios, Mutter des Atys in dem Kybelemythus von 

(nach Buttmanns Verbesserung) aTcccysiv Tpsfs Pessinus (Arnob. adv. gent. 5, 6 u. 12 p. 178, 12 

ßovg *al iiQÖg i%äetm ovo olg, Demosth. in u. 185, 11 Beiff. nach einem Schriftsteller Timo- 

Midiam 15 p. 531 e;' vgl. Buttmann in der theos). In der Parallelerzählung bei Pausanias 

Ausgabe der Midiana Excurs 3 p. 123ff. (7, 17, 11) wird der Name der Sangariostochter 

Der Oberpriester des Zeus N. hiefs va'CuQ%og, nicht genannt (s. unter Agdistis Bd.l Sp.100). 

Carapanos a. a. 0. 56, 8. A. Fick, Bezzen- WahrscheinlichisthierdiekleinasiatischeNatur- 

bergers Beiträge 3 (1879), 282 u. 29, 3; die dem göttin Nana (s. unten) als Tochter des Strom- 
Gotte zu Ehren gefeierten Festspiele Naia io gottes in Pessinus lokalisiert und deshalb mit 

(Näa), C. I. G. 2, 2908, 15 p. 531 e, und inschrift- Kybele, die ihren Sohn Atys liebt, ursprünglich 

lieh sind äycovo&irai bezeugt, Carapanos 45, identisch (s. unter Kybele Bd. 2 Sp. 1648). 

16. 64, 21. Fick a. a. 0. Corr. hell. 1, 294, 89. 2) Beiname der Artemis auf einer im Piräus 

Auf epeirotischen Münzen ist der eichen- gefundenen WeihinschriftrömischerZeit(C.J.A 

bekränzte Kopf des Zeus allein oder neben 3, 131), behandelt von Comparetü (Ann. d. 

dem der Dione dargestellt, Read, Hist. num. Inst. 34, 88 ff.), der sie zu dem Metroon im 

274f. v. Schlosser, Beschreib, der altgriech. Piräus in Beziehung setzt. [Michel Clerc, 

Münzen der kulturhistor. Sammlung d. allerh. Les metiques athiniens. Paris 1893 p. 142—143.] 

Kaiserhauses 71, 4ff. Nach dem Lex. Rhetor. bei Die Verbindung von Artemis und Nana kehrt 
Bekker a. a. 0. 283, 13 gab es auch auf Delos bo wieder in dem berühmten Heiligtum von 

einen Kult des Zeus N., und auch auf der Elyma'is in Susiana. Dieses war nach Maccab. 

Akropolis in Athen scheint ein solcher 2, 1, 13 der Navaia geweiht, für welche 

existiert zu haben, A eUiov äpzaiol. 6 (1890), . Josephus (Ant. 12,9,1) bei Wiedererzählung 

144. — Vgl. Gruppe, .Griech. Myth. u. Beligions- desselben Ereignisses Artemis einsetzt (Com- 

geschichte 353ff. 0. Jahn, Arch. Ztg. 1848, 803. paretti a. a. 0.), vgl. auch Polyb. 31, 11. 

Overbeck, Kunstmythol. Zeus 223 und den Diese Navaia ist jedenfalls keine andere 

Artikel Zeus. [Höfer.] als Nanai, die uralte babylonische Göttin 

Kais (Naig),l) tanzende Bakchantin auf einem des Naturlebens, der Fruchtbarkeit und Zeu- 

schwarzfigurigen Krater, Heydemann, Satyr- gung, über welche ausführlich handeln Hoff- 
und Bakchennamen 28 x. C. I. G. 4, 7460. 60 mann, Auszüge aus syrischen Akten persischer 

\Dumont et Chaplain, Les ceramiques de la Märtyrer in den Abhandlgn. f. d. Kunde des 

Grece propre 1 p. 278, Litteratur daselbst Morgenl. 7, 130 ff. 151 fi., der auch auf die Ver- 

Anm. 2. Drexler.] Vgl. Naia. — 2) S. Nymphae. wandtschaft mit der armenischen Göttin Nane 

[Höfer.] hinweist [vgl. Geizer, Z. armen. Götterlehre, Ber. 

Naissati (Dativ), topischer Beiname des üb. d.Verh.d. Kgl. Sachs. Ges. d.W. Ph.-H.Kl. 

Mercurius auf einer in Zukovac bei Knjazevac 48 (1896) p. 123 f. 137. 146], und E. Meyer unter 

(Moesia super.) gefundenen Votivinschrift, C. Astarte Bd. 1 Sp. 645 f. und Gesch. d. Altert. 1, 

I. L. 3 Suppl. nr. 8260: Mercurio Nais- 159, 164, 176. Fr. Lenormant, Artemis Nanaea, 



5 Nanaia Nanas (Nanos) 6 

Gaz. arch. 1876 p. 10—18. 58 — 67 pl. 4—6. zur alten Geschichte 24 u. 105 ff. Geschiehted. 

Schon um2280v. Chr. warihr Bildaus üruknach Altert. 2, 502f.). 

Susa entführt worden, von wo es Assurbanipal 2) Nanos. Lykophron (1242 ff.) berichtet, 
644 nach seinem alten Kultort zurückbrachte dafs Odysseus (vävog, nlävuiei nävT igsvvri- 
(Schrader, Keilinschr. u. altes Test. 48. Keil- aag pv%bv | älög xs v.a\ yijs), begleitet von den 
inschr. u. Geschichtsforschung 47 f.). Tiglat Pi- beiden Söhnen des Telephos, Tarchon und Tyr- 
lesar bezeichnet Nanä als Herrin von Babylon senos, in Italien mit Aineias zusammengetroffen 
und brachte ihr 745 Opfer dar (Schrader, Keil- sei. Odysseus (s.d.) ist hier mit der lydischenEin- 
inschr. w. GeschicMsf. 107). Auf indoskythischen Wanderung der Etrusker in Verbindung gesetzt ; 
Münzen des Königs Kanerki und seines Nach- 10 die Scholien und Tzetses, die sich im übrigen 
folgers (vgl. Sallet, Die Nachfolger Alexanders auf eine Paraphrase der Stelle beschränken, 
d. Gr. 60 ff. 185 ff.) wird Nava oder Navaia bemerken hierzu: 6 'ÖSvcaavg nagä TvgarjvoCg 
häufig dargestellt als langbekleidete stehende vävog viaUixai, öj]lovvrog rov övöfictTog tov 
Gestalt mit einem Zweig in der Hand und nlav^rriv. Dabei bleibt die von 0. Müller ge- 
der Mondsichel auf dem Kopfe (Wilson, Ariana leugnete Möglichkeit bestehen, dafs vävog bei 
antiqua 14 u. 362. Grotefend, Münzen d. griech. Lykophron gar nicht als Eigenname aufzufassen 
parth. u. ind. Könige 49. Sallet a. a. 0. 186 f. ist, und dafs die Angabe des Scholiästen ebenso 
Head, Hist. num. 710. [A. Stein, Zoroastrian aus den Worten des Lykophron abgeleitet ist, 
deities on Indo-Scythian coins (reprinted from wie der folgende Zusatz des Tzetzes: syeu Ss 
the Oriental and BabylonianBecord, August 1887) 20 svgov, ort 6 'OSvßßsvg hqotsqov Nävog in-alsito, 
p. 12 nr. XVIII und besonders Percy Gardner, The votsqov äh ikItjO-tj 'Oävaaevg, äensg b 'A%illevg 
coins 0} ? the Greek and Scythichings of Bactria and ngözsoov Aiyvgmv xal TlvoioGoog Kai Ztsqoi 
IndiaintheBrit.Mus. London 1886]; eingehend Itigtog IkuIovvto. An einer andern Stelle setzt 
Hoffmann a. a. 0. 139 ff.). Schon diese Attribute Lykophron (805 ff.) den Odysseus in direkte Be- 
weisen deutlich darauf hin, was die Griechen ver- ziehung zu Cortona: er werde aus Kummer 
anlafste, ihre Artemis in Nana zu erkennen. Auf über den Tod des Telemachos und dessen 
Grund dieser Thatsachen hat man Nana auch Gattin (Kirke) in Gortyneia sein Leben aus- 
der Anaitis, der persischen Artemis, gleich- hauchen und auf dem tyrsenischen Gebirge 
gesetzt (Wilson a. a. 0.), wofür Hoffmann a. Perge (Monte Pergo bei Cortona nach Gori, 
a. 0. 154ff. entschieden eintritt (vgl. E. Meyer 30 Inscr. Mr. 2, 366) begraben werden. Nach 
unter Anaitis Bd. 1 Sp. 333). Es ist dies um Theopompos (frg. 114, Schol. 11. Tzetz. v.809) war 
so leichter möglich, als die innerasiatischen nämlich Odysseus, als er nach Ithaka heim- 
Kulte vielfach in Austausch standen und ins- kehrend erfuhr, wie es um Penelope stand, 
besondere der Anaitiskultus viele babylonische wieder abgefahren und hatte sich in Tyrrhe- 
Elemente in sich aufgenommen hatte (vgl. E. nien niedergelassen. Nach einem andern Be- 
Meyer a. a. 0,). Die Verehrung der Nana mufs rieht (Plut. quaest. Gr. 14) kam Odysseus, nach 
lange bestanden haben; denn noch in den er- dem Preiermord durch einen Schiedsspruch des 
wähnten Märtyrerakten wird Nana, „die grofse Neoptolemos (vgl. über diesen Apollod. ep. 7, 40) 
Göttin der ganzen Erde ", unmittelbar hinter aus Ithaka verwiesen, nach Italien. Auch sonst 
Zeus genannt (Hoffmann a. a. 0. 29). Bemerkens- 40 giebt es noch einige Angaben über Odysseus 
wert ist auch der Umstand, dafs auf späteren in Etrurien. In Aristoteles' Peplos sind zwei 
phrygischen und anderen kleinasiatischen In- Epigramme (12 f.) nach der Überschrift dem 
Schriften die Eigennamen Näva und Nävag in Tyrrhenien begrabenen Odysseus gewidmet, 
nicht selten erscheinen (C. I. G. Indices p. 111 Cäre und Clusium wurden auf sein Geschlecht 
und zu 3856 add.). [Zahlreiche Beispiele des zurückgeführt (0. Müller, Etrusker 2 ä , 283). 
kleinasiatischen „Lallnamens" Nana s. bei Nach Plutarch (de aud. poet. 8) hätten die 
Kretschmer, Einleitung in die Geschichte der Tyrrhener eine Geschichte bewahrt, nach der 
griech. Sprache p. 341 ff.] [Wagner.] Odysseus schläfrig und deshalb vielfach un- 

Hanaia s. Nana 2. zugänglich gewesen sei, und Ptolem. Heph. 

Nanas u. Nanos (Nävag, Nävog). 1) Nanas, 50 (S. 197, 2 West.) will sogar von einem Wett- 

Sohn des Teutamides, ein Nachkomme des Pe- kämpf im Flötenspiel wissen, den Odysseus in 

lasgos, den Apollodor (2, 4, 4, 2) als König des Tyrrhenien siegreich bestanden habe (vgl. 

thessalischen Larisa zur Zeit des Perseus kennt. Klausen, Aeneas u. d. Pen. 1144ff. Preller- 

Während seiner Regierung wurden die Pelasger Jordan, Rom. Myth. 2, 309). 

von den Griechen vertrieben und kamen durch Dafs Odysseus (s. d.), der bereits im Anhang 

den „ionischen Meerbusen" an den Flufs Spines zur Hesiodischen Theogonie (1013) durch seinen 

(so genannt nach der Stadt Spina an der süd- Sohn Latinos als Stammvater der Latiner er- 

lichen Pomündung). Dort liefsen sie ihre Schiffe scheint, nachdem einmal seine Abenteuer in 

und eroberten die Stadt Kroton (Ko&cogvia d.i. Italien lokalisiert waren, auch zu den Etrus- 
Cortona nach Dion. Hai. Ant. Born, i , 26) im 60 kern in Beziehung gesetzt wurde, ist nicht zu 

Binnenlande. Hier nahmen sie den Namen verwundern, und zwar tritt bei Lykophron 

Tyrrhener an (Hellan. Phoronis frg. 1 bei Dion. (1242) deutlich das Bestreben hervor, dies 

Hai. 1, 28). Noch Herodot (1, 57) trennte die wenigstens äufserlich mit der lydischen Ab- 

Pelasger in Kqtjotoov (d. i. Cortona nach Dion. leitung der Etrusker zu verbinden. Dafs aber 

Hai. 1, 29) von den übrigen Tyrsenern, wäh- Odysseus wirklich den Etruskern unter dem 

rend die Späteren meist dem Hellanikos in der Namen Nanos bekannt war, ist nicht zu er- 

Herleitung aller Etrusker von den Pelasgern weisen. Deshalb mufs auch eine auf dieser 

gefolgt sind (vgl. E. Meyer, Forschungen Gleichsetzung fufsende Kombination 0. Müllers, 



7 Nannakos Naos 8 

die ihm einen brauchbaren Mafsstab zur Kritik Archäol. Beitr. 376. Soffmann, Abh. f. d. Kunde 

italisch -griechischer Sagen an die Hand zu des Morgenlandes 7, 157. [ij. Meister, Die 

geben schien, zweifelhaft bleiben. Er folgerte Mimiamben des Herondas, Abh. d. Sachs. Ges. d. 

aus der Festsetzung des Odysseus in Cortona, W. ph.-h. Cl. Bd. 13 nr. 7 p. 690 (80). Kretschmer, 

Cortona habe Sagen von einem herumziehen- Eiril. in die Gesch. d. griech. Sprache p. 356. 

den Helden Nanos, der sich endlich dort an- Über Zusammenstellung des Annakos mit dem 

siedelte, gehabt, und da diese den griechischen biblischen Hanokh s. Dillmann, Genesis 6. A. 

von Odysseus einigermafsen entsprochen hätten, p. 115. Babelon, Melanges numismatiques 

so seien sie mit ihnen zu einem Ganzen ver- l e ser. 1892 p. 171.] Buttmann erkennt in 

bunden worden. Ebenso sei derselbe Held bei 10 der Sage Beste eines asiatischen Mythus 

Hellanikos zum larisäischen Pelasgerfürsten über die Zeit vor der Sintflut; und in der 

Nanasgeworden(.Etrwsfce»'2,281fl.; vgl.H.Lewy, That läfst die auffällig häufige Anwendung in 

Die semitischen Fremdwörter im Griechischen Sprichwörtern auf eine volkstümliche Sage 

212). [— 3) Keltischer König, Vater der Petta, schliefsen, von der uns nur Bruchstücke er- 

in der Gründungslegende von Massalia; s. halten sind. Vgl. Head, H. N. 558. Welcher 

Aristot. iv zy Maeaal. nolizsia bei Athen. (Griech. Götterl. 1, 777) zieht eine litthauische 

13 p. 576 A (= frgm. 545 [174. p'. 276] Didot): Sage zum Vergleich heran. [Wagner.] 

6 Nävog enizsläv yäjiovg zijg frvycczQog natu Nannar (Nannaru, Nanniru), „der Erleuchter" 

■cvxyv naQaysvofiivov zbv Ev^svov [zbv ^coxaso:] (Tide, Hist. comp, des anc. relig. de l'Egypte 

nagccKsxlTjyisv snl zr\v &oivr]v. 'O Sh yäfiog 20 et des peuples semitiques p. 198 f. Babylonisch- 

iyiyvszo zövSs zbv zqotcov sSsi pizä zb Sei- assyr. Gesch. 1 p. 523 Anm. 2. Geschichte der 

itvov elael&ovaav zr\v aaiSu cpiäirjv KcxsQua- Religion im Altertum 1 p. 166), der Mondgott 

fisvrjv oü ßovXoizo äovvai zäv naqövzcav \x,vr\Gzr\- von Ur in Südbabylonien, Winckler, Geschichte 

qcov, o) Ss Soin zovzov slvai vvfiyiov. r\ de nötig Babyloniens u. Assyriens p. 25. 27 Anm*. 47. 

etael&ovaa SISmaiv . . . zä Ev^ivrn. Darauf Ziemlich unwahrscheinlich wollen ihn Fr. 

nimmt die Königstochter, welche ursprünglich Lenormant (Essai de commentaire des fragments 

Petta hiefs, den Namen 'Aqiazoi,evn an, und aus cosmogoniques de Be'rose p. 96 — 97) und Sayee 

der Ehe geht Protos(-isV), der Stammvater der (Lectures on the origin and growth of religion 

'Protiaden' und Gründer von Massalia (Plut. as illustrated by the religion of the ancient 

Sol. 2: Tlgäzig, oittiaz^g MuaeaXCag iiib XsX- 30 Babylonians 2 d ed. p. 157 — 159, vgl. Maspero, 

zäv zäv negl zbv 'PoSavbv äyaicri&sig), hervor. Hist. anc % des peuples de V Orient classique. Les 

Vgl. Dümmler im Philologus N. F. X (1897) origines Egypte et Chaldce p. 664 Anm. 5) wieder - 

20f., der wohl mit Recht die ganze Geschichte finden in dem Nävaqog einer von Nicnlaus 

als Sage auffasst. Boscher.] [Wagner.] Damascenus fr. 10 (F. H. Gr. 3 p. 359 — 363 ed. 

Nannakos (Nävvav.og und 'Awunögl) , ein Müller) aus Ktesias (fr. 52 Müller), der ihn 

alter König von Phrygien vor Deukalion, der "Awetgog nennt, entlehnten persischen Sage, 

die Deukalionische Flut vorauswufste und des- Nävagog ist hier ein weichlicher Satrap von 

halb alle ins Heiligtum führte und mit vielen Babylon unter der Botmäfsigkeit eines medi- 

Thränen (um Abwendung der Gefahr) flehte. sehen Königs Artaios. Er bemächtigt sich 

Daraus sei das Sprichwort zä Navvä%ov vXav- 40 auf hinterlistige Weise des tapferen Persers 

oopai entstanden (Hermogenes ev ^gvyhig bei Parsondas, der nach seiner Satrapie getrachtet 

Zenob. 6, 10. Suid. s. v. zä Navväv.ov kXccv- und ihn einen weibischen Mann genannt hat, 

cofica und Näwa-nog). Der älteste Zeuge für das läfst ihn in weiblicher Kleidung unter seine 

Sprichwort ist Herondas 3, 10 zbv fiie&bv ulzei, Zitherspielerinnen stecken und hält ihn sieben 

xrjv zä Nuvväxov xlavaca (iva zä Nawänov Jahre lang in schimpflicher Gefangenschaft, aus 

v.lavari bei Zenob. 6, 10). Nach Steph. Byz. der Parsondas erst durch ein Machtwort des 

s. v. I-noviov war 'Avvattög (von Meineke in Königs erlöst wird. [Drexler.] 

Nuvvanog verbessert) ein Phryger, der über Nanos s. Nanas 2. 

300 Jahre lebte. Die Umwohnenden hatten Nantosnelta, Beiname des deus Sucellus in 

durch einen Orakelspruch erfahren, dafs sie 50 einer Inschrift von Saarburg, Korrespondenzll. 

alle umkommen würden, wenn er stürbe. Des- d. Westd. Z. 1895 p. 229. Mev. celt. 1896 p. 46. 

halb erhoben sie grofse Wehklagen, woher Berl.philol.Wochenschr. 1896 Sp. 606 (Nautosv.?). 

das Sprichwort kam zä enl 'Awunov xXavoeiv, [Drexler.] 

enl zäv XCav oliizi^ofiivmv. Das Orakel ging Nao ? (Nacö oder Saä ?), Name einer Nereide 

in Erfüllung, als die Deukalionische Flut auf einer Vase (G. I. Gr. 8354). Vgl. 0. Jahn, 

hereinbrach. Nachdem sich die Flut verlaufen, Vasensammlung in München p. CXVII, 858. 

bildete Prometheus auf Befehl des Zeus wieder [Boscher.] 

Menschen, und von diesen eUöveg bekam Saoklos (NäoxXog), Sohn des Kodros, Oikist 

Ikonion seinen Namen. Auch für längst ver- von Teos, Baus. 7, 3, 6; bei Strabon 14, 633 

gangene Dinge erhielt der Name des Nanna- 60 heifst er iVavjtios und natürlicher Sohn des 

kos sprichwörtliche Bedeutung (inl zäv acpöSga Kodros, vgl. Toepffer, Attisclie Geneal. 234, 2. 

jcaXaiäv «ai uQ%aliov) : änb Nccvväiiov (Macar. [Höfer.] 

2, 23. Suid. s. v. NäwccHog), zä enl Navväiiov Naos (Naög), ein Urenkel des Eumolpos 

(Macar. 8, 4), zä änb Navväiiov (Tvavvuxov von Eleusis, der auf GeheifB des delphischen 

zavza, Apostol. 15, 100), Na.vvav.ov naXaiözeqog Orakels die eleusinischen Weihen der Demeter 

(zu Zenob. 6, 10), zä Nawäiiov (Crusius, Anal. nach Pheneos in Arkadien gebracht haben 

crit. ad paroem. Grate. 58). Über den Namen sollte, während nach einer pheneatischen Sage 

vgl. Buttmann, Mythologus 1, 176. O. Jahn, bereits vor der Ankunft des Naos Demeter 



9 Eapaiai Narkissos (Mythus) 10 

selbst auf ihrer Wanderung nach Pheneos ge- 113. C. I. L. XIII, 5161. Abbildung bei Studer, 
kommen war, Paus. 8, 15, 1 u. 3. Offenbar hatte Verzeichn. d. auf d. Museum z. Bern aufbewahrten 
also hier von alters her der Kultus der De- Altertümer Taf. 3 nr. 6, vgl. p. 53). Die zweite 
meter bestanden und war erst später mit den stammt aus Cressier bei Avenches und ist ge- 
Formen des eleusinischen Gottesdienstes aus- widmet Nariae Nousantiae von einem 
gestattet worden. Vgl. Preller, Demeter u. Pers. T. Frontin. Hibernns (Mommsen nr. 163 = 
168. Gerhard, Griech. Myth. 1 § 411, 3. Preller- Hagen nr. 107); auf der Rückseite desselben 
Mobert, Griech. Myth. 1*, 748 f., und über den Altars steht eine Widmung an Mars, Mommsen 
arkadischen Kultus der eleusinischen Demeter nr. 162. Der Beiname Nousantia scheint 
Töpffer, Att. Geneal. 102 f. Immerwahr, Kulte 10 ein topischer zu sein. Aus Muri stammt 
und Mythen Arkadiens 1, 122 f. Der Name auch die Bronzestatuette der dea Artio (s. o. 
Naos könnte darauf hindeuten, dafs damit Bd. I Sp. 608). [M. Ihm.] 
die Erbauung eines neuen Tempels verbunden Narkaia (NctQnaia), eliseher Beiname der 
war. [Wagner.] Athene, deren Heiligtum Narkaios (s. d.) grün- 

Napaiai (Naxaüci), die Nymphen der Wald- dete (Paus. 5, 16, 7). Da unmittelbar vorher 

thäler (vänai), s.Nymphen. [Stoll.] siegreiche Kämpfe des Narkaios erwähnt werden, 

Napaios (Nanaiog), 1) ein Satyr, der dem Dio- so wird man an die kriegerische Athene zu 

nysos gegen die Inder folgte, Nonn. Dion. 14, denken haben, welche die Feinde erstarren 

107. — 2) Beiname des Apollon von der Stadt macht. [Wagner.] 

Nape auf Lesbos, Steph. Byz. Nänn. [Nach 20 Narkaios (Nagxciiog) , Sohn des Dionysos 

Warwich Wroth Catalogue of the Greek coins und der Heroine Physkoa ans dem Demos 

of Troas, Aeolis and Lesbos p. LXX1X u. f. Orthia in Koile Elis. Als er herangewachsen 

wird das alte Orakel des Apollon Nanaiog war, bekriegte er die Nachbarn und erwarb 

auf Lesbos erwähnt vom Scholiasten zu Aristoph. grofse Macht. Er soll das Heiligtum der 

Wolken 144; das Heiligtum des Gottes wird Athena Narkaia in Elis errichtet und mit 

gefunden in den Ruinen zu Kolumdado süd- Physkoa zusammen den Dienst des Dionysos 

östlich von Methymna (Koldewey, Lesbos p. 35 f. in Elis eingeführt haben, Paus. 5, 16, 7. Sein 

p. 45 f.). Eine Münze von Nape aus dem Name (Benseier, Eigennamen s. v. übersetzt 

4. vorehr. Jahrh. zeigt im Obv. das belorbeerte „Leidenfrost"), von vagitäv erstarren (Anthol. 

Haupt des Apollon, im Rev. Eule und Astra- 30 9, 617 heilst es von einem kalten Bade <&qc£ov 

galos, Imhoof, Monn. Gr. p. 280 pl. E, 32. xal Neigung ovrog zornig, d. i. Schauer und 

Head, H. N. p. 488. Vgl. auch Minervini, Starre), deutet vermutlich auf die Sage vom 

Oracolo di Orfeo e dell' Apollo Napeo in Lesbo: Leiden und Sterben des Dionysos im Winter 

vaso dipinto di fabbrica nolana, Bull. arch. und erinnert an den ähnlichen des Narkissos 

napolit. n. s. 6 (1857/58) p. 33 — 39 Tav. 4 (vgl. Preller-Robert S. 760, 2 und unten Sp. 15); 

Fig. 1. 2. Drexler.] [Der Beiname bezeichnet seine Mutter war eine Thyiade. S. unter Phys- 

den Gott als Gott der Weidetrift = vo'fuos; koa und Weniger, Las Kollegium der 1 6 Frauen. 

vgl. Macrob. 1, 17,43. Höfer.] [Stoll.] Weimar 1883 S. 2. Uff. [Weniger.] 

Nape (Ndnrj), Hund des Aktaion (Ov. Met. Harke (Näq-nn), das personifizierte Erstarren, 

3, 214. Hyg. f. 181. [Röscher.] 40 zusammen mit <f>gi%og, dem personifizierten 

Hapcs (Nänvg), ein Nachkomme des Skythes, Schauer, Anth. Pal. 9, 617, vgl. Horror, Pallor, 

ein kriegerischer König der Skythen, von wel- Pavor. [Höfer.] 

chem die skythischen Nänai ihren Namen Narkissos (Näqmaaog). — Litteratur: Fr. 

hatten, während nach seinem Bruder Palos Wieseler, Narkissos, Göttingen 1856, wo die 

die skythischen Ilaloi benannt waren. Ihre gesamte frühere Litter. zusammengetragen ist; 

Nachkommen dehnten die Herrschaft der Sky- seitdem ist nichts Nennenswertes erschienen, 
then über den Tanais bis nach Thrakien aus, 



Liod. 2, 43. Die Nänai waren identisch mit 



Mythus. 



den skythischen Napaei (Plin. n. h. 6, 19. Amm. Die Hauptzüge der Sage sind: Narkissos, 

Marc. 22, 8, 33); vgl. auch Steph. Byz. s. v. 50 ein schöner Jüngling, erblickt im Wasser sein 

Nänig. Marquart, PTdlologus 54 (1895), 520. Bild, verliebt sich in dasselbe und schwindet 

[Wagner.] m unbefriedigter Sehnsucht dahin; an seiner 

Narasos, (Nägaaog), Beiname des Zeus auf Stelle läfst die Erde eine nach ihm beuannte 

Inschriften aus dem Tempel des Zeus Pana- Blume aufspriefsen. So Fausan. 9, 31, 6. 

maros in Panamara (Karien), Corr. hell. 12 Severus narr. 3 (Walz, rhet. gr. 1, 538 oder 

(1888), 83, 8 Z. 7. 9 Z. 8. 86 Z. 17. 88 Z. 7. Westermann, Mythogr. gr. append. p. 378) und, 

Danach ist auch in der Inschrift aus Strato- mit ihm meist wörtlich übereinstimmend, 

nikeia (C. I. G. 2, 2720, wo Boeckh statt diog Geopon. 9, 24 ed. Nicl. Anonym. Vatican. n. 

Nagdaov lesen wollte Na[x]Qdeov in Anlehnung antat. 9 ; etwas ausführlicher durch Hinzufügung 

an die lydische Stadt Nakrasa, die Lesart 60 der Eltern (Kephissos u. Leirioessa) und des 

Nccgäaov beizubehalten. [Höfer.] Ortes (Thespiai) Eustath. ad II. p. 266, 7 ff. ed. 

Naria dea, bekannt durch zwei Inschriften Born. (= p. 215 ed. Lips.) u. Eudoc. violar. 

der Schweiz. Die eine steht auf der Basis einer p. 304 (= p. 502 fab. 697 ed. Flach). Keine 

bronzenen Statuette, welche eine bekleidete wesentlich neuen Züge fügen hinzu Choric. 

Frau darstellt (gef. in Muri bei Bern): Deae oratt. p. 176 ed. Boiss. Nicephor. progymn. 14 

Nariae reg(io) Arure(nsis) cur(ante) bei Walz 1, 440f. Claudian. de raptu Proserp. 

Feroc(e) l(iberto) (Mommsen, Inscr. Helv. 216. 2, 131 ff. Pentadius bei Meier, Anth. vet. Lat. 

Sagen, Prodromus novae inscr. Helv. syll. nr. epigr. 1 nr. 242 (= Biese, Anth. lat. 1 p. 214 



11 Narkissos (thespische Sage, b. Ovid etc.) Narkissos (b. Konon, Pausan.) 12 

nr. 265). Anonym, epigr. bei Meier nr. 669 aus der Fabel in das Geschichtliche etwas derb 

(= Biese 1, 38 nr. 9). — Gelegentliche Er- umgedeutete Erzählung". N. erweist sich gegen 

-wähnungen des N.: Luciom. dial. mort. 18, 1. alle Liebhaber als Verächter des Eros. Alle 

ver. h. 2, 19. epist. Sat. 70, 24. Pseudo-Charidem. stehen von ihrem Werben ab, nur Ameinias 

24 ed. Bind. Plotin. de pulchr. p. 56. Clem. nicht. Als aber N. ihm sogar ein Schwert 

Alex. Paedag. 3, 258 ed. Potter. Philostr. schickt, tötet er sich vor der Thür des N., 

jjeratx. 2, 197 (p. 319)u. imag. 1, 23 (p. 398, 10) nachdem er den Gott (d.i. Eros) angefleht 

ed.Kayser. CaMstr. incpQÜß. 5 ed. Kays. Anth. hatte, ihm ein Rächer zu werden. Nachdem 

Pal.l 1,76. LibaniusSp.3G4:Beiske. Aristaenet. sich nun N. in sein Spiegelbild verliebt hat, 

ep. 2, 10 p. 158 Boiss. Nonnus Bionys. 10, 215. 10 entleibter sich endlich selbst, savvbv Sia%QÖcrui 

11, 323. 15, 352. Choric. oratt. p. 137. Plinius Sl-aaia näe%siv oCrj&ilg äv&' av 'Apsiviov 

h. n, 21, 128. Vergil. Culex v. 407 f. Columella e^vß^ias tovg tgconag. Die Thespier aber be- 

de cultu % hort. v. 98 u. 297. Stat. silv. 1, 5, 55. schlössen, den Eros seitdem noch mehr zu 

Theo. 7, 340 ff. Pentaäius bei Meier 1 nr. 243. ehren und ihm aufser dem gemeinsamen Dienste 

244. 246 (= .Riese 1 p. 146 nr. 145. p.215nr. 266. noch jeder für sich zu opfern. Die Einge- 

p. 186 nr. 219). Anonym, epigr. bei Meier 1 nr. borenen glauben, dafs die Narcisse zuerst auf 

666—668 (= Biese 1 p. 102 nr. 39. p. 142 nr. jener Erde entstanden sei, wo das Blut des N. 

146. p. 143 nr. 147). Ausonius epigr. 95. 96. sich ergossen hatte. — Eigen ist bei Konon 

idyll. 6, 10. 12, 70 ed. Seal. — die Verknüpfung mit dem Eroskult, der lokale 

Echt alexandrinisches Gepräge trägt die Sage 20 Charakter und die ätiologische Zuspitzung der 
bei Ovid. metatn. 3, 339—510. N. ist Sohn des Sage. Das Motiv für die Liebespein und den 
Cephissus und der Nymphe Liriope. Tire- Tod des Jünglings ist ihm mit Ovid gemein- 
sias, befragt, ob dem Kinde langes Leben be- sam. Treffend verweist Höfer a. a. 0. für das 
schieden sei, antwortet: wenn er sich nicht echt alexandr. Motiv der Entleibung vor der 
sehen würde. Als N. herangewachsen ist, so Thür des Geliebten auf Theocrit. idyll. 23. Über 
dafs er puer iuvenisque videri poterat, wird er den Namen Ameinias vgl. oben Stoll s. v. 
von vielen Jünglingen und Mädchen , auch Welcher, A. B. 4, 166. Wieseler, Nark. p. 95 f. 
Wasser- und Bergnymphen geliebt; vergeblich, u. Anm. 64 u. 65. — In manchen Punkten er- 
sie finden keine Gegenliebe. Da erblickt ihn innert diese Erzählung an die Sage von Koresos 
Echo und entbrennt in heifser Liebe zu ihm 30 und Kallirrhoe (vgl. oben Sp. 930 u. 1380 f.). 
(Strafe von seiten Iunos). Doch auch sie findet Eine ganz rationalistische, „weniger be- 
kein Gehör; sie vergeht vor Gram, zieht sich kannte" Form der Sage führt Paus. 9, 31, 6 
in Wälder und einsame Grotten zurück und noch an. Darnach hatte N. eine ihm an Aus- 
schwindet endlich so dahin, dass vom tantum sehen und Kleidung völlig ähnliche Zwillings- 
atque ossa supersunt (vgl. oben s. v. Echo Bd. 1 Schwester, die er sehr liebte und mit der er 
Sp. 1214). Mancher der Verschmähten fleht zu den auf die Jagd zu gehen pflegte. Als diese ge- 
Göttern, den Hartherzigen zu strafen. Nemesis storben, erblickt er im Bilde der Quelle ihr 
erhört das Gebet. Auf einer Jagd, von der Hitze Ebenbild in seiner Gestalt. Obwohl er ge- 
ermattet, erblickt N. in einer Quelle sein Bild wufst, dafs er seinen eigenen Schatten sähe, 
und verzehrt sich in vergeblich sehnender 40 sei es ihm doch eine Erleichterung seiner Liebe 
Liebe, bis er zuletzt viridi in herba, also nicht gewesen zu wähnen, dafs er ihr Bild schaue, 
in der Quelle, stirbt. Noch in der Unterwelt — Natalis Comes 9, 16, dem diese Stelle des 
schaut er im Styx sein Bild. Najaden und Paus, bekannt war, führt diese Version auf 
Dryaden weihen dem toten Bruder Locken: einen Euanthes zurück. 

croceum pro corpore florem | inveniunt, foliis Ein absonderliches, einzig dastehendes Motiv 

medium cingentibus albis. — Aus Ovid geschöpft für den Sturz des N. in das Wasser findet sich 

sind die Erzählungen bei Lactant. narr. fab. bei Pentadius (Meier 1 nr. 242 =• Biese 1, 214 

3, 5 u. 6 und ad Stat. Theb. 7, 340. Mythogr. nr. 265): er habe seinen Vater im Flusse 

Vatie. 1, 185 u. 2, 180 (an letzter Stelle als gesucht. 

Mutter Alciope nympha genannt); auch Auson. 50 Soweit die Sage von Thespiai. — Die 

epigr. 97. — Hierher gehört auch der Vers bei Genealogie in derselben: Kephisaos als 

Suidas s. v. u. Paroemiogr. Gr. 1, 371 u. 2, Vater genannt: Hygin. fab. 271. Stat. Theb. 7, 

85 ed. Ootting.: noXXot as fiiarJGovai.v , av 340ff. u. Lactant. z. d. St. (Lactant. ad Stat. 

aavtbv (pdf/s' rovzo (pccai tag Nvpqiag ngog Achill. 2, 42 nennt statt Kephissos den Sper- 

tbv NÜqkiggov slnetv anoßXiTtavzu Big mjyrjv cheios). — Pentad. (Meier 1 nr. 242) spricht 

■aal TTjv olnslav no&ovvza fioQcpr'iv, wohl aus schlechthin von einem Flufsgott. — Kephissos 

alexandr. Zeit stammend. — Die Verknüpfung und Leiriope als Eltern bei Ovid a. a. 0., 

der Sage mit Teiresias und die Einführung der Mythogr. 1,185. Lactant. narr. 3, 5. Kephissos 

Echo nur bei Ovid und den von ihm direkt und Leirioessa bei Eustath. u. Eudoc. a. a. 0. 

abhängigen Schriftstellern; wahrscheinlich ent- 60 — Diese Genealogieen gehören ersichtlich nicht 

lehnte Ovid diese Züge einem alexandr. Dichter; alter Überlieferung an; sie sind speziell für 

der ursprünglichen Sage sind sie jedenfalls die Thespische Version erfunden, dichterische 

fremd. — Spielerei einer späterenZeit und selten; Leiriope 

Auf einen alexandr. Dichter als Quelle geht, nur bei Ovid und seinen Benutzern, Leirioessa 

wie Höfer, Konon p. 92 richtig bemerkt, auch nur bei Eustath. und Eudocia. Der Zweck dieser 

die Version bei Konon c. 24 zurück. Die Er- Genealogie ist sehr durchsichtig: wie die Nai- 

zählung ist ganz ins Menschliche versetzt; cisse besonders an Flüssen und Quellen' wächst, 

Welcher, A. B. 4, 165 nennt sie eine „spätere so sind der Flufsgott und eine Quellnymphe 



13. Narkissos (Jäger, Hirt, Quelle) Narkissos (b. Probus etc., eretrische S.) 14 

(Lilienantlitz; die Nareisse gehört zu den Isigia) da diese Stelle schwerlich in Ordnung ist; 
die Eltern des N. — Alkiope beim Mythogr. bereits Burmann emendierte wohl mit Recht 
Vat. 2, 180 ist wohl blofse Flüchtigkeit, da 'Tüxiv&ov zbv AayisSaifiöviov r) IV. zbv nalöv; 
er doch sonst Ovid ausschreibt; oder sollte vgl. auch Wieseler p. 4 an. 8. .. 
auch hier das arge Mißverständnis bei Photius Völlig abweichend ist eine Überlieferung, 
v. Uvov (das Photius wohl schon in seiner die am ehesten noch mit Konons Erzählung 
Quelle vorfand) von einer vermeintlichen Iden- Berührungspunkte hat, bei Probus ad Vergil. 
tität des Linos (Mutter Alkiope bei Phot. und ecl. 2, 48 (Müller, fragm. hist. gr. 1, 102, 21a). 
Eustath. v. Alvos) und N., die bei Lasaulx und Die Stelle ist sehr verderbt überliefert. Die 
Ämbrosch eine grofse Rolle spielt (vgl. darüber w Blume Nareisse sei, wie Akusilaos (?) berichte, 
Art. Linos Sp. 2062 und Wieseler p. 91 Anm. 56) nach dem Eretrier N., dem Sohne des Ama- 
sein Unwesen treiben? — Nonnus Dionys. 48, rynthos, benannt, der von Epops (? codd.: ab 
582ff., der im übrigen die Thespische Form Eupo; Pompon. Sabin, fügt hinzu: eiusamatore) 
benutzt, läfst K am Latmos von Endymion getötet wurde. Aus seinem Blute seien die 
und Selene gezeugt werden, worauf ich kein Blumen entsprossen, welche seinen Namen er- 
Gewicht legen möchte, während Wieseler p. 83 halten haben (vgl. Wieseler p. 6 f. u. Anm. 16; 
(vgl auch p 87 f.) eben hierin N. als „nacht- Bohde, Gr. Roman 112, 2; vgl. Art. Amarynthos 
liches Wesen, das mit Schlaf und Tod in Ver- u. Epops). — Schliefslich lesen wir noch bei 
bindung steht" charakterisiert findet. — Strabo 9, 10 p. 404 (vgl. Eustath. ad II. 266, 23): 
N. erscheint als Jäger bei Paus. (2. Version). 20 in der Nähe von Oropos sei ein Grabmal des N. 
Philostr. imag. 1, 23. Choricius oratt. p. 176 u. von Eretria, welches das des Schweigenden ge- 
282. Nicephorus a. a. O. u. Tzetzes chil. 1, 9, 234; nannt werde, da die Vorübergehenden Schwei- 
so auch oft auf pompejan. Wandgemälden durch gen beobachteten. Bei Eustath. z. Od. 1967, 36 
Kleidung und Bewaffnung gekennzeichnet; als heifst es: Siyrilos piv kvqiov bvofia NagHießov, 
Hirt bei Callistr. stat. 5, wo er eine Syrinx aiyr]Xbg Se b eiconrjlög. Treffend zieht Meineice 
hält. — Die Schönheit des N. wird oft erwähnt, (fragm. com. gr. 2,1p. 419) hierher Älciphr. epist. 
so bei Paus., Konon, Philostr. und Callistr. (nai S , 3, 58; vgl. Wieseler p. 7 Anm. 17 u. p. 80 f. u. 84f. 
a&lXov de r)i&eoq, r/JUMNarjjs e^axtav), Severus, —Man wird wohl nicht fehl greifen, wenn man 
Choricius (p. 137. 176. 282), Geopon., Eustath., diese beiden letzten Stellen bei Probus und 
Eudocia, Ovid. Mit Hyakinthos, Nireus, Endy- 30 Strabo in Verbindung bringt. Einen zweiten, 
mion, Achilleus u. a. oft zusammen genannt, vom Thespischen N. verschiedenen Heros an- 
vgl. Lucian. dial. mort. 18, 1. v. h. 2, 17. Pseudo- zunehmen, liegt doch kein Grund vor; dagegen 
Charid. 24. Oppian cyneg. 1, 360ff. Hygin. fab. spricht vor allem der Zusammenhang mit der 
71. Servius ad Vergil. ecl. 2, 47. Claudian. de Blume. Freilich ist in dieser Form schwerlich 
raptu Pr. 2, 133. Vgl. besonders noch, was Raum für den Hauptzug der Thespischen Sage, 
Oppian. cyneg. 1, 357 ff. von einer merkwür- dafs N. bei oder in dem Wasser stirbt (vgl. 
digen Verwendung von Narkissosbildern in darüber Wieseler p. 97). Während anderseits 
Sparta erzählt. — Sprichwörtlich: NaQxleoov sonst nirgends von einem Kult des N. die Rede 
zsqsvüisqov bei Cramer aneed. Oxon. 1 p. 413, 13 ist, haben wir hier fraglos einen Kultort. Ob 
(vgl. dazu Wieseler p. 7 Anm. 18). — 40 aus Paus. 1, 34 zu schliefsen ist, dafs N. zu den 
Dafs N. bei der Quelle (oder Flufs) ge- rjgcoss gehöre, denen im Tempel des Amphia- 
storben sei, berichten Paus., Choricius, Ovid raos eine Abteilung des Altars geweiht war 
und seine Ansschreiber. In dem Wasser lassen und denen bei der Befragung des Amph. ein 
ihn den Tod finden: Plotin. de pulchr. p. 56 Opfer gebracht wurde (auch Kephissos wird 
ed. Creuzer. Eustath. und Eudocia, Severus, hier genannt), bleibe dahingestellt. Die weit 
Geopon., Tzetzes chil. 1, 9, 238 u. 11, 250; in gehenden Folgerungen Wieselers, dafs N. mit 
Iliad p 139 ed. Herrn. Nicephor., Anonym. Amph. in innerer Verwandtschaft stehe und 
Vatic. tccqI änCexcov 9. Pentad. (Meier nr. 244). „dafs der 'Schweiger' schon vor seiner Geltung 
Anonym, epigr. bei Meier nr. 666—668. — als Heros ein infernalischer Dämon war", ein 
Paus, kennt eine Quelle des N. bei Thespiai 50 Dämon des Schlafs oder Todes, möchte ich 
im Gebiete Aova%mv (vgl. Wieseler p. 2 Anm. 4). nicht vertreten. Unaufgeklärt bleibt freilich, 
Als Namen der Quelle überliefert Vibius Se- warum gerade N. jenen Beinamen erhalten 
quester, de fluminibus fontibus etc. ed. Bursian: hatte. Vgl. auch Heibig in Bendic. d. B. Accad. 
Liriope,ubi Narcissus se conspexit; ygl.Wieseler dei Lincei ser. 5 vol. 1, 1892 p. 790—794. über 
p. 5 Anm. 11. — Von einer Verwandlung in die das Schweigen in der Nähe von Heroa vgl. 
Blume sprechen direkt nur Choric. , Geopon. MeineJce a. a. 0. Wieseler p. 80. Welcher, A. D. 
und Servius a. a. 0. Sonst ist dieser Punkt un- 4, 169. Art. Heros Bd. 1 Sp. 2478. — 
klar ausgedrückt, oder es heißt ausdrücklich, Über die Blume und ihre vielfache Ver- 
dafs die Blume an der Sterbestätte anfgesprofst wendung in Sage und Kult vgl. Wieseler 
sei, wie bei Ovid, Konon u. a. — 60 p. 99—135, wo die ganze frühere Litteratur 
Tzetzes, dem die gewöhnliche Form der erwähnt ist; Cohn in Frieäländers Sittengesch. 
Sage bekannt ist (vgl. ad Iliad. p. 139), nennt 2 6 , 253. Gubernatis , mythol. des pl. 2, 236 f. 
N an mehreren Stellen einen Lakonier, vgl. (dessen übrige phantastische Deutungen durch- 
ad Iliad. p. 75, 16. chil. 1, 9, 234 u. 4, 119. aus abzulehnen sind); Murr, Pflanzenwelt m 
Auf eine besondere lakonische Überlieferung der griech. Myth. p. 246 ff. — Unbestritten hat 
läfst sich daraus so wenig schliefsen, wie aus die Blume, mag nun in unserem Mythus Narc. 
dem Pseudo- Charid. 24, wo wir lesen: 'Tüniv- poeticus oder serotinus oder Tazetta gemeint 
9ov zbv Kalbv rj zbv AaxsSctifiöviov Näq%ieaov, sein, ihren Namen von dem starken betäubenden 



■ -/uri'*» 



15 Narkissos (Deutung) Narkissos (in der Kunst) 16 

Geruch (vaQitäv). Sie fand in verschiedenen der Bäche in herrlicher Pracht entwickelt; nur 
Kulten und Gebräuchen Verwendung, die viel- dafs sich hier an den Grundgedanken noch ge- 
fach (nicht immer) Bezug auf Tod und Unter- wisse ethische, dem Mystischen sich nähernde 
weit haben; „man pflanzte die Narcisse viel- Vorstellungen von heftigem Verlangen, Sinnes- 
fach auf die Gräber und verwandte sie zur betäubung und Hinabgezogenwerden in die 
Bekränzung der Toten" (Murr p. 248). Kränze feuchte Tiefe anschliefsen" (d. h. in späterer 
aus Narcissen galten nach Artemidor. oneirocr. Zeit). — Ob der Name der Blume auf den 
1, 77 für unheilbedeutend, zumal für Schiffende ; Jüngling übertragen ist ( Welcher, A.B. 4, 166 ; 
anderseits wurden sie aber zu Liebeskränzen so schon Tzetzes chil. 1, 9, 247 ff. oder exeg. in 
verwendet und dem Eros zur Bekränzung ge- 10 II. p. 75, 16 ed. Herrn), wie in manchen an- 
geben, „in unverkennbarer Beziehung auf die deren Blumeneagen, oder ob umgekehrt nach 
Sage von N." (Wieseler p. 127). — der mythischen Person die Blume benannt ist, 

_, , . , ,, ., wie Wieseler will, mag dahingestellt bleiben. 

Bedeutung des Mythus. Dafe die B e haU pt' ung e d es Paus. a. a. 0., die 

Über die mannigfachen Deutungen in alter Blume sei älter als N., in ihrer Begründung 

und neuer Zeit vgl. Wieseler p. 74 — 76; auch von „merkwürdiger kritischer Akrisie" zeuge, 

Welcher, A. B. 4, 174 Anm. 21. — N. ist bald wird treffend von Wieseler p. 8 bemerkt; vgl. 

das „Sinnbild einer eitlen Sprödigkeit, bald auch Kalkmann, Pausanias p. 284. — Die viel- , 

das einer schnellen Hinfälligkeit, wie Hyakin- fach gesuchten inneren Beziehungen des N. zu 

thos und ähnliche Personifikationen" (Preller, so Amphiaraos, Eros, den Musen und Nymphen 

Gr. Myth* 1 p. 723). Dafs die Sage mit vielen lassen sich nicht glaublich nachweisen. — 

ähnlichen Mythen (Linos, Hyakinthos, Adonis Ob der bei Artemidor. oneirocr. 1, 77 er- 

u. a.) verwandt ist, ist oft erwähnt worden (vgl. wähnte Aberglaube : to sv vSaxi xatojrip^sff&at 

besonders Moscher im Art. Adonis Bd. 1 Sp. 76). &ävazov ngoayoqsvsi avxä rm IS&vxi t" xwi 

Zu beachten ist dabei, dafs uns der Mythus xmv oinsiotuTtov avxä etwas mit der Narkissos- 

nur in später litterar. Fixierung vorliegt, die sage zu thun hat, ist fraglich. — Man vgl. 

höchstens in die alexandr. Zeit reicht, wo auch noch die Hirschfabel, ferner was Columella 

solche lokale Sagen beliebt und vielfach be- de re rust. 6, 35 oder Plutarch quaest. symp. 

arbeitet wurden (vgl. Welcher a. a. 0. p. 166). 5, 4 erzählt, wozu auch Wieseler p. 93 Anm. 58 

Ob in der wesentlich abweichenden, aber lücken- 80 zu vergleichen ist. 

haften Überlieferung bei Strabo und Probus „-u,. -r. 

eine ältere Sage vorliegt, läfet sieh nicht ent- Bildhcne Darstellungen. 

scheiden; das Verhältnis zwischen N. und der Litteratur: Wieseler, Die Nymphe Echo, 

Blume läfst sich daraus nicht rekonstruieren. Gott. 1854, p. 33—54. Narhiisos p. 9 — 74. Nach- 

Dafs in der thespischen Sage Symbol und richten von der K. Gesellsch. d. Wissensch. zu 
Mythus sich aufs beste decken, ist klar. Zu- Göttingen 1869 p. 351 ff. (Ganz ungenügend 
treffend sagt Wieseler p. 81 f.: „Die schöne Müller-Weicher, Handbuch der Arch. 3 p. 693). 
Blume lieht das Wasser; sie senkt bekanntlich Die frühere Litteratur ist bei Wieseler voll- 
ihren Kelch nach unten. Darum steht oder ständig zu finden. Wieseler selbst hat unter 
sitzt der schöne Jüngling N. am Rande des 40 vielfacher Zustimmung eine gröfsere Anzahl 
Wassers, schaut er geneigten Hauptes in das von Darstellungen auf N. bezogen, die wir 
Wasser, wo er sein Bild erblickt, wie das Ab- heute nicht als hierher gehörig anerkennen 
bild der Narcisse aus dem Wasserspiegel zu- können. Dahin gehört zunächst der häufig 
rückstrahlt. Er schaut und schaut, indem er vorkommende, vielbesprochene Typus eines er- 
immer mehr und mehr dahinschwindet, bis er müdet dastehenden Jünglings, der aufser als 
zuletzt am Ufer den Geist aufgiebt oder sich N. auch als Pan, Dionysos, Hyakinthos, Genius 
in das Wasser stürzt, wie die Narcisse all- der Ruhe oder des Todes, zuletzt von Furt- 
mählig verwelkend endlich am Ufer verdorrt wängler ohne genügenden Grund als Adonis ge- 
oder absterbend in das Wasser fällt. Dies Ab- deutet worden ist. Eine befriedigende Erklärung 
sterben der Blume macht sich besonders fühl- 50 ist noch nicht gefunden. Vgl. über den Typus: 
bar zur Zeit des Sonnenbrands. Von dem Arch. Zt. 1862 p. 305. 1867 p. 104*. Hübner, 
Jüngling N. heifst es, er sei zur Zeit der Die antih. Bildw. in Madrid p. 80f. Bullet. 
Sonnenhitze an die Quelle gelangt." Doch 1877 p. 158. Furtwängler, Satyr von Pergamon 
möchte ich Wieseler nicht weiter folgen, wenn p. 29, 2. Matz -Huhn, Antike Bildw. in Rom 
er aus der von ihm angenommenen Wesenheit 1, 273 ff. nr. 969—977. Dütschhe, Ant. Bildw. 
der Blume den Schlufs zieht, dafs N. ein Dämon 4, 650. Friederichs - Wolters p. 248 f. nr. 525. 
der Ruhe, des Todes, der Unterwelt sei. Auch Winnefeld, Hypnos p. 30. Furtwängler, Meister- 
est sich in keiner Weise sagen, ob über- werhe p. 483 ff., wo man die übrige Litteratur 
haupt und was für ein Zusammenhang zwischen findet. — Ferner ist als nicht auf N. bezüg- 
N. und Narkaios (s. d.) oder Athene vap-xaia eo lieh auszuscheiden der ebenfalls sehr häufige 
statt hat. Die oben erwähnte Benutzung der Typus, den Furtwängler, Meisterw. p. 459 als 
Narcissen zur Bekränzung der Toten und zum „sich bekränzender Knabe" bezeichnet und den 
Gräberschmuck erklärt sich doch schon aus kurz zuvor noch Heibig (Bendic. d. Accad. dei 
der Erinnerung an den so traurig dahingestor- Lincei 1892 p. 790 ff. 'sopra un tipo di Nar- 
benen schönen Jüngling. Ich sehe in N. mit cisso') für N. in Anspruch genommen hatte. 
Murr p. 247 u. a. nur „die Idee des baldigen Die Wiederholungen, Modifikationen und die 
Dahinwelkens der schönen Blumenwelt, welche Litteratur siehe bei Furtwängler a. a. 0. p. 
sich im Frühjahr besonders an den Rändern 453 ff, dessen früher bereits von anderen aus- 



17 



Narkissos (in der Kunst) 



Narkissos (in der Kunst) 



18 



gesprochene Auffassung jedenfalls das Richtige 
trifft. Vgl. auch noch Petersen in Böm. Mitt. 
1893 Bd. 8 p. 101 f. Mit diesem Typus ist die 
von Wieseler (NarJc. p. 60—71) ebenfalls auf 
N. bezogene Gruppe von Ildefonso verwandt 
(vgl. Furtwängler a. a. 0. p. 463). — Des- 
gleichen liegt kein genügender Grund vor, in 
der bei Wieseler, N. unter nr. 16 (p. 71) abge- 
bildeten Bronzestatuette einen N. zq sehen; 



4) Figur an einem Sarkophag in Volterra, 
r. von J. Schmidt im BuTl. 1879 p. 163. 

5) Zweifache Figur an den Ecken der Vor- 
derseite des Sarkophags bei Gort, Columb. libert. 
et serv. Liviae Aug. et Caes. t. 6, und bei Pira- 
nesi, Antich. Rom. t. 28; vgl. Wieseler, N. p. 26. 

6) Grabrelief, in sehr roher Zeichnung bei 
Wütheim, Luciliburgensia, Luxemburg 1842, 
pl. 75 nr. 313, kurz beschrieben von Roulez in 



über den Marmorkopf nr. 17 bei Wieseler 10 Melang. de Phil. 4 nr. 3 p. 4, vgl. Wieseler, N. 

vgl. man Stephani, Me'm. de YAcad. de St. - - -- - 

Petersb. 18 (1872) p. 18. — Der sogen. N. in 
Neapel schliefslich wird jetzt wohl allgemein 
als Dionysos betrachtet, zumal seit Hauser im 
Jahrb. d. Inst. 1889 p. 113 ff. nachgewiesen 
hat, dafs die Bronzestatuette falsch auf ihre 
Basis gestellt ist. — 

Mit Sicherheit oder grofser Wahrscheinlich- 
keit sind folgende Darstellungen auf N. zu 
beziehen: 




I. Terrakotta- und 
Reliefflgnren. 

1) Terrakottafigur aus 
Tanagra (Fig. 1), publ. 
von Lenormant, Gaz. 
arch. 1878pl.27(p. 153— 
155), von Heibig im Bull. 
1879 p. 36f. als N. er- 
kannt. Dies älteste 
N.-Monument (über die so 
Datierung siehe Heibig 
in Bendic. d. Accad. dei 
Lincei 1892 p. 792f.) 
weist in der eigentüm- 
lichen Haltung des Ge- 
wandes (ein Abziehen 
vom Körper), in der 
Körperform (etwas weib- 
lich), in der Stellung 



p. 24. N. , halb knieend, mit der. L. aufge- 
stützt, mit der R. das Gewand zurückschlagend 
(Motiv, wie bei Nr. 1 u. 2; vgl. besonders das 
Wandgemälde bei Heibig nr. 1355). 

Fraglich, ob hierhergehörig, eine Figur auf 
einem Sarkophag des P. Barberini bei Zoega 
in Welcher* Zeitschr. f. a. Kunst p. 38 f. und 
Wieseler, N. p. 31. — 

7) Relief auf einem in Ostia gefundenen 
20 Euteal; abgeb. bei Guattani, Mon. ant. ined. 
t. 7 u. 8 (p. XLIIff.), Wieseler, Echo nr. 1 (p. 24 
u. 33 ff.). N. steht mit staunend erhobener R. 
vor einem Quell, der aus einer von einer Quell- 
nymphe gehaltenen Hydria sprudelt; sein Bild 
ist sichtbar. Hinter ihm (r.) 2 Kühe, eine aus 
der Quelle trinkend, und eine gelagerte Nymphe 
('nicht Echo), die die R. erhebt und in der L. 
Schilf hält. Im Hintergrund Bäume und Schilf- 
rohr. Daneben Darstellung des Hylasraubes. — 



H. Statuen. 

1) Marmorstatue in Venedig bei Dütschke, 
Ant. Bildw. 5 nr. 221. Ziemlich dieselbe Dar- 
stellung wie im Sarkophag Nr. 4 (Mus. Pio- 
Clement.). 

2) Gruppe im Mus. Chiaramonti; abgeb. 
bei Gerhard, Ant. Bildw. t. 93 nr. 1. Clarac 
pl. 495 nr. 964. Wieseler, N. nr. 10 (p. 26); 
ausführlich beschrieben von Zoega in Welclcers 



des Eros unverkennbare 40 Ztschr. p. 462 f. Kopf, Beine und Arme er- 



Ahnlichkeit mit ande- 
ren Darstellungen des 
N., besonders auf pom- 
pejanischen Wandge- 
mäldenauf. N.entblöfst 
seinen Körper, um die 
schönen Formen im 
Wasser zu bewundern. 
2) Marmorrelief im P. Capitol, abgeb. bei 



-1) Narkissos sich ent- 

blöfsend, um sich im 

"Wasser zu bespiegeln, 

Terrakotta aus Tanagra 

(nach Gaz. arch. 1878 pl. 27). 



Schreiber, Hellenist. Bdiefbüder t. 16. N. mit 50 p. 362. 



gänzt, letztere falsch. Am Baumstamm, an 
welchen N. sich lehnt, hängt das Gewand; ein 
kleiner Eros ist am Stamm schwebend ange- 
bracht; unter demselben ist eine kleine weibl. 
Figur gelagert, von der nur der Oberkörper 
sichtbar ist (Nymphe) ; am Boden das Bild des 
N. (Typus wie in Stat. 1). 

3) Marmorgruppe zu Palermo (fälschlich zu 
einem Apoll ergänzt); Wieseler, Gott. Ans. 1869 



1. übergeschlagenem Beine steht, die L. auf 
eine kleine weibl., bekleidete Herme, die einen 
Kranz in der R. hält, gestützt, mit der bis 
zum Kopf erhobenen R. das Gewand zurück- 
schlagend, das, nur vorn am Halse zusammen- 
gehalten, den ganzen Vorderkörper frei läfst 
und über den Rücken herabfällt; der Kopf ist 
sinnend gesenkt. Die L. hielt eine Lanze. 
3) Relieffigur auf einem Sarkophag im Mus. 



4) Marmorgruppe in Venedig bei Dütschke, 
Ant. Bildw. 5 nr. 221 (Typus des Reliefs Pio- 
Clem.). 

5) Torso im Lateranens. Mus. bei Benndorf- 
Sehoene p. 242 nr. 20 (derselbe Typus). 

Wahrscheinlich gehören noch 2 Statuen 
hierher : 

6) Marmorstatue im Louvre, abgeb. Mus. 
Napoleon 1, 42. Mus. Franc, 4, 1, 16. Clarac, 



Pio-Clement. 7, 13. Gerhard, Ant. Bildw. 93 60 pl. 300 nr. 1859. Wieseler, N. nr. 11 (p. 32ff. 



und sonst abgeb., vgl. Wieseler, N. nr. 9 (p. 25 
an. 49). — Einzelfigur (an beiden Ecken des 
Sarkophags wiederholt) mit über den Kopf 
gelegten Armen (dies Motiv kehrt auch in Wand- 
gemälden wieder z. B. Heibig nr. 1350) bekränzt, 
nackt (das Gewand hängt an einem Baum) : er be- 
trachtet sein am Boden befindliches Bild, auf das 
ein kleiner Eros ihn hinweist. — Ganz ähnlich 



u. 43 ff.). Ganz unbekleidet, die zusammenge- 
legte Chlamys auf einem Baumstamm über N.s 
Haupt; Haar bekränzt, lange Locken. Stellung 
der Beine wie oben im Relief nr. 2. 

7) Bronzestatuette in Florenz, abgeb. bei 
Wicar et Monges 1 pl. 86. Clarac pl. 680 nr. 
1590. Wiesehr, N. nr. 12 (Typus des Reliefs 
im Mus. Pio-Clement.). 



19 



Narkissos (i. d. Kunst) 



Narkissos (i. d. Kunst) 



20 



Abzulehnen ist wohl Wieseler, N. nr. 14, 
Marmorstatue in Rom (Vatikan) abgeb. B. M . 1 , 2 
t. 53. Mus. Pio-Clem. 2 t. 31. Clarac 4 pl. 632 
nr. 1424, und die Marmorstatue des Vatikans bei 
Wieseler nr. 15 ; abgeb. Mus. Chiaram. 1 t. 11. 
Clarac pl. 407 nr. 703; vgl. dazu Curtius, Plastik 
der Hellenen an Quellen und Brunnen (Abh. 
der Akad. d. Wissensch. zu Berlin 1876) p. 156. 

HI. Wandgemälde. 

Sehr häufig ist auf pompejan. Wandge- 
mälden N. allein, oder mit Eros, oder mit Eros 
und weiblichen Figuren dargestellt. Vgl. das 
Verzeichnis (bis 1867) mit den Litteraturnach- 
weisen bei Heibig nr. 1338 — 1367 (vielleicht 
gehört auch nr. 962 hierher). Wieseler, Echo 
p. 33ff. und Abb. nr. 2 u. 3. N. p. 13—19 u. 
73 f. Götting. Nachr. 1869 p. 351 ff. Welcher, 
A. D. 4 p. 164 ff. Sogliano, le pitture murali 
scoperte negli anni 1867—79 nr. 586—592. Mau 20 




2) Narkissos an einer Quelle sitzend, daneben Eros, 
pompejan. "Wandgemälde (nach Ternite, Wandg. 3, 4, 25). 



des Gewandabziehens und das des über den Kopf 
gelegten Armes sind bereits oben bemerkt. — 

Auf mehreren Bildern (Heibig nr. 1358, 
1360, 1363, 1864, 1366) glaubte Wieseler unter 
teilweiser Beistimmung Helbigs die Echo zu 
sehen; wohl mit Unrecht; bei nr. 1363 u. 1364 
wurde er selbst später zweifelhaft. In den 
weiblichen Figuren sind wohl nur Nymphen 
zu erblicken. In nr. 1358 ist nach der Zeich- 
10 nung bei Zahn 8, 65 die betr. Figur übrigens 
gar nicht weiblich; vgl. dazu nr. 1359. — 
nr. 1366 ist von Trendelenburg, Arch. Zt. 1876 
p. 89 Anm. 18 auf Adonis bezogen, wie schon 
früher Bechi gethan hatte; schwerlich mit 
Recht. Die r. stehende weibliche Figur mit 
Wieseler auf Aphrodite -Nemesis zu deuten, 
geht nach dem schmerzlichen Gesichtsausdruck 
in der Abbildung des M. B. 7, 4 nicht wohl 
an. — 

IV. Geschnittene Steine. 

Gewöhnlicher Typus : N., das Gewand nach 
hinten zurückschlagend und ausbreitend oder 
auch ganz nackt vor der (öfters hinzuzuden- 
kenden) Quelle. 

1) In der früheren Sammlung Jenkins, von 
Winckelmann, Mon. ined. nr. 24 (p. 29), ediert; 
Wieseler Abb. nr. 5. Der erwähnte Typus; 
das Wasser fliefst durch einen Löwenkopf aus 
einer steinernen Einfassung. Auf dieser ein 

so Postament, auf welchem Eros steht (oder dar- 
über schwebend?). Hinter N. eine kleine 
Figur mit 2 Fackeln (Artemis) auf einem Felsen. 

2) Karneol in Florenz bei Lippert, JDakty- 
lioth. 1, 2, ,63. Gori, M. Fl. 2, 86, 2. Wieseler 
Abb. 6. — Ähnlich. N., aber nach r. (statt nach 1.) 
gewandt, einen Zweig in der gesenkten L. 
Artemis wie in nr. 1. 

3) Gemme in Wien, bei Wieseler Abb. 7. 
Derselbe Typus. N. nach 1. gewandt; die R. 

40 hält einen Kranz; keine Nebenfiguren. 

4) Grüne Glaspaste in Berlin, Furtwängler, 
Beschr. nr. 3097. Derselbe Typus. Vor N. ein 
kleines weibl. Götterbild mit Fackeln in den 
Händen und ein Altar. 

5) Braune Paste in Berlin, Furtwängler 
nr. 4481. Ähnlich; N. am Brunnen; Zweig in 
der R. 

6) Karneol der Thorwaldsenschen Samm- 
lung bei Codes 2, B. 93. Impr. d. I. 1 nr. 73. 



im Bull. N. allein oder mit Nymphen: 75 p. 239. 
76 p. 26 u. 100. 79 p. 265. 83 p. 201. 85 p. 258. 
Rom. Mut. 87 p. 118. N. mit Eros: 76 p. 230. 50 Wieseler Abb. nr. 8. — N. ganz nackt vor dem 



79 p. 203. 84 p. 106. Rom. Mitt. 89 p. 118. 
90 p. 270 {Scavi 92 p. 271). N. mit Eros und 
Nymphen: 85 p. 164. — 

Den am häufigsten in mancherlei Modifika- 
tionen vorkommenden Typus giebt unsere Abb. 
nr. 2. — N. ist fast immer als Jäger mit 1 
oder 2 Lanzen, vereinzelt auch mit Keule, 
Lagobolon oder Schwert dargestellt; mehrfach 
mit Sandalen oder Jagdstiefeln. Haare meist 



Brunnen, auf demselben Eros; hinter N, eine 
Blume (Narcisse). 

7) Amethyst in Wien bei Sacken und Ken- 
ner nr. 740 (aber fraglich). — Die Wiener 
Gemme bei Sacken- Kenner nr. 789 ist doch 
wohl mit nr. 3 identisch. — 

8—10) Wahrscheinlich gehören hierher die 
3 geschnittenen Steine in Berlin, Furtwängler 
nr. 2484. 6869. 9296; dort als Jäger und nr. 



bekränzt, öfters mit langen Locken. Ober- 60 9296 als Meleager bezeichnet. 



körper gewöhnlich nackt; die Formen mitunter 
fast weibisch. Das Wasser, in dem das Bild 
keineswegs immer zu sehen ist, bald durch eine 
Quelle, bald durch einen Brunnen, vereinzelt 
auch durch ein Becken angedeutet. N. blickt 
teils in das Wasser hinab, teils träumerisch in 
die Ferne. Zu eingehender Betrachtung ist hier 
nicht der Raum. Die beiden anderen Motive: das 



Die von Raspe, Catal. rais. der Tassie'schen 
Pastensammlung unter nr. 8840 und 8841 er- 
wähnten Steine des Brit. Mus. (vgl. Wieseler 
p. 20) sind mir nicht bekannt. Ebenso wenig 
der bei Chabouület, Catal. des camies et pierr. 
grav. p. 240 nr. 1791 als auf der Königl. Biblio- 
thek in Paris befindlich erwähnte Stein (vgl. 
Wieseler in Götting. Nachr. 1869 p. 359), der, 



21 Narnakios Naubolos 22 

wenn richtig erklärt, einen anderen Typus Nastes (Naarrjg), Sohn des Nomion, der mit 

darstellen würde : „Narcisse agenouille pour se seinem Bruder Amphimaehos die Karer vor 

mirer dans la fontaine. II est caracterise par Troia anführte, Hom. II. 2, 867 ff. (Quint. Sm. 

la fleur, qu'il tient ä la main droite." 1, 281. Apollod. ep. 3, 35. Dict. 2, 35. Dar. 18). 

Auf Vasenbildern, Münzen etc. ist N. nicht Die bei Homer folgende Angabe (og Kai %gv- 

nachgewiesen. — Über die Schilderung einer eov i'xcov . . .), er sei mit Gold geschmückt 

angeblichen Statue des N. bei Kallistratos wie ein Mädchen in den Krieg gezogen und 

(5 p. 28 f. Kays.) und eines Gemäldes bei später von Achilleus im Skamander getötet 

Philostratos (1, 23 p. 398 Kays.) vgl. die Er- worden, bezog Aristarch auf Amphimaehos, 
örternng bei Wieseler, N. p. 10 f. [Greve.] 10 Simonides aber auf Nastes (Schol. v. 872). Nach 

Narnakios (Nagräinog), Beiname des Posei- Diet. 4, 12 fielen beidev durch die Hand des 
don, Le Bas- Waddington 2779. Über die Frage, Telamoniers Aias. [Wagner.] 
ob dafür Aagvcexiog zu lesen sei, s. Hogarth, NaS'Uiii, Name einer Furie, neben clutu- 
Devia Cypria 288. S. Beinach, Revue arch. musfra und urusfl-e = Klvralfiriarga und 
15 (1890), 288. [Entschieden für die Lesung 'Ogea9i]g auf einem in Berlin befindlichen 
Nagvüxiog tritt ein Ph. Berger, Poseidon Nar- etruskischen Spiegel aus Vulci: s. Fäbr.C. I.I. 
nakios: Melanges Julien Havet. Paris 1895 2156; Corsstn, Spr. d. Etr. 1, 375; Gerhard, 
p. 771—775. Auf einem ihm von Emile Des- Etr. Sp. 3, 221, t. CCXXXVIII. [Deecke.] 
champs übermittelten Abklatsch der Inschrift Nati oder Natae, unbekannte Gottheiten (?), 
Waddington 2779 ist in Zeile 7 deutlich 20 figurieren auf einer bei Pallanza gef. Inschrift 
NAPNAKIOY zu erkennen. Dafs dies nicht auf C. I. L. 5, 6642. [M. Ihm.] 
einem Versehen des Steinmetzen beruht, zeigt Natio (var. lect. Nascio), eine Geburtsgöttin, 
eine gleichfalls in Larnakatis Lapithou ge- die bei Ardea ein Heiligtum hatte, Cic. de nat. 
fundene, von Berger in den Comptes-rendus de deor. 3, 18, 47: Natio quoque dea putanda est, 
Vacad. des inscr. et b.-l., seances du 17 nov. cui, cum fana circumimus in agro Ardeati, rem 
et 15 döc. 1893, vgl. Bev. de l'hist. des religions divinam facere solemus. quae quia partus matro- 
15 e annäe, tome 29 (1894) p. 108 veröffentlichte narum tueatur, a nascentibus Natio nominata 
phoinikische Inschrift, deren 9. Zeile nach est. (Härtung, Bei. d. Römer 2, 240. Preller, 
Bergers Übersetzung lautet: „ä mon seigneur Rom. Myth. 577. Gerhard, Gr. Myth. 2 § 989, 3. 
Melqart, ge'nie de Narnaka". Berger folgert 30 Usener, Götternamen 373.) [Wagner.] 
aus dieser Inschrift, dafs der Poseidon Nar- Natura bei lat. Dichtern = Physis (s. d.). 
nakios ein Melkarth war. Drexler.] [Höfer.] Nauarchis (Navag%ig), Beiname der Aphro- 
Jo Narthekephoros (Nag&rjxotpögog), 1) Bei- dite auf einer bei Kertsch gefundenen Marmor- 
name des Dionysos als Thyrsosträgers; Orph. h. platte üoaiSävi cmeiveto %al 'AtpgoSky vaveeg- 
42 + l(=ö'«effog)deos);ygLBd. 1 L _S£ 1 JX)95 ; J L 099. %i8i, Stephani, Compte-rendu p. l'a. 1881 134 
1106. Saglio, Bie t, d. ant. sl v. Ferula. — 2) Be- [= Inscriptiones ant. orae sept. Ponti Euxini 
Zeichnung der Bakchen, der Verehrer des Diony- Graecae et Lat. ed. Latyschew 2 p. 21 f. nr. 25. 
sos; vgl, das sprichwörtliche nollol p\v vao&r)- Drexler.] Über die Beziehungen der Aphrodite 
ho cp 6 qoi ic uv g oi Si xs ßätcxoi und dazu zum Meer und zur Schiffahrt s.Bd. lSp. 402 Z.2ff., 
Lobeck , Aglaoph. p. 813 f. Nach Rohde, Psych e -to wo zu dem Beinamen EvTtloia die zwei Inschriften 
3_23,JLbesagt der orphische Vers, e dafs unter der aus Mylasa, die einen Legsvg 'AcpgoSirrjg EvitXoiag 
grofsen Zahl der Teilnehmer an denbakchischen nennen (Corr. hell. 5, 108), nach zutragen sind, 
Feiern doch nur wenige sich mit Recht mit so wie die Widmung aus dem Peiraieus ^qppoätTfi 
dem Namen des Gottes selbst benennen, EvnXoi'a, Rangabi, Ant. hell. 2,1069; vgl. auch 
als durch ihre ekstatische Erregung mit ihm die Artikel Pelagia und Pontia. [Höfer.] 
eins geworden. Es war hierzu eine eigene Naubolides (NavßoUSrjg), Bezeichnung für 
morbide Anlage erforderlich. Dieselbe, welche die Söhne des Naubolos (s. d.). Dasselbe gilt 
unter anderen Verhältnissen zum echten Scha- auch von dem angeblichen Phaiaken Nau- 
manen u. s. w. befähigt'. [Röscher.] bolides, Hom. Od. 8, 116; denn in den Worten 

Naryandis (Nagvaväfg), Beiname der De- 50 Evgvalog . . . NavßolCSrjg &' ist die Partikel, die 

meter auf einer Inschrift aus dem Zeustempel auch in einem Marcianus fehlt, mit den neueren 

in Panamara, Corr. hell. 12 (1888), 269, 54 Herausgebern zu tilgen, vgl. Anton, Rhein. 

nach Leschamps u. Cousin a. a. O. 270 ist das Mus. 19, 234. Ameis-Hentze, Anh. z. Hom. Od. 

Epitheton ein lokales, etwa von einer Stadt 2 3 , 26. [Wagner.] 

Naryanda abgeleitet. [Höfer.] Naubolos (iVaußoÄos), 1) Argiver, Sohn des 

Nasamon (IVoeafto)!'), Sohn des Amphithemis Lernos, Enkel des Proitos, Urenkel des Nau- 

oder Garamas und der Nymphe Tritonis, Enkel plios, Vater des Klytoneos, Ap. Rh. 1, 134 ff. 

des Apolhm, Bruder des Kaphauros (oder Ke- Schol. Veron. Verg. Aen. 2, 82 (Serv. ed. Lion 

phalion) , der den Argonauten Kanthos in Li- vol. 2 p. 312), wo Klytios statt Klytoneos steht, 
byen tötete. Er war der Stammvater der 60 — 2) Phoker, Sohn des Ornytos (Ornytion 

Nasamonen, eines Volkes in Libyen, Ap. Rh. Schol. H. 2, 517), Gatte der Perineike, einer 

4, 1494 ff. Eustath. zu Dion. Per. 209. Steph. Tochter des Hippomachos, Vater des Argo- 

Byz. s. v. NaauiMÖvsg (vgl. Suid. s. v. Naea- nauten Iphitos, Ap. Rh. 1, 207 f. mit Schol. 

Iiävog). Hyg.fab.li (p. 48, 22 Schm.). [Stoll.] Apollod. 1, 9, 16, 9. Orph. Arg. 146. Vol. 

Nascio s. Natio. Flacc. 1, 362. Hyg. fab. 14 p. 47 Schm., Grofs- 

Nasiotas (Namcörag), Beiname des Apollon vater des Schedios und Epistrophos, Hom. II. 

auf einer Inschrift aus dem boiotischen Chalia 2 , 518. Lykophr. 1067 mit Schol. und Tzetz. 

C. I. G. 1, 1607. Preller-Robert 256, 3. [Höfer.] Bei Stat. Theb. 7, 354 ff. heifst der Phoker 



23 Nauklos Nauplios 24 

Naubolos, Vater des Iphitos, Hippasides (nach des Diktys und Polydektes, Apollonios Bhodios 
anderen war Iphitos der Sohn eines Hippasos (1, 1341 aber Proitos, den Ahnherrn von Nau- 
rus dem Peloponnes, Hyg. a. a. 0.); er nahm plios 2. Über seine häufige Verwechselung 
den auf der Reise nach Delphi begriffenen mit Nauplios 2 s. d. 

Laios gastlich auf, begleitete ihn und wurde 2) Sohn des Klytoneos, Enkel des Naubolos 

mit ihm von Oidipus erschlagen, Schneidewin, stammte im fünften Gliede von Nauplios 1 ab 

Sagev. Oidipus p. 13. Antiphateia, die Gattin (Apoll. Rhod.l, 134 ff., daraus Schol. Veron. Vera. 

des Knsos und Matter des Strophios, heifst Aen. 2, 81. Serv. ed. Lion 2, 312, wo Klytios 

Tochter des Naubolos, Schol Eurip. Or. 33. für Klytoneos steht, Argonautenverzeichnis 
Hesiod nennt den alten Naubolos als Vater lo Schol. Apoll. Bhod. p. 536 Merkel. NavnXiog 

der Antiope (codd. AvTtö%ri), welche dem Eury- Klvzovr\ov r) IlooetSävoz, ferner Orph.Arg. 202 ff 

tos Iole gebar (frg. 135 Bzach b. Schol. Soph. Hyg. fab. 14 p. 46, 9 Sclvm.). Er war Argonaut 

Trach. 266) ; doch setzte Bentley IlvXmvog Nav- und bewarb sich nach dem Tode des Tiphys 

ßoltöao für nuXaiov NavßoXiäao auf Grund von mit andern darum, die Argo zu steuern (Apoll. 

Hyg. fab. 14 p. 45 Schm.: Euryti et Antiopes, Ehod. 2,896). Nach Theon (Schol. Ar. Phaen. 27) 

Pylonis fihae. Nauboleis war ein altes Städtchen entdeckte er als Sternkundiger das eine der 

in Phokis, Paus. 10, 33, 12, wo Schubart (ed. Bärengestirne. In dem Vergilscholion wird 

Paus. yo\. 2 praef. p. 26) schreiben möchte: derselbe Nauplios als Vater des Palamedes 

oCKiarrjv svrav&cc yevia&ai tpaal (NavßoXovy bezeichnet, und es liegt in der That nach der 
$coxov (für ^äyiov) nalSa tov Aicmov. — 20 Chronologie des Epos kein Grund vor, beide, 

3) Vater des Pbaiaken Euryalos (s. Naubolides). wie bisher geschehen ist, zu trennen, umsomehr 

[Wagner.] als der Vater des Palamedes unzweifelhaft von 

Ä antlos s. N a o k 1 o s. Nauplios 1 abstammte und andre chronologisch e 

Naukrate (Nav^gatri), eine Sklavin des Mi- Angaben über ihn fehlen. Denn schon von 

nos, von Daidalos Mutter des Ikaros (Apollodor. Euripides (Iph. Aul. 198) uud in der gesamten 

epit. 1, 12. Tzetz. Chüiaä. 1, 498). [Steuding.] mythographischen Überlieferung wird derVater 

Saukratites s. Bd. 2 Sp. 2107. des Palamedes als Sohn des Poseidon und der 

Naulochos (?), vermeintlicher Heros in dem Amymone bezeichnet, also mit Nauplios 1 

Epigramm aus Priene bei Kaibel, Epigr. qr. identifiziert (Apollod. 2, 1, 6, 13. 2, 7, 4, 3 Hyg 
nr. 774. Wie Meister, Jahrb. f. kl Phil 1891 so a. a. 0. Schol. Apoll. Bhod. 1, 134. Myth. Yat. 

S. 167 f. nachweist, ist a. a. 0. Naulochon, der 2, 200 f.). Quint. Smym. 14, 618). Der chrono- 

Hafen von Priene, zu verstehen. [Höfer.] logischen Unmöglichkeit dieses Ansatzes, auf 

Naupidame (NavuiiSäfirj? Boscher vermutet welche auch Strabo (8, 368) aufmerksam macht, 

NavßiSanTi, s. unt. Amphidamas Bd. 1 Sp. 304), suchte man dadurch zu entgehen, dafs man 

Tochter des Amphidamas, von Helios Mutter ihnals j«>:KpofJiosbezeichnete(4po?7oi.2,l,5,13) 

des Augeias, Hyg. fab. 14 p. 46, 26 Schmidt; Seine Gattin war nach den Nosten Philyra, 

s. Augeias [Stoll.] nach KerJcops Hesione (s. u. Hesione 2), nach 

Nauphades (Nav^XiüSrjg) = Palamedes, den Tragikern Klymene, Tochter des Katreus 

Ov.Met.^ 13, 39. 310. Ibis 617. [Höfer.] (Apollod. 2, 1, 5, 14); seine Söhne waren Pala- 

Nauplios (NavnXiog, vgl. Suid. vavnXtog- 40 medes, Oiax und Nausimedon (Apollod.2,1,5, 14. 

7] sv »alaeor) itQÖodog). 3, 2, 2. 1. ep. 3, 7; vgl. Hyg. fab. 277. Biet. 1, 1. 

1) Sohn des Poseidon, der zu Nauplia einen Bar. 18; Palamedes Naupliades genannt Ov.Met 

Tempel hatte (Paus. 2, 38, 2), und der Danaide 13, 39 u. 310. Ibis 617). 

Amymone, welcher Poseidon die Quellen in Alle Namen dieser Familie (aufser Palamedes) 

dem Naupha gegenüberliegenden Lerna zeigte weisen auf das Meer hin (Lehrs, Arist. 265), und 

(Pherekyd. b. Schol Apoll. Bhod. 4, 1091 und Nauplios selbst ist ein Poseidonischer Heros, in 

1, 134. Apollod. 2, 1, 5, 13, vgl. 2, 1, 4, 8. Paus. dem die unheimlichen Seiten des Schifferlebens 

2, 38, 2. Hyg. fab. 169). Er war nach Paus. verkörpert sind, ein kühner Seefahrer, der seine 
2, 38 2 der Gründer des uralten Hafenplatzes Kunst dazu verwendet, andern Schiffern den 
von Tiryns (vgl. Strab. 8, 368 und E. Meyer, 50 Untergang zu bereiten (nXi cov zr\v ȊXaaaav 
Gesch. d. Altert. 2, 183 ff.), der einst zum See- rolg kpitCnrovoiv inl »aväzm invgcocpÖQi-i. 
bund von Kalauria gehörte (Strab. 8, 374), Apollod. 2, 1, 5, 13), jedenfalls um sie zu be- 
aber bereits im zweiten messenischen Kriege rauben (vgl. Bio Chrys. 7 p. 231 B. Steph. Byz 
zerstört wurde (Paus. 4, 24, 4 u. 35, 2). Pau- s. v. Ka<pr)Qsvg). Seine Meerfahrten haben ihn 
samas (8, 48, 7) giebt an, dafs die Bewohner in Verbindung mit verschiedenen Sagen gesetzt, 
von Nauplia mit Danaos atigekommene Agyp- in denen er fast überall eine verhängnisvolle 
ter waren und erst drei Generationen später dort Rolle spielt, und mehrfach läfst sich verfolgen, 
von Nauplios angesiedelt wurden. E. Curtius wie er erst nachträglich in die Sagen eingeführt 
erklärte Nauplios und Palamedes für Eeprä- worden ist. Aleos übergab ihm in Tegea seine 
sentanten des phoinikischen Einflusses (Bhein. 60 von Herakles entehrte Tochter Auge (s. d.), um 
Mus 7, 455ff., Peloponn. 2, 391f.), Bursian er- sie insMeer zuwerfen oder ins Ausland zu Ver- 
blickte in ihm einen Helden der Dryoper kaufen (Apollod. 2, 7, 4, 3). Nauplios bringt sie 
(s. nr. 2 a. E.); beide aber heben hervor, dafs dem Teuthra3', mit dem sie sich vermählt 
Lage und Sagen der Stadt auf Gründung von (Alcidam. Od. p. 670 Bekker, jedenfalls nach 
der See aus und auf ursprünglich feindliche den Äleadai des Sophokles, s. Welcher, Grie- 
Stellung zum Binnenlande hinweisen. — Als chische Trag. 1, 406 ff. Apollod. 3, 9, 1, 3. 
Sohn des Nauplios nennt Pherekydes (Schol. Paus. 8, 48, 7, vgl. Immerwahr, Kulte und 
Apoll. Bhod. 4, 1091) Damastor, den Grofsvater Mythen Arkadiens 1,63). Nach Biodor (4, 33,8 ff.) 



25 . Nauplios Nauplios 26 

hatte er sie karischen Schiffern gegeben, die mum analecta. Kiew 1896, p. 103 Aristid Or 
sie an Teuthras verkauften. Myth. Vat. 1, 204 19 p. 421 Bind. Philostr. Heroic. 11. Synes 
wird sogar Telephos als Sohn des Nauplios Ep. i. Pacuv. Dulor. Frg. 16 Vera Aen U 
bezeichnet Die ältere Sage, nach welcher 260. Prop. 5, 1, 115. Ov. Bemed. 735. Met 
Aleos selbst Auge samt ihrem Knaben in 14, 472 ff. Trist. 1,1,83. 5 7 35 ff) Nach 
einer Lade ins Meer wirft, erwähnt noch Plutarch (Quaest. Gr. 33) kam Nauplios, Ton 
nichts von einer Beteiligung des Nauplios den Griechen verfolgt, schutzflehend zu den 
(Hecat.b.Paus. 8,4,9. Eurip. b. Strab. 13, 615); Chalkidiern und fand bei ihnen Aufnahme 
Alkidamas aber, unser ältester Zeuge für Naup- woran sich eine Ortslegende knüpfte —Die 
hos, bezeichnet ihn ausdrücklich als Vater des 10 Sage von den Packeln des Nauplios ist 
Palamedes, so dafs jeder Anhalt für eine nachhomerisch (denn Homer weifs weder 
Übertragung auf Nauplios 1 fehlt. Wenn er von Palamedes und Nauplios, noch nennt er 
ihn einen armen Fischer nennt, so mag dies Nauplia im Schiffskatalog), wurde aber später 
mit dem gegen Palamedes gerichteten Zweck viel behandelt. Zuerst hat sie jedenfalls in 
der Rede zusammenhängen; bei Diodor ist er den Nosten gestanden; wenigstens ist unerfind- 
ein *reund des Aleos. — Ebenso wie Aleos lieh, bei welcher andern Gelegenheit Nauplios 
übergab Katreus, der Sohn des Minos, dem hier hätte erwähnt werden sollen (Apollod 
Nauplios seine Tochter Aerope (s. d.), um sie zu 2, 1, 5, 14). Vielleicht kam sie auch in den 
ertranken, weil sie sich mit einem Sklaven ein- Nosten des Stesichoros vor {Phalar ep 9) 
gelassen hatte (Soph. Ai. 1295 ff. Euripides 20 Von SoplwJcles werden zwei Dramen NavnXios 
Kressai nach den Schollen z.d. St.). Bei Apollodor nvQwttg und Navnltog varantiav angeführt, 
(o; A 2, 1), wahrscheinlich schon bei Euripides, die wahrscheinlich identisch sind {Welcher 
wird von beiden Schwestern erzählt, dafs Griech. Trag. 1, 184 ff.); es müfste denn die 
Nauplios sie in fremde Länder führen sollte. Fahrt des Nauplios nach Troja in einem be- 
fcr übergab Aerope dem Pleisthenes, er selbst sonderen Stück behandelt worden sein (Nauck 
heiratete Klymene (vgl. Immerwahr a. a. 0. F. T.G'\ 223), was wegen der nahen Beziehung 
66) Aus dem Befund der Überlieferung er- des Stoffs zum Palamedes des Sophokles wenil 
giebt sich, dafs Nauplios ursprünglich nur zu für sich hat. Das Argument des Dramas dürfen 
dieser Sage gehört und aus ihr (durch Sopho- wir in den eng verbundenen Erzählungen bei 
kies?) in die von Auge übertragen worden ist. so Apollod., Hyg. u. Schol. Eur. erblicken. Aufser- 
Der Sohn des Nauplios und der Klymene dem schrieben einen Nauplios Philokles (Suid ) 
war Palamedes, und durch die Rache, welche Astydamasd.j.{Stob.flor.l20,15)un.dLvcophrdn 
er lurinnan den heimfahrenden Griechen {Suid.; vgl. Welcher a. a. 0. 3, 967 1059) Auf 
nahm, ist Nauplios vor allem bekannt ge- eine tragische Vorlage weist auch die von 
worden Als er den Tod seines Sohnes er- B. Schöne hervorgezogene Beschreibung eines 
fuhr, eilte er nach Troja, um Bufse von den automatischen Theaters bei Heron (autom 
Hellenen zu verlangen, diese aber verweigerten p. 264, 3 ff. Theo., Jahrb. d. arch. Inst 5 73 ff ) 
sie ihm dem Agamemnon zu Gefallen, und er zurück, auf welchem die Fackeln des Nauplios 
kehrte rachebrütend in die Heimat zurück mit dem Untergang des Aias verbunden er- 
{Apollod. ep. 6, 8. Schol. Ewrip. Or. 432. Tedsr. *> schienen. Von dem milesischen Dithyrambiker 
Lycophr. 386). Ähnliches mufs bereits Aischylos Timotheos führt Suidas s. v. an iUgaas (nvooovg 
im Palamedes gedichtet haben, denn die Worte Welcher) n Nuvnliov, wonach auch Ath 8 338a 
J g -o ,.. Tlv °S *«™*™« *»««* nuiS' itiöv Nainliog für Navztlog hergestellt worden ist 
ßi<*|%5 können (trotz Welcher, Aesch. Tril. 467, Noch in der Kaiserzeit war Nauplios ein beliebter 
Griech. Trag. 1, 132) nur dem Nauplios ge- Stoff für hitharodische Gesänge (nach den Epi- 
horen; dieser war also auf einer seiner Fahrten grammen des Krinagoras und Lucillius und 
gerade nach Iroja gekommen, als Palamedes Suet. Nero 39), sowie für Ballets (Luc. Salt 46) 
hingerichtet werden sollte Bei der Rückkehr Aias fand seinen Tod bei den Gyräischen 
der Griechen von Troja fand Nauplios Gelegen- Klippen nach Od. 4, 500. Diese sind aber in 
heit zur Ausfuhrung seiner Rache. Nachdem soder Nähe des Vorgebirges Kaphereus an der 
Athene bei den Gyräischen Felsen den Sturm Südostspitze von Euboia zu suchen; denn dort 
über sie verhängt hatte, der den Aias ver- fand nach den Nosten (b. Proklos) der Sturm 
nichtete, zündete er auf der Höhe des Kaphe- statt. Erst die spätere Überlieferung mit dem 
nschen Vorgebirges m Euboia bei Nacht ein Aiasgrab auf oder bei Mykonos (s. Bd 1 Sp 137) 
Leuchtfeuer an, dem die Schiffbrüchigen, in verlegt sie in die Nähe dieser Insel. Trotz- 
dem Wahne, einen Hafen zu finden, zusteuerten, dem ist die That des Nauplios ursprünglich 
so dals viele an den Klippen scheiterten und gewifs nicht mit dem Untergang des Aias 
klagheh umkamen (Eurip. Hei 767 ff. 1126 ff., verbunden gewesen, wie schon Kirchhoff (d 
Jfl'/n *°\ lycophr. 381 ff. 1093 f. Sen. Ag. Hom. Odyssee 331) andeutet; denn nach dem 
c , i" V«*fa.Sm.li, 611ff. Apollod. ep. 6, 7u.ll. eo von Athene verhängten göttlichen Strafgericht 
Schol. Eurip. Or. 432. Schol. u. Tzetz. Lycophr. würde die menschliche Rache des Nauplios 
386 1093. Uyg.fab. 116 u. 249 faces sceleratae. nicht nur als eine Wiederholung, sondern auch 
Myth. Vat. 1,1U. 2,201. Serv. Verg.Aen. 11,260. als eine Abschwächung desselben Motivs er- 
biat, Achill. 1,93 n. Schol. Dict. 6,1; vgl. ferner scheinen, was der Gepflogenheit der alten 
J l JZ 9 T An %-- -^"M 2 , 9 - B ^sus Anth. Pal. Sagenbildung widerspricht. Beachtenswert ist 
9,28^ hLucilhus Anth. Pal. 11,185. Strab. 8,368. es auch, dafs Euripides {Hei. 767) tu Nciv- 
Bio Chrys. 7 p. 231 B. m. d. Scliol. des Arethas, nXiov EvßoUu jivQnoltniaxa unter den Aben- 
nerausgeg. v. A. Sonny, Ad Dionem Chrysosto- feuern des Menelaos anführt, der doch bereits 



27 Nauplios Nausikaa (b. Homer) 28 

vor Agamemnon und Aias von Troja abgefahren Veranlassung vor; Schol Eurip. Or. 432 wird 
war. Jedenfalls haben wir es mit einer selb- sogar ausdrücklich hervorgehoben, dafs er erst 
ständigen Lokalsage zu thun, die erst nach- nach Euboia gekommen sei, um die Griechen 
träglich mit jenem Sturm in Verbindung ge- zu verderben. Seine gleichzeitige Lokalisierung 
bracht worden ist. Das Vorgebirge Kaphe- in Argos und auf Euboia führt Bursian auf 
reus (Verschlinger) war seit alten Zeiten die Ansiedelungen der Dryoper in beiden 
durch seine Stürme berüchtigt (vgl. Bursian, Gegenden zurück (Quaest. Euboic. 23. Geogr. 
Geogr. v. Griech. 2, 400), und nach Steph. Byz. v. Griech. 2, B9; vgl. E. Meyer, Gesch. d. Altert. 
s. v. KacprjQsvs beraubten dort die Einwohner 2, 1991'. Busolt, Griech. Gesch. I 2 , 209 f.). 
die Schiffer; nach Apollodor (ep. 6,11) erhielt 10 , _ [Wagner.] 
es damals den Namen Bvlorfäyog, der ihm Nausikaa (Navotnua). 
durchs Mittelalter hindurch geblieben ist. 1 „. i..-.-:-.!.- SaM 
Spätere Sagenbildung, deren ältester Zeuge l - Ule &<>merisclie kage. 
Lykophron ist, dehnte die Hache des Nauplios Nausikaa, die Tochter des Phäakenkömgs 
noch weiter aus. Nachdem er unverrichteter Alkinoos und der Arete (vgl. die betr. Artikel), 
Sache von Troja heimgekehrt war, fuhr er in Schwester von fünf Brüdern (g 62) , von denen 
den hellenischen Staaten umher und verführte noch drei unverehelicht im vaterlichen Hause 
die Gattinnen der vor Troja kämpfenden wohnen. In der Nacht, in der sich Odysseus 
Helden zum Ehebruch (toiaiaö' exCvog (irj^avaig ans Land der Phäaken gerettet hat, eilt Athene 
otxoy&oQtöv | navcaoXliii zag äXenzÖQmv ni- 20 zum Palast des Alkinoos, schwebt wie 'wehende 
xoag l azsyavöttovg oqvl&ccs 1093). So veranlagte Luft' zum Lager der Jungfrau und fordert in 
er, dafs sich Klytaimnestra mit Aigisthos, der Gestalt der Tochter des Dymas, der liebsten 
Ai'gialeia, die Gemahlin des Diomedes, mit Gespielin, die Schlafende auf, am Morgen den 
Kometes, und die des Idomeneua, Meda, mit Vorrat ihrer Gewänder dranfsen am Flusse vor 
Leukos (Lycophr. 1216 ff.) einliefs (Apollod. ep. der Stadt zu waschen, da die Hochzeit ihr 
6, 9 f. Schol. u. Tzetz: Lycophr. 386 u. 1093). nahe bevorstehe, und für die weite Entfernung 
Auch kam er nach Ithaka und brachte dort vom Vater Wagen und Maultiere zu erbitten, 
die Freier gegen Penelope zusammen (Schol. Nausikaa folgt der Weisung des Traumes, aber 
u. Tzetz. Lycophr. 1093). Penelope selbst warf aus mädchenhafter Scham nennt sie dem Vater 
er ins Meer, aus dem sie durch Enten (nrivsXoneg) so als Grund ihrer Bitte nicht die künftige Hoch- 
gerettet würde (Schol. Rom. Od. 4, 797. Eustath. zeit, sondern namentlich den Bedarf an reinen 
Rom. p. 1422, ebenfalls eine ungeschickte Über- Gewändern für Vater und Brüder. Nun be- 
tragung auf Nauplios, denn nach Tzetz Lycophr. steigt die Jungfrau selbst das Gespann, mit 
792 wurde sie als Kind von ihren Eltern ins dem sie die Wäsche und den Mundvorrat zu 
Meer geworfen und nach ihrer Rettung umge- dem nahen Flufs fährt; die Mägde folgen ihr 
nannt, vorher hiefs sie Ameirake oder Arnakia zu Fufs. Nachdem die Mädchen die Wäsche 
(Didymos) oder Arnaia (Tzetz.). Der Mutter durch Ausstampfen in den Waschgruben (itlvvoi, 
des Odysseus, Antikleia, brachte er die falsche £ 40. 86 f.; ßo&qoi, £ 92) gereinigt und die ge- 
Nachricht vom Tode ihres Sohnes und trieb reinigten Stücke auf den glatten Kieseln des 
sie dadurch zum Selbstmord (Schol. Eom. Od. « Gestades zum Trocknen ausgebreitet haben, 
11 197 u. 202. Eustath. Eom. p. 1678). Alle baden und salben sie sich und nehmen das 
diese Sagen bekunden deutlich die Absiebt, Mahl am Ufer des Flusses ein. Darauf be- 
alles Unheil, welches die Kämpfer vor Troja ginnen sie ein Spiel, indem sie singend und 
unterdessen in der Heimat traf, auf Nauplios tanzend einander den Ball zuwerfen, wobei 
zurückzuführen. Übrigens wird die Verlockung Nausikaa den Vortanz führt. Schon denkt sie 
der Klytaimnestra und Aigialeia bei Hygin an die Heimkehr, da verfehlt sie beim Wurfe- 
(fab. 117) und Dictys (6, 2) vom Sohne des die Dienerin, der sie den Ball zugeworfen hat, 
Nauplios, Oiax, erzählt, der schon nach Euripides und dieser fliegt unter dem lauten Aufschreien 
dem Aigisthos gegen Orestes zu Hilfe kam der Mädchen in den Strudel des Flusses. 
(Or. 432, vgl. das Gemälde in der Pinakothek 50 Odysseus erwacht und nach kurzem Besinnen 
zu Athen Paus. 1, 22, 6). — Vom Tode des tritt er aus dem Dickicht hervor, bricht sich 
Nauplios' berichtet Apollodor (2, 1, 5, 13): aus dem Gebüsch einen belaubten Zweig, um 
avvißrj ovv avzöv tsXsvzijaai. HsCvco zä &<x- seine Scham zu decken (sx icv%ivr\g «^ «2/iJS 
vätoa, a>n£Q aXXmv rsXevzrjaävztav ■f'idv'ecpÖQet, nrÖQ&ov iiXaes %siqi ma%eiri (pvXXiov, mg §vaaito 
(evTtoQstl), tvqIv TslsvTfjOBi, deutlicher Seneca negl j^o'i: fi^Ssa qxotög, £ 128f.)*) und geht 
(Med.&58):ignefallacinociturusArgisNauplius anf die Mädchen zu. Diese fliehen erschreckt 
praeeeps cadet in profundus. Der seltsam ge- beim Anblick des entstellten, wildfremden 
wundene Ausdruck bei Apollodor klingt wie Mannes auseinander, nur Nausikaa bleibt stehen, 
ein Orakelspruch, derdemNaupliosdes/Sopfto&tes das Angesicht dem Nahenden zugekehrt, denn 
einenpassendenÄbschlufsgegebenhabenkönnte CO Athene legte ihr Mut in die Seele. Nun be- 
(Wagner, Apollod. epit. Vatic. 266). ginnt der Held von fern stehend, damit die 
Als Wohnsitz des Nauplios ist jedenfalls Jungfrau ihm nicht zürne, wenn er näher 
Nauplia zu betrachten; daraufweist seine Ab- tretend ihre Kniee berühre, seine Anrede; sie 
kauft und seine Beziehung zu Aleos hin, sowie jw-r _ ^ ^ ^ Naw)ikaMpitoiey **«■„. 
der erwähnte Zug seines Sohnes nach Argos Mw> ^ 2 5i-26i) nennt (258) den Vera 129 das Mach- 
(rivsg noXirmv i^afilXXcövzaias yrjg; Eurip.Ur. werk einea pIÜ(Jelli klügelnden Interpolators , dem die 
431). Ihn wegen des Kapherischen Brandes als orientalische Denkweise das Verständnis für die Naivetät 

König auf Euboia zu bezeichnen , liegt keine des alten Epos benommen hatte. 



29 Nausikaa (b. Homer) Nausikaa (b. Homer) 30 

solle sieh seiner erbarmen (v. 175), denn nach Mutter Arete anflehen. — Nausikaa wird nach 
vielen Leiden habe er sie znerst gefunden, ihrer Rückkehr von den Brüdern empfangen, 
während er sonst keinen der Einwohner von die die Maultiere abschirren und die Gewänder 
Stadt und Land kenne. Darum solle sie ihn in den Palast tragen; sie selbst zieht sich in ihr 
zur Stadt weisen und ihm ein Laken für seine Gemach zurück, wo ihr die Kammerfrau Eury- 
Blörse reichen. Wie er gleich anfangs ihre medusa Feuer anzündet und das Nachtmahl 
Schönheit gefeiert und ob solcher Tochter besorgt (jj 1—13). Odysseus folgt ihrem Rat; 
Vater, Mutter und die Brüder glücklich ge- zur Stadt gelangt begegnet ihm Athene in 
priesen hat, am glücklichsten aber den, der Gestalt einer Jungfrau*) und führt ihn zum 
sie einst als Braut heimführen werde, so schliefst 10 Palast, indem sie ihn den Augen der Einwohner 
er seine Anrede mit einem Segenswunsche, durch eine Wolke entzieht. Er findet im 
der das enthält, was der stille Wunsch jeder Männersaale Arete neben Alkinoos unter den 
Jungfrau ist (v. 180—185). Und sie gewährt Edlen der Phäaken sitzen, umschlingt ihre 
seine Bitte, nennt ihr Volk und ihres Vaters Kniee und hat mit seiner Bitte Erfolg. Alkinoos 
Namen, ruft die Mägde zurück und befiehlt sichert ihm die Zurückführnng in die Heimat 
ihnen, dem Fremden Speise und Trank zu zu ; die Ältesten geben ihre Zustimmung. Nach 
reichen und ihm (zunächst) beim Bade be- der Mahlzeit fragt Arete den Fremdling, wie 
hüflich zu sein (v. 209).*) Die Mädchen bringen er zu den ihr wohl bekannten Gewändern ge- 
Odysseus zu einer windstillen Stelle des Flusses, kommen sei. Dies giebt dem Odysseus Ge- 
legen ihm Oberkleid und Leibrock hin und 20 legenheit, wahrheitsgetreu seine letzten Schick- 
stellen im goldnen Olkrug das Salböl hinzu. sale und sein Zusammentreffen mit Nausikaa 
Darauf entfernen sie sich auf seinen Wunsch zu erzählen (jj 240—297). Als Alkinoos tadelt, 
(221 ff.). Nach dem Bade und der Salbung dafs Nausikaa ihn, der zuerst ihr als Schutz- 
hefs Athene den Helden stattlicher und völliger flehender genaht sei, nicht mit den Mägden 
erscheinen und gofs über sein Haupt und die sogleich zum Palast geführt habe, nimmt 
Schultern Anmut aus, so dafs Nausikaa zu Odysseus klug alle Schuld auf sich: „er habe 
den Mägden ihre Verwunderung äufsert, wie dies abgelehnt aus Furcht, der Vater könne 
häfslich er ihr früher erschienen sei und wie darüber ergrimmen, leicht aufbrausend, wie 
göttergleich jetzt; würde ihr doch ein solcher die Sterblichen seien." Alkinoos weist diese 
Gemahl beschert, der im Lande wohnte, und so Besorgnis als unbegründet ab, giebt aber zu, 
gefiele es ihm hier zu bleiben! (J 244 f.)**) dafs das Geziemende (cd'eifia) immer das Bessere 
Nun wiederholt sie den Befehl an die Mägde, sei (v. 310), und spricht den Wunsch aus, 
dem Fremdling Speise und Trank zu bringen. ein Mann wie Odysseus, mit ihm gleich ge- 
Nach dem Mahl giebt sie ihm die Weisung, sinnt, möge seine Tochter zur Gattin nehmen 
dafs er bis zum heiligen Bezirk der Athene (v. 311-316)**); indessen werde keiner der 
in Kufweite vor der Stadt mit den Mägden Phäaken ihn wider seinen Willen im Lande 
ihrem Wagen folgen solle. Dort solle er zu- zurück halten. Als nun in der am nächsten 
rückb leiben, bis sie mit ihren Begleiterinnen Tage abgehaltenen Volksversammlung die 
die Stadt und den Palast des Vaters erreicht Zurückführnng des Odysseus in die Heimat 
habe. Denn sie scheut sich vor der üblen 40 zugesagt worden ist, und dieser am Abend des 
Nachrede des spottlustigen Volkes, wenn sie wechselvollen Tages vor dem Gastmahle ein 
selbst einen so stattlichen Fremdling in das warmes Bad genommen hat, begegnet ihm 
väterliche Haus mitbringe. Man werde ihr Nausikaa an der Pforte des Männersaales, da 
nachsagen, sie habe sich selbst einen Gemahl er zum Gelage geht, und nimmt Abschied von 
heimgeführt, während sie die phäakischen ihm mit den Worten: „Lebe wohl, Fremdling 
Freier verachte (v. 276— 284); und solche Nach- und bleib in der Heimat auch meiner einge- 
rede werde sie mit Recht treffen, da sie es denk, der du mir zuerst dein Leben verdanktest" 
auch an anderen Jungfrauen tadele, die etwa (9 Uli), und Odysseus erwidert ihr, in die 
gegen den Willen der Eltern vor der Ver- Heimat zurückgekehrt wolle er sein Leben 
mählung mit Männern umgehen (v. 285—288). 50 lang zu ihr (dankbar) wie zu einer Gottheit 
Sei er in die Stadt gelangt, so werde ihn jedes beten, denn sie habe ihm das Leben gerettet 
Kind nach dem Palast des Alkinoos weisen (9 467 f.).***) Damit verschwindet Nausikaa 
können; dort solle er zuerst das Mitleid ihrer aus dem weiteren Gange der Handlung. — 

Das Vorstehende ist erzählt nach dem uns 

*) Anstatt y. 209: hllh dit\ i/upbtoloi, hhm ßqäalv überlieferten Text der Odyssee, an dem freilich 

« nie* *,, , der 246 wiederholt ist, erwarten einige Kri- die höhere und niedere Kritik vieles auszusetzen 

X-S^SKÄ^^SSrC ^habt hat. Auf diese Ausstellungen kann 

Nausikaa ( Ti . .192) zugesagt hatte. Darum setzt Kirchhoff, *) Die Verse 18 — 42, 46 — 81, die das Zusammen- 
Die homer. Odyssee p. 74. 203 (2. Aufl.) den Vers: UV uye treffen mit Athene enthalten, werden von Köchly, Bem- 
al ö'üte ipäqog IvaZvvhg rjtfj xvtöiva aus dem cod._ Venetus 60 hardy, Bergk für interpoliert gehalten. Tgl. Ameis-Hentze, 
456 (JC hei La Roche) hier ein (ebenso Fick, Die Turner. Anhang 2. H. B S. 4. 

Odyssee S. 54j, und Marx a. a. O, 253 schlägt vor: &Ua **) v. 311 — S16 verwarf schon Aristarch; über die 

doV IttiifUoloi Sehti) lad-tpa cpaemijv; an der von. Kirch- Neueren, die für und wider sprechen, vgl. Ameis-Hentze, 

hoff und Fick unbeanstandeten Stelle ij295f. findet sich Anhang 2. H.» S. 21. 

auch das Geben von Trank und Speise an erster, das ***) Die AbschiedBscene will Köchly de Odysseae carmm. 2 

Baden und Kleiden an zweiter Stelle genannt. _ p. 19 nach v (18) 63 setzen; Bergk, Gr. Litteraturg. 1, 679 

**) Die beiden Verse hat schon Aristarch verworfen; hält sie ursprünglich für den Eingang des 13. Buches 

über die Urteile der Neueren vgl. Ameis-Hentze, Anhang bestimmt. Vgl. dagegen Kammer, Die. Einheit der Odyssee 

zu Homers Odyssee 1. H. 4 S. 153. Vgl. j; 311. S. 125 ff. 



äJK 



31 Nausikaa (b. Homer) Nausikaa (nachhomer. Sagen) 32 

hier nicht eingegangen werden. Über die av&qmitia), Milde (zb rifisgov zov zqötcov) und 
Nausikaaepisode hat Fried. Marx im Rhein. durch ihre Herablassung gegen Hilfsbedürftige 
M. 42, 251 ff. gehandelt. Die Litteratur zur {zb ngoatjvhg nqbg xovg deopivovg) Vorbilder 
Kritik des 6. — 8. Buches ist verzeichnet im weiblicher Tugend waren. 
Anhang zu Homers Odyssee von Ameis-Hentze „ _. _ . , , . , „ 
1. H. 4 143, und sonst an den betreffenden Stellen 2 - Dle Sa S» lm nachhomensclien Epos und 
der genannten Bücher. — Die Nausikaaepisode, " ei den Logographen. 
hochgepriesen wegen ihrer unvergänglichen Dafs eine solche Gestalt in der Sage fort- 
Frische und Anmut, ist wohl die ureigenste wirkte, ist begreiflich; dafs sie aber doch, 
Erfindung eines grol'sen Dichters, mögen auch 10 wenigstens nach der uns bekannten Über- 
Alkinoos und Arete schon in der vorhomerischen lieferung, nur einen beschränkten Einflufs aui 
Argonautensage vorgekommen sein, wie G. W. die spätere Sagenbildung gehabt hat, ist daraus 
Nitssch, Erklär. Anmerkungen zu Homers Od. 2, zu erklären, dafs sie eine reine Schöpfung der 
73 und C. H. Fleischer unter Alkinoos 1, B. dichterischen Phantasie war. Fustathius zu 
239 Z. 1 ff. vermuten. Die Episode spiegelt an Od. n 1 18 giebt an, dafs nach Hellanikos 
mehreren Stellen „Züge aus Ioniens Kultur- [ fr gm. 141 Müller) und nach Aristoteles (frg m. 
syh'ä.rewieAei- u -,vgl.Ameis-Hentze,Arihangl.H. i 506 B.) in der 'l»atir\eCa>v itolixsiu Tele- 
143 (£ 4), 150 (£162), 155 (£.275tf.); warum machos die Nausikaa geheiratet und mit ihr 
sollen aber die äolischen Küstenstädte Klein- den Perseptolis gezeugt habe. Woher hatte 
asiens zur gleichen Zeit nicht die gleiche 20 Hellanikos diese Überlieferung? Doch wohl 
Kultur gehabt haben? aus einem nachhomerischen Epos (freilich aus 
Der Dichter kann sich nicht genug thun welchem?); aus Hellanikos hat dann wohl 
im Preise der holden Jungfrau: £16 novon . . . Aristoteles die Notiz geschöpft. Aber ihr ent- 
udavaTwai qivrjv k<xI släog bfioirj den Unsterb- gegen steht erstens das Fragment aus Hesiods 
liehen gleich an Wuchs und reizender Bildung; Katalog (bei G. Kinkel, Epic. Gr. Fragm. p. 100, 
©'457 &emv ano ndllog e%ovaa, geschmückt mit no. 34), nach welchem Perseptolis* von Poly- 
göttlicher Schönheit; und Odysseus (£ lölff. käste, der Tochter Nestors, geboren wurde, 
'AqtsjiiöC 01 sycöys dibg v.ovqn psycdoio eidög und so lautet auch das Scholiun Qza.n 118. 
T£ nsys&os xs tpvr t v r' äy%ioxu tfijxro) stellt Sodann hat Pausanias 8. 12. 5. 6 überliefert: 
sie der Artemis an Schönheit, Gröl'se und 30 nach dem Epos OeoiiQmzig habe Penelope dem 
Wuchs gleich; ihren schlanken Wuchs ver- aus Troia heimgekehrten Odysseus den Sohn 
gleicht er (v. 162 ff.) mit dem Wuchs der jungen Ptoliporthes (JlxoUizöq&riv ' naiSa) geboren. 
Palme, die. er einst auf seiner Fahrt nach Dagegen stimmt mit Hellanikos und Aristoteles 
Troja in Delos neben dem Altar Apollons ge- wenigstens zum Teil überein Bictys 6, 6: Bei 
sehen hat (vgl. Hehn, Kulturpflanzen u. Haus- Alkinoos erfährt Ulixes die bedrängte Lage 
tiere 182, der auch das Hohe Lied 7, 8 zum Ver- der Penelope und die Unbilden der Freier; er 
gleich heranzieht); und schon vorher £ 102—109 überredet Alkinoos mit ihm nach lthaka zu 
wird ihre hohe Gestalt mit den anmutigen gehen und ihn in der Rache an den Übel- 
schnellen Bewegungen beim Ballspiel verglichen thätern zu unterstützen. Beide zusammen mit 
mit dem Gange der Artemis, wenn sie auf dem 40 Telemach töten die trunkenen Freier. Bald 
Taygetos oder Erymanthos zur Jagd eilt; darauf heiratet Nausikaa auf Ulixes' Werbung 
wie diese an Haupt und Antlitz über die be- den Telemachus (neque multo post preeibus 
gleitenden Nymphen, so ragt N. über ihre Mägde atque hortatu Ulixis Alcinoi filia Nausica (sie) 
hervor. Das Entzückende ihrer Bewegungen Telemacho denubit . . . Telemacho ex Nausica 
beim Tanz deutet an £ 155fr.: Das Herz von natum ftlium Ulixes Ptoliporthum appellat). 
Vater, Mutter und Brüdern wird von Wonne Ptoliporthus, Ptoliporthes, Perseptolis 
erfüllt, wenn sie sehen, wie ein solches Ge- sind selbstverständlich nur Varianten eines und 
wachs (ffaiog) zum Reigen einherschreitet. Der desselben Namens. IJxoUnoq&og ist Beiname 
vielerfahrene Mann staunt andächtig solche des Odysseus B 278, K 3 63 , ff 3, g 447, n 442, 
unvergleichliche Schönheit an v. 160 f. (eißag 50 g 356, r 283. m 119. Dafs der Enkel von einem 
ft'. s%si elaoQoavra) und 168 <äg es, yvvcci, späteren Epiker den stehenden Beinamen des 
uyapciC xs xs&riTtu xs äsiSia ä' alvmg yovvatv Grofsvaters erhalten hat, ist leicht erklärlich. 
oftyuo&cii (vgl. hierzu J. L. Hoffmann bei Ameis- Das betreffende Epos hat die stiile Liebe der 
Hentze, Anliang zu £ 162). Das will um so Jungfrau zum Helden Odysseus nicht tragisch 
mehr bedeuten, als der Dichter s 212 f. die ausgehen lassen, sondern die poetische Ge- 
Kalypso sagen läfst: „Wie könnten sterbliche rechtigkeit hat ihr den an Jahren entsprechen- 
Weiber mit unsterblichen sieh an Gestalt und " deren Sohn des Helden zum Manne gegeben, 
Schönheit vergleichen?", und Odysseus dies jedenfalls ein viel edlerer Zug, als der, dafs später 
ausdrücklich bekräftigt: asio nsQtcpQtov n^vs- Teleniachos die Kirke heiratet Aus der 
lönsia släog uhiSvozsqti psys&og x' sieavxu 60 Thesprotis und aus derTelegonie kann die 
idtoü-ai. Im Wunderlande der Phäaken stattet Notiz des Hellanikos nicht stammen; dies er- 
der Dichter die sterbliche Jungfrau mit un- giebt sich aus v. Wila mowitB-Moellendorffs 
sterblicher Schönheit aus. Aber nicht nur Homer. Unter s uchungen "188 ff., de r autfallender 
darin liegt der Zauber dieser Gestalt, sondern Weise 3ie Fragmente des Üella nikos u nd 
auch in ihrer sittlichen Anmut und Reinheit. Aristoteles und die Angabe des Dictys unbe- 
Lucian, Imagg. 19 nennt sie unter den Frauen- rficksichtigt läfst und vermutet, P ausania s a. a. 0. 
gestalten der- Sage, die durch ihre Gutherzig- • habe eine ihm vorliegende Notiz: nal zUzovaiv 
keit (^grjfftdujs), Menschenfreundlichkeit (q>il- avzä KaMiöfari (isv IIzohiiÖQ&r}v, TIrivsXönr\ 



33 Nausikaa (naohhomer. Sagen) 

äs 'Aq*.£<sü.uov fahrlässig benutzt und der Pene- 
lope fälschlich den Ptoliporthes zugeschrieben, 
eine unwahrscheinliche Annahme. — Vielleicht 
gehen also die Angaben des Hellanikos und 
Aristoteles auf ein späteres episches Gedicht 
zurück, das von der Art der iic n NavmiiiTiu 
gewesen sein mag (vgl. G. Kinkel. Evic. Graec. 
frqm, 198 ff.); ich halte es für wahrscheinlich, 
dafs mit der besprochenen Angabe des Hel- 
lanikos, im engen Zusammenhang steht ~3ie 
du f ch flutarch. Alcibiad. 21 und durch Suidas 
unter AvSoitlfins. verbürgte Nachricht, nach" 
der Hellanikos den Redner Andokides, den 
Sohn des Leogoras, einen Abkömmling des 
Telemachos und der Nausikaa genannt hat 
i e m ic , h hier ein altes att isches Geschlecht 
auf Telemachos und Nausikaa zurück- 
führte und als Zeugen der Echtheit seiner 
Abstammung einen berühmten Logographen 
fand, so haben sich später in Rom edle Fa- 
milien von Aneas, Iulus und den zugewan- 
derten Troern abgeleitet und in den Annalisten 
Herolde ihres alten Adels gefunden. Dafs 
solches in Athen geschah, kann nicht Wunder 
nehmen; berichtet doch Pluttirefc , f^ ?1J1S Yja. 
es habe The'seus im Hafen Phaleron dem Nau- 
sithoosundPhaiax Heroenheiligtümer neben 
dem Heiligtum des Skiros, des ersten Königs 
von Salamis, errichtet, und diesen Heroen zu 
Ehren werde das Fest KvßiQv^cia gefeiert 
Denn nach Philochoros habe Theseus vom 
Skiros (für seine berühmte Fahrt) den Nausi- 
thoos zum Steuermann (%vßsQvr)zr l g) , den 
Phaiax zum Hauptbootsmann (nQagsvg) er- 
halten. Beide Namen gehören bekanntlich 
der Phaakensage an (vgl. thJUMjanA Diodor. 
%* c -, 4 . 72 , HeUanik ps bei Stevhanus B. unter 
gg"»£ i . Liegen hier nicht ältere und tiefere 
Beziehungen vor, als die von C. Bobert. Gr. 
Myth. I 4 , 629. Anm. 3 n ti g wiwn m » n .ny J) ei 



Nausikaa (in d. lyr. u. dram. Poesie) 34 

3. Die Sage in der lyrischen Poesie. 

Bezeichnend ist, dafs einer der ältesten 
mehschen Dichter, Alkman^ die Begegnung des 
Odysseus und der Nausikaa in einem umfang- 
reichen Gedichte behandelt hat, aus dem noch 
mehrere Fragmente erhalten sind. Vgl. Berqk 
Poetae Lyr. Gr. 3 4 , 47 f. frg. 28-32. Es war 
eines seiner Jungfrauenlieder; nach den er- 
haltenen Stellen schlofs sich der lyrische Dichter 
10 eng an #om«-sJDarstellung an. Er legt z. B 
die Worte den Jungfrauen in den Mund: Zeü 
nuzsQ, ai yae ifiog nöaig sftj, die bei Homer 
Nausikaa spricht: g. 244 f. «? yag ifiol roioaäs 
rcoffis xixlrifiivog sft; ev&aäs vaisxäav. Vgl 
das Scholion zur Stelle, Bercjk^Philologuß 16, 
59p ff. Gr. LjXteraturgesch. 2,234. Joh. Schmidt, 
Ulixes Posthomericus Part. 1, 35. 

4. Die Sage in der dramatischen Poesie. 



alte Seehandel Athens mit Kerkyra und mit 
den Inseln des ionischen Meeres dürfte die 
Veranlassung zum Einnisten solcher Sagen ge- 
bildet haben. — Schliefslich mag als Zeichen 
des kerkyräischen Lokalpatriotismus erwähnt 
sein dafs die Grammatikerin Agallis, die 
iochter des Agallias aus Kerkyra, der Nau- 
sikaa die Erfindung des mit dem Ballwerfen 
verbundenen Tanzes («Je äiä rijg cyaigag 6g- 
zrioscog) zuschrieb: Athenaem 1, 14 d. c 251. *'> 
Merkwürdiger Weise wird von einem Kult 
der Nausikaa in Kerkyra, wo doch Alkinoos 
einen Tempel hatte, nichts berichtet; dagegen 
scheint sie in Mytilene als Heroine verehrt 
worden zu sein; vg l. Sp. 41 Z. 14 ff. — Über 
ähnliche Sagen bei den Indern berichtet 
■Bender. Z>te märche nhaften Bestandteile de r 
ho?n. Gedichte. Progr. Uarnist. 1878. S. 25ff7 näcR 
Gerland- (Altqrie ch. Märchen in der Odyssee. 
Magdeb. 1869) und zwar aus der Erzählung des 
Brahmanen Saktideva in So madevas Märchen- 
strömen fed. Brockha, ^ S.~131 tier -Ührn-aT 
Derselbe findet eine Entlehnung der Phäaken- 
sage und insbesondere der Nausikaaepisode in 
der mongolischen Gesser-Chan-Sage ( 6. Buch 
n ach Jül as Au«7.npr) | 

. *) Nach Athewnn J. 14,-e. c.2S jrt. Nausikaa die ein- 
ige Herome, die Homer als Ballspielerin anführt. 
Koscher, Lexikon der gr. n. röm. Mythol. III. 



20 Die homerische Nausikaaepisode konnte 
„ebensowohl zur Tragödie erhoben, als zur 
Komödie herabgezogen werden". Sophokles 
hat^ den Stoff in der Tragödie Navaima « 
nivvtQiai behandelt; er selbst spielte in diesem 
Stücke, das demnach zu seinen Jugenddramen 
gehört, die Rolle der Nausikaa und erwarb 
sich als gewandter Ballspieler (aipaigiat^g) und 
Tänzer besonderen Beifall (lG%vgmg tvSoiiiu.riasv 
Eustathius mßAß^AUj^lbbS und Athenaeus 1 
sop r 20f. c, 37), Als Tragödie bezeichnet EvMa- 
thius > mllias 3» 54 p._ 381 das Stück aua- 
druckhch. über den Schauplatz und den 
mutmafslichen Gang der Handlung vgl. Welcher, 
Dte-gzJhmMie^mit Rucks, auf d.jv Öyelus \ 
217-230, Dort heifst es: „Der Kampf dieses 
Dramas ist sehr eigentümlich, die Auflösung 
sehr einfach. Kleine Zwischenfälle und Ver- 
wickelungen konnten eintreten, doch mufs die 
. Anziehung immer am meisten in der natür- 
40 liehen Beredsamkeit gelegen haben, womit 
Odysseus das Wunderbare und Ungeheure seines 
Zustandes zeichnete und dahinter den uner- 
schöpflichen Quell der Erfindsamkeit und Bil- 
dung aufschlofs-, Naueikäa aber das Volk der 
Phäaken malte und ihr einfaches und hohes 
jungfräuliches Wesen darstellte." Über die 
erhaltenenßruchstücke vgl. aufserTTetofcera.a 
Nauck, Tragic. Graec. Frgm. p. 228. 300 (2. Aufl.). 
über Welcher hinaus gehend nimmt H. Schreyer, 
50 Nausikaa, im Anhang (N. bei Homer, Sophokles 
und Goethe) S. 135 f. an, die Nausikaa sei das 
erste Stück einer Trilogie gewesen, deren 
zweites Stück, in dem der tragische Konflikt 
weiter geführt wurde, die Qocfaxeg waren 
(S. 137 mit Anm.). Ob als drittes Stück die 
. NintQü zu dieser Trilogie gehörten, diePacuvius 
dem Sophokles nachgedichtet hat, mufs aller- 
dings nach dem Inhalt des Dramas als zweifel- 
haft erscheinen (vgl. O. Bibbech, Gesch. der 
60 rom. Dichtung 1, 172. Born. Trag. 270 ff.; anders 
rekonstruiert den Inhalt der Nmzga v. Wilamo- 
witz-Moellendorf, Hom. Untersuchungen 194ff). 
Doch unmöglich ist dies nicht, wenn etwa alte 
Verschuldungen des Helden in diesem Stücke 
ihre schliefsliche Sühnung fanden. Die An- 
sicht, dafs Sophokles die Nausikaa als ein Satyr- 
drama gedichtet habe, wie sie Lessing, Leben 
des Sophokles, Anm. *, nach Vorgang von 

2 



35 Nausikaa (Etymologie) Nausikaa (in d. bild. Kunst) 36 

Casaubonus vertritt, kann jetzt wohl als ab- gr. Personennamen S lßff. ( 2 -^? fl -), ' k* |. " 

eethan gelten — als Kurznamen AptpUa Böotenn und b. M 

Zur Komödie herabgezogen wurde der noUfr aus Lokrie i anführt ;,und C Angermann 

Stoff schon von den Dichtern der mittleren Beiträge zur gr. Onomatologie. Meilsen 1893, 

Komödie, von Philyllios in den lüvw^cci % Nav- s. dort S. 7 als Kürzungen der mit dein Stamm 

oW« (vgl. Th. Koch, Comic. ÄUic. Frgm. 1, *l<?o 8 zusammengesetzten Namen «««??* ' 

784. Meineke, Frgm. Com. Gr. 1, 258ff. Joh. n«&d«, &io*lo S : «Ad«. Die , hier belegten 

Schmidt, üliies Comicus im 16. Suppl-Bd. jünger en Kurznamen «^^^ »* z ™ 

der Jahrb. f. Phüol. (1888) S. 393f.) und von durch die Zurückziehung des Accentes von 
Eubulos in der Nccvol**« nach Athenaeus 7, 10 Nuv<n*ä, aber diese Eigentümlichkeit erklart 

307f (Kock a a 0. 2, 188). Auch von Alexis sich leicht aus der Natur dieser Kosenamen; 

gab 'es einen 'OSvcasvg änovifasvog, dessen um so altertümlicher erscheint Nmmuca und 

Stoff von Meineke a. a. 0. 1, 392 mit der Fufs- Navaga. — Ftck, D.hom. Odyssee, S. 18 sagt: 

waschung der Eurykleia zusammengebracht In &sa und Navawcca tastete man (namhcn 

wird; er kann aber auch auf die Scene £ 210ff. bei der Umsetzung der echten homerischen 

zurückgeführt werden. - Von römischen Dich- Dichtung aus ihrem Ursprung ; ich aobchen m 

tern hat Ovids Jugendfreund Tuticamts im An- den ionischen Dialekt) das äolische o gar nicht 

schlufs an Homer eine Phaeacis, vermutlich an weil es im Ionischen kein dem aolischen 

ein episches Idyll, gedichtet (Ovid. ep. ex Ponto 9s« entsprechendes Wort »st, giebt . . . und 

4 12 25ff. und 16 27), in welchem Nausikaa 20 weil der äohsche Sagenname Nccvoi**« den 

eine hervorragende Rolle gespielt haben mufs. ^^^^^^JSS^Z 

, . , „ wie er uns ist: man liefs also #e<* und Nav- 

5. Etymologie des Namens. wx< . a gew i sse rmafsen als Fremdwörter in ihrer 

So durchsichtig der erste Bestandteil des fremden Gestalt. Jedenfalls betont er mit 

Namens IWM« ist, so dunkel ist der zweite. Recht dafs der Name wegen des langen a ; ur- 

Die verschiedenen Versuche, den Namen zu sprünglich aolisch sei (so auch vor ihm Irans 

deuten sind verzeichnet in Ebelings Lexiko n Härder, de a vocah apud Hom. producta, 

Hom unter d. Wort. Mit Zacher^ de vrior. Halle 1876, S. 83). Denn diejenigen, die wie 
S^^W^örG7ä«criarteJbma¥on^pJ_6undsoffinncÄs a. a. 0. für seinen ursprünglichen 

^rSckEtw rWörterb.^. löofdie den Ionismus eintreten, müfsten doch nachweisen, 

Tweitel Ändteü^n- to Vusiritwurzel warum sein erster Bestandteil, den sie für den 

^(celebrare, praedicare) ableiten - navi- Dativ Plur. erkULren, nicht die ionische Form 

bus celebrata, kommt ziemlich nahe zu- ™- zeige. Jreihch nimmt man auch ^ an 

sammen G- Hinrichs. HermesJUl Ü885} 1 _314. z. B. Gustav Meyer, Beitr zur Stammbildung 

Dieser hält die Schwester des KlvrövTjog («Lili) des Gr. u. Lot. m Curtius St. 5, ",»«««- sei 

gleichbedeutend mit NavcUUi« oder Ktowifc ±*™ Dafav Plural», sondern eine Weiterbildung 

und glaubt, der Stamm müsse mit ■kuIvv^v der Wurzel vccv mit der Ableitungssilbe « 

zusammenhängen, etwa wie nolv*<x6t V , und (aus «), und dies hat schon Bopp, Vergl. Irr. 
Navai-yiü-u könne nur eine andere und zwar« 3 2 , 449 ausgesprochen, 
des Vokalismus wegen ältere Form vorstellen 

für Navai-Y-äatri. Der Diphthong in Tuxiwpai g. Nausikaa in der bildenden Kunst. 

mache zwar Schwierigkeit, weise aber auf ein • j * i „„j„ 

a also eine Wurzel *äc hin, wie Fick, A. Nur litterarisch sind folgende 

Wört erb. 2. 208 Salva zu der im lat. «r6V Darstellungen bezeugt: 1) Nach Pausamas 

Täü^örliigenden Wurzel ras ziehe. Demnach 5, 19, 9 war Nausikaa auf der Lade des Kyp- 

9e iNavaiycücc = Navoindea. Übrigens hat schon selos dargestellt, wie sie auf dem Maultier- 

Pott Et Forsch.zKlU Naveiwa mit uuCvvpai. gespann mit einer ihrer Dienerinnen zu den 

zusannuengebraTcht und als vctvai nntSpivr, Waschgruben fährt. Die eine der beiden Jung- 
(.mmwi^wi) erklärt. Die Gleichsetzung Nav- 50 fraaen hielt die Zügel die andere trug einen 

mxä-a J-NuLi-woxrt (vgL nolv-Kdcatr, oben Schleier auf dem Haupte. Joh. Bolte, De mo- 

Sn 32 Z 27 f ) hat viel Einleuchtendes; es ist numentis ad Odysseam perttnenmus capitase- 

nur ein Schritt weiter, in Navai***) - denn lecta Berl. 1882 p. 36 bezweifelte die Richtig- 

N«v<si%<iu ist doch unter dem Einüufs des keit dieser Angabe. Overbeck, Gesch. der gr. 

Hexameters gebildet - einen alten Kurz- und Plastik, wies früher dieser Scene den Platz auf 

Kosenamen wiederzufinden, zu dem es vielleicht der Vorderfläche des fünften und obersten 

auch einen männlichen Naveiwg gab (nach Streifens an; m der 4. Auü. 8. 66 mit Anm. 

Philochoros bei Harpokration unter av^oqia) **) sieht er m dem Wagen möglicherweise nur 

Archon zu Athen; gleiche Bildungen sind ein letztes Gespann des Nereidenzuges. Jetzt 
'Aatlläe 'Emxtäs, 'Enacpoäg u. s. w., vgl. Pape, 60 stellt Furtwängler, Meisterwerke dergr Plastik 

WörUrb. SVl S. 18 und Fick, Bie S. 723 ff. die Sache in folgender Weise nach 

" * dem Vorgang von Löschcke und Klein richtig: 

*) Die zusammengezogene Form findet sich hei Vau- „Der fünfte oberste Streifen bestand zwar aus 
sania» und in guten Handschriften des älteren Plinius an zwe j Bildern, doch gingen diese ohne äufsere 

den angefahrten steilen; auch bei Dictu*. Trennung in einander über, wie ans Pausanias' 

. **) a. a. O. (Ausg.. v. wuh. Bindorf) steht jetzt ln\ Nav- ß esc h re ibung hervorgeht, der die Bilder falsch 

atvlxov a^xortog, aher die Handsohr. B (Yaticam, 1362) . Er -^ ge j ne Q ae U e ) glaubte vier 

hat Navolxov, man würde freilich Navamä erwarten. Ber ^ Darstellungen ZU sehen und deutete, 

JJemosthenes heilst der Archon Navalrtxog. oucr luul "»i»"="«"8 s11 



37 Nausikaa (in d. bild. Kunst) Nausikaa (in d. bild. Kunst) 38 

da hier Inschriften fehlen, völlig falsch. Man figurigen Hydria aus Nola (abgeb Monum dell' 

hat neuerdings richtig erkannt, dafs, wo er Instit. 1, Taf. 6. InqhZamiGM Om i ä 

Odysseus und Kirke mit Dienerinnen, den Ken- Overbeck, H. © 31, 2) auf lese PeleuTThetia' 

Wa&n ^il«r?f tT* -^P^Btos mit scene zu beziehen V Demnach SXifath 

Watten des Achill und Nausikaa mit ihrer dieses Bildwerk für die Odvsseus -Nausikaa 

Wäsche sieht nichts anderes als Peleus scene in Wegfall, auf 'die «mSÄSSo 

Hochzeit mit Geschenke darbringenden, teil- S 758 ff (nr « li .L~SiT^ j 

Ä"wJ' , SLSn5Sft l ^r n b6Z P St D-elÄMctal B S d nun 

gestellt war. Darauf folgt Herakles, der nach auch die Darstellung der Vase in Astrairalpri- 

t£ A enta 7f en / ch if f8t " «• «■ w- (S- 727). 10 form von Aigina, im BritZeu-i affin 

^oschcke, Dorpater Progr. 1880 S. 5 läfst die Stackeibergs Gräbern ÄXÄf isd£ 

Seht'"»,,', DaCh ftmrJ«? mit ^Ä belhf Veid SÄ he" 

^hPn 7» ) P° ly ? n0t n attemderPlnakotbek reits Holte*.*. 0. S. 37mitAnm.72u 73 (wo 

S, den Propyläen Odysseus gemalt, wie die Litteraturnachweise gegeben^ nd) als nicht 

wachen ffrnabpf m ^ NaU8lkaa T J lnsse »•**« gehörig bezeichnetf namentlich im An- 

wascnen, sich nahet, und zwar nach Homers schlufs an Heydemann, Griech Vasenb S 7 

Darstellung; iW„. 1 22, 6. Aber C. Robert, und Arch. Ztg: 1870?82 - 

SzuwfisS ' daf™^!£T f T ht2 °. T ^.SobleibenalsDar^tellungenderOdysseus- 

^ÄT'ni. man die Stelle des Pa«- Nausikaascene übrig a) das Bild der rotfi/urisren 

ßTrufanJ an f Ä'^" 'S*' ^ mit V ° lcenter Am P hora in München? CcSen 

Berufung auf Gottfr Hermann Opusc. 5, 207 bei Oeerbeck, H. G. S. 756f und abeeb Taf 

stellt er fest, schon die einfache philologische 31 3 Gerhard A V H T 9 ii bwtL 

laterpretation der Stelle zeige, da^s Paulas Bil!eraüaiZrödi'JeL%Ti sfÄE' 

Jorichi ! frhS' ^^"V,?? denen « »^ "•*»" %"" T 18, 5 (giebt nÄ 

spricht, Achillens auf Skyros und Odysseus bei drei Wäscherinnen). Jahn BeschZlmna 

nenne £ "E" ^ ^ ^l^ *'* befindlich *"" Vasensamml in d. PinakoOekmMutcZn 

nenne, sondern nur als Beispiele für die Ab- (18541 S 146 nr 420 Anf Zr «;„«, sJua 

LÄ^Der BS*? 611 4^ T" fr" » ÄmS iJ^'SÄS 

aniunre Der Behauptung Boberts, dafs es blätterlosen Baume vier Wäschestücke aufee 

von Polygnot überhaupt keine Tafelbilder hängt, rechts l^^yÄdÄft" 

(«foxtc, tabulae gegeben habe, widerspricht bärtiger Mann, de! linken Fufs auf eTnen SteiS 

8 ifHZ: ?"?*' ^rT P ««f ( G ™ 1890) setzend, je einen Zweig rAw^wmZ 

S w «£ ^ 6r laf 8t *™^ elhaft ^ a " °- in der R ^hten und in der Linken. Den S 

Li l't \ f^n Bllde £, "» der Pinako- in der Linken hebt er bis zur Kopfhöhe enTor 

thek standen oder nicht. - 3) Plinius, NH 35, den in der Rechten hält er tiefer in Brusthöhe 

Aodis^I M f Wa p un 7 erständlich über den Die «tw« emporgerichtete i Haltung des mit 

£ Ä PB TrifL Proto « e / es aus K aunos, einem Blätterzweig B geschmückte fl Zuptes, das 
&Ä« IÄ^mS^ih" WCge H FT" vo " beh *«ti8t, der Gesichfeausdruck, P die'vor! 

ET Schiffsbilder gemalt hatte, gehaltenen Zweige charakterisieren ihn als 

ftrfgendes: argumentum esse, guod, cum Athenis Schutzflehenden. Neben ihm steht Athene 

eelebernmo loeo Minervae delubri propylon mit Helm, Ägis und in der Rechten mit der 

pmgeret, uto feat nobilem Paralum et Hamm,- Lanze, deren Spitze geg^n den Boden gerichtet 

Ä«mcat» 9 t)ocaw* adtecertt pa^o/as »laoes gewendet. Dicht neben ihr eine hinwejteüende 

üTaZar^' *™ V^ ™?™^ «Vpdkmt, Jungfrau in kurzem, *berge«Z£SeÄS. 

utappareret, a qmbus inttois ad arcem osten- Nausikaa, das mit der Stephan? eeschmückte 

WoXntT"" «,??, ^?7^f- N ^= b d ^ ^upt zurückwendend un? ^t fes et Bück 
Wortlaut der Stelle ist wohl das Bild des so dem Odysseus ins Auge blickend den rechten 

Äs ™dT Dar ? tellun & der Staatsschiffe Unterarm wie überrascht mit gespreizten Fingern 

hSST. I , Amm ? nlas g^esen; das letztere erhebend, mit der linken Hand ein shawlaS 

Äs mt dem MldT # aU ^ aa ; Vie £ eic + ht ' ^ ^^, das über der linken Schulfe 

weu es mit dem bild der Nausikaa (von Proto- herabfä lt. Neben ihr läuft nach rechts eino 

I ÄTÄf Ti yf 1 ^^ a " a - °- - dere % fa » - kurzem übe^Jchlienrm 

R Pr^H ' l rCÄa °/- ,f Ä,!S * S - 667 ' Chiton weitausschreitend hinwegf den Riicken 

B»?f; f, rhaltene Darste lungen: 1 Joh. der Nausikaa zugekehrt, das Haupt gleicnfaTk 

S'S 36 7ZrT~f ? d y™ a ?P* rUn T mi J einer Ste P ba ^ e geschmückt, mft flLgendem 

W m W,pUff n^ e8te Darstellnn g. ^s aufgelöstem Haar am Hinterkopf, mit beiden 
2Ä? ^ effen« von Odysseus und Nausikaa 60 Händen ein shawlartiges Tuch, aas über den 

Ort KLTJTXcK 8 r UVr ; r ' M , Cken g6ZOgen i8t > haltend! ffie eüt einer 

dis M^™ ri,'i' 5' * ba *" B - ^«^ der andern Gruppe von drei Jungfrauen zu, die 

Trf in , ] mJah l l - de * ar f: l?**. Bd. 1 (1886) auf der Kehrseite der Amphora dargestellt 

nacniaV^rl v r eroffe ,f tbcbte . «ort S. i 92 ff. sind, alle drei mit Wäschestücken fn den 

P«lT. ^! ? V, af I mC } dje Darstellung auf Händen, in kurzem Ärmelchiton der den 

» Ärt'smT ?h et18 aUf , laUert ' Unt6ren TeÜ derFflfte 8ehen läfet . die bei« n 

ebander dafel^v: *-«*n ub tr e " gend aU ! _ i Un ' acbst Steb e»den mit frei herabwallendem 

einander, dafs auch die Darstellung einer rot- Haar, wie in lebhafter Unterhaltung mit ein- 



39 Nausikaa (in d. bild. Kunst) 

ander begriffen; zwischen ihnen und der letzten 
Wäscherin, die eben ein Gewand auszuringen 
scheint, steht ein hoher, oben rundlicher Stein- 
block, der wohl zum Klopfen der Wäsche 
diente. Die letzte Wäscherin trägt das Haar 
in eine Art Haube zusammengebunden. Die 
überaus liebliche Darstellung ist von Homer 
beeinflufst, im einzelnen hat sich aber der 




1) Odysseus, Athene, Nausikaa, rotflg. Vase in München (nach Overbeck, Ser. Galt. Tf. 31, 3). 



Maler durchaus nicht sklavisch an des Dichters 
Worte gebunden, so dafs ich die Folgerungen, 
die Fr. Marx, Rhein. Mm. 42, 260 f. aus unsenn 
Bilde zieht, als habe der Vasenmaler des fünften 
Jahrhunderts, der alten echten Oberlieferung 




2) Rückseite derselben Vase. 

folgend und noch nicht von dem schon inter- 
polierten Text der Odyssee beinflufst, den Zweig 
rein als ikit^qios nldäog aufgefafst, für nicht 
zutreffend halte. Odysseus hat ja auf dem 
Bilde in jeder Hand einen Zweig, einen höher 
und einen tiefer gehaltenen; letzterer kann 
dem Zweck, der g 129 angegeben ist, gedient 
haben. — Ist etwa in diesem Vasenbild eine Ein- 
wirkung des polygnotischen Gemäldes wieder- 



Nausikaa (in d. bild. Kunst) 40 

zuerkennen? — b) Eigentümlich ist die Darstel- 
lung eines rotfigurigen Kantharos bei Inghirami, 
Oäll. Om. 3, Taf. 24. Panoßa, Musee Biocos 
pl. 12, 1 und bei Overbeck, E. G. Taf. 31, 1. 
Ein nackter Mann (OAVSEVS ist beigeschrieben) 
mit starkem Haar- und Bartwuchs — der Typus 
ist dem des vorigen Bildes sehr ähnlich — 
tritt langsamen Schrittes auf eine Jungfrau zu, 
die er starr anblickt, 
mit beiden Händen vor 
seinen Unterkörper ei- 
nen schwer zu bezeich- 
nenden Gegenstand hal- 
tend , dessen oberes 
Ende — falls die Zeich- 
nung richtig ist — wie 
ein rundlicher Knauf 
über der linken Hand 
hervorsieht; der untere 
Teil, sich verbreiternd, 
hat eine länglich ovale 
Form und ist umrändert. 
Vor ihm flieht eine Jung- 
frau nach rechts (bei- 
geschr. ist KAAE) mit 
brechenden Knieen, die 
beiden Arme (vor Ent- 
setzen) schlaff herab- 
sinken lassend, den Kopf 
nach dem Herantreten- 
den zurückgewendet 
und ihn starr und mit offenem Munde an- 
blickend. Das reiche Haupthaar ist am Hin- 
terkopf in einen vollen Knoten geschlungen, 
ganz ähnlich wie bei der Nausikaa des vorigen 
Bildes, nur trägt sie nicht die Stephane. Marx 
a. a. 0. S. 461 sieht in dem Gegenstand, 
den Odysseus in beiden Händen trägt, 
einen undeutlich gezeichneten Zweig(?), 
mit dem der Held seine Scham deckt, 
und findet in diesem Zuge schon die Ein- 
wirkung des prüden Interpolators der 
Nausikaascene. Overbeck a. a. 0. S. 754 f. 
bezog die Darstellung auf Odysseus und 
Leukothea; er hält denselben Gegenstand 
für den Schleier (das Kredemnon) der 
Göttin, den Odysseus soeben von dieser 
empfangen habe ; Leukothea sei im Be- 
griff in die Wogen hinabzutauchen. 
Aber die ganze Darstellung weist darauf 
hin, dafs der Vasenmaler einen Vorgang 
auf festemLande veranschaulichenwollte. 
Ich vermute, dafs hier eine Komödien- 
scene nachgebildet ist (vgl. oben Sp. 35 
Z. 3ff.). Der panische Schrecken des 
Mädchens hat auch auf dem Bilde 
etwas Komisches. Der Gegenstand, den 
Odysseus vor sich hält, sieht einer 
länglichen Holzkeule ähnlich, die der 
Dichter dem Helden anstatt des homeri- 
schen Laubzweiges in die Hand gegeben 
hat, um die komische Wirkung zu erhöhen. 
Über die Litteratur vgl. Bolte a. a. 0. S. 37 
unter C. 

c) In der Arch. Ztg. 11 S. 107 wird auf 
eine von Campanari gefundene Volcenter Vase 
hingewiesen, „eine der schönsten einer reichen 
Ausgrabung 1 ', auf der Nausikaa dargestellt ist, 



41 Nausimedon Naxos 42 

wie sie mit ihren Madchen zum Flufs geht, den Kyklopen bedrängt, die Phaiaken aus 

um die Kleider zu waschen, Bull. 1 (1834) 177. Hypereia nach Scheria. Od. 6, 7 ff. 7, 56 ff. 

Die Richtigkeit der Angabe bezweifelt Bolte 8, 565 und Schol. Od. 7, 56. Ap. Bh. 4, 539 ff. 

a. a. O. S. 37. n. Schol. — 2) Steuermann des Theseus auf 

d) Das bekleidete Brustbild der Nausikaa seiner Fahrt nach Kreta. Theseus soll ihm 
nach rechts gewendet, beigeschrieben NAY- und dem Untersteuermann Phaiax im Phale- 
(CIKAA), findet sich auf einer Münze von ron neben dem Tempel des Skiros aus 
Mytilene (auf dem Revers MYTI und Lyra) Salamis (d. h. im Heiligtum der Athena Ski- 
nach Imhoof -Blumer, Monnaies grecques p. 279 f. ras) Kapellen gebaut haben; denn Skiros 
nr. 258. [Bürchner, Griech. Münzen mit Bild- 10 hatte dem Theseus die beiden Steuerleute 
Misse« historischer Privatpersonen, Zeitschr. f. für die Fahrt mitgegeben, weil die Athener 
Num. 9 p. 132 Taf. 4, 32. W. Wroth, Cat. damals noch keine Seeleute waren. Philo- 
of the Greek coins of Troas, Äeolis and Lesbos choros bei Plut. Thes. 17. — Bdbert, der auf 
p. 200 nr. 168 PI. 39, 9.] Welcher, Griech. diese Heroa die bei Potts. 1, 1. 4 im Bezirk 
Götterlehre 3, 257 mit Anm. 17 meint wohl der Athena Skiras erwähnten flmpol rjqmmv 
diese Münze, wenn er sagt, auch Nausikaa sei bezieht, vermutet, dafs sie ursprünglich als 
als Heroine bekannt durch die Münze von Lesbos. Steuerleute des Skiros verehrt und erst später 
Eine andere Münze führt Head an, Historia in Beziehung zu Theseus gesetzt wurden; 
Numorum unter Mytilene 488, mit der Inschrift Hermes 20, 355ff. Gr. Myth. 1* 205. — Ä. Momm- 
Navamdav rj^mtda 'iov. IIqön.Xttv jipmtäa. Die 20 sen erblickt in den phaiakischen Namen eine 
Münze gehört in die römische Kaiserzeit und Rivalität gegen Kerkyra. Über das Fest der 
zeigt nach Head die Köpfe einer gewissen Kybernesien, welches nach Philochoros a. a. 0. 
Nausikaa und einer Iulia Procula; der Zusatz beiden zu Ehren gefeiert wurde, vgl. A. 
ijQcotg bezeichnet beide nur als Verstorbene. Mommsen Eeortol. 57, 269 f. — 3) Sohn des 
Denn a. a. 0. wird eine Bemerkung von Leake, Odysseus und der Kalypso, Bruder des Nau- 
Numismata Hell. s. v. Mytilene (London 1854, sinoos, Hes. Theog. 1017. Bei Hyg. fäb. 125 
Suppl. 1859) citiert, dafs die Stadt Mytilene weiter p. 108 Schmidt (wo fälschlich Nausiphou» 
als andere griechische Städte darin ging, die stand) ist er Sohn des Odysseus und der Kirke, 
Namen verdienter Bürger auf ihren Münzen zu Bruder des Telegonos. [Wagner.] 
verewigen; neben Pittakos, Alkaios, Sappho und so Nantes (Navtijg), Trojaner, Begleiter des 
Theophanes kämen Namen von geschichtlich Aineias , ein von Pallas durch Weisheit aus- 
völlig unbekannten Personen auf den Münzen gezeichneter Greis, der dem Aineias, als dieser 
vor. Übrigens bringt auch Gronovius, Thesaurus schwankt, ob er in Sicilien bleiben oder nach 
GraecAntiqu. 2 Taf. 5 ein Kopfbild der Nausikaa, Italien ziehen soll, ratend zur Seite steht, 
stark vergröfsert, mit der Umschrift: NAYIIKAAJ Verg. Aen. 5, 704 ff. Als Diomedes nach einem 
NHPQIAA nach einer Münze von Mytilene, die Orakelspruche dem Aineias das geraubte tausche 
er S. 6 bezeichnet als 'nummus in itinerariis Palladion zurückgeben wollte, opferte dieser 
ac miseellaneis Sponii et Wheleri prolatus'. gerade, weshalb Nantes für ihn das heilige 
[Die Münze findet sich bei Spon et Wheler, Bild in Empfang nahm (welches nach Einigen 
Voyage d'Italie, de Dalmatie, de Grece et du 40 später im Vestatempel in Rom aufbewahrt 
Levant tom. 1 ä la Haye 1724 Tafel zu p. 343 wurde). So suchte man es sich später zu er- 
Fig. 3. 4, Text p. 345 f. Auf der Rückseite ist klären, dafs nicht die gens Iulia, sondern die 
Sappho sitzend, die Leier spielend, dargestellt. Familie der Nautii (Bion. Hai. ant. Born. 6, 69) 
Derselbe Typus bei Mionnet 3, 47 p. 112. 113. die sacra Minervae verwaltete (Varro de fam. 
Leake, Num. Hell. Insular Greece p. 27. Troian. b. Serv. Verg. Aen. 5, 704. 2, 166. 3, 407. 
Bürchner p. 132 Taf. 4, 31 u. 8. Wroth p. 200 Fest. p. 166. Dion. Hai. a. a. 0. .Myth, Vat. 
nr. 167 PI. 39, 8; vgl. p. LXXV.]*) 1, 142; vgl. 1, 69. 2, 66. Plut. Camill. 20. Lucan. 

[Wörner.] 9, 994. Härtung, Belig. d. Böm. 1, 75. 2, 80. 

Nausimedon (NavoipiSatv), Sohn des Nau- Schwende, Myth. d.Böm.bi. Preller, Böm. Myth. 
plios, Königs in Euboia, und der Klymene oder 50 265. 687. De Vit, Onom. s. v.) [Wagner.] 

Philyra oder Hesione, Bruder des Palamedes Nantens (Navzttig), ein Phaiake, Od. 8,112. 

und Oiax, Apollod. 2, 1, 5, 14. VÖlcker, Iapet. [Stoll.] 

Geschl. p. 74. [Stoll.] Nautios (Navtiog, Nautius), = Nautes (s. d.), 

Nansinoos (Navctvoog), Sohn des Odysseus Dionys. Hai. Ant. Rom. 6, 69. [Stoll.] 

und der Kalypso, Bruder des Nausithoos, Navarze s. Nabarze. 

Hes. Theog. 1018. Eustath. Od. 1796, 49. [Stoll.] Navia, Göttin der Gallaecier in Spanien, 

Nausithoe (Navai&öri), Tochter des Nereus erwähnt auf einigen kurzen Inschriften, C. I.L. 

und der Doris, Apollod. 1, 2, 7. [Stoll.] 2, 756 (Fundort Alcantara am Tajo). 2378. 

Nausithoos (I\ratxri»oos),l) Sohn des Poseidon 2601. 2602. 5622 (diese in Gallaecia, conv. 
und derPeriboia, einer Tochter deB Giganten- 60 Bracaraugustanus , gefunden). 5626 (Fundort 

königs Eurymedon, König der Phaiaken, Vater Roqueiro in Portugal). Die Form Nabia in 

des Alkinoos und Uhexenor. Er führte, von nr. 2378 und 5623. Der Orts- und Flufsname 

(vgl. Ptol. 2, 6, 4) Navia hat sich bis heute 

*) Mr die Vollständigkeit der unter nr. 6 aufgeführten erhalten. [M. Ihm.] 

Bildwerke, die die Nausikaasage betreffen, kann ich nicht Navisalvia S. Salvia (navis) und Art. Isis 

einstehen; ich habe alles gegeben, was ich bis zum Ab- j, , „ „ igj 

schluTs meiner Arbeit habe finden können. Zu besonderem «r._»„ / »r 't_ \ i\ c n t, n Aac Pnlmnnri Pfiliroi- 

Danke bin ich Arthur Schneider Terpflichtet, der mir Ter- , X&TLQS (Na&g) 1) Sohn des PolemOn, Ü ührer 

schiedene Litteratumachweise gegeben hat. [Womer.j der Karer, welche zwei Generationen vor 



43 Nazalenon Theos Nebieb 44 

Theseus vom latmischen Meerbusen aus die Paus. 8, 4, 3 war sie dem Autolykos, dem 

von den Thrakern verlassene Insel Dia be- Sohne des Daidalion, am Parnafs vermählt, 

siedelten und ihr den Namen Naxos gaben. Volcker, Iapet. Geschl.l&l. 356. — 5) Tochter des 

Der Sohn des Naxos, der als trefflicher Fürst Amphion und der Niobe (s.d.); Apollod.3, 5, 6, 1 

gerühmt wird, war Leukippos, Diod. 5, 51. ('EfroSata nach andern). Hyg. fab. 11. 69. 

Steph. Byz. a.Y.Näl-og.Eustath.Dion.Perieg. 62b. Lactant. zu Stat. Theb. 3, 198. Tzetz. Chil. 4, 

— 2) Sohn des Endymion, Eponymos von 141. Mythogr. Vat. 1, 156. Volcker, lapet. 356. 

Naxos, Steph. Byz. a. a. 0. Da die Sage von Stark,NiobeQ6.3%3. — 6) Von Keleos (s.d.) Mutter 

Endymion und Selene (s. d.) bereits seit frühester des Triptolemos, Mann. Par. epoch. 13. — 

Zeit (ßapph. firg. 134) am Latmos lokalisiert 10 7) Von Theiodamas Mutter des vor Troja 

erscheint, so handelt es sich hier offenbar kämpfenden Dresaios, den sie am Sipylos ge- 

ebenfalls um die karische Ansiedelung auf bar, in der Gegend, wo die' Götter Niobe in 

Naxos. — 3) Sohn des Apollon und der Minos- Stein verwandelt hatten, Quint. Sm. 1, 292. 

tochterAkakallis, Bruder des Kydon, der gewöhn- Stark, Niobe 413. — 8) Gemahlin des Mile- 

lich als Sohn des Hermes, bei Steph. Byz. s. v. Biers Hypsikreon, welche ehebrecherisch einem 

KvScavla aber auch als Sohn des Apollon be- Freunde ihres Gatten, dem Naxier Promedon, 

zeichnet wird, Alex. Polyhist. Kretika b. schol. nach Naxos folgte und, da die Naxier die 

Apoll. Bhod. 4, 1492. Jedenfalls galt auch er Schutzflehende der Hestia im Prytaneion nicht 

als Eponymos der Insel, und sein Name re- auslieferten, einen Krieg der Naxier und 

präsentiert die spätere Herrschaft der Kreter 20 Milesier verursachte, Plut. mul. virt. 17. Theo- 

über Naxos (vgl. Bursian, Geogr. v. Griechenl. phrast. bei Parihen. Erot. 18; vgl. Bursian, 

2, 491, 3). An eine Änderung von Nä£og in Geogr. v. Griech. 2, 492. [— 9) Lemnierin, 

'Oa£og (nach Steph. Byz. s. v. "Oa£og) ist des- Val. Flacc. 2, 141. Vgl. Hesyeh. Neat^ieiv 

halb nicht zu denken. [ — 4) Personifikation Vmcovg' zoig aiib Ntulgug %al EiacovCSrig' veaiQav 

der Insel Naxos auf einer den Ariadnemythus yvä&ov. Niaiga Si %taqlov iv Arjfivw. — 

darstellenden 'Friesplatte' in der Galleria d. 10) Geliebte des troischen Flufsgottes Xanthos 

statue des Vatikans; >gl. Heibig, Fuhrer in (Skamandros), Ov. amor. 3,6,28. Röscher.] 

Born 1 nr. 2 14 (mit Litteratnrangaben). Röscher.] [Stoll.] 

[Wagner.] Nealces (NsdXnrje) , 1) Trojaner, Begleiter 

Nazalenon Theos. Eine Inschrift von Nazala 30 des Aeneas, tötet den Salius in der Mezentius- 

in der Palmyrene bei Waddington, Syrie schlacht: Verg. Aen. 10, 753 f. — 2) Kyzikener 

nr. 2571a lautet: ,"Ezo[v]g [yo]v, ^avStnov (securiger) von Pollux getötet; Val. Flacc. 3, 



[& \\z\6rSs äsvrsQOv xe[C\ov[ci] ävs&rpiav A 
ßlaiog [v.a~\i 'laga\Cog | viol Möo%ov &t\tp 



a[yxä>v xal ywaitiäv]. Die Lesung des Gottes 



191. [Röscher.] 
Nealke (Neäl*ri), Gemahlin des vor Theben 



Hsyäl[co Na]io[lrjvcäv'i | t>[«]se [aa)TT)Qiag~] gefallenen Hippomedon (s. d.) ; Stat. Theb. 12, 122 



[Stoll.] 



namens rührt von de Vogüe her. Demselben Neandros (NeavSftog), Sohn des aus Olenos 

grofsen Gott von Nazala wird eine Säule mit eingewanderten lesbischen Königs Makareus, 

ihrer Bedachung geweiht in einer palmyreni- der, offenbar nach einer lesbischen Lokalsage, 
sehen Inschrift, welche nach M. Lidzbarski 40 die umliegenden Inseln besiedelte und so auch 

(Deutsche Literat.- Zeitung 1897nr.36 Sp.l410f.) seinen Sohn Neandros zum König von Kos 

Ch. Clertnont- Ganneau in seinen mir unzu- machte; Diod. 5, 81. [Wagner.] 

gänglichen Etudes d'areheologie Orientale Tom. 2 Neanias [Naccvtag). Auf einer inschriftlich 

Paris 1896 § 8 p. 92—99 behandelt hat. erhaltenen marathonischen Opferbestimmung 

[Drexler.] erscheint neben anderen gleichfalls unbekann- 

Neaira (NeaiQa, von vcog, die Junge und ten Heroen ein Heros Neanias, Americ. Journ. 

Frische, die junge frische Natur, der neue of arch. 10, 209 f. = Prott, Lege» Grate, sacrae 

Frühling, das Neulicht (Neumond?), Welcker in e titulis coli. 48, 21, der p. 52 zur Erklärung 

Schwencks Andeutungen S. 298. Volcker, Preller, des Namens N. auf weibliche Parallelen, wie 
Gerhard, Stark, Niobe S. 447). 1) Von Helios 50 Köqt] oder Nvjicpri oder ITciQ&faog, hinweist. 

Mutter der Nymphen Lampetie und Phaethusa, [Höfer.] 

welche sie nach Thrinakia geschickt hatte, Neanthes (Nsäv&tjg- 'Ogiatris Hesyeh.) = 

um dort die Heerden des Helios zu weiden, Orestes (s. d.). [Röscher.] 

Od. 12, 133. Sie war wohl eine Tochter des Nebel s. Omichle u. Nebula (Nephele). 

Okeanos, Hesyeh. s. v. (wie ja auch Helios' Nebieb (NsßiiftS), d. i. nebib, nebäb „Herr 

Gattin Perse und seine Geliebte Klytie Okea- von Elephantine", Beiname des Chnum in zwei 

ninen waren). Nach Schol. Od. 17, 208 war Inschriften: 1) Inschrift von Assuan, g. d. oben 

Rhode die Mutter der Lampetie und Phaethusa. Bd. 2 Sp. 1251 Z. 8 ff. angeführte Litteratur 

Preller- Bobert, Gr. Myth. X*, 432. — 2) Eine und Wilcken, Berliner Philol. Wochenschr. 
Nereide, welche dem Aietes den Apsyrtos ge- 00 1888 p. 1262. Mahaffy, Hermathena 9 (1896) 

bar, Sophokles bei Schol. Ap. Bh. 3, 242, vgl. p. 273. Strack, Mut. d. D. A. Inst. Ath. Abt. 

Frg. 203 N. 2 Gerhard, Gr. Myth. 1 § 476. — 20 (1895) p. 327 u. Die Dynastie der Ptole- 

3) Von Strymon Mutter der Euadne, der Ge- mäer. Berlin 1897 p. 264. 266. 267 nr. 140 

mahlin des Argos, Apollod. 2, 1, 2, 1. Volcker, Z 15. 27. 33: Xvovßco Neßinßi Z. 60: Xvovitm 

Iapet. Geschl. 368. — 4) Tochter des Arkaders JV[s/}itj|?]. 2) Inschrift unbekannten Fundorts, 

Pereus, die mit Aleos, dem Sohn des Apheidas, jetzt im Musee du Louvre, Strack, Die Dynastie 

die Auge, den Kepheus und Lykurgos zeugte. der Ptolemäer p. 251 nr. 95 (XVöfto) [N]ißu'ß). 

Apollod. 3, 9, 12 (Tzetz. Lycophr. 206). Nach [Drexler.] 



45 Nebo (Kult zu Borsippa) Nebo (Kult zu Borsippa) 46 

Nebo*) (Nabu), eine babylonische Gottheit. Annahme, dafs er eine der alten Naturgott- 
Der Name ist unsicherer Etymologie. Auf den heiten repräsentiere (so Friedrich Jeremias bei 
Stamm JOS dürfte er kaum zurückzuführen sein Chantepie de la Saussaye, Beligionsgesehichte 1 
(hebr. Sas Jes. 46, 14, wiederholt in Eigennamen, S. 188), läfst sich nicht genügend begründen*), 
nie mit' Aleph geschrieben); wenn ihn die Soweit wir sehen, repräsentiert er einen der 
Ideogrammerklärungen als den „Verkündiger, monarchistischen Stadtkulte, deren Polytheis- 
Propheten" bezeichnen, so liegt gewifs eine mus zunächst nur in der Nebeneinanderstellung 
Volksetymologie vor, ebenso wie in der schon einer männlichen und einer weiblichen Gott- 
in altbabylonischen Kontrakten vorkommenden heit hervortritt , woran sich dann von selbst 
Schreibung Nabium. Nach Hammel, Altisrael. 10 die Vorstellung göttlicher Söhne anschlofg**). 
Überl. (München 1897) S. 80. 275 ist der in Inwiefern diese Stadtgottheiten zugleich Natur- 
südarabischen Inschriften von Ed. Glaser neu- gewalten repräsentierten (etwa die Sonne in 
gefundene hadhramautische Gottesname Anbaj ihren verschiedenen Wirkungen gleich den 
identisch mit Nabium. Die Ideogramme des phoenicischen Baalen) läfst sich nicht fest- 
Gottesnamens. bezeichnen ihn bei den Baby- stellen. Jedenfalls ist Nebo von uraltersher, 
loniern als Träger des Schreibgriffels (PA) und unabhängig von Marduk, Stadtgott von Borsippa. 
als personifizierte Weisheit (AG). Seine Würde als Schutzherr der Priester 

, und Schreiber hat ihm stets eine hervor- 

I. Der Nebokultus im altbabylomschen, ragende Stellung verschafft. In der ältesten 

assyrischen und ctaaldäisch-babylonischen ^ historischen Zeit, so weit wir dieselbe kennen, 

Reiche. scheint sein Stadtkultus aus irgend welchen 

Der Kultus des Nebo hat seinen Sitz in politischen Gründen verfallen zu sein. Jeden- 
Borsippa, der Schwesterstadt Babylons, und falls wurde er vom Mardukkultus überstrahlt, 
zwar im Tempel Ezida, d. h. „ewiges Haus", als Babylon unter Hammurabi religiöse und 
s. unten Sp. 52. Als Stadtgott von Borsippa politische Metropole wurde; war doch Borsippa 
steht aber Nebo überall, wo er uns in histo- mit Babylon so eng verbunden, dafs Herodot 
rischer Zeit begegnet, im Sohnverhältnis zum sie für 6ine Stadt hielt. So erklärt es sich, 
babylonischen Götterkönig Merodach, dessen dafs Hammurabi, der Vereiniger von Gesamt- 
sämtliche Funktionen ihm übertragen werden. babylonien, dem „der Triumph Marduks" in 

Dafs dieses Verhältnis nicht ursprünglich 30 erster Linie am Herzen lag (s. Bd. 2 Sp. 2243), 

dem Nebokultus zu Grunde liegt, geht schon den Tempel Ezida in Borsippa, der später 

aus seiner Stellung in den Götteraufzählungen unbestritten Nebos Heiligtum ist, zu Ehren 

hervor: wäre Nebo von Haus aus Sohn Mero- Merodachs baut (oder wiederherstellt?), ohne 

dachs, so würde er nicht beinahe regelmäfsig den Namen Nabu zu erwähnen (KB. 3, 1 

vor Merodach genannt werden**). Tiele'% Ver- S. 126f.). Dafs unter der Dynastie Hammurabi's 

mutung (Geschichte Babyloniens und Assyriens der Nebokultus bereits bekannt war, beweisen 

S. 532 ; vgl. auch Karppe, Bevue semitigue 3, 74), die „Akten freiwilliger Gerichtsbarkeit" aus 

Nebo sei vielleicht ursprünglich als südbaby- jener Zeit. Zwar schwören die Kontrahenten 

Ionische Gottheit identisch mit dem nordbaby- nie beim Namen Nebos, aber es giebt Zeugen- 
Ionischen Marduk, hat sich nicht bestätigt. 40 namen, die mit dem Gottesnamen Nabium ge- 

Die Voraussetzung, Nebo werde in Südbaby- bildet sind (Apü-Nabium, Nabium-maliJc; s. die 

lonien selbständig neben Sarpanitu, der Ge- von Bruno Meifsner in der Assyriol. Bibl. 

mahlin Marduks, verehrt, trifft nicht zu; auch Bd. XI behandelten Kontrakte nr. 54. 100). 

liefse eine nachträgliche Differenzierung die Ein babylonisches Epos, das den Elamiter- 

Reihenfolge Marduk, Nebo und nicht Nebo, einfall unter Hammurabi schildert (wir be- 

Marduk erwarten. Jedenfalls hat Nebo ur- sitzen freilich nur eine Abschrift aus peisi- 

sprönglich die Rolle einer selbständigen Gott- scher Zeit), redet ausdrücklich von der Ver- 

heit gespielt. In den Legenden von der Welt- wüstung des Nebotempels Ezida in Borsippa 

schöpfung und von Dibarra, die den Merodach- (übersetzt von Hommel, Altisr. Überl. -S. 180 ff.), 

kultus und damit Babylons Weltstellung ver- 50 Es ist sehr wahrscheinlich, dafs man gerade 

herrlichen, ist zwar VOD Nabu keine Spur zu ,, Die übliche Bezeichnung des Nebo als Feuergott 

finden, dagegen wird er in der Sintfiutlegende steht und fällt mit der von Lenormant (weil der Stern des 

vor Sarru, d. i. der Götterkönig Marduk***), Nebo zwei Erscheinungszeiten habe) stammenden und 

aufgezählt: Nabu und Marduk schreiten voran, von Hommel, Jemen u. a. angenommenen aber unbeweis- 

als es gilt, die Sintflut anzurichten. Welche baren Identifizierung mit Nusku (s. Art. Nusku). Nusku 

Götterwürde bekleidete Nebo Ursprünglich ? Die £chon «f den Siegel des Dungi) ist allerdings Bote des 

r ° Bei, wie Nebo Bote des Marduk, auch tragt er gelegent- 

*) Dieser Artikel sehliefst sich unmittelbar an die lieh das Schreibrohr (doch s. die Bemerkung unten Sp. 56 

Bd. 2 Sp. 2340—72 gegebene Monographie über Marduk Anm.), aber wenn beide identisch wären, würden sie nicht 

(Merodach) an. Nachtrag s. Sp. 68 f. Für die Belegstellen je eine Kapelle in Ezida gehabt haben. Auch die Identin- 
der historischen Inschriften ist, soweit thunlioh, die 60 zierung mit Papsukal (Jemen, Koam. 77) aeeeptieren wir 

von Eb. Schröder herausgegebene Keilimchriflliche Biblio- nicht. — Zu Nebo = Merkur s. unten Sp. 57 f. 

thek (KB) oitiert, ohne dafs wir uns im Einzelnen an **) Nicht notwendig sexueller Dualismus! Die Götter 

die Übersetzung binden konnten. ZA bedeutet Zeitschr. gehören nicht unbedingt paarweise zusammen. Istar 

/. Ässyr. (Bezold). z - B - blieb immer selbständig. Auffällig ist hingegen die 

**) S. d. Bemerkung unt. Marduk Bd. 3 Sp. 2346 Anm. Bevorzugung des weiblichen Elementes in sehr alter Zeit. 

Die Worte „im Gegensatz zu früheren und späteren Ge- Vielleicht ist es ähnlich zu erklären wie bei den ältesten 

pflogenheiten" sind dort als irrtümlich zu streichen. Arabern: Herrschaft, das Hauptattribut der Gottheit, und 

***) Dafs wirklich Marduk gemeint ist, beweist z. B. die Mutterschaft liegen nahe bei einander (WeWtausen, Beste 

Inschrift Agukakrimi's Col. YIH, 30 t (KB III, 1 S. 158). arabischen Heidentums*- S. 208). 




47 Nebo (Kult zu Borsippa) 

unter Hammurabi den Nebokultus in majorem 
gloriam des Marduk umgestaltet und den Nebo 
als Erstgeborenen des Marduk und der Sarpanit 
gefeiert hat. Dem Marduk blieb in Ezida eine 
„Kapelle" eingeräumt, andererseits besafs Nabu 
im Tempel Esagila ein besonderes Heiligtum 
(ein Samassumukrätext Lehmann G 2 berichtet 
über den Bau). Das Neujahrsfest aber ist 
nicht denkbar, ohne dafs die Nebostatue aus 
Borsippa auf dem Götterschiff*) in feier- 
licher Prozession (von Sargons Zeiten an 
auf einem eigens zu diesem Zwecke erbauten 
Kanal) herbeigebracht wurde**). So erklärt es 
sich, dafs Marduk zuweilen als Herr von Esagila 
(dem Marduktempel in Babylon) und Ezida 
angerufen wird, wie umgekehrt Nebo (vgl. den 
Sp. 63 erwähnten Hymnus) gelegentlich als 
Schirmherr (asir) des Marduktempels Esagila 
gepriesen wird. Einen Fingerzeig über den 
Zeitpunkt, an dem der Nebokultus von Bor- 
sippa zu seinem Rechte kam, giebt vielleicht 
ein Kontrakt der 1. babylonischen Dynastie 

(Meißner nr. 
* - ■ / g- afl H), der da- 
tiert ist vom 
„Jahre des 
Thrones Ne- 
bos ", d. h. 
doch wohl, in 
dem Nebo ein 
Thron errich- 
tet wurde. 
Einer der alt- 
babyloni- 
schen Siegel- 
cylinder trägt 
ausschliefs- 
lich die In- 
schrift: Nebo, der Schreiber von Esa-gila, 
der Liebling des Merodach" (Collection de 
Clercz I, nr. 224, s. Abb. 1)'**); auf zwei anderen 
altbabylonischen Siegelcylindern (ib. nr. 191 
u. 192) bezeichnen sich die Inhaber (der eine 
ein Schreiber) als Diener Nebos. In den histo- 
rischen Inschriften, soweit sie bisher bekannt, 
taucht er zum ersten Male bei Ägumkakrimi 
(KB 3, 1, 150f.) auf, dem kassitischen Eroberer, 
der übrigens auch den durch das Volk der Hani 
verwüsteten Marduktempel Esagila wieder- 
herstellt (s. Bd. 2 Sp. 2343): Wer die In- 
schrift zerstört, soll Nebos und des Götter- 

*) Nebukadnezar IL erzahlt, er habe die Masten and 
Kajttten mit Gold und Edelsteinen bekleidet. 8. auch 
Delitzsch, Handw. S. 75 a. 

**) Zum Neujahrsfest s. Bd. 2 Sp. 2S47 f. u. unt. Sp. 55. 68. 
Xarppe, Revue sem. 8 S. 146 ff. zeigt, dato das talmudisohe 
nilBrt 12X1, das Neujahrsfest am 1. Tisri (statt am 
15. Nisart), an dem Jehova das „Buch der Lebendigen" 
aufschlägt und die Jahresgeschicke bestimmt, auf Nach- 
ahmung des babylonischen Neujahrsfestes (auch reg satti 
genannt) beruht. 

***) Die babylonischen Siegel, von denen jederim öffent- 
lichen Leben stehende Babylonier ein Exemplar besafs 
(an der Halskette oder am Armband befestigt? vgl. 
Moheslied 8, 6), trugen religiöse Inschriften und Embleme, 
weil dadurch nach orientalischer Anschauung die Unter- 
schrift Schwurkraft erhielt (wie noch heute auf arabi- 
schen Siegeln, z. B. auf kaufmännischen "Wechseln, der 
Namenszug des Allah sich findet). 



1) Altbab. Siegelcylinder mit der Auf- 
schrift: Nebo, Schreiber von Esagila, 
Liebling des Marduk (Collection de 
Clercq I nr. 224). 



Nebo (Kult in Assyrien) 48 

königs (Merodach) und anderer Götter Wehe 
erfahren. Auch erscheint von da an der 
Göttername häufiger in Eigennamen, unter den 
Königsnamen dasersteMal bei Nabukudurriusur 
(Nebukadnezar I., um 1140) und bei Ncibü- 
apal-iddin (883—852), unter dessen Regierung 
ein Priester von Sippar, Namens Nabü-nadin- 
sum, eine Holle spielt. Samasiumukin, der 
Statthalter von Babylon und Bruder des assy- 

10 rischen Königs Asurbanipal (Sardanapal), be- 
ginnt seine Cylinderinschrift (KB 3, 1 S. 194 f.) 
mit einem überschwenglichen Lobpreise des 
Gottes Nebo. Zwei der uns bekannten Inschriften 
dieses Vicekönigs von Babylon (Lehmann in 
Delitzsch u. Haupt'a 
Assyriol. Bibl. Bd. 
VIII, Steleninschrift 
S* und Cylinderin- 
schrift L*) sind dem 

20 Nebo besonders ge- 
weiht. Auf der letzt- 
genannten Inschrift 
wird ein sonst un- 
bekanntes Heilig- 
tum in Ezida ge- 
nannt, das „berg- 
hoch errichtet" 
wird.*) 

Wie die Schreib- 

80 knnst, so kommt der 
Nebokultus vonBa- 
bylonien auch nach 
Assyrien. Aber er 
geniefst nur Gast- 
recht im Lande. Kein 
assyrischer Königs- 
name trägt den 
Gottesnamen Nabu. 
Wann dem N. zum 

40 ersten Male ein Tem- 
pel in Assyrien ge- 
baut ist, wissen wir 
nicht. Je stärker die 
Bande der Freund- 
schaft oder derÜber- 
macht waren, die 
Assyrien mit Baby- 
lon in den verschie- 
denen Zeitläuften 

50 verbanden, desto 
gröfser war jeweilig 
das Interesse am ba- 
bylonischen Nebo- 
kultus. Salmanassar 
II. (860—826, s. KB 1, 136 f.) berichtet von feier- 
lichen_ Opfern nicht nur in Esagila, sondern 
auch im Nebotempel Ezida zu Borsippa: im 
„Hause der Entscheidung" (!) des Nebo, des 
„Helden unter den Göttern", bringt er seine 

60 Huldigung dar. Auf assyrischem Boden selbst 
fand Nebo einen besonderen Verehrer an dem 
811— 782 regierenden König iJammonwiranJU. 
Unter seiner Regierung gewinnt ein Nebotempel 
in Kelach, der gleich dem Tempel in BorBippa 

*) Dafs von einer ,,'Waldpnanzurig", der die Be- 
dachung gleichen soll (Lehmann a. a. O. S. 13), nichts im 
Texte steht, sei ausdrücklich erwähnt, man könnte sonst 
von einem hängenden Garten in Ezida fabeln. 




2) Statue aus dem assyrischen 
Nebotempel zu Kelaoh (vgl. Sp. 
64). Das Original (Kalkstein, 
1,65 Meter hoch) im britischen 
Museum. Nach dar Zeiohnung 
von Saint- Elme Quittier. (Über- 
setzung der Inschrift auf Sp. 49). 



49 Nebo (Kult in Assyr.: Kelach) Nebo (Kult in Assyr.: Kelach) 50 

den Namen Ezida führt, Bedeutung. Hat ihn (gegen Tiele, vgl. EponymerilisteKBl, S.210ff.), 
R. gebaut oder erneuert? Die Eponymenliste ein Statthalter von Nineveh heifst Nabu-dini- 
bemerkt für das Jahr 787: „Nabu zieht in den pus. Von den Beziehungen Ramman-niraris IH. 
neuen Tempel ein"! (Vgl. unten Sp. 51). Aus zu den babylonischen Städten und Kulten zeugt 
diesem Nebotempel von Kelach stammen die auch der Schlufs der Steinplatteninschrift ans 
berühmten von Bassam entdeckten vier Nebo- Kelach, wo von „Aufträgen" der Götter Bei, 
statuen. Zwei der Statuen sind mit Inschriften Nebo, Nergal (s. d.) die Rede ist, die von den Ge- 
versehen,auswelchenhervorgeht,dafs die Götter- sandten ihrerKultusorte Babylon, Borsippa und 
bilder von einem Statthalter dem Nebo „zur Fort- Kuta gebracht werden (das bedeutet natürlich 
dauer des Lebens" König Ramman-niraris und 10 eine religiöse Umschreibung politischer Vor- 
der Palastfrau Sammuramat geweiht worden gänge), und von „reinen Opfern", die wohl 
sind. Die Inschrift lautet in wortgetreuer Über- (die Inschrift bricht hier ab) vom assyrischen 
setzung*): „Dem Nabu, dem starken Gott, dem König in den drei genannten babylonischen 
Hohen, dem Sohne vonEsagila, dem allwissenden, Kultusstätten dargebracht werden (diese Er- 
gewaltigen, erhabenen, allmächtigen Sohne des gänzung folgern wir aus den gleichlautenden 
Nukimmut (d. i. „Gott der Schöpfung", also Angaben am Schlufs der „synchronistischen 
Mardnk), dessen Befehl an erster Stelle gilt, Geschichte"). Tiglatpileser III., der nach 
dem Beherrscher der Künste, der die Aufsicht Jahrzehnten des Niedergangs assyrischer Herr- 
hat über alles im Himmel und auf Erden, der schaft von 745 — 727 regierte, hat als Schutz- 
weise ist in allerhand Dingen, nnd offenes Ohr 20 herr von Babylonien besonderes Interesse für 
hat, der den Schreibgriffel hält, der das Schreib- babylonische Kulte. Die babylonischen Haupt- 
roh^?) trägt, dem Barmherzigen, dem Entschei- götter, unter ihnen Nebo, rangiren in seinen In- 
der, der Erleuchtung und Beschwörung mit- Schriften direkt hinter dem assyrischen Götter- 
teilt, dem Liebling Bels, des Herrn der Herren, könig Asur. Sargoris Fürsorge für die Kultus- 
dessen Macht ohne Gleichen ist, ohne den tempel Marduks und Nebos wurde bereits im 
im Himmel kein Rat gehalten wird, dem Art. M arduk Bd. 2 Sp. 2344 erwähnt. In seinen 
Barmherzigen, Gnädigen, freundlich sich Zu- Annalen nennt er Nebo „den Allschreiber, der 
wendenden, der da wohnet zu Ezida in Kelach, die Gesamtheit der Götter leitet"; Asur, Nabu 
dem grofsen Herrn, Beinern Gebieter — hat und Marduk haben ihm, dem König von 
zur Förderung des Lebens des Ramman-nirari, so Assyrien und Statthalter von Babylonien, un- 
des Königs von Assyrien, seines Herrn und vergleichliches Königtum verliehen, seinen 
des Lebens der Sammuramat, der Palastfrau, Namen zum Höchsten berufend. Um sich bei 
seiner Herrin, Beltarsi-iluma, Statthalter von den Bewohnern und Priestern von Baby- 
Kelach, Hamidi, Sirgana, Temeni, Jaluna, dafs lonien und Borsippa beliebt zu machen, ver- 
er lebe, seine Lebenstage lang seien, seine band er die beiden Städte mit einem neuen 
Jahre sich mehren, dafs er Friede habe für sein Kanal, der als Feststralse für die Nebo -Pro- 
Haus und seine Leute, von Krankheit verschont Zession am Akitnfest diente, und vollendete 
bleibe — dies anfertigen lassen und als Ge- die Feststrafse, die vom Landungsplatz bis zur 
schenk geweiht. Du künftiger Mensch, auf Akitufesthalle führte. Aber auch nach der 
Nebo vertraue, auf einen andern Gott 40 assyrischen Heimat importierte er die baby- 
vertraue nicht." Die auffällige Bevorzugung Ionischen Kulte. Es wird berichtet, dafs er 
des Nebo auf assyrischem Gebiet mufs wohl in seiner neuen Residenz Dursarrnkin („Sargon- 
eine besondere Veranlassung gehabt haben. mauer") „strahlende Tempel" für Ea, Sin, Sa- 
Wahrscheinlich war jene Semiramis**), die mas, Nebo, Ramman, Ninib und deren hehre 
Mutter oder Gemahlin des Königs, eine baby- Gemahlinnen, die inmitten von Eharsaggal- 
lonische Prinzessin, und es wurde ihr durch kurkura, dem Berge Aralli rechtmäfslg geboren 
die Neboverehrung eine besondere Huldigung sind(!), erbaut. (Vgl. auch die von Meißner- 
erwiesen. Tiele überschätzt die Bedeutung der Rost, Beitr. z. Assyr. III, 2, 195 besprochene In- 
Statuenweihe, wenn er den Versuch einer Um- schrift). Auch Sanherib nennt Nebo unter den 
wälzung des assyrischen Kultus herausliest.***) 50 Göttern,aufdieerseinVertrauensetzt(ZS2,106f. 

50 viel ist gewifs, dafs seit R. der Nebokultus Bei, Marduk, Nebo, in dieser Reihenfolge). Wenn 
in Assyrien populär wird. In den Eigennamen er gleichwohl Babylon und damit den Tempel von 
der Eponymenlisten taucht er jetzt häufig auf Esagila und Ezida verwüstet, so dafs die Götter, 

*) Text ib 35, nr. 2; die kb l, 192 gebotene über- ihrer Tempel beraubt, wie Vögel fliegend 

setzung ist ungenau. zum Himmel emporsteigen müssen,*) 

**) Der Name Semirami. ist derselbe wie der jener B0 - weifs das sein Sohn Asarhoddon als ein 

sagenhaften Königin des jRMta; s. Tiele, Geschichte eigenes Zornesgericht Marduks darzustellen (s. 

Sp 820 ' B<i - 2 ' Art " Marduk ** d - 2 S P- 2344 )" Er 8el08t . «k* 

***■) Auch anderen sattem (vgl. Bd. 2 Sp. 2344) wird in schon als Kronprinz Verwalter in Babylonien 

hyperbolischer Weise Einzigartigkeit zugeschrieben (s. 60 gewesen war, stellt als „Verehrer Marduks und 

Thureau Dangin in Revue d'hittoirt et de Utteraiure religieuses Nebos" die Tempel und Götterstatuen wieder 
1, 1896 S. 103). Die von Windeier a. a. O. konstruierten 

politischen Absichten würden wir in der Kultusneuerung *) Sehr beachtenswert für die Erkenntnis der reli- 

R. nur dann finden können, wenn es sich um Einführung giösenVorstellung der Babylonier und Assyrer I Wieder- 

der Mardukverehrung in Assyrien handelte. Das „Er- holt kommt die Wendung bei Assarhaddon vor! Vgl. 

greifen der Hände Bels" konnte wohl kaum im Nebo- auch Sintfl. Z. 108 (Bd. 2, Sp. 798). Erst nach völligem 

tempel markiert werden, wenn auch zuweilen statt „die Wiederaufbau „fafsten die Götter wieder Zuneigung zu 

Hände Bels" pleonastisch gesagt wird „die Hände Bels und den Tempeln ihrer Städte" (so in der Assarhaddon-In. 

Nebos ergreifen" (z. B. bei Sargon). . schrift Beiträge z. Assijr. III, 2, 231). 



51 Nebo (Kult in Assyrien) Nebo (Kult im chald.-babyl. Reiche) 52 

her (vgl. die Inschrift des schwarzen Steins, (s. oben Sp. 49) „für das Leben seiner Seele", 

KB 2, 120 ff. ; Meifsner-Eost in Beitr.z.Assyr. III, und Sin-sar-ükun erwartet besondere Für- 

2, 218ff.; über die politischen Absichten urteilt sorge von Nebo, dem Weltenaufseher, und 

Winckler, Geschichte S. 258 f., vgl. S. 63). Auf seiner Gemahlin Tasmet. 

der Prisma-Inschrift berichtet er (KB 2, 130f. Im chaldäisch-babylonisehen Reiche, 
146f), dafs er • die Tempelbezirke (eWw, so er- das sich aufden Trümmern der assyrischen Welt- 
klären wir auf Grund des Hymnus IV R 20, Nr. 3 herrschaft erhob, steht der Nebokultus neben 
b. unten Sp. 63) der Söhne (das heifst wohl dem Merodachs in hoher Blüte. Drei der chal- 
„Priester")*) von Babylon und Borsippa wieder- däo-baby Ionischen Könige sind nach ihm ge- 
herstellt, deren sich die Ohaldäer bei einem 10 nannt: Nabopolasser, Nebukadnezar, Nabonid. 
Streifzuge bemächtigt hatten, „aus Ehrfurcht Nebukadnezar, der sich „beständig mit den 
vor Marduk und Nabu". Gelegentlich eines Heiligtümern Nebos und Marduks beschäftigt", 
Berichtes über die Opfer seiner fünf Kinder erzählt von seiner Renovation des Tempels 
heifst es (K. 601, Z. 15): „Am 4. Tage des Mo- Ezida: „Mit Silber, Gold, Edelsteinen, Bronce, 
nats Ijjar haben Nebo und Tasmet den bit Palmen- und Cedernholz vollendete ich den Bau. 
tenihi betreten", d.h.„da8HausdesRuhelagers". Die Cedernbalken der Bedachung der Heilig- 
Die^Herriehtung des Götterbettes war eine tümer Nebos liefs ich mit Gold bekleiden; die 
besonders feierliche Ceremonie. — Den völligen Cedernbalken der Bedachung des ... - Thores 
Wiederaufbau von Esagila (s. Meißner-Rost, liefs ich mit strahlendem Silber bekleiden; die 
a. a. 0. 244ff.) und Ezida erlebte Assarhaddon 20 Stierkolosse und die Thürflügel des Thores 
übrigens nicht. Erst einige Jahre nach seinem zum Heiligtum, die Schwelle, das Schlofs etc. 
Tode (s. KB 2, 258f.) wurden die Bauten mit zariru, desgleichen die Cedernbalken der Be- 
vollendet durch seinen Sohn Asurbanipal: dachung seiner .... schmückte ich mit Silber. 
„Bel-Marduk und die Götter von Babylonien" Die Strafse zum Heiligtum und den Zugang 
wurden von Asur, wohin sie Sanherib ver- zum Tempel liefs ich von glasierten Ziegeln, die 
schleppt hatte, nach Babylon zurückgebracht (s. Kapellen und Heiligtümer darin von Silberarbeit, 
Art. Marduk Bd. 2 Sp. 2344 f.)**). Im übrigen die Stierkolosse an den Flügeln der Thore von 
ist in Asurbanipals Annalen von Nebo wenig zu zahalü-Bronce strahlend erglänzen, den Tempel 
hören, obwohl man bei ihm, dem grofsen schmückte ich und erfüllte ihn mit Pracht zum 
Bibliotheksammler und Freund der Weisheit 30 Staunen" (KBS, 2, 17 u. 35, wo auch die fetten 
Nebos, viel davon erwarten sollte. An seinem Opfer geschildert werden für den Göttertisch). 
Hofe werden gewifs zahlreiche der edlen Tafel- S.Art. Marduk, Bd. 2 Sp. 2347 ff., wo der Nebo- 
Bchreibkunst kundige Nebopriester ihr Wesen kultus im babylonischen und persischen Reiche 
getrieben haben. Er selbst erzählt, dafs er und in der Seleucidenzeit (Antiochos Soter be- 
im Frauenhause in „Nebos Weisheit , der ge- vorzugt Nebo) neben dem Marduks besprochen 
samten Tafelschreibkunst" unterrichtet wurde. ist. Besonders in der Stadt Seleucia am Tigris, 
In den Bibliothekvermerken der von ihm ge- die Seleukos I. zum Teil aus Trümmern Baby- 
sammelten religiösen Litteratur (z.B. im_Sylla- Ions erbauen liefs, wurden die Kulte des Mar- 
bar S a und in den Serien Maqlu und Surpu) duk, Nebo (und Nergal) lebendig erhalten, 
heifst es: Ihm (Asurb.) haben Nebo und Tasmet 40 Laodike, die schlimme Gattin Seleukos II. Kal- 
weithörende Ohren verliehen, er bekam hell- linikos (246 — 226), schenkte den Priestern von 
sehende Augen (!), die auserlesenste Tafelschreib- Babylon, Borsippa und Kutha Kleinodien und 
kunst, wie solche unter den Königen, meinen Ländereien(ZeÄmanninZtsc7ir./'..4ss2/r.7,330ff.). 
Vorfahren, niemand erlernte. DieWeisheitNebos Auch die alten Götterhymnen wurden in dieser 
habe ich auf Tafeln geschrieben, eingeritzt, Zeit aufgefrischt, wie die Hymnenabschriften 
durchgesehen, und, dafs ich sie ansehen und aus dieser Zeit beweisen, von denen das Ber- 
lesen könne, in meinem Palaste aufgestellt. liner Museum eine grofse Anzahl birgt (ver- 
Als Schutzgott seiner Kriegszüge nennt A. teils öffentlicht von Beisner in den Mitteilungen aus 
die echt assyrischen Götter Asur und Istar, d. Orientalisch. Sammlungen Heft X). — W.Anz, 
teils die Trias des vereinigten babylonisch- 50 Zur Frage nach dem Ursprung des Gnosticis- 
assyTischen Reiches : Asur, Bei (Marduk), Nebo. mus, Leipzig, Hinrichs 1897, hat überzeugend 
Im übrigen mag ihm, der Zorn über seinen nachgewiesen, dafs die babylonische Religion 
rebellischen Bruder Samassumukin (s. oben die Entstehung des Gnosticismus beeinflufst 
Sp. 48) die babylonischen Kulte verleidet haben. hat. Auch die mandäische Religion weist in 
Doch vgl. unten Sp. 61 f. jenen Hymnus, der sich ihren Liedern babylonische Reminiszenzen an 
als ein religiöses Gespräch zwischen Asurbani- Nebo auf (s. unten Sp. 59 f.). 
pal und dem Gott Nebo kundgiebt. Sehr Leider ist die Geschichte des Tempels Ezida 
charakteristisch ist es, dafs die Epigonen Asur- für die altbab. Zeit*) ebenso wie der Kultus 
banipals den babylonischen Kulten besondere Nebos in Dunkel gehüllt. Die meisten Nach- 
Aufmerksamkeit erweisen. Sio sollten die sin- 60 richten verdanken wir den Bauberichten der 
kende Macht Assyriens halten helfen. Asur-etel- 
iläni erneuerte den Nebotempel Ezida in Kelach *) Aus älterer Zeit beachte IVB 18 nr. 2 (K4933, a. 

Bezold, Catalogue 2 S. 676,) das dem Merodach gewidmete 

*) S. Bd. 2, Sp. 2349 Anm. Beschwörungsgebet, wo die Wiederherstellung des „Biegeis 

**) In anderen Fällen, wo es sich um Zurückbringung von Babylon, des Schlosses von Eaagil, der Umhegung 

von Göttern feindlicher Länder handelt, schreiben die von Ezida" erbeten wird, und den Sp. 63 erwähnten 

assyrischen Könige auf die Statuen einen Lobpreis ihres Hymnus. Von dem Epos, das die Zerstörung des Tempeis 

Götterkönigs Asur und der andern assyrischen Götter durch die Elamiter um 2000 voraussetzt, war oben die 

(vgl. z. B. KB 2, 131. 133). Bede Sp. 46. 



53 



Nebo (Tempel Ezida) 



Nebo (Tempel Ezida) 



54 



chaldäisch-babylonischen Könige.*) Jedenfalls 
war der Boreippatempel kleiner als Esagila in 
Babylon. Von altersher war er berühmt durch 
den sieben Etagen hohen Turm (zikkuratu), von 
dem Nebukadnezar II. sagt, er habe ihn ge- 
baut, wie er vor alters war, und seine Zinnen 
erhöht, und sein Name sei gewesen „Tempel 
der 7 Abteilungen Himmels and der Erde". Als 
eine feierliche, dem Gotte wohlgefällige Cere- 



Ansicht der Ruinenstätte bieten wir Abb. 3, 
vgl. Smith, Chald. Gen. 125 f. u. Hommel, Gesch. 
Bob. u. Ass. S. 116 f. u. Ausland 1891, 385 (gegen 
Jensen, Kosmol. 143). Die von H. Bawlinson in 
den Ruinen wiedererkannten Planetenfarben der 
sieben Stufen sind folgende von oben nach unten: 
silbern (Mond), dunkelblau (Merkur), weifsgelb 
(Venus), golden (Sonne), rosenrot (Mars), 
braunrot (Iuppiter), schwarz (Saturn). Auf dem 



monie galt die Besteigung des Turmes. Die 10 Gipfel des Stufentempels hat sich nach Herodot 



.Architektur des Turmes kann als Prototyp des 
Gen. XI geschilderten Turmbaues gelten**). 
Der Tempelturm stand in der Mitte des grofsen 
Tempelkomplexes, der ja nicht nur gottes- 
dienstliche Gebäude, sondern auch Waren- und 
Getreidemagazine, Tempelfabriken umfafste. 
Aufser dem Hauptheiligtum mit dem Aller- 
heiligsten („erhabenes Lebenshaus") befanden 
sich innerhalb der 
Mauern an den Thoren 
die Kapellen der „be- 
freundeten" und ver- 
wandten Götter, dar- 
unter eine Kapelle für 
dieGöttergemahlin und 
eine solche für Mar- 
duk, denVatergott. Die 
Ruinen des Neboturmes 
sind aufgefunden und 
unter der Leitung H. 
Bawlinson's, der auch 
die Bauurkunde Nebu- 
kadnezars in vierfacher 
Abschrift (die sog. Bor- 
sippa- Inschrift, s. KB 
III, 2, 52) in den Trüm- 
mern fand, genau unter- 
sucht worden (Bericht 
vom 13. Jan. 1855 ab- 
gedruckt im Journal of 
the Royal Asiat. Soe. 
vqI. 18, 1 — 34, wo sich 
auch die genaue Be- 
schreibung der Bor- 
sippa - Ausgrabungen 
findet). . Noch heute 
ragen die Trümmer ca. 
48 m hoch über die 
Ebene empor; nach 
Bawlinson 1 sMessungen 

war jede der Stufen ziemlich 8 m hoch, die 
Breite der untersten Stufe betrug 82 m. Eine 

*) C. P. Tiele hat in einer Vorlesung der Kgl. Akad. 
der Wissensch. zu Amsterdam vom Jahre 1887 (auszugs- 
weise deutsch mitgeteilt in ZA 2, 179 ff.) alles WisseDS- 
werte dargestellt. Vgl. auch Art. Babylon in Pauly-Wissowa 
Bealencykl. 2, 2267 ff. (A. Baumstark) und McGee, Zur Topo- 
graphie Babylons in BA 3, 524ff. (im Druck). 

**) An den „himmelhochragenden Turm" erinnert 
Tiglatpileser'a (7, 102) Hyperbel, der die Türme des Tempels 



eine Götterkammer befunden. Ob auch Königs- 
gräber im Innern angelegt wurden, wie in den 
Pyramiden der Ägypter, bleibe dahingestellt; 
nachweisbar ist nur, dafs die Tempel Königs- 
gräber (gigunü) bargen, wie aus den Gudea- 
Inschriften hervorgeht (die betr. Stellen sind 
bei Jensen KB 3, 1 S. 33 und 51 unerklärt 
geblieben). 




3) Die Trümmer de« Tempelturmes vom Nebotempel in Borsippa (Birs Nimrud) in 

ihrer heutigen Gestalt. Photographie aus Biehm, Handwörterbuch des Biblischen 

Altertums (Bielefeld und Leipzig, Velhagen und Klasing). 



Zusatz. Die vermeintliche keilschriftliche 
„Legend of the Tower of Babel" existiert nicht. 
Es ist an der Zeit, der englischen Fabel ein 
Ende zu machen. Der betr. Text (Fragment 
K 3657, Bezold, Catalogue 2, 552), den G. Smith, 
Chald. Gen. 122 ff. als Urkunde vom Thurm- 
bau auffafste (so auch noch Sayce in den neuen 
Ausgaben der Hibbert Lectures), berichtet in 
eigenartiger poetischer Form einen historischen 
bi7TuT*Hi^erbauerw^ aus einer Zeit tiefen Verfalles der 

Stadt Babylon: „die Bevölkerung Babylomens 
war an Frohndienste gespannt", heifst es zwei- 
mal. Von dem Helden der Erzählung wird 
gesagt: „Über ihr Geschrei war er den ganzen 
Tag bekümmert, wegen ihrer Wehklage auf 

Vielmehr entspricht der Turmbau dem religiösen Ge- 
danken, dafs die Götter, sofern sie sich nicht unter den 
Menschen aufhalten, „oben" -wohnen (s. Sp. 50). 



grofse Jurist, hat in seinem bedeutsamen nachgelassenen 
"Werke „Vorgeschichte der Indoeuropäer" in den Turm- 
bauten der Babylonier mit Becht den Ausdruck eines 
„Ehre sei Gott in der Höhe" erkannt (S. 161). Aber sein 
Urteil, in den Etagentürmen habe man die Berge der 
Urheimat nachgebildet, um den Göttern die gewohnten 
Orte der Anbetung in der Niederung zu ersetzen (die 
Tempel stellten kahle, die hängenden Gärten bewaldete 
Berge dar), beruht auf unkontrollierbarer Voraussetzung. 



55 Nebo (Schreiber der Schicksale) Nebo (Gott d. Schreiber u. Priester) 56 

seinem Lager keinen Schlaf vollführend; in Schreiber Asurbanipals, dafs er die Lebens- 
seinem Zorne den Verstand verlierend: auf den tage verlängert und die Toten erweckt"). Als 
Sturz der Regierung war sein Sinn gerichtet". Schreiber des Schicksals weifs er übrigens auch 
Die Vorgänge erinnern an die IVB, 20 nr. 1 die Orakel der Götter zu lesen. IndenAnnalen 
geschilderte Elamiternot, auch an den ersten Asurbanipals wird Col. III, Z. 118ff. erzählt: 
Teil der Dibbaralegende (Beitr. z. Assyr. 2, „Zu jener Zeit träumte ein Traumseher im 
2, 430). Der Held will das Land vom Tyrannen Schlaf während der Nacht, dafs auf der Mond- 
befreien, scheibe geschrieben stand : Wer wider A. Böses 

plante u. s. w." Eine Variante hierzu sagt: 
II. 5ebo als Schreiber der Schicksale, 10 „Nebo, der Allschreiber, verwaltete das Ge- 
Schöpfer der Schreibkunst, Gott der schäft seiner Gottheit und las die Inschrift 
Priester. auf der Mondscheibe." Auch sonst wird ihm die 
Beim Neujahrsfest im Tempel Esagila hat Traumdeutung zugeschrieben (s. u. Sp. 61). 
Nebo die Aufgabe, die Geschicke der Men- Seine göttliche Weisheit bewährt Nebo vor 
sehen (für das kommende Jahr) auf den Schick- allem als „Schöpfer der Schreibkunst"*) bei 
salstafeln*) niederzuschreiben als Sohn Mero- dem schreibseligen Volke der Babylomer (bänti 
dachs, dem als Götterkönig nach der Schöp- sitri dupsarrüti VR 43; HR 60)**). Auf der 
fungslecende die Schicksalstafeln übertragen Nebostatue in Kelach ist er der Gott „der den 
wurden. Ein Hymnus (s. unten Sp. 63) preist Schreibgriffel hält und den sukämu trägt" 
deshalb den Nebo als Asir (d. h. Schutzgeist) 20 (s. oben Sp. 49). Asurbanipal, der grofse 
von Esagila und nennt ihn hyperbolisch d'en Litteraturkönig, rühmt sich, dafs ihn „Nebo 
„Träger der Schicksalstafeln der Götter". die Weisheit gelehrt hat, die er lieb hat". 
Tafelschreiber von Esagila (IV R 48 u. ö.) heifst Er sagt (Lehmann a. a. 0. S. 23): „Nebo, der 
er bereits auf dem altbabyl. Siegelcylinder Allschreiber, schenkte mir das Verständnis 
Sp 47. Im Segenswunsch des einen der Sa- seiner Weisheit." Der Inhalt der beschriebenen 
massumukintexte(ieÄ»ian«a.a.O.S. 111) heifst Thontafeln ist „Weisheit Nebos". In den 
es: „. . . dessen Lebenstage möge Nebo, der Unterschriften der Thontafeln Asurbanipals 
Tafelschreiber von Esagila, zu langer Dauer auf steht häufig: „Dein Führer (nämlich beim 
seiner Tafel vormerken und für den möge er vor Lesen der Tafel) sei der Gott Nebo." Da die 
Marduk gnädige Fürsprache halten." Umgekehrt 30 Schreibkunst die Voraussetzung aller Weisheit 
heifst es öfter in den Verwünschungsformeln ist (sie ist „die Mutter der KA-DE-Pl. und 
(z. B. Straßmaier in den Verhandl. des Leidener der Vater der UM-ME-A-Pl." Sm. 61, 19, das 
Kongresses nr. 160): (Wer die Schenkung durch heifst vielleicht „die Mutter der Sprache, der 
Klage widerruft), dessen Verderben möge Mero- Vaterder Weisheit"), so wird Nebo als der „Weit- 
dach und Sarpanit verhängen, Nebo, als sinnige, Weise" bezeichnet, ja als der „von 
Schreiber von Ksagil, möge seine langen Tage gnädiger Zuneigung überströmende" Berater 
verkürzen (s. Peiser, ZA 3, 74). Auch in dem und Lehrer der Götter und Menschen. Natür- 
Gebete AsurbanipaVe, an Nebo (s. u. Sp. 61 ff.) lieh spielt er auch bei dem Schreiben der Ur- 
erscheint Nebo als der Gott, der die Schick- künden eine besondere Rolle. In den Kudurru- 
sale aufschreibt und das Leben verlängert. Wenn 40 Inschriften wird er deshalb als Beschützer der 
also Nebo beim „hohen, freundlichen" Neu- Grenzen angerufen; daher die Namenbildung 
jahrsfest seinen Einzug in Esagila hält, so Nabu-kudurri-usur, „Nebo schütze die Grenze." 
hat das eine andere Bedeutung als das Korn- Da die Schreibkunst wesentlich in den 
men der anderen Götter, die ehrfurchtsvoll Händen der Priester lag, so ist Nebo selbstver- 
gebeugt vor Marduk Bich versammeln. Das ständlich ein besonderer Schutzgott der 

Kommen der andern ist das Symbol der Hui- *)Wenn in einem der Samassumukintexte .ditapa, der 

digung aller Stadtbezirke und Provinzen vor als Sohn Ea's mit Marduk identisch Bein dürfte, gepriesen 

der Metropole Babylon, während die Thätig- wird als der, „welcher den geheimen Schatz der Tafel- 

keit Nebos, der mit Marduk gemeinsam „aus- schreibest lehrt" (s .SA 2, s.424), so darf man dar»™ 

• nie -i j»„ i;~:k„„., PqV,oU Aaa Alri+i, tu kaum weitergehende Schlüsse ziehen (etwa gar zu gnnsten 

zieht", mit dem religiösen Gehalt des Akitu- 50 ^ ^ £ n laaMtu von Xarduk ^ Nebo) . 

festes untrennbar verknüpft ist. Wenn-am 8. DMm gelegentlich Usurb . Sm , U] 8) wird da. Lehren der 

Oder 11. Tage ZU Jahresanfang Marduk, ehr- gehreibkunst sämtlichen Göttern zugeschrieben. In den 

furchtsvoll umringt von den Göttern, die Schick- Bauinschriften Sanheribs (Mei/sner-Rott S. 97, 19 tritt auch 

sale niederschreibt in Duazaga, dem Aller- eine Schreibgottheit Channi auf (vgl. Bommel, Sum. Lesest. 

heiligsten des Schicksalsgemachs, fungiert Nebo S. 40 ; die Bemerkung S. 49 Anm. 1 Channi = Nabu-Xusku 

als Schreiber und als Fürsprecher. Darum ge- «l» Totenrichter fällt unter unserer Bemerkung Sp. 4« 

hört Duazag zu den Ehrennamen Nebos. Das AM ^ Die B er und die v(m ^ abhäDgigen 

Schreibrohr, das Nebo tragt, ist darum „der Kultli ; T0lkei . ^^^ ^ Schrift in Stein oder ritzten sie 

Griffel der Geschicke" (VR 52, nr. 1, COl. 4, 19; ^ T i! 0n , der gedörrt oder gebrannt wurde im „feurigen 

von dem Träger dieses Griffels sagt dort der 60 Ofen" (s. Abb. 4). Auch als sie den Papyrus kannten, 

zog man die steinerne Schreibtafel vor. Während die 
*) Auch andere geheiligte Schreibtafeln giebt es: Holztafel der Griechen und Bömer vom Zahn der Zeit 
die Tafeln der „Schreiberin der Unterwelt" (s. A. Jeremias, vernichtet ist (besser war noch die Ochsenhaut der älte- 
bab.-ass. Vorst. v. Leben n. d. Tod S. 98), auch Tafeln, auf sten Zeit), hat sioh die babylonische Thontafel erhalten, 
denen „die Götter die Sünden, Schlechtigkeiten, Fluch- Nur in der tessera hospitalis (wohl den steinernen Gast- 
verhängnisse der Menschen aufschreiben" (s. H. Zimmern, freundschaftsverträgen der Phönizier nachgeahmt) finden 
Assyriol. Bibl. 12, Surpu-Tafel 4). In der ErisMgal-Legende wir bei den Hörnern etwas ähnliches. Eherne Tafeln 
{Teil el Amarna Tablets London nr. 82, 35) wird dem Nergal kennt man bekanntlich erst vom 7. Jahrhundert der Stadt 
die „WeiBheitstafel" verliehen (s. Art. Nergai). an (s. Ihering a. a. 0. S. 170 ff.). 



57 Nebo (u. d. Planet Merkur) 

Priester. Die Unmenge der mit Nebo ge- 
bildeten theophoren Namen erklärt sich aus 
dem Einflufs der Priesterfamilien. Wenn in 
neubabylonischer Zeit mit ihrem wechselnden 
Priestereinflufs Nebo mit Vorliebe als der Gott 
gepriesen wird, der Scepter und Königtum ver- 
leiht (vgl. bes. IVE48, 13 b l), so weist das auf 
eine doppelsinnige Deutung des Wortbildes 
PA (bedeutet „Griffel" und „Scepter", Bd. 2 
Sp. 777 Z. 10 ist hiernach zu korrigieren) hin, 
mit der der König an seine Abhängigkeit vom 
Priestergott, d. h. von den Priestern, hinge- 
wiesen werden sollte (in diesem Zusammen- 
hange stimmen wir Title zu, Gesch. d. Rel. 1 
S. 190). Auch der Name seines Heiligtums in 
Babylon Bit-hatH-kalama, der gewifs zunächst 
auf den Gott des Schreibgriffels Bezug hat, 



Hebo (u. d. Planet Merkur) 



58 



Priesterschulen und werden meist sekun- 
dären Ursprungs sein; vielleicht repräsen- 
tieren sie echt chaldäische Weisheit. Wie kam 
aber Nabu zum Planeten Merkur? Marduk, 
der Gott der Frühsonne (s. Bd. 2 Sp. 2341), ist 
im Kultus von Babylon-Borsippa Nebos Vater, 
Marduk aber steht der Sonne am nächsten; 
von den Merkurdurchgängen haben die Astro- 
logen gewifs Kenntnis gehabt; auch wufsten 

10 sie, dafs er nur im Osten und Westen sichtbar 
ist*). Man darf daher erwarten, dafs die Baby- 
lonier den Nabu mit Marduk, dem Gott der 
Frühsonne, deshalb verknüpft haben, weil er 
als Morgenstern der Tagverkündiger ist. Er- 
scheint doch auch Sarpanitu, seine Mutter, als 

■ Venus -Morgenstern (s. Jensen, ZA. 11, 94). 
Der Name DÜN-PA-UD-DU**), der ursprüng- 




4) Fragment einer Thontafel aas der Bibliothek Asurbanipals (im Privatbesitz des Verfassers dieses Artikels). 

Inhalt: Verzeichnis von Insekten. 



wurde in dem besprochenen Sinne umgedeutet 
als Tempel des Weltenscepters. Die Nebo- 
tempel waren sicherlich mit Schreibschulen 
und Schreibstuben verbunden. In den Tafel- 
unterschriften wird wiederholt die Deponierung 
der Tafeln im Tempel Ezida von Borsippa be- 
zeugt (z. B. VR 52 und im Hymnus an den 
Sonnengott Abel- Winchler, Keilschrißtexte S. 59). 

III. Der Planet Merkur dem Nebo geweiht. , 

Die babylonischen Astrologen verknüpften 
den Gott Nebo mit dem Planeten Merkur. 
Dafs er „ursprünglich und eigentlich an den 
Planeten gebunden gewesen und erst im 
Laufe der Zeit von ihm losgelöst worden 
sei" (s. Jensen, Kosmol. S. 139), ist eine für uns 
unannehmbare Hypothese. Die astralen Aus- 
deutungen der Götterwelt sind Sache bestimmter 



lieh den Merkur bezeichnet (gegen Jensen, 
Kosmol. 125 ff. siehe Fr. Homrnel, Astronomie 
der alten Chaldäer im Ausland 1891 nr. 19 u. 20), 
stimmt gut dazu, denn er bedeutet „Herr des 

*) In unserem Jahrhundert der Kurzsichtigkeit haben 
wenige den Merkur mit blofsem Auge gesehen. Bio 
Babylonier aber hatten bessere Augen, wie an der feinen 
Schrift zu sehen ist. Asurbanipal rühmt sich seiner 
hellsehenden Augen. 
I **) In der Planetenliste UE 48, 48 ff. a. b erklärt durch 
ilu dapinu, d. h. der „starke Gott", sonst Beiname des 
Nebo, s. IB 35 nr. 2, 1. Bommel a. a. O. weist darauf hin, 
dafs auch die arabischen Lexikographen noch wufsten, 
dafs der Planet c Utarid (Merkur) der „Stern der Schreiber" 
gewesen sei. — In dem von Jensen erschlossenen Verzeich- 
nis der Paarsterne III E 57, 57 a ff. (a. a. O. 144 f.) werden als 
fünftes Paar Nabu und Sarru (d. i. Marduk, s. ob. Sp. 45 
Anm.) genannt, d. i. also nach Jensen'a Erklärung Merkur 
und Iuppiter. 



59 



Nebo (u. d. Planet Merkur) Nebo (Gott A. Fruchtbarkeit u. d. Lebens) 



60 



Liehtaufganges" (IHR 67, 15 ff. cd als „König 
des Tages" gepriesen). Auch dient zur Bestäti- 
gung unserer Auffassung der Umstand, dafs 
dem Merkur zuweilen der dem anderen Morgen- 
stern r der Venus, zukommende Beiname Dil- 
bat, d. h. „Verkündiger" beigelegt wird (s. 
Jensen a. a. 0. S. 117). In späterer Zeit müssen 
übrigens Bsagila und Ezida noch besonderen 
astrologischen- Zwecken gedient haben. Im 
Kislev ziehen nach einem Texte aus dem Jahre 
138 v. Chr. die Tächter von Ezida, dem Tempel 




5) Priester, den Ziegenfisch (Symbol des Nebo) 

anbetend. Siegelcylinder ans dem LouTre (Menant, 

Glyptique XL, PI. X). 

der Nacht, nach Esagila, dem Tempel des 
Tages, um die Tage zu verlängern (Text ZA 4, 
241 ff.). 

Sofern Nebo mit Marduk verknüpft ist, 
steht nach VR 46, 38 ab der „Ziegenfisch" (d. i. 
der Steinbock mit Fischschwanz in unserem 
Tierkreis) in Beziehung zu ihm {Jensen a. a. 0. 
S. 148). Abb. nr. 6 zeigt den „Ziegenfisch" (sein 
Schwanz ist im Altargehäuse verborgen) nach 
einer Darstellung des Tierkreises; Abb. nr. 6 





D 





6) „Ziegenfisch" ans der Darstellung des Tierkreises 

Tom Jahre 1117 v. Chr. (10. Jahr des Marduk-nadin-achi) 

TTT R 45 ; vgl. den Mithauxstein ans derselben Zeit {Perrot 

et Chipiea, Histoire de Vart TL, S. 610). Vgl. jahrbb. f. cl. 

Philol. 1895 S. 833 f. 

stellt eine Anbetungsscene vor dem Ziegenfisch 
auf einem babylonischen Siegelcy linder dar. Die 
siderische Bedeutung des Nebo als Merkur hat 
das babylonische Reich überdauert. Noch in 
den Planetenlisten der Mandäer erscheint N'bü 
„der Schriftkundige und Weise" (s. Brandt, 
Mand. Belig. S. 74. 182) und in den „Höllen- 
fahrten, des Hibil-Ziwa" wird erzählt, dafs H.-Z. 
Samas bei seinem Namen rief und Sin und 
Kewan bnd Bei und Dlibat und N'bu und 
Nireg und ihnen „Glanz gab, zu leuchten in 



dieser Welt" (s. Eerdmans, ZA 9, 138). Mit 
besonderer Vorliebe ward Nabü-Merkur in 
Heliopolis verehrt (G. Hoffmann in ZA 11, 
264). Dafs ihn die Griechen hier nicht nur mit 
Hermes, sondern auch mit Apollon identifi- 
zierten (Strabo 16, 1 p. 739 : rä Si BÖQOiniia hqä 
nötig satlv 'jiQTSjiiSoe »tat 'Anöllcovos), hängt 
mit seiner Eigenschaft als Orakel- und Weis- 
heitsgott zusammen. 

IT. Nabu als Gott der Fruchtbarkeit 
und des Lebens. 

Als Planet Merkur (Morgenstern) und Vor- 
läufer der Frühsonne tritt Nebo auch, in die 
Reihe der chthonischen Gottheiten ein, von denen 
• das Gedeihen der Vegetation abhängt. Wie sein 
Vater Marduk (s. Bd. 2 Sp. 2367) schützt er den 
Feldbau und regiert Brunnen und Ströme*). Der 
unten Sp. 63 aufgeführte Hymnus IV R 14 nr. 3 

20 sagt: „er öffnet die Quellen, läfst das Getreide 
spriefsen, Wassergräben und Kanäle würden 
ohne ihn (d.h. ohne seinen Schutz) austrocknen". 
Der „Aufseher aller Quellen" {Meissner w. Most, 
Beitr. s. Assyr. 3, 229) beruht freilich auf einem 
Irrtum: Nebo heifst dort bei Asarhaddon : „All- 
schreiber, Schirmherr der Erd- und Himmels- 
geister, Aufseher der Gesamtheit des Alls" 
(päkid kilsat nagbi). Auch die Zeugung steht 
unter seinem Schutz: er schenkt die Vater- 

30 schaft, er erhält das Leben des Neugeborenen 
(s. Epitheta). Selbst das Epitheton des „Toten- 
erweckers" wird ihm als einer chthonischen Gott- 
heit beigelegt (s. ob. Sp. 55 f.). Asurbanipal stellt 
ihn in einer Tafelunterschrift (HR 86, nr. 1 
rev. Z. 17) mit der Getreidegottheit zusammen 
und sagt, den beiden verdanke er seine Lebens- 
erhaltung. Noch im Kultus von Hierapolis- 
Mabbug scheint diese Eigenschaft des Nabu 
gewürdigt worden zu sein (Cr. Hoffmann in 

40 ZA 11, 251). 

Y. Epitheta ornantia des Nebo. 

Eine unerschöpfliche Fülle von Ehrennamen 
finden sich in den wohl meist aus Priesterfami- 
lien stammenden mit Nabu gebildeten Namen. 
Einer der schönsten ist Nabütultabsi-lisir, 
„Nebo, du riefst ins Leben — möge (das Kind) 
gedeihen". In einem Syllabar (VR 43) erhält 
Nebo, als Sohn Marduks, folgende Epitheta: 

50 „Aufseher Himmels und der Erde (als Träger 
des Schicksalsgriffels?), oberster Herr, der das 
All umschlossen hält, der die Vaterschaft 
schenkt, Schöpfer der Entscheidung, Schöpfer 
der Tafelschreibkunst, der Weise, der Kluge 
(teli'ü), der Gebote ausrichtet, unergründlich 
an Weisheit, Macht, Gott der Kraft, der über- 
strömt von Gnade, Schöpfer, Verkünder, Gott 
des Denkens, der offnen Ohres, der das Haus 
versorgt, der v Gebete annimmt". In einer der 

60 Inschriften Samassumukiria (L 8 bei Lehmann 
a. a. 0., ergänzt durch ein neugefundenes Stück 
von Bezold, ZA 8, 392 f., aber noch immer 
lückenhaft) wird er besonders reichlich ge- 
priesen als „der Erhabene, der Allschreiber, 
der [Aufseher d. H. und der E.], der Allwissende, 

*) Zum Namen Duazag, den Jemen, Xbtm. 239, Ähn- 
lich G. Soffmann, ZA 11, 263, ans dieser Eigenschaft er- 
klärt, s. ob, Sp. 55. 



61 



Nebo (Epitheta; Hymnen) 



Nebo (Hymnen) 



62 



\i 



f. 



I 



I 






der Machtsprüche und Befehle ausgehen läfst, 
zur Vollziehung der Traumgesichte (schon in 
der "ältesten historischen Erwähnung bei Agum- 
kakrimi, s. Sp. 47, wird er unter den Göttern 
der Tranmgesichte genannt, vgl. auch oben 

Sp. 56), Herr der Künste , der das Scepter, 

Thron und Herrschaft giebt, rechtmäfsiges 
Königtum verleiht (s. Sp. 57), der Barmherzige, 
der bis in ferne Tage Macht und Kraft ver- 
leiht, das erstgeborene Kind des Marduk, Sprofs 
des Arü (d. i. Sarpänit), der Königin unter den 
Götterherrinnen, der in Ezida wohnt, dem wahren 

Hause, inmitten von Borsippa, , der 

grofse Herr, mein Herr!" Andere Epitheta, 
die ihn besonders als Schutzgott und leben- 
' spendenden Gott preisen , finden sich in den 
verschiedenen Abschnitten des Artikels. 

Als Gemahlin des Nebo erscheint teils die 
Göttin Nana (s.d.) von Babylon (so in Briefen z.B. 
BA 1, 190 f.), teils Tasmet (z. B. Götterliste HR 
69, zuweilen auch beide zugleich (so in dem bei 
Lehmann a. a. 0. S. 58 besprochenen Briefe des 
Samassumukin). Nach K. 501 (Lehmann a.a.O. 
S. 74) zogen Nebo und Tasmet im bit tenthi 
(„Haus des Ruhelagers"; s. Sp. 51) ein. Die 
Verbindung mit Nana, ist wohl das ursprüng- 
liche; denn in den Surpu- Tafeln (Zimmern, 
Assyriol. Bibl. 12, 11) heifst es: Nebo und 
Nana in Ezida und Tasmet, die grofse Braut. 
Ein Hymnus auf Tasmet findet sich bei King 
a. a. 0. nr. 33. 

VI. Hymnen anf Nebo. 

Hymnen auf Nebo sind bisher verhältnis- 
mäfsig wenige auf uns gekommen. Wir teilen 
zunächst in möglichst vollständiger Übersetzung 
einen Hymnus mit, der für unsere Kenntnis 
vom religiösen Leben der Babylonier bez. 
Assyrer von denkbar gröfster Wichtigkeit ist. 
Der Text wurde kürzlich veröffentlicht von 
J. A. Craig in seinen Assyrian and Bdbylonian 
Beligious Texte (Assyriol. Bibl. 13 S. 6 f.) 
(K 1285) *) und enthält ein Gebetsgespräch zwi- 
schen dem König Asurbanipal und dem Gotte 
Nebo unter Assistenz eines Priesters (die Über- 
schriften sind von uns hinzugefügt)**): 

Asurbanipal: 
„[Ich preise] deine Herrlichkeit, o Nebo, in der 

Versammlung der grofsen Götter, 
weil meine Feinde mein Leben nicht in ihre 

Gewalt bekommen haben; 
[im Tempel von Nineveh(?)] bete ich zu dir, 

o mächtiger unter den Göttern, seinen (sie !) 

Brüdern: 

[ mich] Asurbanipal für alle Zukunft 

[ ] will ich mich niederwerfen zu 

Nebos Füfsen: 
[verlafs mich nicht], o Nebo, in der Menge 

meiner Feinde." 

*) Zur Litteratur in Bezolds Catalogue ist nachzutragen : 
Craig in Hebraica 10 (1898/94) p. 85 — 87 und vorher Strong 
in Traruact. of the IX. Orient-Congr. 2 p. 199 ff. Mit diesen 
Bearbeitungen im einzelnen zu rechten ist hier nicht 
der Ort. 

**) Wir möchten die Frage auf werfen, oh man an- 
geBiohts solcher origineller Leistungen wirklich die Zeit 
Asurbanipals als Epoche reiner Nachahmung betrachten 
darf, wie Windeier, Geschichte S. 301 und Tiele, ZA 7, 872. 
Auch die assyrische Kunst ist mindestens Renaissance. 



Nebo: 

„[Ich schütze dich], Asurbanipal, ich der Gott 
Nebo, bis in alle Ewigkeit, 

deine Füfse erlahmen nicht, deine Hände er- 
matten nicht, 

die deiner Lippen erschlaffen nicht im 

Gebete vor mir; 

deine Zunge deinen Lippen. 

Wenn ich freundliche Worte zu dir richte, 
10 so will ich aufrichten dein Haupt, will deine 
Gestalt emporrichten im Tempel Bit-Mas- 
mas." 

Der Priester: 

Nebo hat gesagt: „Dein Mund verkündet 
gutes, 

wenn er anfleht den Gott Urkitu — 

deine Gestalt, die ich geschaffen habe, flehte 
mich an um .... im Tempel Bit-Masmas, 

dein Geist, den ich gemacht habe, flehte mich an 

20 also: ' in den Tempel der Königin der 

Welt'; 

deine Seele flehte mich an, also: 'mache lang 
das Leben das Asurbanipals'." 



Niedergesunken auf seine Knie betete Asur- 
banipal zu Nebo seinem Herrn: 

„Ich preise (?) dich, Nebo, verlasse mich nicht, 

mein Leben ist geschrieben vor dir, meine 
Seele vertraut sich dem Busen der Beltis, 
so ich preise (?) dich, o Nebo, du Mächtiger, ver- 
lasse mich nicht inmitten meiner Feinde." 
Der Priester: 

Da antwortete ein zäkiku*) vom Angesicht 
des Nebo seines Herrn (und sprach): 

„Fürchte dich nicht, Asurbanipal, langes Leben 
will ich dir geben, 

günstigen Wind für dein Leben will ich dir 
versorgen, 

mein Mund spricht gutes und wird dir gnädig 
40 sein in der Versammlung der grofsen 
Götter." 

Es öffnete seine Hände Asurbanipal und betete 
zu Nebo, seinem Herrn, 

der die Füfse der göttlichen Königin von Nineveh 

erfafst hatte in der Versammlung der 

grofsen Götter, 

der mit dem Griffel (?) des Gottes Urkitu ver- 
hängt hatte in der Menge sein er Feinde : 

50 „In der Menge meiner Feinde verlasse du mich 
nicht, o Nebo, 

in der Menge, mein Herr und (?) verlasse 

du meine Seele nicht." 
Nebo: 

„Klein warst du, Asurbanipal, als ich dich 
zurückliefs bei der göttlichen Königin von 
Nineveh, 

schwach warst du Asurbanipal, als du safsest 
auf dem Schofs der göttlichen Königin 
60 von Nineveh, 

du hast von den vier Eutern, welche dir in den 
Mund gesteckt waren, aus zweien gesaugt 
und in die zwei anderen dich hineinver- 
graben mit deinem Gesicht — 

*) An dieser Stelle weder „Windhauch" noch „Geist", 
sondern, wie mir S. Zimmern auf Grund von IV B 1 60*, 
138 nachwies, ein Priestername, vielleicht im Sinne von 
bel-zäkiki „Geisterherr". 



63 



Nebo (Hymnen) 



Nebo (bildl. Darstellungen) 



64 



Deine Feinde, Asurbanipal, -werden wie Salz vor 
dem Wasser vergehen, 

wie im Frühling zu deinen Füfsen, 

(weil) du, Asurbanipal, stehst vor den grofsen 
Göttern, zu preisen Gott Nebo!" 
Der Text bietet eine Fülle neuer Auf- 
schlüsse über den Kultus. Man beachte die 
Orakel, den zäkiku, der von Nebos Angesicht 
kommt und Antwort giebt, das Königsbild im 
Tempel (bekanntlich genossen altbabylonische 10 
Könige göttliche Verehrung, ihre Namen trugen 
das Götterdeterminativ). Aus der ersten und 
letzten Zeile geht hervor, wie man sich die 
hyperbolische Verehrung bez. Monolatrie ein- 
zelner Gottheiten dachte: der Betende steht 
wie ein Rhapsode unter den olympischen Göttern 
und preist seinen Schutzgott. 

Aus älterer Zeit stammt das IV R 20 nr. 3 

veröffentlichte Hymnenfragment*): „ Herr 

von Borsippa, Sohn von Esagila, o Herr, 20 

deiner Macht kommt keine Macht gleich, deinem 
Tempel Ezida kommt kein Tempel gleich, 
deiner Stadt Borsippa kommt keine Stadt 
gleich, deinem (Tempel-)Bezirk (eklu) Babylon 
kommt kein Bezirk gleich, deine Waffe ist eine 
Schlange, aus deren Munde kein Gift fliefst(?) 
(kein Blut strömt)**), dein Gebot ist unwandel- 
bar wie der Himmel, im Himmel bist du er- 
haben." Ebenfalls alt ist der oben Sp. 60 an- 
gedeutete Hymnus auf den chthonischen Nebo 30 
(Fragment 1VR 14 nr. 3; K 4903 in Bezold'a 
Gatalogue): „An Nebo, den erhabenen Boten 

[ ], den Allschreiber, der zur Weisheit [ ], 

der den erhabenen Griffel trägt, der verwaltet 
das Messrohr, der die Quellen öffnet, Getreide 
hervorspriefsen läfst, der Gott, ohne den Wasser- 
graben und Kanal [austrocknen], der mächtige 
Herr" (das folgende ist verstümmelt, es scheint 
von der Tafelschreibkunst die Rede zu sein). 

Wiederum aus assyrischer Zeit (Asurbanipal) 40 
stammt der von Leonard W. King (Assistent 
am Brit. Museum) in einer vorzüglichen Text- 
sammlung (Babylonian Magic and Sorcery 
London 1896) unter nr. 22 aus verschiedenen 
Fragmenten zusammengefügte Hymnus, der 
mit den Worten beginnt: „0 Erhabener, Erst- 
geborener des Marduk, kluger , Sprofs der 

Sarpanitu, Gott Nebo, der die SchickBalstafelu 
der Götter trägt, Schirmherr von Esagila, 
Herr von Ezida, Schützer von Borsippa, Lieb- 
ling des Ea***), der Leben schenkt, Erst- 
geborener von Babylon, Beschützer des Lebens, 
Schirm der Wohnungen, Schutz der Menschen, 

Herr der Heiligtümer, dein Name im 

Munde der Menschen ist Sedu (d. h. Schutz- 
geistV O erhabener Sohn des grofsen Marduk, 
auf dein treues Geheifs möge ich leben" (nun 
folgt das Gebet um Wohlergehen, im weiteren 
Verlauf wiederholt sich der Lobpreis der Gott- 
heit). 

*) K 3130, 3. Bezold, Catalogue S. 506, zuletzt besprochen 
bei Hommel, Geschichte S. 233. 

**) So sagt die Variante des Tafelsehreibers. Ist der 
Schreibgriffel gemeint? Schlange ist freilich kein passen- 
des Bild dafür. 

***) Das Verhältnis Nebos, des Sohnes Marduks, zu 
Ea bedarf einer besonderen Untersuchung ; Tgl. vorläufig 
die Abhandlung Tiele'e darüber in den Verh. d. Kgl. Ak. d. 
Wissensch. zu Amsterdam 1887, m, 4 S. 67 — 81. 



Bildliche Darstellungen. 

Das oben Sp. 48 wiedergegebene Bild wird 
allenthalben als „Statue des Gottes Nebo" be- 
zeichnet. Die Inschrift, die von der Statuen- 
weihe redet, zwingt durchaus nicht, an der 
konventionellen Deutung festzuhalten. Gewand 
und Haltung sprechen eher dagegen. Man 
würde mindestens erwarten, dafs die Gottheit 
durch irgend ein Emblem (nach der Inschrift 
etwa durch den Schreibgriffel) gekennzeichnet 
wäre. Auffallende Ähnlichkeit hat die Haltung 
der Gestalt mit dem 



Königsbild Assar- 
haddons auf der in 
Sendschirli gefun- 
denen Stele (Mit- 
teilung, a. d. Orient. 
Samml. d. Berl. 
Mus. XI), die Hand- 
geste erinnert auch 
an die sitzenden 
Statuen von Telloh 
(de Sarzec, Decou- 
vertes en Chalde'e 1). 
Die Statue dürfte 
den König Ram- 
mannirari darstel- 
len. Unter der Vor- 




■ ' 1 1M " HH'< S = 



7) Gebet vor Nebo mit dem 
Schreibgriffel (f). Nach alt- 
babylonischen Siegelcylindern. 




8) Altbabyl. Cylinder aus der Schule Ton TJr in der 
Legende des Mondgottes (Coltrction de Oercq I nr. 185). 



50 




60 



9) Altbabyl. Cylinder aus der Sohule von Ur 
(Collection de Clenq I nr. 188). 

aussetzung, dafs die Statue Nebo darstellt, hat 
O. Hoffmann (Zeitschr. f. Assyr. 11, 261) unter 
Vergleichung von Kopfbedeckung und Bart auch 
auf Siegelcylindern Nebodarstellungen gesucht. 
Wir geben hier einige der Siegelcylinder wie- 
der: der mit Metallspitze versehene Stab könnte 
allerdings der Schreibgriffel sein. Auch auf 
der Urkunde des Marduk-nadin-achi (Sp. 66) 
dürfte das zwischen Hund und Rabe stehende 
Emblem den Schreibgriffel darstellen. Wir geben 
das Bild übrigens zugleich aus einem anderen 
Grunde wieder, der mit dieser Monographie 



65 Nebo (bildl. Darstellungen) 

nicht direkt zusammenhängt. Die ganze Ur- 
kunde stellt einen Phallus dar, das praeputium 
trägt die Inschrift (eine Schenkungsurkunde), 
die glans bietet die Fläche für die bildlichen 
Darstellungen (die Vorderseite des ganzen, an 
der dies nicht so deutlich zu sehen ist, 
wurde oft reproduziert, zuletzt bei Bommel, 
Geschichte S. 457, das schematische Bild 
sämtlicher Bilder bietet IHR 45 oberer 
Teil). Wir haben hier also in effigie ein 
historisches Zeugnis für Phallusdienst 
im 12. Jahrh. Die Bd. 2 Sp. 792 von mir 
gegebene Erklärung der VI. Tafel des 
Nimrod-Epos bietet eine interessante Illu- 
stration für den Phallusdienst: die Hiero- 
dulen des Erech klagen offenbar über den 
ausgerissenen Phallus des Himmelsstieres. 
Die auf Sp. 66 u. 67 reproduzierten Abbil- 
dungen vom Felsenrelief von Maltaija und 
vom Asarhaddondenkmal möchten wir der 
weiteren Diskussion zugänglich machen. 
Die betreffenden Fragen sind überaus 
wichtig für das Verständnis der babylo- 
nischen Mythologie. Den erstgenannten 
Götterzug zwischen den Figuren anbeten- 
der (Abb. 12) Könige erklärt v. Luschan a. a. 
O. als die sieben planetarischen Gottheiten, 
von denen die vierte Nebo darstellen soll, 
während F. Hommel im Korrespondeng- 
Blatt d. deutschen anthropologischen Ge- 
sellschaft 1893 nr. 2 die Reihe als Anu 
(bez. Asur), Istar, Sin, Merodach, Ram- 
man, Beltis erklärt (wonach also seine 
Unterschrift in der bei GoescJien erschienenen 
Geschichte S. 41 zu korrigieren wäre). Auch 
für das Sendschirli-Relief hat v. Luschan das 
richtige Verständnis angebahnt: Die Stern- 
, Symbole sind Nergal (Siebengestirn), Sin (Mond), 
Asur, Samas. Die vier auf Tieren 
stehenden Götter erklärt Hommel a. 
a. 0. entsprechend seiner Deutung der 
Maltaija -Reliefs als Anu, Istar, Bei, 
Ramman. Unter den vier Emblemen 
rechts unten steckt sicher das Zeichen 
des Nebo. Ist es der #idderkopfstab, 
den wir oben auf dem Ziegenfisch- Altar 
des Nebo (Sp. 59) wiederfinden? Den 
unteren Ausläufer kann man als Hand 
ansehen, wobei wir darauf aufmerksam 
machen, dafs sich das zweiseitige Sym- 
bol ebenso im sog. Hadesrelief findet 
(s. Art Nergal). Hommel a. a. 0. er- 
klärt die Embleme so: Pinie als 
Lebensfrucht des Merodach (Iuppiter), 
der Stab des Nebo (Merkur), das widder- 
köpfige und in einen Fischschwanz(l) 
endigende Emblem des Ea (Poseidon) 
und die Zwillingsdrachenköpfe des 
Gottes Nindar (mit Nusku?). Den 
Schreibgriffel sucht Hommel nach 
mündlicher Mitteilung in der einer 
Ruderschaufel ähnlichen Stele des Bel- 
Harran-bel-usur. Zu bedauern ist es, dafs 
die von G. Bezold entdeckten keilinschriftlichen 
Beschreibungen babylonisch-assyrischer Götter- 
typen {ZA 9, 114ff.; vgl. darüber Puchstein 
ib. 410 ff.) in den hisher gefundenen Bruch- 
stücken nichts von Nebo berichten. 

Koscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. III. 



Nebo (im alten Testament) 66 

Nebo im Alten Testament. Jesaias 46, l 
schildert der Prophet, der auch sonst mit 
scharfem Sarkasmus die Götzen der Heiden ver- 
spottet, die Zerstörung Babylons durch Cyrus 
mit den Worten: „Bei (d. i. Merodach) sinkt 




10) Oberer Teil einer Urkunde (in realistisch ausgeführter 
Gestalt eines Phallus.!) des Marduk - nadin - ohi (ca. 1110 
t. Chr.) mit Tierkreisbildern (zwischen Hund und Babe der 
Griffel Nebos?). Nach einer Originalphotographie des 
Brit. Museums. 

zusammen, Nebo [i33, LXX Naßm] krümmt 
sich." Dafs die Götter als Personifikationen 
des babylonischen Reiches erscheinen, ent- 
spricht der politischen Wirklichkeit des von 
den Priestern Babylons und Borsippas be- 




ll) Oberer Teil des Asarhaddondenkmales Ton Bendschirli 

(nach Mitteilungen aus den Orient. Sammlungen zu Berlin 

XI [t>. Luschan] S. 18). 



herrschten Staates. Derselbe Name 133 (LXX 
Naßov) erscheint aufserdem im Hebräischen 
als Eigenname einer Stadt in Moab (früher 
zum Stamme Rüben gehörig, auf dem Mesa- 
stein Z. 14 geschrieben MJ), eines Geschlechts 
bez. einer Stadt im Stamme Juda ("lfix iai, 

3 



67 Nebo (im alten Testamente 



Nebo (im alten Testament) 



68 



der andere Nebo), endlich als Name eines 
Berges in Moab (jetzt wahrscheinlich Nebä). 
Dafs znm ' mindesten der Berg Nebo seinen 
Namen einer Weihestätte der babylonischen 
Gottheit verdankt (nach Delitzsch u. a. klingen 
die Namen zufällig zusammen), scheint uns 
zweifellos. Gerade die angrenzenden nord- 
westlichen Geriete von Arabien (Meluba) wur- 
den schon in alten Zeiten von babylonischen 
Handelsleuten besucht wegen ihres Reichtums 10 
an kostbaren Holzarten und Goldstaub. Fr. 
Hammel, Altisrael. Überlief. S. 275 hat es frei- 
lich wahrscheinlich gemacht, dafs die Über- 
tragung des Namens durch Südarabien ver- 
mittelt ist, wie auch der Bergname Sinai und 
der Wüstenname Sin, und zwar durch die 
Hadhramauter und Katabanen, die den Kultus 
des Nebo und Sin von Babylonien entlehnten, 
Wer weifs, ob nicht auch die alte Priesterstadt 
Sa (der vielleicht identische benjamitische Ort 20 
Sa wird auch ras geschrieben) ihren Namen dem 
habylonischen Priestergott verdankt. Babylo- 
nische theophore Eigennamen mit Nabu zu- 



„Zerschmetterungswerkzeug", in ihrer Mitte 
einer (d. h. wie schon Smend, Cornill und 
Berthelot richtig erklärten, ein anderer also 
siebenter), der Linnenkleidung trägt und ein 
Schreibzeug an' seiner Seite hat. Es sind 
Jehovas Engel, die alle Gottlosen in Jerusalem 
niedermetzeln sollen, nachdem der Siebente 
die Stirnen aller Gerechten zum Zwecke der 
Verschonung mit einem Zeichen (in) versehen 
hat. Die Siebenzahl, so führt Gunkel weiter 
aus (vgl. auch Schöpfung und Chaos S. 294), 
entspricht babylonischer Tradition (sieben 
grofse Götter, sieben planetarische Gottheiten); 
der Vision' des Ezechiel liegen auch hier baby- 
lonische Vorstellungen zu Grunde, die gewils 
bereits vor ihm Besitz des israelitische^Volkes 
geworden waren. Der Siebente im Linnen- 
gewand*) mit dem Schreibzeug entspricht dem 
ob Sp 55 f. charakterisierten Gott der Schreib- 
kunst Auch den als himmlischer Schreiber 
geschilderten Erzengel des Henochbuches, der 
durch „Weisheit" ausgezeichnet „alle Werke 
des Herrn schreibt", bringt Gunkel zweifellos 



,|»,| l| l ||| | ( 1 !)lhi l |UI 1 M" il > l | l l"N» I I II H I l) i m ' I I M I 




— Die sieben planetarischen Gottheiten auf dem Belief von Maltai^ .Nach den, ^Schema (■/., d. nat. (Mb.) 
in Mitteilungen aus den Orient. Sammlungen zu Berlin Heft XI (s. Luschan) 8. ti. 



sammengesetzt nennt das alte Testament wie- 
derholt aus der Zeit Nebukadnezars (immer 
geschrieben *oa). Der Name des einen der 
Freunde Daniels Abed-Nego (iaa-DS) ist zum 
Zwecke der Vertuschung des aufgezwungenen 
heidnischen Namens absichtlich verdorben aus 50 
Abed-Nebo. Den entsprechenden babylonischen 
Namen fand BawUnson auf einer assyrischen 
Thontafel (s. Kohler in ZA 4 S. 46 ff.). 

Noch an einer anderen Stelle des Alten 
Testamentes findet sich eine Spur des baby- 
lonischen Nebo, wie mir E. Gunkel in einer 
im Manuskript vorliegenden Studie nachweist, 
nämlich in einem Gesichte des Propheten 
Ezechiel*). Im 9. Kapitel der Prophetenschrift 
treten sechs Männer auf, jeder mit seinem 60 

*) Eilprecht hat bei den Ausgrabungsfunden von 
Hlppur die Spuren der unter Bzechielä Fährung ange- 
siedelten Exulanten gefunden (The Babylonian Expedition 
ofthe UniversityofPennsylmnia~S "oL HI). Die Weissagungs- 
schrift enthält viele babylonische Anklänge. Bekannt- 
lich entspricht die Merkabah cap. 1 babylonischen Vor- 
stellungen; 23, 14 schildert der Prophet -Wandgemälde 
aus babylonischen Palästen. 



richtig mit babylonischen Nebo-Vorstellungen 
in Zusammenhang. Wir erinnern im Anschlufs 
hieran noch einmal an das von Babylonien 
herübero-enommene Neujahrsfest am 1. Tisri, 
an dem Jehova das „Buch der Lebenden" 
aufschlägt (Sp. 47 Anm.). Zu dieser Vor- 
stellung pafst der Schreiberengel im Buche 
Henoch vorzüglich. Beide Traditionen ver- 
einigt spiegeln genau die oben Sp. 65 f. ge- 
schilderte Thätigkeit Marduk» und Nebos im 
Schicksalsgemach wieder. _ 

[Alfred Jeremias.] 
Bei dieser Gelegenheit trage ich um Artikel 
Marduk einiges nach. Das Weltschöpfungsepos 
behandelt inzwischen Frrlr. Delitzsch in den Abh. 
d. Kgl. Sachs. Ges. d. Wissensch., phil.-hist. Cl. 
17, 2. Ferner ist zu vergleichen Zimmern, Vater, 

*) Gunkel vermutet, dafs die» die Amtstraeht der 
babylonischen Gelehrten und ihre« Gottes Nabu ist. 
Auch -dies bestätigt sich. Bd. 2 Sp. SS5S Z. 89 ff. erwähn- 
ten wir einen dreiteiligen Segensspruch, mit dem der 
Priester, in Linnen gekleidet, den König begriiftt. 
Auch sonst ist das „weifse Gewand" des Priesters be- 
zeugt, Nabu aber ist der Priestergott. 



69 



Nebres 



Necessitas 



70 



Sohn u. Fürsprecher, Leipzig 1896. Zur Erklä- 
rung des Namens Sarpanitu Bd. 2 Sp. 2371 ist 
nachzutragen: G. F. Lehmann, Berliner phil. 
Wochenschr. 1891 nr. 25 Sp. 794 und S~amassu- 
muhin 2 S. 37 Anm. 1. — Bd. 2 Sp. 2341 ff. ist 
zur Inschrift Samsu-ilunäs zu verweisen auf ähn- 
liche Ausführungen C. F. Lehmann's in Zeit- 
schrift d. Deutschen . Morgenl. Gesellschaft 49 
Heft 2. In Anm.* ebenda bitte ich das 
„fraglich" in „sicher" zu verwandeln. Zu 
Bd. 2 Sp. 2342 Z. 3 f. ist jetzt auch auf einen 
Kontrakt der 1. Dynastie von Babel (KB 4, 37 
Peiser) zu verweisen, wo datiert wird: „Im 
Jahre, da Ammisatana, der König, auf die 
Entscheidung der grofsen Götter sein Haupt 
erhob zum Siege Marduks." Zu Bd. 2 Sp. 2347 
Anm * s. jetzt Art. Nebo Sp.47, Anm. Zu Sp.2351, 
45 ff. s. v. Luschan, Ausgrabungen in Sendschirli 
S. 5. Zu den Hunden Merodachs (Itrppitermonde) 
e. Hommel im Ausland 1891 S. 385. Eine aus- 
führliche Übersicht über die babylonische 
Religion wird nächstens Jastrow geben. 

[Alfred Jeremias.] 
Nebres. Die fragmentierte Inschrift von 
Pola C. I. L. 5, 8133 ist Nebribus geweiht 

von einer Tertia Aug. pro Barbar 

Wenn Mommsen dazu bemerkt: „Bacchantium 
numina nescio quae videntur intellegi", bo 
dachte er an das griechische ' vißoig (-i'tfog). 
Ist auf die Lesart Verlafs, so wird man an 
irgend welche istrische Gottheiten zu denken 
haben. [M. Ihm.] 

Kebridostoios 8 1 B P itheta des Dionysos; s. 

Nebrodes I B rue hmann,Fpith.deor.$$. 

Nebrophone (iVep'pogxivi}), Nymphe im Ge- 
folge der Artemis , Claudian. de Stilich. 3, 250. 

[Stoll.l 

Nebrophonos (Nsßgocpövog, ein bakchischer 
oder auf die Jagd bezüglicher Name, Preller, 
Gr. Myth. 2, 357, 5), 1) Sohn des Iason und der 
Hypsipyle, Bruder des Euneos, Apollod. 1, 9, 
17, 2. — 2) Hund des Aktaion, Ov. Met. 3, 
211. Hyg. fab. 181. [Stoll.] 

. Sebros (Neßgög), der ausgezeichnetste der 
Asklepiaden, Ahnherr des Geschlechts der Ne- 
briden auf Kos, zu welchem der berühmte 
Arzt Hippokrates gehörte, Steph. Byz. v. Käg. 

[Stoll.] 

Nebula (Hygin. f. 1 u. 2. Schol. in German. 
Aiat. v. 233) = Nephele, Gattin des Athamas, 
Mutter der Phrixus und der Helle, s. Nephele. 
l, [Röscher.] 

b Nebutosiialetll (Nsßovroaovalti»), noch un- 
erklärter Beiname der Göttin der Unterwelt 
in den Zauberpapyri, auf Verwünschungstafeln 
und magischen Gemmen, s. oben Bd. 2 Sp . 1584 
bis 15 87 s._ v. Eure Perseph one Eresehigal . 
Die dort nach Bhe in. Mus. 1854 p. 370 ff. n . 
1864 p. 483 ff . angeführte Bleitafel aus Alexa n- 
diia_fi. jetzt bei E. Babelon et J. Adrien Blan- 
chet. Catal. de s bronzes a nt. de l a bibliotheque 
nationale. P aris 1895 p. 701 — 703 nr. 2296 
und bei Wünsch, Defix ionum tabellae Atticae 
praef. p. XV Dafs im p ap. Lu gd. J 383 der- 
selbe Beiname dem Typhon erteilt wird, be- 
merkt Wünsch a. a. 0. p. XX, vg l , p. XXXI . 
p. 62 nr. 49. [Drexler.] 



ananke 
cfiT 



^NeeessiUs ('Aväy%ri). Bei Homer ist 
nocih. nicht personifiziert; dagegen |u 
Erkenntnis, daTs alles unter dScn^Äwaftge defo 
Notwendigkeit stellt, die^zÄ^dazuTlhr* 
eine^Jervor?ägehde Stelle in ihrer Kosmogonie 
anzuweisen. Sie wird mit der Schicksalsgöttin 
Adrasteia ( s. d .1, der Amme des Zeuskinds, 
gleichgesetzt ( Hieronymus Orph. Frg . 3fi Abel, 
YgL_& Meyer ,. Gesch. d. Altert. 2, 740t, /? 

10 während nach Plutarch (de ser. num. vind. 22 
P- 5641 Adrasteia eine Tochter des Zeus und 
der Ananke ist. Hermes ±Stpb^Ecl^ h^xJ^ 
U^SSh-lS^WaehsmO nennt Dike und Ananke 
Töchter des Kronos. Hie£omimos_aetz.t sie in 
seifier von der iv ^rmg Qatjxpdi'aig &soloy(tc 
abweichenden Theogonie mit dem als wunder-/ ; 
licEe Mischgestalt gedachten Chronos an dett 
Anfang aller Dinge ( evvtivai äs avzä xr\v 
Ava.yK7}V, yveiv ouffar, ztjv avzfjv nccl ASqÜ- 

20 ßzstav, aßcüßarov, Simqyvicofiivriv [SuoQyavw- 
fisvTjv Kopp] iv navzl %m xoufiro zetv nsQazmv 
avzov iyanzopevriv). Erst von ihnen stammen 
Aither, Chaos und Erebos ab ( Damasc. de 
P^jiumemu.^3,37. Orph. Frg. 36 ). DeTrr t ent:: w - 
sprechend nennen die Qj^hisehen^Aj^pnautika 
(12 ff.) ccQxawv php iCQtäza %äovg afiiyctgtov 
'Aväynnv | xai Xqövov, dessen Söhne Aither 
und Eros (Phanes) sind. Den Gegensatz zwischen 
der Hesiodüehen und Orphischen Auffassung 

80 hgbjt Plato^onv._J^h) hervor, wenn er be- 2 . "- 

streitet, dafs Eros älter sei als Kronos und 
Iapetos: nicht unter Eros, sondern unter 
Ananke hätten zä nulaia ngäyfiazu neql freovg 
a 'Haioäog xal IlaQfisviSTjg (84 K.) isyovaiv, » 

gestanden. Und Smmjas ( Anth. Pal. 15. 24 t /- 

läfst den Eros sagen, er sei damals geboren, 
als alles von Ananke beherrscht wurde. Beide 
zusammen nennt Hermes_JStob^ Ecl. l a 49, 44 
p. 393 W achsm.) mächtige Herrscher und 

10 Ordner der Welt* 

Ihr Einfluls auf das menschliche Schicksal (vgl. 
Ponhuriosb. Stob. Ecl. 2, 8, 39, p. 166 Wachsm.) 
^mStfWm&'WftkmiM, daft sie der 
EiftuQfisvri gleichgesetzt wird (Pqrmemdes^Be- 
moMt^mA LeuMppmhei^p^ Ea. XX-i-c), 
oder als deren Mutter gm(PxQ£l._M.P.lat. 
Tim. 5, .828 c: *ccl 6 Sr}fiiovgy6g, ä>g b 'Oowtvg 
<pnei, zgitpczai fisvj>g^fijg 'Adgccaztiag, avveazi ' 

*l^> &&"&«#'*?..'* *h* E^q^vtjv). 

50 DamiF stimmt7 uberein, dafs Plato in seinem ? 2SSTS* 
Unterweltsmythus (rep. 10, 617 e) sie die Mutter 
der Moiren nennt. Er entwirft dort ein phan-l ? 
tastisches D:,J -- ~~*- — j--»»*^«- 
Spindel. 

ganze^ Welt "3reKF. . Stange 
aus c SJ^ahT, und der Wirtel besteht aus acht ] 
KunStvoll inejnailder gef^?en J! Teilen, die alle' 
zusammen^ in einei^ harmonischen Ton ^u" 
sammenklingen. Daneben sitzen auf Thronen 1 

60 die Mgiren, welche die Spindel drehen und ; 
cfözu'singen ( p. 616 f., jedenfalls nach einer' 
pythagoreisch : orphisehen Quelle, vgl, Dktericb, ^ 

NeSyia_i2iW^. Moiren und Ananke erscheinen 
auch verbunden TtemipL Qx.^^MQj). ? 
Nach Aischylos lerflten v Moiren und Erinyen 2 
das^^tetfer der Ananke (trjg 'Aväyxtjg oia- 'J 
KoozQÖrpot Prom^Jil'lX; nach dem QrfMschen, 
Hymnus 70, 5 stehen die Erinyen bei ihr 

3* 



71 



Neeessitas 



Necheb 



72 



(iqpscTTjxütai 'Aväyitiß, vgl, Maafs ,. Qrphßus. 
268). -Ananke scheint hier als Herrin, nicht 
als ünEerfe^ene {Maafs) dieser Gottheiten aufr 
gefafst zu sein. In zwei attischen Grabepi- 
grammen des 4. u. 1. Jahrhunderts fallt sie 
sogar mit Persephone (tbv 'Aväv*r\g | xoivov 
<&t{)Oiq)6vris iiäeiv i%sig 9akup.ov) und der 
Todesgöttin (iir' 'Aväyxrjg &%ov avocQitua&stg) 
zusammen, wie MmJ$JßW h -<-%l£ erkannt hat. 
Empedokles bezeichnet seine Lehre von der 
Seelenwanderung als 'Aväywjg zqwü, 9säv 
i/»j<pi(ffia itu\aibv,\äi8iov, Ssivotai xarjcqpjwjyiff- 
uivov opxois (asaÄ. Stem^sgL- Mmß+JJxpk- 
270). Ebenso wie über den Tod ( vgl. Alexis 
Frg. 149 Kode) waltet^ sie auch über die Ge- 
burt: als ägyptische Ansicht bezeichnet es 
MacroMm .. _.(_U-19* -U)> ^ a vier Gottheiten, 
Daimon, Tyche, Eros und Ananke, der Geburt 
des Menschen vorstehen, amor osculo signifi- 
catur, neeessitas nodo. (vgl. Themist. a* .a^.CL). 
Vom Kultus der Ananke ist uns nur eine 
.Spur erhalten: beim Aufgang nach Akrokorinth 
befand sich ein Heiligtum der 'Aväyv.rj und 
Bia, das zu beireten_nicht.j3itte war (Paus. 
2, 4, 6). (Vgl. Kr atos und Bia.) Auch werden 
in einer pisidischen Inschrift, freilich nach 
sehr unsicherer Ergänzung, ivrelsig 'Aväyv.Tj iial 
Bia angerufen ( C. I. G. 4379 0). 

Die Macht dieser grofsen Göttin (Avayuairj 
lisyälri &sög Gallim. H . in Del. 122) über 
I Götter und Menschen veranschaulichen viele 
I Dichterstellen, deren Stpbqeus eine Anzahl ge- 
bammelt hat ( Ecl 1. 4: xtqlZiväy*Tj? (&tütg>, 
Kcc&' iji> änaqair^tcog zä ytaiä rriv rov &sov 
yivtvai povlrjaiv). Ob Ananke persönlich auf- 
zufassen ist, oder nicht, läfst sich nicht immer 
entscheiden; ersteres hat Maafs (Orph. 268) 
für eine Reihe von Stellen treffend nachgewiesen. 
Direkter Einflufs der Or phiker ist unverkenn- 
bar bei Euripides (v._ Wilamowitz, Hom, ■ U'nters. 
254)^ Ein alter Spruch der^Weisen besagt: 
Ssivrjg äväyxrig ovälv la%veiv nXiov (Hei. 513, 
YgL Frg, 299). Nichts, Stärkeres giebt es als 
sie, kein orphischer Spruch, "kein Heilmittel 
der Asklepiaden hilft„gegen sie (Seivris aväyxrig 
ovöev la%VQÖtsQov Suid.)^ Ihrem Bild, ihrem 
Altar allein darf man nicht nahen, sie hört 
nicht auf Opfer. Alles was Zeus beschliefst, 
führt er mit ihr aus (Chorlied Ale. 962 ff.). Sie 
herrscht über die Menschen und scheut auch 
die Götter nicht (Philetas b. Stob. 1, 4^4); 
selbst Ares kann ihr nicht widerstehen (Sophqkl. 
h._Stob, 1, 4, 5). Sie legt, unzugänglich allen 
Bitten, den unseligen Sterblichen ihr Joch auf 
( Moschion b._Stob.A, K 1* -▼-gl- Ewip, b. Siol>. 
1, 4, 6, Or, 488 m. Scholl). Das- Sprichwort 
'Aväyurj ovdl 9eol fiä%ovTai wird von Diogenes 
LaerHus (1, 4, 79) dem ££üa£o£_zugesehrieben 
(SMonid. Frg^j, 21^ JPlaL Legg. _5, TJLLa+J, 
818 e. Zenob. 1^86, Greg. Cypr. 1, bQ^ApasL 

^Bei 



Jei den Römern wird die saeva Neeessitas 
nur von Horaz deutlich als Person gekenn- 
zeichnet. Er schildert sie ( Carm.1, 35, 17 ff.), wie 
sie als Scherge, gleichsam wie ein Lictor, 
immer der Fortuna voranschreitet, Balkennägel 
und Keile in der Hand führend und mit Haken 
und flüssigem Blei versehen. Die clavitrabales 



sind das Symbol der etruskischen Schicksals- 
göttin Nortia ( s. d.) , und den Haken führt der - 
Henker; zugleich aber sind diese Attribute 
das Handwerkszeug, mit dem Fortuna das 
Menschengeschick zusammenzimmert(.K»e/äK«g, 
z. d; St.). Wenn sie die ehernen Nägel ein- 
schlägt, giebt es kein Entrinnen vor Furcht 
und Tod (£3, 24, 5 ff.). Und (LX-S,32i ver- 
sinnbildlicht die semoti prius tarda Neeessitas 
10 leti, welche nach dem Feuerraub des Prome- 
theus mit der Macies und den Febres die Erde 
beschreitet, geradezu als die finstere Macht 
des Todes. [Wagner.] 
Nechbit s. Necheb. 

Neeheb. Beim heutigen El Käb zwischen 
Esne und Edfu am rechten Ufer des Nils lag 
eine uralte Stadt, welche von den Griechen 
Elltidviag icölig (Strabo 17 , 817. Diod. 1, 12. 
Euseb. praep. ev. 3, 12. Steph. Byz. s. v. Elln- 
20 9viag, Forbiger s. v. Lucinae Oppidum in 
Paulys B. E. 4, 1190) genannt wurde, vgl. Saint- 
Genis, Descr. des ruines d'El-Käb ou Elähyia, 
Descriptionde\VEg. 2 e e"d. 1,341—366. Brugsch, 
Ditt. geogr. p. 353—355. L. Stern, Die OuUus- 
stätte der Lucina, Zeitschr. f. äg. Spr. 1876 
p. 65—73. Ebers, Cicerone durch das alte u. 
neueÄgypten 2 , 289—292. Baedeker, Ägypten*, 
262—270. Dümichen, Gesch. d. alt. Äg. p.68f. 
Der ägyptische Name dieser Stadt, welche 
80 bereits in den ältesten Zeiten der ägyptischen 
Geschichte (Maspero, Eist. anc. des peuples de 
V Orient classique 1, 74), dann wieder zur 
Zeit des Befreiungskrieges gegen die Hyksos 
eine wichtige Rolle spielt (Maspero a. a. 0. 2, 
82 ff.), ist identisch mit dem der daselbst 
verehrten Göttin. Dieser Name wird sehr ver- 
schieden gelesen. Champollion las nach Stern 
a. a. 0. p. 65 Suban, und noch Lanzone, Diz. 
di mitologia egizia p. 1018—1026 verzeichnet 
40 die Göttin unter dem Namen Söban. Lepsius 
las nach Stern a. a. 0. Neben, Brugsch, Ztschr. 
f. äg. Spr. 1875 p. 6 f. Heben, Stern a. a. 0. 
p. 66 %eb, &ebt, Z ub, j;ubt, mit der Bemerkung, 
dafs in späterer Zeit der Name Nejebt ge- 
lautet haben möge. Mit letzterem Namen 
Necheb oder Nechebt (Nechabit: Maspero; 
Nechbit: Brugsch; Nechbet: Erman) wird die 
Göttin jetzt meistens von den Agyptologen 
belegt, vgl. z. B. Pierret,,, Panthion ig. p. 31. 
50 Ed. Meyer, Gesch. d. alt. Äg. p. 43. Dümichen, 
a. a. 0. p. 68. Wiedemann, Religion d. alten 
Äg. p. 78 und Eerodots 2. Buch p. 222. Ebers 
a. a. O. p. 290. Maspero, Hist. 1, 74_ Anm. 1 
(nach welchem die Lesung Nechabit zuerst 
von de Bouge, Cours pro f esse au_ ColUge de France 
1869 vorgeschlagen worden ist). 1, 102. 2,82 
Anm. 3. Brugsch, Bei. u. Myth. d. alt. Ag. 
p. 321—326. Erman, Ausführt Verzeichnis der 
ägypt. Altertümer, Gypsabgüsse und Papyrus. 
60 Berlin 1894 p. 244 nr. 9029 p. 250. Ihrem Wesen 
nach war N. wohl eine Mondgöttin (Stern 
a. .a. 0. p. 66); dafs die Griechen sie mit 
. Eileithyia identifizierten, kann bei der Ver- 
wandtschaft der Mond- mit den Geburts- 
göttinnen nicht befremden. Ihr Beiname „die 
zweimal weifse" wird von Stern p. 72 auf das 
weifse Licht des Mondes, von Dümichen a. a. O. 
p. 69 gleichfalls auf das Mondlicht oder auf 



73 Necheb Necheb 74 

die weiße Königskrone ; des Südens, von Brugsch, Gestalt dargestellt, so bei Lanzone Tav. 348, 2 

Bei. u. Myth. d. a. Äg. p. 322 ausschliefslieh (mit Pfeil und Bogen in der L. und dem 

auf letztere bezogen. Bei der grofsen Be- Zeichen des Lebens in der R.). Tav. 348, 4. 

deutung nämlich, welche die Stadt der Necheb Im Papyrns des Labyrinths ist ihr Brustbild 

für die Frühzeit Ägyptens hatte , wurde die mit dem Geierkopfe versehen, s. die Abbildung 

Göttin zur Beschützerin des ganzen Südreiches, bei Lanzone p. 1020. 

dessen Krone aus weifsem Stoffe bestand, Auch als Schlange wird sie nicht selten 
Stern p. 73. Dümichen p. 68. Eine Abbildung dargestellt, mit der weifsen Krone des Südens 
bei Lanzone Tav. 349, 2 stellt sie dar in auf dem Haupt, sich windend um die Süd- 
menschlicher Gestalt mit der weifsen, hier mit 10 pflanze Necheb , welche nach Diimichens An- 
zwei Straußenfedern und einem Uraus ver- sieht (p. 58) der Stadt und Göttin den Namen 
zierten Krone des Südens, mit der einen Hand gegeben hat. Auch als geflügelte Schlange 
oinen Korb, das Zeichen der Herrschaft, mit mit der weifsen Krone auf dem Haupte, wie 
der weifsen Krone darauf, präsentierend. Ihr in ganz gleicher Weise Utit mit der roten 
Seitenstück ist Utit (Ua& — t, Ouazit, Oaadjit, Krone, begegnet sie, s. Lanzone Tav. 348, 3 
Uzo, Buto, Leto), die Göttin des Nordreiches, und für Utit Tav. 58, 4; vgl. für Darstellungen 
dessen Krone aus rotem Stoffe bestand (vgl. der einander entsprechenden Göttinnen Utit 
die Darstellung der die rote Krone auf einem und Necheb in Schlangengestalt u. a. Stern 
Korbe präsentierenden Utit bei Lanzone Tav. p. 73. Erman, Ausfuhr!. Verzeichnis der äg. 
58, 2). Nicht selten sieht man auf den Denk- 20 Altertümer. Berlin 1894 p. 250. E. von Berg- 
mälern den Pharao geschmückt mit der Doppel- mann, Der Sarkophag des Nesschutafnut, Tirage 
kröne zwischen Utit und Necheb, welche beide ä part du Bec. de trav. relatifs ä la philol. et 
die Krönung an ihm vollzogen haben, s. die ä Varch. ig. et ass. vol. VI p. 29. Nach einem 
Abbildung bei Brugsch, Bei. p. 321. Um ihn unter dem Titel „Die Sage von der geflügelten 
als Herrscher von Ober- und Unterägypten zu Sonnenscheibe" bekannten Texte an der "Wand 
bezeichnen, wird der Ausdruck „Herr der Krone des in der Ptolemäerzeit errichteten Tempels 
des Geiers und Herr der Krone der Schlange" von Edfu verwandelt sich im Kampfe gegen 
angewandt, da man mit Vorliebe Necheb in Set und seine Genossen Hor-behudet in eine 
Geier- und Utit in Schlangengestalt abbildete, geflügelte Sonnenscheibe und nimmt mit sich 
Wiedemann, Le roi dans l'andenneEgyptep. 8, 30 die Göttin des Südens Necheb-t und die des 
vgl. Pierret, Le Pantheon egyptien p. 31. Was Nordens Utit in Gestalt zweier Schlangen, um 
die Geiergestalt. der Necheb anlangt, so be- die Feinde im Süd- und Nordlande zu ver- 
schreibt Euseb. Praep. ev. 3 , 12 ihr Bild in nichten;, Wiedemann Bei. d. a. Äg. p. 40. Und 
folgender Weise: i] äs t»js ElXv&viug nölig tö nach demselben Texte wird diese geflügelte 
tqCtov <pmg &seansvsi. Tb öc £6avov xstvicw- Sonnenscheibe mit Necheb und Utit ais Schlan- 
zai dg yvita itBxöfiBvov, yg zb nzeQwuu J» onov- gen durch Thoth an allen Heiligtümern an- 
Saliov evviavrjKB U&mv. Srjftaivsi. 8h zb psv gebracht, Wiedemann p. 42, Brugsch, Bei. 
yvnosiäsg avz^g *<?" ytvvrjtiii^v ipvsv^äztav p. 272 f. Und nicht nur an Tempeln, sondern 
Sslijvrjv. 'Ek y<*(> zov itvivparog otovzai evX- auch an Stelen und sonstigen Gegenständen 
Ictfißaveiv rbv yvnu, 9r[i.siag ituaag aitocpaivö- 40 begegnet in späterer Zeit diese Darstellung 
lisvoi. Besonders bei Kriegs- und Opferscenen als Schutz gegen alles Unheil, Wiedemann 
wird der Geier der Necheb, als Schutz- und a. a. 0. p. 44, vgl. z. B. Wiedemann, Obser- 
Siegesgenius über dem Haupte des Königs vations sur quelques steles funeraires e'gyptiennes 
schwebend, sehr häufig von der ägyptischen p. 16 nr. X und Brugsch, Die große Mendes- 
Kunst dargestellt, Dümichen p. 58. Ebers, Gice- stele, Zeitschr. für äg. Spr. 1875 p. 34. 
rone 2, 292. Maspero, Eist. anc. 1, 102 Anm. 3. Löwenköpfig ist dieGöttin dargestellt auf 
Ed. Meyer, Gesch. d. alt. Äg. p. 43—45 (Bas- der Stele des Königs Heker (Akoris) [29. Dy- 
relief des Königs Menkauhor, 5. Dynastie). Zu nastie], Fr. Bossi, 1 monumenti egizi del museo 
ornamentalen Zwecken ist dieser Geier der d'antichitä di Torino. Guida popolare. Torino 
Necheb nach Ebers, Ann. d. Inst, di Corr. 50 1884 p. 73. Lanzone p. 1024f. Tav. 350. Dar- 
arch. 1883 p. 87 Anm. 2 an dem in griechischem Stellungen der Necheb in menschlicher Ge- 
Stil erbauten Tempel von Baälbek verwandt stalt s. bei Lanzone Tav. 348, 1. 3. 349,1.2.3. 
worden. Da man Necheb und Utit zuweilen Stern, Zeitschr. für äg. Spr. 1875, Mai-Juniheft, 
gleichstellte, so kommen Darstellungen vor, auf Taf. Ü, c. d. e. f. 

denen beide Göttinnen die Gestalt des ur- Einen ziemlich hervorragenden Platz nimmt 

sprünglich nur der ersteren eigentümlichen sie ein in dem von Maspero, Memoire sur 

Geiers erhalten. E. Lefebure, Bites egyptiens. quelques papyrus du Louvre, Notices et Extraits 

Construction et protection des edifices. Paris 1890 des manuscrits de la Bibliotheque Nationale. 

p. 72 Anm. 5 zitiert hierfür Lepsius, Denkm. 3, Tom. 24. Partie 1. Paris 1883 [pag. 1—123] II. 
129. 130 und Champollion, Notices 2, 209. eo Le rituel de l'embaumement d' apres le Papyrus 

Auch auf einem Scarabäus aus einem Grabe 5158 du Louvre et le Papyrus Nr. 3 de Boulaq 

von Tharros mag man in den beiden den p. 14 — 104 veröffentlichten Einbalsamierungs- 

Harpokrates auf der Lotosblume umgebenden ritual. „Die Rollen der Nacheb und der Utit hin- 

Geiern eher Necheb und Utit als mit S. Smith, sichtlich des Verstorbenen sind hier identisch. 

A Catalogue of the engraved gems in the British Sie richten sich empor auf seiner Stirn wie 

Museum. London 1888 p. 55 nr. 210 Isis und aut der ihres Vaters Rä um zu verbrennen 

Nephthys erhennen. Zuweilen erscheint Necheb und zu vernichten seine Feinde -(Pap. 3 p. VI 

geierköpfig, im übrigen aber in menschlicher 1. 12. 13); daher legte man auf die Stirn des 



75 Nechtharauti Nehalennia (Litteratur) 76 

Verstorbenen eine Binde der Necheb in der Preller-Bobert , Grieeh. Myik. I* 137, 3. Die 
Stadt Necheb (Pap. 3 p. X 1. 9). Natron strömte kallimacheische Sage von der Entstehung des 
aus von Neeheb (Pap. 3 p. X 1. 16 — 17) [bei EL Nedaflusses soll jedenfalls, ebenso wie der 
Käb wurde das zur Einbalsamierung verwandte eigentümliche Regenzauber der Hagnoquelle 
Natron gewonnen, Maspero, Hist. ane. 2, 84]; (Paus, a. a. 0.), veranschaulichen, wie der ganze 
daher empfängt der Verstorbene das Natron, Wasserreichtum der umliegenden Gegenden in 
gekommen aus dem Totenthal, die Reinigung, Quellen und Regen von dem heiligen Zeus- 
gekommen aus der Stadt Necheb, und die berge ausgeht. Besondere Verehrung genofs 
Göttin Necheb wacht über ihm in der Unter- Neda natürlich in Phigalia. Dort weihten die 
weit (Pap. 3 p. VII 1. 22, 23). Die Seele der iu Jünglinge an der Stelle, wo der Flufs den 
Necheb verjüngt die Seele des Toten und Mauern am nächsten kommt, ihm ihre Haare, 
ändert sein Antlitz in ein Antlitz glänzend mit Paus. 8, 41, 2 (vgl. über diese Sitte Preller- 
zwei Augen strahlend von Licht (Pap. 3 p. VI Robert, Grieeh. Myth. I 4 , 546 u. Lehner dt, Bd. 1 
1. 12)", Maspero, Memoire p. 83. Lanzone Sp. 1495). Dargestellt war sie, im Vereine mit 
p. 1019 — 1020. Nach Aelian. hüt. an. 10, 47 andern Nymphen mit der Pflege des Zeuskindes 
ist der Eileithyia, d. i. der Necheb, und der beschäftigt, im Heiligtum der grofsen Göttinnen 
Leto, d. i. der Utit, das Ichneumon heilig, vgl. zu Megalopolis (Paus. 8, 31, 4) und am Altar 
Wiedemann, Herodots zweites Buch p. 289. Die der Athene in deren Tempel zu Tegea (Paus. 
Notiz des Herodot 2 c. 47, dafs die Ägypter 8, 47, 3). Auch in der messenischen Sage er- 
der Selene Schweine opfern, bezieht Ebers, 20 scheinen Neda und Ithome als Pflegerinnen des 
Cicerone 2 p. 291 auf Necheb. Die in dem von den Kureten entführten Zeus, den sie in 
Grabe des Renni bei El-Käb unter den Besitz- der Quelle Klepsydra auf dem Gipfel von Ithome 
tümern des Verstorbenen verzeichneten 1500 badeten, Paus. 4, 33, 1 (vgl. Immisch, Bd. 2 
Schweine (Baedeker, Ägypten 2 p. 269) hält er Sp. 1604). Immerwahr (Kulte u. Mythen Arkad. 
zum Opfer für die Göttin Necheb bestimmt. 1, 217 ff. 237f.) weist auf den engen Zusammen- 
Ob er damit das Richtige trifft, lasse ich dahin hang der Neda mit dem Rheakultus hin, der 
gestellt sein. [Drexler.] in Arkadien erst aus dem Kultus der Nymphen 

Nechtharanti (JVs^ö'aeaüri:), ägyptische Gott- hervorgegangen sei. — Cicero (de nat. deor. 

heit, erwähnt in einem aus der Thebais stam- 3, 54) nennt Neda als Mutter der vier älteren 

menden Abtretungsvertrag aus dem Jahre 100 so Musen, Thelxinoe, Aoide, Arche und Melete, 

v. Chr., Krebs, Zur ägyptischen Meligion in die sie dem arkadischen Zeus geboren haben 

griechisch-römischer Zeit, Zeitschr. f. aeg. Spr. soll. [Wagner.] 

36 (1897) p. 100 f. nach Greek Papyri Series II Nedusia (Nsäovaia, vgl. Usener, Der Stoff des 

nr. 33, 5. „Es handelt sich dort", bemerkt grieeh. Epos 1897 S. 8), Beiname der Athene, 

Krebs, „um ein psQog y»)s aitocpögov Xeyofievrjg welche in dem messenischen Pherai am Flusse 

Ne%&ctQctvTi (sie) Q-sov [iiyälov, d. h. ein Stück Nedon, sowie in dem wahrscheinlich nicht 

Ackerland, welches den Namen führt nach weit davon gelegenen Poiaßssa ein Heiligtum 

dem grofsen Gotte Nechtharaus." Ich halte hatte, Strab. 8, 360. Steph. Byz. s. v. Nsicav. 

Nez&ctQavTi für indeklinabel. [Drexler.] Gurtius, Peloponn. 2, 159. Auch zn Poieessa 

Neda (NeSa iVs'djj, von der Wurzel ned 40 auf Keos gab es ein Heiligtum der Athene 
brüllen, rauschen, Curtius, Grundz. 6 243. A. F. Nedusia, der Sage nach gegründet von Nestor 
Pott, Jahrb. f. class. Philol. 3. Supplbd. 313. (der in dem Pherai benachbarten Gerena auf- 
Usener, Der Stoff des grieeh. Epos 1897 S. 8), gewachsen war, Strab. a. a. 0.) auf seiner 
arkadische Flufsnymphe, nach Callim. hymn. Rückfahrt von Troja, bei der er sich nach Od. 
in Iov. 36 die älteste Tochter des Okeanos 3, 278 ff. gerade in dieser Gegend von Mene- 
nächst Styx und Philyra (vviKprj '£l*sav£vi} laos getrennt hatte, Strab. 10, 487. Vgl. A. F. 
Schal, v. 33), nach welcher der arkadische Pott, Jahrb. f. class. Philol. 3. Supplbd. 313. 
Flufs Neda (und eine arkadische Stadt Nsärj Gerhard, Grieeh. Myth. 1 § 249,8, und über 
oder nach Euphorion NsSstj, Steph. Byz. s. die Verehrung der Athene an Flüssen und 
Nsärf) benannt sein soll. Als Ithea auf dem 50 Seen Preller-Mobert, Grieeh. Myth. 1*, 187 f. 
arkadischen Lykaion den Zeus geboren hatte, In dem keischen Kultus findet Busolt (Grieeh. 
wollte sie sich reinigen (vgl. Paus. 8, 41, 2), Gesch. I 2 , 293) eine der Spuren, welche auf 
aber ganz Arkadien war damals noch wasser- messenische Einwanderung nach Keos hin- 
los. Da schlug auf ihre Bitte Gaia mit ihrem weisen. [Wagner.] 

Scepter den Berg, und ihm entströmte reich- Nedymnos (N^Sv(ivos), einer der Kentauren 

liches Wasser, das älteste, welches die Enkel (s. d.), auf der Hochzeit des Peiritboos von 

der Kallisto trinken. Rhea aber gab ihm den Theseus getötet, Ov. Met. 12, 360. [StolL] 

Namen der Nymphe Neda, die das Zeuskind Nefas, das personifizierte Unrecht im Gefolge 

auf ihr Geheifs in das Kretäische Versteck des Mars: Stat. Theb. 7, 48. [Röscher.] 

trug, wo es heimlich aufgezogen werden sollte 60 Nehalennia (selten Nehalenia). 

(Callim. a.a.O. 15 ff.). Nach der von Paus. Litteratur: O. Vredius, Historiae comi- 

8, 38, 2 f. wiedergegebenen Sage hiefsen die tum Flandriae pars prima. Brugia 1660 (in den 

Nymphen, welche das Kind in der Kretea Additiones-p.XLWS.). J. G.Keysler, Antiquitäten 

genannten Gegend des Lykaion aufzogen, selectae septentrionales et celticae (Hannover 1720) 

Theisoa, Neda und Hagno. Auch Theisoa und p. 236 ff. (fufst im wesentlichen auf Vredius, 

Hagno sind Quellen, die am Lykaion ent- der von den älteren Autoren der zuverlässigste 

springen, vgl. Curtius, Peloponnes 1, 300. 317. ist). L. J. F. Janssen, De Romeinsche beeiden 

358. Bursian, Geogr. v. Griechenl. 2, 236; en gedenksteenen ran Zeeland uitgegeven van 



77 Nehalennia (Litteratur u. Monumente) 

wege het zeeuwsch genootschap der icetenschapen. 
Middelburg 1845, mit Atlas (hier ist p. XII ff. 
die zahlreiche ältere und veraltete Litteratur 
verzeichnet). J. W. Wolf, Bonner Jahrbücher 
12, 21 ff. und Beiträge zur deutschen Mytho- 
logie 1 (1852), 149 ff. E. Desjardins, Geo- 
graphie de la Gaule Bomaine 1, 396 ff. (vgl. 
Comptes rendus de l'academie des inscriptions 
4 ser. 13, 28 ff.). Von neueren Sprachfor- 
schern behandeln den Gegenstand H. Kern, 
Taal- en Letterbode (Harlem 1871) 2, 89 ff. 
= Revue celtique 2, 10 ff. Hugo Jäkd, Die 
Hauptgöttin der Istvaeen, in der Zeitschrift für 
deutsche Philologie 24 (1892) p. 289—311. 
B. Much, Zeilschrift f. deutsches Äl'ertum 35, 
324 — 328. und besonders Friedrich Kauff- 
mann, Beiträge zur Geschichte der deutschen 
Sprache und Litteratur 16 (1892) 210 — 234 
(auf Kaufmann fufst Wolfg. Golther, Hand- 
buch der germanischen Mythologie p. 463 ff., der 20 

auch eine Kri- 
tik der aufge- 
stellten Ety- 

mologieen 
giebt). 

Die Göttin 
ist nur durch 

Inschriften 
und bildliche 
Darstellungen so 
bekannt, kein 
Schriftsteller 
erwähnt sie. 
Am 5. Januar 
1647 wurden 
— so lautet 
der Bericht 
des Vredius p. 
2LIV — an 
der Küste der *o 
Insel Walche- 
len bei Dom- 
burg (Scheide- 
mündung, 
Provinz Zee- 
land), als ein 
starker Süd- 
ost wehte und 
das Meer zu- 
rücktrat , zahlreiche Altertümer , die im 50 
Dünensand begraben lagen, blofsgelegt: sta- 
tuae aliquot, arae lapideae, pocula, ollae und 
römische Münzen. Meist waren es mit Beliefs 
geschmückte Inschriftaltäre der bis dahin fast 
unbekannten Göttin Nehalennia. In der Kirche 
von Domburg aufbewahrt, sind sie 1848 bei 
einem Brande gröfstenteils zerstört worden, 
so dafs wir für die meisten auf die Publikation 
von Janssen angewiesen sind. Die erhaltenen 
Bruchstücke befinden sich jetzt im Museum 60 
von Middelburg, wo sie Zangemeister kopiert 
hat; ein Altar ist in Brüssel, einige im Lei- 
dener Museum. Die neueste Zusammenstellung 
giebt F. Kaufmann (a. a. 0. p. 211. 212), unter 
Benutzung der Zangemeisterschen Abschriften. 
Es sind folgende: 

1) Deae Nehalenniae Ammacius Hucdionis 
l(ibens) m(crito). — Janssen Taf. 15, 27. Bram- 



Nehalennia (Inschr. u. Monumente) 78 

hoch C. I. Rh. 37. Kauffmann nr. 19 (in 
Leiden). 

2) Deae Nehaleniae T. Flafvji Fortunati 
lib(ertus) Primiti(v)us v(otum) s(plvit) Vjiiens). — 
Janssen 18, 34. Brambach 38. Kauffmann 
nr. 20 (in Leiden). 

3) Heae Nehalenniae 1. Calvisius Secun- 
dinus ob meliores actus. — Janssen 16, 28. Bram- 
bach 39. Kauffmann nr. 21. Abbildung bei 

io Desjardins, Geogr. 1, 397 und Comptes rendus 
de l'acad. d. inscr. 4 ser. 13, 1885, p. 30 (in 
Brüssel). (Abbildung Kg. 1.) 

4) Deae Nehalenniae Dacinus Liffionis 
filius v. s. I. m. — Janssen 16, 29. Brambach 
40. Kauffmann nr. 22 (in Leiden). (Abbildung 
b. Figur 2.) 

5) Deae Nfejhalenniae ob merces rede con- 
servatas M. Secund. Silvanus negotiator creta- 
rius Britannicianus v. s. I. m. — Janssen 11, 32. 





'-^ 






1) Nehalennia (nach Desjardins, Geogr. 
de la Gaule Rom. 1 S. 397-). 




2) Nehalennia (nach Janssen a. a. O. 16, 23 a). 

Brambach 43. Kauffmann nr. 17 (Reste in 
Middelburg). 

6) Deae Nehalennie Servatus Theronis 
fdiufs] v. s. I. m. — Janssen 14, 25. Brambach 
50. Kauffmann nr. 23. 

7) Deae Nehalenniae Ianuarinius Ambac- 
thius pro se et suis v(otum) r(eddidit)*) l(ibew) 
m(erito).— Janssen 14,26. Bramlach3$. Kauff- 
mann nr. 15 (s. Abbild. Fig. 3). 

8) Deae Nehalenniae M. Hitarinius (so!) 
Primus ex voto suscepto l. m. — Janssen 13 , 23. 
Brambach 34. Kauffmann nr. 14. 

9) D(eae) N(ehalenniae) M. Assonius Aelius 
qfuaestor?) b(eneficiarius?) — Keysler p. 239. 
Janssen 4, 8. Brambach 24. Kauffmann nr. 1. 

*) Oder r(ettulit). 



79 Nehalennia (Inschr. u. Monumente) 

10) Deae Nehalenniae Fkttius Gennalonis 
pro se et suis v. s. I. m. — Janssen 7, 16. Bram- 
bach 27. Kaufmann nr. 2. 

11) [Deae Nehälejniae C. Exomnianius Ve- 
rus äXonum) dfedit). — Janssen 13, 24. Bram- 
bach 36. Kaufmann nr. 6. Vredius will die 
erste Zeile Deae Nehallen gelesen haben, wohl 
mit eigenmächtiger Ergänzung der wenigen 
vorhandenen Buchstabenreste, welche die oben 
gegebene Schreibung wahrscheinlich machen. 

12) Deae Nehalenni(ae) Sumarionim(?) Pri- 
marius v. s. I. m. — Janssen 17, 36. Brambach 
42. Kaufmann nr. 7. Vredius bietet Deae 
Nehalenniae Sumaronius Primanus u. s. w. 

13) Deae Nehalenniae Ascattinius Masuco 
v.s.l.m. — Keysler y. 250. Brambach 48. Kauf- 
mann nr. 8 (soll nach Keysler ans Zeeland 
nach Utrecht gelangt sein). 

14) Nehäkniae L. Iustius Satto et L. Se- 




Nehalennia (Inschr. u. Monumente) 80 

21) Nehalen — Janssen 11, 19. Bram- 
bach 31. Kaufmann nr. 4 (der Zusatz deae 
fehlt hier wie in nr. 14 und 26). 

22) Deae Nehalaen .... — Janssen 11, 35. 
Brambach 44. Kaufmann nr. 18. 

28) Inschrift war nicht mehr leserlich. 
Vredius XLIX, 8 u. Abbild. LI, 8. Schreiber, 
Die Fien in Europa Taf. II u. p. 67. 

24) Inschrift nicht leserlich. Vredius XLIX 
10 15, seine Abbildung bietet nichtsdestoweniger 

Deae Nehalenniae. Vgl. Brambach 45. Damit 
vielleicht identisch Janssen 18, 31. 

25) Inschrift nicht leserlich. Vredius L u. 
LII1, 23. Keysler p. 247. 

Im Jahre 1870 kam im Flugsand bei Dom- 
burg ein neuer Altar zu Tage mit der In- 
schrift: 

26) Nehalenniae Ingenuinius Ianuarius ex 
pr(a)ecepto aram posuit pro sahtte fili sui. — 

20 Leemans, Verslagen en mededel. der k. Akad. 
v. wetenschappen. Afd. Letterk. II ß. 2 (Amster- 



m DEAE- fsEH LALE NR 
rAE'IANVÄfeUhfV^ 
jAMBAGTHIVÄPRo 



- II MIHI" " «I 

3) Nehalennia (nach Janssen a. a. O. 14, 26). 




4) Belief in Köln (nach Originalphotographii 



cundinius Moderatus fratresv. s. I. m. — Janssen 
8,16. Brambach 28. Kauffmannnr.il. Vredius 50 
hat Nehalenniae. 

15) Deae Nehalenniae Sext(us) Nertomarius 
Nertonius v. s. I. I. m. — Janssen 9, 17. Bram- 
bach 29. Kaufmann nr. 12. 

16) Deae Nehalaenniae L. Festius Primus 
v. s. I. m. — Janssen 17, 30. Brambach 41. 
Kaufmann, nr. 16. 

17) [Dejae [Nehaljenniae anius . . . 

cio.... — Janssen 12, 21. Brambach 32. Kauf- 
mann nr. 6 (nach Janssem Zeichnung war 60 
die Endung eher . . . aenniae, vgl. nr. 16). 

18) Deae Nehalenniae v. s.l. m. — 

Janssen 10, 18. Brambach 30. Kaufmann nr. 3 
(die Inschrift hatte 4 Zeilen). 

19) Deae [NJehalenfniae — Janssen 

12, 22. Brambach 33. Kaufmann nr. 13. 

20) Deae Nehäkniae. — Vredius XLIX, 16 u. 
LH 16. Brambach Ab (die Inschrift unvollständig). 



dam 1872) p. 75 mit Tafel. Beville, Revue cel- 
tique 2, 18 ff. J. Klein, Bonn. Jahrbücher 
57, 195. Kaufmann nr. 24 (im Museum von 
Middelburg). 

Ferner sind in früherer Zeit zwei Steine in 
Deutz gefunden worden, jetzt verschollen: 

27) In h(onorem) dfomus) d{ivinae). Deae 
Nehalenniae M. Saturnfijnius Lupulus IiiiiI 
vir Aug. pro se et suis v. s. I. m. — Brambach 
442. Kaufmann nr. 10. 

28) Deae'Nehaleni Eriattius (oder Nehale- 
nie Biattius) Iucundi pro se et suis v. s. I. m. — 
Janssen p. 100. Brambach 441 . Kaufmann nr. 9. 

Hierzu kommt endlich 

29) ein inschriftloses Relief, in Köln (Hoch- 
strafse) gefunden, jetzt im Museum Wallraf- 
Richartz. Däntzer, Verzeichnis der röm. Alter- 
tümer des Museums Wallraf-Bicharte in Köln 
(1886) p. 46 nr. 46. Abbildung hier zum ersten 
Mal publiziert Fig. 4 (nach Photographie). 



81 Nehalennia (bildl. Darstellung) 

Ein anderes roh gearbeitetes Relief ge- 
langte ana der Blankenheimer Sammlung nach 
Köln (Düntzer nr. 47). Dargestellt ist eine 
sitzende Frau, in der man hat Nehalennia er- 
kennen wollen, weil sie angeblich ein Händ- 
chen auf dem Schofs trug, Schannat, Mflia 
illustr. herausg. von Bahr 1, 1 (Köln 1824) 
p. 538, ungenaue Abbildung Taf. 1 nr. 1. Der 
Gegenstand ist aber ganz undeutlich, der Hund 



Nehalennia (Beziehung z. Seefahrt) 82 

Gefäfs mit Früchten; auf der rechten Seite 
Hercules (stark zerstört), darunter Opferre- 
quisiten. Auf der linken Seite von nr. 14 ist 
Neptun mit Dreizack, Euder und Delphin in 
zwei Feldern übereinander dargestellt; ent- 
sprechend auf der rechten Seite Hercules: im 
obern Feld sitzt er mit einem Krug in der 
Rechten, im unteren steht er an. einen Baum- 
stamm gelehnt und pflückt die Äpfel der Hes- 



am Boden fehlt, wir haben es schwerlich mit 10 periden. Einfacher sind die Darstellungen auf 
einer Darstellung unserer Göttin zu thun nr. 18. 20. 21 



(vgl. die sitzenden Göttinnen bei Hettner, 
Steindenkmäler des Provinzialmuseums zu Trier 
nr. 100 — 103; neben dem linken Bein der in 
nr. 100 dargestellten Göttin sollen die Spuren 
eines vierfüfsigen Tieres zu erkennen sein). 
Über ein ganz analoges, in Köln gefundenes 
Relief berichtet Ka. in der Kölnischen Zeitung 
12. Mai 1897 (Abend- Ausgabe): auch hier ist 



Die Ausdehnung des Kultus ist eine sehr 
beschränkte. Wir haben es mit einer Lokal- 
gottheit der Bewohner von Walcheren zu 
thun. Was das Wesen der Göttin anlangt, so 
ergiebt sich aus den Bildnissen und Inschriften 
zunächst klar dieBe ziehung zur Schiffahrt. 
Darauf deuten die Darstellungen mit dem 
Schiffs Vorderteil, die Verbindung mit dem 



die Gattung des vierfüfsigen Tieres, das in so Meeresgotte Neptun. Nehalennia ist also die 



dem Schofs der thronenden Göttin ruht, nicht 
mehr festzustellen. Ebenso bleibt zweifelhaft, 
ob die in Naix (dem alten Nasium) gefundene 
Gruppe (sitzende Frau, die Früchte im Schofs 
hält, rechts und links je ein Kind ; zu Füfsen 
ein kleiner Hund) auf Nehalennia bezogen 
werden darf (Desjardins, Comptes rendus de 
l'acad. d. inscr. 4. ser. 13, p. 28 ff. mit Ab- 
bild.). 



Schutzgöttin des Schiffervolkes und der Kauf- 
leute von Walcheren, welche den Gefahren 
der Seefahrt ausgesetzt sind. Ein solcher Kauf- 
mann war wohl T. Calvisius Secundinus (3), 
der ob meliores actus, weil er besonders gute 
Geschäfte gemacht hatte, der Göttin einen Altar 
weihte. Ebenso hatte M. Secund: Silvanus (5) 
Anlafs zur Lösung eines Gelübdes, da die 
Göttin nach gefahrvoller Seefahrt seine Kreide- 



Die beigegebenen Abbildungen veranschau- so ladting glücklich von Britannien nach Wal- 



lichen zur Genüge die Art, wie die Göttin 
dargestellt zu werden pflegte (vgl. im einzel- 
nen den Atlas von Janssen). Sie ist stehend 
(nr. 7. 9. 14. 18. 23) oder auf einem Sessel 
sitzend dargestellt, in matronaler Haltung und 
Gewandung; die zur damaligen Landestracht 
gehörige Kopfbedeckung erinnert an die Bild- 
werke der rheinischen Matronen (Bonner Jahrb. 
83 p. 45). Gewöhnlich sitzt zu ihrer Rechten 



cheren geleitet hat: ob merces rede conservatas 
(über eine besondere Art britannischer ereta 
vgl. Plin. n. h. 17, 45. Boissieu, Inscr. de 
Ijyon p. 430 ff. Marguardt-Mau, Privatleben 
der Römer p. 635 f. Andere negotiatores in 
dieser Branche s. bei Brambach 352. 1628 und 
sonst, Bonner Jahrb. 92 p. 261). Ebenfalls 
für glückliche Überfahrt und Rettung aus Ge- 
fahr scheinen geweiht zu Bein nr. 7. 10. (pro 



ein zu ihr aufschauender Hund (1. 3. 4. 6. 7. 40 se et suis), 26 (ex precepto aram posuit pro 



9. 10. 14. 18. 21. 24. 29.), einmal (15) zu ihrer 
Linken. Mehrfach steht symmetrisch zum 
Hunde auf der andern Seite ein Korb mit 
runden Früchten. Auch nr. 8 fehlt der Hund, 
dafür steht rechts und links je ein Fruchtkorb. 
Ebenso hält die Göttin gerne Früchte im 
Schofs, zuweilen im linken Arm. Auf vielen 
Abbildungen Janssens sind die Früchte nicht 
mehr deutlich zu erkennen. Auf keinem Denk- 



salute fili sui). Der sevir Augustalis der Deutzer 
Inschrift 27 hat den heimischen Kult in seinen 
neuen Wohnsitz mitgebracht. Sonst geben die 
lakonischen Inschriften für den Kult nichts aus. 
Die Zusammenstellung mit Neptun (mehrere 
Votivaltäre desselben sind auf Walcheren 
gefunden worden) bedarf keiner Erklärung. 
Kauffmann macht p. 214f. auf analoge Neptun- 
darstellungen aufmerksam: C. I. L. 5, 7850, 



mal aber hält sie ein Hündchen auf dem 50 von piseatores dem Neptun geweiht, der dar- 



Schofs, was bei dem oben erwähnten Kölner 
Relief der Fall sein soll. Auch die Seitenflächen 
(einigemale auch die Rückseiten) der Altäre 
pflegen mit Reliefs geschmückt zu sein, welche 
meist Pflanzenornamente und Füllhörner dar- 
stellen; dieselben sind rein dekorativ aufzu- 
fassen, ohne Bedeutung für den Kult, da sie 
auch auf Steinen anderer Gottheiten wieder- 
kehren. Besonders beachtenswerth sind die 



gestellt ist stans in scapha, dextra cornu te- 
nens, sinistra tridentem solo innixum; C. I. L. 
10, 6642 ara Neptuni (in Relief: 'rostrum na- 
vis, Neptunus sinistra tridentem, dextra Caput 
delphini tenens', vgl. 6643 ara TranquiUitatis, 
6644 ara Ventorum); vgl. die Poseidondarstel- 
lungen auf griechischen Gemmen und Münzen 
bei Overbeck, Griech. Kunstmythologie 2, p. 301. 
321 (Gemmentafel 2 nr. 4). Was den Hercules 



* Darstellungen auf nr. 7. 9. 18, wo die Göttin 60 anlangt, so sucht Kauffmann wahrscheinlich 

" " ~ " -.-...— - zu macn en, dafs e i ne a it e Legende aus der 

Vorzeit des Landes (s. dieses Lexikon 1 Sp. 
3012 ff.) ihn mit den schifferbeschützenden Gott- 
heiten Nehalennia und Neptun vereinigt hat. 
Vielleicht ist aber zutreffender ein Hinweis 
auf den Hercules Magusanus, dessen Kult wir 
auf Walcheren ebenfalls begegnen (Brambach 
51, in Westkapelle südöstlich von Domburg 



den linken Fufs auf ein Schiffsvorderteil setzt 
(s. Fig. 3), auf nr. 9 scheint sie sich außer- 
dem mit der Rechten auf ein Ruder zu stützen. 
Weiter finden sich auf fünf Altären als Be- 
gleiter der Göttin Hercules und Neptun. Auf 
der linken Seitenfläche von nr. 10 sehen wir 
Neptun mit dem Dreizack, den linken Fufs 
auf ein Schiffsvoiderteil setzend, darunter ein 



83 Nehalennia (keltisch? germanisch?) Nehalennia (Bedeutung) 84 

gefunden; vgl. Peter in diesem Lex. Bd. 1 Sp. deuten können, und nach Thurneysen (bei 
3018ff.). Wir finden ferner als fast ständige Kauffmann p. 215) scheint es nicht leicht 
Attribute der Göttin Fruchtkörbe und den Hund. möglich, ihn aus keltischem Sprachgut zu er- 
Mit Fruchtkörben sind auch die Matronen klären, was natürlich kein Beweis gegen kel- 
ausgestattet: sie sind das Symbol einer segen- tischen Ursprung ist. Gegen keltische Ab- 
und wohlßtandspendenden Gottheit, ohne dafs leitung macht Much (a. 0. p. 325) das h geltend, 
gerade an eine Erntegöttin gedacht zu werden das dem Altkeltischen allerdings gefehlt zu 
braucht. Der Hund ist der treue, wachsame haben scheint, das aber in einigen keltischen 
Begleiter der Schiffe.*) Namen unorganisch und parasitisch auftritt 
Keüi einziges von den Denkmälern läfst 10 (Holder, Altkeit. Sprachschatz 1 Sp. 2047); es 
sich genauer datieren; sie mögen dem 1. bis 3. könnte auch in Nehalennia lediglich Trennungs- 
Jahrhundert n. Chr. angehören. Von nr. 27 zeichen sein, wie es Müllenhoff (Zeitsehr. f. d. 
läfst sich sagen, dafs es frühestens der zweiten Alt. 9 p. 240) z. B. für Baduhenna annimmt. 
Hälfte des 2. Jahrhunderts angehört, weil erst Mit der Ableitung aus dem Germanischen ist es 
seit dieser Zeit die Formel in honorem domus ähnlich schlecht bestellt. Es sind zahlreiche 
divinae häufiger gebraucht wird. Die Dedi- Deutungen aufgestellt worden, von denen hier 
kanten sind natürlich römische Unterthanen, die hauptsächlichsten kurz verzeichnet sein 
die Mehrzahl hat die tria nomina römischer mögen. Nach Zehetmayr {Blatt. f. d.Bayr.Gymn. 
Bürger. Die Namengebung der Peregrinen 17, 170 ff.) ist Nehalennia ,,die Spinnerin", 
Ammacius Hucdionis (1), Flettius Gennalonis 20 identisch mit der Parze Klotho; nach Falch 
(10), Eriattius (oder Biattius) Iucundi (28) (ebenda 16, 407 ff.) ist sie Todesgöttin, iden- 
weist auf Gallien hin (Hettner, Westdeutsche tisch mit Nerthus und Isis (beweisend seien 
Zeitsehr. 2, 7 f. Kauffmann p. 226; vgl. nr. 4 der Hund, die Früchte, Blumen und das Schiff, 
Bacinus Liffionis filius, 6 Servatus Theronis auf dem die Seelen über den Ozean nach 
filius). Einige Namen sind zweifellos keltisch Niflheim fahren). Kerns Deutung „die Mund- 
(7 Ambacthius, s. Bolder, Altceltischer Sprach- schenkin" (identisch mit Freyja) ist von vorn- 
schatz s. Ambactos; 9 Assonius,**) Weiterbil- herein abzuweisen, weil er mit der Wortform 
düng von Asso, wie Sattonius von Satto, Neih- oder Neeh- operiert, die auf schlechter 
Holder s. v.; 10 Gennalonis, keltisch nach Lesung beruht (die Inschriften schreiben den 
Glück, Kelt. Namen bei Caesar p. 150, während so Namen Nehalennia, vereinzelt sind Nehalenia 
Kaufmann?. 227 an den Genehm des Rolands- nr. 2. 11 (?). 14. 20. 28, Nehalaennia nr. 16). 
liedes erinnert; 11 Exomnianius, Weiterbildung Jäkel (a. 0. p. 297 ff.) hält Hercules Magu- 
von Exomnus, Exdbnus, Glück a. 0. p. 191. sanus und Nehalennia für Gatte und Gattin, 
Holder a. 0. 1 Sp. 1489; 15 Nertomarius Ner- Nehalennia könne nur eine chthonische Feuer- 
tonius, Glück p. 76. 81), einige wohl auch und Todesgöttin sein (der weite Mantel die 
germanisch, wenn auch Kauffmann p. 227 ge- stereotype Tracht wie bei Hei, der Göttin 
stehen mufs, dafs er keinen einzigen aus dem des Todes und der Unterwelt; der Hund 
Wortschatze altgermanischer Sprache zu er- Diener und Symbol der Feuer- und Todesgott- 
klären wisse. Wir kommen damit auf die heit [Weinhold, Zeitsehr. f. d. AU. 7, 88 f.]); 
Frage nach der Deutung des Namens Ne- 40 ferner sei sie Schirmerin der Schiffahrt, die 
halennia. Ist er keltisch oder germanisch? Äpfel kennzeichneten sie als Göttin der Ehe 
Die Bataver sind nach des Tacitus mehrfachem und des Kindersegens, die Füllhörner als Ernte- 
Zeugnis ein germanisches, von den Chatten göttin: sie sei also eine lichte und finstere 
abstammendes Volk, welches infolge innerer Göttin zugleich, aber in erster Linie Todes- 
Spältungen seine Heimat verlassen und das göttin (zum Namen vergleicht er griech. v£%vg, 
Mündungsgebiet des Rheins (insula Batavorum) wie Better, Zeitsehr. f. d. A. 31, 208). Ahn- 
in Besitz genommen hat (s. den Artikel Ba- lieh ist sie nach Siebs (Zeitschrift für deutsche 
tavi in Pauly Wissowas Bealencykl). Hier Philologie 24 p. 459) „die Totenbergerin". 
haben sie Kelten angetroffen, wie die Orts- Nach Much (a. 0.) ergiebt sich aus den Be- 
namen z. T. beweisen, haben aber schwerlich 50 standteilen des Wortes neha + lennia die Be- 
die ursprüngliche Bevölkerung ganz verdrängt, deutung des Gestattens, Gewährens, Nach- 
sich vielmehr mit ihr vermischt. An Bich ist gebens oder die des hilfbereiten Nahens, 
es nicht gerade wahrscheinlich, dafs sie den Beistehens. Er meint, wegen der grofsen An- 
Kult der schifferbeschützenden Nehalennia aus zahl der Denkmäler hätten wir es mit einer 
ihrer germanischen Heimat mitgebracht haben, der höheren germanischen Göttinnen zu thun, 
sondern glaublicher, dafs sie ihn auf Walche- sie könne nichts anderes gewesen sein, als 
ren, der westlichsten von den Inseln vor der die im hordischen Mythus verdunkelte Schwester 
Scheidemündung (benachbart den keltischen und Gemahlin Njördrs von Nöatün — der 
Morini) vorfanden und adoptierten, wobei Gefjon, und Gefjon sei nur ein anderer Name 
allerdings möglich ist, dafs sie den keltischen 60 für Nerthus: also sei Nehalennia die germa- 
Namen germanisch ummodelten. Schreiber nische Erdmutter. Kauffmann endlich (p. 215ff.) 
(Die Feen in Europa p. 65 ff.), Simrock (My- geht bei seiner Deutung von dem Schiff aus 
thol* p. 354. 357) u. a. halten den Namen für (lat. navis). Er identifiziert nach dem Vor- 
keltisch, ohne dafs sie ihn aber befriedigend gang Früherer (vgl. Lersch, Bonn. Jahrb. 9, 

lOOff. Schaaffhausen, Bonn. Jahrb. 76, 31 ff. 

*) über Xehalen.ua als angebliche» Vorbild der hl. Drexler in diegem Lex. 2 Sp. 548 f. B. Koegel, 

Walburgis (ihre Hauptsymbole dr 6l Ähren und der Hund, ß MM d deutschen Litterotur 1, 1 p. 23). 

s. E. L. Rochholn, Drei Gaugotttnnen (Leipzig 1870) p. 13 n. ^**n*mmv * , r , 

**) Zu trennen von A S com*s. Nehalennia mit der I sis de B Tacitus (Germ. 9) 



85 



Nehalennia (Tempel) 



Neikos 



86 



und behauptet, dafs eine Vergleichung der 
Isisdarstellungen mit denen der Nehalennia 
Zug um Zug das Resultat ergebe, dafs die 
Nehalennia der batavischen Küste als eine 
Erscheinungsform der Isis myrionymos von 
den römischen Unterthanen verehrt worden sei, 
oder wie er sich in Boschers Lex. 2 Sp. 549 
ausdrückt, dafs die Darstellung der Nehalennia 
Zug um Zug dem Isiskult entlehnt sei. Dem 
gegenüber mufs betont werden, dafs Isis- und 
Nehalenniadarstellungen keineswegs eine so 
schlagende Analogie bieten. Kopfputz und 
Gewandung sind nicht so gleichartig, wie be- 
hauptet wird. Nehalennia trägt niemals ein 
Füllhorn. Es ist nicht als erwiesen zu er- 
achten, dafs die suebische Göttin, die der Ge- 
währsmann des Tacitus für Isis halten zu können 
glaubte, mit der Nehalennia des kleinen Schiffer- 
völkchens von Walcheren identisch sei. 

Ganz willkürlich ist ferner der wiederholt ge- 
machte Versuch, die Nehalennia mit dem Mütter- 
und Matronenkultus in Zusammenhang zu 
bringen, etwa in der Weise wie es Wolf (Beitr. 
1, 158) thut, als seien die drei Matronen aus 
einer Nehalennia hervorgegangen, wie die 
Moira, Charis u. s. w. sich in drei Moiren, 
Chariten u. s. w. aufgelöst hätten. Der mit 
den Nehalenniasteinen bei Domburg gefundene 
Altar (Janssen 10, 20. Brambach 49) stellt nicht 
drei Nehale'nnien, sondern drei Matronen dar, 
die Inschrift ist völlig unleserlich (Ihm, Bonn. 
Jahrb. 83 p. 81. 50 u. 156 zu nr. 339. Kauff- 
mann p. 215 Anmk. 2). 

Dafs am Strande in der Nähe des Ortes, 
wo die Nehalenniasteine aufgetaucht sind, 
sich ein Heiligtum der Göttin befunden 
hat, darf wohl als sicher gelten, wenn auch 
auf die Nachrichten von angeblichen Tempel- 
überresten wenig Verlafs ist. Einige Zeugen- 
aussagen gehen dahin, -dafs am Strande eine 
Zeit lang die Fandamente einer Art runder aedi- 
cula von mäfsigen Dimensionen sichtbar ge- 
wesen seien (Keysler p. 290; vgl. Bonn. Jahrb. 
12, 26 und 76, 47), das haben aber die 
Gewährsmänner des Vredius (p. LXXI) ent- 
schieden bestritten (vgl. Janssen p. 120 f. Kauff- 
mann p. 234). Von einem „prächtigen Tempel" 
zu reden, ist jedenfalls nicht ganz angebracht ; 
ein Heiligtum — ob ein Bau oder nur ein 
heiliger Bezirk, sei dahingestellt — wird vor- 
handen gewesen sein. Kauffmann glaubt, dafs 
wir über die Schicksale desselben unterrichtet 
sind wie über kaum ein zweites Monument 
auf germanischem Boden. Bereits Vredius 
macht darauf aufmerksam, dafs der heil. 
Willibrord, als er gegen Ende des 7. Jahrhun- 
derts auf einer Missionsreise Walcheren be- 
suchte, dort ein antiqui erroris idolum vorfand 
und in seinem heiligen Eifer zertrümmerte: 
'venu ad villam quandam WaUehrum*) nomine, 
in qua antiqui erroris idolum remansit. Quod 
cum vir dei eelo fervens confringeret praesente 
eiusdem idoli custode qui nimio furore succen- 
sus quasi dei sui iniuriam vindicaret , in im- 

*) Die Insel Walcheren wird vor dem 8. Jahrhundert 
nicht erwähnt. Sie war vielleicht zur Zeit des "Willi- 
hrord noch nicht vom Festland losgerissen {Kaufmann 
p. 228). 



petu animi insanientis gladio caput sacerdotis 
Christi percussit; sed deo defendente servum 
suum nullam ex ictu ferientis lesuram sustinuit' 
u. s. w. Das erzählt Alcuin in seiner prosa- 
ischen vita s. Willibrordi cap. 14 (Kauffmann 
p. 229). In der poetischen Bearbeitung dage- 
gen heifst es confringere fanum neben idoli 
custos (Poetae lat. aevi Garolini 1,212, XIV). Auf 
Alcuin fufst im wesentlichen die geschwätzige 

10 Darstellung Thiofrids (Anfang des 12. Jahr- 
hunderts; Thiofridi Epternacensis vita Willi- 
brordi metrica, rec. Konr. Bossberg, Lips. 1883), 
der aufserdem eine uns verlorene, von einem 
Schottenmönch verfafste vita des Heiligen ge- 
kannt hat. Aus der bei Kauffmann p. 231 (p. 25f. 
der Ausgabe der Bossberg) abgedruckten Stelle 
geht hervor, dafs bei der Zerstörung der heidni- 
schen delubra auch ein elementares Ereignis mit- 
gewirkt hat: eine Sturmflut soll das Heiligtum 

80 (Thiofrid spricht von aedes und delubra) samt 
seinen Statuen und Altären vernichtet haben. 
Von diesen Berichten verdient entschieden den 
meisten Glauben die prosaische Darstellung 
des Alcuin, wo nur von einem idolum, einem 
Götterbild, die Rede ist. Spätere wissen, was 
es für ein Götterbild war: Melis Stoke spricht 
von einem Mercurius, ein anderer von einem 
'beeide van Wodan' (die Zeugnisse bei Kauff- 
mann p. 232 f.). VrediuB und nach ihm Kauff- 

30 mann haben an das Nehalenniaheiligtum bei 
Dombnrg gedacht, wenn auch die biographi- 
schen Notizen aus der Missionsreise Willibrords 
sich zunächst nur auf das südwestlich von 
Domburg gelegene Westkapelle beziehen, wo 
keine Nehalenniaaltäre gefunden sind (aus 
Westkapelle stammt die Votivinschrift an den 
Hercules Magusanus, Brambach nr. 51). Willi- 
brord kann, das mufs zugegeben werden, von 
dort auch nach Domburg gekommen sein, um 

40 da in seiner heiligen Zerstörungswut fortzu- 
fahren. Es können die Denkmäler der römi- 
schen Vergangenheit des Landes, der Tempel 
der Nehalennia mit seinen Bildern und Altären, 
von christlichen Händen demoliert und ins 
Meer geworfen worden sein. Aber es bleibt 
eine Vermutung, ein zwingender Beweis fehlt 
ans. Der Rumpf des Neptun, zu dem an ent- 
fernter Stelle der Kopf gefunden wurde (Vre- 
dius p. LXX), liefert einen solchen auch nicht. 

50 Wer weifs, ob nicht längst, bevor Willibrord 
kam, eine Sturmflut die Nehalenniaaltäre in 
Meer und Sand begraben hatte. [M. Ihm.] 
Nehemauit s. Nemanus. 
Neikaios s. Nikaios. 
Nelke s. Nike. 

Neikephoros s. Nikephoroi Theoi. 
Neikos (NeiKog) Personifikation des Hasses. 
Ntfasa nennt Hesiod (Theog. 229) unter den 
Ausgeburten der Eris. (Braun, Gr. Götterl. 

60 §261. 266. Gerhard, Griech. Myth. 1 § 602, 3). 
Ähnlich bezeichnet Timon Eris als NeCxrjg 
ävSQOcpovoio yuteiy vfjxn , jedenfalls eine freie 
Erfindung des Dichters (Frg. 14. Sillogr. Gr. 
ed. Wachsmuth 113 f.). Inwieweit sich Em- 
pedokles seine weltbewegenden Kräfte vsi- 
koq und filörri? persönlich dachte, läfst sich 
nicht feststellen; „er hat sich den Begriff der 
Kraft noch so wenig klar gemacht, dafs er sie 



87 Neilagogos Neilos (Name und Bedeutung) 88 

weder von den persönlichen Wesen der Mytho- (lateinisch Melo) haben aufser Thrasyllos iv 

logie, noch von den körperlichen Elementen zoig Atyvnziaxoig (?) bei Ps. Plut. de fluv. 16 

bestimmt unterscheidet" (Zeller, Philos. d. auch Eustath. zu Dion. Perieg. 222 und Sero. 

Griech. I 5 , 770). Spätere Maler stellten die Verg. Georg. 4, 291 (vgl. die hebräische Be- 

Gottlosen in der Unterwelt dar ptz ägäg xul Zeichnung "nrnü der schwarze Flufs Jes. 23, 3. 

ßkaacpriiiias *ul tpdövov Kai OTÜascag xai vtinovg Jer. 2, 18, Wiedemann, Herodots 2. Buch 

(Ps. Demosth. 25, 52 p. 786 B.). [Wagner.] S. 76). — Das Wort NiiZog leitete man im 

Neilagogos (NsiXaymyög), Beiname des Sa- Altertum, abgesehen von vereinzelten Deutun- 

rapis, nach Drexlers (Philologus 1893 p. 576) gen aus Personennamen (s. u.), meist ab von 

Deutung der Inschr. Inscr. Gr. Sic. et It. 1028. 10 dem neuen Schlamme, den der Nil alljährlich 

[Drexler.] mit sich führt: uitb tov vsav xatdysiv IXvv 

Neilasios (NsiXäaiog), einer, nach welchem, mal x,tQ<sovv zb nelayog Tzetz. Lycophr. 119. 

wie manche behaupteten, der Flufs Neilos be- Schot. Theoer. 7, 114. Etym. m. p. 602, 9 (di« 

nannt war; doch spricht dagegen Arrian. b. rö vsä£ei.v ztjv vXr\v p. 828, 21). Nonn. Dionys. ' 

Eustath. Dion. Per. 222. [Stoll.] 3, 275 ff. Heliod. Äeth. 9, 22. Diese Ableitung 

Neilens (NnXsvg u. NeiXtcog), 1) ein alter enthält vielleicht insofern ein Körnchen Wahr- 
ägyptischer König, von dem der Flufs Neilos heit, als der ägyptische Name des Nils Ahn- 
seinen Namen hatte, weil er zahlreiche Kanäle liches bezeichnet. „Der Nil wurde zu einem 
anlegte und vieles andere zur Nutzbarmachung Urwasser , zu einem chaotischen feuchten Ur- 
des Stromes that (Biod. 1, 19 u. 63. Schol. 20 schlämm, dessen Name Nu oder Nun, d. h. das 
Theoer. 7, 114., vgl. Usener, Götternamen 12 f.). neue junge Wasser der Überschwemmung, von 
— 2) ein Gegner des Perseus, der sich fälschlich derselben Bezeichnung des Nils hergenommen 
rühmte, ein Sohn des Nils zu sein, Ov. Met. ist, dem auch nach der Versicherung Horapollons 
5, 187ff. — 3) dorische und äolische Form für (1, 21) die Aigypter zur Zeit der Schwelle den 
NriXsvg (vgl. die von Usener a. a. 0. ange- Namen Novv, SQfirjvsv^sv Ss arifiaivei viw, 
führten Stellen und Busolt, Griech. Gesch. l a , beilegten." Brugsch, Aegyptologie S. 27. Belig. 
305). [Wagner.] u. Mythol. d. alt. Ägypter S. 107 f. 143. Eine 

Keilo (NeiXoö). In einer Komödie des Epi- arithmetische Spielerei war es, wenn man aus 

charmos, Hochzeit der Hebe, in welcher er der Summe der Buchstaben NsiXog die Zahl 

sieben Musen, Töchter des Pieros und der so 365 herauslesen wollte (Heliod. 9, 22. Eustath. 

Nymphe Pimpleis, annahm und nach Flüssen zu Dion. Perieg. 222). Die in neuerer Zeit 

benannte, hiefs eine Neilo. Tzetz. zu Hesiod. versuchte Erklärung aus dem indischen nilas 

Opp. init. G. Hermann, de Musis fluvial. Epi- schwarz von dem schwarzen Schlamme des 

charmi et Eumeli (Opusc. 2 p. 289.). Buttmann, Flusses (v. Bohlen, Indien 2, 458; vgl. den 

Mythol. 1 S. 274. Boediger, Die Musen, Jahrb. Namen Melas, und die Angabe bei Diod. 1, 

f. class. Philol. Supplbd. 8 p. 263. Lorenz, Epi- 37, 9, dafs von den Einwohnern von Meroe 

charmos 129 f. Preller-Bobert , Griech. Myth. der Nil, d. h. der Bahr el Asrak, 'Aatänovg, 

I 4 , 491. [Stoll.] auf griechisch Jk zov a%özovg vSmq, genannt 

Neilos (NsiXog, vgl. Etym. m. s. v. NetXog. werde), darf als abgethan gelten. Herleitungen 

Tzetz. Lycophr. 119; dorisch N^Xog Choerob. 40 aus dem Ägyptischen versuchten Jablonsky, 

in (kamers Anecd. Ox u 2, 240, 27). Panth. Aeg. 2, 156 und Champollion, l'Egypte 

1) Der Stromgott Ägyptens. 1 S. 133 ff. (vgl. Winer, Bibl. Bealwörterb. u. 

t *t j -r^ *. Nil )i aus dem Hebräischen bn Flufs Lepsius 

I. Name und Deutung. Chr s 275 . eine befriedigende'Etymologie ist 

Der gewaltige Strom Ägyptens fesselte durch jedoch noch nicht gefunden (Wiedemann a.a. 0. 

das Geheimnis seines Ursprungs, durch seine S. 93). Zuletzt hat Usener (Göttemamen 1Z f.) 

alljährlichen Überschwemmungen und deren in scharfsinniger Erörterung NelXog (dor. Nij- 

segensreiche Folgen seit ältester Zeit die Auf- *os) mit N^Xsvg in Verbindung gebracht und 

merksamkeit der Griechen. Bei Homer heifst als Götterstrom gedeutet. 

er nach dem Lande Aigyptos (Alyviczoio Su- 50 

xszios nozatioio Od. 4,477 m. Schol. und sonst; n. Neilos als Gott. • 

vgl. Nearch. b. Strab. 15, 691 u. Arrian. Anab. Im alten Ägypten wurde der Nil unter 

5, 6, 5, sowie. andere von Pape- Benseier ange- dem Namen Häpi verehrt. Als F ( lufsgott 

führte Stellen). Der Name Neilos erscheint zuerst gehört er ursprünglich zu den niederen Gott- 

bei Hesiod (Th. 338) im Katalog der Flüsse, der heiten (vgl. Catal. of the Greek coins in the 

freilich nach Bergk (Griech. Litt. 1, 981) später Brit. Mus. Älexandria LXXI), aber die un- 

eingeschoben ist, bei Solon (Frg. 28) und geheure Bedeutung des Stromes erhob ihn 

Hecat. Frg. 277 ff. Daneben findet sich Triton später zu einer Ausnahmestellung. Aus der 

als alter Name des Nils bei Lycophr. 119 und ältesten Zeit haben sich keine Beste seiner 

576 m. Schol. u. Tzetz. Apoll. Bhod. 4, 269 m. 60 Verehrung gefunden. Die frühesten Erwäh- 

Schol. aus Hermippos. Plin. n. h. 5, 54 (vgl. nungen des Häpi kommen im Totenbuche vor. 

über Triton als heiligen Strom Bergk, Jahrb. Im neuen Reiche dagegen ist sein Kultus all- 

f. Philol. 1860 S. 289. Drefsler, Triton u. d. gemein verbreitet, wie besonders die Felsen- 

Tritonen. 1, 2.). Die Reihe der aufeinander- Inschrift Ramesses 2. in Silsilis bezeugt (». 

folgenden Namen lautet bei Diodor (1, 19, Strauß und Torney, Altäg. Götter u. Götter- 

vgl. 1, 12, 5 und. Tzetz. Lycophr. 119 u. 576) sagen S. 417 f.). Trotzdem spricht Brugsch die 
Okeanos Aetos Aigyptos Neilos, bei Thrasyllos Vermutung aus, dafs „der Kultus der Majestät 
Melas Aigyptos Neilos. Den Namen Melas des Nun als Nilgott Häpi" vielleicht zu den 



89 Neilos (als Gott) Neilos (als Gott; Kult) 90 

ältesten Formen der Götterverehrung in Ägypten während er c. 32 die Ansicht verwirft, dafs 
gehört habe. Denn die Nilüberschwemmung Isis im allgemeinen die Erde bedeute, die 
spiegelte das uranfängliche Schöpfungswerk sich mit Okeanos vermählt; c. 34 nennt er 
(s. o.) alljährlich im Kleinen wieder (Brugseh, geradezu Osiris Okeanos und Isis Tethys. Die 
Mythol. S. 638 f.). So hebt auch Plutarch Gleichsetzung des Nils mit Osiris kehrt wieder 
(Is. et Os. 5) hervor, dafs nichts bei den bei Aelian.^ nat. an. 10^ 46, Heliod. 9, 9 (»gps 
Ägyptern in so hohen Ehren stehe, wie der äs zovg [vvazag law zr\v yijr nal "Ooiqiv zov 
Nil; Prodikos nannte ihn einen Gott der Neilov v.azayysllovoi, zu ngdyp,aza zotg ovö- 
Ägypter (Sext. Empir. adv. mathem. 9, 18. uaat fisTaXapßävovxeg) und Euseb. pr. ev. 3, 11 
Zeller, Griech. Philos. 1 , 2 6 , 1134), vgl. das 10 ("Ooigig iaziv 6 Nsilog, ov i£ ovgavov %aza- 
Fragment der Danais b. Giern. AI. Str. 4 p. 224 q>sgse&ai oiovzai, vgl. Sunszrjg bei Homer, 
Sylb. nozapov NsiXoio avcmzog, das Epigramm Wiedetnann 199), sie beruht auf ägyptischer 
des Hedylos Ath. 11 p. 497 c, Heliod. 9, 9, eine Anschauung (Brugseh, Mythol. 613, 638). Da- 
jüngst in Philai gefundene trilingue Inschrift gegen nennt Pindar den Nil einen Sohn des 
aus der Zeit des Augustus &eoig itazo[(oiotq Kronos (Nslloio ngbg ittov xetisvog Kgoviäa, 
nal N]sila> evvXr]itzogi (Maspero, Acad. d. Pyth. 4, 56), und der Scholiast fügt hinzu: 
Inseript. ei Beiles- Lettres, C. B. 1896, 108 ff. zov äs Nsilo» ävzl zov /iwg cprjoiv, insiSr) 
Berl. philol. Wochensihr. 1896, 606), und die xctoa zoig Alyvitzloig zipüzai mg 9sög, . . . tag 
Inschrift auf alexandrinischen Münzen der *al IIagfi.svmv Alyvnzis Zsv Neils (vgl. Athen. 
Kaiserzeit Beo saneto Nile (Eckhel B. N. 20 5, 203. Eudoc. Viol. p. 305). Auch Osiris wurde 
4, 37). Er wird als der Spender alles Frucht- nach Biodors Angabe auf einer Inschrift in 
segens verehrt und deshalb Ath. 5, 203 mit Nysa als ältester Sohn des Kronoa bezeichnet 
Triptolemos verglichen; wie denn auch ein (1, 27, 6). Bei Aristeides (Or. 1 p. 10 Bind.) 
Vasenbild des 3. Jahrhunderts die Aussendung heifst der Nil ein Sohn des Zeus, der, von ihm 
des Triptolemos geradezu an den (inschriftlich zum Statthalter über Ägypten eingesetzt, dem 
bezeichneten) Nil verlegt {Petersburg nr. 350, Lande alle die Segnungen spendet, die Zeus 
abgeb. Stephani, Gompte rendu 1862 Taf. 4 u. 6). der ganzen Erde verleiht. Nach einer andern 
Die seit Hekataios (Frg. 279) den Griechen Stelle des Aristeides war einer der griechischen 
geläufige Anschauung, dafs Ägypten ein Ge- Heilgötter gleichnamig mit Neilos (48 p. 488 
schenk des Nils sei, findet in altägyptischen so Bind.). Dazu stimmt, dafs von Suidas (s. v. 
Nilhymnen und andern Inschriften schwung- Sägaaig) Sarapis mit dem Nil in Verbindung 
vollen Ausdruck (Brugseh, Mythol. 639 f. v. gebracht wird, und dafs ihm auf Münzen ge- 
Strauss und Torney 419. Wiedemann 59). Der legentlich das dem Nil gebührende Füllhorn 
Glaube, dafs alles Leben aus dem Flusse her- beigegeben wird (Gr. Goins in the Brit. Mus. 
vorgehe, verdichtete sich in Griechenland früh- Alexandria p. LXII, Taf. 15, 1102). Vgl. im 
zeitig zu der Vorstellung, dafs der Nil in allgemeinen über die häufige Identifizierung 
wunderbarer Weise aus sich heraus lebende der ägyptischen Gottheiten mit einander Ed. 
Wesen erzeugen könne: NsiXog Ss...\ 6ag- Meyer, Gesch. des Altert. 1, 141. Mit andern 
xovpsv vygä dsopözcizi £coa eoäfiaz' avSiSot griechischen Gottheiten setzten den Nil die 
Frg. lyr. ädesp. 84 Bergk (wahrscheinlich 40 Theologen in Verbindung, deren Ansichten 
Pindar). Hippys b. Sehol. Apoll. Bhod. 4, 262. Cicero de nat. deor. 3, 21 ff. wiedergiebt: er 
Biod. 1, 10 (vgl. Preller-Bobert, Griech. Myth. war der Vater des Hephaistos und durch ihn 
I*, S. 32). Die allmähliche Entstehung von Grofsvater des einen Helios (c. 21, 54. Biog. 
Tieren aus dem Nilschlamm schildert Ovid Laert. prooem. 1. Arnob. adv. nat. 4, 14 p. 
(Met. 1, 422 ff.), womit die Angabe bei Hora- 152, 1 Beiff.), der Vater des Dionysos, der 
pollon 1, 25 zu vergleichen ist: anlaazov äv- Nysa gründete (c. 23, 58), ferner der Vater 
&QamovyQdq>ovzsgßäzQa%ovl;<»yQaq>ovGiv, insiSJ} der Athene, die in Sais verehrt wurde (c. 23, 
ij zovtov ysvsoig ex zr\g zov nozctfiov IXvog cwro- 59. Arnob. p. 152, 12), sowie endlich des 
vsXsizai, o&sv nal soft' ozs OQÜxat. ztö psv szsqco vierten Hermes (Arnob. p. 152, 7). — Von 
HSQSi. avzov ßazQd%<p, zm äs Xoutw yeädsi zivl 50 den 'weiblichen Formen der Nilgottheit' (Nech- 
sptpsQrjg. ' ' ' bit und Uat-uer, Brugseh, Mythol. S. 641 f.) 
Bei Hesiod eröffnet der Nil die Reihe der scheinen die Griechen nichts gewufst zu haben, 
von Okeanos und Tethys erzeugten Flüsse ebensowenig von dem himmlischen Nil (Brugseh, 
(Theog. 338, vgl. Hyg. fab. praef. p. 11 Schmidt, Aegyptol. S. 323. 326); doch wirft Bohde (Psyche 
anders Acus. Frg. 11 a), oder, geographisch S. 416) die Frage auf, ob nicht bei der spät- 
ausgedrückt, der Nil fliefst aus dem Okeanos griechischen Versetzung des Okeanos an den 
(Hecat. Frg. 278). Nach Biodor (1, 12, 1 f. Himmel ägyptische Einflüsse mitgewirkt haben 
aus Hekataios v. Abdera, vgl. Susemihl, Ale- könnten. 

xandr. Litt. 1 S. 313) erklärten die Ägypter Über den Kultus des Nilgottes finden wir 
den Nil selbst für Okeanos, wie die Griechen so das älteste griechische Zeugnis bei Hekataios: 

das Feuchte, aus dem alle Dinge hervorge- in der Stadt NsiXog (Pi-Häpi, Nilopolis in 

gangen sind, 'Slxsuvri nannten (vgl. Preller- Mittelägypten) bestand ein Heiligtum des Gottes 

Bobert l* 31 f.). Dementsprechend war nach (Steph. Byz. s. v. Neilos. Forbiger, Hdbch. d. 

Plutarch (Is. et Os. 36) der Nil, wie alles alt. Geogr. 2, 799. Brugseh, Mythol. 641). Doch 

Feuchte, ein Ausflufs des Osiris ('Oatoiäog mufs es in den meisten Städten Priester des 

änoQQori), sowie Isis alles Land, was der Nil Nils gegeben haben; denn Herodot berichtet, 

bewässert (ib. 38; vgl. die Grabschrift einer dafs alle Mensohen, welche im Nil umkamen 

Priesterin der '/eis Nsilüzig C. I. G. 6202), oder von Krokodilen getötet worden waren, 



91 Neilos (Kult, Feste) Neilos (Kult) 92 

da, wo sie der Flufs ans Land spülte, von riesigen Dämonen bewacht (Wiedemann 115). 
dessen Priestern feierlich bestattet wurden Dafs ein Dämon an der Nilquelle steht, wufste 
(2, 90. Wiedemann 364). Doch scheint der schon Pindar nach Philostratos {Vit. Apoll. Ty. 
Nil nicht viel eigne Tempel gehabt zu haben, 6, 26. Frg. 282). Imag. 1,5 wird er beschrieben: 
sondern meist mit andern Gottheiten zusammen ysyqanzai. äs ovQavoii^Krjs inivoijeai «ai zbv 
verehrt worden zu sein. Dagegen wurde ihm noSa H%si ngog zaig nriyaig. Nach Sehol. Arat. 
ein grofser Teil der ägyptischen Feste ge- Phaen. 282 hiefs dieser Dämon Ganymedes: 
feiert (Wiedemann S. 365). Die Nsiläu beim zbv ravvfi^äjjv yäg avzbv stpaaav ql nsql TJiv- 
Beginn der Nilschwelle, deren Eintritt bis äaqov snazovzoqyviov aväqiävza(äväqaTj, dcp' ov 
in unsere Tage festlich begangen wird (vgl. 10 Trjg Kiv^ascag zä>v noämv zbv Nsilov nlrjfifivqsiv 
Bädeker, Ägypten* XCVI1I), nennt HeKodor (9,9) (vgl. Preller-Bobert, Griech. Myth. I 4 , 500). 
das grölste Fest der Ägypter. In Arsinoe, wo Sonst war im Altertum die Ansicht, dafs der 
man es in der Mitte des Monats Payni beging, Nil sein Haupt verberge, weit verbreitet: bei 
wurde sogar das Bild des Capitolinischen dem durch Phaethons Fahrt herbeigeführten 
Iuppiter sig navriyvqiaiibv Nsilaiatv bekränzt Weltbrande sollte er sich ins Innere der Erde 
und aus dem Tempel herausgetragen» nach den geflüchtet und sein Haupt verhüllt haben 
von Wilcken aus einem Berliner Papyrus ver- (Ovid. Met. 2, 254 ff.). — Auch die mit wun- 
öffentlichten Tempelrechnungen dieses Gottes derbarer Regelmäßigkeit eintretenden Nil- 
v. J. 215 n. Chr. (Herrn. 20, 441. 475). Die Überschwemmungen wurden auf übernatür- 
Feier in Syene schildert Heliodor 9, 22 : a>s äs 20 liehe Ursachen zurückgeführt (vgl. Schol. Arat. 
zqv soQztjv sns&siafav, snl psya Nsilov al'qov- a. a. 0.). Es bestand die Auffassung, daft die 
zsg, 'ßpo'v zs (falsch nach Wiedemann 365) xal Wasser des Nils beim Steigen nicht vom 
^siämqov a.noyialovvxsg,Alyvnzov zs olrjg zrjg [isv Oberlauf des Stroms her anwachsen, sondern 
cEjxo ecoxrjQU tjjs xarra äs Kai nazega xal äripiovq- unmittelbar aus der Tiefe emporsteigen (Lep~ 
yöv, viav tlvv äi izovg sitäyovza %al Nsilov iv- sius, Denkm. 3,217 b, Ephor. Frg. 108 Älxijv 
zsv&sv 6vofia.t,6fi£vov, zag zs izrjaiovg mqag cpqcl- läqäzog iura zbv %aiqbv rov xavfiazog; andre 
£ovza, &SQivriv fisv taig av£iai fiezomoqivfjv Stellen bei Wiedemann 115). Bei den Ein- 
äs zaig vitoorfiGeoi, xal zijv saqivijv zoig zs heimischen herrschte angeblich die Ansicht, 
*ax' avzbv yvopsvoig av&soi Kai zaig zmv dafs der Nil durch die von Isis um Osiris ver- 
xqoitoäsiltav moroxiaig, xal oväsv all' rj zbv so gossenen Thränen anschwelle (Patts. 10, 32, 18). 
iviavzbv avzittQvg slvai zbv Nsilov. Mit eben- In geheimnisvollem Zusammenhang mit dem 
so überschwenglichen Worten wird der Nil Nil stand der Inoposflufs auf Delos (Alymtzoio 
auch von Aristeides (or. 1 p. 10. Dind., vgl. 'ivamoio Callim. h. in Dian. 171), dessen 
Greg. v. Nag. or. 39 p. 626) gepriesen. Nil- Wasser während der Nilschwelle gleichfalls 
hymnen werden schon von Aischylos erwähnt steigen sollte (Callim. h. in Del. 206 ff. Strab. 
(linä" Izi Nsilov | itqo%oäq esßm/isv vpvoig 6, 271. Paus. 2, 5, 3, wo der Nil auch mit 
Suppl. 991), und zahlreiche Beispiele haben dem Euphrat gleichgesetzt wird, Plin. n. h. 
sich auf ägyptischen Denkmälern erhalten 2, 229, vgl. Bursian, Geogr. v. Griech. 2, 452). 
(Wiedemann S. 365. Brugsch, Mythol. S. 639 f.). Dasselbe behauptet Plutarch (Süll. 20), offen- 
Bei Gregor v. Naz. werden erwähnt ai äi w bar wegen der Namensgleichheit, auch von 
avägoyvveav rifiai rov Nsilov. Diesen Kultus dem Flusse Melas in Boiotien. Durch sorg- 
schaffte Konstantin der Grofse ab, ohne dafs faltige Beobachtung des Kultus, durch Gebete 
dadurch, wie man gefürchtet hatte, die Über- und Opfer glaubte man die Überschwemmung 
schwemmungen abnahmen (Euseb. vit. Const. befördern zu können. Als einmal unter Valen- 
4, 25). Ebenso liefs Konstantin zbv ni\%vv zov tinian II. der Nil langsamer stieg, zürnten die 
Nsilov v.al zu avfißola aus dem Serapeion in Ägypter, weil ihnen nicht mehr gestattet war, 
eine christliche Kirche bringen, Julian aber dem Nil nach altem Herkommen zu opfern, 
versetzte sie an ihren alten Standort zurück und es wäre beinahe ein Aufstand entstanden 
(Sozomenos 1, 8, 5. 5, 3, 3). Die Verehrung des (Sozomenos 7, 20, 2 ff., vgl. Euseb. vit. Const. 
Nilgotts war also im 4. Jahrhundert noch in 50 M. 4, 25). Dafs man in höchster Not sogar 
voller Kraft. Servius (Verg. Georg. 4, 363) er- dazu verschritt, durch ein Menschenopfer den 
zählt, dafs bei den Nilopfern an gewissen erzürnten Gott zu versöhnen, ist bei der nn- 
Tagen pueri de saeris parentibus nati von den endlichen Bedeutung der Überschwemmung für 
Priestern den Nymphen übergeben wurden. das Land an sich nicht unmöglich, für die 
Herangewachsen erzählten diese, es seien unter ältere Zeit aber keinesfalls anzunehmen, denn 
der Erde Haine und ein gewaltiges Wasser, es widerspricht dtr altägytischen Anschauung, 
ans dem alles hervorgehe. Damit läfst sich und es ist uns auch kein antikes Zeugnis für 
vergleichen, dafs nach dem ägyptischen Toten- diesen Brauch erhalten. Wohl aber wird er- 
buch (c. 146) Isis oder Osiris den Toten beim zählt, dafs im Jahre 644 n. Chr., als der Nil 
dreizehnten Thore der Unterwelt ihre Arme eo nicht stieg, die Ägypter nach alter Sitte ihm 
öffnet, um ihnen sichtbar zu machen den Nil eine Jungfrau opfern wollten, aber von Amru, 
in seiner Verborgenheit. dem arabischen Feldherrn, der eben Ägypten 
Doch scheint dabei gedacht zu sein an die erobert hatte, daran verhindert wurden (Lum- 
schon in einem Pyramidentexte (Unas 319 f.) broso, L'Egitto dl tempo dei Greci e deiBomani 
erwähnten Nilhöhlen bei Elephantine, in denen 4. Wiedemann 215). Und in der That be- 
manche die Nilquellen suchten (vgl. Herodot gegnet uns eine „Nilbraut" in einer freilich 
2, 28). Nach der zugehörigen Abbildung im durch ihre Herkunft zweifelhaften Sage: Ps.- 
Totenbuch erscheint diese Stätte von zwei Plutarch berichtet (de fluv. 16, angeblich nach 



93 



Neilos (als König) 



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4$ 



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I 

ff 



Thrasyllos sv roig Atyvntiaitots) , der Flufs 
Melas sei Aigyptos genannt worden, nachdem 
sich König Aigyptos aus Schmerz darüber, 
dafs er wegen der ausbleibenden Überschwem- 
mung seine Tochter Aganippe opfern mofste, 
ja den Strom gestürzt habe. Bemerkenswert 
ist auch ein bis in neuere Zeit erhaltener 
Brauch beim Feste der Nilöberschwenimung 
in Kairo: in dem Kanäle, in den sieh das 



Neilos (griechische Sagen) 94 



ganger des bei Herodot 2, 111 als Nachfolger 
des Sesostris genannten $£Qmv, des 0agam 
der Bibel. — Die Griechen setzten den Nil 
natürlich vor allem zu den Nachkommen der 
nach Ägypten gewanderten Io in genealogische 
Beziehung. Diese selbst war nach Lucian 
(dial. deor. 3) von Zeus deshalb nach Ägypten 
gebracht worden, um dort als Isis die Nilüber- 

— -—«--, :- -"" ~— "~ schwemmungen zu beaufsichtigen, und zwei 

Wasser ergiefsen soll wird eine Riesengestalt io Wandbilder aus dem Isistempel zu Pompeji 
mit bekränztem Haupte, „die Braut", errichtet, bei Heibig nr. 138 f. stellen dar, wie der Flufs- 
welchevon den eindringenden Fluten zerstört gott (den man freilich auch als Triton auffassen 



wird (Lumbroso a. a. 0. 6 ff.). — Dem Nil- 
wasser wurden wunderbare Eigenschaften zu- 
geschrieben. Es war vöaoig &9t)irov (Aesch. 
Suppl. 543), aus ihm erwächst den Sterblichen 
das belebende Blut (823 ff.), was der Scholiast 
dahin erläutert: agQtvoyovov yäg zb vöcdq tov 
Neüov, o&tv Zivg nuov tzsxev "Aesa. Dafs 



-i„ = Mi i- m — ,.": " , v °"-" al ° " co -^seuur um r>eios. Dagegen war nach 

das Nilwasser die Fruchtbarkeit der Weiber 20 Pherekydes (Frg. 40 b. Schal. Apoll. JRhod 3 



könnte) die auf seiner Schulter sitzende Io ans 
Land hebt, um sie der Isis zuzuführen. Ihr 
Sohn Epaphos heiratete nach Apollodor (2, 1, 
4, 1) Memphis, die Tochter des Neilos, nach 
der die Stadt den Namen erhielt. Beider 
Tochter Libye wurde von Poseidon Mutter 
des Agenor und Belos. Dagegen war nach 



befördere, sagen auch Aristot. b. Strab. 15, 695. 
Aelian. nat. an. 3, 33. Plin. n. h. 7, 33. Senec. 
Quaest. nat. 3, 25. Nach P/m«, de Is. et Os. 6 
machte es fett, deshalb durfte der Apis nicht 1 
davon trinken. Nach ägyptischer Auffassung 
erhielt das aus dem Nil geschöpfte frische 
Wasser dem Toten die Jugend (Maspero, 
Notices et Extraits 24, 99 f. Bohde, Psyche 679). 
Der Glaube an die heilende Kraft des Wassers 



o,i.;»u • i. T • j T • \. "■*»■»»» '»p»i uoicn vier locnier Apouoaor (2, 1, 5, 4) 

erhielt sich auch in der arabischen und kop- so aufzählt, vermählt. Dieselbe Nachricht kehrt 



tischen Zeit: in das neu einströmende Über- 
schwemmungswasser wurden kranke Kinder 
getaucht, und man wusch damit die Augen 
und andere mit einem Leiden behaftete Körper- 
teile (Lumbroso a. a. 0. S. 5). Dafs der Strom- 
gott einen unschuldigen Jüngling, der am 
Ufer des Nils hingerichtet werden sollte, 
zweimal durch plötzliches Übertreten de? Was- 
sers rettete, erzählt ein griechischer Roman 
(Xenoph. Eph. 4, 2). 

Heilig waren dem Nil von den Vögeln die 
Fuchsgans (ii\vaXmnri£) und zwei Fische, der 
Lepidotos und der Aal (Herodot 2, 72, vgl. 
2, 37 Verbot des Fischessens). Auch die Komi- 
ker Antiphanes und Anaxandridas verspotteten 
die Ägypter, weil sie den Aal, den die Griechen 
mit Behagen verzehrten, für göttergleich hielten 
{Ath. 7, 300); doch wird er in den Quellen nie 
als heiliger Fisch genannt ( Wiedemann a. a. 0. 
810 f., vgl. 176). 

m. Neilos als König. Griechische 
Sagen. 

Neben die göttliche Natur des Nils stellte 
rieh bei den Griechen auch die Einreihung 
&i die ägyptische Königsliste. Nach Bikaiar- 
<ftos folgte auf Oros, den Sohn des Osiris, 
Sesonchosis, und auf ihn Neilos. Unter seiner 
Regierung, die. 1212 begann, fand die Erobe 



1186) eine Tochter des Neilos, Argiope, die 
zweite Gemahlin des Agenor, und Kadmos ihr 
Sohn. Nach einer andern Version berichtet 
Apollodor (2, 1, 4, 3), dafs Belos Anchinoe, die 
Tochter des Neilos, heiratete und mit ihr den 
■Aigyptos und Danaos zeugte. Diese wiederum 
waren nach Hippostratos ( Tzetz. CM. 7, 368 ff.) mit 
zwei Töchtern des Neilos, Euryrrhoe und Eu- 
ropa, deren vier Töchter Apollodor (2, 1, 5, 4) 



bei Phlegon (Mir. Frg. 59) wieder, nur dafs 
für beide Namen fälschlich Evgvönrj eingesetzt 
ist (Müller, F. H. G. 4, 432 und 3, 623). — 
Andre Sagen beschäftigen sich mit der Ent- 
stehung des Namens Neilos. Nach Biodor 
(1, 19 u. 63) erhielt er ihn von einem alten 
Landeskönige Neileus (Neileös b. Schal. Theoer. 
7, 114), der sich um die Nutzbarmachung des 
Stromes grofse Verdienste erwarb. Nach Eu- 

40 stath. zu Bion. Perieg. 222 wurde er von König 
Neilos, einem Nachkommen des Atlas, benannt. 
Ps. Plutarch, de fluv. 16 berichtet weiter, die 
Königin Garmathone (Arganthone nach Hübners 
Vermutung) habe nach Verlust ihres Sohnes 
von Isis und Osiris erwirkt, dafs jener auf 
die Oberwelt zurückkehren dürfe, aber ihr 
Gemahl Neilos habe sich vor Entsetzen über 
das Bellen des Höllenhundes in den Strom 
gestürzt, der von ihm den Namen erhielt. 

50 Endlich wird der Nil sogar in Verbindung 
mit Herakles gebracht: die Überschwemmung 
des Flusses, der wegen seiner gewaltigen 
Strömung Asrög hiefs, verheerte die Landes- 
teile, über welche Prometheus die Aufsicht 
führte, und weil viele starben, wollte er sich 
aus Verzweiflung selbst töten. Aber Herakles 
dämmte den Strom ein, woraus die Sage ent- 
stand, Herakles habe den ästog getötet (Biod. 
1, 19). Übrigens soll nach einer vereinzelten 



_™r_ m •' — l.xfwli . — -~ ^«^ '■■,*■•>• «jungen» sim naen einer vereinzelten 

2^ *5Ä ^V^Li* ":^ $»*!*>*» ^?" "• *■'**«**) Herakles 



276. Müller, F. H. G. 2 , 236 f., vgl. v. Gut- 
schmid, in der Rezension von Beinisch, Über 
den Namen Ägyptens und die chronologische 
Bestimmung des Königs Neilos, Kl. Sehr. 2, 361 ff.). 
Dieser Neilos aber wurde von Eratosthenes 
(Synkellos Chronogr. p. 123. Müller, F. H. G. 
2, 563 f.) $QOvogoj ($>ovoQci Bunsen) genannt 
und ist nach Wiedemann (428) ein Doppel- 



selbst ursprünglich den Namen Neilos geführt 
haben. Es ist ein rationalistischer Deutungs- 
versuch, zu dem der Name des Flusses die 
Handhabe bot, der nach v. Gutschmid (Kl. Sehr. 
1, 382) von einem Vergleich des Flusses 
mit dem Raubvogel hergenommen ist (vgl. 
Aetia als alter Name Ägyptens nach Steph. 
Byg. s. v. AfyvitTog). 



95 Neilos (in der Kunst) 

IV. Neilos in der Kunst. 

Bei den Ägyptern gehörte die Gestalt 
des Nilgotts zu den beliebtesten Tempel- 
dekorationen {Brugsch, Myth. 641), während 
sich Statuen desselben nur selten gefunden 
haben (eine aus saitiseher Zeit im Museum 
von Bulaq nr. 1777 erwähnt Wiedemann, 
Eerodots 3. Buch 365). Dargestellt wird er 



Neilos (in der Kunst) 



96 



Tiberis) einen Isistempel in Rom, war aber jeden- 
falls nach einem alexandrinischen Original 
gearbeitet. Die sechzehn (meist glücklich er- 
gänzten) Knaben umspielen die mächtige, be- 
quem gelagerte Gestalt, Züge und Haltung 
des seitwärts gewendeten Kopfes bringen den 
den Flufsgöttern eigentümlichen wehmütig- 
milden Ausdruck zur vollen Geltung. Einen 
besondern Schmuck erhält das Werk durch 



als fettleibiger Mann mit herabhängenden 10 die Reliefs auf drei Seiten der Basis, welche 



Brüsten; auf den Händen trägt er reiche Gaben, 
welche der Pflanzenwelt und der Tierwelt ent- 
lehnt sind. Lotos oder Papyrusstaade auf 
seinem- Haupte lassen in ihm den ober- oder 
unterägyptischen Nil erkennen {Brugsch a. a. 0. 
638, Catdl. of Gr. coins in the Brit. Mus. 
Alexandria LXX; s. Abb. 1). 

Die aus römischer Zeit erhaltenen Statuen 
zeigen sämtlich den bekannten Typus des lie 



das auch in Mosaiken mit Vorliebe dargestellte 
Leben im Flusse zur Anschauung bringen. 
Das Wasser quillt nicht, wie bei der Einzel- 
statue Olarac nr. 1814 aus einer von der Sphinx 
gehaltenen Urne, sondern aus einer Gewand- 
falte am Ende des Füllhorns hervor, vermutlich 
ein Hinweis auf die Verborgenheit der Nil- 
quellen. Kleine Wiederholungen der Gruppe 
befinden sich in Portugal {Mus. Worsleianum 



genden bärtigen Flufsgotts (vgl. Bd. 1 Sp. 1492), 20 S. 73. Clarac nr. 1813. Michaelis, Arch. Ztg. 
als dessen schönste Verkörperung die vatika- "" ' " " s : ~ T >™~~~.> «- iaim\ ™ 

nische Nilgruppe (s. Abb. 2) gelten darf. Charak- 
terisiert wird er 




1) Der Nilgott (nach Brugsch, 

Belig. u. Mythol. d. alt. Ägypt. 

S. 688). 



32, 14 f. 57), im Louvre {Clarac nr. 1811 B), in 
der Sammlung Giustiniani {Glarac nr. 1812) und 
im Vatikan (Heydemann, Ber. d. Sachs. Ges. 
d. Wiss. Phil.-hist. Kl. 1878, 113;. Dieselbe 
Darstellung war auch ein beliebter Vorwurf 
für Gemälde, wie die hübsche Beschreibung 
Philostr. Im. 1, 5- und Luc. Bhet. praec. 6 be- 
weisen. Die sechs bei Clarac abgebildeten 
Einzelstatuen des Gottes (1810. 1814. 1814 A 
seiner Hand eine be- so 1815— 1817, meist in Rom), denen Schreiber 
sondere Bedeutung eine siebente hinzufügt {Arch. Ztg. 37, 66, 
Mus. Torlonia), stimmen in der Stellung und 
meist auch in den Attributen mit der Gruppe 
überein und gehen wahrscheinlich auf sie zu- 
rück, wie denn auch an der Basis vonnr. 1814A 
(Sammlung Coke) im Wasser zwei der Knaben 
wiederkehren. Eine etwas abweichende Haltung 
zeigt nur die Kolossalstatue im Kapitol {Clarac 
nr. 1810). — Auf dem jedenfalls den Segen 
seinen Füfsen befin- 40 des Ackerbaus (Triptoletnos, vgl. Sp. 89) dar- 
det, vor allem aber stellenden Relief einer in Pietraossa gefundenen 
" "" " ~ Goldschale erscheint der Nil als bärtige lotos- 

bekränzte Gestalt mit Füllhorn, auf(?) einem 
Krokodil sitzend {Matz, Arch. Ztg. 29, 36 ff. 
Taf. 52; der rätselhafte Gegenstand in der 
herabhängenden Rechten soll vielleicht eine 
Lotosblume vorstellen, vgl. die Münze Brit. 
Mus. Taf. 19, 285), ebenso auf der Onyxvase 
in Neapel, deren Darstellung sich auf die Nil- 



durch das Füllhorn, 
welches, wie die Äh- 
renbüschel und andre 
Symbole der Frucht- 
barkeit, die er mit 
der Rechten hält, in 



h at, durch die Sphinx 
(Hippopotamus Cla- 
rac, Mus. de sculpt. 
4 nr. 1814 A), auf 
die er den linken 
Arm stützt, durch 
das Krokodil, wel- 
ches sich häufig zu 



durch die als Kna- 
ben gebildeten sech- 
zehn Nilellen, 
welche den höchsten 
Stand seines Wachs- 



tums bezeichnen (vgl. Plin. n. h. 5, 58 und 

die Nilmünzen , denen in den besten Über- 

schwemmungsjahren die Zahl IS [s. Abb. 3] bei- „ 

geschrieben wurde, Gr. coins a. a. 0. LXXVI). 50 Überschwemmung bezieht {Visconti, Mus Pio- 

Mit ihnen ist er zu einer der anmutigsten Gruppen Clem. 3 Taf. C 1, S. 75). Ein Bronzediskus in 



vereinigt, welche die alexandrinische Kunst ge 
schaffen hat. Plinius beschreibt eine Kolossal- 
statue dieser Art {sedecim liberis circa ludenti- 
bus, per quos totidem cubita summi incrementi 
augentis se amnis eius intelleguntur, n. h. 36, 58), 
welche Vespasian im Tempel des Friedens zu 
Rom aufgestellt hatte. Sie bestand aus Basalt; 
denn nach Pausanias (8, 24, 12) wurden dem 



Athen mit Büste des Nils wird erwähnt Arch. 
Ztg. 25, 4* Anm. 6, eine Gemme mit der 
Inschrift 9sov ngovoia, welche das Brustbild 
eines bärtigen Mannes, darunter zwei Füll- 
hörner darstellt, deutet Winckelmann, Mon. 
ant. nr. 81 ebenfalls richtig als Neilos. 

Eine hervorragende Rolle spielt der Nil 
auf den Münzen von Alexandreia (und des 



Nil Statuen aus schwarzem Stein errichtet, 60 Menelaitischen Nomos in Ägypten Read, Hist. 



was in der That für zwei der erhaltenen zu- 
trifft {Clarac a. a. 0. nr. 1816 u. 1817). Die 
berühmte Gruppe im Braccio nuovo des Vatikan 
{Visconti, Mus. Pio-Clem. 1 Taf. 37. Baumeister, 
JDenkm. 2, 1028. Friederichs -Wolters, Gipsabgüsse 
nr. 1543. Heibig, Führer dch. d. Samml. Borns 1 
nr. 47, s. Abb. 2) schmückte zusammen mit der 
jetzt im Louvre befindlichen Tiberstatue (3. 



num. 724) in der Kaiserzeit {Eckhel, Doctr. 
num. 4, 36 ff. 6fr. coins in the Brit. Mus., 
Alexandria p. LXIXff. Taf. 19 ff. Read, Hist. 
num. 720). Teils wird sein bärtiges bekränztes 
Haupt mit Füllhorn daneben dargestellt (so 
schon unter ;Ptolemaios V. Epiphanes, Brit. 
Mus., Ptol. Taf. 18, 3), teils erscheint er in 
ganzer Gestalt, auf einem Krokodil liegend 



97 



Neilos (in der Kunst) 



Neilos (in der Kunst) 



98 



(Abb. 3), oder (wie auf der erwähnten Onyx- 
vase) auf einem Felsen sitzend, an dem sich 
Krokodil oder Hippopotamos befinden (Abb. 4). 
Die sitzende Gestalt ist einmal durch den 



der den Nilmesser bezeichnet. (z.B.Taf. 21, 1687). 
Der Versuch, die den Gf ott umspielenden Knaben 
auf dem engen Baum einer Münze unterzu- 
bringen, ist seltener gemacht worden (Taf. 21, 




Tempel, der sie umgiebt, als Kaltbild charak- 
terisiert (Taf. 28, 881). Die Attribute in seinen 
Händen sind fast stets Papyruszweig und Füll- 
horn, bisweilen steht neben ihm ein Obelisk, 

Koscher, Lexikon d. gr, u. röm. Mythol. 111. 



1577, 1587, 1672), wohl aber steigt häufig 
aus seinem Füllhorn ein Knabe empor, der 
die 16. Nilelle und damit den reichsten Uber- 
schwemmungssegen (Plutos?) verkörpert. Er 

4 



99 



Neilos (in der Kunst) 



hält mehrfach dem Gotte einen Kranz entgegen 
nnd giebt damit vielleicht einen Fingerzeig 
für die richtige Ergänzung der entsprechenden 
Gestalt in der vatikanischen Gruppe (s. Abb. 4). 
Singular sind zwei Münzen, welche den Gott 
auf einem Zweigespann von Nilpferden stehend 
und auf einem Nilpferd reitend darstellen 
(Taf. 21, 476 unter Trajan und 1156 unter 
Antoninus Pius). Unter demselben Kaiser ist 



Neilos (sonstige Bildwerke) 100 

elassiea vol. 3, 1895 den Text eines Schriftchens 
de Nilo aus Laurentianus 56, 1 veröffentlicht. 
Von ägyptischen Darstellungen des 
Gottes sei angeführt die wie die oben erwähnte 
Bronzestatuette nr. 1777 des Mus. von Boulaq 
aus dem Serapeion von Memphis stammende 
und der saitis^en Periode angehörende Bronze 
nr. 2709 desselben Museums, über welche 
Maspero, Guide du visiteur au mvsie de Boulaq 



einmal die OMONOIA zwischen TIB€PICiop. 188 Folgendes bemerkt: „L'Egypte etait 



und Neilos, deren stehende Gestalten sich die 
Hände reichen, zum Ausdruck gebracht (Taf. 
21, 1167, vgl. Preller, Böm. Myth. 513). Häufig 
ist er dagegen mit der als seine Gattin ge- 
dachten Euthenia (s. d.), der Personifikation 
des Überflusses, zusammengestellt, sei es als 
Büsten (z. B. Taf. 21, 1588, 1754), sei es in 
ganzer Gestalt verschieden gruppiert (z. B. Taf. 
21, 477, 1158, 1160). Einmal ist auch Euthenia 



divisee en deux royaumes, Thebes et Memphis. 
Pour en remarquer la reunion, on representait 
les deux Nils, le Nil du Nord et celui du Midi, 
occupes ä lier sur le signe 8 am, qui signifie 
assembler, les fleurs du loius et etiles du papy- 
rus, Symbole des deux regions de l'Egypte. Le 
w° 2709 nous montre un Nil employe ä cette 
Operation: un de ses pieds, leve, repose sur un 
bout du signe sam, et ses 'deux bras tirent la 



allein von den Nilknaben umgeben (Taf. 22, 20 corde qui attache les fleurs.' 



485). Taf. 21, 796 tauchen beide in halber 
Figur aus dem Wasser auf, wobei der Heraus- 
geber daran erinnert, dafs nach Theophylaktos 
(Rist. 7, 16) unter Kaiser Mauricius Tiberius 
zwei riesige Menschengestalten, der Nil und 










3) Alexandrinische Münze 

(nach Catalogue of the Greek 

coins in the Brit. Mus. Alexandrie 

19, 465). 



4) Alexandrinische Münze 

(nach Catalogue of the Greek 

coins in the Brit. Mus. Alexandrie 

19, 1156). 



seine Genossin, halb aus den Fluten des Stromes 
hervorgestiegen sein sollen. 

2) älterer Name des Herakles nach Etym. 
m. s. v. 'HgauXris (vgl. oben Sp. 94 Z. 59 ff.). 

[Wagner.] 

[Von ägyptologischer Litteratur sei 
als besonders wichtig hervorgehoben Lanzone, 



Von Bildwerken griechisch- römisch er 
Zeit ist nachzutragen eine Marmorbüste des Nils 
von schöner alexandrinischer Arbeit, gefunden 
in Alexandria, Maspero, Guide du visiteur au 
musee de Boulaq p. 381 nr. 5550; Statuen: 
Matz und v. Duhn, Antike Bildwerke in. 
Rom 1 p. 149 nr. 575 — 577. Michaelis, 
Anc. marbles in Great Britain p. 582 : 
Oxford, Ashmolean Museum nr. 164; 
„Nilstatue als Brunnenfigur. Zeichnung 
einer nach links gelagerten Nilfigur, 
zu Füfsen ein Krokodil, Unterkörper mit 
Gewand bedeckt,' in der Rechten ein 
Schilfzweig, die Linke hält Füllhorn 
mit Früchten und Pinienzapfen in der 
Mitte, auf dem Haupte ein Kranz mit 
Binde, neben dem linken Arm eine 
nackte ägyptische Frauenfigur (von 
vorn sichtbar) kauernd hinter einer 
quergelegten Urne", Schreiber, Die 
Fundberichte des Pier Leone Ghezzi, 
Ber. üb. d. Verhandl. d. Kgl. Sachs. 
Ges. d. W., ph.-h. Cl. 44, 1892 p. 135 f. LH 
Taf. III = IVenuti], Veteris Latii antiquitatum 
amplissima coli. Ed. alt. Born. 1776 vol. 2, 5 
tab. 5 („fluminis, fortasse Nili, statua, exVeterum 
Albanorum ruinis in Albana Barberinorum 
villa extans"); Marmorbasis, gefunden bei der 
Kirche San Vitale in Rom, Ersilia Caetani 



Dizionario di mitologia egizia p. 514 — 525 tav. 50 Lovatelli, Di una antica base marmorea con 
198. 199 nnd Maspero, Hist. anc. des peuplesde rappresentanze del Nilo, Bull, della commiss. 
7'n».v^+/.7„oo»„.,^ 7\„<. „«.,■„»•»,..» 7?«..„^„*/^j,„j-j^ arch. comun. di Borna 8 (1880) p. 185—197 

Tav. 14, 15/16 (der Nil gelagert, mit dem linken 



V Orient classique. Les origines Egypte et Chaldee. 
Paris 1895, chap. 1 er „ie Nu et l'Egypte' 
p. 3—78, der speziell über den Nil als Gott 
heit p. 36—43 handelt und in den Anmer- 
kungen reiche Litteraturnachweise giebt, so 
p. 36 Anm. 1 über den Gott im allgemeinen, 
p. 37 Anm. 5 über die Verdoppelung des Gottes 
zu zwei Personen, p. 38 Anm. 1 über die zwei 



Ellenbogen auf ein Nilpferd, nicht, wie die 
Herausgeberin meint, auf eine Sphinx gestützt, 
umgeben von vier Knäblein, von denen das 
eine auf einem Krokodil zu Füfsen des Gottes 
sitzt; rechts zwei Nymphen ; links ein Fischer 
im Kahn). Nach dem Ausführlichen Verzeichnis 



die beiden Ufer personifizierenden Göttinnen 60 der ägyptischen Altertümer, Gipsabgüsse und 



Mirit Qimäit und Mirit Mihit, p. 39 Anm. 2 
über die Nilstelen, p. 40 Anm. 1 über den Nil- 
hymnus, p. 43 Anm. 1 über die Etymologie 
des Wortes Neilos. Hinsichtlich des Nilwassers 
als Totenspende vgl. Pierre Jonguet, Epitaphe 
d'un Grec d'Egypte, Bev. des etvtdes gr. 9 (1896) 
p. 433—436. Nach Bev. des etudes gr. 8 (1895) 
p. 281 hat Landi in den Studi italiani di filologia 



Papyrus. Berlin 1894 p. 286 nr. 10647 soll 
auf dem Stnckmodell aus Athribis mit dem 
Bilde eines ägyptischen Festes im ägyptischen 
Museum zu Berlin neben Isis und Harpokrates 
„der Flufsgott des Nils" gelagert sein. Aber 
nach der Abbildung dieses Modells bei Schreiber, 
Die alexandrinische Toreutik (Abh. d. ph.-h. 
Kl. d. Kgl. Sachs. Ges. d. W. Bd. 14 nr. 5), 



101 Neilos (auf Gemmen etc.) Neilos (auf alex. u. röm. Münzen etc.) 10£ 

Taf. 5 und Zeitschr. f. ägypt. Spr. 1895 Taf. 3 Haupte die Lotosblume, im rechten Arm ein 
zu urteilen, ist die Deutung der Figur als Nil Füllhorn, in der Linken ein Sistrum, im Felde 
unzulässig, vgl. Schreiber p. 473 und Erman, ein Stern, roter Jaspis, von Passerius besprochen 
Zeitschr. f. ägypt. Spr. 1896 p. 38, der an einen unter dem Titel >r Nilus Abraxeus Dissertatio VI" 
Harpokrates denkt. Auf einem Lampenhenkel im Thes. gemm. antiq. astriferarum 3 p. 163 — 170, 
von Terracotta in der Sammlung des Herrn danach bei Matter, Hist. crit. du gnosticisme. 
O. Dattari in Alexandria ist der Nil dargestellt Planches. Paris 1828 p. 89, PI. VIII Fig. 1 ; 
auf einem Felsen sitzend, in der Rechten einen gelagerter Nil linkshin, in der Rechten wohl 
Schilfstengel, in der LinkeD ein Füllhorn; ihm zu eher ein Schiff als ein Füllhorn, wie King 
Füfsen ist gelagert eine zu ihm emporschauende 10 meint; (Eev. Harpokrates auf der Lotosblume), 
Göttin, Dutilh, Annuaire de la soc. franc. de King, The Gnostics and their remains. Second 
numismatique 19 (1895) p. 471f. Ein Elfenbein- edition p. 436 PL C nr. 2. Zu den Nildarstel- 
relief zeigt den Nil gelagert linkshin mit Schilf- lungen auf alexandrinischen Münzen bei 
stengel und Füllhorn; auf ihn zu schwebt Nike, Poole PI. 19 — 21. Zoega, Numi Aeg. Imp. 
um ihn zu bekränzen; statt der sonst in ganzer Tab. 1. 2. 4. 6. 6. 7. 8. 12. 16. 17. 19. Feuardent, 
Gestalt dargestellten nr]%eie umgeben ihn acht Egypte anc. 2 PL 16 nr. 830; 17 nr. 1112; 19 
Köpfe, von denen der eine unmittelbar über nr. 1316; 22 nr. 1863; 24 nr. 1654; 25 nr. 1969. 
dem Füllhorn angebracht ist, Buonarroti, nr. 2036; 29 nr. 2393; 30 nr. 2553. 2596. 2656 
Osservazioni istoriche sopra alcuni medaglioni kann man fügen mehrere von E. D. J. Dutilh, 
antichi. In Roma 1698. 4°. p. 328. — Benndorf 20 Monnaies alexandrines terra cuites du Fayoum 
u. Schöne, Die antiken Bildwerke des Latera- et les seize genies de la statue du Nil qui est 
nensischen Museums p. 243 N. 86 verzeichnen au Vatican ä Borne, Annuaire de la soc. frang. 
als gefanden an der Via Latina „auf einem de numismatique 19 (1895) p. 463 — 476 mit- 
Mosaikfufsboden, in dessen Mitte sich eine geteilte TypeD, so nr. 3 (p. 463, abgeb. p. 464) 
Fontaine befand, eine kleine Gruppe, Darstel- eine Grofsbronze aus dem 5. Jahre des L. Verus 
lung des Nils". Von Gemmendarstellungen in der Münzsammlung des Museums von Ghizeh: 
sind anzuführen „der Genius des Nils (?), be- der Nil mit Schilfstengel und Füllhorn, ein 
kränzte Büste mit entblöfster Brust, vorn der Krokodil zur Seite, gelagert linkshin, um- 
Nilmesser", Karneol, v. Sacken u. Kenner, Die geben von 16 Knäbchen, von denen das eine 
Samml. d. K. K. Münz- u. Antiken-Kabinetts. so unterhalb des Krokodils, die übrigen in vier 
Wien 1866 p. 432 nr. 166; „protomedi maestoso Reihen über einander links von dem Gotte 
fiume, la di cui chioma e cinta da un serto di gruppiert sind; nr. 4 (p. 464 mit Abbildung) 
pianta palustre. Nel campo scorgesi una figu- eine Münze aus dem 13. Jahre des Trajan in 
rina nuda che tiene una bacchetta in mono, derselben Sammlung: der Nil und eine nackte 
che ü Braun dichiarö per la misura a norma Frauengestalt (Eutheneia) gelagert links hin, 
della quäle si calcolava in Egitto sulla vallata ihnen zur Seite ein Krokodil; links auf einer 
del Nilo la fertilitä della stagione", Abdruck Art Cippus ein stehender Knabe, nach den 
einer aus Sammlung Pistrucci in Sammlung beiden Gottheiten hingewandt, in der Rechten 
Benj. Hertz in London übergegangenen Gemme, eine Lotosblume, in der Linken einen Fisch; 
Bull. d. Inst, di corr. arch. 1847 p. 138; 40 im Feld oben neben der Jahreszahl (LIT) die 
„bärtiger Flufsgott (Nil) gelagert, auf eine Urne Ziffer IS (16); ferner (p. 474 mit Abbildung) 
gestützt, Füllhorn in der Linken, Schilf in der eine Münze Trajans in derselben Sammlung: 
Rechten; neben ihm Krokodil", Karneol, A. der Nil mit Schilfstengel und Füllhorn links 
Furtwängler, Beschreibung der geschnittenen hin sitzend; vor ihm knieend eine Frauengestalt 
Steine im Antiquarium. Berlin 1896. 4° p. 273 mit rückwärts bauschendem Gewände, ihm einen 
nr. 7362, vgl. Raspe, A descr. catal. of gen. Kranz reichend; beide umringt von den sich in 
coli, of engraved gems, cast in coloured pastes munteren Sprüngen ergehenden 16 putti. Hin- 
by J. Tassie 1 p. 194 nr. 2754; ähnlich, doch sichtlich des Nils auf römischen Kaiser- 
statt mit Krokodil mit Sphinx, Raspe nr. 2753 münzen s. Cohen, Med. imp. 2" p, 187 — 189 
und Dolce, Descriz. istor. del museo d,i Cristiano 50 nr. 982 — 1003; p. 2 19 f. nr. 1377. 1378; p. 231 f. 
Denh. Tom. 2 p. 6 L nr. 35; „der Flufsgott Nil, nr. 1497—1499. Feuardent, Eg. anc. 2 p. 337 f. 
nach links gelagert auf einem Krokodil, in der nr. 3615. 3616. 3617 PI. 36, 3618. 3619 (Hadrian); 
Linken Füllhorn, darauf ein Knäbchen sitzt; Cohen 8* p. 39 nr. 52 (Constantius Gallus); p. 60 
in der Rechten Schilf. Links eine bogenförmige nr. 131—134 (Julian Apostata); p. 64 nr. 1; 
Laube oder Aedikula, darin eine kleine tanzende p. 67 nr. 16 (Julian u. Helena); p. 73 nr. 38 — 40 
Figur mit Fackel ('?)", grüner Jaspis, Furt- (Helena); p. 116 nr. 81 (Valens). Ein Kontor- 
wängler a. a. O. p. 317 nr. 8668, offenbar iden- niat bei Sabatier, Descr. gen. des med. contorn. 
tisch mit dem „Diaspro verde del sig. Vanu- Paris 1860. 4°. p. 78f. PI. 12 nr. 8 = Cohen 
telli" bei Cades, Impr. gemm. cent. 5 nr. 70. 8 2 p. 301 nr. 229 zeigt im Revers den Nil 
Bull. d. Inst. 1839 p. 105; der Nil gelagert, 60 sitzend rechtshin auf einer Sphinx, auf der 
unter dem rechten Arm nicht deutlich erkenn- linken Hand ein Knäbchen, im rechten Arm 
bar ein Krokodil, umgeben von fünf (oder ur- ein Füllhorn;, davor linkshin sitzende Frauen- 
sprfinglich vielleicht sechs) Knäblein, von denen gestalt mit Ähren in der Rechten; im Felde 
das eine auf dem Füllhorn steht, welches der acht putti. Die Bleimünzen und Tesseren, 
Gott im rechten Arme hält, Hämatit, Docum. welche den Nil und Isis zeigen, sind oben Bd. 2 
inediti p. s. alla storia dei musei d'Italia 3. Sp. 420 f. u. 467 aufgezählt worden ; s. ferner für 
Museo Borgiano, Gemme 3. cl. 1. div. nr. 33 Darstellungen des Gottes auf Bleitesseren 
p. 429 f.; der Nil gelagert rechtshin, auf dem Dutilh a. a. O. p. 472. Museo num. Lavy 1 

4* 



103 



Neilotis 



Neleus 



104 



p. 408 nr. 4591; p. 409 nr. 4595—4597. Posto- 
lacca, Ann. d. Inst. 1868 p. 281 nr. 267 und 
p. 308. Bonner Jahrbücher 2 p. 80 f. nr. 4—8. 
18—42. 56. 66. E. de Buggiero, Catalogo del 
museo Kircheriano. Parte 1. Roma 1878 p. 181 
nr. 975. B. Garrucci, I piombi ant. raccolti 
dall' emin. principe il cardinale Ludovico Ältieri. 
Roma 1847. 4°. p. 92. Drexler.] 

Neilotis (NsiXmzig), Beiname der Isis, C. I. G. 
3, 6202. Anth. App. 335; vgl. d. Artikel Isis 10 
Sp. 425, 53. 426, 2. [Höfer.] 

Ne'lS (Nrjig = Nrjiäg, Natg; Nijig iitl jxsv zov 
Saijiovos ßaQvrövcag Xsyszai, snl Ss zrjg vvfi,- 
gjjjS i^vzövcog. vrj'Cäsg, alzivsg v.a.1 vvfiqiai Sgse- 
ztäSsg nQoaayogsvovzat, nagu rö väco zb qsco, 
ai £v väfiaaiv ovaai Etym. m., vgl. Curtius, 
Griech. Et. 5 319) bezeichnet im allgemeinen 
eine Quellnymphe, s. Nymphai. Es wird oft 
mit »ii/iqpi) verbunden, z. ß. Hom. II. 6, 22 
und mehrfach bei Nonnos u. Apollodor. An 20 
mehreren Stellen wird eine vrjlg vvjKprj ohne 
Eigennamen angeführt, und zwar a) als Mutter 
des Satnios II. 14, 444; b) als Gattin des 
Daphnis, der sonst verschiedene Namen bei- 
gelegt werden, kennt Theökr. 8, 95 und Ovid 
A. A. 1, 732 nur die Nvfitpu Natg; c) als Mutter 
des Iphition II. 20, 384 (vgl. Ed. Müller, 
Philol. 7, 240) ; d) als Gemahlin des Endymion 
und Mutter des Aitolos, Apollod. 1, 7, 6; e) als 



Gemahlin des Magnes und Mutter des Poly- 30 von Pylos. 



es, venvSaifKov acogs, oatig noz' ovv sl und 
ähnlich). [Drexler.] 

Nele = NrjXsvs (s. d.), auf einem im Museum 
zu Neapel befindlichen etruskischen Spiegel aus 
Perugia, mit pelias und turia = Tvqiö; s. 
Fabr. C. I. I. 1069; Gerhard, Etr. Sp. 3, 
164, t. CLXX; Deecke in Bezzenb. Beitr. 2, 169, 
nr. 76; Engelmann, Tyro, Jahrb. d. D. Archäol. 
Inst. 5, (1890) S. 171 ff. Vgl. Neleus Fig. 2. 

[Deecke] 

Neleia (Nifiua), Beiname der Aphrodite auf 
einer Inschrift ans dem thessalischen Demetrias 
'JcpQoSizy NrjXsla Athen. Mittheil. 15 (1890), 
303 nr. 12. Von Strabon 9, 436 wird ein thessa- 
lischer Ort Neleia erwähnt. [Höfer.] 

Neleiades s. Neleus u. Nestor. 

Neleides s. Neleus u. Thrasymedes. 

Neleios s. Neleus, Nestor, Antilochos. 

Neleis s. Neleus u. Pero. 

Neleus (NrjXsvg, vgl. Usener, Götternamen 
12 ff., auch NsiXsvg oder NsiXstog; etruskisch 
Nele; s. d). 1) Sohn des Poseidon (oder 
Enipeus) und der Tyro, der Tochter des Sal- 
moneus und nachherigen Gemahlin Kretheus' 
von Iolkos in Thessalien, väterlicherseits Bruder 
des Pelias, mütterlicherseits des Aison, Amy- 
thaon und Pheres, Gemahl der [Niobide] 
Chloris, Vater des Nestor und Periklymenos, 
sowie zehn weiterer Söhne und der Pero, König 



dektes und Diktys, Apollod. 1, 9, 6; f) als 
Mutter der von Atreus geschlachteten Söhne 
des Tbyestes, Apollod. ep. 2, 13. — Auf einer 
chalkidischen Vase des Leydener Museums 
wird auch eine Bakchantin als Naig bezeichnet 
(C /. G. 7460. Heydemann, Satyr- u. Bakchen- 
nam. 28 u. 41). 

Als weiblicher Eigenname kommt Nei's 
zweimal in der thebanischen Sage vor, um 



In. der Odyssee (11, 235 ff.) wird erzählt: 
Tyro,\ie Tochter des Salmoneus (und der Alki- 
dike jfcollod. 1,9, 8), von Liebe zu dem schönen 
Flufsgott Enipeus ergriffen wandelte oft an 
dessen Ufern. Da nahte sich ihr Poseidon in 
der Gestalt ihres Geliebten Enipeus. Die Wellen 
des Flusses türmen sich um das liebende Paar 
zu einer krystallenen Grotte. Beim Scheiden 
giebt sich der Liebende als Poseidon zu er- 



als Erklärung für den Namen des Neitischen 40 kennen und kündet der Geliebten die Geburt 



Thors in Theben (nvXai Nrjhai oder Niilozai: 
vgl. Curtius, Griech. Et. b 316) zu dienen, 
1. Tochter des Amphion und der Niobe, Schol. 
Eurip. Phoen. 1104. 2. einzige Tochter des 
Zethos, Pherecyd. b. Schol. Eurip. Phoen. 1104. 
Schol. Hom. Od. 19, 518. Schol. min. Aesch. 
Sept. 460; vgl. Unger, Parad. Theb. 310. Stark, 
Niobe 382 f. v. Wilamowitz, Herrn. 26, 214 u. 
221. [Wagner.] 



herrlicher Kinder nach Jahresfrist an, empfiehlt 
ihr deren Pflege und gebietet ihr Schweigen. 
Tyro gebiert den Pelias, der hernach in dem 
herdenreichen Iolkos herrschte, und Neleus, 
den nachmaligen Herrscher des sandigen Pylos, 
vgl. Pind. Pyth. 4, 136. „Die anderen aber," 
fährt die Erzählung v. 258 fort, „gebar sie dem 
Kretheus, dessen Gattin sie wurde, v. 237, näm- 
lich den Aison und Pheres, und den pferde- 



Neis (Nrji^), Sohn des Zethos, nach welchem 50 frohen Amythaon." Auch Ovid Met. 12, 552 



das Nei'tische Thor zu Theben benannt sein 
sollte, Paus. 9, 8, 4. v. Wilamowitz, Herrn. 
26, 221. [Stoll] 

Neith s. Nit. 

Nektar s. Ambrosia. 
.iNekydaimon (Nsv.vSaifi,(av) , d. i. der, wel- 
cher aus einem Sterblichen oder vielmehr Ge- 
storbenen ein Daimon geworden ist (Bohde, 
■2s2££Ä£_jj._96 Anm. 2. Wüns ch. Befi xionum 



nennt Nep'tunus Nelei sanguinis auetor. Wenn 
bei Hygin. fab. 10 Neleus ein Sohn des Hippo- 
koon heilst, so ist das entweder ein Irrtum, 
oder es ist vielleicht in diesem Namen die Ent- 
stellung eines Epithetons des Poseidon (faiiiog) 
zu sehen. Der Angabe des Epos, dafs Posei- 
don in Gestalt des Enipeus sich mit Tyro ver- 
einigt habe, liegt übrigens wohl die Erinnerung 
an eine frühere Wendung der Sage zu Grunde, 



t abell ae Atticae praef. XXI. g.), wird nicht selten 60 wonach wirklich Enipeus als Vater der Zwil- 



angerufen in den Beschwörungen der Zauber 
papyri, so im grofsen Pariser Zauber p a pyru s 
V. 361 (opju'Ja) es vsKvSaifiov , si'zs app»]s sl'ts 
9rjXvg). 3£8_a27..2Q.3X_2flnl und im pap_4£ 
des B ri t . Mujä^ J 34Q4Lu-135_ed. Wemwly = v, 334 
p._75__ed, Eenyon, sowie in Defixion stafel n aus 
Karthago. CI". L. 8 S uppl. 1 nr. 1 2508—12510 
= Wünsch a. a. O. praef. p. XV ff. (sgoQ)u£a> 



linge galt, s. Robert in Prellers Griech. Myth. 
1*, 573, 1 und 579, 2 und Neleus 2, Strabo 
p. 356. Lucian, Bial. mar. 13. 

Etwas anders lautet die Erzählung bei 
Apollod. 1, 9, 8, vgl. Diod. 4, 68: Tyro, die bei 
Kretheus, ihrem Oheim erzogen wird, gebiert 
die Zwillinge heimlich und setzt sie aus. 
Ein Pferd einer vorüberziehenden Herde ver- 



105 



Neleus 



letzt das eine Knäblein mit seinem Huf im 
Gesicht, der Pferdeknecht nimmt die Kinder 
auf, erzieht sie und nennt das verletzte Kind 
von der blutunterlaufenen Stelle in seinem 
Gesicht {itslios) Pelias, das andere Neleus. 
Nach anderer Überlieferung werden sie von 
einer Stute und einer Hündin ernährt, woher 
Neleus seinen Namen haben soll (knsl xvcov 
%axrß.ir\(si) Schal. II. 10, 334. Herangewachsen 



Neleus 



106 



Aufs. 147 ff., der aufserdem in einem Vasenbild 
bei R. Bochette, Mon. ined. t. 4, 1 die Bestrafung 
der Sidero erkennen will (vgl. Nele). 

Die beiden Überlieferungen über Herkunft 
und Jugend des Neleus und Pelias stehen nicht 
recht im Einklang mit einander. In der Odyssee 
verlangt der Gott Pflege und Auferziehung der 
Kinder, und von einer Aussetzung ist nicht die 
Rede, Tyro wird die Frau des Kretheus, viel- 




(Gerhard. Etrusk. Spiegel Bd. V, Heft 9, Taf. 89 
= Arch. Jahrb. V, 173 B.) 



(Gerhard, Etrusk. Spiegel T. 170 = Arch. Jährt. V 
S. 173 0.) 




Kretheus? Salmonella? 
od. Neleus? Kretheus? 



Pelias 



Tyro Poseidon 



Einführung des Herakles in den Olymp 



3) Eimer der Sammlung Czartoryski in Paris (nach Arch. Jährt. V [1890], 171). 



finden sie ihre Mutter Tyro und töten deren 
böse Stiefmutter Sidero, da sie erfahren, dafs 
Tyro von dieser schwer mifshandelt und zu 
niedrigen Magddiensten mifsbraucht worden 
sei, im Heiligtum der Hera. Die Erkennung 
der Tyro ist dargestellt auf einem Vasenbild 
auf einem Eimer der Sammlung Czartoryski 
in Paris und zwei etruskischen Spiegelzeich- 
nungen, vgl. Engelmann, Arch. Jahrb. 5 (1890) 
S. 171 ff., Fig. A.B. C, darnach die beigegebenen 
Abbildungen (s. Fig. 1, 2, 3), O. Jahn, Arch. 



leicht noch ehe sie die Zwillinge geboren 
(vgl. Append. narrat. in Westerm. Mythogr. Gr. 
p. 385), und gebiert von ihm den Aison, Pheres 
und Amythaon. Die ganze Sippe ist in Süd- 
thessalien zu Hause, wo wir den Enipeus und 
die Städte Iolkos, Pberai und Neleia finden. 
Auch Apollodor versetzt zwar die Vorgänge in 
dieselbe Gegend; da aber nach ihm Tyros Vater 
Salrnoneus später sich in Elis ansiedelte, wo 
übrigens in der Gegend von Salmone auch ein 
Enipeusflufs sich findet, den Strabon p. 356 im 



107 Neleus Neleus 108 

Auge hat, so wird Tyro, deren Sage sonst an drängt, Pheres gründet in der Nähe eine neue 
Thessalien geknüpft bleibt, nach ihrers Vaters Heimat inPherai, Neleus wandert in die Ferne, 
Auszug bei ihrem Oheim Kretheus erzogen, sie nicht ohne alte Ansprüche aufrecht zu erhalten, 
gebiert die Zwillinge heimlich und setzt sie vgl. die Forderung der Binder des Iphiklos, 
aus. Die Geschichte der bösen Stiefmutter und Amythaon schliefst sich ihm an und findet 
Sidero, die die Tyro mifshandelt und dafür gleichfalls in Pylos eine neue Heimat. Nach 
von deren herangewachsenen Söhnen getötet Paus. 4, 36, 1 fand Neleus dort schon eine von 
wird, will sich nicht mit den übrigen Schick- einem Pylos, Klesons Sohn, gegründete Stadt 
salen der Tyro vereinigen; denn woher kommt vor aus der er den bisherigen Besitzer vertrieb, 
diese Stiefmutter, wenn doch Salmoneus nach io Das Reich des Neleus umfaßte nach home- 
Elis gezogen ist? Hat er sie etwa in Thessa- rischer Vorstellung aufser Messenien auch noch 
lien zurückgelassen? und wie stellt sich Kre- die südliche Landschaft von Elis, Triphylien, 
theus, der doch die Tyro bald nach deren Be- bis an den Alpheios: IL 11, 712. Aber nicht 
gegnung mit Poseidon oder nach der Geburt das triphylische Pylos bei Lepreon, wie Strabon 
der Zwillinge zur Frau genommen haben mufs, p. 350 zu erweisen sucht, sondern das messe- 
zu den Mifshandlungen , die dieser von ihrer nische, an der Bucht von Navarino auf dem 
Stiefmutter erleidet? Läfst er sie ruhig ge- Vorgebirge Koryphasion ist der Sitz des Neleus 
schehen? und zwar beiläufig 20 Jahre, bis die und der Neleiden. Ein drittes Pylos in Elis 
Söhne herangewachsen sind? oder hat er etwa am Peneios kann überhaupt nicht in Frage 
selbst Tyro verstofsen, nachdem er ihren 20 kommen. Da aber Pylos nicht blofs die Re- 
früheren Umgang mit Poseidon später erfahren? sidenz, sondern auch das Reich des Neleus 
Man sieht, die Stiefmutter Sidero will sich bezeichnete, das sich bis zum Alpheios aus- 
nicht in den einfachen Bericht des Epos fügen, dehnte und also auch noch das triphylische 
wonach es eher scheint, als habe Kretheus auch Pylos umfafste, so konnte es an Verwechs- 
die Zwillinge in sein Haus aufgenommen. Offen- lungen nicht fehlen. Das messenische Pylos ent- 
bar hat sich zwischen die ältere, noch von spricht nicht nur der homerischen Bezeichnung 
Pindar vertretene Darstellung des Epos und des „sandigen", sondern weist auch sogar die 
die der späteren Mythographen die Behandlung Grotte des Nestor auf, s. u. und vgl. Lolling, 
des Stoffes durch die Tragiker eingeschoben, Hellenische Landeskunde = J. Müllers Hando. 
wodurch verschiedene nun mit der Ursprung- so der Mass. Altert. -Tfi'ss. 3, 189. Der Katalog 
liehen Fassung unvereinbare Züge hereinkamen II. 2, 591 zählt folgende Orte als Teile des 
(s. Tyro). Die Hauptsache bleibt jedenfalls die pylischen Reiches alf: Pylos, Arene, Thryon 
Zurückführung des Pelias und Neleus auf Po- (Thryoessa am Alpheios), Aipy (Aipion?), Kypa- 
seidon, den Herrn des Meeres und der Schiff- risseis, Amphigeneia (=Ampheia?), Pteleon, 
fahrt, den Schöpfer des Rosses und Beschützer Helos und Dorion. 

der Rossezucht und der ritterlichen Künste, als Neleus' Gattin ist Chloris, nach Odyss. 11, 283 

deren Hauptvertreter die beiden Heroen ge- die Tochter des Amphion, des Sohns des Iasos 

feiert werden. Denn Pelias veranlafst den aus dem Minyeischen Orchomenos, worin sich 

Argonautenzug und Neleus heifst der Inmiuä- nahe Beziehungen zwischen Pyliern und Minyern 
xatog %mv xaz' avxov Schol. II. 11, 671, wie 40 erkennen lassen, wie auch vielleicht in dem 

auch sein Sohn der innöra Nsozwq in der Namen des triphylischen Flüfschens Minyeis, 

Ilias. Die Sage von den Umständen bei der II. 11, 722. Nach Diodor 4, 68 war Chloris 

Auffindung der Zwillinge und von ihrer Er- die Tochter des Amphion von Theben. Als 

nährung durch eine Kuh und eine Hündin ver- Söhne des Neleus werden in der Od. a. a. 0. 

dankt aber ihre Entstehung jedenfalls zumeist mit Namen nur drei aufgeführt, Nestor, Chro- 

dem Bedürfnis, eine Erklärung ihrer Namen zu mios und Periklymenos, während es nach 

geben. IL 11, 692 zwölf Brüder waren, als Tochter 

In der Heldensage spielt Neleus weiterhin die vielumworbene Pero. Apollod. 1, 8, 9 nennt 

keine besondere Rolle und wird fast nur ge- folgende 12 Söhne: Tauros, Asterios*), Py- 
legentlich der Thaten seiner Söhne erwähnt, 50 laon, Deimachos (bezw. Lysimachos, Schol. 

Immer erscheint er als Herrscher von Pylos. 11. 11, 691), Eurybios, Epileos (al. Epi- 

Apollodor erzählt, Pelias und Neleus hätten menes), Phrasios, Eurymenes, Euagoras, 

sich um die Herrschaft entzweit, Neleus sei Alastor, Nestor, Periklymenos. 
vertrieben worden und nach Messenien aus- Die schöne Pero (Od. 11, 288 ff.) ward von 

gewandert, wo nach Apollod. 1, 9, 5 Apha- vielen Freiern umworben. Neleus versprach 

reus, der Sohn des Pieres, eines Bruders von sie dem zu geben, der ihm die Rinderherde 

Neleus' Grofsvater Salmoneus, herrschte und wo des ihm verwandten Iphiklos aus Phylake in 

dieser Pylos gründete. Nach Apollod. 1,9,11,2 der Nähe des Enipeus, auf die er Ansprüche 

wohnte auch sein Stiefbruder Amythaon in zu haben glaubte, bringen würde. Wie dies 
Pylos. Sieht man auch ab von dem Orakel- tso geschah, deutet die Odyssee a. a. nur an. 
Bpruch, der den Pelias veranlafst haben soll, 
alle Aioliden zu ermorden, da ihm einer den *) [0. Wulf, Zur The$eussage. Dorpat 1892. S. I55ff. 

Tod bringen Werde, SO liegt es schon in der erblickt in Tauros und Asterios eine Beziehung zur 

Familiengeschichte des Kretheischen Hauses Minossage und will dieselbe aus der Bedeutung von 

begründet, dafs Zwischen den angenommenen Neleus und Minos als Totengötter erklären, wogegen 

und den echten Söhnen des Kretheus eich ein ?"!*T' J f resher - üi - * M f'°l <"" d - J f ,re ' 1 mi u - 02 

o+w^j. j:„ tt t_ rj. i_ -l. p l -r* t «• 19 ° u* diesem Falle an Verbindung eines milesischen 

Streit um die Herrschaft erheben mufste. Pelias (oder pyll8cheil) und eines ^tischen Heiligtumes denkt, 
geht daraus als Sieger hervor, Aison wird ver- Boscher.} 



109 Neleus Neleiis 110 

Nach Avollod 1, 9, 12 war es Amythaons Sohn (686-88). Nun zogen die Pylier unter Neleus 

Bias fc den sen Bruder der Seher Melampus einzig noch übrigem Sohne Nestor gegen die 

fs &') das WaZs übernahm und nach allerlei Epeier und machten grofte Beute. Wahrend 

Mühsal gücklkh bestand. Nach Odyssee 15, diese in Pylos verteilt wird rucken dje Epeier 

f 2 9ff nahm Neleus dem Melampus während wieder heran bis zum Alpheios, und belagern 

seiner AWsenheT in Phylake auf ein volles die Grenzstadt Thryoessa Athena verkündet 

rri!rS ^ Paus (i 36 3) er- dies dem Neleus. Dieser will den noch jugend- 

Snt oei der 'ßescSun^öi Pylos Uh . liehen Nestor nicht mitziehen lassen, und ver- 

Tine Grotte daselbst in der L Stallungen der birgt ihm .^Tv^n XeeeT tote 

Rinder des Nestor und früher des Neleus ge- 10 aus und ruckt den Epeiern entgegen, in aer 

™ seien und dk w rklich in dem meste- Nacht vor der Schlacht lagern die Pylier am 

When Altpylos auf Koryphasion wieder auf- Minyeios und gelangen bis Mittag des nächsten 

msunen Äiipyios aui Jiuijpii<» « r „, t: ,.„ Tacrp» vor Thrvoessa. Nestor tötet des Augeias 

ge unden wurde s. LoThng a a. , C*.*.«, gg^vor Ihryoes^ «l ^ J &m 

ÄSmÄ d esSef.e aÄwahr nur durch die Hilfe ihres Vaters Poseidon^ Bis 

Äng aufmerksam, dafs der Reichtum der Buprasion wurden die J^ ™**™Ä 

Menschen iener Zeit vorwiegend in Eofs- und Neleus erscheint um diese_Zeit als betagter 

RÄerden bestanden habf und dafs sie dar- Greis, der nicht mehr am Kamp e tedmmmt 

auf auseineen diese möglichst zu vermehren. Nach Paus. 5, 8, 2 soll er mit Pelias die 

Rau^ und Beutezöge nach solchen Herden io olympischen Spiele hergestellt haben. Aus der 

SbenAnMs zuvfelen Fehden und auch Neleus, obigen Homerstelle^ ergiebt sich wenigstens, 

S Herdenrekhe hatte darob solche Kampfe dafs er mit seinen Rossen an elischen Kampf- 

- E ÄeÄnlafs hatte der Krieg, den ^Ä der .P ftÄ ^ 

Sohn Iphitos von Oichalia erschlagen hatte, ladon [und Jardanos?]. 

von dieser Blutschuld zu reinigen, weil Neleus So treten überall die e.genen Thaten des 

von dieser muiscnum f" B • Neleus zurück hinter denen seiner Sohne, er 

Zu" ? SM S JLloJs SalöglTäei so selbst steht nur inmitten seines Reiches als 

denJNeleus senon im aiesemj^ p , at tisch-ionischen Kolonie Milet, gewesen 

Wer ^ursprünglich unter hvlog das Thor der ^fearf. 1885, 437 ff. Stadtgeseh. v.Aihm S 79. 
Urt^ff££±> sei; durch die Gleichsetzung 50 ^^^IZt^^tlttS. 
m 4f <1ptti Npleischen Pvlos sei dann die Sage Nach Schol. II. 10, 334 niels er so,, weu eine 

andere dafs Nelens dem Herakles die Rinder Suppl. m Jahns Jahrb. 12, 4, 632: als Ohne 

bcnoi. r%nu. \ji. », * r Kompositums, dessen erster Bestandteil finster, 

In 'der II 11 671ff. erzählt Nestor aufser 60 schwarz, bedeutet; nach Strabon 449, 14 .habe 

dem ge egintUcn eingefiochtenen Krieg mit Nr,lsi S ein Flufs a»/ E^oia gehexfsen ^ dessen 

Herakles noch von einem Raubkrieg, den die Wasser die davon trinkenden Schafe schwarz 

Ineier-Ele" er ermut gt durch die Niederlage, färbte, und auch K»lo S (s. d.) der Name des be- 

dHL Pylfer duTch Herakles erlitten, ge?en kannten Flusse», bedeute ^«"^ *"« 

Neleus unternahmen. Dieser hatte auch (v. 699 Flufs auch hebräisch der Schwade ^ 

b's 702) vier Rosse zum Wagenwettkampf nach heifce (vgl. auch Vsener, ™*™™ ^g- 

Elis geschickt, Augeias hatte sie zurückbehalten Diese Etymologie hat sehr viel *« «cb, 

und viele andere Pylier ähnlich geschädigt wenn man bedenkt, dafs auch der Name von 



111 



Neleus 



Neleus 



112 



Neleus' Bruder Pelias „blauschwärzlich" be- 
deutet; vielleicht sollen beide Namen auf die 
Abstammung von Poseidon, dem 7Cuttjq xva- 
vo%alzrig und fiBXayxaitrjg itaQtt*oitr)g (Epith. 
deorum) hindeuten. Alle diese Erklärungen 
haben aber aufser der letzten das Gemeinsame, 
dafs sie nur passen, wenn Neleus ein Beiname 
ist, den sein Träger nach seinen späteren Schick- 
salen erhielt, nur die Namensbedeutung Schwarz 



gekommen; von Alkmai on nnd den Söhnen 
Paions stammten die Alkmaioniden und Paio- 
mden, Melanthos aber sei König geworden, 
indem er den letzten Theseiden Thymoites 
stürzte, vgl. Herod. 5, 65 und vor allem die gründ- 
liche UnterBuchung Toepffers a. a. 0. S. 225 ff. 
Melanthos (s. d.) ist zugleich Eponym des atti- 
schen Demos Melainai. Unter seinem Sohne 
Kodros hätten sich dessen zwei älteste Söhne 



ist derart, dals sie annehmen läfst, dieser Name 10 Medon und Neileus (Neleus) über die Thronfolge 



sei ihm schon von Geburt an beigelegt worden. 
Dasselbe läfst sich auch von der Etymologie 
aus vt] und Hleos sagen (Pape-Benseler), die 
allerdings die Aussetzung des Neugeborenen 
voraussetzt, der ohne Erbarmen dem Verderben 
preisgegeben wird. 

2) Sohn des Kodros von Athen, Gründer 
von Milet. Über diesen selbst ist wenig zu 
sagen; er gewinnt seine Bedeutung erst in dem 



entzweit, da dieser unter jenen, der an einem 
Pufse lahm war, sich nicht fügen wollte. Die 
Pythia entschied für Medon, und Neleus wanderte 
mit den übrigen Söhnen des Kodros als Führer 
jonischer Kolonieen, denen sich auch Athener 
anschlössen, nach Kleinasien aus (Paus. 7, 2, 3): 
Neleus nach Milet, wo am Wege nach Didymoi 
sein Grab gezeigt wurde, Damasichthon und 
Prometheus (oder Promethos) nach Kolophon, 



Zusammenhang der Genealogie, die ihn mit 20 Androklos nach Ephesos und Samos, Kyaretos 



dem Pylier Neleus verbindet. Milet galt als 
eine Kolonie von aus Attika ausgewanderten 
Joniern; nach Athen seien mit Melanthos, 
dem Vater des Kodros, viele Messenier aus- 
gewandert und hätten (ergänze : nachher, unter 
des Melanthos Enkeln) mit den Joniern ge- 
meinsam eine Kolonie nach Kleinasien ausge- 
führt, Strabon 633. Aber nicht nur Milet, son- 
dern auch eine Anzahl anderer zu der jonischen 



(Strabon Kydrelos) nach Myus, Neleus' Sohn 
Aipytos nach Priene, Damasos und Naoklos 
nach Teos, nachdem schon vorher ein Nach- 
komme des Melanthos, namens Apoikos, dahin 
gekommen, Kleopos (Str. Knopos) nach Ery- 
thrai. « 

Bedeutungsvoll ist besonders pie Angabe 
Strabons, dafs Neleus einen Altar »uf dem Po- 
seideion errichtet habe. Erwägt man nämlich, 



Dodekas gehöriger Städte sollte von den Enkeln so dafs die 12 kleinasiatischen Jonierstädte die 



dieses Melanthos gegründet worden sein. Den 
Phokäern aber wurde der Beitritt zum Pan- 
ionion nur gestattet, nachdem sie von Teos und 
Erythrä Könige aus dem Geschlecht der Ko- 
driden angenommen hatten, Paus. 7, 3, 10. 
Strabon 632 berichtet nach Pherekydes, den 
Anfang dieser Auswanderung der Jonier habe 
Androklos, der echte Sohn des Kodros, gemacht, 
indem er Ephesos gründete. Neleus, aus Pylos 



Stammesfeier der Panionien im Dienste des 
(helikonischen) Poseidon begingen, so ist es 
begreiflich , dafs sie die Abstammung ihrer 
Gründer auf Poseidon selbst zurückzuführen 
suchten (vgl. die Forderung, dafs die Phokaier 
Könige aus dem Geschlecht der Kodriden, also 
des Pyliers Neleus, annehmen mufsten, um ins 
Panionion Aufnahme zu finden), und das gelang, 
wenn der alte Neleus, von dem die Kodriden 



stammend, gleichfalls ein Sohn des Kodros, 40 sich herleiteten, aus einem Sohne des Enipeus 



habe Milet erbaut und auf dem Poseideion einen 
Altar errichtet; der Kodride Andropompos habe 
Lebedos, die unechten Kodrossöhne Kydrelos, 
Nauklos, Knopos die Städte Myus, Teos und 
Erythrai gegründet, die Gründung von Priene 
schreibt er Aipytos, dem Sohne der Neleus 
von Athen, zu. Das Bemerkenswerte an diesen 
Gründungssagen ist, dafs alle diese Gründer 
von dem Pylier, resp. Messenier Melanthos 



zu einem Sohne des Poseidon gemacht wurde, 
und das wird wohl in Jonien geschehen sein. 
Denn dafs er ursprünglich für einen Sohn des 
Flufsgottes Enipeus galt, geht aus der Erzäh- 
lung des Odyssee selbst hervor, wonach Tyro 
ihren Geliebten zunächst für Enipeus halten 
mufste, ehe er sich ihr beim Scheiden als Po- 
seidon vorstellte. Auf diesen Hergang deutet 
auch das Heiligtum des Poseidon- Enipeus in 



stammen sollen. Damit ist zu vergleichen, was 50 Milet (s. 0.), darauf auch vielleicht der Umstand, 



Paus. 2, 18, 8 über die Übersiedlung der Pylier 
aus Messenien nach Athen berichtet (vgl. Hel- 
lanic. bei Müller, fragm. hist. Gr. 1, p. 47, frg. 10). 
Hiernach vertrieben die Herakliden die Nach- 
kommen des Pyliers Neleus aus Messenien. Das 
Stemma der Neleiden s. bei Toepffer, Att. Geneal. 
S. 320. Die von den Herakliden vertriebenen 
Neleiden waren Alkmaion, Peisistratos , die 
Söhne Paions und Melanthos, der Vater des 



dafs sonst im Epos die poseidonische Abkunft 
des Neleus nirgends besonders hervortritt. Die 
Sage von der Flucht der Pylier vor den Hera- 
kliden nach Athen enthält jedenfalls einen ge- 
schichtlichen Kern, vgl. Busölt, Gr. Gesch. X\ 
214f., und so ist auch wohl dessen Vermutung 
richtig, dafs die grofse Rolle, die Nestor in 
der Ilias spielt, dem Umstand zuzuschreiben 
sei, dals die Gründer der jonischen Städte sich 



Kodros.*) Diese seien mit Ausnahme des 60 von dem pylischen Königshause herleiteten. 



Peisistratos, von dem Pausanias nicht anzu- 
geben weifs, wohin er gewandert, nach Athen 

*) Dafs die Vertriebenen drei verschiedenen Genera- 
tionen angehören, hat nichts Auffallendes, wenn man er- 
wägt, dafs Neleus 12 Söhne hatte, von denen der Stamm- 
vater des Melanthos der älteste, der des Peisistratos der 
jüngste, und dieBer Peisistratos selbst wieder der Sohn 
des jüngsten Sohnes des Nestor war. 



[Vgl. über die Flucht der Neleiden nach Athen 
vor allem Toepffer, AU. Geneal. 239: „Da der 
Adel der hervorragendsten ionischen Städte 
sich aus Messenien herleitete und den pylischen 
Helden Neleus, den Begründer der staatlichen 
Ordnung und Kultur Ioniens, als Ahnherrn ver- 
ehrte, so konnten die Athener ihren gleich- 
lautenden Ansprüchen auf die Kolonisierung 



113 



Nelisa 



Nemausus 



114 



des Landes nur in der Weise Geltung und 
Nachdruck verleihen, dafs sie ebenfalls an 
Messenden anknüpften und den Stammvater 
des dortigen Königshauses zum Ahnherrn ihrer 
alten Geschlechter machten" u. s. w. Ein 
Heiligtum (isgöv, zipevog) zov KöSgov Kai xov 
N-qltcog Kai rr]g BuoiXt}? wird in einem atti- 
schen Volksbeschluss v. J. 418 v. Chr. erwähnt 
('Eq»jfi. üqx- 1884 p. 161. American Joum. of 



der jüngere Sohn des Königs stirbt. Den 
älteren nimmt sie zugleich mit dem Sarge 
auf das Schiff mit. Auch dieser (c. 17), der 
den Namen Maneros oder nach anderen Pa- 
laistinos oder Pelusios führt, erleidet den Tod 
und zwar durch den Blick der Göttin, als er 
sie belauscht, wie sie weinend den Leichnam 
des Gemahls liebkost. — Über die Rolle der 
Stadt Byblos im Osirismythus s. die oben 



arch. 3 p. 38ff.; vgl. Usener, Götternamen 12 ff. 10 Bd. 1 Sp. 1866 f., Bd. 2 Sp. 373 u. 2305 ver- 



Toepffer a. a. 0. 240 Anm. 2. Arch. Ztg. 43, 
163). Über die Neleustochter Biegeis s. d. 
u. vgl. Immisch, Klaros 129, 6. Ein milesi- 
sches Fest Nrjlrjtg (sogrij) erwähnen Plut. muh 
virt. 16 u. Polyaen. 8, 35. Röscher.] 

[Weizsäcker.] 

Nelisa? s. Hesperiden Bd. 1 Sp. 2598. 

Nelo (NrjXm, Neilm? Hercher), Tochter des 
Danaos, vermählt mit dem Aigyptiden Meno 



zeichnete Litteratur, auch Aristides Apologia 
c. 12 [Texts and Studies 1 nr. 1. Cambridge 
1891 p. 45. 60 f. 107. Texte u. Untersuchungen 
Bd. 9 Heft 1 Abh. 2 p. 14. 52. 89), besonders 
aber Maspero, Hist. anc. des peuples de V Orient 
classique 2 p. 174 Anm. 6 u. p. 570 — 572. In 
dem Namen Nemanus, den noch Lepsius (bei 
Parthey a. a. 0. p. 196) für unägyptisch hielt, 
haben Brugsch, Die fremde Aphrodite in Mem- 



machos (wie jedenfalls mit L. Dindorfiiir das 20 phis, Zeitschr. f.äg. Spr. 1 nr. 1, vgl. Bei. u 



überlieferte Menachos zu schreiben ist) Apollod. 
2,1,5,5. [Stoll.] 

Nemaios (Nspafos). Eine Münze desPostumus 
mit der Darstellung des löwenwürgenden Hera- 
kles trägt die Legende Herculi Nemaeo, Eckhel, 
Doctr. num. vet. 7, 444. \J. de Witte, Recherches 
nur les empereurs qui ont regne dans les Gaules. 
Lyon 1868. 4°. p. 30 nr. 100 PI. 7 nr. 100 a . 
J. de Witte, Medailles inedites de Postume. 



'Myth. d. alt. Äg. p. 471 (hier frageweise), 
Lauth, Über den ägyptischen Maneros, Sitzungs- 
ber. d. Königl. boyer. Ak. d. W. z. München 
1869 2 (p. 163—194) p. 184, Dümichen, Gesch. 
d. alt. Aeg. p. 187 und Maspero a. a. 0. 1 
p. 104 Anm. 3 die Bezeichnung einer der bei- 
den Genossinnen des Thot von Hermopolis, 
Nehemäuit, Nehemuait, Nahmäouit oder ähn- 
lich (s. Dümichen a. a. 0. Brugsch, Bei. p. 471. 



Paris 1845 (Extr. de la Bevue Num. 1844)30 Lanzone, Diz. di mitol. egizia p. 434 ff. Mas- 



p. 6f. PL 8, 1. Drexler.] [Höfer.] 

Nemanus (Nepuvovg) wird von Plutarch de 
Js. et Os. c. 15 p. 26 ed. Parihey als einer 
der Namen der Gemahlin des Königs Malkan- 
dros von Byblos (neben Saosis u. Astarte) be- 
zeichnet. Isis, so erzählt Plutarch c. 15, hat 
erfahren, dafs die Lade mit dem Leichnam 
des Osiris bei Byblos ans Land gespült, an 
einer Erike abgesetzt und zusammen mit dem 



pero a. a. 0.) erkannt. Die Dreinamigkeit der 
Königin bei Plutarch erklärt Maspero a. a. 0. 
2 p. 571 Anm. 1 sehr ansprechend in folgen- 
der Weise: „Astarte est le nom que la reine 
prenait dans la version phenicienne: la contre- 
partie egyptienne du meme recit lui substituait 
celui de Nemanous ou celui de Saosis, e'estä-dire 
deux formes prinzipales d'Häthor, l'hermopoli- 
taine Nahmäouit et l'heliopolitaine Jousasit . . . 



sie umschliefsenden*), vom König Malkandros 40 II semble re'sulter de la presence de ces noms, 



abgeschnittenen Baum in den Palast des Herr 
schers gekommen sei, wo die Erike als Stütze 
des Daches dienen sollte. Dürftig gekleidet 
setzt sich die Göttin an eine Quelle und 
haucht den Mägden der Königin, denen sie 
das Haar flicht, ambrosischen Wohlgeruch ein. 
Die Königin wird durch den Duft von Ver- 
langen nach der Fremden erfafst. Sie macht 
sie zur Amme ihres Kindes. Isis, erzählt 



qu'il y avait, en Egypte, aux moins deux ver- 
sions des aventures pheniciennes d'Isis, l'une 
d'origine heliopolitaine, l'autre purement hermo- 
politaine." 

Nehemäuit ist also, wie bemerkt, eine Form 
der Hathor. Ihr Name bedeutet nach Dümi- 
chen, „die vom Übel Errettende" („die, welche 
den Gewaltthätigen abwehrt", Brugsch, „celle 
qui arrache le mal", Maspero), in Anspielung" 



Plutarch weiter (c. 16), nährt das Kind, indem 50 auf das die bösen Geister scheuchende Seistron, 



sie ihm den Finger in den Mund steckt — ein 
von dem griechischen Autor nicht verstandener 
Ritus der Adoption (Maspero, Eist. anc. des 
peuples de l'Orient classique 2 p. 487 Anm. 1. 
p. 571 Anm. 2) — , verbrennt bei Nacht die 
sterblichen Teile desselben und umfliegt als 
Schwalbe klagend die Säule, welche die Lade 
mit dem Leichnam ihres Gemahls birgt. Einst 
kommt die Königin dazu und bricht in lautes 



Angstgeschrei aus. Sie vereitelt dadurch die 60 nr. 174. [Drexler. 



dessen Aufsatz das Haupt der Göttin ziert 
(s. die Abbildung bei Brugsch, Bei. p. 471 u. 
bei Lanzone Tav. 174 Fig. 1 — 3), und in dessen 
Gestalt sie auf dem Torso nr. 401 des Museo 
Nazionale in Neapel (abgebildet bei Lanzone 
p. 436) erscheint. Bronzestatuetten der Göttin 
aus der Zeit der 26. Dynastie werden ver- 
zeichnet von E. Allemant, Coli, d'arttiquite's 
egyptiennes Londres (1878) p. 18 nr. 90. p. 35 



Absicht der Göttin, dem Kinde die Unsterb- 
lichkeit zu verschaffen. Nun giebt sich Isis 
zu erkennen, erbittet die Säule und bricht in 
so heftiges Klagen über der Lade aus, daft 

*) Tgl. eine Darstellung bei Mariette, Denderah 4 
p. 66, welche den Busirischen Osiris in seiner Lade lie- 
gend, durch welche ein Baum hindurch gewachsen zu 
sein scheint, vorführt, Brugsck, Die Ägyptologie p. 310. 



Nemausicae s. Namausicae. 

Nemausos (Nciiavaog), ein Heraklide, nach 
welchem die gleichnamige Stadt in Gallien 
benannt war, Parthenius bei Steph. Byz. s. v. 

[Stoll.] 

Nemausus. Die Quelle der Stadt Nemausus 
(Auson. urb. nob. XX 33 p. 154 Peip. vitrea 
non luce Nemausus purior) genofs, wie es 



115 Nemea Nemeios 116 

scheint schon seit ältester Zeit, göttliche Ver- Auf Vasenbildern erscheint Nemea anwesend 
ehrung. Das beweisen die in und an derselben bei der Leichenfeier des Archemoros, insehrifl- 
gefundenen Votivgegenstände , darunter eine lieh bezeugt auf der Archemorosvase, wo sie 
Anzahl von Inschriften, die dem deus Nemau- im Gespräche mit Zeus dasitzt (Neapel nr. 3255. 
sus geweiht sind (C. I. L. 12, 3072. 3077. 3093. C. I. G. 8432, abgeb. Overbeck, Gal. her. Bildw. 
3102. 3132. 5953 [Überlieferung unsicher]; die Taf. 4, 2 u. Baumeister, DenJcm. d. Uass. Alt. 
griechische Inschrift 0EQ NEMAYCQ ist wohl S. 114, vgl. Brunn, Ann. d. Inst. 22, 333f.). Auch 
eine Fälschung, G. I. L. 12, 254*). Nach der auf den zahlreichen rot- und schwarzfigungen 
„heiligen", „göttlichen" Quelle — das bedeutet Darstellungen der Bezwingung des nemeischen 
der Name (s. Glück, Kelt. Namen p. 16 75. to Löwen durch Herakles hat man in der als 
Pictet, Bevue celtique 2, p. 5 f.) — ist dann Gegenstück zu Athene dargestellten Frauenge- 
die Stadt benannt worden. Der Gott heifst stalt, die häufig durch erhobene Arme ihren 
Nemausus oder deus N, zweimal hat er das Anteil an dem Vorgange kundgiebt, Nemea 
im südlichen Gallien nicht seltene Epitheton erkannt (z. B. Petersburg nr. 25. 68. 523. Neapel 
Augustus (nr. 3102. 5953). Er wird einmal 2861); auf der grofsartigen rf. Vase in München 
angerufen im Verein mit dem luppiter optimus (nr. 415, abgeb. Man. d. Inst. 6, 27 A und 
maximus Eeliopolitanus (nr. 3072, der Dedikant Baumeister a. a. 0. 656) ist sie freilich als 
ist ein primipilaris aus Berytus), einmal mit Galene bezeichnet. [Wagner.] 
dem Silvanus und Liber pater zusammen (nr. Nemeaios (Nsfieaiog), Beiname des Zeus = 
3132); der Stein nr. 3077 ist geweiht Laribus 20 Nemeios (s. d.), Pind. Nem. 2, 4. Arg. Pind. 
Augustis et Minervae Nemauso Urniae Avicanto Nem. p. 425 B = p. 10 Abel. [Höfer.] 
(die beiden letzten sind ebenfalls Quellgott- Nemeios (Neprfiog), Beiname des Zeus von 
heiten). Sonst geben die Inschriften für den vsfisiv abgeleitet, der, wie Helios, äiaviiici, 
Kultus nicht viel aus. Ein Sex. ütullius Per- zolg sjiI yäs *«« *al ysvieiog *al zgocpäg xal 
seus weiht dem Gotte testamentarisch horolo- ßiozäg zäv ito&änovaav fioigav, Archy\as bei 
gium et cerulas II argenteas (nr. 3100), ein Stob. Floril. 43, 134. [Höfer.] J 
iugarius Namens Censor löst sein Gelübde si Nemeios (Nefinog), Beiname des Zens von 
filia superstit. decessisset (nr. 3102), ein Marius dem zwischen Kleonai und Phlius gelegenen 
Paternus pro patre (nr. 3097). Unter den De- Thal Nemea, wo sich sein Tempel in einem 
dikanten erscheint auch ein quaestor coloniae so heiligen Haine — Nepiaiov sv nolvvfiv^zco 
(nr. 3094). Eine Inschrift steht auf einem dt.bg alaei Pind. Nem. 2, 4 ff. Jibg Nipeoio 
Säulenkapitäl, das also als Votivgabe ge- nag' alaog Theokr. 25, 169 2v yi= ßa&vniSm 
dient hat (nr. 3101), eine andere (jetzt ver- Nejisa Pind.^ Nem. 3, 18 daaxioig $lioivzog 
lorene) auf „uae petite plaque de cuivre jaune" «' myvyCol ogieiv Pind. Nem. 6, 44; vgl. Ol. 
(nr. 3098, vgl. Mowat, Notice epigraphique 9, 87. Strabo 8, 377 — befand, Paus. 2, 15, 2; 
p. 126). — Ausführlich handelt über den fons vgl. Ghandler, Beisen in Griechenland 330 f. 
Nemausus Merimee, de antiquis aquarum reli- Die HanptkultBtätte des Zeus Nemeios war 
gionibus (Paris 1886) p. 12 ff. Vgl. auch Valien- Argos, wo er nebst der Hera Argeia als National- 
tin, Bull, epigr. 2, 80 ff. 122 ff. [M. Ihm.] gott verehrt wurde, Paus. 2, 20, 3. 24, 2. 4, 27, 6. 
Nemea (Neiiia) 1) Tochter des Asopos, nach 40 Schol. Soph. El. 6, und als besondere Ehre ver- 
weicher das argivische Nemea, wo die Spiele liehen die Argiver die demgoSoxla zov Aiog 
stattfanden, benannt war, Paus. 2, 15, 3. Auf zov Nsuiiov %al zfjg "Hgag zijg 'Agyeiag, Arch. 
einem Weihgeschenk der Phliasier in Olympia Zeit. 13, 39. Waddington 1730 a. Opfer an 
war sie mit ihren Schwestern beim Raube der den Zeus Nemeios werden erwähnt auf argi- 
Aigina durch Zeus anwesend dargestellt, Paus. vischen Inschriften C. I. G. 1, 1123. Le Bas 
5, 22, 6. — 2) Die Göttin der Nemeischen Spiele 2, 121 p. 56; das Standbild des Zeus, ayalfia 
war eine Tochter des Zeus und der Selene (von ög&bv %ulv.ovv war ein Werk des Lysippos, 
der nach alter Lokalsage sogar der nemeische Paus. 2, 20, 3. Auch die Athener huldigten 
Löwe abstammte, vgl. Boscher, Selene S. 7 f.) dem Zeus N. : JDemosthenes erzählt, dafs er als 
nach Schol. Pind. argum. Nem. Ebenda wird 50 dgzi&scogog bestimmt gewesen sei ayayeiv xiö 
berichtet, dafs Aischylos (in dem Nemea be- Ad zw Nspeicp zr\v hoivtiv vnlg zf^g icölsmg 
titelten Drama (Nauck, F. T. G. 2 49) den Ar- »srngiav, Bern, in Mid. 32 p.^662; auch zn 
chemoros als Sohn der Nemea bezeichnete. Oineon in Lokris war ein isQOv zov Jiog 
Alkibiades weihte in Athen zwei Gemälde des zov Nepeiov, wo der Sage nach Hesiod er- 
Aglaophon (oder Aristophon), deren eines die mordet sein sollte, Thuk. 3, 96; vgl. ferner 
Nemea zeigte, wie sie den Alkibiades auf die Inschrift aus My las a zftos Nepeiov, Athen. 
ihrem Schofse trug, während auf dem andern Mitth. 15 (1890), 261 und^ die Grabinschrift 
Olympias und Pythias ihn bekränzten, Satyros aus Ephesos zag de nag 'AXyrjä zi/iag xal 
bei Athen. 12, 534d. Plut. Alcib. 16, vgl. Paus. Zrjvl Nsfir,!» ovzog b övonsv&rjg zvyßog ivoa- 
1, 22, 6. Der Maler Nikias hatte auf einem 60 cpiaaxo, Newton- Hicks, Anc. greek inscr. Brit. 
Gemälde, welches Silanus aus Asien nach Bora Mus. 626 p. 246. Auf Münzen von Alexan- 
entführte und Augustus in der von ihm ge- dreia ist der Gott mit der Umschrift Zeus 
weihten Curie anbringen liefs, die Nemea dar- Ncpsiog dargestellt, Head, Hist. num. 719. 
gestellt, auf einem Löwen sitzend, eine Palme Catal. of greek coins Brit. Mus. Alexandria 17. 
in der Hand (vgl. Preller- Bobert, Griech. Myth. Overbeck, Zeus Kunstmythologie 17. Die nemei- 
l 4 , 496, 4). Neben ihr stand ein Greis mit sehen Spiele (Nsfisiu, Nepia oder Nepsi'cov 
einem Stabe, über dessen Haupte eine Tafel dyäv, dyäv xäv Nspeicov, zäv Nspeiatv navri- 
hing, auf der eine Biga dargestellt war. yvgig, Nsiiear.bg äymv etc.) sollen der Sage 



117 



Nemeischer Löwe 



nach von den Sieben zu Ehren des Archemoros 
(a. d.) eingesetzt worden sein, Apollod. 3, 6, 4. 
Arg. Pind. Nem. p. 425 Boeekh. = p. 10 Abel; 
vgl. Paus. 8, 48, 2. — Aelian v. h. 45 nennt statt 
des Archemoros den Pronax (s. d.); eine Er- 
neuerung der Nemeen fand durch die Epigonen 
statt. Paus. 10, 25, 7. [Münzen von Argos 
mit der Aufschrift N6M€IA HPAIA oder häu- 
figer N€M€IA allein s. bei Imhoof-Blumer and ■ 
Gardner, A numismatic commentary on Pau- 10 
sanias p. 33. A Cat. of Ihe Greek Coins in 
the Brit. Mus. Peloponnesus p. 148 nr. 153. 
p. 152 nr. 170; vgl. p. 146 nr. 124 ,,vase inscribed 
]SE". Drexler.] Nemeen wurden ferner gefeiert 
in Aetna in Sicilien, Schol. Pind. Ol. 13, 
158 p. 288 Boeekh, in Megara Schol. Pind. 
Ol. 7, 157 p. 182, in Anchialos in Thrakien, 
Mionnet, Suppl. 2, 223, 108. [Mionnet hat 
offenbar irrig gelesen; die Münzen von Anchialos 
tragen die Aufschrift C6BHPIA | NVM*IA. 20 
A Cat. of the Greek coins in the Brit. Mus. 
The Tauric Chersonese . . . Thrace p. 84 nr. 10 
p. 85 nr. 13. Drexler.] Über die Feier der 
Nemeen handelt ausführlich J. H. Krause, 
Die Pythien, Nemeen u. Isihmien 107 — 164; 
vgl. auch Droysen, Die Festzeit der Nemeien, 
Hermes 14 (1879), lff.; vgl. Nemeaios. 

[H5fer.] 

Nemeischer Löwe s. Herakles. 

Nemertes (Nritxigzfig, Vera; über die Form 30 
vgl. Herodian bei Schol. 11. 18, 39. Lehrs, 
Arisl.* p. 265. Pott, Philol. 2. Supplbd. p. 275), 
1) Tochter des Nereus und der Doris, „die den 
untrüglichen Sinn des Vaters hatte", Hes. 
Theog. 262. Tl. 18, 46. Hyg. fdb. praef. p. 10 
Schmidt. Schoemann, Opusc. Ac. 2, 173. 175. 
Lehrs, Arist. 264 f. Braun, Gr. Götterl. § 99. 
Preller -Robert, Griech. Myth.l 1 , 656. Bei 
Hesiod fafst Bzach vripegzifg als Adjectivum 
auf nach Schol. 253, ügovörjzs | vrjfisgz^g (statt 40 
Nrifiigz^g &') rj nazgog £xsi vöov ä&aväzoio. 
— 2) NrifitQtfis igöeaaa allegorische Personi- 
fikation im Gegensatz zur fisXäyxagnog 'Aeä- 
cpsia bei Empedokles 14 (vgl. Lehrs a. a. 0.). 

[Wagner.] 
t/0 Nemesis (Nstieaig), eine der ältesten Personifi- 
kationen der griech.Mythologie, ist eine derTyche 
verwandte Schicksalsgöttin, unterscheidet sich 
-aber insofern von ihr, als sie aktiver auftritt. 
N. teilt entsprechend ihrer Namensableitung 50 
(Küinutgs jtsgl^&säv 9, [Aristoteles] negi noaji.l) 
und ähnlich wie Moira den Menschen ihre 
Geschicke zu (vb/isi ähnlich dem vöpog, s. 
O. Boßbach in den Gött ing. gel . Ans. 1891 
S. 223. Usener, Götternamen S. 371), während 
die Tyche den Sterblichen zu teil wird (zvy%d- 
vn). Auch tritt die gerecht ausgleichende und 
strafende Gewalt des Schicksals bei N. stärker 
als bei Tyche hervor, sodafs N. manches mit 
Dike und Themis gemein hat. 60 

I, Nemesis in der ältesten Litteratur. 

Als Personifikation kommt N. bei Homer 
ebensowenig wie Tyche vor, obgleich sich die 
Worte vifisaig, vifiseäv, vspsaigeedai häufig in 
der Hias und Odyssee finden (T 156. Z 335, 
351. N 122. S 80. u 350. ß 136. v 330. % 40; 
B 223, 296. T 410. a 119, 158. (3 64 u. ö.) und 



Nemesis (in d. alt. Litteratur) 118 

die verwandten Gestalten der Moiren (Klothen), 
Ate, Aisa und Themis als völlig entwickelte 
religiöse Begriffe auftreten. Es scheint daher 
keineswegs sicher, dafs in der homerischen 
Zeit die Göttin N. unbekannt war, zumal da 
auch bei Euripides nur das Abstraktem vefisaig 
vorkommt und die Personifikation bereits in 
den manchen Teilen der Hias an Alter min- 
destens gleich stehenden Kyprien auftritt. 
Eigentümlich ist den meisten Stellen bei Homer 
der Begriff des 'verargens' oder 'verübelns', 
welcher ursprünglich nicht in vefieiv liegt, 
sich aber aus der Bedeutung des 'zuteilens', 
wenn man sie wie bei dem lateinischen im- 
putare in ungünstigem Sinne fafste, leicht ent- 
wickeln konnte {A. Fulda, Untersuchungen 
über den Sprachgebrauch d. homer. Gedichte 
S. 161. G. Curtius, Grundzüge d. griech. Etym? 
S. 314). 

Bei Hesiod (I. je. r\. 197), der auch Tyche 
kennt, tritt N. in noch recht durchsichtiger 
Personifikation auf, wie sie zusammen mit 
Aidos (vgl. Homer N 121 f. all' tv «ppsol &ia&s 
Exoffftog alSrn kui vefieoiv und das unten an- 
geführte Fragment der Kyprien Vs. 6) die Erde 
mit ihren frevelhaften Bewohnern verläfst, um 
ihren schönen Körper in weifse Gewänder ver- 
hüllend zum Olymp einzugehen. Hier wird 
also allegorisch ausgedrückt, dafs aus der schon 
bei Homer vorkommenden vifisaig äv&giÖTtoav 
(X 40) eine vs/iseig &swv {% 283 fg.) geworden 
ist. Eine ähnliche Behandlung findet N. in 
der Theogonie 223 f.: zt%zs äe xai Ni/t&aiv 
nrjfia dvrjzoiai ßgozoiai \ NvS, 0I07J. Man er- 
kennt deutlich die Spekulation des Dichters; 
die den Menschen Unheil bringende Personi- 
fikation wird in die Göttergenealogie eingereiht 
zur Tochter der verderblichen Nacht. 

Als vollkommen fest gewordene mythische 
Gestalt und in bestimmte Vorgänge der Sagen- 
geschichte verwickelt tritt N. zum ersten Male 
in den Kvngia tnr] auf. Die Seele dieses 
alten Gedichtes ist allerdings die auf Kypros 
hoch verehrte Aphrodite (vgl. Welcher, Ep. 
Cyklus 2 S. 154), aber Stasinos besafs die 
Neigung Personifikationen wie Momos, Themis 
und Eris auftreten zu lassen und hatte nament- 
lich der N. eine wichtige Rolle zugewiesen. 
Ihre und Zeus' Tochter war nämlich die Erre- 
gerin des troischen Krieges, Helena; und Zeus 
hatte die sich ihm entziehende und in ver- 
schiedene Land- und Seetiere verwandelnde 
N. mit Gewalt zur Liebe gezwungen, wie ein 
bei Athenaios 8, 334 b f. (F. E. G. ed. Kinkel 
S. 24 fragm. 6) erhaltenes Bruchstück erzählt, 
welches wohl unmittelbar auf zwei von Clemens 
Alexandrinus protr. 2 S. 26 (ed. Potter, fragm. 6 
bei Kinkel) angeführte Verse folgte: (fragm. 6) 
Käaztog psv 9vrjtbg, &avüzov Ss of alaa ne- 
tcqcozo, | ctvzäg y' a&ävazog TlolvSevtiris, ojog 
"jQrjog. | (fragm. 6) zovg St fiiza zgizäzriv 'Ele- 
vrjv zgiys (so Ahrens in Jahns Jahrbüchern 13 
[1830] S. 106 wohl richtig für das überlieferte 
Text), kaufte* ßgoxoiof | zr\v nozt %aXXC%oft,og 
Nipsaig cpiXöxrjxt fiiytiaa | Ztjvt, fteäv ßaaiXrji, 
zsksv xoattpijc in' aväyxqc | tpevye yäg ovä' 
i&iXev ui%&riinvett iv cpiX6zr]zi | natglJd Kqo- 
vCavi' IxiCgezo yaq cpgevag alSoC | xal repaau- 



119 Nemesis (in d. alt. Litteratur) Nemesis (in d. alt. Litteratur) 120 

natu yjjv Se Kai äxqvyexov piXav vScog \ qpeü- ausgesprochenen Gedankens, dafs der troische 
ysv, Zsvg S' Zäfaxs- Xaßsiv S' eXdatezo »vfiä] Krieg die Erde von der übergrofsen Menge 
aXXoxs fiev kuxu Kvtxa noXvyloicßoio »aXäearig \ frevelnder Menschen entlasten sollte, die Leda- 
h&vi stöou,£vr)v, 'növxov tcoIvv Hoqu&vvsv sage in der Weise geändert, dafs die wahre 
(i£ofo9vvmv Kaibel) | aXXox äv' 'üxeavov no- Mutter der Helena, der Brregenn jenes Kampfes 
rafiov ko.1 xsigaza yairjg, | äXXox' üv' %iteiQOv die strafende N. gewesen sei und (hier sieht 
noXvßwXaKa. yiyvszo S' ahl \ &i]Qi' Sa' rpnsigog man die Konzession an die ältere Gestalt der 
aiva {Suva Welcher} TQtyei, oyga tpvyoi viv. Sage) Leda nur ihre Erzieherin. Denn dafs, wie 
Die hier abbrechende Schilderung ist das durch A. Furtwängler (Samml. Sabouroff, Vasenemleit. 
die Sagen von Peleus und Thetis sowie De- 10 S. 10 ff.) annimmt, erst später Leda an die 
meter und Poseidon bekannte und auch der Stelle der N. gesetzt sei, ist an und für sich un- 
bildenden Kunst geläufige Motiv einer mit wahrscheinlich und von E. Posnansky (Nemesis 
Verwandlungen verbundenen Liebesverfolgung. und Adrasteia in den Breslauer phil. Abhdlgn. 
Dem Dichter der Kyprien wird es wohl schon Bd. 5 Heft 2 S. 12 ff.) zurückgewiesen worden, 
aus der ihm vorliegenden Fassung der Leda- Ob Stasinos für seine Änderung des Mythos 
sage, die er seinen spekulativen Ideen zu Liebe etwa einen Anhalt in einem kyprischen Kult 
änderte, bekannt gewesen sein. Wie die Er- der N. hatte, läfst sich nicht nachweisen. 
Zählung schlofs, läfst sich natürlich nicht mit Späteren war dies Verhältnis der Leda zur Ä. 
Sicherheit sagen, wahrscheinlich ist aber, dafs so unklar, dafs Lactanz inst. 1, 21, 23 an- 
Zeus die in eine Gans verwandelte N. in der 20 nehmen konnte, N. sei der Kultname der nach 
Gestalt eines Schwanes ereilte, ihre Liebe ge- ihrem Tode konsekrierten Leda. 
wann und sie ein Ei gebar, welches Leda Wichtig für die Beurteilung des Wesens 
später fand. Denn die Nachricht eines Scho- der N. ist auch der Umstand, dafs sie in den 
lions zu Clemens Alexandrinus protr. 2, 37 von beiden frühesten Erwähnungen, in AeaKijpnen 
der Verwandlung des Zeus bei diesem Liebes- und bei Hesiod, eine völlig selbständige Per- 
abenteuer in eine Schlange kann gegenüber - Bonifikation ohne jede Anlehnung an eine ältere 
dem Schweigen Ovids tuet. 6, 103 in dem Ka- Gottheit ist. Man hat nämlich Beziehungen 
talog der Liebesverwandlungen von Göttern zur Aphrodite und Artemis dann erkennen 
und der an und für sich glaubwürdigen Über- wollen, dafs die Nemesisstatue des Agorakritos 
lieferung bei Eratosth. cat. 25 u. a. nicht in 30 (s. unten) in der einen Hand einen Apfelzweig 
Betracht kommen. Dagegen ist der aus der- trug, und dafs an ihrem Kopfschmuck Hirsche 
selben Stelle seit U. v. Wüamowitz (Hermes 18 angebracht waren, ferner die von Phmus n. h. 
i"1883] S. 262 Anm. 1) fast allgemein gezogene 36, 17 erzählte Anekdote von dem Wettbewerb 
Schluß, Zeus habe die Liebe der N. in Rhamnus des Alkamenes und des Agorakritos um eine 
gewonnen und 'die Grundlage der Kyprien- Aphroditestatue für Athen dafür angeführt, 
sage' sei f rhamnusisch', nicht berechtigt. Die Als Agorakritos unterlag, soll er sein Werk 
alten Epiker pflegen nicht Lokalsagen kleiner unter der Bedingung verkauft haben, dafs es 
fremder Orte zum Ausgangspunkt ihrer Gedichte nicht in Athen aufgestellt werde, und ihm den 
zu machen und die erwähnte Stelle des Erato- Namen N. gegeben haben (s. unten, Posnansky 
sthenes nennt nicht die Kyprien, sondern Kra- 40 S. 6 ff., Studniczka, Kyrene S. 159 ff., 166). 
tinos als Quelle der das Liebesabenteuer nach Von diesen Zeugnissen mufs zunächst die den 
Rhamnus verlegenden Gestalt der Sage. Da- Stempel der Erfindung auf der Stirn tragende 
gegen liegt eine das Fragment ergänzende Künstlerlegende wegfallen, welche offenbar an 
wohl als Inhaltsangabe der Kyprien zu fassende den Umstand anknüpfte, dafs die Rhamnusische 
Nachricht bei Apollodor bibl. 3, 127 (ed. B. Statue einige Ähnlichkeit mit einer Aphrodite 
Wagner) vor: liyovei äe evioi Nsfieosrng 'Eis- hatte, was ja bei der Darstellung einer jugend- 
vriv slvai Kai Jwg. zavzvv yag xyjv Jibg <piv- liehen Göttin nichts Auffälliges an sich hat. 
yoveav avvovaiav dg %rjva xr\v fiogcpiiv pexa- Dann werden aber auch Zweige mit und ohne 
Baleiv, bfx,oim&ivxa de Kai äia \zm\ kvkvco Blüten oder Früchte in den verschiedensten 
evveX&iiv xr\v Si cöbv s* ttjs ovvovaiag äico- 60 Darstellungen von Göttinnen und sterblichen 
■tiKtlv, toöxo 8h sv Tofc aXasaiv (aXasaiv excerpt. Frauen in den Händen getragen. Endlich waren 
Sabb., sXsaiv Preller, Griech. MythoVZ, S. 110, die Hir 8 che ganz als Nebenwerk an dem bte- 
Anm. 5, vgl. Tzetzes zu Lykophron 88, Säaseiv phanos der Statue angebracht und wohl nur 
I. BekUr) svgövza zivä itoifievu Ar\Sa. Kopl- von rein dekorativer Bedeutung wie die A.thio- 
aavxu Sovvai, xtjv Ss jcara#s(is»7)v «'s XÜQvaKU pen an der goldenen Schale, welche die N. 
tpvXäaceiv Kai %qgvco KaftriKovzi. yevvn&eioav in der rechten Hand hielt (s. unten). Noch 
'EXsvtjv mg e£ Qfurfjs frvyaxega xQitpuv. Die weniger ist man berechtigt Beinamen wie 
Kyprien haben also offenbar den Ort, wo Zeus Ovmg (Herodes Atticus in den Epigramm. Graee. 
die N. ereilte, unbestimmt gelassen (worauf ex lapidibus conlecta eA. G. Kaibel 1046^ 61 
auch die ganz allgemeinen Ortsangaben über 60 rj % ln\ Igya ßgoxäv bgäag, Paiivoveiag Ovm), 
die Ausdehnung der Verfolgung in dem Bruch- 'JgiazoßovXri und Eivofiia (Artemidor 2, 37) 
stück schliefsen lassen), jedenfalls nicht Rham- für die Anlehnung an Artemis geltend zu 
nus genannt. Dies wurde erst in der vor machen (Posnansky S. 25 ff.), weil diese ebenso 
Kratinos nicht nachweisbaren attischen Lokal- benannt wird. Die beiden letzteren können 
sage eingesetzt, weil sich daselbst ein Tempel so ziemlich jeder weiblichen Gottheit beigelegt 
der Göttin befand. Stasinos hingegen hat werden und nicht minder der Name Ovnig, 
wieder wegen des von ihm im Eingang der der vielleicht von Herodes selbst der Göttin 
Kyprien bei der Beratung des Zeus mit Themis gegeben ist wegen der von ihm erkannten 



121 Nemesis (alt. kleinasiat. Kulte) 

Ableitung -von öWfofica. Zudem sind alle diese 
Erwähnungen, auch die des Demetrios von 
Skepsis bei Harpokration und Suidas unter 
'ASgäexna, wo er diese mit N. identifizierte 
Gottheit geradezu als Artemis bezeichnet, viel 
zu jung, als dafs man aus ihnen einen Schlufs 
auf das ursprüngliche Wesen der N. machen 
dürfte. 

H. Älteste Kulte der Nemesis 
in Kleinasien. 

Bestätigt wird die Auffassung der N. als 
reiner Personifikation in den ältesten litterari- 
schen Erwähnungen auch durch die Nachrichten 
über ihre ältestenKulte. Hier ist zunächst 
der Ton Posnansky (S. 59, vgl. S. 6) u. a. be- 
gangene Irrtum zurückzuweisen, dafs Rhamnus 
die älteste Stätte gewesen sei, wo N. verehrt 
wurde. Vielmehr fand der älteste Kult der 



Nemesis (alt. kleinasiat. Kulte) 122 

gegebene Inschrift auf einem Hämatit in der 
Sammlung H. Hoffmann in Paris: "lg S-ebg Xe- 
yif os äyafrjj l/>uj;j? a*r\vrjv 9vfi[e]lrjg sitü- 
xtjos, | xovxca koiI -V.p.at[e] xal XctQixsg ovvs- 
itovcs xtX. 

Merkwürdig ist, dafs in dem smyrnäischen 
Kult N. iu der Zwei zahl auftritt. Es liegt 
nahe, hier an eine Verkörperung der beiden 
Eigenschaften der bald gutes, bald böses spen- 
10 denden Schicksalsgöttin zu denken (so z. B. 
E. Gerhard, Prodromus mytholog. Kunsterklä- 
rung S. 106 Anm. 166), aber es fehlen Nach- 
richten, welche diese Annahme beweisen, und 
durch die Attribute der beiden Göttinnen auf 
den Münzen von Smyrna (s. unten) wird sie 
nicht unterstützt. F. G. Welcker (Griech. Götter- 
lehre 3 S. 34) meint dagegen, die Zweizahl habe 
überhaupt keine andere Bedeutung als die 
Mehrheit, gewöhnlich aber Dreiheit anderer 



N. in dem ionischen Smyrna statt, ebenso 20 Dämonen. Jedenfalls ist sehr wahrscheinlich, 
- - - ...__. - ß^ man g j cn se jj. ,j er (j r ü,„i U j)g YO n Neu- 

smyrna in den beiden N. die Stadtgöttinen 
der Alt- und Neustadt verkörpert dachte. Diese 
Auffassung liegt nämlich der Legende von 
dem Traume Alexanders des Grofsen zu Grunde, 
durch welchen die Gründung von Neusmyrna 
veranlafst sein soll. Pausanias 7, 5, lff. er- 
zählt, die N. des Heiligtums auf dem Pagos 
seien ihm erschienen und hätten ihm befohlen, 



wie sich eine der ältesten Erwähnungen der 
Göttin in einem ionischen Epos findet. Denn 
während wir von der rhamnusischen N. nichts 
vor dej^ Statue des Agorakritos wissen, steht 
die <_*nyrnäische schon mit Bupalos in Ver- 
bindung. Pausanias 9, 35, 6 sagt in dem Ex- 
kurs über die Tracht der Chariten: tu ys äg- 
%ai6xeqoc (tag Xclgixag) ijjoiioas sa&fjta 0? rs 
itXäaxai xai ytaxu xa xavxä snoiovv (^ „a>y<?a 



woi, xai Savgvaloig sv xm iegä xäv Neue- 30 die Stadt dorthin zu verlegen, was noch durch 



aeiav vnkg xmv äyaXjiäxmv %gvaov Xagixig ava 
xcivtat xt%vr\ BovitaXov. Ahnlich rechnet er 
1, 33, 7 dieselben ayuäxaxa £oa»a der N. neben 
dem von Rhamnus zu den ÖLQ%cäa im Gegen- 
satz zu dem späteren geflügelten Typus. 
Wenn Bupalos für den smyrnäischen N.tempel 
goldene Chariten anfertigte, die sich oberhalb 
der Kultbilder befanden — zu der Annahme, 
dafs die Chariten erst später dorthin gelangt 



ein Orakel des Apollon von Klaros bestätigt 
wurde. Dann fährt er fort (§ 3): o-too usxm- 
Kiaavxo i&eXovxai xal Svo Ntasesig vopliovaiv 
ävxl fiuüg. 

Von einer weiteren Kultstätte der N. , die 
schon zur Zeit des Antimachos bestand, 
also wieder eines ionischen Dichters aus dem 
Smyrna benachbarten Kolophon, wissen wir 
aus einem von Strabo 13, 588 u. a. (G. Kinkel, 



seien , liegt kein Grund vor — , so mufs der 40 Epicorum Graec. fraym. 1 S. 289 nr.^ 43) über 
• ■ '■ ' ' - T ' ----••■--- j---o-.-i_.ii-_- lieferten Bruchstück der Thebais: laxi äs xig 

Nifiseig (ityäXri oT-ös, tj tääe navxu \ ngog fia- 
Htigav elcc%sv ßiapov Sc ot staaxo ngwxog | 
"Aägrjoxog aoxaaolo naga goov Al<sipioio, \ sv&a 
xexC(t.r\xul xe xal 'Aäg^ataa Kultixui. Dafs 
Antimachos einen seiner Ansicht nach von dem 
argivischen Helden Adrastos (die Woite bei 
Harpokration unter Adgäaxsiav • 'ASgaaxov xov 
Talaov vsfisari&svxog £<p' olg xmv &rjßai'cov 



Nemesiskult schon bei Lebzeiten des Künstlers 
in Altsmyrna bestanden haben. Wie die Cha- 
riten mit den Kultbildern zusammenhingen, 
läfst sich bei der Kürze der Nachricht des 
Pausanias nicht fe:>tstellen. Vielleicht standen 
sie auf Säulen oder einer sonstigen Vorrich- 
tung, wie ähnliches auch sonst von den Neben- 
figuren kolossaler Tempelstatuen überliefert 
wird (vgl. Pausanias 5, 11, 7 vnhg xr\v xsqpa 



Xrp> xov ttydXpuxog und 3, 18, 14). Ferner kann 50 xtxxriXagovi-veuxo, elxa ex xiväv aavxumv 



man eine auf Münzen von Rhodos aus der 
ersten Kaiserzeit vorkommende Darstellung 
heranziehen (ßatalogue of Greek coins in the 
Brit. Mus. Curia and islands S. 267, Taf. 43, 
2 fi., vgl. ebd. Lycia S. 82 Taf. 17, 4), wo über 
einer stehenden langgewandeten Fra'uenfigur, 
welche den rechten Arm in dem der N. eigen- 
tümlichen Bewegungsmotiv an den nöXnog ihres 
Gewandes zu legen scheint, zwei kleine Flügel 



eafiivov tsgov Neueaicog scheinen auf genauerer 
Kenntnis des Antimachos zu beruhen) einge- 
setzten Kult der N. Adrasteia am Äsepos kannte, 
darf, trotzdem nach Strabon später dort kein 
Heiligtum derselben mehr vorhanden war, 
nach diesen Versen nicht bezweifelt werden; 
Antimachos scheint aber auch der erste ge- 
wesen zu sein, welcher die der hellenistischen 
und der römischen Zeit, in der er bekanntlich 



figuren schweben und über ihr Haupt eine 60 viel gelesen wurde, so geläufig gewordene 

-■ - T Gleichsetzung von N. und Adrasteia auf brachte. 

Nur die Adrasteia als Bewohnerin des phrygi- 
schen Ida und Gebieterin der dort hausenden 
Daktylen erwähnt ein Bruchstück der Pho~ 
ronis (Schol. Laurent. Apollon. Bhod. 1, 1129, 
G. Kinkel, fragm. ep. Graec. 1 S. 211 frgni. 2): 
tVö-a yöi)Ms | 'iSatoi _>pt!ysg avägtg ogcaxsgoi, 
oUl' ivatov j KeXfitg dapvansvsvg xs piyag 



breite Binde oder ein Baldachin halten. In 
diesem Falle hat man sich die schwebenden 
Gestalten wohl mit Metallstangen an der Tem- 
pelwand oder irgendwie sonst hinter dem Kult- 
bilde befestigt zu denken. Dafs übrigens N. 
und die Chariten in späterer Zeit in Verbin- 
dung gesetzt wurden, beweist die von W. Froh- 
ner im Rhein. Mus. 47 (1892) S. 307 heraus- 



«_._-; 



123 Nemesis (b. Pindar u. d. Tragik.) Nemesis (b. Pindar u. d. Tragik.) 124 

xai. insgßiog "Aitfimv, \ svnüXapoi &sgänovzsg Nsjisai xov &avövzog ägxiajg auf einen eigen- 

ogsfyg 'JäQTjazsirig. Hier ist die Adrasteia deut- tümlichen attischen Brauch.^ Demosthenes 

lieh eine phrygische Berggottheit, welche offen- ngbg ZnovS. 10 erwähnt nämlich^ ein Feßt 

bar der Kybele und anderen mächtigen orien- Nspiesia (slasvsyKoverjg xqg ifiijs yvvtaxos 

talischen Naturgöttinnen nahe steht, was je- e£g xä Nsiiieua xo) naxgl [iväv dyvgiov), und 

doch keineswegs zu der Folgerung berechtigt, Harpokration, Photios und Suidas u. d. W. (vgl. 

dafs N. mit diesen je in irgend einer Verbin- Bekkers Anecdota S. 282, Moschopulos xigl 

düng gestanden hätte. Ein weiterer Beweis cj;ed\ S. 45 und namentlich E. Bdhde, Psyche 

dagegen für die Verbreitung des Kultes und S. 216 Anm. 2) deuten es als eine Totenfeier 
der Vorstellungen yon der N. in Kleinasien 10 {%u&' 7jV xoig iLaxoi%op,svoig ixszsXovv zu vo/ii- 

ist die Stelle des Herodot 1, 34 (Kgoiaov sXaßs £6psva. und ij inl zoig vsxgolg yivopsvrj navr\- 

Jjt &sov vspscig ßsydXrj), der bekanntlich die yvgig, inel rj Nspeaig snl zmv vsxgäv xsxaixai). 

verwandte Vorstellung vom Neide der Götter Über die Feier ist nichts NähereB überliefert, 

ausgebildet hat. Man wird also als den Aus- aber sie erklärt sich mit Leichtigkeit aus der 

gangspunkt des Kultes der N. Kleinasien und Soplwklesstelle. Wie wir eine N. der Götter 

namentlich die von den Ioniern besiedelten und eine N. der Menschen kennen gelernt 

Landschaften betrachten dürfen. Erst von hier haben, wie Äschylos in dem oben erwähnten 

aus wird er nach dem europäischen Griechen- Fragment eine Ai%t\ zov Qavövzog nennt, so 

land gelangt sein. Viel ferner liegt 0. Grruppes gab es auch eine Nspsaig xäv &av6vxtov, d. i. 
Annahme ißriech. Mythol. u. Meligionsgesch. 20 die Macht der heroisierten Verstorbenen wegen 

S. 17, vgl. S. 46 f.), dafs wegen des auch auf Vernachlässigung ihres Kultes oder gar wegen 

Kreta vorkommenden Ortsnamens Rhamnus Frevels gegen ihre Ruhestätten oder ihr An- 

('Dornheim'), das attische Heiligtum der N. denken den Lebenden Schaden zuzufügen. Um 

eine kretische Filiale sei. sie zu versöhnen und zu veranlassen diese 

ttt »t • i- .t>. j j j m_ -i Macht nicht auszuüben, brachte man ihnen an 

HI. Nemesis beiPindar und den Tragikern. den Ns ^ acla 0p fergaben dar. Auf diese Eigen- 

Im eigentlichen Griechenland tritt uns N. schaft der N. bezieht sich eine im Piräus ge- 
nach Hesiod bei Pindar entgegen. Er betet fundene späte Grabinschrift (119 Kaibel), in 
zu ihr Ol. 8, 86: sv%o(iai äfitpi ytaläv [ioiga welcher der Wanderer aufgefordert wird schwei- 
Nsiiiaiv 8i%6ßovXov M &*M V und Pyth. 10, so gend vorüberzugehn und das Grab nicht zu 
42 f. erzählt er von den Hyperboreern növcov beschimpfen, denn cpS-ifisvcov gmvxütt} Nipsctg. 
äs xal iiax&v dzsg oUioiai yvyövxeg vnsg- Ähnlichen Inhaltes ist eine etwa aus dem 
ölkov Nspsoiv. Dagegen wird bei den älteren dritten nachchristlichen Jahrhundert stammende 
attischen Tragikern entsprechend dem mehr Inschrift von Kotiaion (367 Kaibel), in welcher 
reflektierenden Charakter ihrer Dichtung N. von der Göttin gesagt wird: toxi yag %al iv 
meist aus der Personifikation wieder zum Be- <p&itisvoig Nspseig psya. Von einem Heilig- 
griff. Ausgenommen sind nur drei Stellen, ein tum der N. in Athen hören wir erst in römi- 
Fragment aus der Niobe des Äschylos, welches scher Zeit, wo ein ngoetäxrjg xov isgov der 
die Adrasteia erwähnt (Strabo 13, 580 = frgm. N. ein Weihgeschenk im Dionysostheater auf- 
158 Nauck 1 : diesige* ä' agovguv doiSe%' rj/isgäv 40 stellt (C. I. A. 3, 208) und ebenda der Sitz 
öäov, | Bs gsmvza %ägov., svd 1 ' 'Aägaazsiag iäog), des Priesters der himmlischen N. (isgsmg ovga- 
ein zweites aus den "Enzogog Xvzga desselben viag Nspseswg C. I. A. 3, 289) bezeichnet ist, 
Dichters (ßtobaeus floril. 125, 7 = frgm. 266 vgl. auch Servius plenior zur Aeneis 4, 520. 
Nauck*: rjftmv ys psvioi Ns/isaig Had' insg- Der dritte der grofsen attischen Tragiker, 
xsga | xal zov ftavövxog fj dixrj ngdoasi xöxov), Euripides fafst N. wieder mehr als Personi- 
endlich eine bald zu besprechende Stelle des fikation und hebt von ihren Eigenschaften 
Sophokles, die auf einem besonderen attischen namentlich die hervor, dafs sie frevelnden 
Brauche beruht. Sonst ist N. bei den Tra- Übermut straft. Das zeigen zunächst die 
gikern nicht nur die Rächerin des Frevels, Verse Phoiniss. I83f.: Nifisai %al diög ßagv- 
sondern sie richtet sich gegen alles, was den 50 ßqofioi ßgovzal, \ Ksgavväv zs qpiäs alfraXöev, 
Göttern mifsf ällt, und steht namentlich zu dem ov toi | fisyaXayogiav vnsgävoga xoiju'fsis- 
Rechte in enger Beziehung. In den sitz. L 0. Weiter wird derselbe Gedanke ausgeführt in 
des Äschylos 233 f. erwidert der Chor dem einem bei Stobäos floril. 22, 5 (fragra. 1040 
Eteokles: Sia &säv itöUv vspöfisd' dödjia- Nauck*, in der avy%giaig MsvävSgov xai #Utfft. 
zov, | ävopsvimv S' oxlov xvQyog dnoaziysi. | Ulf. ed. Studemund und bei Maximus Gon- 
xig xääs vspsoig oxvysi; Sophokles Philokt. 601 f. fessor 2 p. 624 ed. Combefis. mit einigen Ab- 
spricht von dsäv ßCu | n.al vepeoig, oüasg igy' weichungen überliefert und dem Philistion zu- 
apvvovaw xaxe, ebd. 518 xäv dsäv vspseiv geschrieben) erhaltenen Bruchstück: iäv ISrjg 
sxtpvyiöv, Oed. Gol. 1753 nsv&slv ov j;? 7 !' "*~ itgbg vipog rjgpsvov xiva | Xctfingä xs nXovzto 
jiiaigyÜQ, Elektr. 1466ff. <a Zsv, äsdooxa qpaCft* 60 Kai yivsi yavgovfisvov, | oqigvv ze fift'Jo) xtjg 
ävsv q>&6vov fiiv ov \ jrfjiicaxris' sl ä' snsßxi xv%rjg Jnijoxöia, | xovxov xa%tiav Nspseiv sv&vg 
vspsoig, ov Xiym. Hierher gehört auch Euri- icgoeSävta. Bemerkenswert ist hier namentlich, 
pides Urest. 1361 f. Siä äixag sßu &säv \ vs- dafs N. mit richtigem Verständnis ihres Wesens 
fisaig slg 'EXsvav. zu der xv%rj in Beziehung gesetzt wird. 

Dagegen bezieht sich die Stelle des Sopho- __„,*,. . ^.^ 

kies Elektr. 792, wo Elektra die Nemesis des IV. Kult der Nemesis zu Khamnus. 

vermeintlich gestorbenen Orestes gegen die Hoch berühmt war in Attika seit dem fünften 

ihn schmähende Klytämestra anruft: anovs, Jahrhundert v. Chr. die Verehrung der N. in 



125 Nemesis (Kult zu Rhamnus) Nemesis (Kult zu Rhamnus) 126 

dem kleinen Euboia gegenüber liegenden Küsten- Xaigiatgutog Xaigtdr'niov Pafivovaiog litohpt. 
ort Rhamnus. Dort steht der von Paus. 1, Die Weihung der Statue an die Themis allein 
33, 2 erwähnte Tempel des N. zum gröfsten und die Erwähnung der ersten Priesterin ohne 
Teile noch heute. Es ist ein dorischer Peri- Angabe der Göttin, welcher sie diente, aber 
pteros hexastylos (L 22, 90 m, Br 11, 30 m, auch mit der deutlichsten Beziehung auf die 
s. The unedited antiguities of Attica Kap. 6 kurz vorher genannte Themis, während der 
Taf. lf., Kap. 7 Taf. lf. Hittorf, les antiquites Name der Nemesispriesterin an zweiter Stelle 
inedites de l'Attigue S. 45 f. Boss, Archäolog. steht und erst nachträglich, wohl nur zur ge- 
Aufs. 2 S. 397 f. Jbolling in Baedekers Griechen- naueren Zeitbestimmung wie auf den Marmor- 
land*&. 128. JB. Stais in der' Ecprjufglg üg%caol. 10 sesseln, beigefügt ist, alles das beweist, dafs 
1891 S. 45). Seinem Stil nach stammt er aus in dem kleineren Tempel Themis verehrt und 
der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. und ist N. nur nebenbei wegen der Nachbarschaft ihres 
sicher jünger als ein neben ihm liegender Heiligtums und der Verwandtschaft des Wesens 
kleinerer Tempel iv naqaozäeiv (L 10, 70 m, beider Göttinnen berücksichtigt wurde. Denn 
Br 6, 40 m , s. Unedited antiguities of Attica die Annahme von Stais a. a. 0. S. 51 f., Themis 
publ. by the Society of Dilettanti, Kap. 7 Taf. 5 habe überhaupt keine Priesterin und demnach 
und B. Stais a. a. O.). Man hielt diesen früher auch keinen Tempel in Rhamnus gehabt, son- 
für einen älteren von den Persern zerstörten, dem sei dort nur zusammen mit N. verehrt 
aber später nicht wieder aufgebauten Tempel der worden, ist wenig wahrscheinlich. Daraus dafs 
N. Aber schon Bursian (Geographie Griechen- 20 auf den Sesselinschriften die Namen der Prieste- 
lands 1 S. 342} hat dagegen mit Recht einge- rinnen von der Basis der Themisstatue wieder- 
wendet, dafs der jetzige Zustand der Trümmer kehren, darf nicht geschlossen werden, dafs es 
auf eine viel spätere Zeit der Zerstörung hin- dieselben Personen sind. Führt ja doch der 
weist, und die jüngsten Funde haben ergeben, Megakles, welcher die Statue weihte, denselben 
dafs er noch im zweiten bis eiBten Jahrhundert Namen wie sein Vater, ebenso wie eine andere 
v. Chr. benützt wurde. Namentlich die Ent- Inschrift von Rhamnus Bivoxgäycrig Scv^oiigä- 
deckung einer dieser Zeit angehörigen Mar- toos 'Pafivovaiog lautet {Athen. Mitteil. 4 [1879] 
morstatue einer Priesterin der N. in ihm be- S. 285 f.). Aber selbst wenn die Priesterinnen 
weist dies {'Ecprifisglg ccQxaioi.. a. a. 0. Taf. 5). identisch sind, so braucht ihr Amt kein lebens- 
Doch wurde der Tempel frühestens im 4. Jahr- so längliches gewesen zu sein und Pheidostrate 
hundert n. Chr. nicht mehr für heidnischen kann zuerst das Amt einer Priesterin der The- 
Kult benützt, da aus dieser Zeit ein vor der mis und nachher der N. bekleidet haben, oder 
Statue der Priesterin aufgedecktes Grab nach auch umgekehrt. Noch weniger besagt der 
darin gefundenen Münzen stammt. Stais a. a. 0. weiter erhobene Einwand von dem völligen 
S. 54 f. vermutet irrtümlich, diese selbst sei Schweigen des Pausanias über Themis und 
hier beerdigt worden. Nach einer freundlichen ihren Tempel. Es kann demnach als eine voll- 
Mitteilung von P. Wolters sind es '13 Münzen, kommen gesicherte Thatsache betrachtet wer- 
eine von Fl. Val. Severus Nob. Caes. R.: Genio den, dafs das ältere, kleine Heiligtum der The- 
populi Romani, fünf von Maximianus (eine als mis gehörte, das jüngere, gröfsere der N. und 
Caesar, zwei als Augustus), zwei von Diocle- 40 die Kulte beider Göttinnen in vielfachen Be- 
tianus als Augustus, eine von Constantinus Ziehungen zu einander standen, wie ja auch 
Aug. R.: Vot. XV, eine von Val. Licinianus Li- aus den Angaben der Dichter erhellt, welche 
cinius P. f. Aug., eine (die jüngste) von Fl. Con- N. als die Beisitzerin oder die Tochter der der 
stantius Nob. Caes. (323 v. Chr.); zwei schlecht Themis sehr nahe stehenden Dike bezeichnen 
erhaltene sind nicht mit Sicherheit zu be- (s. unten). 

stimmen, gehören aber derselben Zeit an'. Es Entsprechend dem gröfseren Umfange des 
lag nun nahe, den kleineren Tempel der Themis jüngeren Tempels und den Andeutungen der 
zuzuschreiben, schon weil vor dem Eingange Inschriften scheint der Kult derN. in Rhamnus 
zwei Sessel mit den heute zum Teil zerstörten seit seiner Einrichtung den älteren der Themis 
Inschriften des 4. Jahrhunderts v. Chr. gefunden 50 an Bedeutung übertroffen zu haben. Wann die 
waren: [ejri CiQeCag ^>iäoatgä(Tj]g)] ©epidt, Em- Einrichtung stattfand, läfst sich natürlich nicht 
etqazog ävi&rjxev und [iicl isgeiag KccXUeto(vg)] mit Bestimmtheit sagen, doch ist es höchst 
NBpsaei, Zcoazgazog äve&riiiBv (G.I.A. 2 1570, wahrscheinlich, dafs die Verehrung der N. 
1571, vgl. Lolling in den Athen. Mittheil. 4 in Rhamnus nicht älter ist als der wegen 
[1879] S. 283 Anm. 1), doch sprach sich Bofs seiner Architektur und wegen des Kultbildes 
nach dem damaligen Thatbestand mit Recht von Agorakritos (s. unten) etwa iu die Mitte 
dagegen aus {Archäolog. Aufsätze 2 S. 399f.). des 5. Jahrhunderts anzusetzende Tempel. 
Jetzt ist die Frage durch eine in dem kleineren Darauf weist auch der Umstand hin, dafs die 
Tempel ausgegrabene Marmorstatue der Themis Verlegung des Mythos von der Liebe des Zeus 
aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. mit folgender 60 zur N. nach Rhamnus sich vor dem der gleichen 
Inschrift, in welcher der Steinmetz die in runde Zeit angehörenden Kratinos nicht nachweisen 
Klammern gesetzten Worte erst nachträglich läfst (s. oben). Als Veranlagung für die Stiftung 
hinzugefügt hat, endgiltig entschieden: Mtya- des Heiligtums liegen natürlioh die glücklichen 
*li)s Miyav\liov]g Pccfivov6\j.]og ave&r]*ev &e- Kämpfe gegen die Perser am nächsten, in denen 
ftiäi azscpttva&sig vnö Srifiozätv dittaioavvrjg man ja nach dem Zeugnis der zeitgenössischen 
Svskcc cn[l ijnQiiag KaXXiarovg («ai ^siäoatgä- Schriftsteller die Strafe der Hybris der Bar- 
ths Nepiaei. isgsiag) xal vixfjaag naiel xal av- baren und das Walten der N. deutlich vor 
ÖQÜai yvuvueiocQxäv v.a\ Hcofuodoig xoQVY^ 1 '' Augen sah. In gfcnz Attika gab es aber kaum 



127 Nemesis (Kult zu Rhamnus) Nemesis (b. Kratinos etc.) 128 

einen passenderen Ort zur Errichtung eines ihr EinLokalmy thos von Rhamnus scheint 

geweihten Tempels als das in nächster Nähe der griechischen Quelle folgender Verse des 

von Marathon gelegene Rhamnus, wo sich der Catull vorgelegen zu haben (64, 393 f.): saepe 

neue Kult an die Verehrung der auch ihrem in letifero belli certamine Mavors | aut rapidi 

"Wesen nach der N. verwandten altattischen Tritonis era aut Rhamnusia (Amarysia Peiper, 

Erd- und Orakelgöttin Themis anlehnen konnte. Amarunsia Bährens; virgo \ armatas hominwm 

Denn so sicher wie die vor der ersten Kaiser- est praesens hortata catervas. Es liegt nahe an 

zeit nicht nachweisbare Legende, Agorakritos die Schlacht bei Marathon zu denken, wo N. 

habe die Kultstatue aus einem Marmorbloek den Athenern ebenso zu Hilfe gekommen sein 

verfertigt, den die persische Flotte mit eich 10 kann, wie man von dem thätigen Beistand der 

geführt hätte, um ihn als Siegeszeichen aufzu- Athena, des Herakles, Theseus und Echetlos 

stellen, auf Erfindung beruht, ebenso bezeich- wnfste (Gemälde in der Stoa Poikile bei Paus. 

nend ist sie aber auch als Zeugnis für die im 1, 16, 3). 
späteren Altertum allgemein verbreitete An- . 

sieht von dem Zusammenhange des Tempels V. Nemesis yon Kratinos bis zu den 

der N. mit den Siegen Athens über die Perser. Alexandrinern. 

Über die Kultbräuche in Rhamnus Die attische Sage, welche den Mythos der 
lehren uns einiges die dort gefundenen In- Kyprien nur insofern veränderte, als sie das 
Schriften. C.I.A. 3, 691 und die Weihinschrift Liebesabenteuer des in einen Schwan verwan- 
des Megakles (s. oben) erwähnen gymnische 20 delten Zeus mit der an die Stelle der Leda 
Agone für Männer und Knaben, die doch wohl gesetzten N. nach Rhamnus verlegte, war im 
im Anschlufs an ein Fest der N. stattgefunden Anschlufs an die durch die Kyprien aufge- 
haben werden. Aus der Megaklesinschrift er- kommene Version, dafs Leda die Helena nur 
sehen wir weiter, dafs auch Komödien auf- ernährt und aufgezogen habe, N. aber ihre 
geführt wurden, ein Umstand, der wieder die eigentliche Mutter gewesen sei, auf der Basis 
Existenz eines Theaters in Rhamnus voraus- des von Agorakritos geschaffenen Kaltbildes 
setzt, das mit einem gleichfalls durch Inschriften dargestellt {Paus. 1, 33, 7 f., vgl. unten). Dies 
bekannten Dionysosheiligtum (s. Lolltng in den war also die offizielle Kultlegende von Rham- 
Athen. Mitteil. 4 [1879] S. 285) im Zusammen- nus geworden, ähnlich wie man hier auch, ab- 
hang gestanden haben wird. Wahrscheinlich so weichend von der smyrnäischen Überlieferung, 
ist endlich, dafs die Lampadephorien, deren Okeanos für den Vater der Göttin erklärte 
Teilnehmer auf drei in Rhamnus gefundenen {Paus. 7, 5, 3). Dagegen ist auf einer Gruppe 
Hermenbasen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. rotfiguriger attischer Vasen des c Übergangs- 
genannt werden, zu Ehren der wichtigsten stiles' noch die ältere Gestalt der Ledasage, 
Stadtgöttin, der N. oder vielleicht für N. und welche von Nemesis nichts weifs , dargestellt 
Themis zugleich stattfanden. Zwei dieser Basen (B. Kekule, Festschrift zur Feier des 50jährigen 
trugen nach Stais (a. a. O. S. 58f.) männliche Bestehens des archäolog. Instituts, Bonn 1879. 
Hermen, die dritte von ihm abgebildete C. Robert im Archäol. Jahrb. 4 [1889] S. 143. 
(Taf. 7) ist die eines besonders zarten Mädchens Antike Denkmäler 1 Taf. 59). Die Verlegung 
mit leicht zur Seite geneigtem Haupt, das in 40 des Liebesabenteuers nach Rhamnus läfst sich 
Gesichts- und Gewandbildung an manche tana- in der Litteratur nicht vor Kratinos nach- 
gräische oder myrinäische Terracotten erinnert. weisen. Er hatte in den ersten Jahren des 
Einen der Lampadephoren erkennt Stais in der peloponnesischen Kriege« eine gegen Perikles 
Marmorstatue eines im Theniistempel gefun- gerichtete Komödie mit dem Titel Nemesis 
denen nur mit einem Mantel bekleideten Knaben verfafst, welche offenbar unter fortwährenden 
(Taf. 6), auf deren Basis folgendes Distichon Anspielungen auf die hohe Ziele verfolgende 
in Buchstaben ans der Mitte des 5. Jahrhunderts Politik desselben die Sage in parodierender 
v. Chr. angebracht ist: AvBMltCSrn ccvs&Tjiiev Manier behandelte (s. Kock 0. A. F. IS. 47 f.). 
'EnavSqCäo vvg äichag%^v | zövSs »sä zySs, n Von den gröfseren Bruchstücken zeigt eins 
zöS' [ß\iei Thfievos. Es ist leicht möglich, dafs 50 (109) den in einen Schwan (oqvi&o. piyav 
diese Deutung das richtige trifft, da das ver- frgm. 107) verwandelten Zeus, welcher unter 
lorene Attribut in seiner hoch erhobenen Hand zweideutigen Reden sich der ihm sonst un- 
wohl eine Fackel war. Ob die in anderen In- gewohnten Pflanzenkost erfreut, das gröfsere 
Schriften von Rhamnus erwähnten Epimeleten (108) scheint die Worte zu enthalten, welche 
(Stais S. 62) mit der N. in Verbindung standen, der zugleich entrüstete und erstaunte Tyndareos 
ist fraglich. Dafs die Verehrung der Göttin an die von ihm für die Mutter des Eies ge- 
in ihrem Tempel noch in der römischen Kaiser- haltene Leda richtete: ArjSa, abv Sqyov äst a' 
zeit stattfand, beweist neben den Erwähnungen Sitae svezripovog | alstizgvövog firiähv ötoieeig 
des Pausani'is u. a. auch folgende daselbst ge- zovg zgönovg, | inl zä>8' imogovo', mg av stile- 
fundene Weihinschrift: [i/ijjgjtffpcm t»js] ßovh~,g 60 V>VS ■"■alov \ rjfiiv t» «kI &uv(iaazbv In zovä' 
nal roü drt{(iov zov Papvojvoi'tov 'Hqaidrig Bt- oqvsov. Bezeichnend für das echt komische 
ßovllluov'] holvSsvyiicova 'lnn[uQxov vwv sx Wesen des sprechenden Komödienhelden ist 
zmv iä]imv 6 dqiyag Kai <pdrj<sag äg vwv zfj die Leichtigkeit, mit der er sich mit der ver- 
Nefi£[esi], rj per' avzov l [fr]vsv, sv[(is]vrj nor'l meintlichen Untreue seiner Gattin abfindet. 
ä[e]Ciivri6Tov, xiv [eavxov xQÖ]<pifiov (C.I.A. 3, Da übrigens auch Zeus in Schwanengestalt er- 
811, vgl. Lolling in den Athen. Mitteil. 4 [1879] schien, so hat Posnansky (a. a. O. S. 18) wohl 
S.284 Anm. 1); wahrscheinlich hielt sich der Kult richtig angenommen, dafs Leda das Ei auf 
aber noch bis in das späteste Altertum (s. unten). der Bühne ausbrütete. Vielleicht stellte sich 



129 Nemesis (b. Plato u. Aristot.) 

aber nachträglich Ledas Unschuld heraus. Aus 
dem Ei ging offenbar die Helena hervor, welche 
wohl wie bei Eupolis (frgm. 249 Kock) die auch 
von Aristophanes Acharn. 526 f. als die Er- 
regerin des peloponnesischen Krieges bezeich- 
nete Aspasia bedeutete. 

Unter offenbarem Einflufs des N. mit The- 
mis verbindenden rhamnusischen Kultes steht 
auch Plato leg. 717 d: Kovrptav Kai nxrjväv 
Xöymv ßaqvxdxri £rjiila' näai ydg iniGKOitog 10 
zoig itsgl zä zoiavzu lxd%§i\ div.r\$ Nspsois 
ayyeXog. Die der altattischen Themis nahe 
verwandte Dike steht also über der noch nicht 
lange in Ehamnus heimisch gewordenen N. 
Diese wird zur Botin, d. h. zur Vollstreckerin, 
der von Dike verhängten Strafen. Eine ähn- 
liche Anschauung spricht ja übrigens Euripides 
in der bereits erwähnten Stelle {Orest. 1361 f.) 
aus, ohne jedoch die Begriffe Sinti und vsfiteig 
zu personifizieren. Sonst setzt Plato nach dem 20 
Vorgange des von ihm hoch geschätzten Anti- 
machos N. der Adrasteia gleich. Eine gewagte 
Behauptung leitet er de rep. 5, 461a mit den 
Worten ein: itgoOKVvw äs xtjv 'ASgdaxsiav, w 
rXavxcov, %dgiv ov fiiXXto Xeyeiv und Phaedr. 
248 c sagt er: ■ö-scp.og zs 'ASgaaxeteg odf jjxig 
dv iI>v%ti &sä> ^vvonaSbg ysvofiivrj xaxiSrj zi 
zäv dXrj&wv, [LerQ 1 - ZB r *?S sxegag negiödov sl- 
vai ünrjiiova, xdv dsl zovzo ävvrjzai noniv, 
dsl cLßlußri elvtu. An der ersten Stelle weicht 30 
die Auffassung der Göttin von der gewöhn- 
lichen, dafs sie die Rächerin der Hybris sei, 
nicht ab, in der zweiten ist sie jedoch eine 
mächtige Schicksal sgöt tingeworden, welche 
ewige Gesetze feststellt und der in den folgen- 
den Worten der vöfiog entspricht. Eine ähn- 
liche Stelle nimmt N. bei Pseudotimäos itsgl 
ipujjäs xoefim S. 104 e ein: anavza Sh xavxa 
(die Entscheidung über die Seelenwanderung) 
iv Stvxega itegtodm a Nsfieeig avvdisKgivs avv 40 
SaCpoßi xaXajivaCoig %&ovioig ze, zoig inönzaig 
zäv av&gtonivcov , otg b ndvztov aysfiäv &sbg 
snizgetps Sio(ki)Oiv xogjmo av^,jtsnXrjg(o[iiva> ix 
&iäv zs Kai dv&gdmcov zäv zs uXXtov fcmcov. 
Man sieht also, wie die Philosophen bei ihrer 
Neigung an die Stelle der alten Götter personi- 
fizierte Begriffe zu setzen den Wirkungkreis 
und die Bedeutung der Göttin immer mehr er- 
weitern. 

Auch bei Aristoteles spielt N. eine wichtige 50 
Rolle; nur fafst er sie noch mehr begrifflich 
auf als andere und giebt philosophische Defi- 
nitionen, die mit der N. des Volksglaubens 
wenig zu thun haben, s. eth. Eudem. 3, 7 S. 1233 b 
o ixdXovv of dg%aioi xtjv vspeaiv, xb Xvmia&ai 
/tev sitl xatg nagä xtjv d^iav xaKOngayiaig kccl 
svngayiaig, %a{gsiv S' enl zotig d££cug Sib Kai 
&tbv oi'ovzai ilvai xtjv Ns[ieaiv, oder eth. Ni- 
comach. 2, 7 S. 1108 viiieeig-iisaözrjg cp&övov 
Kai sni.%aigsxaxiag, vgl. eth. magn. 1, 28 S. 1192, 60 
rhet. 2, 9 S. 1386. Weniger entfernt er sich aus 
dem Rahmen der mythologischen Vorstellungen, 
wenn er eth. Eudem. 2, 3 S. 1221 alämg, em- 
cpQOGvvr], vs/isaig und SCxaiov als verwandte 
Begriffe hinstellt. Wichtig ist auch, dafs er 
rhet. 2, 9 S. 1386b das iXestv und vepseäv als 
itd&rj fj&ovg %grjazov bezeichnet, vgl. eth. magn. 
1, 28 S. 1192 b. 

Boscheb, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. III. 



Nemesis (b. d. Alexandrinern etc.) 130 

Neben den Philosophen kennt auch die neue 
Komödie die N. Ein Bruchstück aus der Ms&rj 
des Menander {Miller, milanges S. 392 = F. G. A. 
ed. Kock 3 S. 93 frgm. 321 : Aägdozeia xal | &ea 
axv&gcons Nefitai, avyyiyvmaKixs) nennt sie wie 
eine leider stark beschädigte Inschrift von Kos 
{Bullet, de corresp. hellin. 5 [1881] S. 222 f.) 
nach Adrasteia und scheint Verzeihung für 
eine vermessene That oder einen Ausspruch zu 
erflehen. 

VI. Entwickelung der Eigenschaften der 
Nemesis seit der alexandrinisehen Zeit. 

1) Nemesis bestraft die Hybris. 
Mit dem Schwinden des alten Götterglaubens 
und der Begünstigung personifizierter ethischer 
Begriffe durch die immer volkstümlicher wer- 
dende Philosophie wurde N. ähnlich wie Tyche 
immer bekannter und trat an die Stelle mancher 
älteren Gottheit Doch lassen sich die meisten 
Eigenschaften dieser späteren N. bereits in 
ihrer älteren Gestalt nachweisen; wenigstens 
sind die Keime dafür vorhanden. So tritt uns 
bei Kallimachos eine der bekanntesten Eigen- 
schaften der N., die Bestrafung übermütiger 
Thaten und Worte, entgegen. Er erzählt in 
dem Hymnos auf Demeter, wie Ery sichthon den 
heiligen Hain derselben fällt. Vergebens warnt 
sie ihn in der Gestalt ihrer Priesterin; der 
Frevler droht ihr und wird, nachdem N. sein 
arges Wort aufgeschrieben hat (Vs. 56 üitev 6 
TCatg, Nspeaig Se xaxdv iygäipazo cpcovdv, vgl. 
die offenbare Nachahmung des Nonnus Dionys. 
1, 481 slite , Kai AdgrjOxsia zöarjv iygätyuzo 
cptovrjv), von der entsetzlichen Strafe des Heifs- 
hungers ereilt. N. tritt also hier nicht selbst 
als Vollstreckerin der Strafe auf, sondern ist 
eine Schicksalsgöttin, welche die Frevelthaten 
der Menschen in ein Schuldbuch einträgt, damit 
die göttliche Strafe sie nachher ereile. Hieran 
schliefst sich eine grofse Anzahl späterer 
Schriftsteller an, welche alle N. als Rächerin 
der Hybris bezeichnen. Ebenso heben die ein- 
gehenden Beschreibungen ihres Wesens bei 
Mesomedes, Ammianus Marcellinus und in 
einem orphischen Hymnos (s. unten) diese Eigen- 
schaft hervor, wie kürzere Erwähnungen, die 
nur dies Amt berücksichtigen. So zunächst 
Ovid trist. 5, 8, 3 f., der ähnlich wie Euripides 
(s. oben) zugleich die Fortuna erwähnt: quae 
tibi res animos in me facit, improbe? curve \ 
casibus insultas, quos potes ipse pati? | - - - - 
nee metuis dubio Fortunae stantis in orbe | numen 
et exosae verba superba deae? \exiget, a, dignas 
ultrix Bhamnusia poenas, | imposito cakas quod 
mea fata pede. Noch deutlicher sagen Lu- 
can 5, 233 tumidis infesta colit qua numina 
Rhamnus, Paus. 1, 33, 2 w fremv puXioxa dv- 
&Qtönoig vßQiexatg iazlv unaQaixrjiog, Aelian 
bei Suidas unter Nsueaig (frgm. 160 liercher) 
Ns/ieoecog icpöqov, xqoiiovs vnegintag xal vntQ- 
rjtpävovg HoXa£ovor]s, ebd. (frgm. 282/8) t^v xäv 
dXafcövwv zi(icoqov avvivxsg Niuiaiv, fjneg av- 
xovg usxfjX&s avv xjj J(kjj und ovx IXa&e xr\v 
anaaiv havziov^ivr\v totg vnBoijcpdvois Niue- 
aiv, unter 'ASguaxtia (frgm. 228) Aägdoxeut avzä 
Nspeeig Tifitopöj tutipdyxajv xal d%aXtv<ov Xoymv 
fixoXovfrrioev, vgl. unter aoßagöt (frgm. 325), 

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131 Nemesis (bestraft Hybris) Nemesis (bestraft Hybris) 132 

Ärtemidoros ovnoo^r. 2, 37 to* ««,«,0,»«.» Eine verwandte Auffassung der N zeigt ein 

bCSTZ contra swperoia»» coZitwr. wo Achilleus bei einer Zusammenkunft mit 

Es forSTchon die Strafe de? Götter heraus, Helena im Anfange des trojanischen Krieges zu 

wenn iernandem zu hohe Ehren erwiesen wer- dieser sagt: ^aliio^ [Hy«..«j [«»' J »» 

len DesTXsagt ein byzantinisches Epigramm io *.*«Äel iWM*«» «•» *»*»» WjWßW 

auf' einen siegreichen Wagenlenker {.anthol. cev, I «««^OT «* ^]«>ßil ««•"» Ä?ftw 

SÄ): « ^ f ^Ä SC Äng dt ÄÄ^S US 

ÄEHSd ictwLr^Teten-TheS lT dif Liebe der Helena auch dann ernten 

und den Erinyen von Di<m</s eo« Halikarnaß zu wollen, wenn er um sie so viel Troer 

Mit Vorliebe wird die strafende Macht der sollte. m , ;f , 

•N an der wohl aus Erzählungen der Periegeten Vor einer so verderblichen und unerbrtt- 

her'leitenden Legende vol dem Marmor- so liehen Gottheit der ™g«*og *|« J * ; 

block fvtrl unten) nachgewiesen, welchen die nander (F. C. A. ed. Koclc 6 ö m; oaer aer 

Perser auf ihrem Zuge gegen Athen mitfährten, ,.««*»<»» ™<?ot«^, wie sie ^Ztaos von Mes- 

Im daraus ein Tropalon herzustellen, aus dem sene nennt {anthol. Palat. 12, 160) suchte man 

aber nadi dem E von Marathon Phidias sich auf verschiedene Weise zu schützen Man 

dss Kultbild der N von Ehamnus schuf. So rief sie namentlich an, um ihre Strafe für 

erzählt Paus 1 33 2 und eine Reihe von Epi- vermessene Äußerungen abzuwenden 

™en,ZenäIteste S vondemunterAugu S tus Hier sind wieder dl e alteren 1 cb, riftst 11er 

Sig^^Äk^n^f^ J^^^^Ä^S 

SM Planud. 263), das wegen seiner Über- ^ | *, „ «jo ™i.j .« ^J*«££ J; *£ 

« P t7nt 1 ff durch Ausonius (epiqr. 42 ed. Peiper) ew ö Adgaazite Isym. Doch scneinen in aer 

vot defsen Zeit fiS: 1 (wohl verderbt älteren Sprache dies mehr Wendungen feier- 

!loB«L de anthol. Grate, epigr. guae licher Art gewesen zu sein wahrend das be- 

Zari 3 32) aa l»o* JIs«, J t »W reits erwähnte Bruchstück des Menawler und 

livot S LvatoH 4«««. »W .£l noch mehr Eerondas 6, 35, wo eine Frau aus 

äjC-Ä Auffiel ist derselbe Ge- sich die alltägliche Sprache ihjer allmählich 

Z^r»oTZ£ Äusonius epist. 21, Sil uni in bemächtigte. Almlich sind, di< , Worte de 

1" L 7 antinischen Epigramm eines Theätetos Luctan avy.it. 23 oot^jj *s r, Aägccetsia ^ des 
? ^w PMW «m auseeführt Co*«« 66, 71 pace tua fari htc heeat Mham- 

{mt B e llelZLSn^iSmiogr^n^ä nusia vir'go, lusomus dornest 6, 40fi. nüibus 
als BeiSldfÄn Eigenschaft der N. auch audi auribus haec, Nemesis u. a. m. Vgl. auch 
die SaTvorder Überhebung und Bestrafung Ä« nat. hist. 28, 22. M« hager anthol. 

Tfamnf um Theben erzählt, um dann wieder dais ein Jungling, dem X. zur btrate lur eine 
^J»»Ä *mi*i Iht- ft^ere Hartherzigkeit Liebeskummer sendet, 
lortzulatiren oviv ■ n ™fr?J£ ' al ^ v dies Mittel anwendet: ig-ß<x»vv t 9 1 S ytolnov 
tZ Z IZytZ. AhnHcHusführungen &<««», vgl- P/i»*« ««*• »«■ .«, 86. ««« 
IT ^ZCh*i £%Z< wteT'ASaüOTSta NeusoL? - a deis spei alieuius audactoris petimus m 
uud bei Manne ft^cUptlos l $ ^»^ *«« <P««Ä», «* *•» «*» «««?« *"» 



133 Nemesis (in d. alexandrin. Erotik) Nemesis (Wahrerin d. Mafses) 134 

est. Derselbe Plinius 11, 251 kennt aber auch Palat. 12, 140 (vgl. Vers 3 mit Kallimachos slg 
die abergläubische Sitte, zur Abwehr der N. At\u. 56) straft endlich N. einen Jüngling, 
die Stelle hinter dem rechten Ohre mit dem welcher die Schönheit des Archestratos ge- 
Goldfinger zu berühren: est post aurem - dex- tadelt hatte, durch die heftigste Liebe. 

teram Nemeseos locus , quo referimus tac- Bei Ovid finden wir N. in dieser Rolle 

tum ore proximum a minimo digitum veniam in zwei Sagen. Metam. 3, 364ff. (vgl. Lac- 

sermonis a diis ibi recondentes. tantius narrat. fdb. 10, 4 — mythogr. Tat. 1, 

2) Nemesis seit den Alexandrinern in 18 £ T, ?• ^°) h $ te L?™ ™ n ^issus ver- 

der Erotik lucl " schmähte Echo die Götter, ihr Geliebter möge 

10 wie sie selbst von einer unerwiderten Leiden- 
Nicht vor der alexandrinischen Zeit läfst schaft ergriffen werden. Darauf erhört sie N. 
sich die Ausdehnung der Macht der N. auf und läfst den Nareissus (s. d.) sein eigenes Bild 
ein Gebiet nachweisen, welches die damalige in einer Quelle erblicken und aus Sehnsucht dar- 
Poesie mit Vorliebe behandelte, auf die Erotik. nach sterben. Ein ähnliches Motiv tragt Ovid 
Die Liebenden rufen jetzt mit Vorliebe die met. 14, 693 f. in den Mythos von Pomona und 
Hilfe der Göttin gegen spröde Mädchen und Vertumnus hinein. Der in eine alte Frau ver- 
Knaben an, dafs sie deren Übermut strafe. wandelte Gott erinnert seine Geliebte an die 
Namentlich wird gewünscht, dafs die unbarm- Strafe der Hartherzigkeit: Mores - deos et 
herzigen Geliebten bald ein ähnliches Geschick pectora dura perosam \ Idalien memoremgue Urne 
treffen möge. Manches hellenistische Gedicht, 20 Bhamnusidis iram. 

in welchem die Göttin in dieser Weise auf- So tritt N. in eine stetige Wechselwir- 
trat, wird verloren sein (vgl. Catull 64, 393ff.), kung zu Eros. Das zeigen die schon er- 
aber wir besitzen noch zwei namenlose Epi- wähnten hellenistischen Epigramme anthol. 
gramme dieser Zeit, welche denselben Gedan- Palat. 12, 160, Planud. 251, in denen unglück- 
ken aussprechen: anthol. Palat. 12,^ 160 »agecc- liehe Liebhaber sich in ihren Leiden mit dem 
Xsmg TQrjxsJav vnb anXdyxvoiei dvirjv | ol'am Walten der N. trösten, welche den unzugäng- 
■xui %ttXsnris dscpbv dXvytzoTCESrjg. \ ov ydg na, liehen Geliebten durch Eros bald ein ähn- 
NfaavSgs, ßoXdg sSdrjusv "Egcozog | vvv fiövov, liches Los bereiten wird. Noch deutlicher 
dXld^ nö&cov noXXdyiig 7j-tpd[ie»a. | xal ab fiev, tritt diese Verbindung der beiden Gottheiten 
'ASgr\ezsta, «ra^s dvrd^ia ßovXijg | ztaai, xai so bei Philostratos a. a. O. zu Tage: vul "Egwg, 
(layidgwv 7tiKQOzdTTi,Nsii£eigund anthol. Planud. vctl NepEöig, dfsfs »sol Kai Bzgsq>6(i,svoi und 
251 nxavä nzavbv "Egcoza zig dvziov snXaa' bei Pausanias 1, 33, 7 imq>aiv8a9ai - zfjv 
Egcozi; |^ a Nsfiseig z6£q> z6£ov dpvvopsva, \ &sbv pdXieza enl roCg egäv e&sXovaiv, enl 
wg xs nd&rj xd y' k'gs£sv b äs »gaevg, b nglv zovxcp Nlfisaet nzegd meizeg "Eocazi nowvei 
azagß^g \ äaxgvei ntngäv yivadfisvog ßaXimv wird aus dieser Verwandtschaft" die spätere 
%zX. Das letztere Gedicht bezieht sich offenbar Beflügelung der N. erkläit, vgl. auch Servius 
auf ein plastisches Kunstwerk, in welchem die plenior zur Äen. 4, 520. Bei Nonnos Dionys 
Bestrafung eines weinenden Eros durch einen 15,417 (vgl. Vers 391 f.) in dem Klageliede auf 
zweiten und durch N. dargestellt war, also den von der spröden Nikaia erschossenen 
ähnlich wie auf dem unten zu besprechenden 40 Hymnos kommt zu den zwei Gottheiten noch 
Marmorkrater Chigi und dem pompejanischen Aphrodite hinzu: ni) NsfisGig; jrij Kvngig; 
Wandbild. Gelegentlich wird aber diese Auf- "Egcog, fiij yave cpagsxgvg. \ <svgiy£, firj-nsxi asXns • 
fassung der Göttin auf Freundesliebe über- Xiyv&goog mXexo ßovxtjg. Derselbe Nonnos er- 
tragen. So ruft Catull 50, 18 ff. dem C. Lici- zählt sogar, dafs N. den Dionysos in Liebe zu 
mus Calvus zu: nunc audax cave sis precesque der schöüen Aure entbrennen läfst (48, 451ff.). 
nostras, | oramus, cave despuas, ocelle, | ne poe- So ist die ursprünglich ganz anders geartete 
nas Nemesis reposcat a te. \ est vemens dea; Göttin allmählich immer tiefer in den Kreis 
laedere hanc caveto. Die Strafe, welche N. der Aphrodite hineingezogen worden, der sich 
über die Hartherzigen verhängt, besteht ent- in dem späteren Altertum ja auch durch an- 
weder darin, dafs diese in eine ähnliche un- 50 dere Personifikationen wie Psyche, Consuetudo 
erwiderte Leidenschaft verfallen wie früher Sollicitudo und Tristities erweiterte (Äpuleius 
ihre verschmähten Liebhaber, oder dafs sie metam. 6, 8 f.). Man sieht also, wie fein Tibull 
vor der Zeit dahinwelken und die Schönheit den dichterischen Namen seiner Geliebten der 
verlieren. So jsagt Statilius ^ Flaccus anthol. N, welcher namentlich auch an das Leid der 
Palat. 12, 12: ägzi ytvnd£wv b KuXbg nal ox&g- Liebe erinnern sollte, gewählt hat (2,8,61; 
gog sgucxatg | izaidbg igä AdSmv. avvxopog f t 61; 4, 59: 5, 111; 6, 27; Ovid amor 8 9 81- 
Nt-pseig. Ähnliche Gedanken spricht der mitt- 53; 57; a. a. 3, 536; Martial 8, 78 7). ' 
lere Philostratos aus {epist. 14) und Paulus Si- ' 

ÄtÄWirsr eo 3 > Nemesis ais rr hrerin dei rechte ° 

tinus 9,260, Agathias 5, 273 und das späte Mal hob. 

Epigramm eines Ungenannten 6, 283. Auch Aus der Aufgabe dor N., den Menschen 

Frauen erinnern die spröden Geliebten an N. ihre Geschicke «urteilen und den Obermut 

{Älkiphron 1, 374); und Meleager {anthol. Palat. niederzuhalten, entwickelt iich von selbet ihre 

12, 141) droht sogar mit ihrem Zorn dem, der Eigenschaft, das rechte Mafr zu wahren Die 

die_ Schönheit seines Theron nicht anerkennen Stellen, welohe nie 10 aoffas»en, knöpfen meist 

will. Nach dem anonymen im Stil des Kalli- an ihr Attribut, die Elle (•. unten) an, wie die 

machos gehaltenen Epigramm in der anthol. zwei nnonyman Epigramme {anthol. Planud. 

6* 



135 Nemesis (Feindin d. Glückes) Nemesis (Eigenschaft, u. Attribute) 136 

223 224): fi Neuiaig ngoXsyu zA nfaeX z& xe übergestellt: 'EXxCSu xal^ Nifisaiv Evvovg 

Xccllvä | fujt' afisTQÖv xi noiliv fwfr cc%uUva naga ßapbv exsvfc, | xtjv pev, iv sXmivs' xi\v 

Xsysiv. — 'H Nspseig iir\tvv kot8j;oj. tCvos 8', tva pwdlv e^ijs- 

""«»«; X^sig. I ««« nagawüto- mflv vTiig &) Zusamme nstellung der Eigen- 

ro pixgov. Auf die beiden Kultbüder von h ' ft der Ne mesis im Anschluß an 

Smyrna (vgl. unten) wendet Straten den- ihre Attribute, 

selben Gedanken an (anthol. Palat. 12, l»d): . 

tri«* £fMu»«&» IV^^sts S « rfy« l^ow», | In der römischen Kaiserzeit als sich der 

•AvnpßatQt, vom; wShv Mg xo ^xqov. In Kult der N. überall hin verbreitete (s. unten), 
dem bald zu besprechenden Hymnos des Me- 10 werden dann ihre Eigenschaften übersichtlich 

somedes auf N sagt dieser gleich nach der zusammengestellt und meist durch Erklärung 

Erwähnung ihrer Macht den Nacken der Über- der von den Kultbildem hergenommenen Attri- 

mütisen zu beugen: inb nn t vv isl ßCoxov pe- bute erläutert. So wird eine Gestalt geschaffen, 

tos« Ähnlich nennt sie Ärtemidor 2, 37 «pttij die mit den verschiedensten Abzeichen ahn- 

&*»**<*»«■ . .. , ^^Z^I^f^tm^^ 

4) Nemesis als Feindin des Glückes. charakteristisch ist für diese Auffassung der 

In der Auffassung der von ihr Betroffenen von Mesomedes unter der Regierung des Ha- 

wird dann N zu einer Feindin und Neiderin drian gedichtete und in Musik gesetzte Hymnos 
des Glückes Daft diese Eigenschaft schon in 20 auf sie, welcher offenbar zum Vortrag durch 

ihrer älteren Gestalt begründet ist, zeigen die einen Chor (vgl. Vers 16 aSopev) in einem ihrer 

Worte des Eerodot 1, 34: fisxa äs SoXmva Kulte bestimmt war: Ntpeai nxegoeaaa, ßCov 

olvöusvov SXaßs ex »sov veuieig inyäX v Kgoi- gona, | %vuymm, »sä, »vyazeg 4(*"S, I <* 

eov ä>g slxüeui n Mpiot savxhv alvcu ccv- «O'Sqpa ygvaypaxa »vtnwv | ins%sv adapavxi 

»oditcov knavxmv 6Xßioitccxov. Klarer tritt X aXivä>- \ i X 9ovoa ä vßgiv oXoav ßgoxcov] 

diese Anschauung bei Plutarch, Philop. 18 zu psXava cp&ovov wxog elavvsig % \ vw aov xgo- 

tage wenn er von dem edlen und keiner %ov äazaxov, aexißv | xagoita psgonmv exgs- 

Schuld zu zeihenden Phüopoimen sagt: ov pfr tpixui. xi%u- | Xr,»ovaa 8i nag m>$a ßcuveig 

ccXXä Niatclg zig mentg ä&Xrjxnv evdgopovvxa (offenbar eine Variation des von 6utte unter 
Ttoos re'ouafft zoi ßCov nccxiXußt-. Ähnlich sind 30 Nipeeis erwähnten, wohl einem älteren Dichter 

die Stellen des Appian Lib. 85, der neben der entnommenen Sprichwortes Nspeeig äs ye nag 

xim äv&ouTiifa sie als die cpoßsguxdxr} zotg nöSa ßulvti), | yavgovpevov av X eva vliveig- j 

eixvvoiei Neusoig bezeichnet; ferner der Ver- vnb nruvv aii ßioxov pezgsig, \ vsveig d 

fasser des Aovyuog v Svog 35 4 - noXX* ««I i*& *6Xnov ocpgvv nccxn \twjux«Z*>9* 

noXXäug Sivoviisvrj *ai pexanCmovaa Nepsßig, xgaxovaa. | Ua&i, puwitja dixaanoXs, | WffiE« 

Ärtemidor 2 37 xä fiev äya9a Irel xb X scqov nxsQosaoa, ßiov gona. \ Nspeeiv »sov ccdop,Bv 

xaim-i xä Si v.a*a £nl xb ßeXtiov und Aisopos ätp&izav, \ JVi'xrjv xavveinxsqov, ofißgi/tav, | 

(anthol Palat. 10, 123) fr xv ™»y .« I ia»ti», vr,^gxjcc **i nag* Sgov Aixag (aus ^«J» W; 

&u, 0l ßatnv Mi%e«u. N&peaiv. Ihre Verwandt- bessert von Th. Bergk, Optuc 2, 6. 313) ; | a 
schaft mit Tyche tritt in diesen Stellen zu- 40 zav peyaXccvogtuv ßgoxcov | vepsatooa tpsgeig 

nächst darin zu tage, dafs sie so leicht wie K oczoc Tagzägov Trotzdem alle _die hier er- 

diese umschlägt, dann aber auch in dem Um- wähnten Eigenschaften sich organisch aus dem 

stände, dafs sie der («y«^) Tipi ^ Unheil- ursprünglichen Wesen der N. entwickelt haben 

brinfferin segenüber gestellt wird. Eine düstere so ist doch gerade durch ihre Häufung und 

der neben ihr genannten Invidia (fers 69) stärkere Betonung eine von der ionisch-atti- 

ähnMche Gestalt ist sie bei Statins geworden sehen Göttin wesentlich verschiedene Gestalt 

(silv 2 6 73 fV attendit torvo tristis Eham- entstanden. An die Stelle der nicht mehr er- 

nusia vultu | ac primum implevitque toros (w- wähnten Themis ist Dike als Mutter und 

venis) oculisque nüorem \ addidÜ ac solito subh- *«ef'«oc ^getreten Dann wird die Egenschaft der 
mimora Iwavit, | heu, misero letale favens se- 50 N. als Schicksalsgottin starker als früher hervor- 

seaue videndo | torsit in Invidiam (dies ist die gehoben. Als solche ist sie überall unbemerkt 

dem Sinn am besten entsprechende und leich- gegenwärtig, um Übermut und Neid sogleich 

teste Änderung des überlieferten et invidia) bestrafen zu können. Zu den Attributen der 

mortisque amplexa iaeenti \ inieeit nexus earp- smyrnäischen Statuen (s. unten), Elle, Zügel 

sitaue immitis adunca \ ora verenda manu. und dem auf den Busen gerichteten Blick, sind 

Ähnlich ruft ihr Antonius zu epist. 27, 59 f.: die in alten Darstellungen nicht nachweisbaren 

in Medos Aräbasque tuos per nulila et atrum \ Flügel (Pausanias 1 33 6), das der Tyche ent- 

perqe chaos; Bomana proeul tibinomina sunto. | lehnte Bad und das Joch hinzugekommen, 

illic quaere alios oppugnatura sodales, | livor welches ziemlich dieselbe Bedeutung hat wie 
ubi iste tuus ferrugineumque venenum | oppor- eo der Zügel. 

tuna tuis inimicat pectora fucis. Die Über- Die von Mesomedes erwähnten oder ange- 

slücklichen beten zu ihr, um nicht von ihrer deuteten Eigenschaften lassen sich auch in 

Feindschaft betroffen zu werden, wie bei Oha- der sonstigen Litteratur der Kaiserzeit nach- 

riton 3, 8: Mavasv V ^wijs äioviewg iäcov weisen. In nächste Verbindung mit Tyche 

Ml novxn znv Nipu» * ? o««Anj«. Auch und den Moiren wird sie von Cornutm r (13) 

Elnis wird ihr daher auf dem Chigischen gesetzt und von Bio Chrysostomos (orat. 64, 8, 

Marmorkrater (s. unten) und in einem späten 2 p 149 ed. J de Arnim) fto vollkommen läm- 

Epigramm {anthol. Palat. 9, 146) passend gegen- tisch mit Tyche erklart: covopaetat 8e rj Tv Xn 



137 Nemesis (Eigenschaft, u. Attribute) Nemesis (Eigenschaft, n. Attribute) 138 

%al «ollofg zimv h äv9<><ä%ois ovöpacr to pev auf den Bildwerken der Kaiserzeit (s. unten) 

taov avxrjg NiiisGig, xö Ss ÜSrjlov "Einig, rb entweder zu ihren Füfsen sitzt oder ihren 

6h ävamotiov Moiga, rb Ss SUaiov Sifiig. Wagen zieht. Er ist ihr nicht blofs als lodes- 

Dasselbe besagt die Glosse des Eesych: 'Ayadij dämon, sondern wohl auch wegen seines schar- 

Tvvv- V Neueaig *ul n Situs und eine In- fen, alles erspähenden Blickes beigegeben. Die 

schritt C. I. L. 3, 1125: deae Nemesi sive For- Geisel führt sie nur in einem besonderen 

tunae. Dagegen ist sie bei Iulius Capitolinus Falle, wieder bei Nonnus (48, 459, 462), wo 

Maxim. 8, 6 vis quaedam Fortunae. Er nennt sie auf ihrem Greifengespann die Aure ver- 

sie so gelegentlich einer aus 'alten Quellen' folgt. Er giebt diesem Attribut die Epitheta 
geschöpften Ausführung über den Grund der 10 6<pi<a8rjg und ixiSv^taaa. 

von den Kaisern vor einem Feldzüge gegebenen Die so immer weiter ausgebildete (jöttin 
Gladiatorenspiele und Tierhetzen: multi dicunt tritt uns in vielen Einzelheiten ihrer Verehrung 
apud veteres hanc devotionem contra hostes fac- namentlich auf späteren Inschriften ent- 
tarn, ut avium sanguine litato specie pugnarum gegen. Wir erfahren, dafs unter CaracaUa ihr 
se Nemesis, v. au. Fort, satiaret (vgl. Commo- der 24. April heilig ist, wie der 1 ortuna ( [Üphem. 
dian instruct. 1, 16, 9, wo N. neben Bellona epigraph. 4 [1881] S. 127 nr 431). Um ihre 
genannt wird). Auch Ammianus Marcellinus mächtige Hilfe bitten viele Privatleute unter 
14 11 25 führt für seine langatmige Beschrei- Darbringung von Gaben (C. I. G. 4537. C. 1. h. 
bung der N. Gewährsmänner an und zwar 3, 1124, 1547, 3485, 4161, 6, 533) sie wird als 
theoloqi veteres, vielleicht ein ähnliches, aber 20 Augusta zum Kaiser m Beziehung gesetzt 
ausführlicheres Handbuch wie das des Cor- (C. I. L. 3, 1304, 3484, 4161, 4241, 4738 
nutus: haec et huiusmodi innumerabilia ultrix 6, 17, 813, 3135, 8241, 8, 10949f,), sie lenkt 
facinorum impiorum bonorumque praemiatrix die Geschicke grofser und kleiner btadte 
aliguotiens operatur Adrastia, quam vocabulo (z. B. von Rom C. I. L. 6 531, 532 regina 
duplici etiam Nemesim appellamus (vgl. 22, urbis, wo es nicht nötig ist mit Posnanshy 
3, 12): im quoddam sublime nummis efficacis, S. 56 einen Fehler des Steinmetzen iur orbis 
humanarum mentium opinione lunari eirculo anzunehmen, 533); Alexandreia, 0. I. Cr. add. 
superpositum, vel ut definiunt alii, substantialis 4683 d; Corduba, C. I. L.J, 2195; Aquileia, 
tutela generali potentia partilibus praesidens C. I. L. 5, 1, 812, 813; Verona, ebd. 3466; 
Fatis, quam theologi veteres fingentes Iusti- so Borovicium, 7, 654; Aquincum, 3, 3484, 3485). 
tiae filiam ex abdita quadam aeternitate tra- Ahnlich wie sie von Ammian a. a. O. als die 
dunt omnia despectare terrena. haec ut regina regina causarum et arbitra rerum ac disceptatrix 
causarum et arbitra rerum ac disceptatrix bezeichnet wird, heifst sie m der Inscnnit 
urnam sortium (vgl. Martianus Capella 1, 64) C. I. L. 6, 532 ^ycdr? Nsfieaig n ^aiXsvovaa. 
temperat accidentium vices altemans voluntatum- toü %6epov und ebd. 3, 827 (239 n. thr.) dea 
que nostrarum exorsa interdum alio quam quo regina oder (3, 4008) regina Augusta. Als tfei- 
contendebant exitu terminans multiplices actus namen führt sie auf Inschntten derselben ziert 
permutando convolvit. eademque necessitatis in- die folgenden: sancta C. L h. 6, 531, 533, 10, 
solubili retinaculo mortalitatis vinciens fastus 1408, 4845. Ephem. epigr. 4 S. 79, S. 21 i ; mc- 
tumentes in cassum et incremmtorum detrimen- 40 trix CLL. 3, 1592, 6,531 ; ovgavia L.1.A..S, ^89; 
torumque momenta versans, ut novit, nunc erec- virgo C. I. L. 6, 531; exaudientissima 3, 1126; 
tos amentium (mentium die Hss., verbessert von campestris 6, 533 u ä. Doch kommt auch vor 
Petschenig im Phüologus 49 [1890] S. 389) cer- dafs einer ihrer Verehrer, dem sein Gebet 
vices opprimit et enervat, nunc bonos ab imo nicht in Erfüllung geht, vor ihrer Unbestan- 
suscitans ad bene vivendum extollit. pinnas digkeit warnt. In Nemese ne fidem habeatis, 
autem ideo Uli fabulosa vetustas aptavit, ut ad- sie sum deeeptus steht auf dem Orrabstein eines 
esse velocitate volucri eunetis existimetur, et im vierundzwanzigsten Jahre gefallenen bol- 
praetendere gubemaeulum dedit eique sub- daten aus Mutma (C. I. L. 5, 3466) und jj nol- 
didit rotam, ut universitatem regere per ele- lovg ipivoctpsvri heifst sie in einem Epigramm 
menta discurrens omnia non ignoretur. Hier 50 des Diodor von Stellten (anthol. falat. 9, 4Uo). 
ist N von Fortuna kaum noch zu unterschei- Aus ihrer bereits in der Statue von Knam- 
den (vgl. Ammian ebd. § 29) und ganz wie nus durch die Niken auf dem Stephanos an- 
diese überhaupt die höchste Gottheit, indem gedeuteten Eigenschaft als Siegesspenderin hat 
sie noch über den Fata steht (vgl. G. I. L. 10, sie sich allmählich zu einer Schirmherrin 
3812 die Inschriften von einem im 2.-3. Jahr- der "Wettkämpfe entwickelt, vgl. A. v. Ire- 
hundert ihr geweihten Altar: Ssanoavvrj Ns- merstein im Phüologus 53 (1894) 400f. Das 
aiati %ul evvvdoiei »soiaiv \ 'Aggiavog ßafibv zeigtnamentlich die Stelle des Malalas chronogr. 
zövde Ka »Hägvaazo. Iustitiae Nemesi [F]atis 12 S. 307 (L. Dindorf): ijmffe SUJtovXrixwvos) 
quam voverat aram | numina sancta colens Garn- sv avzä xä axaSicp Juyvrjgjegov Olvfinlov 
marius posuit). Zu den von Mesomedes her eo 4t.bg xal iv xr) otpevSovy xov ayzov oiaSfov 
bekannten Attributen, von denen Zügel, Flügel extiotv tegov zy Niptoet und die de» Lydus 
und Rad erwähnt werden, sind von der For- de mens. 1, 12: x«l alias o« «<»« V Mgu/ilg 
tuna noch die Schicksalsurne und das wie öpftoMx ioxl xol« ayomjofifrotg v Niiiiatats yag 
auf den Bildwerken (s. unten) auf das Rad ge- elvat vopittxat, vgl. Meiomede» V. 17. 
stützte Steuerruder hinzugekommen. Von Aui den Insehriften und anderen Quellen 
weiteren Abzeichen der Göttin läfst sich der ergeben sich die folgenden Kultstätten der 
Greif in der Litteratur nicht vor Nonnus N. in der KaUeneit (vgl. Posnansky k- .591; 
(Dionys. 48, 382 f., 453) nachweisen, wo er wie die von ihm übersehenen oder nicht richtig 



139 Nemesis (Knltstätten) Nemesis (Verschmelzung m. and. Gott.) 140 

behandelten Zitate füge ich in Klammern bei). in den drei folgenden Hymnen z/«nj, Ai%aio- 

Griechenland: Athen (Servius plenior Aen. evvr\ und Nöpog gefeiert werden. Höchstens 

4, 520), Rhamnus, Patrae, Imbros, Deloa, An- der Einflufs, den sie auf die Gedanken der 
dros, Kos (Bullet, de corresp. hellen. 5 [1881] Menschen ausüben soll, ist als ein neues Mo- 

5. 222 f., Adrasteia und N. werden zusammen ment hinzugekommen, 
verehrt); Kleinasien: Smyrna (der höchste _, 

städtische Beamte ist der axgaxrjybg inl xäv 6 ) Verschmelzung der Nemesis mit 
onXcov Kai vsaiKÖgog xäv psyakcav &smv Nifis- anderen Göttinnen. 
eemv C. LG. 3193, 3201; der offizielle Titel Bei der immer höheren Steigerung der Macht 
der Stadt selbst lautet: ^ vetoKÖgog Sfivgvaimv 10 der Göttin, ihrer Gleichsetzung mit Tyche und 
nölig oder rj lujmqoxäxr] Kai ngcörrj xijg 'Aaiag dem überhaupt im späteren Altertum herrschen- 
««t Slg vswKÖgog xäv üeßaexäv Epvgvaiwv den Bestreben, verschiedene Gottheiten zu einer 
icöXig Le Bas -Waddington , inscriptions nr. 2, zu vereinigen, läfst sich auch bei N. häufig be- 
8, 9; die Basilika der Göttinnen wird unter obachten, dafs sie mit anderen Göttinnen auch 
Hadrian ausgebessert und ihnen zu Ehren fin- von fremden Völkern zu einer Gestaltvereinigt 
den Agone statt C. I. G. 3148; dem Breseus wird, indem deren Eigenschaften auf sie über- 
Dionysos werden ihre Bilder geweiht ebd. 3161), gehen. Diese Verschmelzung wurde begünstigt 
Halikarnassos (wo auch zwei Nemeseis ver- durch die oft nachweisbare Ansicht, dafs im 
ehrt und ihnen Schweineopfer dargebracht Grunde alle Völker dieselben, nur verschiedene 
werden C. I. G. 2662, 2663), Mylasa (Bullet. 20 Namen tragende Götter hätten, und durch die 
de corresp. hellen. 6 [1881] S. 39), Stratonikeia allen höher entwickelten Religionen inne- 
(ebd. 15 [1891] S. 423f.), Kotiaion; Palästina: wohnende Neigung zum Monotheismus. 
Caesarea Philippi, Caesarea Panias (in dem Nur eine geringe Änderung des Wesens 
gröfseren Pansheiligtum gelegener Tempel Le der N. findet statt, wenn Martianus Capella 
Bas-Waddington, inscriptions nr. 1893 = C. I. 1, 88 sie der Sors, der Tyche und der etrus- 
G. 4573 s. Addenda S. 1179), Dscheräsch (Sta- kischen Schicksalsgöttin Nortia gleichsetzt 
tue, Altar und Geräte wieder innerhalb eines (vgl. 1, 24 und Ammianus Marcellinus a.a.O.). 
gröfseren Tempelgebietes Zeitschrift des Deut- Auffälliger ist es schon, wenn der Verfasser 
sehen Palästina-Vereins 8 [1895] S. 127, 141 f.); der Schrift nsgl xrjg Zvgfyg 9eov 32 in der 
Syrien: Antiochia (in dem Stadion von Daphne so itoXvuSrjg tiogcprj der Hera Eigenschaften der 
hatte Diokletian der N. ein Heiligtum erbaut, N. findet: xd plv ^vfucavza äxgexh Xöytp "Hgr\ 
Malalas 12 S. 307 ed. L. Bindorf); Ägypten: seziv t^st äs zi «al 'J&rjvairjg «ai. 'AcpgoSizrjg 
Alexandria, Nemeseon in der Marmarica(Pfo7e- yial ZsXrjvai'rjg %al 'Pe'rjs Kai 'Agxsiiidog xal 
maeus 4, 5, 31, tabul. Peuting., anonym. Bavenn. Nsiiiawg Kai Moigemv, oder wenn das Chron. 
3, 2. 5, 7); Italien: Rom, Ostia, Capua, Re- Pasch. S. 65 (ed. Bonn.) sagt: k'Xaßiv 8i yv- 
tina,Venafrum,Panormus; Gallia Cisalpina: vaiKa ILiKog b «ai Zfüj zr\v ISiav avxov däiX- 
Pola, Aquileia, Vicetia, Verona; Noricum: cpijv xtjv "Hgav, rjv koi Zvyirjv Nspeaiv Ikü- 
beiTeurnia; Moesia superior: Viminacium; low ivxagiaxovvxsg avzij mg dya&y xat SUaia 
Dacien: bei Alsö-Ilosva, Also-Kosaly, Potaissa, itüvza deloveij. Aber Hera ist ja überhaupt 
Alba Iulia, Carlsburg, Ampelum, Veczel, Farkadi, 40 die höchste Göttin und mit dieser lassen sich 
Pons Augusti ad Margam, Recka; Pannonia die niedriger stehenden leicht verschmelzen, 
inferior: Aquincum; Pannonia superior: Besonders eignete sich zu einer Verbindung 
Carnuntum (s. d. während des Druckes erschie- mit N. die mächtige Gestalt der ägyptischen 
nenen Bericht d. Vereins Carnuntum in Wien f. Isis, welche auf diese "Weise zugleich den 
1895/6 S. 52f.), Savaria, Oedenburg; Britan- Griechen näher gerückt werden sollte. Die so 
nien: Borovicium; Spanien: Corduba. Über entstandene Isis-Nemesis läfst sich zuerst auf 
weitere N.-kulte s. unten die Münzen. drei noch aus dem ersten Jahrhundert v. Chr. 
Besonders hoch ist N. von den Orphikern stammenden Weihinschriften von Delos nach- 
gehalten worden, deren 61. £60.) Hymnps sie weisen (Bullet, de corresp. hellen. 6 [1882] 
in folgenden Versen feiert: Ü3 Ntpsai, kX^w 50 S. 336f.), deren zweite einen Tempel mit Kult- 
es, &su, ßaeiXitd /isyiaxri, | navSsgKrjg, saogäaa bild erwähnt, welcher auf der mit Ägypten in 
fiiov &vrjzmv 7toXvcpvXmv • \ äiSit], 7iolva£(i.vs, regem Verkehr stehenden Insel errichtet war: 
pövrj %atgovoa äiKaioig, | dXXdaaovaa (verderbt, Nr. 38 Smaiav Evpevovg Olvalog hgsvcov "iaiSi 
dXX' s'x&ovcu Wiel; dXX' daxovaa — d'iozovoa Nifiecsi. Nr. 39 Smcüov Evfievovg iigeitg wv 
Bgscher) Xoyov ■noXvaoiKiXov. äezaxov atsl, | vnlg zov ätffiov zov 'A&rjvaiav Kai vnhq ßaai- 
tjv itdvxsg SsSiaei ßgoxmv gvyov uviivi frsvxsg Xemg NiKoptfSov (f 74 v. Chr.) dvsfrtjKev xov 
(ftsioav?)' | aol yaQ äsl yvoiinj itävzmv psXei, vabv kuI zo äyaXfia "iaiSog Nstieoicog inl eiti- 
ovSe os Xtj&ii | tyviri vnsgcpQoveovaa Xö- ineXrjzov zfjg vrjeov dwvvaCov xal NiKtovog HaX- 
ycav aSiuKQizcp oftfiij' \ nävx saoQag Kai itävx' Xrivsmg. Nr. 40 isgsvg zov SaftäniSog Smaitav 
ixaKOvtig, Ttävza ßgaßeisig- | iv aol S' slal 60 Evfievovg Olvaiog vnsq zov S-qfiov zov 'A&qvatmv 
Sinai &vrixäv, Tcavvnsgzaxs Saipov. \ sX&i, Kai zov Sr',fiov zmv'Pmy,aicov"laiSi Nsjieosi. Be- 
[idKaig', ayvfj, fivaxaig inixäggod-og alsi- \ dog merkenswertist, dafs derselbe Mann, der hier den 
ä' äya&rjv Sidvoiav e%siv, mavovaa itavs%&eig j Isiskult einrichtet, bereits Priester einer anderen 
yviöfiag ov% baiag, ituvvnegtpqovag, aXlongo- fremden Gottheit, des Sarapis, ist. Er und andere 
aaXlag. Aus dem Schwall von Beinamen, der Vertreter der ägyptischen Kulte im Auslande 
dieser Gattung von Hymnen eigentümlich ist, mögen beansprucht haben, dafs die Ägypter mit 
tritt uns die gewohnte Auffassung der Göttin ihrer ältesten Weisheit allein von allen Völkern 
entgegen, die sich auch darin ausspricht, dafs das Wesen und den Namen der höchsten aller 



141 Nemesis (Verschmelz. m. and. Gott.) Nemesis (geg. Ausg. d. Altertums) 142 

weiblichen Gottheiten erkannt hätten. Das Menschen fortwährend begleitender und beauf- 

läfst Apuleius met. 11,5 die Isis selbst zu dem sichtigender Genius abgeleitet. In dieser 

Helden seines Romans in deutlichen Worten Gestalt tritt sie uns in einem späten aus dem 

sagen: en adsum tuis commota, Luci, precibus Piräus stammenden Epigramm von einem Votiv- 

rerum naturae parens, dearum deorum- relief entgegen (herausgegeben vonDelamarre 

que facies uniformis, - - - - cuius numen unicum in der Revue de Philol. a ; a. 0.): dpi pev, mg 

multiformi specie, ritu vario, nomine mulUiugo seogäg, Nsasaig (isgönmv av&gtoncav \ svnzsgog, 

totus veneratur orbis. inde primigenii Phryges ä&uväzu, kvkXov £%ovou noXov . [ roarojfieu ä 

Pessinuntiam deum matrem, hinc autoehthones ävd nöopov üsl noXvyr]»u 9vjico\ Scgno/iera 
Ättici Ceeropeiam Minervam, illinc fiuctuantes 10 »t-arcä* tpvXov äsl ysviwv. | aXXa us ospvog 

Cyprii Paphiam Venerem, Cretes sagütiferi ävfjg ztvk[a]g aocpbg JgxsucSmgog \azriasv sv 

Dictynnam Dianam, Siculi trilingues Stygiam £v%B>Xutg Xaivsoiai zvnoig. Bezeichnend ist 

Proserpinam, Eleusini vetustam deam Cererem, namentlich, dafs hier N., sehr in Widerspruch 

IunonemaliiBellonamalii,HecatamisURham- zu dem Relief selbst, wo sie mit finsterem 

nusiam Uli, et qui nascentis dei Solu inchoanti- Gesichtsausdruck auf dem Nacken eines zu 

6ms inlustrantur radiis Äethiopes Arique prisca- Boden geworfenen Mannes steht, heiteren 

gue doctrina pollentes Aegyptii caerimonüs me Sinnes' in der Welt umher fliegt und dais ihre 

propriis percolentes appellant vero nomine re- strafende Gewalt nicht einmal angedeutet wird. 

qinam Isidem. Noch mehr zum blofsen Schutzgeist ist N. 

Mit einer anderen ägyptischen Göttin, der 20 in dem Leidener Zauberpapyrus geworden 

Bubastia (Bast), wird die N. bei Nikom achos (Jammg^m..Ä^iä^h^m^ahrh.S..$lasj-^ 

von Gerasa in Verbindung gebracht. Nachdem PMol, Snpplbd. 16 [1888ljp.„8gi), wo sie in 

dieser sie in seinen tooloyot^e»-« äQi&mwUs. der Mehrzahl und als bestandige Begleiterin 

S 32 wohl im Anschlufs an pythagoreische anderer göttlicher Wesen auftritt. Zu einem 

Aufstellungen für die heilige Fünfzahl erklärt SaKzvXiSwv xqo S itätsav nga&v xori muxvxluv 

hat (Musotv KaXoiai xnviisvzäSa- viusi yovv gehört das folgende Gebet: m xäv cpavegav 

HQOOTixövTwg xä xe ovgävia Kai »iicc xal <pv- KaXvnzai, a> zäv Nsfieaemv xmv avv vfuvöia- 

oiku exoixiia xovg nsvxi), stellt er sie bei xgißovaäv xijv näeav mgav Kvßegvr t xai, a> ttjs 

Phgtios S. 144 B mit anderen Gottheiten und Moigag xtjg anavxa itsgüita&puvris eviitoiinoi, 
Begriffen zusammen: aveixia yäg fj nsvxäg 30 00 xmv vm-gi%6vxav vnozaKzai, m zäv vnoxc- 

kui dXXoimeig Kai tpäog Kai SiKaioavvri Kai iXa- xayusvmv vHxoxul, co xmv ajtoKSKgvfifievav 

viaxri ä-XQÖxrjg t% £möxt]xog m<*1 iVspaeis »«<■ cpavsgmxal, m xäv Nstiseecov avv vfiiv Siaxgi- 

Bovßaaxia xal SUrjeig wl 'Aygoäixri Kai ya- ßovvxmv xr\v näcav mgav Kvßegv^xai, m rcov 

arjUa Kai ävdgoyvvia Kai Kvdegeia Kai kv- äveamv öSrjyol, m tmv Kvpazav t&yigzai, - - - 

KXiovrog Kai aui&cog Kai Zavog nvgyog Kai eX&uxs tvusvsig, eq> vflag t7ttHaXov[i,ui snl 

äi8vaä(a Kai agra» säguta. xä avfitpsgovxi poi ngaypaxi cviievsig nagaaxa- 

Ähnlich willkürlich vergleicht Macrobius zai. Die Nemeseis sind also nach diesen pan- 

Saturn. 1^22, 2 die N. mit der Sonne: et ut theistischen Vorstellungen jederzeit mit anderen 

ad soÜs multipiicem potestatem revolvatur oratio, Dämonen im Weltall anwesend und können 
Nemesis guae contra superbiam colitur quid 40 durch Beschwörungsformeln veranlagt werden, 

aliud est quam solis potestas, cuius ista natura sich den Menschen als wohlgesinnte Helfe- 

est ut fulgentia obscuret et conspectui auf erat rinnen zu nähern. 

guaeque sunt in obscuro inluminet offeratque Gerade durch derartige geheimnisvolle 

conspectui? Dagegen ist in den Worten des Zauberbräuche mag der Nemesiskult gefestigt 

Ammianus Marcellinus 1 4, 11 , 25 ius quoddam worden sein, und sie wurden wohl besonders 

sublime numinis eßeacis, humanarum mentium in den aus dem 3. und 5. Jahrb. n. Chr. bekannten 

opinione lunari circulo superpositum nicht mit Kollegien der Nemesiaci ausgeübt. Der 

Posnansky S. 58 eine Beziehung zur Mond- christliche Dichter Commodian (um 249 n .Chr.), 

göttin zu erkennen. Sie geben nur den Auf- welcher instruct. 1, 16, 8f. gegen die N. und 
enthalt der N. an und entsprechen der Wen- 50 andere weibliche Göttinnen, deren Namen zum 

düng eines späten inschriftlich erhaltenen Eni- Teil nicht mit Sicherheit überliefert sind, eifert 

grammes (Revue de Philologie n. s. 18 £1894] (feminas quoque nescio quas deas oraUs, | Bei- 

S 2Q6f ) wo sie als kvkXov ¥%ovoa nölov be- lonam, et Nemesim deas, Funnam, Caelestem,\ 

zeichnet wird. — Verbindungen der N. mit Virgines et Venerem, cui comuges vestrac de- 

anderen Göttinnen ergeben sich aus den unten lumbant), hat ein Gedicht mit dem Lemma und 

besprochenen Münzen und Gemm en. Akrostichon NEMESIACIS VANIS verfalst 

_ (1, 19;, in dem er den Kult der Diana heftig 

VII, Nemesis gegen Ausgang des Alter- angreift. Aus seinen wenig klaren, schlecht 

tums. überlieferten Worten ergieot Hich, dafs ein 

Der erst in der römischen Kaiserzeit weite 60 Priester, dem er Trunksucht und betrügerische 
Ausdehnung gewinnende Kult der N. hat sich Wahrsagung vorwirft, diesem Kult vontand 
gegenüber dem Andrängen des Christentums und eine grofse Gemeinde Gleichgesinnter ge- 
langer gehalten als mancher der alten Götter bildet hatte. Ahnlich wirft Paulinus von Nola 
und sich auch noch in der letzten heidnischen (353—481) den Heiden vor epüt. lö, 4: cassa 
Zeit weiter entwickelt. So wird aus der Eigen- nomina - - - - in specitm corporatam stultis 
schaft der N., dafs sie den Frevlern, ähnlich cogitationibus fingunt stultiusque quam finxerint 
wie die homerische Ate, mit der Strafe auf dem donant honore dtvino: unde et Spes et Nemesis 
Fufse folgt (s. oben), ihre Thätigkeit als ein die et Amor atque etiam Furor in simulacris fingun- 



143 Nemesis (geg. Ausg. d. Altertums) 

tur. Schon die Heftigkeit der christlichen An- 
griffe liefse anfeine weite Verbreitung schliefsen, 
doch sagt Commodian auch ausdrücklich (V. 6 f .) : 
incopriat cives unus detestabilis omnes j adpli- 
cuitque sibi similis collegio facto, \ cum quibus 
historiam fingit, ut deum adornet. Dafs die 
Teilnehmer an dieser Verehrung Nemesiaci ge- 
nannt werden (Dianatici gab es auch nach 
Maximus Taurinensis sermo 32 bei Galland 



Nemesis (in der Kunst) 



144 



sind gesammelt von Posnansky S. 132 f. Taf. 
Fig. 1—4, 6—14, 17, 20—22), wozu jüngst aus 
dem Münzkabinet des Britischen Museums zahl- 
reiche Ergänzungen hinzugekommen sind (Ca- 
talogue of the Greek coins in the British Mus., 
Ionia S. 249 f. Taf. 26 f.). Sie gehören durch- 
weg der römischen Kaiserzeit an, bieten aber 
keineswegs alle genaue Nachbildungen der 
beiden Kultstatuen. Das beweisen die entgegen 



bibl. 9, 401, vgl. Commodianus ed. E. Ludwig 10 dem ausdrücklichen Zeugnis des Pausanias 



1 S. XXXIV f. und Bohde, Psyche 2 ' 2 8. 8 4, 2) , 
kann nicht auffallen, wenn man an die Verbindung 
der N. mit anderen Göttinnen denkt. Auf einen 
ekstatischen Tanz des weissagenden Priesters 
weisen die Verse (11 f.) hin: vertitur a sese To- 
talis cum ligno bifurci, \ ac si illum putes ad- 
flatum numine ligni. Dieselben Nemesiaci be- 
standen aber noch unterden christlichenKaisern, 
wie ein Erlafs des Honorius und Theodosius 



häufig vorhandenen Flügel (Posnansky, Fig. 1, 
14, 17, Brit. Mus. Taf. 26, 4; 27, 3; 39, 3), so- 
wie das fortwährende Schwanken der Attribute, 
indem Elle, Zaum, Greif, Rad u. s. w. bald vor- 
handen sind, bald fehlen. Doch das sind Will- 
kürlichkeiten der Stempelschneider, wie sie sich 
auch sonst bei Statuenkopieen auf Münzen nach- 
weisen lassen und wie sie durch die Über- 
tragung in die viel kleineren Verhältnisse, die 



vom Jahre 412 n. Chr. im codex Theodosianus 20 sorgfältigere oder nachlässigere Ausführung und 



14, 8, 3 beweist. Nachdem von der Rückführung 
von flüchtigen und anderwärts ansässig ge- 
wordenen Sklaven die Rede gewesen ist, wird 
folgendermafsen fortgefahren : collegiatos et vitu- 
tiarios et nemesiacos signiferos cantabrarios et 
singularum urbium corporatos simili forma prae- 
cipimus revocari. quibus etiam supplicandi in- 
hibendam facultatem esse censuimus, ne originem, 
quod fieri non potest, commutare ulla iussio 
videatur; ac si forte per saeram auctoritatem 80 allein (Posnansky Fig. 
eognoscitur dliqui liberatus, cessante beneßcio 7, 8. Brit. Mus. Taf. 26, 
ad originem revertatur. Darnach hat man sich 
die Nemesiaci als ein ähnlich wie die Verehrer 
der Kybele im Lande herumziehendes Kollegium, 
in das auch Sklaven aufgenommen wurden, zu 
denken. Die Härte der gegen sie angewandten 
Mafsregeln kann unter christlichen Kaisern 
nicht auffallen, sie zeigt aber, welche Mühe 
die Ausrottung dieser mit Hilfe abergläubischer 

Bräuche sich zähe haltenden Kulte selbst den 40 oder auf den Bundes 
höchsten Behörden des Reiches machte. Auch münzen um den As 
nachdem sie verschwunden waren, hielten sich 
die in der ersten Kaiserzeit seltenen, aber 
später desto häufigeren Namen wie Nemesius, 
Nemesianus, Nemesenus und Nemesion noch 
lange. Nicht weniger als vier Märtyrer heifsen 
Nemesius. 



die individuelle Auffassung der Künstler be- 
dingt sind, während in den Hauptpunkten die 
Übereinstimmung viel gröfser ist, sodafs man 
sich die Originalstatuen wenigstens in ihren 
Hauptmotiven ziemlich deutlich vor Augen 
stellen kann. A1b die sorgfältigsten Kopieen 
wird man diejenigen 
Münzen ansehen dürfen, 
welche beide Nemeseis 



8, 17; 29, 14) oder auf 
dem Greifenwagen (Pos- 
nansky Fig. 2. Brit. 
Mus. Taf. 29, 9) oder 
neben dem schlafenden 
Alexander dem Grofsen 
(Posnansky Fig. 3. 
Brit. Mus. Taf. 29, 16) 




1) Nemesis-Statuen von 

Smyrna (nach Cataiogue 

of the Greek coins in the 

Brit. Mus. Ionia Taf. 

XXIX, 14). 



"VTEL Nemesis auf Bildwerken. 
1) Die Kultbilder in Smyrna. 
Die Betrachtung der Denkmäler der bilden- 
den Kunst, welche die N. darstellen, hat von 
den weder von K. 0. Müller (Handbuch der 
Archäologie 3 S. 644) noch von dem" an ihn sich 
anschliefsenden Posnansky (a. a. 0. S. 92) als 
die ältesten erkannten Kultstatuen der 
zwei Nemeseis in Smyrna auszugehen (vgl. 
oben). Ihr hohes Alter ist ebenso dadurch 
erwiesen, dafs sie Pausanias mit Bupalos in 



klepios von Pergamon (Posnansky Fig. 4) 
oder um die Artemis von Ephesos (Brit. Mus. 
Taf. 38, 2) gruppiert zeigen, während die Münz- 
bilder mit nur einer N. schon wegen der Ge- 
fahr der Aufnahme von Motiven der anderen 
Statue erst an zweiter Stelle in Betracht 
kommen. 

Nach jenen zuverlässigsten Münzen waren 

50 die 'hochheiligen Standbilder der Smyrnäer', 
wie sie Pausanias kannte, die einander zuge- 
wandten gleich hohen Statuen zweier jugend- 
lichen Frauen in langem ärmellosen Chiton, 
dessen Saum sie in Schulterhöhe mit der rechten 
Hand fafsten. Das Obergewand hing von den 
Schultern in der Weise herab, dafs es den 

. Oberkörper in der Vorderansicht frei liefs und 
sich um den Unterkörper und den gesenkten 
linken Arm in einer schweren Falte herumzog. 



Verbindung bringt, wie dafs er sie als 'alt' gegen- 60 Die linke Gestalt stand mit rechtem Stand- 



über den späteren geflügelten Bildwerken be- 
zeichnet und tu ccyimrara £6uva nennt. Über ihre 
Beschaffenheit wissen wir durch dieselbe litte- 
rarische Quelle nur (1, 33, 6), dafs sie im Gegen- 
satz zu den späteren Nemesisbildern unge- 
flügelt waren, doch liegt uns auf den Münzen 
von Smyrna und anderen Städten ein reiches 
monumentales Material für sie vor. Die Münzen 



und linkem Spielbein in völlig gerader Haltung 
da, während die rechte mit gleicher Bein- 
stellung den Oberkörper ein wenig zurück- 
lehnte. Das Haar beider wurde vorn durch 
eine niedrige Stephane oder eine Binde zu- 
sammengehalten, im Nacken lief es in einen 
Knoten und einige Locken aus. Als fast durch 
alle Münzen gesichertes Attribut findet sich bei 



145 Nemesis (Kultbilder in Smyrna) 

der rechten Gestalt die Elle, welche sie im 
linken Arme schultert. Nicht ganz so regel- 
mäßig trägt die linke Gestalt in der herab- 
hängenden „linken Hand den Zügel (er fehlt 
z. B. auf den recht sorgfältigen Münzen bei 
Posnansky Fig. 2 und Brit. Mus. Taf. 29, 9; 
38, 2) ; doch möchte ich daraus nicht schliefsen, 
dafs auch die entsprechende Eultstatue ihn 
nicht besafs. 

Die übrigen Attribute stehen schon deshalb 
mit den statuarischen Vorbildern in weniger 
engem Zusammenhange, weil sie wie Rad und 
Greif zu den Füfsen der Nemeseis auf den Münz- 
bildern angebracht werden. Am häufigsten 
ist noch das Rad, welches oft neben der mit 
der Elle ausgerüsteten Göttin liegt , ebenso 
häufig aber fehlt. Seltener ist der Greif, welcher 
auf den smyrnäischen Münzen nur in zwiefacher 
Gestalt vorkommt, als Zugtier vor dem Wagen 
der Göttinnen. Diese und ähnliche Attribute 
sind wie die Beflügelung rein willkürliche Hin- 
zufügungen der Stempelschneider und an den 
Kultbildern sicher nicht angebracht gewesen. 
Sie verdanken dem bekannten Bestreben ihre 
Entstehung, welches gegen das Ausgang des 
Altertums in Beschreibungen wie in Bildwerken 
die Götter mit Symbolen überladet. 

Für eine besonders zuverlässige Nachbildung 
einer der beiden Nemesisstatuen halten A. Furt- 
wängler ißammlg. Sabouroff JExcurs zu Taf. 71, 2 
S. 16) und im Anschluis an ihn Posnansky 
(a. a. 0. S. 64, 133, Fig. 21) die Darstellung 
auf der Rückseite einer unter Claudius ge- 
prägten Münze, die sich in zwei Exemplaren 
im Berliner Münzkabinet, in einem imBritischen 
Museum (a. a. 0. S. 249 Taf. 26, 6) befindet. 
Wir sehen da eine Frauengestalt in langem die 
Füfse verdeckenden Unterkleide und über das 
Haupt gezogenemMantel, welche mit der Rechten 
ihr Gewand in der gewohnten Weise berührt, 
während sie in der Linken einen Zweig hält, 
von dem Binden herabhängen. Ein altertüm- 
liches Idol ist in ihr nicht zu erkennen, da 
die Steifheit der Gestalt doch wohl nur von 
der Ungeschicklichkeit des Stempelschneiders 
dieser auch sonst recht unvollkommenen Münze 
herrührt. Sichere Merkmale des Archaismus 
fehlen völlig und da die Art der Gewandhaltung 
allein für die Deutung auf N. nicht genügt, so 
liegt es näher an andere Göttinnen wie die 
auf Münzen von Smyrna nicht seltene Tyche 
oder Kybele oder auch Demeter zu denken. 
Zur Veranschaulichung der beiden Kultstatuen 
wird man daher dies Münzbild am besten über- 
haupt nicht heranziehen. Für die bereits be- 
sprochenen Münzen mit den zwei Nemeseis 
ist noch festzuhalten, dafs wir unB nach ihnen 
nur eine ungefähre Vorstellung von den Ori- 
ginalen bilden können. So ist namentlich der 
archaische Stil, den diese als dem Bupalos 
mindestens gleichzeitige Kunstwerke gehabt 
haben müssen, in den meisten der kleinen 
Nachbildungen fast verwischt; nur auf zwei 
Münzen (Brit. Mus. Taf. 26, 8; 38, 2) sind in 
dem Zickzackgefälte des Obergewandes der 
linken N. deutliche Spuren von altertümlicher 
Bildung zu erkennen. 

Aus dem Stile der smyrnäischen Kult- 



Nemesis (Kultbilder in Smyrna) 146 

statuen ist aber auch das von diesen auf die 
meisten späteren Darstellungen der Göttin über- 
tragene zierliche Erfassen des Saumes des 
Untergewandes in Schulterhöhe zu erklären. 
Es ist eine nicht nur bei N. vorkommende Be- 
wegung (z. B. Brunn- Bruckmann, Denkmäler 
griech. u. röm. Skulptur nr. 62, 1, J. E. Middle- 
ton, Engraved gems Taf. 1, 11 und das oben 
1 S. 2571 abgebildete Relief von Patras), ähn- 

10 lieh dem Aufheben des unteren Gewandsaumes, 
wie es die bekannten marmornen Frauenstatuen 
von der vorpersischen Akropolis zeigen, oder 
dem namentlich für Hera typischen Ausbreiten 
des SchleierB neben dem Haupte; auch das 
zierliche Halten einer Blüte mit den Finger- 
spitzen, wie es von archaischen Frauengestalten 
auf die Elpis übertragen wurde, darf man heran- 
ziehen. Es ist daher nicht nötig nach einer 
bestimmten dieser Bewegung zu Grunde liegen- 

20 den Bedeutung zu suchen. Allenfalls kann man 
in ihr den Ausdruck der Schamhaftigkeit der 
als herbe Jungfrau gedachten und mit der 
Aidos verwandten Göttin finden, Fröhner, no- 
tice de la scülpt. Nr. 413 und Friederichs -Wolters, 
Gipsabg. ant. Bildw. Nr. 1552. Sicherlich ist 
jedoch die Erklärung durch den Ekel erregen- 
den Altweiberaberglauben des Altertums zu 
verwerfen, dafs man zur Abwendung von Un- 
heil in den Busen spie, trotzdem sie fast all- 

30 gemein Billigung gefunden hat ( W. A. Becker, 
Charikles herausg. von Göll 1 S. 213 f.; 0. Jahn 
in den Sitzungsber. d. sächs. Gesellsch. d. Wiss. 
1855 S. 82 f. und Archäölog. Beiträge S. 150 
Anm. 133. Stephani, Compte-Bendu de la com- 
mission archiol. 1873 S. 152. A. Furtwängler, 
Sammlung Sabouroff Exkurs zu Taf. 72 S. 16. 
Posnansky a. a. 0. S. 104 f. K. Sittl, Gebärden 
d. Griech. u. Bö'mer S. 301). Abgesehen von 
der Geschmacklosigkeit, welche man damit der 

40 griechischen Kunst aufbürdet, zeigen gerade 
die Münzen von Smyrna mit den zwei Nemeseis 
nicht einmal die für diese Auffassung erforder- 
liche, aber viel eher als ein Zeichen von Scham 
zu erklärende Neigung des Kopfes nach dem 
Busen; sie findet sich erst auf Münzen und 
Gemmen mit nur einer N. (z. B. Posnansky 
Fig. 18, 19, 27, 29 f.) und auch da nie mit der 
geringsten Andeutung eines Ausspeiens ver- 
bunden. Dann läfet sich aber auch der dem 

50 niedrigsten Aberglauben angehörige Brauch 
nicht vor der alexandrinischen Zeit nachweisen 
und keine Stelle dafür anführen, dafs im Alter- 
tum die Bewegung durch ihn gedeutet worden 
wäre. Auch die Verse in dem Hvmnos des 
Mesomedes (s. oben) vevsie 6' vito %6Xnov 
ÄtpQvv yiäxm \ gvyov fisra );ffßa ■noatoücct be- 
sagen davon nicht das geringste. 

An den Attributen des EUenmafses, 
welches die sorgfältigsten Münzen als einen 

60 kurzen , ziemlich breiten Stab wiedergeben 
(Posnansky Fig. 2, 4, 6. Brit. Mut. Taf. 29, 16, 
ähnlich die unten besprochenen Reliefs; viel 
länger, aber dünner ist der Stab der den 
Herakles bekränzenden Dike ebd. 8, welche 
die größte Ähnlichkeit mit der bekannten Mar- 
morstatue von Epidauros hat, vgl. A. Milch- 
höfer im Ar chäol. Jahrb. 7 [1892] S. 803 f.), so- 
wie des Z (Igels braucht man trotz des Alters 



147 Nemesis (in der Kunst) Nemesis (Kultbild v. Rhamnus) 148 

der Kultbilder keinen Anstofs zu nehmen, denn sehen, nicht etwa wegen der recht unsicheren 

das gleichfalls für Smyrna von Bupalos yer- Vermutung von JEf. ürlichs, der für diesen 

fertigte Standbild der Tyche trug ja als ahn- Namen (PeiSiov avxov setzen will (Bhein. Mus. 

liebes Abzeichen ein Füllhorn (Paus. 4, 30, 6). 10 [1856] S. 465), sondern weil allein Strabo 

Zudem liegt es an und für sich nahe, die im ihn kennt. So bleiben noch Phidias und Ago- 

Vergleich mit den älteren Göttergestalten recht rakritos. Zur Aufhebung dieses Widerspruches 

■wesenlosen Personifikationen durch äufsere ist nun schon von den Alten d.ie Anekdote 

Kennzeichen schärfer zu charakterisieren. Eine von der Liebe des Phidias zu seinem jugend- 

Verschiedenheit der beiden Gestalten läfst sich liehen Schüler ersonnen worden, während neuer- 
aus den Attributen nicht folgern (s. oben) ; 10 dings H. Brunn (Gesch. d. griech. Kstlr. 1 S. 240) 

vielmehr weist die gleiche Bewegung der rechten und B. Kekule (a. a. 0. S. 26 Anm. 1) an die 

Hände nebst der fast symmetrischen Körper- Herstellung der Statue in der Werkstatt des 

bildung und Gewandbehandlung auf ihre nahe Phidias durch Agorakritos oder, was fast auf 

Verwandtschaft hin. Auch wird die scheinbar eins hinauskommt, an eine Ausführung durch 

nahe liegende Annahme einer Segen und einer diesen nach einem Modell des Phidias gedacht 

Unheil spendenden N. durch die Elle und den haben. Diesen Annahmen widerspricht aber 

Zügel ausgeschlossen. die ausdrückliche Erwähnung der Inschrift 

mit der Signatur des Agorakritos durch einen 

2) Das Kultbild von Rhamnus. zuverlässigen Gewährsmann wie Antigonos von 
Ein reicheres Rekonstruktionsmaterial liegt 20 Karystos und die eigentümliche, aber für ein 

für die im Altertum gleichfalls hoch berühmte Kultbild geziemende Anbringung derselben auf 

Statue der N. im Tempel von Rhamnus vor. dem von dem Apfelzweig herabhängenden 

Nach dem Erscheinen der Abhandlung von Täfelchen. Grade ihre Verborgenheit wird der 

Posnansky ist es noch durch neue Funde in Grund gewesen sein, dafs der Künstler eine 

dem Heiligtum selbst vermehrt worden. Aus- Zeit lang in Vergessenheit geriet und einige 

zugehen hat jedoch die Untersuchung von den auf einen uns unbekannten Diodotos rieten, 

Beschreibungen des Werkes, zunächst der des andere dagegen wegen der Ähnlichkeit des 

Pausanias 1, 33, 2 f.: (TLsgaat) XC&ov Ilägiov Stiles mit beglaubigten Werken des Phidias 

wg in s^sigyaafisvoig r\yov Big zgouatov noit\- auf diesen schlössen. War aber diese Ober- 
en'. (3) zovxov <Bsi8tag zbv XC&ov slgyäaaxo so lieferung erst einmal entstanden, so wird man 

ayaX/ia fis» slvat Nspsaswg, xrj tstpuXij 8s namentlich in Rhamnus an ihr festgehalten 

snsozi xr)g &sov azsipavog sXdcpovg %%<av %al haben, da man natürlich lieber ein Werk des 

iViKjjs dydXfiaza ov psydXa- zaig 8s %sge\v Meisters als des Schülers oder gar des apo- 

H c h Z V f^ v *lüSov firjXias, zrj Sel-iä Ss cpid- kryphen Diodotos besitzen wollte. U. v. Wila- 

Xr\v Äl&Consg 8s sitl zrj epidXrj itsnoCrjvzai. mowitz (a. a. 0. S. 14) hat die verschiedenen 

(7) nxsgd S' s"%ov ovxs xovzo xo Angaben auf eine Polemik des Polemon gegen 

ayalpee Nsusoscog ours aXXo nsitolrjzai zmv dg- Antigonos zurückgeführt, nachdem schon E. Q. 

Xai'tov. Dazu kommt die nicht minder wich- Visconti (Pio-Glem. 2 S. 26) und K. 0. Müller 

tige zum Teil auf Antigonos von Karystos (Archäol. d. Kunst" S. 106) für Agorakritos mit 
zurückgehende Stelle des Parömiographen Ze- 40 Entschiedenheit eingetreten waren. 

nobios (vgl. U. von Wilamowitz, Antigonos von Von dem Standbilde selbst ist uns noch 

Karystos S. 10f.): 'Papvovoia Nsfisaig- iv 'Pap.- ein beschädigtes, aber wichtiges Bruchstück 

vovvziNs(iiasa>gi8QvxaiäyaXfiaSsKditr]xv r oXö- in etwa einem Drittel des Kopfes mit d.er 

Xi&ov, sgyov $et8tov, s%si 8s sv xrj %sigl firj- rechten Wange nebst Auge, der Hälfte der 

Xsag xXdSov. s£ ov cprjaiv 'AvzCyovog 6 Kagv- Stirn und einem grofsen Teile des Haares er- 

eziog nzv%i6v xi fimgov sS-rjgzfia&ai ztjv im- halten (H. 0,37 m, B. 0,32 m), welches 1820 

ygatprjv s%ov 'jyogd-ngixog ndgiog snoCrjasv. durch den Architekten J. P. Gandy Deering 

ov fravpaexbv 8 s. «al dXXoi yap noXXol im in das Britische Museum gelangt ist (s. O. 

xmv oixsiwv Sgyiav sxsgov sniysygätpaai ovo/ia. Boßbach bei Posnansky S. 100 und in den 
iliiög ovv %a\ xbv 0siSiav zät 'Ayogaxgiztp 50 Athen. Mitteil. 15 [1890] S. 64f., H. A. Smith, 

evyKs%cogrjitsvai. r]v yag avxov igcöfisvog *a! catalogue of sculpt. in the Brit. Mus. Nr. 460). 

äXXmg snxörjxo xsgi xä mxi8i-x.d. Allgemeine Zweifel an seiner Zugehörigkeit zu der Statue 

Urteile über den hohen Kunstwert der Statue sind unberechtigt. Der parische Marmor als 

geben Varro und Strabo ab. Das des Varro Material, die Gröfsenverhältnisse, der Fundort 

ist bei Plinius not. hist. 36, 17 erhalten: (Ne- und der Umstand, dafs auch sonst Reste von 

meseos Signum) positum est Bhamnunte, pago grofsen marmornen Kultbildern an Ort und 

Atticae, quod Varro omnibus signis praetulit, Stelle sich erhalten haben wie die gleichfalls 

während Strabo 9, 396 sie als einzige Merk- ins Britische Museum gelangten von Phigalia, 

Würdigkeit von Rhamnus mit folgenden Worten sind vollkommen durchschlagende Gründet 
anführt: 'Papvovg 8s zb xr)g Nspsoecog £6avov 60 Weitere Reste der mächtigen Marmorstatue, 

(Ejftt), o xivsg psv JwSöxov cpccalv sgyov, zivsg die L. Stephani (Bhein. Mus. 4 [1846] S. 16) 

Ss 'jyogaKQizov zov Ilagiov , y.al psystrsi Kai als 'einige Stücke faltenreichen Gewandes von 

näXXsi oq>68ga ytaxaig&mtisvov xai sväpiXXov parischem Marmor' beschreibt und F. G.Wel- 

xolg <I>si8lov sgyoig. cker (Tagebuch einer griech. Beise 1 S. 143, 

Aus diesen Hauptstellen ergiebt sich zu- 16. März 1842) als 'drei kolossale Bruchstücke, 

nächst eine dreifache Überlieferung über von Beinen zwei und eins von einem Kopf, 

den Künstler. Von dem bei Strabo zuerst lagen noch längere Zeit in den Ruinen des 

genannten Diodoros darf man aber wohl ab- Tempels, sind aber irgendwie abhanden ge- 



Nemesis (Kultbild v. Rhamnus) 150 

sie die Schale hält, und wegen des Bildes des 
thronenden Zeus auf der Vorderseite der Münze 
viel wahrscheinlicher, dafs in ihr vielmehr 
eine Adorantin zu erkennen ist. Ebenso kann 
die von A. Furtwängler (Meisterwerke d. griech. 
Plastik S. 119) für eine Kopie der N. desAgo- 
rakritos erklärte kolossale 'Ceres' des Vatikan 
(W. Heibig, Führer durch die Antikensamm- 
lungen Roms 1, 279. Brunn und Bruckmann, 
Aufserdem habe ich a. a. 0. S. 66f. durch eine 10 Denkm. griech. u. röm. Sculp. Nr. 172. Overbeck, 



149 Nemesis (in der Kunst) 

kommen. Jedenfalls genügt das Fragment im 
Britischen Museum, um, was allerdings aus 
der in den Athen. Mittheil. a. a. 0. gegebenen 
ungenügenden Abbildung kaum ersichtlich ist 
(.ß. Kekule, weibl. Gewandstatue aus der Werk- 
statt der Parthenongiebelfiguren S. 25), die That- 
sache zu erkennen, dafs das Werk des Agora- 
kritos den gleichen Stil zeigte wie die Mäd- 
chengestalten des Cellafrieses des Parthenon. 



Untersuchung der Einsatzspuren des Stephanos 
und der hinter ihm auf dem Kopf angebrachten 
Dübellöeher festgestellt, dafs die von Pausanias 
erwähnten Hirsche und kleinen Nikenbilder 
sich in runder Arbeit über dem um den ganzen 
Kopf herumgehenden Stephanos erhoben. Wahr- 
scheinlich -waren es drei Niken und vier Hirsche 
oder vielmehr nach Analogie der aus dem 
Helm der Athena Parthenos hervortretenden 



Kunstmythologie Tafel 14, 22, dagegen G. Treu 
in 'Olympia' Textb. 3 S. 238 Anm. 1) nur dazu 
dienen eine ungefähre Vorstellung von dem 
verlorenen Werke zu geben, da man sich dessen 
Stil ähnlich denken kann, aber die Armhal- 
tung u. a. verschieden ist. Auch zeitlich näher 
steht die auf einem Dreifufs sitzende Themis 
auf der Aigeusschale des Berliner Antiquariums 
(Furtwängler Nr. 2538, abgebildet bei Gerhard, 



Eeihe von halben Flügelrossen nur Hirsch- 20 Auserles. Vasenb. 4 Tafel 327 und Das Orakel 



protomen. Was ihre Verteilung betrifft, so 
wechselten natürlich die Figuren mit einander 
ab, und es mag eine Nike in der Mitte gestan- 
den haben, während die Hirsche an beiden 
Seiten die Reihe abschlössen. Auf dem Hinter- 
kopfe waren überhaupt keine Figuren ange- 
bracht. Die mehrfach geäufserte Vermutung 
(J. P. Six im Numismatic Chronicle 3. Ser. 
2 S. 100, ähnlich F. Studniczka, Kyrene S. 160), 



der Themis, Berlin 1846, Müller -Wieseler, 
Denkm. d. a. K. 2 Fig. 947). Man braucht diese 
schlanke, ernste Gestalt mit dem Zweig in der 
einen Hand und der Metallschale in der an- 
deren sich nur in aufrechter Stellung zu den- 
ken, und sie entspricht den Worten des Pau- 
sanias fast vollkommen. 

Mit Sicherheit läfst sich aus dem Zustande 
des Kopffragmentes erschliefsen und wird durch 



die Niken seien Flügelgestalteir gewesen, welche so die Nachbildungen der Athena Parthenos des 



die Hirsche in der von dem Typus der 'asiati- 
schen Artemis' bekannten Weise gehalten hätten, 
findet weder in den Worten des Pausanias, 
welcher die dyälficcra der Nike und Hirsche 
als vollkommen gleichberechtigt neben einan- 
der stellt, während er sonst wie bei dem amy- 
kläischen Throne (3, 18, 4) etwa von &rjQia 
avm friovzu hätte sprechen müssen, noch in 
den Dübelspuren eine Unterstützung. Auch 



Phidias bestätigt, dafs die Statue ganz und 
gar für die Vorderansicht gearbeitet war. Für 
ihren allgemeinen Eindruck kommt ferner die 
von Plinius nat. Ivist. 36 17 (vgl. Suidas und 
Photiosxmter'PttfivovoiaNifisoig) erzählte Künst- 
lerlegende von der Konkurrenz des Alkamenes 
und Agorakritos um eine Aphroditestatue für 
Athen in Betracht, wonach der als Fremder 
von der Bürgerschaft zurückgesetzte Agora- 



stehen die Niken ja zu der auch den Sieg m kritos sein Werk unter der Bedingung ver- 



verleihenden Nemesis in naher Beziehung. 

Will man sich von der Statue in ihrer Ge- 
samterscheinung eine Vorstellung machen, 
so ist zu bedauern, dafs trotz der Berühmtheit 
des Werkes gerade in der so viele Kopieen 
schaffenden römischen Zeit noch immer keine 
sichere Nachbildung nachgewiesen ist. Denn 
das Münzbild auf dem von Six a. a. 0. Tafel 6 
(abgebildet auch bei P. Gardner, types of Greek 



kaufte, dafs es nicht in Athen aufgestellt 
würde, und es Nemesis nannte. U. von Wila- 
mowitz (a. a. 0. S. 11) hat erkannt, dafs erst 
eine spätere Zeit sich die von dem gewöhn- 
lichen (d. h. smyrnäisehen) Nemesistypus ab- 
weichende Gestalt in Rhamnus so erklärte. 
Diese mufs demnach einige Ähnlichkeit mit 
einer Aphrodite gehabt haben. Die Körper- 
haltung kann bei einer Kultstatue von der 



coins Tafel 10, 25, vgl. E. Babelon, monnaies 50 Hand eines Schülers des Phidias nur ein« 



greeques de la Bibl. Nat. 2 S. CXLIIIf.) heran- 
gezogenen Silberstater des kyprischen Dynasten 
Nikokles mit einer stehenden weiblichen Figur 
in einem ärmellosen an der Seite offenen Chiton 
zeigt zwar in den durch Pausanias bekannten 
Motiven einige Übereinstimmung, indem die 
rechte Hand eine Schale, die linke einen Zweig 
hält, aber der für die rhamnusische Statue be- 
sonders charakteristische Stirnschmuck fehlt 



völlig ruhige gewesen sein, doch wird mivn 
nach Analogie der Athena Parthono» dei Phi- 
dias und der Nemesis auf der Baaii (t. unten) 
annehmen dürfen, dafs in die Falten dei langen 
Gewandes durch Stand- und Spielbein einige 
Bewegung gebracht war. Du ferner nach 
Pausanias der rechte Arm eine Siihalo hielt, 
so mufs er wie in den meihton ähnlichen Fallen 
vorgestreckt gewesen min, während dtir linke 



und die Spange mit dem Greifenkopf, welche 60 mit dem Apfelzwnige genonkt war. All Material 



das Gewand auf der rechten Schulter zusam- 
menhalten soll, ist trotz der Schärfe der Ab- 
bildungen nicht sicher zu erkennen, würde 
aber auch, wenn sie in der That vorhanden 
wäre, nichts für N. beweisen, da sich der Greif 
als ihr Begleiter nicht vor Nonnos nachweisen 
läfst (s. oben). Zudem ist es wegen des vor der 
Frau stehenden Thymiaterions , über welches 



für diese beiden AUributit iet mit der drohten 
Wahrscheinlichkeit irgend ein Edelmetall (mit 
Einschlufs von vnrgoldettmt Kr») anaunehmen. 
Dafs der Zweig mit dem davon herabhängen- 
den Tafelchen mit dar Kuttitlerineehrift aus 
Stein goweiten wltr«, wird lohon wegen der 
Bildung ähnlicher (Jegeaitaade am Pftrthenon- 
frie» aui Metall wohl niemand behaupten. Von 



151 Nemesis (in der Kunst) Nemesis (Kult v. Rhamnus) 152 

der Verzierung der Schale, den Athiopen, hat firjua jrapsßhj nagapsivdorig xs ig anuv 'Eg- 
Posnansky (S. 96f.) richtig erkannt, dafs sie piövrig avtm xal xsxovarjg nccidcc. s£rjg de ebI 
sich grade von einem goldfarbigen Untergrunde xm ßä&gto xal "Eito%og %aXovfisvog ital vsavlag 
höchst wirksam abheben mufsten. Zudem sind iexlv sxsgog. ig xovxo aXXo pev rjtovaa ovSsv, 
verschiedenartige Negerdarstellungen ein so aSeXyovg äs slvai ecpäg Olv6r\g, acp' ?js iaxi 
beliebter Schmuck von Thonvasen aller Art rö ovofia xm ä^jim. Nachdem schon Leake 
(H. Winnefeld in den Athen. Mitteil. 14 [1889] abgeschlagene Reste dieser Skulpturen an Ort 
41 f. und E. Bethe ebd. 15 [1890] S. 2431'. und Stelle gesehen hatte (Bemen von Attika 
Löwenherz, Die Athiopen in der altklass. Kumt, S. 119f.), ergaben die von der Griechischen 
Göttingen 1861), dafs man das gleiche auch 10 Archäologischen Gesellschaft im September 
von Metallgefäfsen annehmen darf und nicht 1890 angestellten Nachgrabungen etwa vierzig 
nach gekünstelten symbolischen Deutungen zu gröfsere und kleinere Bruchstücke eines Borg- 
suchen braucht, von denen manche nicht besser fältig gearbeiteten Hochreliefs aus 'anschei- 
ist als die der Quelle des Pausanias, Okeanos nend parischem Marmor', welche von B. Staes 
sei der Vater der N. und an ihm wohnten die in der 'Ecprjfieglg apxawliyuiij 1891 S. 63f. 
Athiopen. Weitere Erklärungen dieser Art, veröffentlicht und kurz, aber einsichtig be- 
welche auch die anderen Attribute der Kult- urteilt wurden. Da er nicht alle Stücke 
statue berücksichtigen, sind von Posnansky abgebildet hatte, holte L. Pallat in dem Ar- 
S. 25 und 95 f. besprochen und zum Teil an- chäol. Jahrb. 9 (1894) S. lf. Taf. lf. dies nach 
genommen worden. Hier ist nach dem oben 20 und gab eine eingehende Besprechung nebst 
Gesagten nur noch zu bemerken, dafs die einem Wiederherstellungsversuch der Vorder- 
Schale ein häufiges Attribut von Götterbildern seite der Basis (S. 9). Leider ist keine Gestalt 
aller Art ist, dem bei N. gerade der Gedanke ganz erhalten, aber die Köpfe, Gewand- und 
an den von ihr gespendeten Segen zu Grunde Körperreste zeigen, dafs es eine ziemlich lange, 
liegen mag, nicht selten aber auch Zweige wenig bewegte Reihe von ernsten, würdevollen 
ohne Unterschied der Baumgattung vorkommen, Figuren war, die sich um die von Pausanias 
die zugleich eine Rolle in den für den Kult beschriebene Mitteigrappe von rechts und links 
der N. sicher anzunehmenden Sühnbräuchen her zusammenschlössen. Dieser Mittelgruppe 
spielen [vgl. Oarm. de vir. herbar. ed. Haupt gehörten die drei Frauen an und von ihnen 
v. 19ff. R.]. Übrigens ist der Apfelzweig kein so sind glücklicherweise zwei Köpfe vollständig 
ausschliefsliches Eigentum der Aphrodite , da und von dem dritten ziemlich die obere Hälfte 
ihn z. B. auch Kyrene auf einer in Naukratis erhalten, auch Teile der Körper und der Ge- 
gefundenen Schale des Britischen Museum trägt wandung. Sie sind , wie Pallat erkannt hat, 
(F. Studniczka, Kyrene S. 18 Fig. 10). Was zu verteilen auf eine ruhig dastehende Frau 
die Hirsche auf dem Stephanos betrifft, so und zwei andere, welche, die eine von der an- 
wissen wir einmal über die Kultbräuche in deren geführt oder geschoben, auf jene zu- 
Rhamnus so wenig, dafs es nicht verwunder- schritten. Dagegen wird man insofern^ von 
lieh ist, wenn sich für sie keine treffende Er- diesem mehr im Anschlufs an Staes abweichen 
klärung finden läfst; dann darf man sich aber müssen, als der jugendlichste Frauenkopf mit 
auch nicht der Möglichkeit verschliefsen, dafs 40 dem schlanken Halse und dem ehrfürchtig zu 
sie rein ornamental wirken sollten, ohne eine Boden gesenkten Blick nur der Helena zu- 
tiefere Bedeutung zu besitzen. Dagegen kom- kommen kann (Staes Taf. 8,2. Pallat Fig. 9 a— c), 
men die gleichfalls auf dem Stephanos ange- der vollere ernst blickende mit dem Schleier 
brachten Niken der Göttin schon deshalb zu, weil wie die Themis auf der Aigeusschale (Staes 
sie wie alle Geschicke so auch den Sieg verleiht. Taf. 8, 1. Pallat Fig. 10 a, b) dagegen der N. 
Verhältnismäfsig am meisten wissen wir gehört, worauf für Leda nur das trotz der 
über die Basis und den an ihr angebrachten Beschädigung doch noch reifere Formen er- 
Fries. Wenn es auch nicht ausdrücklich über- kennen lassende Bruchstück eines weiblichen 
liefert ist, dafs er von Agorakritos selbst her- Kopfes bleibt (Staes Taf. 8, 4. Pallat Fig, 16). 
rührte, so wird man doch mindestens anneh- 50 Mehr Schwierigkeiten macht die 'Zusammen- 
men müssen, dafs er genau nach seinen An- fügung der sonst erhaltenen Teile der drei 
gaben oder Vorlagen ausgeführt ist. Auszu- Frauen mit diesen Köpfen. Pallat meint, keiner 
gehen hat man wieder von der Beschreibung der ganz erhaltenen Frauenköpfe passe auf 
des Pausanias 1 , 33 , 7 : vvv Ss fjdr] Süifii, den Oberkörper mit dem erhobenen linken Arm 
bnoaa iid xm ßä&gm xov äyäXpaxög iaxiv etg- (Staes 9, 4. Pallat Fig. la— c), während Staes 
yaopeva, xocövSs 'ig xo aaweg itgoSriXmaag. den jugendlichsten von ihnen daraufsetzt und 
'Elsvrj Nspseiv pTjxsga slvai Xsyovaiv, ArjSav so, da nach den erhaltenen Spuren mit dem 
äs [laaxbv iitio%eiv avxy Jtal d-gsifiai- naxsga Erheben des Armes ein Ausbreiten des Ober- 
es xal ovxoi xai nävxsg xarä xavxä "EXXrjvsg gewandes verbunden war, eine Bewegung ge- 
Jia «al ov Tvvöägsmv slvai vopif;ovoL. xavxa «0 winnt, die nicht recht zu der in den Gesichts- 
äxrjxooss 9si3i'ag nsitoh\f.sv 'EXsvrjv vitb Arfdug zügen deutlich ausgesprochenen Zurückhaltung 
äyopivriv nagä xryii Nifieaiv, nsnoirj-ns Se Tvv- pafst. Sicherer erscheint die von Pallat an- 
äägsmv ts xal xoüg naiSag (vgl. 2,1,9) Kai genommene Zugehörigkeit des verschleierten 
aväga avv (fehlt im Leidensis N. 16 K) Pnnm Kopfes zu dem nach Mafsgabe der Gewand- 
nagsaxrjyiöxa, 'Innsa ovoaa- saxi äs 'Ayafvsfivm'v falten fast ruhig dastehenden Unterkörper einer 
*al MsvsXaog *al IJvggog 6 'A%iXXsmg, ngmxog Frau (Staes Taf. 9, 1. Pallat Fig. 6), während 
ovxog xr\v 'Eq{ii6vtjv tt/s 'EXsvrjg yvvaixcc Xa- die beiden anderen nach den erhaltenen Brach- 
em*. 'Ogiaxrig Ss öiä xo ig xr\v prjxsga xöX- stücken (Staes Taf. 9, 6. Pallat Fig. 3 a— c, 5 a — c) 



153 Nemesis (Kultbild v. Rhamnus) 

in den steilen Falten über dem linken Stand- 
beine und dem zur Seite ausgestreckten rechten 
das gleiche Motiv des lang- 
samen Schreitens nach rechts 
erkennen lassen. Demnach ist 
die verschleierte Figur rechts 
wie bei Pallat anzusetzen, über 
für N. zu erklären. Auf sie 
schreitet Leda zu mit schleier- 
förmig ausgebreitetem Ober- 
gewande {Pallat Fig. 1, 5, 14. 
16, der sie für N. hält) und 
führt Helena hinter sich her 
(Pallat Fig. 3, 9, 12, 13, nach 
ihm Leda), welche das Haupt 
zur Seite neigt und auch in 
dem Brustfragment trotz der 
Richtung der Falten nach rechts 
ein gewisses Zögern 
verrät. 

Weniger ist von 
den männlichen Ge- 
stalten erhalten, die 
in noch ruhigerer 
Haltung gebildet 
waren als die Frauen 

der Mittelscene. 
Aufser einer Menge 

kleiner Bruch- 
stücke , die sich 
nicht immer mit 
Sicherheit einem 
der von Pausanias 
genannten Helden 

zuweisen lassen, 
kommen für sie der 
leidlich erhaltene 
Kopf, ein Teil der 
Brust und die Hüf- 
tenpartie eines 
ruhig dastehenden 
Jünglings (Staes 
Taf. 8, 3. Pallat 
Fig. 2, 4, 18), nach 
Pallat eines Dios- 
kuren, in Betracht, 
ferner der Ober- 
körpernebst Füfsen 
(ohne Kopf, Staes 
Taf. 9, 2. Pallat 
Fig. 7, 17) und der 
Unterkörper (ohne 
Füfse, Staes Taf. 9, 3. 
Pallat Fig. 8; der 
über das Unke Bein 
herabhängende Ge- 
wandzipfel zeigt in 
der Angabe der 
Sahlkante eine 
deutliche techni- 
sche Übereinstim- 
mung mit demCella- 
fries und den Giebel- 
gruppen des Par- 
thenon) eines nach 
links und eines nach rocht« gewendet«! Mannes, 
gleichfalls in ruhiger lliilltmg , mit langen den 
Oberkörper zum Teil l'rol lassenden Hanteln, 




I) H »kontra mpflllMMt der Nemesis des Agorakritos. 



Nemesis (Kultbild v. Rhamnus) 154 

endlich Reste von zwei leicht bekleideten Jüng- 
lingen [Pallat Fig. SOab, 21, 22). Pallat ver- 
weist diese letzteren auf die 
Nebemeiten, als veaviag ng ers- 
ifot auf die rechte Nebenseite 
und als Hippeus, welcher auf 
der linken Ntbenseite sein Rol's, 
von dem noch der Kopf (Staes 
Taf. 8, 6; Pallat Fig. U) und 
kleinere Teile vorhanden sind, 
am Zügel gehalten hätte. Die 
Anordnung aller dieser Gestalten 
ergiobt lieh aus Pausanias, von 
dem man annehmen darf, dafs 
er sie in der Reihenfolge aufzählt, 
wie sie sioh nach rechts und 
links an die Mittelgruppe an- 
schlössen, Tyndareos und seine 
Höhno werden daher links hinter 
Helena und Leda anzusetzen 
sein, ein Platz, der ihnen schon 
all den nächsten Verwandten 
«»kommt; dann folgte Hippeu3 
mit dem Rosse. Hinter N., also 
reohts, standen dagegen Aga- 
memnon, Menelaos und Pyrrhos, 
ferner Epochos (über den 
Namen vgl. 0. Rofsbach, 
griechische Antiken des ar- 
chäolog. Museums z. Breslau 
S. 17 Anm. 1) mit seinem 
Rosse, von dem auch Reste 
erhalten sind (Pallat Taf. 6; 
sollte 'der strahlenförmige 
Auswuchs' an dem Pferde- 
oberschenkel, welchen 
Pallat S. 9, Fig. 29 a, b 
nicht zu erklären vermag, 
nicht von einem hier als 
Decke aufliegenden Raub- 
tierfelle herrühren?), end- 
lich der namenlose Jüng- 
ling. Der Umstand, dafs 
Pausaniashei dieser letzten 
sicher an der Schmalseite 
angebrachten Gestalt ähn- 
lich wie bei der 
dritten und der 
fünften %(Öqu der 
Kypseloslade zu- 
erst keinen Namen 
nennt, dann aber 
eine gelehrte Deu - 
tung auf einen 
Bruder der Oinot) 
giebt, ferner die 
den Stempel der 
Echtheit auf dar 
Stirn tragenden 
Namen des Hip- 
peus und de« Epo- 
chos beweisen, wie 
auch J'allat nun 
dem Vorgang« Pm- 
nantkyi angenom- 



men hat, dafs den meisten Figuren der Basis In- 
schriften beigefügt waren. Sie sind daher auch 
in die nebenstehende Rekonstruktionsskiwe des 



155 Nemesis (in der späteren Kunst) 

ganzen Kunstwerkes eingetragen, welche Herr 
Harry Schulz, akademischer Maler in Königs- 
berg, nach meinen Angaben angefertigt hat. Daia 
der Figurenfries nur drei Seiten der Basis be- 
deckte, ist nach manchen Analogieen höchst 
wahrscheinlich, fraglich jedoch, wieviel Ge- 
stalten auf der Vorderseite angebracht waren, 
da alle Berechnungen der Länge der Basis 
nur ganz ungefähre sein können. Ich möchte 
vorn nur sechs Gestalten ansetzen, und zwar 




Nemesis (in der späteren Kunst) 156 

bei den deutschen Ausgrabungen in Olympia 
gefunden sind und ursprünglich vor der Krypte 
des dortigen Stadion aufgestellt waren. Sie 
sind in halber Lebensgröfse (H. 0,64 und 0,62 m) 
aus pentelischem Marmor, gearbeitet und mit 
langen Ärmelchitonen mit Überschlag bekleidet, 
die in schlichten Steilfalten auf die Sandalen 
tragenden Füfse herabfallen. Die rechten Arme 
ruhen auf Steuerrudern, die auf einem Rade 
stehen, die linken schultern die Elle. Wegen 




3) Linke Schmalseite 4) Bechte Schmalseite 

der Basis der ßekonstruktionsskizze der Nemesis des Agorakritos. 



rechts und links neben der Mittelgruppe Aga- 
memnon, Menelaos und Tyndareos. Dadurch 
wird der Übelstand vermieden, dafs bei Pallats 
Annahme von neun Figuren auf der Vorder- 
seite die Symmetrie der Schmalseiten verloren 
geht, indem er den Hippeus auf der linken, 




5) Eros zwischen Nemesis und Elpis (nach Zoega, Abkandl. Taf. V, 13). 



den Epochos und den namenlosen Jüngling 
auf der rechten ansetzt. 

3) Spätere Statuen, Reliefs undGemälde. 

Die erhaltenen Bildwerke, welche die N. 
darstellen, sind hauptsächlich durch die Sta- 
tuen in Smyrna beeinflufst, während die in 
Rhamnus nur selten nachgebildet wurde. Das 
gilt zunächst von den beiden mit Sicherheit 
auf die Göttin zu deutenden Statuen, die 



des Stiles und der Hinzufügung des ursprüng- 
lich der Tyche gehörenden Steuerruders und 
des Rades werden die Statuen nach ff. Treu 
in die spätere Kaiserzeit, etwa das zweite 
Jahrhundert n. Chr. zu setzen sein (Ausgra- 
bungen zu Ol. 3 Taf. 17 B 1, S. 12. Olympia, Er- 
gebnisse der Ausgr. 3 Taf. 59, 2, 3, 
Textbd. 3 S. 237 f. Posnansky S. 
112f.). — Aufserdem ist ein von 
Pighius (s. 0. I. L. 6, 553) beschrie- 
benes Bruchstück einer weiblichen 
Gewandfigur mit einem undeutlichen 
Tier zur linken zu erwähnen, we,lche 
in der daran angebrachten Weihin- 
schrift als Nemesis sancta campestris 
genannt wird. — Über eine späte 
Kultstatue s.d. während des Druckes 
erschienenen Bericht d.Vereins Car- 
nuntum f. 1895/6. Abb. 18, 19 S. 74 t 
Gröfser ist die Anzahl der mit 
Sicherheit auf N. zu deutenden Re- 
liefs. An ihrer Spitze steht (Fig. 5) 
die in „neuattischem" Stile gehal- 
tene allegorische Darstellung auf 
der einen Seite des Marmor- 
kraters im Palazzo Chigi in Rom 
(Höhe der Glocke des Krater 0,52, der 
Figuren 0,27 m, Matz u. v. Duhn, 
ant. Bildw. in Rom 3 Nr. 3687 ; ab- 
gebildet Guattani, monum. ined. 
1784 Taf. 2/3. E. Q. Visconti, opere 
varie 1, 8. Zoega, Abh. Taf. 5, 13, 14. Müller- 
Wieseler, Benkm. d. a. K. 2 Fig. 670 u. ö.). Eros 
steht weinend auf einem Bema und hält über eine 
daran angelehnte brennende Fackel hinter seinem 
Rücken einen Schmetterling, also eine der häufi- 
gen Darstellungen der Qualen der Psyche. Ihre 
Bedeutung wird noch klarer durch die auf beiden 
Seiten stehenden Frauengestalten, links hinter 
Eros N. in langem ärmellosen Chiton mit ar- 
chaistischen Seitenfalten, welche ihr Haupt 



m 



157 Nemesis (in der späteren Kunst) 

trauernd ein wenig vorneigt und mit der rech- 
ten Hand den Saum des Gewandes in der 
Höhe des Halses berührt, während die linke 
einen Zweig mit länglichen Früchten erhebt, 
rechts Blpis in ähnlicher Gewandung, aber in 
völlig aufrechter Haltung mit der Blume in 
der erhobenen rechten Hand und einem klei- 
neren Zweige in der gesenkten linken. Also 
dulden müssen Psyche und Eros, so bestimmt 

es die Schicksalsgöttin, aber es bleibt ihnen 10 Z angebrachten sechs runden Punkte nicht 'an 

Stelle von mehreren ausgemeifselten Buch- 
staben', sondern sie füllen einen von dem Stein- 
metzen wohl wegen Mifsverständnisses seiner 
Vorlage gelassenen Baum von drei bis vier 
Buchstaben. Links unter der Inschrift sieht 
man eine Vertiefung, in welcher anscheinend 
ein metallener Zapfen eingelassen war. Die 
Nemeseis der kleineren Werkstücke stimmen 
im wesentlichen mit den zwei neben einander 



Nemesis (in der späteren Kunst) 158 

folgende Inschrift, von welcher in der mir 
durch die Güte Bents und Posnanskys vorlie- 
genden Photographie wohl nur die oberste Zeile 
mit dem ersten Namen des Weihenden fehlt: 

OKAIZIZIPOZNE|MEZEIATTAAAA|rEIZ-E Zj 

EYXHN. Hinter dnallaysis ist nicht mit Pos- 
nansky ein I, sondern ein mit dem dreieckigen 
Meifsel eingeschlagener Punkt zu erkennen; auch 
stehen die in der dritten Zeile zwischen E und 



die Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft. 
Dies letzte Moment fehlt in einem späten 
im Piräus gefundenen Marmorrelief des 
Louvre (beschrieben von Delamarre in der 
Bevue de Philol. 18 [1894] S. 266 f., H. 0,78, 
B. 0,32 m; die hier versprochene Abbildung 
ist meines Wissens nicht erschienen), während 
die Grausamkeit der N. noch deutlicher aus- 
gedrückt ist. Die Göttin mit grofsen orna- 



mental zurückgebogenen Flügeln steht auf dem 20 stehenden des gröfseren überein.. Diese tragen 
Bücken eines am Boden liegenden nackten ein langes Untergewand mit Ärmeln sowie 
Mannes und hält in der rechten Hand ein einen Mantel, welcher den Oberkörper unbe- 
Bad, im linken Arme 
schultert sie die Elle. 

Der Gesichtsaus- 
druck ist finster und 
hart. Linksvonihr er- 
hebt eine zusammen- 
gerollte Schlange 
ihren Kopf. Die in 
dieser Darstellung 
ausgesprochene Auf- 
fassung der Göttin 

als unerbittlicher 
Dämon steht in offen- 
barem Widerspruch 
zu dem oben bespro- 
chenen darunter an- 
gebrachten Epi- 
gramm, welches sie 
als einen heiteren 
Sinnes in der Welt 
herumfliegenden Ge- 
nius feiert. Man wird daher annehmen müssen, 
dafs der Bildhauer irgend eine Vorlage ge- 
dankenlos nachbildete (verwandt ist der Typus 
des auf dem Körper der Psyche stehenden 
Eros, s. Müller -Wieseler, Denkm. d. a. K. 2 
Fig. 685 f.), ohne den Sinn der Inschrift zu 
berücksichtigen. 

Durch ihren Fundort erinnern an die ähnliche 
Aufstellung der beiden olympischen Statuen die 
nebenstehend (Fig. 6) nach einer Photographie 
zum ersten Male abgebildeten Nemesis- 
reliefs von Thasos späten Stiles, welche 
von J. Theodore Beut am westlichen Eingange 
des dortigen Theaters ausgegraben sind (Athe- 
naeum 1887 S. 839. Posnansky S. 123. 0. Drex- 
ler, mytholog. Beiträge 1 S. 152). Die ziemlich 




6) Nemesisrelief von Thasos, zum ersten Male veröffentlicht nach einer Photographie. 

deckt läfst und in einem langen Zipfel an der 
linken Seite herabhängt. Die linke Hand hält 
die Elle an die Schulter, die rechte erfafst 
das Gewand in der bekannten Weise. Links 
neben dieser gröfseren Nische ist eine zweite 
kleinere oben mit rundem Abschlufs angebracht. 
50 Sie beherbergt eine der aus den Bestandteilen 
verschiedener Göttinnen zusammengesetztem 
Gestalten, die man jedoch auch als N. bezeich- 
net haben kann. Von den N. unterscheidet lie 
sich durch Flügel mit schuppenähnlichen Federn 
und einen nur etwas über die Kniee reichend«» 
ärmellosen Chiton, um welchen sich unten ein 
Mantel schlingt, der wie bei den N. Ober den 
linken Arm herabhängt. Den Kopf bekrönt 
ein, wie Posnansky richtig erkannt hat, der 
hohen Reliefs sind in der Weise aus drei 60 Isis entlehnter Schmuck, vgl. Cattüogw of(h« 



Werkstücken mit rauh gelassener Oberfläche 
herausgearbeitet, dafs nischenförmige Vertie- 
fungen hergestellt sind, in welchen die sich 
vollkommen an Statuentypen anschliefsenden 
Göttergestalten stehen. Die zwei kleineren 
hier nicht wiedergegebenen Steine haben nur 
eine Nische, in denen je eine N. angebracht 
ist. Links von dieser steht auf dem einen 



Greek coins in the Brit. Mm. Ttmia Tai, 19, 0. 
Der rechte gesenkte Arm hftlt ein« Waget 
neben dem linken kommt der groflio Griff 
eines Schwerte« zum Vonohein, beide« Attri- 
bute der Dike. Vor den mit Stiefeln beklei- 
deten Filfnen liegt du llftd der Tyche, 

Denselben Typui der N. giebt «in von 
0. Trtu in dem Work« Olympia, oft Ergeb- 



159 Nemesis (in der späteren Kunst) Nemesis (in der späteren Kleinkunst) 160 

nisse der Ausgrabimg. Textb. 3 S. 237 f. ver- werden in der Weihinschrift erwähnt, die von 
öffentlichtes Eelief von einem in Saloniki Prätorianern gesetzt ist, welche aus Belgien 
befindliehen Grabcippus wieder, welcher die stammen. — Fast dieselbe Darstellung zeigt 
folgende Inschrift in den eigenartigen hadriani- nach der Beschreibung in C. I. A. 3, 1126 die 
sehen Buchstaben trägt; A. Kavovlsiog Zäaifiog N. auf einer Votivtafel aus Apulum in Dacien; 
uv-tä £mv %al KavovXita noxupta a(v)xri änsXsv- das Attribut in der rechten Hand ist als tig- 
&SQa «ai svsqyerig ((i)j'jjfMjs %äqi.v, hovg TSC. num quadratum bezeichnet. 
Die Übereinstimmung erstreckt sich bis auf die Ähnlich ist die mit Attributen überladene 
meisten Einzelheiten; nur fehlt hier der Göttin Nemesis regina auf einer pannonischen 
der Mantel, und der Ärmelchiton hat einen 10 Soldateninschrift (C. I. L. 3, 4008 Andau- 
Überschlag; auch ist das linke Bein deutlicher tonia) als die im Kriege und der Arena eine 
als Standbein, das rechte als Spielbein zu er- wichtige Rolle spielende Glücksgöttin aufge- 
kennen. Den Zusammenhang mit einem älteren fafst. Nach dem Bericht des Vereins Carnun- 
Denkmale hat Treu richtig namentlich aus tum für 1895/6 S. 75 f. Abb. 35 a trägt sie einen 
der Gewandung erschlossen; wir können wegen kurzen Chiton und hält in der rechten Hand 
der auffälligen Übereinstimmung der beiden Peitsche und Schwert (?), in der linken Schild, 
Reliefs (das Thasische zeigt sogar in allen Dreizack, Palme und Fackel. Neben ihrem 
Gewandmotiven vollkommene Gleichheit) mit rechten Fufse liegt ein zu ihr emporschauen- 
den oben besprochenen Münzen von Smyrna der Greif, neben dem linken das Rad. Über 
weiter gehen und dürfen in den Nemes eis ?(i den Pfeilern der Aedicula, in welcher sie steht, 
von Thasos und Saloniki ziemlich genaue sind die Büsten von Sol und Luna angebracht. 
Nachbildungen der einen der beiden Das einzige Wandbild mit einer sicheren 
Kultstatuen von Smyrna erkennen. Darstellung der N. (Fig. 7) zeigt diese ebenso wie 

Einige Abweichungen von diesem Typus der auch sonst verwandte Chigische Krater als 
zeigt eine der bekanntesten Nemesisdarstel- Nebenfigur (0. Jahn in den Berichten d. sächs. 
lungen auf dem Florentiner Grabaltar Ges. d. Wiss. lSöl S. 161 und Archäol. Beitr. 
mit der Inschrift : S-(sofg) ^{q<aaiv),"Ei.ntSi'Ewos S. 181; W. Helbig, Wandgemälde der versch. 
Kai Krivacoqtiva teifiicatätrii. änsXev&sga ave- Städte Nr. 854; abgebildet bei Zahn, Ornam. 
»r\tiav (E. Q. Visconti, Mus. Pio-Glem. 2 S. 26 u. Gem. 2 Taf. 62 Fig. 2; Müller-Wieseler, 
Anm. a. L. Stephani, melanges greco-rom. 1 so DenJcm. d. a. K..2 Fig. 69l). Hier ist Psyche 
S. 177. H. Dütschke, ant.' Bildwerke in Ober- als sitzendes Mädchen gebildet, welcher ein 
itälien 3 S. 109 f. Nr. 193, abgebildet bei Eros die Hände auf dem Rücken zusammen- 
Müller -Wieseler, Denkm. d. a. Kunst 2 Fig. 950 hält, während ein zweiter ihre Brust mit einer 
und A. Baumeister, Denkm. d. Mass. Alterth. 2 Fackel brennt und ein dritter aus einer Am- 
Fig. 1214). In der Haltung der Hände und phora Wasser auf sie herabgiefst. Hinter dem 
dem Attribut der Elle stimmt auch diese Dar- Sitz steht N. in langem Ärmelchiton, mit auf- 
stellung mit dem smyrnäischen Typus überein, gelöstem Haar und traurig gesenktem Blick. Ihr 
doch ist N. hier mit langen Flügeln ausge- durchsichtig gebildetes Gewand berührt sie 
stattet und rechts neben ihr liegt das Rad, mit der rechten Hand in der bekannten Weise, 
während links ein sitzender Greif zu ihr auf- 40 Die Stelle der Elpis auf dem Chigischen Krater 
blickt. Das Gewand ist. ein ärmelloser, langer nimmt eine kleinere, langgewandete Frauen- 
Chiton mit zwiefachem Überschlag, das Haupt gestalt ein, die neben einem Pfeiler steht und 
leicht gesenkt. Zu der Wahl dieser Darstel- ihr Gesicht mit einem Fächer halb verdeckt, 
lung mag aufser der Eigenschaft der N. als Vielleicht hat sie nur der pompejanische Maler 
Totengöttin der Name der Freigelassenen ver- für dieElpis seiner Vorlage eingesetzt, da sonst in 
anlafst haben, da auf der anderen Seite des dem Bilde derselbe Gedanke ausgesprochen ist 
Denkmals ähnlich wie auf dem Chigischen wie in jenem Relief. Die Blume durch den 
Krater Elpis der N. entspricht. Auch das oben blattähnlichen Fächer zu ersetzen lag sehr nahe, 
besprochene Epigramm der Anthol. Palat. 9, 146 Eine N. des Malers S i m o s ist nur durch die 
bezog sich offenbar auf ein ähnliches Bildwerk. 50 Erwähnung bei Plin. nat. hist. 35, 143 bekannt, 

Etwas anders ist derselbe Typus in einem der sie als egregiam rühmt. Brunn {Gesch. d. gr. 

Relief vom Esquilin aus dem dritten Jahr- Künstl. 2 S. 287) teilt den Künstler ohne durch- 

hundert n. Chr. variiert (Henzen und G. L. Vis- schlagende Gründe der Schule von Rhodos zu. 
conti im Bulletino della commiss. archeol. mu- 

nie. 3 [1875] S. 83 f. 4 [1876] S. 66 f. Taf. 6 4 ) Nemesis in der späteren Kleinkunst. 
Fig. 8, G. Treu a. a.' 0. S. 237). In einer Aedi- Weitaus die meisten Darstellungen der N. 
cula steht rechts neben Iuppiter Mars, links N. finden sich auf Münzen und Gemmen. 
Sie ist hier in einen auch über den Kopf ge- Wegen der nahen Verwandtschaft dieser beiden 
zogenen Mantel gehüllt, aber der rechte Arm Denkmälerklassen, dann auch weil Posnansky 
macht wieder die gewöhnliche Bewegung und 60 eine sorgfältige Zusammenstellung der Münzen 
der linke schultert die Elle, welche eine Ein- in geographischer Anordnung gegeben hat, zu 
teilung in kleinere Mafse zeigt. Der rechte denen allerdings namentlich durch den Kata- 
Fufs der Göttin stützt sich auf ein Rad, wäh- log der griechischen Münzen des Britischen 
rend an ihrer linken Seite ein den Kopf ihr Museums manche hinzugekommen ist, scheint 
zuwendender Greif sitzt. Auf der linken es ratsam, hier eine Anordnung nach den ver- 
Schmalseite des Denkmals ist eine Victoria schiedenen Typen zu geben und die Münzen 
mit Kranz und Palme, auf der rechten Sol mit mit den Gemmen zu verbinden. Übrigens ist 
der Geifsel dargestellt. Alle diese fünf Götter von den Münzen keine einzige, ton den Gemmen 



161 Nemesi3 (auf Münzen u. Gemmen) 

wohl nur der unten (nach L. Stephani, Compte- 
Rendu de la comm. archiol. 1860 Taf. 4 Fig. 8 
S. 90, vgl. 1877 S. 162) abgebildete Karneol in 
einem Goldring der Petersburger Ermitage 
älter als die erste Kaiserzeit (Fig. 8). 

Der smymäische Typus ist mit Bezug 
auf die beiden dortigen Kaltbilder, welche er 
bald mehr bald minder treu wiedergiebt, be- 
reits oben behandelt. Zu den daselbst er- 
wähnten Münzen und den von Posnansky 10 
S. 132 f. beschriebenen sind die folgenden nach- 
zutragen aus dem Gatalogue oftlie Greek eoins in 



Nemesis (auf Münzen u. Gemmen) 162 

die Attribute, sodafs die Göttinnen nur durch 
die Berührung des Gewandes in Schulterhöhe 
kenntlich sind, und ähnlich fehlt auf mehreren 
Münzen von Alexandria, auf welchen der mi- 
lesische Apollo zwischen den beiden Nemeseis 
steht (fiatal. ofthe GreeJc coins in the Brit. Mus. 
Alexandria S. 120 Taf. 3), der rechten Göttin 
der Zügel. Stärkere Umgestaltungen dieses 
Typus sind es, wenn auf einer Münze von 
Smyrna die Göttinnen auf einem von Greifen 
gezogenen Wagen stehen, sodafs wegen der 
dadurch entstehenden noch gröfseren Beschrän- 




7) Piyohe Ton Eroten gepeinigt, hinter ihr Nemesis (nach W. Zahn, Ornam. u. Oemälde aus Pompeji II Taf. 62). 




the Brit. Mus. lonia S. 261, 265, 280, 282;f., 304. 
Auf den zwei Gemmen, welche hierher gehören 
(A. Furtwängler, Beschreibung d. 
geschn. Steine im Antiquanum 
Nr. 7336 Taf. 35. von Sacken und 
Kenner, die Sammlungen des k. 50 
k. Münz- und Antiken- Cabinetes 
S. 439 Nr. 602. Posnansky S. 165 
Fig. 35, 39), ist die Darstellung 
noch stärker verkleinert als auf 
den Münzen und zwischen beide 
Göttinnen ein Altar gestellt. 

Am einfachsten wird dieser 
Typus variiert, indem ent- 
sprechend der Neigung des aus- 
gehenden Altertums, seine Göt- eo 
tergestalten zu überladen, zu den 
ursprünglichen Attributen der 
beiden Statuen, der Elle und 
dem Zaum, noch andere wie 
das Rad und der Greif hinzu- 
kommen (Posnansky 8. 184 f. Fig. 7, 8. Furt- 
wängler Nr. 6284 Taf. 44). Auf einer Münze 
von TenoB (Posnansky Fig. 18) fehlen jedoch 

BoacHSB, Lexikon dar gr. u. röm. Mythol. III. 



■S) NemaiU mit 

fltutui und 

ZU Uni (null 

Comple-Rtndu 

de la Oommiu. 

archiol. d» St. 

Ntrrib. Inno 

Taf. IV Kig. 8). 



kung des Raumes wieder der Zügel bei der 
rechts stehenden weggefallen ist (Posnansky 
S. 136 Fig. 2. Brit. Mus. S. 281 Taf. 29, 9), 
oder wenn auf Münzen derselben Stadt die 
Nemeseis neben dem schlafenden Alexander 
stehen (s. oben), wobei sie so nahe gerückt 
sind, dafs sie mit einander in Unterhaltung 
begriflen scheinen (Posnansky S. 135 Fig. 3, 
vgl. S. 160. Brit. Mus. S. 296 Taf. 29, 16; am 
Fufse des Baumes ist nicht, wie der Heraus- 
geber Head meint, ein Bukranion angebracht, 
sondern es liegt da Alexanders Helm neben 
dem Schilde, auf welchem seine Schultern 
ruhen; unter seinem linken Arm erkennt 
man deutlich eine Beinschiene und einen 
Speer). 

Begünstigt wird die Vermehrung der Attri- 
bute durch die schön bei der Kleinheit der 
Denkmäler nahe liegende Beschränkung auf 
eine Nemesis. Dann trägt sie entweder die 
Elle (z. B. Posnansky Fig. 10) oder den Zaum 
(Fig. 32), oder sie erhält Flügel, ein Attribut, 
welches die zwei Nemeseis nie führen und 
welches nach Pausanias (s. oben) gerade den 




9) Nemesis mit Greif, Zaum und 
Elle (nach Catalog. of the Greek coins 
in theBrit. Mus. Lycia Taf. XXIII, 9). 



163 Nemesis (auf Münzen u. Gemmen) 

jüngeren Darstellungen eigentümlich war (Pos- 
nansky Fig. 11, 14, 17 u. ö. Brit. Mus. Taf 
26, 3, 4; 27, 3; 39, 3). Besonders oft kommt 
dieser letzte Typus auf Gemmen vor (Posnansky 
S. 161 f. Fig. 23 f. Furtwängler a. a. 0. Nr. 952 t. 
2444 f. Taf. 12 u. 22). Dann -wird ihr oft das 
Rad beigegeben, welches zu ihren Füfsen hegt 
und bisweilen mit dem Greifen in der Weise 

verbunden wird, 
dafa er eine Tatze 
darauf legt (Pos- 
nansky Fig. 6, 43 ; 
vgl. 0. Benndorf 
und B. Schöne, 
Lateran. Mus. 7 
u. 19), ferner ein 
Zvre\g(Posnansky 
Fig. 23, 27, 33. 
L. Müller, anti- 
quites du Muse'e- 

Thorvaldsen 3 
S. 74 Nr. 584. Ces- 
nola, Gyprus S. 
390 , 392), der 
vielleicht auf den 
Apfelzweig der 
Statue von Rhamnus zurückzuführen ist, ob- 
gleich die entsprechende Frucht nicht daran 
angedeutet ist. Einige dieser Steine zeichnen 
sich durch eine eigentümliche fast malerische 
Behandlung des Vorwurfes aus, die sich in der 
mehr flächenähnlichen als eine Rundfigur nach- 
bildenden Wiedergabe der Gestalt und den 
mächtigen fast den ganzen Raum hinter ihr 
füllenden Flügeln ausspricht. 

Namentlich auf diesen Denkmälern ist die 
Verschmelzung der N. mit anderen 
Gottheiten ausgesprochen. Schon das häufig 
vorkommende Rad ist von der Tyche ent- 
lehnt. Seltener wird der N. das gleichfalls 
von jener entnommene Steuerruder beigegeben 
I Posnansky S. 166 Fig. 33. Furtwängler Nr. 2444 
Taf. 22). Den deutlichsten Beweis der voll- 
kommenen Gleichsetzung der N. mit Tyche 
giebt ein Wiener Karneol (Posnansky S. 171 
Fig. 21), auf welchem neben einer kein Attri- 
but der N. führenden und von Nike bekränzten 
Tyche die Inschrift steht: *vqIu Nepsoi, iXsn- 
aov. Hierher gehört auch der Berliner Stein 
Nr. 7334 (Furtwängler Taf. 55. Posnansky S. 166) 
mit der typischen Gewandhaltung und dem 
Zaum oder Steuerruder, wo im Felde Sonne 
und Mond beigefügt sind, offenbar um die 
Macht der Göttin über die Weltkörper anzu- 
deuten. Aber auch andere Göttinnen müssen 
ihre Kennzeichen herleihen. So trägt auf einer 
Münze von Perinthos (Posnansky S. 169 Fig. 5. 
Brit. Mus. Thrace S. 155) eine geflügelte N. 
mit dem Rad zu ihren Füfsen in der linken 
Hand die Elle, in der rechten dagegen die 
Wage der Dikaiosyne, vgl. Brit. Mus. Ale- 
xandria Taf. 7, 146. Dieselben Attribute zeigen 
Münzen von Nikomedia in Bithynien, Laodi- 
keia und Markianopolis (Posnansky S. 145, 148, 
154 Fig. 15). Weiter werden auf die N. Eigen- 
schaften der Hygieia übertragen, indem ihr 
deren Schlange oder öfters auch die Sehale, 
bisweilen beide Gegenstände (Posnansky S.147f., 



Nemesis (auf Münzen u. Gemmen) 164 

155, 167, 166f. Fig. 38. Müller-Wieseler, Denkm. 
d. a. K. 2 Fig. 952) beigegeben werden. Die 
Münzen mit diesen Darstellungen zeigen meist 
auch so viele Attribute der Tyche, dafs das 
Wesen dieser Gottheit offenbar über die N. 
überwiegt, während die Gemmen mehr den 
Charakter der N. hervortreten lassen. Die 
Schlange wird gewöhnlich in der von der 
Hygieia her bekannten Weise mit der Schale 
10 verbunden, dafs sie daraus trinkt; auf einem 
Berliner Jaspis (Furtwängler Nr. 8438 Taf. 60. 
Posnansky a. a. 0.) scheint sie sich dagegen 
wie bei Asklepios um einen Stab zu ringeln, 
auch auf einem Steine des Britischen Museums 
(Catalogue of gems Nr. 1141. 0. Boßbach in der 
Deutsch. Litteraturztg 1889 S. 750. Posnansky 
S. 166 Fig. 40), auf welchem die geflügelte durch 
den Zweig sowie das Erfassen des Gewandes 
in Schulterhöhe kenntliche Göttin auf einem 
20 Schlangenwagen steht. Ähnlich ist auf dem 
Berliner Praser (Furtwängler Nr. 2451 Taf. 22) 
nicht Nike zu erkennen, sondern N., welche mit 
einem Kranz oder Zweig in der linken und 
der Elle in der rechten Hand auf einem von 
zwei Schlangen gezogenen Wagen einherfährt. 
Auf einem Pariser Karneol (Posnansky S. 167, 
abgebildet bei Miliin, galerie mythol. Taf. 79 
Fig. 350, ähnliche Darstellungen s. bei W. Drex- 
ler in der Wochenschr. f. Mass. Philol. 11 [1894] 
so S. 1214 und in diesem Lexikon Bd. 2 S. 544 f.) 
kommt zu den Attributen einer mehr zur 
Tyche als zur N. hinneigenden Gestalt noch 
der Kopfschmuck der Isis hinzu. Eine Ver- 
schmelzung mit der Nike zeigt endlich eine 
unter M. Aurelius Antoninus geprägte Münze 
von Stoboi in Makedonien, auf welcher sie 
neben Elle und Rad auch Palme und Kranz 
führt. A. von Sollet (Beschreibung der ant. 
Münzen 2 S. 127 Taf. 6, 52) hat darauf hinge- 
40 wiesen, dafs diese Darstellung mit dem Siege 
des Kaisers über die Germanen in deutlicher 
Verbindung steht. Mit Unrecht hat Posnansky 
in der Hand der N. auf einer Berliner Gemme 
(S. 167 Fig. 31. Müller -Wieseler, Denkm. d. a. 
K. 2 Taf. 74 Fig. 949) die Lampe der Psyche 
erkennen wollen; man mufs vielmehr Furt- 
wängler (Nr. 2445) beistimmen, welcher den 
fraglichen Gegenstand für einen Zügel erklärt. 
Doch giebt es eine kleine Gruppe vertieft ge- 
50 schnittener Steine und in Nachahmung von 
Kameen gearbeiteter Glaspasten, welche das 
Brustbild einer jugendlichen weiblichen bis- 
weilen geflügelten Gestalt zeigen, die in der 
Weise der N. ihr Gewand berührt und mit 
anmutiger Neigung des Kopfes in den Busen 
blickt (Posnansky S. 106 f, 169f. Fig. 29, 30, 42. 
Furtwängler Nr. 4802—4808 Taf. 35, Nr. 11188 
— 11191 Taf. 67. Babelon, camees de la Bibl. Nat. 
nr. 69, 135 Taf. 8, 14. L. Müller, antiquites du 
60 Musee-Thorvaldsen 3 S. 74 Nr. 583 sehr schönes 
Karneolfragment, S. 193 Nr. 146). Hier ist schwer 
zu entscheiden, ob Psyche oder N. dargestellt 
sein soll. Für N. spricht die Ähnlichkeit mit 
der entsprechenden Gestalt des Chigischen 
Kraters und des pompejanischen Bildes. Da 
jedoch auf einem hierher gehörigen- Wiener 
Sardonyx (v. Sacken und Kenner, S. 440 Nr. 604. 
Posnansky Fig. 30) die Gestalt Schmetterlings- 




10) Nemesis-Psyche 
(nach Apuleii Psyche et 
Cupido ed. 0. Jahn p. 1). 



165 Nemesis (auf Münzen u. Gemmen) 

flügel hat und auf einer hervorragend schönen 
Berliner Paste (Furtwängler Nr. 4804 Taf. 35, 
deutlicher und stark vergröfsert als Vignette 
vor dem Text von Apuleii Psyche et Cupido 
rec. 0. Jahn et A. Michaelis und darnach in 
der nebenstehenden Ab- 
bildung) an Stelle des Ge- 
wandsaumes sogar einen 
Schmetterling hält, so 
überwiegt hier jedenfalls 
der Begriff der Psyche. 

Zum Schlüsse gebe 
ich eine Aufzählung der 
Städte, welche Mün- 
zen mit dem Bilde 
der N. geprägt haben, 
was natürlich nicht im- 
mer die Annahme erlaubt, 
dafs die Göttin dort Kult- 
stätten besafs, und füge 
denjenigen, welche Posnansky nicht erwähnt, 
die betreffenden Citate bei. Unsichere Dar- 
stellungen der N. wie auf Münzen von Kyzikos 
(Brit. Mus. Mysia S. 46), Sinope (Brit. Mus. 
Pont. Paphlag. S. 102 Taf. 23, 10) und Tripolis 
in Phönizien (Babelon, monnaies grecques de 
la Bibl. Nat.2 S...271 Taf. 23, 11. 24, 1 S.274f.) 
übergehe ich. Ägypten: Alexandreia (Brit. 
Mus. Alex. S. 120 Taf. 3, 1028. 1031); Pelo- 
ponnes: Asopos (Brit. Mus. Pelop. S. 132 
Taf. 26, 9, Imhoof- Blumer and Gardner, numis- 
mat. comment. on Pausan. Taf. O 13 nach dem 
Exemplar des Berliner Münzkabinets), Argos 
(ebd. Taf. L 53); Ionien: Smyrna, Ephesos, 
Kolophon, Milet, Samos, Chios-Erythrä ; Aeo- 
lien: Temnos; Lesbos: Mytilene; Bithy- 
nien: Tium, Chalcedon, Inliopolis, Nicaea, 
Nicomedia; Paphlagonien: Germanicopolis 
(Brit. Mus. Pont. Paphl. S. 92 Taf. 21, 6), Si- 
nope, Amastris; Phrygien: Akmonia, Kibyra, 
Doryläum, Eucarpiä, Hierapolis, Laodicea, 
Peltä, Synnada, Synaos, Tripolis; Pamphy- 
lien: Attalia, Aspendos, Kremna, Isindos, 
Side; Lykien: Rhodiapolis, Gagä (Brit. Mus. 
l.ycia S. 66, 59 Taf. 13,2), Baris (ebd. S. 207 
Taf. 34, 3), Etenna (ebd. S. 120); Pisidien: 
Amblada, Komama, Kremna, Pednelissos, Pro- 
stanna, Termessos; Kilikien: Aegä, Tarsos; 
Seleukis: Nikopolis; Lydien: Philadelphia, 
Thyatira; Karien: Stratonicea, Tabä, Attuda 
(Brit. Mus. Curia S. 63. 66), Antiochia am 
Mäander (ebd. S. 20), Aphrodisia (ebd. S. 34 
Taf. 6, 6), Trapezopolis (ebd. S. 178 Taf. 27, 6); 
Galatien: Pessinus; Kappadokien: Komana, 
Kallatia; Mösien: Marcianopolis , Nicopolis 
amlstroa.Tomi; Thrakien: Anchialos, Byzanz, 
Deultum, Hadrianopolis, Nicopolis am Nestos, 
Pautalia, l'erinth, Philippopolis, Traianopolis. — 
Man sieht alio, wie in der Blütezeit Kleinasiens 
und einiger benachbarten Provinzen unter den 
römischen Kaisern die Verehrung der N., wohl 
von Smyrna aus, sich, wie ea scheint, als Kulte 
von Stadtgöttinnen bis in die kleinsten und ent- 
legensten Orte der einzelnen Landschaften ver- 
breitete. Gerade diese lokale Bedeutung der N. 
wird nicht zum mindesten dazu mitgewirkt 
haben, dafs ihre Verehrung sich so lange dem 
Christentum gegenüber halten konnte. 



Nemetöna 



166 



Litteratur: Herder, Sämmtliche Werke 
hrsg. von B. Suphan 15 S. 395 f. und dazu 
E. Grosse im 21. Jahresbericht (1895/96) des 
KönigsbergerWilhelms- Gymnasiums; F. Manso, 
Vermischte Abhandlungen S. 182 f. ; G. Zoega, 
Abhandlungen S. 32 f. und Welcker ebd. S.417f.; 
G. M. Lane, Smyrnaeorum res gestae et anti- 
quitates, Göttingen 1851 S. 44 f. u. ö.; E. Ger- 
hard, Griech. Myth. I S. 586 f.; F. G. Welcker, 

10 Griech. Götterlehre I S. 576 f., II 395 f., III 25f.; 
K. Lehrs, Populäre Aufsätze 1 S. 56 f., 62 f. u. ö.; 
Preller -Robert, Griech. Mythol. I» S. 535 f.; 
Chr. Wale, deNemesi Graecorum, Tübingen 1852 
und in Paulys Bealencyclopädie u. d.W.; Ed. 
Tournier, Nemesis et la Jalousie des dieux, 
Paris 1863 ; H. Posnansky, Nemesis u. Adrasteia 
in den Breslauer philol. Abhandlungen V Heft 2, 
Breslau 1890 (vgl. dazu Boschers ßecension in 
der Berl. philol. Wochenschr. 1891 Sp. 499 ff.). 

20 [Otto Rofabach.] 

Nemestrinus s. Indigitamenta. 
Nemetiales, Beiname der Matrae auf der 
von einer Freigelassenen (Lucretia Q. lib. . . .) 
gesetzten Inschrift C. I. L. 12, 2221 (= Bonn. 
Jahrb. 83 p. 126 nr. 147); Fundort Grenoble. 
Vielleicht die Mütter des Volkes der Nemetes 
oder eines gallischen Ortes Nemetum(?); vgl. 
Glück, Keltische Namen bei Caesar p. 17. 75. 
Bonn. Jahrb. 83, 16. 32. [M. Ihm.] 

80 Nemetöna, keltische Göttin, nur durch In- 
schriften bekannt. Die wichtigste derselben 
ist auf dem „Loh" bei Klein -Winternheim 
gefunden (jetzt im Mainzer Museum); sie steht 
auf einem ursprünglich mit Silber überzogenen 
Bronzetäfelchen, das an der Votivgabe befe- 
stigt war, und lautet: A. Didius Gallus [F]a- 
bricius Veiento, cos. III, XV vir sacris faei- 
end(is), sodälis Augustälis, sod(alis) Flavial(is), 
sodfalis) Titiälis, et Attica eius Nemeton(ae) 

40 v(otum) s(olverunt) Ifubentes) m(erito). Keller, 
Korr.-Bl. der Westd. Zeitschr. 3, 86, Momm- 
sem ebd. p. 103; Keller, Verhandl. der 38. 
Philologenversammlung (Giefsen 1885) p. 209, 
Zeitschrift d. Vereins z. Erforschung der rhein. 
Gesch. u. Altertümer in Mainz Bd. 3 (1887), 
517 nr. 82 a und Bonner Jahrbuch. 85, 99; 
Dessau, Inscr. lat. sei. nr. 1010. Also ein 
Mitglied der höchsten Aristokratie des kaiser- 
lichen Roms, der auch sonst bekannte Fabri- 

50 cius Veiento (Mommsen, Index Plin. p. 410), 
und seine Gemahlin Attica stiften bei ihrer 
Anwesenheit in Obergermanien der keltischen 
Göttin ein Weihgeschenk. Es geschah dies, 
wie Mommsen vermutet hat, wohl im Jahre 
97, in dem Veiento als Mitglied der feierlichen 
Gesandtschaft an den Rhein gekommen sein 
mufs, um dem Trajan die Nachricht seiner 
Adoption durch den Kaiser Nerva zu über- 
bringen. Die Annahme, dafs Nemetöna 

60 eine Hauptgottheit des Volkes der Nemetes 
war, scheint bestätigt zu werden durch 
die im Gebiet der Nemetes, in Altripp bei 
Speier gefundene Inschrift Brambach C. I. 
Bh. 1790 Marti et Nemetonae Silvini Iustus 
et Dubitatus v(otum) s(olventes) l(ubentes) l(ae- 
ti) p(osuerunt). Ebenso wird sie auf der Bri- 
tannischen Inschrift von Bath C. IL. 7, 36 
(Mowat, Bevue archiol. n. s. 35 p. 103), 



167 Nemetor Neoptolemos 168 

die von einem civis Trever herrührt, zusammen- wie er auch bei Homer durchweg heifst - weil 
gestellt mit Mars Loucetius (vgl. Zangemeister, sein Vater noch m so jungen Jahren in den 
Korrespondent, d. Westd. Zeitschr. 7 p. 116) Krieg gezogen sei, Paus. 10, 26, 4, eine höchst 
Diese Zusammenstellung genügt aber wohl seltsame Erklar ung, da der Name doch viel 
nicht, um die Annahme zu rechtfertigen, Ne- eher daher zu taten ist, weil K. selbst so jung 
metona sei hauptsächlich als Kriegsgottheit schon in den Krieg zog, wie sich denn auch 
verehrt worden. Keller führt dafür noch an, der Name neben Pyrrhos ganz wie ein spaterer 
dafs zusammen mit jener Votivtafel von Klein- Beiname ausnimmt, vgl Apd. 3 13, 8. Patro- 
Winternheim höchst sonderbare Waffenstücke, nymica: Achillides OmA Heroxd.i, 3, Pelides, 
Lanzenklingen in Schilfblatt- und Rautenform 10 Aeacides Verg. Aen .2, 263. 3, 296. 
von ganz außerordentlicher Gröfee ausgegraben Nach der gewöhnlichen Sage in Skyros von 
wurden: ob diese aber als Weihgeschenke Deidameia geboren, wird er auch nach seines 
gedeutet werden dürfen, ist sehr die Frage. Vaters Abzug im großväterlichen Hause er- 
Der Name der Göttin wie der des Volkes ist zogen, Rom. II. 19, 326. btrab. p. 436. Soph. 
keltischen Ursprungs (die Endung -öna, nicht Phü. 239-244. Da der Seher Helenos ge- 
-öna, nach Analogie anderer gallischer Namen weissagt hatte dafs ohne Neoptolemos und 
wie Epona, Hivona, Sirona) und bedeutet die im Besitze des Philoktet befindlichen Pfeile 
caelestü, divinus (Glüek, Keltische Namen bei des Herakles Ihos nicht erobert werden könne 
Caesar p. 17. 75 vgl. Bonn. Jahrb. 83, 17), (Soph ,PM.113ff. 347 ff.) holten ihn Odysseus 
nemetum = Heiligtum. Nach Baemeister, Kel- 20 und Phomix von ökyros, Soph Phil 343, Fe- 
tische Briefe p. 47 „mag Nemetona der Diana lostratos jun Imag.2. Od. 11, 608 ä., oder 
entsprechen und dabei speziell auf die bei Odysseus und ^lomedes Qumt.Smyrn. Posthorn. 
Speier hausenden Nemeter Bezug haben". 7, 169-417. Tzetz Posthorn p. 631 oder Odysseus 
v m Ihm] aüein, Lesches Kl. Ilias bei Proclos Chrestom. 
Nemetor s. Numitor. P- 583 ed. Bidot = O.Jahn, Griech. Büderchron. 
Nemnic . . . ? Die Inschrift einer kleinen p. 111. Trotzdem ihn Lykomedes nicht ziehen 
bronzenen Basis im Klagenfurter Museum lautet lassen will, Oic.Lael. 20, 75, folgt Neoptolemos 
G I L 3 4805: Nemnic I L. Bar(bius) L. dem Rufe, erhält die Waffen seines Vaters und 
«'ibertus) I PilocKes) d(ono) d(edit). Die Gott- dieser selbst erscheint ihm, Lesches a. a O 
heit ist sonst nicht bekannt. Die Form der so Westermann, Mythogr. Gr. p. 382, 9, und erteilt 
Buchstaben weist, nach Mommsens Urteil, auf ihm den Befehl, ihm die Myxena zu opfern, 
republikanische, spätestens Augustische Zeit, welche seinen Tod verschuldet habe (s. u.) 
p , f ts Bim] Vor Troja zeigt sich Pyrrhos in allen Stucken 
Nemydia? (N^vStä). Einf fe ö* rf,s N^vätes ab 1 seines Vaters würdigen Solin (vgl. die 
'Aoztuiöos befand sich nach Strabo 8, 342 m Schilderung Hom. Od 11 503 ff.): schön wie 
Teuthea in Achaia; doch ist die Lesart nicht kein zweiter unter den Helden vor Troja aufser 
sicher THöferl Memnon, beredt und klug im Rate wie Nestor 
Neiria s N a e n ia und Odysseus, und im mer unter den Vordersten 
Neomeris (Nsä^s, wofür Gale N W e Q zr' t g im Kampfe. Er erschlägt im Streite des Tele- 
vorschlug), Tochter des Nereus und der Dons, 40 phos Sohn Eurypylos und erfindet in der 
Avollod : 1 2 7 [Stoll] Freude hierüber den Waffentanz, der nach ihm 
Neonos '(Nsayvog, Meineice vermutet Nimv, %vQ Q i m genannt wird; vgl. Hesych. s. y. itVQ- 
um die boiotische Stadt Neon mit ihm in Ver- <»*««,. Paus. 3 25, 2 Luctan. de salM. 11. 
bindung zu bringen), Sohn des Hellen, Vater Von Troja geht Neoptolemos mit Odysseus 
des Dotos, nach welchem das dotische Gefild (Soph. Phil.) oder Diomedes Phtlostr. Herme. 
(b Steph. ByZ. Stadt) in Thessalien benannt 5, 3 (nach Lesches Kl. Ihos a. a. O D10- 
war, Archinosb.Steph. Byz. s.v. ^omo*. Nach medes allem) nach Lemnos, um den Philo- 
Herodian (a. a. O.) war Dotos ein Sohn des ktetes, der ebenfalls zur Einnahme von Troja 
Pelasgos [Wagner 1 unentbehrlich ist, zu holen. 

Keoplxon (Ne6cpQ<ov), ein Thessalier, der 50 Er ist auch einer der Helden, die in das 

in einen Geier verwandelt wurde, Boios bei trojanische Pierd stiegen, und zeichnete sich 

Anton Lib 5 Vgl. Aigypios. I Stoll.] vor allen andern bei diesem gefährlichen Wag- 

Cptolemos (LonrTJuos, ov, m. , „der stück durch seinen unerschütterlichen Mut 

junge Krieger", Sohn des Achilleus und der aus, Od 11, 521. Eine Hauptrolle Bpiet er 

Deidameia (Jtjtaiptta), einer Tochter des Do- bei der Zerstörung von Ihon tötet den Elasos 

loperkönigs Lykomedes von Skyros; Bruder und Astynoos, Paus. 10,26, 4 den Arior. > Quint 

des Oneiros. Odyss. 11, 505-537. II. 19, 327. Smyrn. 10, 861, verwundet den Koroibos und 

Avd 3 13, 8. Ptol. Heph. Nov. Hist. 3. Nach Agenor, id. 27, 2 und stürzt den Astyanax vom 

Tzetzes Lykophr. 133. Eustath. 1187, 25 war er Turme hinab, id. 25, 9. Den Polites erschlug 
ein Sohn aes Achilleus und der Iphigeneia und eo er vor den Augen seines Vaters Pnamos und 

wurde nach deren Opferung nach Skyros. ge- diesen selbst auf dem Altar des Zeus Hsrkeu», 

bracht. (Vgl. auch He Vit, Onom. s. v.). Paus. 4, 17, 4^ Verg. Aen 2, 500-553 nach 

Von seinem Grofsvater Lykomedes wurde er Arktinos b. Proklos (O Jahn, Gr. Büderchr. 

Pyrrhos genannt entweder wegen seiner blon- p. 112; 6, 2. 12) Als Kriegsbeute wird ihm 

den Haarfarbe (Serv. Verg. Aen. 2, 469), oder Andromache die Witwe Hektors, zu teil, 

weil sein Vater in seiner Verkleidung als Proklos b. Jahn a. a. O. - Den Manen seines 

Mädchen Pyrrha geheifsen, Hyg. fab. 97. Eust. Vaters Achilleus opfert er auf dessen Wunsch 

1187 25- Phoinis : nannte ihn Neoptolemos - diePolyxena an seinem Grabmal, Eurip. HeJcab. 



169 



Neoptolemos 



Neoptolemos 



170 



523. Serv. z. Verg. Aen. 3, 322. Paus. 1, 22,6; 
10, 26, 10. Western. Myth. Gr. p. 382, 10. 

Heimkehr: a) Hom. Od. 3, 189 erwähnt nur 
seine glückliche Rückkunft; 4, 59 ff. wird er- 
zählt, wie Menelaos ihm dem gegebenen Ver- 
sprechen gemäfs seine Tochter Hermione nach 
Phthia sendet. — b) Oder N. kommt von 
, Troja zunächst nach Skyros und von hier nach 
Sparta, um die versprochene Hermione heim 



zugleich als das Mittelglied, durch welches die 
Epeirotenfürsten ihre Abkunft auf Aiakos und 
Achilleus zurückführten. Vgl. Gruppe, Gr. 
Myth. u. Beligionsgesch. 3 52 f. 

Die Ehe des Neoptolemos mit Menelaos' 
Tochter Hermione, seiner eigentlichen Gattin, 
bleibt kinderlos, mit Andromache erzeugt er 
den Molossos, Pielos und Pergamos, Paus. 1, 
11, 1, nach Hyg. p. 123 auch noch den Am- 



zuführen, die inzwischen (oder sogar schon 10 phialos, was wohl nur als ein Schreibfehler 
'- - - - ^ für Pielos zu betrachten ist; vgl. Staveren, 

Mythogr. lat. z. d. St., Preller gr. Myth. 2 3 , 
469, 5, mit Lanassa acht Kinder, s. ob. Von 
Pergamos sollen die Pergamener herstammen, 
weshalb sich auch diese Aiakiden nannten, 
G. I. Graec. nr. 3538, 32. 

Neoptolemos' Unglück ist seine Ehe mit 
Hermione. Denn diese, zuvor mit Orestes ver- 
lobt, wird ihm hernach von diesem streitig 
gemacht, bleibt aber zunächst in seinem Be- 



vorher) dem Orest versprochen worden war, 
Paus. 3, 25, 1; 26, 5. Hyg. fab. 123, erhält die 
Braut und begiebt sich mit ihr nach Phthia. — 
cl Nach den Nosten kehrt er auf Anraten der 
Thetis zu Lande nach Hause zurück und trifft 
in Maroneia in Thrakien mit Odysseus zu- 
sammen, begräbt seinen väterlichen Freund 
Phoinix, kommt ins Land der Molosser (Epirus) 
und wird von seinem Grofsvater Peleus wieder- 
erkannt. — d) Ähnlich Serv. Verg. Aen. 2, 166: 
3, 321 ff.: hier rät ihm der 
Seher Helenos, da er die Un- 
fälle der Hellenen zur See 
voraussieht, zur Heimkehr auf , « » ■ 

dem Landweg. N. tritt ihm 
dafür später die Andromache 
ab und giebt ihm das Land 
der Chaoner in Epirus. — 
e) Nach Dietys 6, 7 ff. (vgl. 
Od. 4, 9. Eurip. Troad. 1126) 
kommt N. gleichfalls von Ilios 
nach Molossia, und von hier 
erst nach Phthia zurück, wo 
er seinen Grofsvater Peleus, 
der inzwischen von AkastoB 
seiner Herrschaft beraubt wor- 
den war, wieder einsetzt; vgl. 
c. — f ) Ahnlich Justin. 17, 3 : 
daN. während des trojanischen 
Krieges seine väterliche Herr- 
schaft verloren habe, so habe 
er sich nach Epirus begeben, 
Paus. 1,1 1,1. Verg. Aen. 3, 333. . 

Ttn^bl, W™J P.W r\ J.91 ff l ) Abschied des Neoptolemos im Skyros, anwesend: Lykomedes, Neoptolemos, 
Iioecm Jixpi. Jrma. p. *'^j D a i d[ame i a ], Krater der Samml. Campana (nach Annali 1860 Tat I ; s. Text nr. 2). 

Enkelin Lanassa aus dem 

Tempel entführt und mit ihr acht Kinder erzeugt, sitz. Doch erscheint nach einer vereinzelten 
die er teilweise an benachbarte Könige verhei- Fassung der Sage Orest bald in Phthia, er- 
ratete. Seine Nachkommen wurden Pyrrhiden schlägt den Neoptolemos an seinen väterlichen 
oder Epeiroten genannt. — g) Oder er wurde 50 Altären aus Rache und führt Hermione heim 
auf der Heimfahrt nach Skyros nach Ephyra in nach dem Peloponnes, Serv. Verg. Aen. 3, 330; 




Epirus verschlagen, das nach seinem Sohne 
Molossos Molossia genannt wurde, Pind. Nem. 
4, 82; 7, 54 ff. Strab. p. 326. Paus. 1, 11, 1. — 
h) Eustathios endlich p. 1463, 36 berichtet, N. 
sei zu Schiff nach Thessalien gekommen, habe 
hier auf den Rat der Thetis seine Schiffe ver- 
brannt und sich in Epirus angesiedelt, weil 
er in den Zeltwohnungen der dortigen Be- 



vgl. Paus. 1, 33, 7; 2, 18, 5. — Nach der weit- 
aus häufigeren Fassung wird Neoptolemos in 
Delphi erschlagen. Der Zweck seiner Reise 
dorthin jedoch und die Art seines Todes wird 
wiederum sehr verschieden angegeben. Nach 
Find. Nem. 7, 58 ging N. nach Delphi, um 
dem Gotte von der troischen Beute zu opfern 
und Weihgeschenke darzubringen, oder um 



völkerung die Erfüllung der Weissagung des 60 den Gott um Rat zu fragen wegen der Kinder- 
~ ' " ' ' " " • ' '- ' --•-j— losigkeit der Hermione, Schol. z. Pind. 1. c, 

Pherekyd. Schol. Eurip. Orest. 1654. Während 
seiner Abwesenheit hatte Hermione gegen die 
von N. bevorzugte Andromache und ihren 
Sohn Molossos einen Anschlag gemacht, den 
jedoch Peleus vereitelte, worauf Orest nach 
Ermordung des N. in Delphi nach Phthia 
kommt und Hermione entführt, die willig dem 



Helenos erkannt habe, er solle sich dort nieder 
lassen, wo er ein Haus treffe, dessen Grund 
von Eisen, dessen Wände von Holz, dessen 
Dach von Wolle sei. — Die meisten dieser in 
einzelnen von einander abweichenden Über- 
liefertingen weisen also auf eine Ansiedlung 
des Pyrrhos -Neoptolemos in Epeiros neben 
derjenigen in Phthia hin, und er erscheint so 



171 



Neoptolemos 



Neoptolemos 



172 




mehr geliebten Manne in die Peloponnes folgt, 
Eur. Androm. 891, s. Hermione. Nach anderer 
Überlieferung jedoch erscheint Neoptolemos 
nicht in so friedlicher Absicht in Delphi, son- 
dern entweder um von dem Gotte Rechen- 
schaft wegen des Todes seines Vaters zu for- 
dern, Westerm. Mythogr. Gr. p. 378, 14, oder 
gar um aus demselben Grunde den delphischen 
Tempel zu plündern, Paus. 10, 7, 1. Nach 

10 Eurip. Androm. 53, 1094 war N. zweimal in 
Delphi, das erstemal, um den Tempel zu zer- 
stören, das zweitemal, um diesen Frevel zu 
sühnen, Westerm. a. a. O. Auch die umstände, 
unter denen sein Tod in Delphi erfolgte, weisen 
mehr auf eine feindliche Invasion, als auf fried- 
liche Gesinnungen hin. Entweder ist es Orest 
selbst, oder auf sein Anstiften die Delphier, 
welche den N. aus Rache für die Entziehung 
der Hermione, resp. in der Befürchtung dafs 

20 er den Tempel plündern wolle, erschlagen, 
Eurip. Androm. 891 ff. 1085 ff. Justin. 17, 3. 
Hyg. fab. 123. Vell. Patere. 1, 1, 5. Westermann 
a. a. 0., — oder es ist der Priester des Tempels, 
bez. Machaireus (was wohl dasselbe ist, Pind. 
Nem. 7, 61), der ihn im Streit um das Opfer- 
fleisch tötet, Str. p. 421. Paus. 10, 24, 4, oder 
endlich N. stirbt auf Befehl der Pythia von der 
Hand der Delphier, Paus. 1, 13, 7. Nach Paus. 
4, 17, 3 erkannte man in diesem Ende des 

30 Neoptolemos an dem Altar des Apollon die 
gerechte Vergeltung für den Frevel, den er 
einst an Priamos am Altar des Zeus Herkeios 
verübt hatte „rj Nfonzol^fieios xalov/iivri riets". 
Nach seinem Tode jedoch geniefst Neopto- 
lemos einen Heroendienst in Delphi: er wird 
zunächst unter der Schwelle des Tempels, her- 
nach auf Menelaos' Veranstaltung im Tempel- 
gebiete bestattet, und alljährlich mit Opfern 
verehrt, Paus. 10, 24, 6. Schal. Pind. Nem. 7, 62. 

40 Nach Pausanias befand sich sein Grab gerade 
unterhalb des Gemäldes der Iliupersis von Po- 
lygnot. Aus dem einstigen Bekämpfer des 
delphischen Heiligtums ist nun ein Schutzgeist 
desselben geworden, Paus. 10, 23, 2; 1,4,4. 
Nach letzterer Stelle genofs Pyrrhos göttliche 
Verehrung erst seitdem er bei dem gallischen 
Einfall Delphi geschützt hatte. Hygin {fab. 123) 
sagt, seine Gebeine seien im Gebiete von Am- 
brakia verstreut worden, ebenso Ooid. Ib. 

50 v. 303. Vgl. Gruppe a. a. 0. 108 Anm. 7 ff. 
Neoptolemos ist eine, trotz manches herben 
und fast rohen Charakterzugs, doch sympa- 
thische und daher auch in der Litteratur und 
Kunst vielbehandelte Persönlichkeit. Schon in 
der Kleinen Ilias des Lesches, in der Iliupersis 
des Arktinos und wohl auch des Stesichoros, 
sowie in den Nosten, spielt er eine bedeutende 
Rolle. Ein anziehendes Charakterbild hat So- 
phokles von ihm im Philoktet entworfen, und 

co aufserdem ihn auch noch in einem zweiten 
Stück „Dolopes" oder „Phoinix" behandelt; 
vgl. Welcher, d. griech. Trag. 1, S. 140. 144; 
3, S. 1333. Auch Nikomachos dichtete einen 
Neoptolemos, s. Welcher 3, S. 1015. Der Neopto- 
lemos des Attius scheint der Tragödie des 
Sophokles nachgebildet; vgl. 0. Ribbeck, Phi- 
locteta des Attius, Kiel 1872. Rom. Trag. 
402 ff. Teuffei, Rom. Litt. 3 § 134, 4. 



173 Neoptolemos (Bildwerke) 

Sehr zahlreich sind Scenen aus dem Leben 
des Neoptolemos in der bildenden Kunst 
dargestellt, die uns teils wirklich, teils nur in 
Beschreibungen überliefert sind. 

a) Abschied von Lykomedes undDeidamia: 
1) Philostr. jun. Imag. 2. — 2) Gelbfigur. Krater 
der Sammlung Campana mit Inschriften (Avuo- 
lir]Sris, NsoitTÖXt-fiog, daiS(üusia) Ann. d. Inst. 
32, 1860, p. 293 ff. Tav. agg. J (s. Abb. 1). In 
drei weiteren Vasenbildern sucht diese Scene 
nachzuweisen B. Engel- 
mann, Verhandl. der 40. 
Versammlung deutscher 
Philol. in Görlitz 
1889. S. 290 ff. 
mit Abbildun 
gen. 

b) Odys 
seus und 
Neo- 
ptole 



Neoptolemos (Bildwerke) 174 

Abb. 2). — 8) Helm im Mus. Naz. zu Neapel 
abg. Eeydemann, Taf. III, la — c. 9) Mittel- 
bild der Tab. Uiaca. — 10) Iliupersis auf einer 
Schale des Brygos, jetzt im Louvre. Neoptol. 
bärtig, einen Knaben am Bein schwingend 
und auf den am Altar sitzenden Priamos ein- 
dringend, Eeydemann Taf. I. Verkleinert, 
ürliehs, Beitr. z. Kunstgesch. Taf. 16 (irrtüm- 
lich 18 bezeichnet; s. Abb. 3). — lü b ) Schwarz fig. 
10 Berliner Vasen nr. 1685. 3988. Rotfig. desgl. 
nr. 2175. — 11) Vasenbild 
einer apul. Amphora, Mi- 
nervini Bull. Nap. Arch. 
1858,6,Taf.9. Eeyde- 
mann Taf. 11, 2, 
a _c. — 12) 
Marmorrelief 
eines Sar- 
kophag- 
deckels 
im 
Mus. 




auf 

Lem- 

nos bei 

Philo- 

ktet, nr. 3 

u. 4. Etrusk 

Urnen: Baoul 

Bochette, Mon 

In. pl. 54. 55. Gal. 

Omeriea 49. (Müller 

Sab. § 415) = Overb. Gal 

hero. Bildw. Taf. XXIV. 16. 

17, Text S. 674. 

c) Tötung des Eurypy- 
los: 5) Tabul. Iliaca, unter- 
ster Streifen. 

cc) Neopt. im Kampfe mit Aineias um die 



3) Brygosschale mit Iliupersis: N. tötet Priamos 
(nach Eeydemann, Iliupersis Taf. I; s. Text nr. 10). 



zu 
Ox- 
ford, 
Marmo- 
ra Oxon. 
1, tab. 54, 
nr. 147 = 
Eeydemann Taf. 
II, 3. — 13) Relief 
eines silb. Bechers im 
Antiq. z. München, Eeyde- 
mann Taf. II, 4. Zu nr. 6 —9 
vgl. O verbeck, die Bild- 
werke etc. S. 616ff. nr. 100 
— 102, zu nr. 10: Overbeck 
S. 623 nr. 106. — ß) Priamos' und Astyanax' 
Tötung: nr. 14. 15. 16. 17. 18 = Overb. S. 621 — 



cc) Neopt. im Kampfe mit Aineias um aie louing: m. ±*. io. i«. *.. *» — - — "• - --- 
Leiche des Achilleus: Münchener Vase nr.380B 60 626 = nr. 103-105. 107. 108; dazu Taf. XXV, 
„ , ■ i, /, »„ n oo 93. YYVT 11 — 1 a^i Neontol. den Priamos 



= Overbeck, H. G. 23, 2. 

d) Neoptolemos bei der Zerstörung Trojas: 
a) in gröfseren Zusammenhängen. 6) im Mor- 
den begriffen, in Polygnots Gemälde der Iliu- 
persis in der Lesche zu Delphi, Paus. 10,26,4. 
— 7) Sog. Vivenziovase inNeapel, Overbeck, Gal. 
XXV, 24. Eeydemann, Iliupersis Taf. II, 1. 
Ders. Vasensammlung zu Neapel nr. 2422 (s. 



22. 23; XXVI, 11. — 19) Neoptol. den Priamos 
tötend, Fragm. einer Schale des Euphronios, 
Arch. Ztg. 40 (1882) S. 37. Taf. 3. Noach, Aus 
derAnomia S. 158 ff. Vgl. Berl. Vase nr. 2281. 
3996. Petersb. Vase nr. 2226. Londoner Vase 
522. 607. VgL auch Matz-Duhn nr. 3360. — 
20) Priamos und Neoptol., Fragm. eines Marmor- 
reliefs in der Samml. Giusti zu Verona, Eeydem. 



175 Neoptolemos (Bildwerke) 

Taf. ni, 3 = Overb. S. 626. Müller, Hdb. 3. Aufl. 
p. 714, Z. 6 v. ob. — 20 a ) Neoptolemos die 
Polyxena verfolgend, die sich 
mit Kassandra zum Palladion 
geflüchtet. Apnl. Amphora, 
B. Rochette, Mon. Ined. 1 pl. 
66. Overbeck, Bildwerke S. 643 
und Taf. XXVI, 17. Bau- 
meister, Denkmäler 2, 750. 

e) Neoptolemos die Poly- 10 
xena opfernd: Overbeck S. 661 
—668, Nr. 173-182. Müller 
4) Poiyxenas Hdp. p. 714.— 21) Gemälde des 
Opferung, Gemme Polygnot(?), vielmehr desPoly- 
(Omrbeck, Gau. 27, ki e t (Robert, Biupersis des 
15; B . Text nr. 33). p i ygnot s. 25 f.) in der Pina- 
kothek der Propyläen zu 
Athen, Paus. 1, 22, 6^ 10, 25, 10. — 22) Gemälde 
eines Unbekannten zu Pergamon am Kaikos, 



Nephaimes 



176 




Taf. XXVII, 15 (s. Abb. 4). — 34) Mittelbild der 
Tab. Iliaca, rechts unten. Vgl. die Londoner 
Vase nr. 434. 

f ) 36) Neoptolemos mit Agamemnon, Mene- 
laoa und wohl auch Hermione auf der Basis 
der rhamnusischen Nemesis (s. d. Fig. 2 ff.) 
Paus. 1, 33, 8. Vgl. L. Pallat, Arch. Jahrb. 
1894 S. lff. Taf. 1—7. 

g) 36) Neoptolemos' Tod in Delphi, Müller 
§416 b. fln. Overbeck S. 745 ff. Relief einer 
etrusk. Aschenkiste, JB. Rochette pl. 39 = Overb. 
Taf. XXX, 16, und ganz ähnlich: 37) Äelief 
bei Gori, Mon. Mr. 2, 171; einige andere 
Wiederholungen bei Overb. S. 747. — 38) Vasen- 
bild mit Inschr., Ann. d. Inst. 1868 p. 235 ff. 
Tav. d.' agg. B.; abgebildet bei Baumeister, 
Denkmäler des Mass. Alterthums 2 S. 1009 Abb. 
1215 (s. Abb. 5). 

h) 39. 40) Zwei Statuen des Neoptolemos, 




5) Neoptolemos' Tod in Delphi, 
anwesend: Neoptolemos, Orestes, Pythia, Apollon (nach Baumeister, Denkm. Fig. 1215; s. Text nr. 



Paus. 10, 25, 10. — 23) Statuarische Gruppe, 
deren Existenz zweifelhaft ist, von Libanios 
p. 1088 beschrieben. — 24) Caninosche Amphora, 
Gerh. Auserl. Vasenb. 3 Taf. 185 = Overbeck 
8. 353 f. Taf. XXVII, 18. — 25) = Overb. nr. 176 
Taf. XXVII, 17. Berl. Vase nr. 1902. — 26) — 
Overb. nr. 176. — 27) Ooerb. nr. 177, Taf. XXVII, 
19. Inghirami, Mon. Etr. Ser. 5 tav. 46. 
Neapler Vase nr. 1779. — 28) Praenestin., sog. 60 
Townleysche Cista im Brit. Mus. B. Rochette, 
M. I. pl. 58. Müller, ~D. a. K. 1, 62. 311, a., 
von Overbeck und Welcker nicht auf der 
Opferung der Polyxena bezogen; vgl. Müller 
§ 173, 3. 3. — 29—33) = Overb. 178—182, eine 
etruskische Aschenkiste und vier geschnittene 
Steine ; letztere Darstellung besonders gerühmt, 
abgeb. Winckelmann Mon. ined. nr.-144. Overb. 



ganz nackt, im Gymnas. des Zeuxippos zu Con- 
stantinopel, Christodor, Ekphr. Anthol. Tom. 
2 p. 468 v. 56. 192. [Weizsäcker.] 

Neotes (Neotri«) = Iuventas (s. d.). 

Nepeln (Nfaeia), Tochter des Iasos, Gemahlin 
des mysischen Königs Olympos, nach welcher 
das niSCov Nrjnfiiov oder n. Neustes bei Ky- 
zikos benannt sein sollte, Dionys. Miles. bei 
Schol. Ap. Rh. 1, 1116. [Stoll.] 
liNephaimes (Netputprjf) heifst nach dem Co- 
dex Mosguensis, Nephtnbneg (Netp&tprig) fcach 
dem Codex Viennensis von „Tov 'Equov ngög 
'AOHlrjitiov rj Ityotievrj tnoa ßtßlog" (in Pitra's 
Analecta Sacra et classica spi&lfsiitSolesmensi 
paxaia tom. 6. Paris 1888 p. 2S8) der zwan- 
zigste Dekan. Er wird beschrieben als uv&qio- 
itog tormg ini m\yr)s £%ovorjg Svo ßgvaxag, xori 



177 Nephalion Nephele (Personifikation der Wolke) 178 

näXiv elg'iv jlaßdlXmv ra cv/itcoSu, xsQisfcma- zurückgehende Naturbedeutung zahlreicher my- 

fisvog^ ccno rmv fiaatäv ftsxQ 1 x <*> v ccatgaycelmv • thischer Wesen mehr oder weniger erkennbar. 

ivrä nwyavi pähov ( Mosq . fisUiov) t%e>v, Gorgonen und Graien hat man längst als Personi- 

Kal iv rij j;sjol vdpi'mriv. Von den Körper- fikationen der Gewitterwolke erkannt (Bä\J, 

teilen ist ihm die Urethra unterstellt. Sein Sp. 1698 u. 1731 ff.), ebenso ist die rjtQoqioixi.g 

Bild wird als Amulett auf den Sarder ge- 'Egivvg ursprünglich die Wetterwolke (Bd. 1 

schnitten. Die Dekannamen des genannten Sp. 1310ff.) und die Harpyie die Stnrmwolke, 

Buches weichen von denen der anderen Dekan- mit der sich der Wind vermählt (Bd. 1 Sp. 1845) ; 

listen ab. [Drexler.] über die Giganten vgl. Bd. 1 Sp. 1053, Chi- 

Nephalion (Nr]q>al(<ov), Sohn des Minos und 10 maira Bd. 1 Sp. 894, Maia Bd. 2 Sp. 2235, 

der Nymphe Pareia, Bruder des Eurymedon, Ganymedes Preller-Robert. Griech. Mvth. I 4 , 500; 

Chryses und Philolaos. Die vier Brüder wohnten über die Rolle, wdche Nephele selbst in der 

mit den Söhnen ihres Bruders Androgeos auf Ixionsage und in der Phrixossage spielt, s. 

Paros zu der Zeit, wo Herakles auf seinem Zuge unter 2 u. 3. 

gegen die Amazonen dort landete, und da sie Dafs aber die segenspendende Macht der 

dem Herakles zwei Genossen töteten, wurden Wolken sich in Griechenland nicht zu selb- 

sie von diesem erschlagen, Apollod. 3, 1, 2, 5. ständigen Götterwesen mit eigenem Kultus 

2,5,9,3. Nach Steph. Bys. s.v.nÜQog waren verdichtet hat (vgl. Aristoph. ^u&. ö76ff.), rührt 

thatsächlich Kreter die ältesten Bewohner der daher, dafs die vom Winde zusammengeballten 
Insel und Minoa einer ihrer früheren Namen (vgl. 20 und getriebenen Wolken nur als Werkzeuge 

Bursian, Geogr. v. Griech. 2, 485). [Wagner.] in der Hand eines Mächtigeren aufgefaßt 

Nephelai (Nttpilai). Auf einem Vasenge- wurden. So ist alles, was den Wolken zukäme, 

mälde mit der Darstellung der Bestrafung des aufden WolkensammlerZeus übertragen worden 

Ixion (abgeb. oben Bd. 2 Sp. 769f. Annali 1878 (ve ZciSg schon bei Homer, II. 12^25. Od. 14, 

Taf. IK. Baumeister, Denkmäler nr. 821) werden 467, vgl. Hes. Opp. 488. Alcaeus, frg. 34, 

die zwei geflügelten Frauen zur Seite des Ixion Theogn. 25 ff. u. a., sowie Aristoph.Nub. 368 S.). 

für „Personifikationen der Wolken, in deren Er führt die finstre (epsftv^') Äigis als Symbol 

Region der Frevel und auch die Bestrafung der Wetterwolke (Bd. 1 Sp. 150), Von einem 

vor sich ging" erklärt, Baumeister a. a. 0. 768. eigentümlichen Regenzauber an der nach einer 

Vgl. Nephele. [Höfer.] 30 Zeusamme benannten Hagnoquelle unter dem 

Nephele (Nscpslrj, lat. Nubes, Nebula), 1) die Gipfel des Lvkaion berichtet Pausanias: bei 
personifizierte Wolke. Die Wolke ist die anhaltender Dürre berührte der Priester des 
Trägerin und Spenderin des Regens, der not- Zeus Lykaios mit einem Eichenzweig die Quelle, 
wendigsten Vorbedingung für das Gedeihen der dann stieg aus dem bewegten Wasser ein 
Saaten, und ihr Erscheinen wird im trocknen, Nebel auf, der sich zur Wolke verdichtete, 
sonnigeren Süden noch sehnsüchtiger erwartet, alles Gewölk ringsum an sich zog und den 
als im feuchten Norden. Besonders mnfste die Arkadiern den ersehnten Regen herabsandte 
geheimnisvoll schnell heraufziehende Gewitter- (8^38, 4, vgl. Mannhardt, W. u. F. K 2, 341 
wölke, die sich unter Blitz und Donner ent- mit Angabe verwandter Bräuche). Wenn der 
ladet und Segen und Verderben zugleich auf «jagende Kephalos auf einem Berggipfel Ne- 
die Erde herabsendet, dem naiven Glauben der phele herbeizurufen pflegt (Pherecyd. b. Schol. 
Urzeit als ein mächtiges Wesen oder als der u. Eustath. Od. 11 , 320. Aura nach Ovia\Met.1, 
Ausflufs eines solchen erscheinen. Ebenso 810), so ist dabei natürlich nicht an ein Götter- 
haben die wunderlichen rasch wechselnden wesen zu denken*). 

Gestalten der ruhig lagernden, noch mehr aber Nur in einem orphisehen Hymnus (21), und ä~> 

der vom Winde getriebenen Wolken {yCyvovrai zwar unmittelbar nach den Hymnen an Zeug 

nav&' dv ßovlcavzui. Aristoph. Nub. 348) , wie Kioavviog und Zsvg äetgccmog, werden die 

noch heute, so schon vor Jahrtausenden die Wolken selbst als Göttinnen unter Hinzufügung 

Einbildungskraft der Menschen aufs lebhafteste zahlreicher Beiwörter angefleht, den frucht- 

besehäftigt und die mannigfaltigsten Vorstel- 60 nährenden Regen auf die Mutter Erde herab- 

lungen in ihnen wachgerufen, die in den ver- zugiefsen. Ans orphiseh en Anschauungen hat 

schiedensten Ländern und Zeiten wiederkehren, vielleicht auch Aristoph anes die Anregung zu 

ohne dafs an eine gegenseitige Beeinflussung seinen Wolken geschöpTST Sie sind Töchter 

zu denken wäre (z. B. Wolken als Kühe bei des Okeanos (277), während sie 570 Aither 

den Indern und in Deutschland, als Kameel- als ihren Vater nennen. Sokrates ruft sie nach 

herden bei den Arabern, Mannhardt. Wald- u . orphi scher Weise als Glieder einer Göttertrias, 

FMk. 2, S. XXIV, vgl. auch 1, 101. 2, 156, 172. Aer, Aither undNephelai, an (264f.). Sie sollen 

Boscher, Hermes_ d^JVindgott 20, 166, _44f.). herbeikommen, mögen sie auf den schnee- 

So waren von zwei Seiten aus die Bedingungen bedeckten Gipfeln des heiligen Olymp lagern, 
für die Gestaltung von Wolkenmythen und 60 

-sagen gegeben. In welchem Umfang dieselben •> v g l. auch d. Art. .Luftgottin' und die daselh.t unter 

auf germanischem Boden, im Lande der Nebel, 1 gegebene Abbildung, wo m. K. entweder die den w- 

ausgebildet worden sind, lehren die umfassenden (ptiai so nahe verwandten Alqai (vgl. auoh atqt) und 

Sammlungen von Mannhardt (Germanische fatzlq Bymn. Merc. 147) odor geradesu die lohwebeaden 

Mythen), SchwartZ, Poet. Naturans chau unijen Tll Wolken gemeint lind, die von einem Manne (wie Sokrates 

(Wolken etc.) Berlin 1879, und" LaütnerTNebel- be * ^'ff'«"™') herbeigewinkt werden. Man i„t un- 

sqgen), die freilich vielfach zu weit gehen £ ™ Z l^STH ' ;; h !"• , ,° * J™ i?"* 

AI™« „u- n ■ i_ i j • i. j- 7V\M ü Komödie (vgl. die NiwiXatdn Arixtt/tilianes und äw Aioai 

Aber auch in Griechenland ist die auf die Wolken des Metagene*; vgl. Bd. 2 Sp. 2148) au denken. [KofsclierO 



H^M*f«MXW yj ii jiiim>ii|iHW*iiip.. i. .i^umi i i ■ »«mii'l 1 ' ' — '«■—'- -wu^TOS 4 *"' ~— — - s-«— — — - — ^ ■— **7^ 



179 Nephele (Personifikation der Wolke) Nephele (Mutter des Kentauros) 180 

oder in den Gärten des Vater Okeanos mit den dite den im Zweikampf besiegten Paris (3, 380), 
Nymphen im Keigen tanzen, oder ans dem Hephaistos den Idaios (5, 23, vgl. 127), Apollon 
Nil mit goldenen Kannen Wasser schöpfen, den Aineias (5, .344. vgl. _20 3 121), den Agenor 
oder am Maiotischen See oder an den Klippen (21, 597, Y^LJ?oMejb_a,,Q.), d e n Hektor (20, 
des schneeigen Mimas weilen (269 ff.). Mit 444, nachgebildet z. B. Quint. Smyrn. 9, _266, 
glücklicher mythologischer Gestaltungskraft vgl. auch Hör. G.% 7, 13), und Ares verbreitet 
hat hier der Dichter die an Bergen hängenden Nacht über das ganze Schlachtfeld (5^506)^ 
oder aus der Tiefe aufsteigenden Wolken als wie überhaupt in der Jio^äovg ÜQiazsia ein 
nymphenähnliche Wesen charakterisiert. Ob- besonders reichlicher Gebrauch von diesem 
wohl als nebelhafte Sophistengötter herbei- 10 Mittel gemacht wird. Ebenso schützt Athene 
gerufen, lassen sie doch an manchen Stellen den Odysseus bei seinem Gange durch die 
ihre natürliche Bedeutung kräftig hervortreten, Stadt der Phaiaken (Od. 7, 15 n. 41, nach- 
z. B. liyff, wo sie schildern, wie viel Segen geahmt 23 r . 372 und Verg. Aen. 1, 411); die 
und Verderben sie über Menschen und Feld- Verhüllung einer ganzen Gegend zu andrem 
fruchte bringen können, und 576ff , wo sie Zwecke kehrt wieder Od. 13, 189; derselben 
sich bitter darüber beklagen, dafs die Menschen bedient sich auch luppiter bei Ovid (Metl, 
die ihnen gebührenden Ehren dem Zeus dar- 697 ff.), um die fliehende Io in seine Gewalt 
bringen, und scherzhaft nachweisen, dafs Bie zu bekommen. In Nebel und Wolken gehüllt 
allein es sind, die regnen, donnern und blitzen. führen die Schiffe der Phaiaken ihre Fahrten 
Aber noch in anderer Hinsicht haben die 20 aus (Od, 8^ 561 f.). Eine Wolke senkt sich auf 
Götter sich die Wolken dienstbar gemacht, den Oeta herab und hebt unter Blitz und 
(nämlich als Werkzeuge ihres Verkehrs Donner Herakles zum Himmel empor (Apollod. 
mit den Sterblichen. Der naive Volks- % 7, 7, 12). — Dafs diese Anschauungen nicht 
glaube der homerischen Zeit, der überall von der gestaltenden Phantasie des einzelnen Dich- 
der persönlichen Gegenwart der Götter über- ters, sondern des Volkes entsprungen sind, er- 
zeugt war, obwohl kein Auge sie erblicken giebt sich auch aus mehreren Stellen bei 
konnte (syyvg ydp iv äv&Qmnoietv svvtsg a&d- Hesiod. 'Higa esaä(i£voi walten die von Zeus 
vazoi Hm. Opp. 2 49) , mufste wohl von selbst eingesetzten 30000 tpvlaiteg der sterblichen 
darauf kommen, in Nebel und Wolken ihren Menschen auf der Erde (Opp. 255), was dann 
Sitz und in deren geheimnisvollenBewegungen 30 auf die in schützende Dämonen verwandelten 
ihre Bahnen zu erkennen. Nefpily, i'iiqi, a%lvi Angehörigen des goldnen Zeitalters übertragen 
und mn werden dafür bei Homer ohne wird (Ojop^l25, ygl^Boh^ -Psyche 89). Natur- 
wesentlichen Unterschied gebraucht. Vor allem lieh ist auch die Nacht und ihre Behausung 
werden die hohen, unterhalb von Wolken um- im Tartaros von Wolken verhüllt (Theoy. 
gebenen Berggipfel, die als solche in die 744, 757), 

wölken- oder schattenlose Region des Licht- Überall ist die Wolke Symbol der Unsicbt- 

äthers hineinragen (Boscher, Jahrb. f. klPhü. barkeit, bez. der unsichtbaren Anwesenheit 

1892 S. 707 ff.), als Aufenthaltsort der Unsicht- göttlicher Wesen, wie schon in bekannten 

baren gedacht. Die Wolkenregion des Götter- Stellen des Alten Testaments. Eine greifbare 
bergsOlympos scheidet den Wohnsitz der Götter 40 Gestalt nahm diese Vorstellung an in der 

von den Menschen (Preller- Robert Gr. Myth. I 4 , unsichtbar machenden "AiSog xurt'rj, welche 

69 f.); der Hören Amt ist es, xrjg inizizganzai nach Apollod. 1, 2, 3 die Kyklopen dem Hades 

iteyag ovgavog Ovlvfinög ze, \ 'r^sv üva*Mvai. verfertigten. Sie ist aber nicht im Allein- 

hvhivov vecpog n$' im»sivai II. 5, 750. 8, 394, besitz dieses Gottes, sondern in der Utas fuhrt 

vgl. Bd. 1 Sp. 2712 ff. Wenn in der Mas die sie Athene (5, 845), ferner Hermes in der Gi- 

G ötter dem Kampfe zuschauen (20, 150) oder gantomachie (Apollod. 1, 6, 2, 5), sowie der zum 

an ihm teilnehmen (z. B. Apollon 15, 308 16, 790), Heros herabgesunkene Gott Perseus (vgl. Bd. 1 

oder wenn Zeus und Hera sich auf dem Ida Sp. 1779). Auch sie umgiebt den, der sie tragt, 

in Liebe vereinigen (14, 343ff.), hüllen sie sich mit Finsternis ('AiSög xvvirj vv*zog fycpov aivov 
in Wolken, ebenso ihre Gespanne, die sie auf 50 ejtovo« (Hes. Sc. 227), und Eustathios erklärt 

der Erde stehen lassen (5, 776. 8, 50); riega sie geradezu als vs<pog zi nvivotutov (IL 

iooapivm fliegen Hera und der Schlafgott zum p. 613, 24). Schon J. Grimm verglich damit 

Ida, um nicht von Zeus gesehen zu werden die germanische Nebel- oder Tarnkappe und 

(14' 282), und denselben Sinn wird es haben, den Breithut Odhins (Mythol. I 4 , 383). 

wenu Thetis rfoirj (nicht „fiüh am Morgen") 2) Mutter des Kentauros. Als Ixion 

aus dem Meere zum Olymp emporsteigt, denn sich derHerazubemäcntigensnchte.büdete Zeus 

auch sie wünscht von niemand bemerkt zu (oder Hera selbst, Schol. Eurip. Phoen. 1185. 

werden (II. 1, 497); vgl. 1, 359, wo ausdrück- Schol. Od. 21, 303) aus einer Wolke eine der 

lieh gesagt wird, dafs Thetis aus dem Meere Hera ähnliche Gestalt, aus deren Verbindung 

aufstieg tjvz' ofujfilij). Bei späteren Dichtern eo mit Ixion Kentauros hervorging. Der älteste 

werden Götterreisen auch ohne besondere Ver- Zeuge ist Pindar, Pyth. 2, 36 ff. Den weiteren 

anlassung in Wolkenverhüllung ausgeführt von Weizsäcker unter Ixion (Bd. 2 Sp. 766 f.) 

(z B Ov Met. 5, 251), wie diese überhaupt zur gesammelten Belegstellen ist hinzuzufügen 

Göttererscheinung gehört (vgl. z. B. Hör. C. 1, Apollod. ep. 1, 20 (= Apollod. epit. Vat. ed. 

2^31). In gleicher Weise werden Schützlinge Wagner p. 57, vgl. p. 148ff.): ort o It,ie>v Hgag 

der Götter im Kampfe den Blicken ihrer Gegner igaB&i-lg tiieii-iQt-i §iäfc<i&cu,xai nqoeayyti- 

entzogen, jedoch, wie BoJMeJjMclieM) hervor- Xäang zrig"Hgag yv&vai 9il<ov oZsvg, si ovzag 

hebt, nur auf trojanischer Seite. So rettet Aphro- e%ei xo ngäyiicc, vecpil-qv «|£nta<ya S Hqo. nage- 



181 Nephele (Mutter des Kentauros) 

xlivs v avxä • wxi yiav%m\iSvov <aq "Hga (iiysvxu 
ivsdrjos xgo%ä, vq>' ov cpsoöfievog otoc itvsv- 
fiäxav sv al9t(>i zavxrjv xlvn Si%r\v. vs<fslr\ 
Se e£ 'l&ovog iyivvrjoe Kivzavgov, ferner 
Etym. m. 603, 50. Elym. Gud. 314, 43. Eustath. 
II. 102, 20 mit der bezeichnenden Etymologie 
■xal so%ev vibv övdpati Kivzavgov icaga zo xov 
itaziga avzov 'l%iova xtvxäv xij avga, xovx 
tazi zfj vKpslrj, und Myth. Vat. 1, 14. 1, 162 



Nephele (Gattin des Athamas) 182 

Kunstdarstellungen. Auf der Bd. 2 
Sp. 769 abgebildeten Ixionvase sind die Flügel- 
gestalten zu beiden Seiten des Bades kaum 
als Erinyen aufzufassen, wie der Gegensatz zu 
der unteren durch Fackel und Schlangenhaar 
deutlich charakterisierten Gestalt lehrt, sondern 
vielmehr als Wolken, die, zugleich mit einer 
Hindeutung auf das Verbrechen des Ixion, den 
Luftraum als Schauplatz der Handlung an- 



2, 106 mit einer seltsamen explanatio, die zum 10 geben. Ebenso glauben wir auf dem seitdem 



Teil wiederholt wird 3 p. 167 Bode. — Kentauros 
ist der Vater der Kentauren, die er im Pelion 
mitmagnesischen Stuten erzeugte (Find. Pyth. 2, 
44ff. 'Imtoxevxavgog Lucian. diäl. deor. 6, 
vgl. Diod. 4, 70, 1). Anderwärts wird Nephele 
direkt als Mutter der Kentauren bezeichnet 
(Diod. 4, 69, 5. Hyg. fab. 62. Lucan. 6, 386), 
und diese heifsen nubigenae (Verg. Aen. 7, 674. 
8, 293. Ov. Met. 12, 211 u. 536. Stat. Theb. 5, 



entdeckten Wandgemälde im Hause der Vettier 
zu Pompeji (s. d. Abb. Sp. 183/4) Nephele, nicht als 
Wolke, sondern als Geliebte des Ixion, zu er- 
kennen. Neben dem Bade, auf das Ixion gefloch- 
ten wird, sitzt am Boden eine dicht verschleierte 
weibliche Gestalt, welche die linke Hand leise 
hebt und den Blick nach oben gerichtet hat. 
Mau (Mitteil. d. arch. Inst, Rom. Abt., 1896, 52) 
erklärte sie als eine abgeschiedene Seele zur 



263, vgl. die von Lucian ver. hist. 16 fingierten 20 Bezeichnung der Unterwelt, Herrlich (Archäol 



NtcpsloitivzccvQoi); näheres darüber s. u. Ken- 
tauren Bd. 2 Sp. 1033ff.). Auch werden einzelne 
Kentauren, wie Eurytion (Hyg. fab. 33) und 
Nessos (Hyg. fab. 34. Senee. Herc. Oet. 492) 
als Söhne der Nephele angeführt, und diese 
kommt ihren Kindern im Kampf gegen Hera- 
kles mit gewaltigen Begengüssen zu Hilfe 
(Diod. 4, 12, 6). Nach der platten Deutung 
des Palaiphatos (1) war Nephele der Name 
eines Ortes in Thessalien, von wo die Kiv- so 
zavQOi genannten Jünglinge xovg xavgovg 
ixevxovv. 

Zu vergleichen ist mit dieser Sage von 
der Entstehung der Kentauren, was über ähn- 
liche slSmla Jk veq>äv itsitotruisva überliefert 
wird. Ganz ebenso wie Ixion hatte nach 
Hesiod (frg. 167) der von Zeus in den Himmel 
aufgenommene Endymion ein il'Smlov viqiilrjg 
der Hera geliebt und war deshalb in den Tar- 



Anzeiger 1896, 206) wies darauf hin, dafs 
der Vorgang in der Oberwelt spielt, und 
deutete sie als Erinys oder Nemesis. Aber 
Blick und Gebärde beweisen, dafs sie an dem 
Schicksal des Frevlers klagend Anteil nimmt, 
und wer sollte dies anders thun, als seine 
Geliebte, deren Natur im Bahmen dieses Bildes 
natürlich nicht durch Flügel, sondern nur durch 
die Gewandhülle angedeutet werden konnte. 

3) Gattin des Athamas, Mutter von 
Phrixos und Helle (die deshalb von Ovid Met. 
11, 195 und Auson. Mos. 287 Nepheleis und von 
Lucan 9, 956 Nepheleias genannt wird). Als 
Athamas später (nach ihrem Tode Schol. Apoll. 
Rhod. arg. u. Zenob. 4, 38) sich mit Ino (s. d.) 
vermählte, wufste diese es durch ihre Bänke 
dahin zu bringen, dafs Phrixos (und Helle 
Paus. 9, 34, 5. Schol. Apoll. Rhod. Zenob. Apo- 

'. 11, 58. Ovid. Fast. 3, 861) auf ein an- 



tares gestürzt oder nach Epimenides (frg. 17 40 gebliches Geheifs des delphischen Gottes hin 



Kinkel) in ewigen Schlaf versenkt worden 
(Schol. Apoll. Rhod. 4, 57). Und Iasion (cod. 
'Idoiov) wurde, als er ein tpae/ia zfrj.ujjTpos 
(ayaXfia Schol. Apoll. Rhod. 1, 916. Scymn. 685) 
schänden wollte, vom Blitze getroffen (Oonon 21, 
vgl. Seeliger Bd. 2 Sp. 61). Auch an das Wolken- 
büd der Helena bei Stesichoros ist zu erinnern 
(vgl. Bd. 1 Sp. 1940ff. Apollod. ep. 3, 5. 6,30), 
dessen Vorbild wir in dem von Apollon herge- 



geopfert werden sollte. Phrixos stand bereits 
vor dem Altar, da schickte Nephele ihnen den 
goldnen Widder (Nepbelaeum pecus Vol. Flacc. 

I, 56), auf dem beide Geschwister durch die 
Luft entflohen (das weitere siehe unter Phrixos 
und Helle), Apollod. 1, 9, 1, daraus Zenob. 4, 38 
und Tzetz. Lykophr. 21 p. 308 u. 313 Müller. 
Schol. Apoll. Rhod. arg. p. 533 f. Keil. Apostol. 

II, 58. Myth. Vat. 3, 15 p. 253 Bode; vgl. 



stellten BiStolov des dem Schlachtfeld entrückten 50 Diod. 4, 47. Nonn. 5, 556. 9, 304. Myth. Vat. 



Aineias zu erblicken haben (II. 5, 449 ff.). Wie 
aus der von des Hephaistos Samen befruchteten 
Erde der segenspendende Erichthonios, oder aus 
der Verbindung des Iasion mit Demeter (oder 
ihrem qpccjia) auf dreimal geackertem Saatfeld 
Plutos hervorgeht, so gebiert die regenschwangre 
Wolke, die selbst oft die Gestalt eines Ken- 
tauren annimmt (Aristoph. Nub. 346 ff. Aristot. je. 
svvtcv. p. 461b, 19 f.), den Kentauros, die Per- 



1, 204. Diese einfachste Fassung der Sage darf 
wohl auch als die älteste betrachtet werden, 
wie sie für die hesiodischen Gedichte (vgl. 
Seeliger Bd. 1 Sp. 510 u. Argonauten) voraus- 
zusetzen ist, obwohl Zeugnisse darüber fehlen, 
ebenso wie auch die erhaltenen Argonauten- 
dichtungen die Vorgeschichte kurz übergehen. 
Auch der bedeutungsvolle Zug, dafs Nephele 
den Widder von Hermes erhalten hat, ist 



Bonifikation des wilden Bergstroms (vgl. Bd. 2 60 sicher alt (nach Paus. 9, 34, 5 sendet Zeus den 

Sp. 1063). Dagegen ist in der oben (Bd. 2 " T ' JJ u "—•*• A " nK "— N -* 1 - — A J ~- 

Sp. 771) gebilligten Deutung des Ixion aus den 
Alpsagen von Laistner (D. Rätsel der Sphinx 1, 
293 ff.) für Nephele kein rechter Platz (vgl. 
Laistner 311); eher wäre dies bei Mannhardts 
Erklärung aus dem Wirbehtnrm der Fall 
(A. W. u. F. K. 87). Über Nephele als Hera- 
eidolon vgl. Tümpel Bd. 2 Sp. 1089. 



Widder, nach Zenob. die Götter), während der 
Katasterismos des Widders durch Nephele 
natürlich einer späteren Zeit angehört (vgl. die 
von Robert, Eratosth. p. 124ff. gesammelten 
Stellen). Die weiteren Umbildungen der Sage 
tragen mehr oder minder deutlich den Stempel 
tragischer Erfindung an sich, obwohl die Zu- 
weisung an die einzelnen Dramen schwierig 



183 Nephele (Gattin des Athamas) 

ist (AiscJiylos Athamas? Sophokles 'A&äfiug a' 
und ß', Euripides Phrixos). Erhalten ist uns 
das Argument des sophokltischen 'A&äpag ets- 
q>avrm>oqäv bei Schol. Aristoph.Nub.%b1 (daraus 
Apostol. 11, 58): Nephele hat es dahin ge- 
bracht, dafs Athamas zur Strafe den gleichen 
Tod erleiden soll, den er dem Phrixos bereiten 
wollte. Schon steht er bekränzt vor dem 
Altar, da erscheint Herakles und rettet ihn. 
Es scheint somit ein Irrtum zu sein, wenn Schol. 



Nephele (Gattin des Athamas) 184 

sei ihnen ihre Mutter (Nebula mater) genaht 
und habe ihnen den goldnen Widder gebracht, 
offenbar ein Versuch, den zerrissenen Zusammen- 
hang mit der ursprünglichen Sage wiederher- 
zustellen. TS&ehMyth. Fa*.2, 134 hatte Dionysos 
die Nephele selbst in Wahnsinn versetzt, so 
dafs sie ihren Gatten verliefs. Auf eine Be- 
ziehung zu Dionysos weist auch das rot- 
figurige Vasenbild in Neapel nr. 3412 Heyde- 
10 mann (abgeb. Bull. Nap. arch. N. S. 7, 3f.) hin, 




Ixion von Hephaistos aufs Ead geflochten, Hermes, Nephele (?), Irl«, Hera. 
Pompejan. Wandgemälde im Hause der Vettier (naoh Originalphotographle). 



Find. Pyth. 4, 288 angiebt, bei Sophokles habe 
die Stiefmutter Nephele geheifsen. Ähnlich 
wird bei Sygin. (fab. 2) Ino, deren Hinterlist 
ein Trabant dem Athamas verrät, dem Phrixos 
zur Bestrafung ausgeliefert, aber Dionysos 
rettet seine Pflegerin. In Verbindung scheint 
damit die abweichende Sage in der folgenden 
Fabel Hygins [Myth. Vat. 1, 23. 2, 134) zu 
stehen: als Phrixos und Helle von Dionysos 
in Wahnsinn versetzt im Walde umherirrten, 



auf welchem hinter dem davonreitenden Ge- 
60 schwisterpaare Dionysos auf dem Panther ihnen 
nachschauend, vor ihnen hereilend die in- 
schriftlich bezeichnete Halbflgur der Nephele 
erscheint. Wenn bei Sophokles daB Verlangen 
nach Bestrafung des Frevels eine B.olle spielt, 
so ' erkennen wir in der unter Philoatephanos' 
Namen erhaltenen Erzählung {Schol. II. 7, 86, 
daraus Tzetz.Lykophr.21 p.3 12 M.) das Bestreben, 
durch Umkehrung der Ereignisse den Stoff für 



185 Nephele (Gattin des Athamas) 



Nephotes 



186 



die tragische Behandlung zu bereichern und 
zu konzentrieren. Ino wird zur ersten Ge- 
mahlin des Athamas, mit der er auch, nach- 
dem er auf Heras Veranlassung sie verstoTsen 
und Nephele heimgeführt hat, den Umgang 
fortsetzt. Deshalb verläfst Nephele ihren Gatten, 
Ino aber stellt ihren Stiefkindern nach wie bei 
Apollodor. Bei der Rettung ihrer Kinder tritt 
Nephele selbst zurück, denn der Widder, den 
Phrixos wie zum Opfer vom Lande mit herein- 10 
bringen soll, ist (wie schon bei Hekataios, 
s. Schol. Apoll. Bhod. 1, 256) mit Sprache begabt 
und warnt den Phrixos. Ebenso kommt natürlich 
bei den euhemeristischen Deutungen der Sage das 
wunderbare Eingreifen der Nephele in Wegfall 
(Dionys. Argon, bei Schol. Apoll. Bhod. 1, 256. 
2, 1144. Diod. 4, 47. Falaeph. 31. Apost. 11, 58). 
Die Deutung der Sage hat davon aus- 
zugehen, dafa Nephele von Anfang an offenbar 
als Göttin betrachtet worden ist. Je weniger äo 
sonst Dichter und Mythographen um genea- 
logische Verbindungen verlegen sind, um so 
mehr mufs es auffallen, dal's nirgends die 
Herkunft der Nephele angegeben ist. Dafs Bie 
gestorben sei, erwähnen nur Schol. Apoll. Bhod. 
arg. u. Zenob. 4, 38 ausdrücklich, Apollodor u. a. 
drücken sich unbestimmt aus. Dagegen haben 
wir eine Reihe von Zeugnissen dafür, dafs die 
Anschauung von ihrer göttlichen Natur noch 
in späterer Zeit lebendig war. Ob sie bei so 
Sophokles als Göttin die Bestrafung des Athamas 
bewirkt hat (TicTtoCrjxsv), wissen wir nicht. 
Dagegen kehrt sie nach Apostol. 11, 58 nach 
ihrer Verstofsung durch Athamas in den Himmel 
zurück und sendet die Trockenheit über das 
Land, die nach der gewöhnlichen Sage durch 
die Ränke der Ino herbeigeführt wird. Und 
Ovid Fast. 3, 851 ff. schildert, wie Nephele 
(ut forte pependerat aethtre) ihre am Opfer- 
altar stehenden Kinder erblickt und sich herab- 40 
schwingt, um sie zu retten (inque draconti- 
genam nimbis comitantibus urbem | desilit et 
natus eripit inde suos). Ebenso kann die Ver- 
setzung des Widders unter die Gestirne nur 
von der Göttin bewirkt werden (Hyg. Astr. 2,20). 
Bei Norm. 10, 97 führt die von Athamas ver- 
folgte Ino ihr Unglück auf die von Nephele 
gesandten Erinyen zurück. Und bei Lucian 
(dial. mar. 9, 2) meinen die mit Poseidon über 
die Bestattung der Helle verhandelnden Ne- so 
reiden, die Mutter hätte doch der ins Meer 
stürzenden Tochter zu Hilfe eilen sollen, worauf 
Poseidon sie mit dem unabwendbaren Schick- 
sal entschuldigt. So ist die Göttin Nephele 
die personifizierte Wolke schlechthin, daher 
auch kein Bedürfnis vorliegt, ihre Herkunft 
genauer anzugeben. Ihr Name bietet aber 
zugleich die sichtbare Handhabe für die physi- 
kalische Deutung der Sage von dem durch den 
Windgott Hermes ihr übergebenen Wolken- 60 
widder, der ihre Kinder, in das ferne Sonnen- 
land entführt, aus weichem sein kostbares 
Vliefs nachher zurückgeholt werden mufs 
{Preller, Griech. Myth. 2", 311, 313. Boscher, 
Hermes d. Windgott 45). Übertrieben ist da- 
gegen die bis ins einzelne gehende Deutung 
Forchhammers (Hellenika 170) auf den Wechsel 
des Wassers im Kopaissee. Ungezwungen ver- 



bindet sich damit ihr Gegensatz zu Ino, „der 
Dienerin des Glutgottes Laphystios, die das 
Saatkorn dörrt" (Seeliger Bd. 1 Sp. 674). — Da- 
neben steht die von Ü. Müller (Urchovi. '* 1631.) 
hervorgehobene ethische Bedeutung, welche 
die weitere Ausbildung der Sage beherrschte 
und besonders die Tragiker angelockt haben 
mag, der Gegensatz zwischen der göttlichen 
und menschlichen Natur in beiden Gattinnen 
des Athamas, wie er ausgedrückt war in dem 
warnenden Sprichwort: Nicht lür die Göttin 
eine Sterbliche, wie Athamas (j*q »eäg av- 
»piBWoa' ä>s 'Abusus, Apostol. 11, 68, vgl. Nonn. 
Dionys. 8, 384, wo die sterbende Semele ihre 
Schwester Ino der Nephele ähnlich gegenüber- 
stellt, wie sich selbst der Hera). — Auf der 
Annahme eines ursprünglichen Verhältnisses 
zwischen Nephele und Hera, wie sie in der 
Ixionsage wirklich vorliegt, beruht endlich die 
sakrale Deutung Wieselers b. Pauly, Bealencycl. 4, 
648 f. Darin, dafs auf Heras Geheifs Athamas 
sich an Stelle der verstoi'senen Ino mit Nephele 
vermählt, erblickt er eine Erinnerung an die 
volkstümlichen Hindernisse, die der Verbreitung 
des olympischen Herakultes im Gebiet der 
Minyer entgegenstanden. Aber dieses Ein- 
greifen der Hera findet sich nur in der von 
uns als jünger erkannten Gestalt der Sage bei 
Schol. IL 7, 86. Da das Endschicksal der Ino 
durch den sagengeschichtlich begründeten Zorn 
der Hera herbeigeführt wurde, so lag es nahe, 
dafs ein Dichter aus eigener Machtvollkommen- 
heit auch ihre frühere Unthat auf eine ähn- 
liche Ursache zurückführte. 

4) Eine Nymphe, Begleiterin und Dienerin 
der Artemis [pv. Met. 3, 171). [Wagner.] 
Nepheleis (-eias) s. Nephele 3. 
Nephelokentauroi (NicpeXo^ivtavqoi), s. Ken- 
tauren Bd. 2 Sp. 1035 Z. 2 ff. [Höfer.] 

Nepherses (NscpiQa^g). Eine griechische In- 
schriit ans den Tempelruinen vonDimek (Faijum) 
erwähnt eine £o%vonulcp 5tal iVecpeoeJji &toig 
fiByiBTOis dargebrachte Gabe, Nachricht, d. legi. 
Ges. d. Wiss. zu Göttingen. 1892. 532. Max. 
L. Strack, Die Dynastie der Ptolemäer 268 
nr. 144. Zeitschritc für ägyptische Sprache u. 
Altertumsk. 31 (1893), 31. Krebs a. letzterem 
0. 32 und Anm. 3 hat nachgewiesen, dafs die 
hier nur mit dem Beinamen Äepherses genannte 
Göttin die Isis ist; nach der Erklärung von 
Brugsch bedeutet Soknopaios 'Sobk der Herr der 
Insel' und Nepherses 'mit schönem Throne'; 
der erstere Gott wird noch öfters erwähnt tu 
friäi xal kvqüo Sonvonulioi Krebs 33; 2o*vo- 
naiov &st>£ (isydlov jisytilov ebend. 34. 36. 40. 
104. [Vgl. ob. Bd. 2 Sp. 1763 s. v. Kyrioa ur. 27 
u. Sp. 2551 s. v. Megistos. Drexlür.] [Höfer.] 
Nephorsees (NecpoQOt'irig), Beiname der Isis 
im Faijum, 'Ioidog iVf qpopojjov«, Krebs in 
Zeitschr. f. ägypt. Sprache u. AltertumsK. 81 
(1893), 105, 1. [Höfer.] 

Nephos (iVf;(jpos, codd. vtjqxSg), Sohn des 
Herakles und der Thesuiudo Praxithea, Apollod. 
2, 7, 8, 7. L^toU.] 

* Kephote« (Netpüirtf), Nofer-hotep „der Gute 
und Gnadenreiche" Ut nach Brugsch, Belig. u. 



Myth. d. a. Äff. p. 860 u. Wiloken, Aktenstücke 
aus der Konigl. Bank tu Theben in den 



187 Nephotes Nephtho 188 

Museen zu Berlin, London, Paris, Abh. d. erwähnt, Wess ely, Ephesia Grammata b._4, 

königl. Ak. d. W. e. Berlin a. d. J. 1886. An- Griech. Z auberpapyri v. Paris u^ London^. &8 

hang phil.-hist. Abhandlungen 1 (p. 1 — 68) p. 47 v. 154 ff. Es ist bekannt, dafs dem ägypti- 

ein Beiname des thebanischen Chonsu; vgl. sehen Hermes (Thot) zahlreiche Schriften zu- 

über diese Form des Chonsu Lanzone, Diz. di geschrieben wurden, Wessely , Ephesia Gram- 

mitol. egiz. p. 382 f. Tav. 146 fig. 3. 4. mata _jj. 5 f. Pigtsehmann, Hermes^Irismegistos 

Chonsu, ursprünglich eine Gottheit unter- p. 41 ff. Chonsu aber wird in den ägypti- 

geordneten Ranges, wurde von den thebani- sehen Inschriften mit Thot verschmolzen und 

sehen Priestern dem Amon und der Mut zum erhält genau die Titel und Punktionen des 

Sohne gegeben; er wurde mit dem Monde und 10 letzteren beigelegt. „Die Schreibtafel, das 

infolgedessen mit Thoth verschmolzen, eine Tintenfafs und der Papyrus sind seine vorzüg- 

Gleichstellung, die unter der 19. Dynastie be- lichsten Werkzeuge und gehören zu den ihm 

reits endgiltig vollzogen war, Maspero, Bist. geweihten königlichen Geschenken" bemerkt 

anc. des peuples de V Orient class. 2 p. 552 ff. Brugsch a. a. 0. p. 497 f. Es ist daher nicht 

Ich verweise für die Rolle, welche dieser Gott ausgeschlossen, dafs man den fingierten Autoren- 

in der rein ägyptischen Mythologie spielt, auf namen Nephotes in Hinblick auf Chonsu Nofer- 

Lanzone a. a. 0. p. 973 — 986, tav. 339, 1. 2. hotep als Gott der Schreibkunst und „Anfang 

340. 341. 342. 343, 1—3 und die dort (p. 985 f.) der Wissenschaften" erfunden hat. 

angezogenen Autoren, vgl. auch Wiedemann, Mit dem Namen des Gottes zusammengesetzt 

Bei. d. alten Äg. p. 70 u. Brugsch, Bei. u. 20 ist der in Inschriften (C I. Gr. 4862b) und 

Myth. p. 359 ff. 493-501. Papyri ( Wilcken a. a. 0. p. 11 nr. 3 Col. 2 Z. 11. 

Im Etym. M. s. v. Xäveg heifst es: zbv p. 68 nr. 3 Col. 1 Fragmente 39 u. 40 Z. 7 p. 13 

'HQcmlfiv <paei xaxa xrpi AlyvnzCatv diälexzov nr. 4 Col. 2 Z. 3) vorkommende Personenname 

Xmva liyio&ai. Krall, Zeitschr. f. äg. Spr. Il£x£vs<pmzr\g „der von Necpoizrjg Gegebene". 

1883 p. 79, Wiener Studien 3 (1881) p. .22 Auch Osirk führt zuweilen den Beinamen 

Anm. 4 u. Brugsch, Belig. u. Myth. d. a. Äg. Nofer-Hotep, Brugsch, Bei. u. Myth. p. 494. 

p. 493 f. erkennen darin den Chonsu wieder. Lanzone, Diz. di mit. eg. p. 750 (Hesiri nofer 

Wirklich spricht für die Identifizierung dieses hotep, der Grofse Gott, in der Stadt Ha Sojjem). 

Gottes mit Herakles der Umstand, dafs in Es ist mir zur Zeit kein Beispiel bekannt, 

griechischen Papyri der Tempel des Chonsu so welches diesem Gott den Beinamen in der 

in Theben als Herakleion und der dazu ge- griechischen Form Ntcpcorris giebt. 

hörige Weg als 'HQtxitliovg Sqüpog bezeichnet Wohl aber scheint Neil os, der ja mit Osiris 

wird, Krall, Wien. Stud. 3 p. 5 ff. Brugsch identifiziert wird, aber auch an und für sich 

a. a. 0. p. 494. Wiedemann, Herodots 2. Buch sehr wohl als „der Gute und Gnadenreiche" 

p. 200. Zu der Gleichsetzung beider mag die bezeichnet werden kann, das Beiwort Neywzrjg 

Identifizierung des Amon mit Zeus (vgl. die in einer Inschrift von Silsilis, einer bekannten 

dem Amon geltenden Inschriften 'ApmUmv Stätte der Nilverehrung (vgl. Stern, Die Nil- 

2m6i%Quxovq Ail @r}ßaia>, Naukratis. Part I. Stele von Gebel Silsileh, Zeitschr. f. äg. Spr. 

1884—1885. By W. M.'Flinders Petrie. Third 1873 p. 129—135), zu erhalten. Io der Bev. 

Memoir of the Egypt Exploration Fund. Lon- 40 des etudes grecques 7 (1894) p. 297 f. nr. 9 

don 1886 4° p. 63 PI. 30, 2; [M]si.dv9iög fi-s veröffentlicht Sayce eine Stele mit der In- 

ävi&r\*s zäi Zrjvl Grjßaicoi ayal(ia. Mattet, schrift TO TTPOCjKYNHMA [AE]|C0NIAOY KY- 

Les premiers etablissements des Grecs en Egypte. BEIPNHTOY NEIAOY|AIOC KAAOY[MENOY]| 

Paris 1893 4° p. 447 f.) die Veranlassung NE<DWTOY TOY | [MJEriCTOY | LI TPAIANOY 

gegeben haben. Wenn der Amon des ägypti- KAIj[CA]POC TOY KYPIOY und bemerkt 

sehen Theben mit Zeus identifiziert wurde, so dazu 'Neopcozog est peut-etre l'egyptien neb-pet 

war es nur folgerichtig, seinen Sohn Chonsa „seigneur du ciel". ' Ich denke aber, nach dem 

dem Sohn des Zeus im griechischen Theben, Vorstehenden wird man es für wahrscheinlicher 

Herakles gleichzustellen. Für die Auffassung halten, dafs in IVsqpokijs die Übersetzung von 

des Gottes als Mondgottheit ist interessant 50 nofer hotep und ein Beiwort des Neilos zu 

eine Statue des sitzenden Chonsu aus der sehen ist. [Drexler.] 

1. Hälfte des 4. vorchr. Jahrhunderts mit der Nephremis (Necpgefiig). Beiname der Isis, 
griechischen Weihinschrift: „Zenes, Sohn des neben Sokonpieios (Zoxovnieiog) verehrt iv 
Theodotus, liefs sich ein Bild der Selene «oifijj Soxvoituiov Nriaov, Zeitschr. f. ägypt. 
machen", Ausführl. Verzeichnis der äg. Alter- Sprache u. Altertumsk. 31 (1893), 105, 1 und 
tümer, Gypsabgüsse u. Papyrus. Berlin 1894 Krebs a. a. 0. Vgl. Nepherses. [Vgl. oben Bd. 2 
p. 218 nr. 2458. Dafs gloss. Labb. p. 40 die Sp. 2551. Drexler.] [Höfer.] 
Notiz Conso, t<5 viä zfjg'lßiSog auf Chonsu, Nephsis (NE(D£IS), Nfit/ji-g, Name eines Sei- 
den Sohn der mit Isis identifizierten Mut, zu lenos, welcher auf einer Kylix aus Kapua zu- 
gehen scheint, habe ich Jdhrbb. f. Kl. Phil. 60 sammen mit zwei anderen Seilenen, Echon und 
145 (1892) p. 844 vermutet. Soviel beiläufig Dromis, die Iris verfolgt, s. Catalogue of the 
über Chonsu aus klassischen Quellen. Greek and Etruscan Vases in the British 
Um auf Nephotes zurückzukommen, so wird Museum Vol. 3. Vases of the finest period. 
ein fingierter Schriftsteller dieses Namens als By Gecil EL. Smith. London 1896 p. 87 ff. 
Verfasser eines Briefes an den König Psamme- nr. 65, wo die Litteratur sorgfältig verzeichnet 
tichos über die Geheimnisse der Lekanomantie ist. Vgl. Iris Bd. 2 Sp. 343 ff. [Drexler.] 
{Ne<päxT\g ^ay.^rizi%(a ßaeilsi Alyvitxov aimvo- Nephthimes b. Nephaimes. 
pYo) ^at'^Eir) im Grofsen Pariser Zanberpapyrna Nephtho (Ney&oi) = Nephthys auf einer in 



189 Nephthys Nephthys 190 

Puteoli gefundenen Bleiplatte mit Verwün- galt nach einer Inschrift von Dendera Ha 

schungsformel, in der neben einander genannt Sofern (Diospolis Parva), Lanzone p. 815. Wie 

werden ^yiov ov[o]aa'lad,'Hl,Mizc"'fi,Ni<p9<i, Isis die Gattin ihres Bruders Osiris, so ist 

Hülsen, Arch. Zeit. 1881 p. 310. Kaibel, Inscr. Nephthys die Gemahlin ihres Bruders Set, 

Gr. Sic. et Ital. 869. Wünsch, Defixionum Plut. a.a,.0. Schon die Pyramidentexte nennen 

tabellae Atticae praef. p. XV, In einer ägyp- sie neben Set, s. z. B. Maspero, Les inscriptions 

tischen Beschwörung d es grofsen Pariser Zauber - des pyramides de Saqqarah. Paris 1894. 4°. 

i IjpsoiyrJia.XPap. AnutasiJUi) begegnet die Form p. 30 (Ounas 1. 223), p. 881 (Pepi II 1. 665); 

HtBJÖ^Oi), Var. HG^-G-Gi), Erman, Zeitschr. auch in einem Spruche an Nut, Erman, Die 
f. ägypt. Sp. 1888 p. 100, vgl. p. 101 Anm. 2; 10 Sprüche von der Himmelsgöttin, Aegyptiaca, 

ebenso ist njyjb, Erman in einem koptischen Festschrift für Georg Ebers zum 1. März 1897 

ZauberpapyruB später Zeit in Berlin (Nummer p. 19 h. Kap. 226 „Nut! zwei Augen erscheinen 

U_6fi66) CB--0-W zu M6B--O-0) zu ergänzen, an deinem Haupt. Du nahmst dir Horus und 

Zeitschr. f. äg. Spr. 1895 p. 51. [Drexler.] seine Zauberin, Du nahmst Dir Set und seine 

Nephthys (Niip&vs) , ägyptische Gottheit, Zauberin" wäre nach Ermans Übersetzung an 

über welohe u. a. zu vgl. Jablonski, Panth. eine Zusammenstellung von Set und Nephthys 

Aeg. 8 p. 112— 121. L. Georgii in Pauly's B.-E. zu denken, aber Maspero p. 163 übersetzt 

6 p. 618 — 648. Parthey in seiner Ausgabe von „0 Nout . ... toi qui a pris Sit et qui es sa 

J'lutarchs de Is. et Os. p. 193 f. S. Birch in puissance magique". Am grossen Tempel 
Arundale and Bonomi, Gallery of antiquities 20 von Earnak findet sich Thutmes III. darge- 

nehcted from the British Museum p. 34—35. stellt zwischen Set und Nephthys , W. Pleyte, 

S. Beinisch, Die ägypt. Denkmäler in Miramar, Lettre ä Monsieur Theodule Deveria sur quel- 

Wien 1866 p. 208 — 212. Pierret, Dictionnaire ques monuments relatifs au dieu Set. Leide 

d'arch. igypt. p. 366 s. v. Nephthys und Le 1863 p. 12. Lepsius, Denkm. 3 Taf. 34 c. Lan- 

Pantheon egyptien p. 57 u. 105. Brugsch, Belig. Zone p. 1139, tav. 383. Ebenda sieht man Set 

«. Myth. d. alt. Aeg. p. 730—739. Wiedemann, mit Nephthys, welche Thutmes umarmt, Pleyte 

Religion der alten Aegypter p. 116 f. Maspero, p. 13. Lepsius 3 Taf. 35 e. Desgleichen bringt 

Guide du visiteur au musee de Boulaq. 1883 Seti I. in Theben dem Set und der Nephthys 

p. 171 zu nr. 2028. Derselbe, Mim. sur quel- seine Huldigung dar, Pleyte p. 15 — 18. Lepsius 
ques papyrus du Louvre, Notices et Extraits so 3 Taf. 124 b. Lanzone p. 1140 f., tav. 377. In 

des manuscrits de la Bibliotheque nationale der grofsen Reihe der Götter von Karnak, die 

Tome 24, 1. Paris 1883. 4° p. 80. 81. Derselbe, derselbe König verehrt , finden wir Set zwi- 

Etudes de mythologie et d'archeologie egyptien- sehen Isis und Nephthys durchgestellt durch das 

nes 2 p. 362 — 364 und Hist. ancienne des ihn symbolisierende Fabeltier, Pleyte j>. 19. Lep- 

peuples de V Orient classique 1 p. 133 f. Lanzone, sius 3 Taf. 125. Aus der Zeit Ramses' II. stammt 

Dizionario di mitologia egizia p. 358 — 367 und die Granitgruppe von Set und Nephthys im 

die von ihm am Ende seines Artikels ver- Louvre, Pleyte p. 22 — 27, PI. 1. PI. 2 Fig. 1. 3. 

zeichneten reichhaltigen Literaturnachweise. E. de Bouge, Notice sommaire des monuments 

Ihr ägyptischer Name lautet Nebthat, „die egyptiens exposes dans les galeries du musee du 
Herrin des Hauses", Ed. Meyer oben Bd. 2 Sp. 40 Louvre. Nouv. ed. Paris 1876 p. 137 f. Lanzone 

362. Wiedemann, Bei. p. 116; vgl. Brugsch, Bei. p. 1138, tav. 372 Fig. 1. 2. Von Merenptah 

p. 730. Maspero, Hist. anc. 1 p. 134 Anm. 1 empfangen Huldigung Nub (d. i. Set) neb res, 

„nibit la dame häit du chäteau". Die beiden Nub, der Herr des Südens, Nephthys und 

hieroglyphischen Zeichen ihres Namens führt Horos, Pleyte p. 27. Lepsius 3 Taf. 200 c. Am 

sie in den bildlichen Darstellungen gewöhn- grofsen Tempel von Medinet- Abu trifft man 

lieh als charakteristischen Kopfputz, Brugsch, unter Ramses III. Set in den Götterreihen 

Bei. p. 731, der entweder unmittelbar auf ihrem neben seiner Gemahlin Nephthys in der ersten 

Haupte sich erhebt, s. z. B. Lanzone Tav. 142, Reihe als Set neb Seses, Set, Herr von Seses, 

1. 2 oder über der Sonnenscheibe zwischen den in der zweiten als Set nubt neb, Set Nubt, 
beiden Hörnern angebracht ist, s. z. B. Lan- 50 der Herr, Pleyte p. 28 f. Lepsius, Denkm. 3 Taf. 

Zone Tav. 142, 3. 4, wo sie aufserdem die Geier- 214 e. f. Auch in einer Götterliste aus der 

haube trägt. 21. Dynastie erscheint er neben Nephthys unter 

Sie ist geboren dem Kronos (Qeb) von Rhea den grofsen Göttern , Pleyte p. 32. Lepsius, 

d. i. Nut am letzten der 5 von Hermes (Thoth), Denkm. 3 Taf. 246 c. Im Bezirke Pi-ndem , in 

dem 360 Tage umfassenden Jahre zugefügten dessen Metropolis Brugsch, Die Aegyptologie 

Tage, Plut. de Is. et Os. c. 12. Diod. 1, 13. p. 453 Avaris vermutet, wird neben Set seine 

Wiedemann, Bei p. 109 f. und Herodots zweites Gemahlin Nephthys als Schutzgöttin angeführt. 

Buch p. 53. Chdbas, Le calendrier des jours In einem Steinbruche bei Gau-el-Kebir sind 

fastes et nefastes de l'anne'e e'gyptienne p. 105 f. auf zwei Pfeilern, welche die Decke des eine 
Maspero, Hut. anc. 1 p. 133 f. Anm. 5 p. 172 f. 60 Grotte bildenden Bruches stützen, in bunten 

Anm. 1 ; vgl. E. A. Wallis Budge, Bemarks on Farben die Gestalten des Antaios und der 

a papyrus containing formulae for recitation Nephthys aufgetragen, W. Golenischeff, Ueber 

in temple of Amen . . ., Proceedings of the So- zwei Darstellungen des Gottes Antäus, Zeit- 

ciety of Biblical Archaeology 9 p. 26 „Give Schrift f. äg. Sprache 1882 p. 186 — 146, Taf. 

birth Seb and Nut to Osiris, Horus dwelling 3.4. F. Bobiou, La religion de V ancienne 

in darkness, Sut, Isis, Nephthys at birth one Egypte et les inßuences ärangeres. Paris 1888 

after the other of them" (aus einem Papyrus p. 28. In beiden Darstellungen erscheint die 

des British Museum). Als Ort ihrer Geburt Göttin in kleinerem Mafastabe hinter dem 



191 



Nephthys 



Nephthys 



192 



riesenhaft gebildeten fremdartigen Gotte, der 
anf dem Haupt das Abzeichen der Libyer, zwei 
Federn trägt, in der Linken eine Lanze und 
eine Antilope, in der Rechten ein Streitbeil 
hält. Golenischeff möchte diesen Antaios auf 
Grund seiner Attribute mit dem asiatischen 
Kriegsgott Respu zusammenstellen. Andere, 
wie Dümichen, Geschichte des alten Aeg. p. 163f. 
und J. de Bouge, Monnaies des nomes de l'E- 
gypte p. 18 ff. erkennen in Antaios den Horos 10 
wieder. Mir scheint es das Annehmbarste zu 
sein, dafs, obwohl nach Diod. I, 17 Antaios 
ein von Osiris über Libyen eingesetzter Statt- 
halter sein soll, in ihm eine Lokalform des 
Set zu erkennen ist. Auch Brugsch, Die Aegyp- 
tologie p. 144 und Creuzer, de Persigny, Lang- 
lois und Birch sehen nach Lefebure, Le mythe 
osirien 1 p. 117 in Antaios den Set. Wenn 
die Griechen ihren Herakles in dem ägypti- 
schen Horos wieder erkannten, so ist es doch 20 
wohl natürlich, dafs sie den Namen des An- 
taios, des Gegners des Herakles, einem ägyp- 
tischen Gotte gaben, welcher als Feind des 
Horos bekannt war. Der Gegner des Horos 
ist aber bekanntlich Set. Da ferner Nephthys 
als Gemahlin des Set gilt, so führt der Um- 
stand, dafs diese Göttin hier dem Antaios 
als Genossin beigegeben ist, wieder zu dem 
Schlüsse, dafs Antaios eine Lokalform des Set 
ist. Neuerdings hat Golenischeff, Eine neue so 
Darstellung des Gottes Antäus, Zeitschrift für 
ägypt. Sprache 32 (1894) p. 1—2, Taf. 1 Neph- 
thys und Antaios auch auf einer aus Luxor 
stammenden grofsen Kalksteinplatte des Mu- 
seums von Gizeh erkennen wollen. Doch hat 
die männliche Gottheit dieses Reliefs mit dem 
Antaios von Gau-el-Kebir kaum etwas anderes 
als die Antilope gemeinsam, und auch die 
Göttin ist nicht mit dem sie als Nephthys 
charakterisierenden Ideogramm auf dem Haupte 40 
versehen. Zwar will Golenischeff dasselbe 
„ziemlich zusammengeschrumpft" auf der ihr 
Haupt zierenden Scheibe zwischen zwei Hör- 
nern erkennen, aber die beigegebene Abbildung 
spricht nicht zu Gunsten dieser Ansicht. Von 
Virey, Notice des principaux monuments ex- 
poses au musee de Gizeh. Le Caire 1892 p. 98 
nr. 310 werden denn auch die beiden Gott- 
heiten als Isis und Sarapis verzeichnet. 

Nicht immer wahrte Nephthys dem Set die 50 
Treue. Unbewufst wohnte ihr Osiris, im Glau- 
ben, es sei Isis, bei und liefs einen Kranz von 
Mehlotos bei ihr zurück. Das aus dieser Ver- 
bindung entsprossene Kind, Anubis, setzte 
Nephthys gleich nach der Geburt aus Furcht 
vor Set aus. Isis aber suchte es auf und zog 
es grofs, Flut, de Is. c. 14 p. 24 f. ed. Parthey; 
vgl. c. 44 p. 77: ysvvmGrjg tjjs Necp&vog töv 
"Avovßiv 'lots vitoßüMerai. Dieser Fehltritt 
der Nephthys wird erwähnt in einer langen 60 
ägyptischen Beschwörung des grofsen Pariser 
Zauberpapyrus, in welcher der Magier eine 
Frau zur Hingebung zwingen will. Isis klagt 
dort ihrem Vater Panathout (Affen -Thoth): 
„Ja Nephthys, sie schläft mit Osiris [und nicht 
schläft?] mein Bruder, der Sohn meiner Mutter 
t t mit mir", A. Erman , Die ägyptischen Beschwö- 
'" r ungen des gr ofsen Pariser Zauberpapyrus, 



Z eitsch rift £ür_ äg. Sprache 21. 1883 [p. 89— 
1091 £■■ ± oi f - ß - z < 4 <fc-44, In altägyptischen 
Quellen finden sich zwar nirgends Osiris und 
Nephthys zusammen als Eltern des Anubis 
genannt, doch wird Osiris nach v. Bergmann 
bei Erman a. a. 0. p. 102 als Vater derselben 
bezeichnet bei Wükinson, Manners and Customs 
2 d ed. 3 pl. 35. Lepsius, Wandgemälde, Taf. 23. 
Ist nach Plutarch Anubis der Sohn des Osiris 
und der Nephthys, so nennt der Papy rus ma- - : >' 
gigue Hams_{Clwka^MM,Jgyptol.$,%jp.M\) 
als Vater des Anubis Sapti den Ra, während 
als Mutter auch hier Nephthys genannt wird, 
v. Bergmann a. a. 0. 

Nach Piets chma nn erscheint in der Reihe 
der neun Götter von Karnak statt des Set 
Thoth als Gemahl der Nephthys, PjeUcJmgm^. 
Hermes Trisme^istosvAS^s^- Lepsius,Denkm. 
3, 67. 58. Lepsius, Über den ersten äg. Götter- 
kreis p. 165. 168. 181. 183. 209. Brugsch, Geogr. 
Inschr. 1 p. 179; vgl. Pleyte a. a. 0. p. 34, 
und nach Brugsch, Bei. p. 733 wird sie zu- 
weilen der gewöhnlichen Genossin des Thoth, 
der Safchit-äbu, gleichgesetzt. 

Natursymbolische Deutungen giebt Plutarch 
für Nephthys mehrere: De Is. et Os. c. 38^ 
p. 66 f. sagt er: „Nephthys nennen sie den 
äufsersten begrenzenden, das Meer berührenden 
Teil der Erde, daher hat Nephthys auch den 
Beinamen 'die Äufserste' (rslevtcürj) und soll 
dem Typhon beiwohnen. Wenn aber der Nil 
überflutend und anschwellend weiterhin jenen 
entfernteren Gegenden naht, so heifst dies die 
Vermischung des Osiris mit der Nephthys; sie 
wird von den aufsprossenden Pflanzen ange- 
zeigt, zu denen auch der Honigklee gehört: 
als dieser abfiel und zurückblieb, so merkte 
Typhon daran, wie die Fabel sagt, die seinem 
Ehebett widerfahrene Schmach. Darum ge- 
bar die Isis den Horos in rechtmäfsiger Ehe, 
die Nephthys aber den Anubis in heimlicher. 
In den Königslisten wird angeführt, dafs Neph- 
thys, dem Typhon vermählt, zuerst unfrucht- 
bar gewesen sei. Ist damit nicht das Weib, 
sondern die Göttin gemeint, so geht dies auf 
die vollkommene Dürre und Pflanzenlosigkeit 
der Erde wegen ihrer Starrheit"; vgl. dazu 
Maspero, Hist. anc. 1 p. 134. Etwas philo- 
sophischer erklärt er den Mythus c. 59 p. 105 f.: 
„. . . Deshalb macht die Fabel den Typhon zum 
Gemahl der Nephthys, läfst aber den Osiris 
sich heimlich mit ihr vermischen. Denn die 
äufsersten Teile des Urstoffes, die man Neph- 
thys und das Ende {TeXevzi\) nennt, werden 
von der zerstörenden Gewalt umfafst, die zeu- 
gende und erhaltende Gewalt aber entläfst in 
jene Teile einen unkräftigen und matten Samen, 
der von Typhon vernichtet wird, aufser was 
die Isis aufnehmend rettet, nährt und zu- 
sammenhält." Wieder eine andere Deutung 
giebt er c. 44 p. 77: „Den Anubis, welchen die 
Nephthys gebiert, läfst Isis sich unterschieben: 
denn Nephthys ist das Unterirdische und Un- 
sichtbare, Isis das Oberirdische und Sichtbare ; 
der sie berührende, Horizont genannte Kreis, 
welcher beiden gemeinschaftlich ist, heifst 
Anubis und wird unter dem Bilde eines Huu- 
des dargestellt: denn der Hund sieht bei Tag 



193 



Nephthys 



Nephthys 



194 



und Nacht gleich scharf"; vgl. dazu Brugsch, 
Bei. p. 735. Noch an einer andern Stelle c. 63 
p. 112, die von Brugsch p. 733 f. recht ge- 
waltsam mit ägyptischen Texten in Verbin- 
dung gebracht wird, läfst er durch die an 
dem Seistron angebrachten Häupter der Isis 
und Nephthys Geburt und Tod bezeichnet 
werden. Von den Neueren erklärt Le Page 
Benouf, Vorlesungen über Ursprung und Ent- 
wickelung der Religion der alten Ägypter p. 65 10 
Nephthys als Sonnenuntergang (Set als Dunkel- 
heit; Isis als Morgendämmerung, Osiris als 
Sonne); ähnlich E. A. Wallis Budge, The Book 
of the Dead . . . an English translation . . . 
London 1898 p. CI als „Abendzeit oder Dämme- 
rung". Ed. Meyer oben Bd. 2 S. 364 und Gesch. 
des alten Aeg. p. 77 Anm. 1 sieht in ihr die 
Göttin des Westhimmels. Von den Griechen 
wurde sie mit Nike (Plut. de Is. c. 12), wohl, 
wie schon Schwende (s. Georgii a. a. 0. p. 545) 20 
annimmt, auf Grund der ihr häufig beigegebenen 
Flügel (s. z. B. Simeone Levi, Le antichitä 
egiziane di Brera tav. 1, Cassa parallelepipeda, 
Faccia a) und mit Aphrodite {Plut. de Is. et 
Os. c. 12. Diod. Sic. I, 13. Anonymi Lauren- 
tiani XII deorum epitheta: Anecdota varia 
Graeca et Latina edd. Studemund et Schoell 1 
p. 269) identifiziert. Engel, Kypros 2 p. 515 
vermutet in ihr die Aphrodite 2%ozla, die 
nach Hesych. s. v. -Sxort'a ein Heiligtum in 30 
Ägypten hatte (vgl. oben Bd. 1 Sp. 1855 s. v. 
Hathor), und Brugsch, Bei. p. 732 erklärt die 
Gleichsetzung der Nephthys mit Aphrodite 
aus dem Umstände, dafs Nephthys in Diospo- 
lis parva, ihrem Geburtsorte, als Hathor ver- 
ehrt wurde. 

In den ägyptischen Denkmälern tritt sie 
uns besonders als eine funeräre Göttin ent- 
gegen. Unter anderem hat sie nach Ebers, 
Zeitschr. f.äg. Spr. 1871 p. 48 — 49, s. oben Bd. 2 40 
Sp. 526 den Fufs des Verstorbenen wieder mit 
der ihm gehörigen Sohle zu bekleiden; auch 
schützt sie die in einem der vier sog. Kanopen 
beigesetzten kleinen Eingeweide, die dem hunds- 
köpfigen Häpi geweiht sind, Wiedemann, He- 
rodot 2. Buch p. 354 u. oben Bd. 2 Sp. 471. Über 
ihre Rolle im Totenbuch s. die von Pierret, 
Le livre des morts im index alphabetigue p. 62 7 f. 
verzeichneten Kapitel. Mit seiner Übersetzung 
ist jetzt die von E. Wallis Budge, The Book 50 
of the Dead. An English translation. London 
1898 zu vergleichen. Übrigens tritt Nephthys 
als selbständige Göttin sehr zurück. Maspero, 
Etudes d'arch. et de myth. eg. 2 p. 364 be- 
zeichnet sie als „un simple doublet d'Isis sans 
existence reelle", und Wiedemann, Bei. d. alt. 
Aeg. p. 117 bemerkt, dafs sie „im Grunde nichts 
als eine Genossin der Isis ist". Aus dieser 
völligen Wesensgleichheit beider Göttinnen ist 
vielleicht der Doppelname 'Haeveq>ve r\ -nalov- m 
fiivr] £ao im Pap. mag. mus. Lugd. Bat. V 
p. VII, 24 p. 773. 807 ed. Bieterich, s. oben Bd. 2 
Sp. 441, und die Zwscpfrvg des Epiphanius 
(Opera 3, 1 p. 517 ed. Dindorf, vgl. oben Bd. 2 
Sp. 534) zu erklären. Schon in den Pyramiden- 
texten findet man beide unendlich oft neben 
einander genannt, s. Maspero, Les inscriptions 
des pyramides de Saqqarah. Paris 1894. 4°. 

Koschkk, Lexikon d. gr. u. löm. Mythol. III. 



p. 32 (Ounas 1. 236), p. 42/43 (Ounas 1. 292 f.), 
p. 64 (Ounas 1. 480), p. 65 (Ounas 1. 486. 487), 
p. 105 (Teti 1. 172), p. 106 (Teti 1. 177), p. 119 
(Teti 1. 265), p. 122/3 (Teti 1. 274. 275), p. 139 
(Teti 1. 338), p. 150 (Pepi 1 1. 8), p. 180 (Pepi I 
1. 181), p. 182/3 (Pepi I 1. 187), p. 187/8 (Pepi I 
1. 201), p. 193 (Pepi I 1. 256. 257), p. 202 (Pepi I 
1. 356), p. 226 (Pepi I 1. 604), p. 324 (Mirinri I 
1. 774), p. 325 (Mirinri I 1. 781), p.-407 (Pepi II 
1. 865), p. 417 (Pepi II 1. 949), p. 447 (Pepi II 
1. 1262). Isis und Nephthys suchen zusammen 
den Leichnam des Osiris, Firm. Mat. de 
err. prof. rel. c. 2. Als die „beiden Webe- 
rinnen" spinnen, weben und bleichen sie die 
heiligen Zeugstoffe für Osiris und den mit 
ihm identifizierten Toten, s. oben Bd. 2 Sp. 459. 
Brugsch, Hier.-Demot. Wörterbuch 5 p. 195 
s. v. ab ui. Maspero, Not. et Extr. de la Bibl. 
nat. 24, 1 p. 35. 81 und Hist. anc. 1 p. 174 
Anm. 6. Lanzone, Diz. p. 360. Als die „bei- 
den Klagefrauen" (Deve'ria, Zeitschr. f. äg. Spr. 
1870 p. 59) klagen sie oder ihre irdischen Re- 
präsentantinnen (s. oben Bd. 2 Sp. 463. v. Strauss 
u. Torney, Der altäg. Götterglaube 1 p. 128. 
Wallis Budge, Proceedings of the Soc. of Bibl. 
Arch. 9 p. 14. 19), von denen im Buche der 
Funeralia die „grofse Klagefrau" Isis, die 
„kleine Klagefrau" Nephthys vertritt (Maspero, 
Etudes de myth. et d'arch. eg. 1 p. 303. 315), 
um Osiris und seit dem mittleren Reiche um 
den zum Osiris gewordenen Toten, Erman, 
Aegypten u. äg. Leben im Altertum 1 p. 44. 
Ed. Naville, Das äg. Todtenbuch der 18. bis 
20. Dynastie. Einleitung p. 20. Tide, Geschichte 
der Religion im Altertum 1 p. 44. Dabei schla- 
gen sie zuweilen zum Zeichen ihrer Trauer ihre 
Schläfe mit einer Art Rute, und „durch das 
Eindringen der den Augen der beiden Göttin- 
nen entströmenden Thränen erhalten die Kör- 
per der unterirdischen (i. e. Verstorbenen) in- 
folge der den Zähren der Gottheiten inne- 
wohnenden belebenden Kraft neue Vitalität", 
E. v. Bergmann, Der Sarhophag des Nesschu- 
tafnut in der Sammlung ägyptischer Altertümer 
des österr. Kaiserhauses, Tirage ä part du Re- 
cueil de travaux relatifs ä la philologie et ä 
l'archeologie egyptiennes et assyriennes vol. VI 
p. 18 — 19. Unendlich häufig sieht man beide 
auf bildlichen Darstellungen an der Bahre des 
Osiris, b. z. B. Lanzone tav. 269.271,1. 273. 
278. 280. 281. 286. 287. 288. 289. Noch auf den 
s. g. gD ostischen Gemmen sehen wir sie den 
Osiris auf seiner Bahre liegend oder den Osiris 
als Mumie mit ihren Flügeln schützend, s. oben 
Bd. 2 Sp. 464. Der dort erwähnte Stein, Tölkcn 
p. 18, 1, 2, 49, wird auch verzeichnet im Aus- 
führlichen Verzeichnis der äg. Altertümer, Gyps- 
abgüsse u. Papyrus. Berlin 1894. p. 293 nr. 9833 
(„Osiris als Mumie zwischen Isis und Nephthys, 
darunter ein Käfer"). Die beiden Göttinnen 
und Osiris sind sicher auch zu erkennen in 
den „Deux femmes portant des ailes avec les- 
quelles elles eouvrent une figure symbolique qui 
est mitre'e" bei J. J. Dubois, Description des 
pierres grave'es . . . qui composaient la collection 
de feu M. Grivaud de la Vineelle. Paris 1820 
p. 69 nr. 425. Nicht selten ist Osiris zwischen 
Isis und Nephthys dargestellt in Gestalt des 

7 



195 Nephthys Nephthys 196 

Tat, eines Holzpfeilers, der den Gott von Busiris und vierMessser erheben, angebracht ist; eine 
(Maspero, Hist. anc. 1 p. 84 Anm 3. Erman, andere Darstellung ebenda zeigt Isis undNeph- 
Aegypten 2 p. 352. 378) repräsentiert. Solche tbys mit den Flügeln eine Sonnenscheibe mit 
Darstellungen zeigen uns die Mumienhülle der zwölf Widderköpfen schützend. Um den An- 
Frau Tent-amon, Ausführt. Verz. p. 163 nr. 7325 ; bruch des Tages darzustellen verwandte man 
die Maske einer Mumie, auf welcher der Pfahl die beiden Göttinnen eine auf das Zeichen 
mit Menschenkopf und Schlangen versehen des Ostens , gestellte Sonnenscheibe haltend, 
ist, Ausführt. Verz. p. 264 nr. 11049, die Toten- Maspero, Etudes de myth. et d'arch. egypt. 2 
bahre für die Kinder Apollonios und Zizoi, an p. 129; vgl. für Darstellungen der die Sonnen- 
weicher der Pfahl mit Kopf und Kleid aus- 10 scheibe haltenden Göttinnen .Brw</sc7s, Bel.j). 137. 
gestattet ist, Ausführt. Vers. p. 284 nr. 12441 -; Erman, EM. Verz. p. 189 f. nr. 49 (Steinsarg 
vgl. auch die Porzellanplättch ender Museen von des Ze-hap-emon: „Die Sonne geht aus den 
Marseille und Boulaq, Maspero, Gatalogue du Armen des Himmelsgewässers Nun hervor; Isis 
musee egyptien de Marseille p. 164 nr. 678. und Nephthys halten sie.") In der von Lepsius 
Maspero, Guide du visiteur au musee de Boulaq als cap. 16 bezeichneten Scene des_ Totenbuchs, 
p. 280 f. ^ub nr. 4223. Eine Darstellung von welche streng genommen nur eine Vignette 
Dakke aus römischer Zeit zeigt eine von zum Hymnus an die aufgehende Sonne ist, 
Isis und Nephthys getragene Schreibpalette. sehen wir im Papyrus des Ani „die Sonnen- 
Pietschmann, Der Verstorbene als Schreibpalette scheibe gestützt von einem paar Armen, welche 
und die Schreibpalette als Osiris, Aegyptiaca. 20 hervorgehen aus dem Zeichen des Lebens; 
Festschrift für Georg Ebers [p. 82 — 88] p. 87 dieses wird seinerseits getragen von dem Pfeiler, 
erklärt darin , im Zusammenhang mit seiner welcher den Baumstumpf symbolisiert, der den 
Deutung des cap. 94 des Totenbuchs, die Schreib- Leichnam des Osiris enthielt. Dieser Pfeiler 
palette für gleichwertig mit Osiris. Nicht ruht auf dem Horizont. Auf jeder Seite von 
selten erscheint auch der Reliquienbebälter ihm befinden sich drei Affen, Sinnbilder der 
von Abydos „ein Kasten auf einem Pfahl, mit Geister des Tagesanbruchs, die Sonnenscheibe 
Federn geschmückt, in dem das Haupt des anbetend; zur Rechten befindet sich die Göttin 
Osiris bestattet ist" {Erman), zwischen Isis Nephthys; zur Linken die Göttin Isis; Nephthys 
und Nephthys, so auf dem Sarg der Sängerin kniet auf dem- Symbol des Sonnenuntergangs, 
des Amon Ten-hert, Ausfuhrt. Verz. p. 132 so und Isis auf dem Symbol des Sonnenaufgangs, 
nr. 28, und auf der Mumienhülle der Frau Über der ganzen Scene befindet sich das 
Tent-Amon, Ausfuhrt. Verz. p. 163 nr. 7325. Himmelsgewölbe. Im Papyrus des Hu-nefer 
In einer Abbildung bei Lanzone, Diz. p. 812 ist der Pfeiler mit menschlichen Armen und 
sieht man die beiden Göttinnen auf diesem Händen versehen, welche Krummstab und 
Reliquienkasten als aufgerichtete CJräen mit Geifsel, die Embleme des Königtums und der 
ihren Ideogrammen auf dem Haupt dargestellt. Herrschaft des Osiris, halten, und die beiden 
Nach Erman, Ausführt. Verz. p. 294 f. ist dieser Göttinnen sind in aufrechter Stellung; eine 
Reliquienschrein auch zu erkennen in dem oben sagt: 'Ich bin deine Schwester Nephthys' und 
Bd. 2 Sp.465 besprochenen rätselhaften Gegen- die andere: 'Ich bin deine Schwester Isis, die 
stand auf den sogenannten gnostischen Gern- 40 göttliche Mutter'. Die Sonne ist versinnbild- 
men , für dessen Verbindung mit Isis und licht durch einen Sperber mit einer von einem 
Nephthys Sp. 466 Beispiele angeführt worden Uräus umwundenen Scheibe auf dem Haupt, 
sind: Nr. 11916 in der Sammlung ägyptischer Die Affen sind hier 7 an der Zahl, 4 stehen 
Altertümer zu Berlin wird von Erman a. a. 0. vorn, 3 hinten; über der ganzen Scene ist 
beschrieben als „Der Reliquienkasten des Osiris das Himmelsgewölbe. Manche Papyri haben 
. . . von Isis und Nephthys mit den Flügeln auch Vignetten , welche die Hymnen an die 
beschützt, auf dem Kasten die löwenköpfige untergehende Sonne illustrieren. In diesem 
Schlange Chnuphis, als Rand Schlange die Falle steht der Sperber gewöhnlich auf dem 
sich in den Schwanz beifst". Ein stark ab- Zeichen des Westens, während Affen und Götter 
gegriffenes Exemplar verzeichnet, ohne des 50 ihn anbeten. Im Papyrus des Qenna knieen 
Kastens Erwähnung zu thun, Edmond Le Blant, rechts drei »perberköpfige Götter in Anbetung 
750 inscriptions de pierres gravees inedites ou mit erhobenen linken Armen, links drei schakal- 
peu connues {Extr. des Mem. de l'Ac. des inscr. köpfige Götter mit erhobenen rechten Armen 
et b.—l. tome 36, l re partie). Pari» 1896. 4° adorierend. Unten sitzen zwei löwenköpfige 
p. 93 f. nr. 237. Ein Holzsarg in Bologna zeigt Götter mit Scheiben auf den Häuptern, Rücken 
zwischen den beiden Göttinnen den Vogel an Rücken; sie versinnbildlichen Tagesanbruch 
Bennu, Cataloghi del museo civico di Bologna und Abendzeit. Die Göttin Isis kniet in An- 
p. 35 nr. 1020. Auf Basreliefs sehen wir den betung vor dem Löwen des Tagesanbruchs 
toten Apis auf einer Barke, an deren beiden und die Göttin Nephthyg vor dem Löwen der 
Enden Isis und Nephthys um ihn klagen, 60 Abendzeit", E. A. Wallis Budge, The Book of 
Ausführt. Verz. der äg. Altert, p. 271 nr. 7494. the Dead. An English Translation p. 45. 46, 
G. Maspero , Guide du visiteur au musee de vgl. auch Le Page Eenouf, Proceedings of the 
Boulaq p. 178 nr. 2434. Auf einer Abbildung Society of BiblicalArchaeologyU p.28. Auf den 
bei Lanzone p. 754 tav. 143, 1—3 halten die Pektoralia ist gewöhnlich abgebildet auf einer 
beiden Göttinnen eine grofse Sonnenscheibe, Barke der Scarabäus, welcher Chepra, die sich 
in welcher ein Widderkopf mit zwei nach jeden Morgen neu bildende Sonne, darstellt, 
unten gebogenen und zwei wagerecht laufen- angebetet von Isis und Nephthys, unter derer» 
den Hörnern, auf denen sich die Sonnenscheibe Schutz er gefahrlos die Stunden der Nacht 



197 Nephthys Nephthys 198 

hingebracht hat, Maspero, Guide du visiteur Julian und Helena mit den Attributen dieser 

au musee de Boulaq p. 234. p. 235 nr. 4328. Gottheiten, Baronius, Annäles politico-eccle- 

Gölenischeff, Ermitage Imperial, Inventaire de siastici tom. 4. Col. Agripp. 1609. 2°. Sp. 20 

la coli, e'gyptienne 1891 p. 321 nr. 2264. Cata- („acceptum ä Philippo Vignio Louaniensi"). 

loghi del museo eivico di Bologna p. 51 nr.2828 de Witte, Vente de la Coli. Gosselin, "Revue 

— 2830. p. 62 nr. 2832. E. Bitter v. Bergmann, num. 1864 p. 161 nr. 1378 („Deux personnages 

Verzeichnis der ägyptischen Altertümer des Je. Je. coiffes d'une peau d'elephant et tenänt des en- 

Münz- u. Antiken-Cabinetes. Wien 1876 p. 21. seignes"); mit dem Obv. DEO SARAPIDI und 

Beide Göttinnen stehen einander gegenüber den gleichen Brustbildern', Banduri 2 p. 437 

auf den Darstellungen der über Qeb gebeugten 10 (Cab. Fradet). Cohen 8 2 p. 66 nr. 10 (Cab. de 

Himmelsgöttin Nut, Lanzone p. 403 tav. 155, 2. France), nr. 11 (Cab. Rollm). Memorie numis- 

Wieder andere Darstellungen zeigen beide in matiche publ. da D. D. Müller 2 d * ediz. Paris 

der Sykomore, Maspero, Hist. anc. 1 p. 84 1853. 4° p. 32 („Due donne in atto di suonare 

Anm. 1 nach Bochemonteix , Edfou pl. 29 a. i sistri e sollevare il manto come in segno di 

Auf einem Eimer zu Wasserspenden für die acclamazione. Hanno in testa scopi o piuttosto 

Tochter eines Amonspriesters spenden Isis und pelli d'elefanti. Questa medaglia mal descritta 

Nephthys der Verschiedenen hinter Bäumen dal Bandurio credo che rappresenti le due 

Wasser mit den Worten: „Du empfängst dieses Afriche in atto di far voti per V Imperatore" ) ; 

Wasser, du empfängst diese Kühlung, durch aus Coli. Greau (Cat. nr. 4587) beschrieben 

welche du lebst", Ausführt. Yen. der äg. Altert. 20 von Froehner, Choix de monnaies anciennes, 

p. 220 nr. 4376. Zahlreiche Porzellangruppen Paris 1869. p. 48 nr. 80, PI. 13 („Deux pretresses 

stellen den Harpokrates dar, stehend zwischen drape'es et coiffe'es d'aspics agitent des sistres 

Isis und Nephthys, Lanzone, Diz. p. 841, tav. en relevant leurs manteaux de faron ä ce qu'ils 

312, 3. Pierret, Le Pantheon Egyptien p. 59. forment une espece de rideau") und von A. de 

Maspero, Cat. du musee e'g. de Marseille p. 145 Beifort, Becherches des mann. imp. rom. non 

nr. 672 — 680. Golenischeff, Ermitage Imp., Inv. decrites dans Touvrage de Cohen, Annuaire de 

de la coli. eg. p. 53 nr. 464 — 471. Museo archeo- la soc. fraw;. de num. 14 (1890) p. 112 nr. 12 

logico di Firenze. Antichitä egizie Ordinate e („Deux femmes debout, avec des serpents sur 

descritte da Ernesto Schiaparelli. (Parte prima.) la tete, bälancant leurs vetements et tenant cha- 

Roma 1887. 4°. p. 79 f. nr. 603 — 614. Coli, de M. so eune un poignard et un sistre"). Auch die 

Gustave Posno: Antiquites e'g. greco-rom. et rom. Münze der Helena bei Cohen 8 S p. 73 nr. 42 

Paris 1883 p. 84 nr. 356. Eine Bronzefigur des („ISIS FARIA, Büste d'Isis ä gauche ä mi-corps 

Harpokrates auf dem Thron zeigt auf den avec la fleur du lotus sur la tete tenant le sistre. 

Seitenlehnen Isis und Nephthys mit ausge- Rev. VOTA PVBLICA. Deux divinites afri- 

breiteten Flügeln, Ausführt Verz. der äg. Alt. caines? debout, tenant une statue") stellt mög- 

p. 213 nr. 2388. Beide' Göttinnen umgeben licherweise diesen Typus dar. 

auch den Horos auf den Krokodilen, Coli, de Auch in den Zauberpapyri finden sich 

M. Gust. Posno p. 88 nr. 375. C. Leemans, Isis und Nephthys sehr oft zusammen genannt. 

Descript. rais. des monuments egyptiens du In einer Formel des Papyrus magique Harris 

musee d' antiquites des Pays-Bas ä Leide. Leide 40 sagt der Beschwörer, um sich das Heil in jeder 

1840 p. 5 nr. 186. 187; desgleichen den Ptah- Weise und Schutz vor wilden Tieren zu sichern: 

Sokar-Osiris auf den Krokodilen, Pierret, Le „Es rufe für mich Isis, meine gute Mutter, 

Pantheon Egyptien p. 72. E. Allemant, Coli. Nephthys, meine Schwester; es bleibe das Heil 

d' antiquites egyptiennes. Londres (1878) p. 63 mir im Süden, im Norden, im Westen, im 

nr. 396 — 399. Und so liefsen sich noch viele Osten; es schliefse sich der Mund der Löwen 

Darstellungen anführen, auf denen beständig und der Hyänen, das Haupt aller Tiere mit 

Isis und Nephthys mit einander dargestellt langem Schwanz, die sich von Fleisch nähren 

sind. Noch auf dem Revers der Vota-Publica- und Blut trinken", F. Chabas, Le papyrus 

Münzen Julians des Apostaten und seiner Ge- magique Harris. Chalons-sur-Saone 1860. 4° 

mahlin Helena kommen Isis und Nephthys, 50 p. 123. Bei W. Pleyte, Etüde sur un rouleau 

und zwar geflügelt, einander gegenüberstehend magique du musee de Leide heifst es p. 69 f. 

vor, ein Typus, der von den Numismatikern 78 f. in einer Zauberformel, in der die einzelnen 

nicht verstanden worden ist und zu seltsamen Glieder, um sie vor Krankheit zu schützen, 

Beschreibungen geführt hat. Die Münzen finden mit denen der Götter verglichen werden: ,, Seine 

sich mit dem Obv. D. N. FL. CL. IVLIANVS Oberlippe ist wie die der Isis, seine Unter- 

P. F. AVG, Brustbild des Kaisers mit Diadem lippe wie die der Nephthys; . . . seine Beine 

und Kürafs r. h., Cohen, Medailles imp. 8 2 wie die der Isis und Nephthys". Ebenda p. 50 

p. 60 nr. 129 („Deux femmes debout en face — 54 erklärt in einer Formel gegen Kopf- 

l'une de l'autre ayant des serpents sur la tete schmerz der Beschwörer: „Die Mutter Isis und 

[deux fwries?], bälancant leurs vetements et flo ihre Schwester Nephthys schützen mich. Sie 

tenant chaeune un poignard [plutot une fleur gaben mir das Haupt"; auch p. 121. 123 

de lotus) et peut-etre aussi un sistre") nach kommen beide Göttinnen in einer ziemlich 

Bamuft, Cat. num. Gr. et Lat. Mus. Beg. Daniae 2 dunkeln Beschwörung des Kopfschmerzes neben 

p. 294 nr. 35; vgl. Banduri 2 p. 440; mit dem einander vor; p. 128—132 beginnt eine Krank- 

Obv. DEO SARAPIDI, Brustbild des Kaisers, heitsbeschwörungmitdenWorten:„Anrufungen, 

Cohen 8 a p. 60 nr. 130 nach Banduri 2 p. 437 Schmerzensschreie werden gerichtet an Isis, 

(Cab. Fontaine); mit dem Obv. DEO SERAPID I ich rief zu Nephthys. Seb, der Vater der 
Brustbilder von Sarapis und Isis oder von Götter, ist erwacht bei dem Schrei an Neph- 

7* 



199 Nephthys Nephthys 200 

thys." Ein „anderes Kapitel zu zerstören die Nephthys." Nach E.Lefebure,Sur unsylläbique, 

Entzündungen im Bauche" (p. 128 — 138), in Reprinted front the Proceedings of the Society of 

welchem sich der Beschwörer mit Horos iden- Biblical Archaeology, June, 1886 p. 6 soll im 

tifiziert, fängt an: „Komm zu mir, Mutter Isis, „Buche von dem was ist in der anderen Welt" 

mit der Schwester Nephthys." Noch in einem in der ersten Abteilung eine Nephthys mit 

koptischen Zaubertext später Zeit werden beide dem Namen „die wilde Ziege" vorkommen, 

in einer Formel gegen Schlaflosigkeit neben Indessen Maspero , der Etudes de mythol. et 

einander genannt: „Denn es ist Isis und es ist d'arch. egypt. 2 p. 40 f. wohl dieselbe Göttin 



Nephthys, diese beiden Schwestern, die be- im Auge hat, bezeichnet sie als „une 
trübt sind und die traurig sind, die herab . . . . 10 stellaire, Artit, la chevre". Aus der Pflanzen- 
unter Himmel und Erde, die in der Flut sind. weit wird in Beziehung zu Nephthys die Minze 

Denn Horus, der Sohn der Isis, hat ein gesetzt. In einem magischen Papyrus des 

Leiden die Sonne hat .... in der British Museum, dessen Anfang die Entstehung 

Mitte des Himmels .... der Mond hat .... in verschiedener Pflanzen aus den Thränen und 
der Mitte des Himmels. Es ist Isis und es anderen Flüssigkeiten der Götter aufzählt, 
ist Nephthys, die beiden Schwestern, die be- heilst es von Nephthys nach Birch's Über- 
trübt sind und traurig sind, die in der Fluth setzung: „Quand Nephthys est tres-faible sa 
sind etc.", Ad. Erman, Heidnisches bei den transpiration coule et se change en menthe", 
Kopten, Zeitschr. f. ägypt. Sprache 33 (1895) Birch, Sur un papyrus magique du Musee Bri- 
p. 50 f. 20 tannique, Revue arch. n. s. 7. 1863 [p. 118 ff.] 
Von Tieren, deren Gestalt Nephthys an- p. 121. Lefebure, Le mythe Osirien. 1. Les yeux 
nimmt, wurde der Schlange bereits in diesem d'Horus. Paris 1874. 4° p. 124. 
Artikel gedacht; vgl. auch oben Bd. 2 Sp. 463. n Die Kultusstätten der Nephthys in 
536. Im „Buche von dem was ist in der anderen Ägypten verzeichnet Lanzone, Diz. p. 362 — 363. 
Welt" sind Isis und Nephthys als zwei Uräen Für ihre Verehrung aufserhalb Ägyptens läfst 
dargestellt auf dem Vorderteil der Sonnen- sich sehr wenig anführen. Am häufigsten noch 
barke bei der Fahrt durch die Unterwelt in erscheint sie auf phönikischen Kunstdenkmälern, 
der zweiten Nachtstunde, Maspero, Etudes de So will sie Colonna Ceccaldi erkennen auf der 
myth. et d'arch. egypt. 2 p. 47. G. Jequier, Schale von Amathus (Rev. arch. n. s. 31. 1876, 
Le livre de ce qu'tl y a dans l'Hades (Bibl. so PI. 1 p. 31) in der geflügelten Göttin mit der 
de l'ecole des hautes etudes. Sciences philol. Sonnenscheibe zwischen Hörnern auf dem 
et hist. 97. fasc.) Paris 1894 p. 48. Bei Lanzone, Haupte, welche den vor ihr stehenden Horos 
Diz. p. 367 sehen wir Nephthys als Uräus mit schützt, während als Gegenstück Isis mit dem 
menschlichem Antlitz, ihr Ideogramm auf dem Throne auf dem Haupte die Flügel über Har- 
Haupte, auf einer kleinen Kapelle sich er- pokrates auf der Lotosblume breitet. Doch 
hebend. Auch in Vogelgestalt wurde Nephthys ist es nicht ausgeschlossen, dafB, wie A. Du- 
wie Isis gedacht. In den Texten der Pyramide mont et J. Chaplain, Les ceramiques de la Grece 
PepislI. Zeile 1262. 1263 heifst es nach .M asperos propre, tome 1. Paris 1888. 4° p. 119 nr. 33 
(Les inscriptions des pyramides de Saqqarah frageweise annehmen, beide Mal Isis wieder- 
p. 447) Übersetzung: „Isis kommt und es kommt 40 gegeben werden soll. Phönikische Gemmen 
Nephthys , die eine von beiden zur Rechten, zeigen Harpokrates auf der Lotosblume sitzend, 
die andere von beiden zur Linken, die eine von Isis und Nephthys mit ausgebreiteten 
von beiden in Gestalt einer Bachstelze [?], die Flügeln beschützt, s. E. Babelon, La gravure 
andere von beiden in Gestalt einer Taube". en pierres fines camees et intailles p. 68 fig. 39. 
In der Vignette zum 17. Kapitel des Toten- J.Henry Middleton, The engraved gems ofclassi- 
buchs sehen wir im Papyrus des Ani PI. 7. VI cal times . . . Cambridge 1891 p. 14 fig. 13, der 
Isis und Nephthys in Gestalt von Sperbern zu die Göttinnen irrig als „two winged Cherubim 
Häupten und Füfsen des auf einer Bahre in of Assgrian style" bezeichnet. A. de la Mar- 
einer Totenkapelle ruhenden Toten, E. Wallis mora, Sopra alcune antichitä sarde Tav. A nr. 
Budge, The Book of the Dead . . . an English 50 41. 45 ; vgl. auch den Scarabäus von Tharros 
translation p. 47; vgl. Lanzone, Diz. p. 364, in A Catalogue of engraved gems in the Bri- 
tav. 143, 4. In menschlicher Gestalt aber mit tish Museum. London 1888 p. 56 nr. 210 „Har- 
dem Kopfe des Ibis, des heiligen Vogels des pocrates seated on a lotus flower to l., holding 
Thoth, finden wir sie bei Lanzone, Diz. p. 364, flute, and having finger on his mouth; Isis in form 
tav. 143, 5. In der Vignette zum 17. Kapitel of a vulture, Stands on one side, and Nephthys, 
des Totenbuchs findet man im Papyrus des also in form ofa vulture, Stands oniheother .. .", 
Ani PI. 10. IV zwei Affen dargestellt, E. Wallis wo aber in den Geiern vielleicht eher Necheb 
Budge a. a. 0. p. 48. Der Text des Kap. 17 und Utit zu erkennen sind; sowie den Scarabäoid 
1. 117ff. bezeichnet sie als „die Wächter, welche von Kurion bei L. Palma di Cesnola, Cypern. 
den Urteilsspruch abgeben, welche eingesetzt 60 Jena 1879, Taf. 80, 9, auf dem ich ( Wochenschr. 
worden sind von dem Gott Neb-er-tcher ihn für Mass. Philol. 1896 Sp. 1366 f.) Horus und 
zu beschützen, zu befestigen die Fesseln an Set mit einander kämpfend, beschützt von Isis 
den Feinden, und welche schlachten an den und Nephthys oder Utit und Necheb in Ge- 
Schlachtbänken, vor deren Griff es kein Ent- stalt zweier geflügelter Uräen zu erkennen 
rinnen giebt", E. Wallis Budge a. a. 0. p. 57; glaube. Oben Bd. 2 Sp. 896 wurden Münzen 
und die Erklärung dazu 1. 123. 124 p. 58 sagt: mit phönikischer Aufschrift verzeichnet, welche 
„Was die Wächter betrifft, welche den Urteils- Osiris zwischen zwei weiblichen Gottheiten^ 
sprach abgeben, so sind es die Affen Isis und darstellen. Albert Mayr, Die antiken Münzen 



201 Neptunis Neptunus 202 

der Inseln Malta, Goeo und Pantettaria. Pro- feriae), der Gott gehörte also zum ältesten 
gramm des K. Wilhelms Gymnasiums in Mün- römischen Götterkreise; doch ist seine Ursprüng- 
en für 1893/94. München 1894. 8° p. 12—15 liehe Bedeutung durch frühzeitige Gleich- 
zeigt,dafs diese unter römischer Herrschaft (nach Setzung mit dem griechischen Poseidon so 
218 v. Chr.) geprägten Stücke nicht, wie man gründlich verwischt worden, dafs die alte Auf- 
annahm, Gaulos, sondern Melite zuzuweisen fassung des Gottes kaum in schwachen um- 
sind. Er beschreibt p. 8 f. nr. 2 und p. 18 den rissen zu erkennen ist. Der Name, eine adjek- 
Reverstypus als „Gruppe von drei ägyptischen tivische Bildung von einem SubBtantivstamme 
Gottheiten: in der Mitte die ösirismumie in neptu- (vgl. Portunus, tribunus, For- 
aufrechter Stellung, 1. h. blickend, mit der 10 tuna), läfst keine sichere Deutung zu; die 
Krone auf dem Haupte, Krummstab und Geifsel etymologischen Versuche der Alten (Neptunus 
in den an die Brust angelegten Händen hal- quod mare terras obnubit ut nubes caelum, ab 
tend; zu beiden Seiten stehen ihr zugewandt nuptu, id est opertione, Varro de l. I. 5, 72, 
zwei weibliche Gottheiten mit engem bis zu vgl. Arnob. 3, 81; Neptunus a nando paulum 
den Füfsen reichendem Gewände und abwärts primis litteris immutatis, Cie. nat. deor. 2, 66 
gesenkten Flügeln; auf dem Kopfe tragen sie = Firm. Mat. err. prof. rel. 17, 2) verdienen 
die Sonnenscheibe zwischen zwei Hörnern, nicht ernst genommen zu werden; dafs er im 
während sie in den Händen einen Palmzweig Kulte als Neptunus pater angerufen wird 
und einen andern unbestimmten Gegenstand (so in den Arvalakten C. I. L. 6, 2074, 1, 65 
der Mittelfigur entgegen halten". Mit Recht 20 und in der Weihinschrift des Catius Sabinus 
erkennt er in den beiden weiblichen Gestalten C. I. L. 14, 1 = Buecheler, Anthol. epigr. 251, 6), 
Isis und^Nephthys. Nicht Werke phönikischer lehrt uns nichts Neues, da das Beiwort pater 
Kunst, welche den ägyptischen Stil nachahmen, allen Göttern der alten Religionsordnung zu- 
sondern reine Erzeugnisse der ägyptischen kommt (vgl. Gell. 5, 12, 5 und das Lucilius- 
Kunst sind das Nephthysfigürchen aus blauem fragment 8 Baehr. bei Lact. inst. 4, 3, 12). 
Stein, welches zusammen mit einem Porzellan- Das Fest fällt in den Hochsommer und scheint 
figürchen des Amset und dem Symbol Ded in einem inneren Zusammenhange mit dem 
am Fufse des Monte Cavo gefunden wurde, unmittelbar vorangehenden Feste der Lucaria 
Ad. Erman, Antieaglie di Stile egizio, trovate (19. und 21. Juli) zu stehen: denn zwischen 
a' piedi del Monte Cavo, Bull. delV Inst, di so dem ersten Tage der Lucaria (19. Juli) und 
corr. areh. 1885 p. 182—183, sowie eine von den Neptunalia (23. Juli) liegt der Zwischen- 
Thera stammende Porzellangruppe des Ptah- räum von 5 Tagen, der in der römischen Fest- 
Sokar-Osiris auf zwei Krokodilen, den zu beiden Ordnung zusammengehörige Festtage zu trennen 
Seiten Isis und Nephthys umgeben, während pflegt, und die 3 Feriae am 19., 21., 23. Juli, 
hinter ihm Isis mit einer Scheibe auf dem von denen die beiden ersten den Lucaria, der 
Haupt ihn mit beiden Flügeln schützt, Goleni- dritte den Neptunalia zugehören, stehen ganz 
scheff, Ermitage Imperial, Inventaire de la coli. ebenso neben einander, wie die drei Tage der 
egyptienne 1891 p. 365 nr. 2454. Inschriftlich Lemuria am 9 , 11., 13. Mai (vgl. Wissowa, 
begegnet Nephthys in einem etwa dem 1. nach- De feriis anni Bom. vetust., Marpurgi 1891 
christlichen Jahrhundert angehörenden athe- 40 p. X). Auch im Festbrauche zeigt sich ein 
msehen Opferverzeichnis, C. I. Gr. 1 nr. 523. Berührungspunkt: wie die Lucaria ihren Na- 
C. I. Att. 3 nr. 77. Joannes de Prott, Fasti men davon haben, dafs sie in einem Haine 
Graecorum sacri. Pars 1. Lipsiae 1893 nr. 3 (zwischen der via Salaria und dem Tiber) ge- 
p. 9—15. ^ Es heilst dort Zeile 4 ff. BoriSgo- feiert werden (Paul. p. 119), so baut man an 
uiätog yC Nicp&vC xai. 'OaiQiS[i\ ätfKtqvöva den Neptunalia Laubhütten, umbrae genannt 
xctQinöe8ig cneiQCDV nvQ[ovg\ %al *Qi»äg, eitiv- (Paul. p. 377 umbrae vocantur Neptunalibus 
Smv peliiiQUTov, was nach Paul Stengel, Her- casae frondeae pro tabernaculis), vergleichbar 
mes 27 p. 160—162 und v. Prott p. Uff. zu den eniddi-g der (ebenfalls in den Hochsommer 
übersetzen ist: „Der Nephthys und dem Osiris fallenden) spartanischen Kameen (Athen. 4, 
sollst du einen Hahn ganz verbrennen, [dabei] 50 141 F und S. Wide, oben Bd. 2 Sp. 962; über 
Weizen und Gerste [auf den Altar] streuend öäjjiW bei griechischen Festen vgl. J. Toepffer, 
[und] Melikraton spendend". Die Inschrift be- Mitteil. d. ath. Inst. 14 (1891), 413 ff. = Beitr. 
zieht sich, wie v. Prott p. 14 f. nach Prellers z. griech. Altertumwiss. S. 208). Am nächsten 
(Pauly's B.-E. 3 p. 97) Vorgang zeigt, auf liegt es, den Anlafs zu diesen Festen in dem 
einen Pnyatkult. [Drexler.] Gedankenkreise zu suchen, in dem sich die 
•Neptunis (Nemovvig nicht Nsitovvig, wie Hoffnungen und Befürchtungen des Landmannes 
Scheer auf Grund der maßgebenden Lyhophron- in der Zeit der gröfsten Hitze, kurz vor der 
handschriften und der Schol. Marc, festgestellt Ernte bewegen, und da Neptunus bei allen 
hat), Beiname der Amazone Hippolyte, Lykophr. Wandlungen , die sein Wesen durchgemacht 
1332, wonach dann auch die übrigen Amazonen 60 hat, doch nie die Beziehung zum feuchten 
Nemovvideg genannt wurden, Schol. Marc. u. Elemente in allen seinen Erscheinungsformen 
Tzetz. z. d. St. Sie erhielten wohl diesen Bei- verleugnet, so mag mit aller Reserve hier die 
namen mit Rücksicht auf den Iloasidcöv taitiog Vermutung ausgesprochen werden dafs der 
als Reiterinnen. [Wagner.] Kult der Gottheit galt, die übermäßiger 
Neptunus. Der altrömische Festkalender Trockenheit zu wehren und insbesondere das 
verzeichnete am 23. Juli das Fest der Neptu- Versiegen der Quellen und Wasserläufe zu 
naha (C. I. L. P p. 323; vgl. Varro de l. I. verhüten die Obliegenheit hatte. Jedenfalls 
6, 19 Neptunalia a Neptuno, eius enim dei darf als völlig sicher gelten, dafs der alt- 



203 Neptunus Neptunus 204 

römische Neptunus mit dem Meere nichts zu ziehung des Poseidonfrieses der Münchener 

thun hatte. Mit Neptunus wurde im alten Glyptothek auf dieses Kunstwerk vgl. H.Brunn, 

Kultus als seine Genossin Salacia Neptuni Sitz.-Ber.d.Münch. Äkad. 1876, 342 ff. A.Furt- 

tVarro de l. I. 5, 72. Gell. 13, 23, 2) verbunden, wängler, Intermezzi, Leipz. und Berlin 1896 

aber von ihrem Wesen und Wirken war den S. 35 ff.), so hat man das so zu fassen, dafs 

Alten ebensowenig etwas Sicheres bekannt, Cn. Domitius Ahenobarbus Cos. 722 = 32 den 

wie von dem der in den gleichen Kultkreis Tempel erneuerte und mit dem geschilderten 

gehörigen Göttin Venilia (s. d. Art.); als die Kunstwerke schmückte. Den Stiftungstag 

Gleichsetzung von Neptunus und Poseidon dieses Tempels verzeichnen die Hemerologieen 

vollzogen war, brachte man den Namen Sa- 10 am 1. Dezember {CLL. I 2 p. 335: Neptuno 

lacia mit salum zusammen (von salum Pietati ad circ(um) Flamin(ium), fast. Annt., 

eiere Paul. p. 327, vgl. Varro de l. I. 6, 72 vgl. Neptuno auf einem neugefundenen Ka- 

und mehr im Artikel Salacia) und identifi- lenderbruchstück, Notiz, d. seavi 1895, 230, 

zierte sie mit Amphitrite. und Lyd. de mens. frg. Caseol. p. 117, 12 Bekk. 

Der griechische Poseidon tritt in Rom unter xarä <?! xr\v vsofir}viav xov pjvos — des 

dem Namen Neptunus zum ersten Male auf Dezembers — äni %ovxsq XQÜ/ißris tooxto JTo- 

bei dem ersten Lectisternium im J. 355 d. St. oeidüvi %al 'AcpQoäitrj »tai 'Afi.<pi.xQCzrj, wo 

= 399 v. Chr. (Liv. 5, 13, 6. Bion. Hai. 12, 9) : mit den beiden letzten Namen Venilia und 

die anerkanntermaßen griechische Herkunft Salacia gemeint sind, vgl. diese Artikel). Nach 
dieser Caerimonie und die Götter, in deren 20 der ansprechenden Vermutung von F. Aust 

Gesellschaft Neptunus hier erscheint (Apollo, (De aedib. sacris pop. Born. p. 42) war dies 

Latona, Hercules, Diana, Mercurius), lassen der natalis des von Cn. Domitius restau- 

keinen Zweifel daran aufkommen, dafs es sich rierten Tempels, während der ursprüngliche 

hier um den griechischen Gott handelt; aus Stiftungstag mit den Neptunalia zusammen- 

der unmittelbaren Paarung mit Mercurius (noch fiel; einen aedituus aedis Neptuni quae est 

in dem pompejanischen Zwölfgötterbilde, Hei- in circo Flaminßo) aus der Kaiserzeit nennt 

big,Wandgem. nr. 7, stehen Neptun und Mer- die Inschrift C. I. L. 6, 8234. Verschieden 

kur neben einander) darf man vielleicht schlie- davon ist ein Tempel des Neptunus in camp o, 

fsen, dafs Poseidon-Neptunus ebenso im Gefolge der seinen Stiftungstag am 23. September 
überseeischer Handelsbeziehungen in Eom 30 feierte {C. L L. I 2 p. 330: Marti Neptuno %n 

Eingang gefunden hat, wie Demeter-Ceres im campo, fast. Arval.), wahrscheinlich identisch 

Anschlufs an den unteritalisch- sicilischen Ge- mit dem vonAgrippa zur Feier seiner Seesiege 

treidehandel. Über die Herkunft des Kultes 729 = 25 im Marsl'elde erbauten üoeuSdviov 

giebt es keine Überlieferung; doch liegt die {Cass. Bio 53, 27. 66, 24; vgl. B. Lanciani, 

Vermutung nahe, dafs der hochberühmte Po- Annali d. Inst. 1883, 8). Von den Kultformen 

seidonkult von Tarent {colonia Neptunia, Vell. des hellenisierten Neptunus erfahren wir nichts, 

Pat. 1, 15, 4; vgl. Hör. c. 1, 28, 29 Neptuno- bei dem grol'sen Zwölfgötter-Lectisternium des 

que'sacri custode Tarentt) der Ausgangspunkt J. 537 = 217 ist er auf Grund der griechischen 

gewesen ist; sonst könnte etwa noch Posei- Sagen mit Minerva-Athene zu einem Paare 
donia-Paestum in Betracht kommen. Da die 40 verbunden {Liv. 22, 10, 9), eine Gruppierung, 

übrigen bei jenem ersten Lectisternium ver- die sich vereinzelt auch auf Inschriften findet 

tretenen griechischen Götter sämtlich bereits (C. I. L. 7, 11 [NJeptuno et Minervae templum 

in den römischen Staatskult reeipiert sind und [prjo salute dvfmus] divinae . . . [collejgium 

es auch in der Natur der Sache liegt, dafs zu fabror(um) et qui in eo [.... .] d(e) s(uo) d(ant) 

einer solchen Götterbewirtung nur solche Gott- u. s. w.; vgl. auch C. I. L. 3, 4363 = 11079 

heiten eingeladen werden können, die in Rom I. 0. M. lunoni regin(ae) Minervae Neptuno 

schon ihr Domizil haben, so mufs die staat- LibefroJ patrfi] Dianae ceterisq(ue) dibus 

liehe Anerkennung des griechischen Poseidon- templum vetust[atej eonlapsum faciundum 

dienstes bereits vor 865 — 399 erfolgt sein. cur(avit) u. s. w.). Wo uns die Verehrung 
Doch erfahren wir davon nichts. Erst im 60 des Gottes von Staatswegen in einzelnen 

J. 548 d. St. — 206 v. Chr. hören wir ganz Akten entgegentritt, ist es der griechische 

gelegentlich aus Anlafs eines Piodigiums von Beherrscher des Meeres, dem sie gilt. Dem 

der Existenz eines Neptunusheiligtums in der luppiter (Ü. M.) und dem Neptunus opfert 

Gegend des Circus Flaminius; Lio. 28, 11, 4 der ältere Africanus, ehe er die überfahrt 

erzählt: ara Neptuni multo managte sudore in nach Afrika antritt {Appian. Pun. 13; vgl. 

circo Flaminio dicebatur, doch zeigt die aus- das ahnliche Opfer des Mithridates, App. 

führlichere Notiz bei Cass. Bio fragm. 56, 62 Mühr. 70), dem Neptunus sowie den Winden 

Melb. idQäzi, noUä a? xe 9voai xov flo- und der Meeresstille {&va>v otfia xal anivSay 

asiSmvlov xa« o ßcofibg ipovri, dafs es ein änb xijs vttvctQ%t6of vetos k xb njXuyog ave- 
wirklicher Tempel war. Wenn daher Plin. n. h. eo fioig evSCois *<*l aarpalsim IloaiiSmvi xai axv- 

36, 26 unter den Werken des Skopas aufzählt fiovi fraldaey, Appian. b. c. .5, 98) bringt 

sed in maxima dignatione delubro Cn. Bo- Octavian seine Spenden, als er von Puteoli 

mitii in circo Flaminio Neptunus ipse aus gegen S. Pompeius aufbricht (vgl. damit 

et Thetis atque Achilles, Nereides supra del- die drei in der Hafenstadt Antium gefundenen, 

phinos et cete aut hippocampos sedentes, item jetzt in Rom befindlichen Altäre mit den In- 

Tritones chorusque Phorci et pistrices ac multa schriften ara Neptuni, ara Tranquillitatis, ara / 
alia marina, omnia eiusdem manu, praeclarum Ventorum, CLL. 10, 6642 — 6644), und 

opus, etiam si totius vitae fuisset (über die Be- Neptunus und Mars gilt das Tropaion, das er 



205 Neptumis Neptunus 206 

nach der Sohlacht bei Actium an der Stelle Alpenländer, Pannonien und Africa zahlreiche 
seines Lagers errichtet {Suet. Octav. 18); das Denkmäler des Neptunkultes aufweisen, zeigt 
einzige Mal wo die Ärvalbrüder bei ihren der Gott ein ganz anderes Gesicht, und es ist 
Opfern auch des Neptunus pater gedenken, von A. von Domaszewski {Korrespondenzbl. d. 
handelt es sich um Gelübde für die glückliche Westd. Ztschr. 15, 1896, S. 233-236) treffend 
Rückkehr Traians aus dem Feldzuge gegen ausgeführt worden, dafs Neptunus hier als 
die Dacier, also ebenfalls um Seefahrt (vgl. Gott der Quellen, der niersenden Gewässer 
Benzen, Acta fratr. Arval. p. 124). Der Gottes- und der Seen erscheint. So finden wir ihn 
dienst des Neptunus spielt in der Kaiser- namentlich an den obentalischen und den 
zeit keine hervorragende Rolle: die Neptu- 10 Alpenseen verehrt, vor allem in Comum (C. LL. 
nalia am 23. Juli allerdings bestehen nicht nur 5, 5258. 5279; vgl. aufeerdem aus dem ober- 
fort (Hör carm. 3, 28, 1 Festo quid potius italischen Seengebiet die Inschriften C. 1. L. 
die Neptuni faciam), sondern werden, jeden- 5, 4285 f. 4874. 5098. 6565), woauch Neptu- 
falls seit dem 3. Jahrh., mit Spielen {ludi nalia, wie es scheint als Haupttest der btadt, 
Neptunalici notiert der Kalender des Philocalus bezeugt sind {G. I. L. 5, 5279), ferner am 
zum 22. und 23. Juli, C. /. L. I 2 p. 322), wahr- Genfersee {C. I. L. 12, 5878) und am Platten- 
scheinlich mit Naumachieen begangen {Auson. see in Pannonien (0. I. L. 3, 4124); die Ver- 
de fer. 19 ff. Aut duplicem cultum, quem Nep- bindung, in die in Obentalien Neptunus mit 
tunalia dicunt, et quem de Conso consüüsque den einheimischen Vires (s. d Art.) tritt 
vocant. Festa haee, navigiis aut quae cele- 20 (0. I. L. 5, 4285 aus Brma; vgl. auch Nep- 
brata quadrigis, iungant Romanos finitimosque tuno et dis aquatilib(us) C. I. L. 5, 5268 aus 
duces)- die erste Erwähnung findet sich bei Comum), macht es wahrscheinlich, „dals an 
Tertull. de spect. 6, der als Spiele, die in com- den Alpenseen eine einheimische, keltische 
mune celebrantur, aufführt Megalenses et Apol- Gottheit nur zum Neptunus umgetauft ist 
linares, item Cereales et Neptunales et Latiares (v. Domaszewski a. a. 0. S. 234 Anm. 3), doch 
et Florales Doch sind die Zeugnisse der hat diese Gleichsetzung zur Voraussetzung, 
Verehrung des Neptunus in Rom und Italien dafs in den Römern, die den Namen Neptunus 
spärlich, fast durchweg stammen sie aus am in die Alpenländer trugen noch eine Vor- 
Meere gelegenen Orten, so aus Ostia, wo im Stellung von einem Gotte des feuchten Jile- 
3 Jahrh n Chr. wie in Rom ludi zu Ehren 30 mentes im allgemeinen lebte, die von der 
Neptuns gefeiert werden {G. I. L. 14, 1 = griechischen des Staatskultes abwich; es wur- 
Buechekr, Anth. epigr. nr. 251), Pompeji (C. /. L. den also hier , wie in vielen h allen , Vorstel- 
10 8167 vgl F von Duhn, Rhein. Mus. 36, lungen der altrömischen Religion sich in die 
1881, S. 130), Antium (s. oben), Formiae (aedes Provinzen gerettet haben. In dem wasser- 
Neptuni G LL. 10, 6104), Ravenna (L. Publi- armen Afrika ist unter diesen Umständen die 
cius Italicus setzt eine Summe aus, aus der grofse Ausdehnung des Neptunkultes {CLL. 
alliährlich sportulae an die decuriones col- 8, 1002. 2662-2656. 5297-5299. 5709. 6956. 
leqii fabrum verteilt werden sollen: in aede 8194. 8657. 8925. 10857. 10936. 11735. 16526 
NepUuni), quam ipse exstrucxit, die Neptuna- 18008) leicht begreiflich, besonders lehrreich 
liorum G I L 11 126), Parentium {Neptuno 40 sind die Inschriften des Quellheiligtums {aedes 
deisq(üe) Aug(ustis) . . templo restituto, molibus fontis C I. L. 8, 2656) von Lambaesis, das 
exstructis, domo exeulta, gesetzt von einem nach der Inschrift C 1. L. 8 2653 von Ante - 
subpraefect(us) elassis Ravenn(atis) , C I. L. ninus Pius erbaut wurde: collectts fonUbus et 
5 328). Eine Weihinschrift in Capua C. I. L. [scatujrigimbus aedem Ntptuni [aj solo fectt; 
10 3813 siebt durch den Zusatz votum in in Numidien begegnen uns auch Priester des 
Siculo fretu suseeptum solvit den Anlafs ihrer Neptunus (C I. L. 8, 5297. 5299. 5709). Dar- 
Entstehung an, und ähnlich können wir auch auf, dafs Neptunus als Brückengott verehrt 
die wenigen im italischen Binnenlande zer- wurde und auf den Brücken Kapellen hatte, 
streuten Neptuninschriften deuten, ?o in Tibur haben ü. Christ {Jahrb. d Altertums/r. im 
(C I. L 14, 3558 Neptuno adiutori sacrum so Eheini. 62, 1878, S. 20 ff. bei Gelegenheit eines 
u s w ) Reate (0. I. L. 9, 4675, gesetzt von Fundes von der Neckarbrücke m Heidelberg) 
einem C. Allius Neptunialis; doch s. auch und v. Domaszewski a. a. 0. 235 hingewiesen ; 
unten) und im pagus Veianus {CLL. 9, 1501). letzterer führt auf solche Brückenheiligtumer 
Hier wird überall die gräcisierende Auffassung zurück die Inschriften C. I. L. 3, 3486 (Aquin- 
des Staatskultes zu gründe liegen, die uns cum). 5137 (Celeia). 10219 (Sirmium) 9, 4675 
auch in den Provinzen zuweilen begegnet, (Reate). G. L Ehen. 1433 (Grofskrotzenburg) 
z B in dem vom praefect(us) clas(sis) und Fph. epigr. 3, 99 (Aelius pons in Bri- 
Brit(annicae) im südbritannischen Portus Le- tannien). Als Gott aller Quellen und Gewässer 
manae gesetzten Altar C. I. L. 7, 18 und erscheint Neptunus zuweilen auch mit den 
in der Zusammenstellung lovi optimo m[aximo] 60 Nymphen gepaart (0. I. L. 3, 3662. 12, 41Bb 
Neptuno Serapfidi] (= Zsüs LXoaeiääv "Aiärjg) und auf dem einzigen stadtrömischen Altar 
C^T L. 3, 3637 (vgl. Sarapidi Neptuno C. I. L. 6, 536 [die Inschriften 6, 534. 535 sind be- 
8 1002). Auf den Steinen der Equites singu- deutungslos]; vielleicht gehört auch die Zu- 
läres erscheint Neptunus nur einmal, u. zwar sammenstellung mit Diana, C. I. L. 3, 2970, 
setrennt von den Hauptgöttern in der Zu- hierher) und geniefst die besondere Verehrung 
sammenstellung Terrae Caelo Mari Neptuno aller der Stände und Gewerbe, die mit dem 
(Annali d Inst. 1885 S. 260 nr. 23). Aber in Wasser zu thun haben, so der molmarn 
den Provinzen, von denen namentlich die (Wassermüller), C. I. L. 3, 5866, der piscatores 



207 Nereiden (Grundbedeutung) 

(C. I. L. 5, 7850) und des contubemium nau- 
tarum (C. I. Wien. 1668 = 1678); auch das 
cöllegium negotiantium in Aquincum, von dem 
wir einen I. O. M. lunoni Neptuno Marti 
geweihten Altar kennen (C. I. L. 3, 10430), 
wird seine Geschäfte wenigstens teilweise zu 
Wasser getrieben haben. Das Bild des Gottes 
zeigt durchweg den griechischen Typus mit 
Dreizack und Delphin (z. B. C. I. Bhen. 1668 = 
1678. Eph. epigr. 3,99; auf dem Relief der Fischer 
von Pedo C. I. L. 5, 7850 steht der Gott mit 
Dreizack und Füllhorn in einem Kahn). Eben- 
so meinen die römischen Dichter und Mytho- 
graphen, wenn sie von Neptunus reden, selbst- 
verständlich stets den Poseidon des griechischen 
Mythus, auch dann, wenn sie den Gott mit 
italischen Figuren in Berührung bringen (z. B. 
in der Erzählung, dafs Halesus, der Gründer 
von Falerii, ein Sohn des Neptunus gewesen 
sei, Serv. Aen. 8, 285): ihre Erzählungen haben 
also mit der Aufgabe dieses Artikels nichts 
zu thun und sind unter Poseidon zu be- 
handeln. [Wissowa.] 
Nepunis s. Neptunis. 
Nereiden {NrjQrjtSss, NtjQstSss), Töchter des 
Nereus und der Okeanide Doris, also Nymphen 
des Meeres, und zwar im Gegensatz zu den 
Okeaniden -Nymphen des inneren Meeres, der 
! Salznut. Nereus (s. d.) spielt fast nur als Vater 
der Nereiden eine Rolle, Doris tritt in der Sage 
; fast gar nicht hervor und wird eben dem Nereus 
;als Gattin beigegeben, weil die Töchter doch 
auch eine Mutter haben müssen. Diese Töchter 
des Meergottes sind nichts anderes als die 
Meereswellen. Bei dem unendlich reichen und 
mannigfaltigen Ineinandergreifen von Land 
und Meer, wie es für Griechenland in beson- 
derem Mafse charakteristisch ist, mufste die 
gestaltenbildende Phantasie besonders das dem 



Nereiden (Kataloge) 



208 



ganzen Volk so nahe gerückte Meer mit allerlei 
Persönlichkeiten beleben, vom tosenden Sturm 
bis zur, freundlichen Stille des Meeres. Vor- 
wiegenoTaber nicht ausschliefslich „den letzteren 
Zustand, wenn dfe'P^erflache des Meeres sicj^ 
nur wenig xföaselt und die Wogen nur leise, 
murmelnd an das Gestade anschlagen, wenn 
das Meer dem Menschen leicht dienstbar ist, 
und die Schiffe gefahrlos von Ufer zu Ufer eilen, 
10 verbildlicht der milde greise Nereus und sein 
töcnterreiches Geschlecht, die Nereiden — echt 
griechische Gebilde, wie schon grrM"' { 9 -, fin ) 
betont," ( TTe ydemann). Gerade das eigentümliche , 
Spielen, Tanzen und Schimmern, Plätslchern, 
Kosen und Plaudern der Wellen an Strand und 
TElippe zeigt dem täglichen Beobachter ein so 
mannigfach bewegtes Leben in diesem Element, 
dafs hier die Vorstellung einer sehr zahlreichen 
Schwesternschar sich aufdrängen mufste. Denn ' 
20 eigentlich sind es ja unendlich viele Schwestern, 
wie denn Hesiod die Zahl der verwandten 
Okeaniden auf 3000 angiebt. Legte man aber 
einmal diesen Wesen persönliches Leben und 
Wirken bei, so mufsten sie auch Namen haben, 
und das Erfindungs vermögen fand schon eine 
reichliche Aufgabe, wenn auch nur fünfzig der 
freundlichen Meerestöchter zu benennen waren. 
So grofs wird ihre Zahl gewöhnlich angegeben. 
Aber die Vergleichung der Nereiden-Kataloge 
30 Homer Ä..J,8»_3i, des Hygin Praefgt., des 
Hesiod fh. 243 ff. und AgMoäSL Ä,X-Z- (wozu 
noch Vergil Georg. 4, 336 zu vergl.) ergiebt, 
wenn man sie zusammennimmt, beträchtlich 
mehr als 50 Namen (s. Tabelle) . Die Ilias.zählt 
in einer verhältnismässig jungen, aber doch von 
Hesiod mannigfach abweichenden Namenreihe, 
wenn man Thetis mitrechnet, 34 Namen auf, 
Hesiod 50 oder 51, AvoUodo r 45. Hygm folgt 
in den 31 (32) ersten Namen ganz dem Homer. 



Die Nereiden-Kataloge. 



Durch- Homer II . 
3*Uung 18, 38ff 

1 Agaue 

Aktaie 



10 



15 



20 



Amatheia — 
Amphinome 
Ampithoe — 

Apseudes — - 

Dexamene 



Doris 

Doto - 
10 Dynamene 



Hiiqin 
Fab. Prae f. 

Agave 

-Actaea 

■ Amathea 
• Amphinome 
Amphithoe 

-Apseudes 

- Dexamene 



— Doris —• 

•-- Doto _ 

10 Dynamene — 



Hesiod, 
fh. 243 ff. 

Agaue - 

Aktaie (al.- 
Akraia) 



Amphitrite . 
Autonoe — 



9 Doris 

Doto 

Dynamene - 

Bione 

Erato 
10 Euagore . — 

Euarne 

Eudore 

Eukrate — 

Eulimene 
15 Eunike — - 



Apollodor 

lall 

- Agaue 

- Aktaie 



- — Amphitrite 

— Autonoe 

5 Dero 
Dione 

Doto 
— Dynamene 

Eione 
10 Erato 

— Euagore 



Eupompe 



— Eudore 

— - Eukrate 

— Eulimene 
»Eunike 

Eumolpe(?) 



209 



Nereiden (Kataloge) 

Durch- Homer IL Hygin 
Zählung 18, 38 ff. Fab. Praef. 
25 Galateia Galatea - 

Glauke . G-lauce 

[29] Halie — -- 

30 — — 



Nereiden (Kataloge) 



210 



laira — 
15 Ianassa 
35 Ianeira - 



Kallianassa- 
Kallianeira 



40 



50 



— laera 
-Ianassa 
15-Ianira 



Hesiod, 
Th. 243 ff. 

— Galateia 
Galene 

Glauke 

20 Glaukonome 
■ Halie (?) 
Halimede — 

Hipponoe 

Hippothoe- 



Apollodor 

1,2,7 
Galateia 



Klymene - 



45 20 Kymodoke - 
Kymothoe - 



Callianassa 



— Clymene I 



Cymodoce 
Cvmothoe 



Limnoreia— 

Maira 
Melite 



-20-Limnorea 

Maera 
- Melite 



55 25 Nemertes- 

Nesaie 

Oreithyia 

60 Panope- 



Pherusa 



— -Nimertis 

■ Nesaea 

-as-Orithyia 

Panope 

Panopea? statt 
der fehlenden 
Callianira 



25 Kymatolege 

Kymo 

Kymodoke 

■ - • Kymothoe — 
Laomedeia 

30 Leiagore 

Lysianassa - 

Melite 

Menippe 

.Nemertes? 

- 35 Nesaie 
Neso 



Glaukonome 

Halie 
-se-Halimede 
— Hipponoe 
— Hippothoe 



Ianeira (al. D ia- 
neira) 
Iöne 



25 Kalypso 
Keto 

Kranto 

Kymo 

Kymothoe 

so Limnoreia 
-LyBianassa 

Melite 

Nausithoe 

Neomeris(?) 
35 Nesaie 



Panope 



Panope 



-Pherusa 



65 



70 



30 Proto 



Speio 
Thaleia 

75 — 

Thetis 

77 34 Thoe 



Proto 



30 Speio 
Thalia 



32 Thoe 



Somit ergeben sich für Homer 34, für Hygin, 
der sich, soweit die Liste Homers ausreichte, 
mit zwei Ausnahmen ganz an diesen hielt und 
also die Panopea an zweiter Stelle für einen 
anderen homerischen Namen verschrieben hat : 
32, für HesiädA^—51, für Apollodor 45 Nereiden- 
namen. Für die Durchzählung darf die zweite 
Panope des Hygin nicht mitgerechnet werden, 



Pasithea 
Pherusa 

40 Polynoe 

Pontoporeia 
Pronoe 
Protho 
Proto 
45 Protomedeia 
Psamathe 

Sao 

Speio 
Thalie? 245 

50 Themisto 

51 Thetis 

(Thoe? 245) — 

sodafs sich insgesamt 77 Namen ergeben. Nun 
hat Hygin. der 50 Namen geben will, aus 
einer anderen Quelle, die uns nicht bekannt 
ist, noch 17 weitere Namen aufgeführt, sodafs 
49 herauskommen. Bei seinem engen Anschlufs 
an Homer ist übrigens zu vermuten, dafs die 
hom. Halie ihm nur durch ein Versehen ent- 
gangen ist, wie auch für die zweite Panope 



Pherusa 
Plexaure 
Polynoe 
40 Pontomedusa 



Proto 

Psamathe 

Sao 

Speio 



46 Thetis 



211 



Nereiden (einzelne) 



ohne Zweifel Callianira einzusetzen ist, sodafs 
er wirklich 50 Namen hat. und dabei — keine 
Thetis! — natürlich, weil diese im hom. 
Katalog aus guten Grüuden nicht steht und 
so von ihm ganz vergessen wurde! Die weite- 
ren 17 Namen bei Hygin sind: Drymo, 
Xantho, Ligea, Phyllodoce, Cydippe, 
Lycorias, Cleio, Beroe, Bphyre, Opis, 
Asia, Deiopea, Arethusa, Clymene II, 



Nereiden (als Gesamtheit) 212 

Geschichte von dem Raub dieser Nereide durch 
Boreas ist der mythische Ausdruck für das 
Spiel des Windes mit den Wellen. Dabei ist 
bemerkenswert, dafs dieser Vorgang in einer 
Akroteriengruppe in Delos aus dem Ende des 
6. oder Anfang des 4. Jahrhunderts dargestellt 
war, wo die Meeresbedeutung der Geraubten 1 
schon durch das zu ihren Füfsen fliehende ßofs 
angedeutet ist, vgl. Abbildung BcLl-S p . 811 .^ 



Crenis, Eurydice, Leukothea. Dieselben 10 Überdies hatten die Nereiden auch einen 

' ' ' ' ' ' >■"-■•. j£ u jj. jjj ß e i g (s^jl). — Wenn in dem späteren 

Teil des Nereidenkataloges bei JZjtflffi. Leuko- . 
thea angeführt ist, so wird hiermit entweder 
die zur Leukothea' gewordene Ino einfach zu 
den Nereiden gerechnet, wie sie auch schon, 
P indar Puth. 11, 2 o^od-dlafios t£v Nr\qrjtS(ov 
nennt, odererbenütztebendiesenNamenalseine 
allgemeine Benennung für eine Meeresgöttin, 
wie ja auch die Nereiden die gemeinsame Be- 



Namen bis auf die 3 letzten hat auch Virgil 
( Ge.org. 4, 33fiff. ), der dafür die oben schon ge- 
zählten 4 hom. Namen Nesaea, Speio, Thalia 
und Cymodoce setzt, Cleio und Beroe aber als 
Okeaniden bezeichnet. Da auch Clymene II 
schon unter den obigen 77 Namen vorkommt, 
so dürfen bei Berechnung aller überlieferten 
Nereidennamen bei Hygin und Virgil zusammen 
nur 16 gezählt werden, sodafs sich insgesamt 



aus den Schriftstellern 93 Namen ergeben. Dazu 20 Zeichnung Aevxo&eai führen, s. Leukothea 
kommen noch 7 Namen von Vasenbildern: Bd. 2 Sp. 2012, 5. 



Nao, Pontmeda, Kalyke, Choro, Eiresia, 
Kymatothai, Eudia, von denen jedoch Pont- 
meda als gleichbedeutend mit Pontomedusa 
in Wegfall kommt, wie auch die Namensform 
Kymatothai offenbar gleich Kymothoe ist, 
sodafs im Ganzen 98 überlieferte Nereiden- 
namen herauskommen, ein Ergebnis, auf das 
jedoch kein weiterer Wert zu legen ist, als 



Die Nereiden als Gesamtheit. 

Abgesehen von diesen einzeln hervortreten- 
den Nereiden erscheinen sie, wie bemerkt, fast 
immer als Chor. Als Gesamtheit heifsen sie 
vvfKpai aluu Mädchen der Salzflut, oder — 
Tieläyiai — Soph. Phil 1470; vgl. Quid Met . 
13. 736. 14, 566; Tyiazo/inodsi' Soph.CLIL 11SL; J 



dafs man daraus ersieht, dafs der griechische so novriai Pind. Pyth. 11 ,_2_; %qvatai N em. 5 , 7; 



Erfindungsgeist doch eine weit gröfsere Zahl 
von Nereidennamen ersonnen hat, als man bei 
der üblichen Zahl von 50 Nereiden gewöhnlich 
anzunehmen geneigt ist. Dabei mag man sich 
erinnern, dafs ihre Zahl auch zuweilen auf 100 
angegeben wird, z. B. Prop. 4, 6(7). 68. 

Einzelne Nereiden. 
In der Naturerscheinung, der die Nereiden 



XQverjlÜKatoi Nem.^3§j^vipütqovoi. Jfem^A^^. 
Die Epitheta, die ihnen der Orphis<£e_.ELjßo,nm 
24 beilegt, geben, wie schon die beiden letzten 
Pindars ein Bild von ihrem Wohnen , Leben 
und Trfeiben. Danach wohnen sie in den Tiefen 
des Meeres (ßv&tüi Orph ! Ji v xara (Ssj/il'os ctlög, 
IL 18. 38 u. a.) im Palast ihres Vaters Nereus, 
sitzend auf hohen Thronen, strahlend in Pracht, 
clie goldeneiäpindel drehend. In ihrem häus- 



ihre Entstehung verdanken, ist es begründet, 40 liehen Treiben, spannend und sich schmückend, 
, „ .• "»-:*'- D :^»«it;i'i>--_ -i- n _iZ ;_i. j:„ v»«:j — ™- a;\A „«„ „;„„,. 



dafs sie "fast immer ih*"Scnaren, als Chor, als 
„Herde des Nereus" auftreten. Nur wenige 
sind es, die in der Mythologie auch einzeln 
hervortreten und sozusagen ihren Roman haben. 
Da ist vor allem fThetisj die vornehmste der 
Nereiden, äeanoiva nivcr\%ovxa NriqrjSmv koqüv 
Aesch. frg. 1 74, die Meergöttin vom Fuße des 
Pelion, die, von Zeus und PoBeidon begehrt, 
dem- Peleus sich, wenn auch widerstrebend 



zeigt uns die Nereiden ein Bild von einer 
attischen ro tfigurigen Pyxis, im Brit. Mas M 
abgeb. Sittl. Atlas Taf. 12, 5 nach Jlummt et 
Chaplain . JLa Qeramigue de la Grece_ propre. 
Will man dlnia auch blofs dasjnnere eines 
Prauengemachs erblicken, jso_ zeigen doct die — 
Namen der Y Frauen, die sämtlich bekannte^ 
Nereidennamen sind (nur Pontomedeia statt 
Pontomedusa und Kymothea statt Kymothoe), 



ergeben mufs , nachdem sie durch eine Reihe 50 dafs eben hier Nereiden dargestellt werden 



von Verwandlungen, wie deren eben die Ge- 
stalten des ungreifbaren flüssigen Elements 
des Meeres fähig sind, dem Verfolger ver- 
gebens sich zu entziehen gesucht; da ist ferner 
JAmphitrite^die Gattin des Poseidon, [Psa- 
mäthe,ldie Geliebte des_Aiakos, Jüuriy^Sel. 8. 
Apollod. 3, 12, 6, 8; |^G alat eia](und auch'lMöpeJ 
P reUer -Robert 1, 556, i), die mit Polyphem ihr 
schalkhaftes Spiel treibt; insbesondere aber 



sollten. Aber ihr Element ist Beweglichkeit, 
gern verlassen sie die Tiefen des Meeres und 
lieben _es_auf den JVellen, den'fe^uchten Pfaden 
des Meeres, in heiterem Reigen hinzutanzen 
XOqonaiyfiovsg vyQOKilsvdoi, und zu scHwärnferi 
iicqI Kvpaoi $a%%Evovaat. (Orph.)_ vgl, besonders 
Eurip. Ion 1078 ff., auch Iph. I. 426. Iph^ 
Aul. 1054. Das Gekräusel der Wellen, viel- — 
leicht auch das Schaurige, das das Meer bei — 



— noch jSreithyiäjj die von Boreas geraubt wird 60 all seiner anschmeichelnden Heiterkeit hat, 



und ihm Kaiais und Zetes gebiert. Es ist kein 
Zweifel, dafs diese Oreithyia, die später als 
Tochter des attischen Erechtheus erscheint, 
ursprünglich eine Nereide war; vgl. Loeschcke, 
Boreas u. Oreithyia am Kypseloskasten. _ Dor pat 
188.6, der nachweist, dafs der Name ErechTheus 
früher bei den Ioniern auch für den Meer- 
beherrscher allgemein verbreitet war. Und die 



drückt das Beiwort qpQixalcat* aus ( Orph. h .)!~< 
Ja sie kommen auch ans Ufer und trocknen 
sich die grünlockigen Haare, Ov. Met. 2, 12 
(Ä2E ! _ö^t.-8»JlIlO)i " e scherzen mit den Eis^ 
vögeln auf den Wogen, Theo br. 7, 59. Virg. 
Georg. 1,399, oder endlich, und das ist viel- 
leicht ein erst durch die bildende Kunst des ' 
4. Jahrhunderts hereingekommener Zug, sie 



213 Nereiden (Namen) Nereiden (Namen) 214 

Jassen sich voü allerlei; Meertieren, Delphinen, lieh auch Euarne, die Lämmerzarte, vgl. 

Hipppkampen, Seedracheu bmzrf) odej Tritonen, Theoikr, Id., 11^ 20. änalmtsga ägvög (v. Gala- 

jaäizvolL auf deren Rücken geschnffegt, über teia), Ione, dieVeüchenfarbige (nicht = 'Hcövr\, 

die Meeresfläche dahintragen, spielend mit da diese bei ApMlodot neben Ione vorkommt), 

Bäüen,_ Spiegeln, Tympanon und allerlei Iaira, die Blaue?. Darauf deuten auch die 

lächmuck, auch in den Kreis der Heldensage Epitheta ivsiSjjg und §o86itri%vg bei Mesiod. 

^gezogen v - mit den Waffen des Achill. ,-Dabej.^ Andere Namen bezeichnen, wie ieftrs richtig 

sind sie ifi* 'der l l^el_ völlig, bekleidet jged'acnt bemerkt, geradezu die Welle und ihre schnellen 

und zwar uTWeifs. So scnimeft Mimerios ecl. Bewegungen — Kymo, Kymothoe, Kymo- 

!3ȟ.denChor der Nereiden am Meeresstrande 10 doke,Kymatolege,Thoe und Amphithoe. 

bei Korinth levuccl näaai, yala avzo , Von hier ist nur ein Schritt zu der beliebten 

ylauxal zb o/ifia, xofimeai zä ßqvcp, izi livxöv Vergleichung der Wellen mit springenden Bossen, 
ex zfjg 9aÄäo67]<; uq><jov s£ uk^cov nloxctpav wovon Hipponoe, Hippothoe, Menippe 
azä&vaui. zeugen. Auf die Bedeutung der Wellen für 
_. „ a „ • t • die Schiffahrt beziehen sich Pontoporeia, 
Die Namen der Verzeichnisse. Eupompe, Pherusa, Protho (n Q o<ü9oi), 
Diese Mannigfaltigkeit der Erscheinungen auf den Schutz, den die Schiffer am Gestade 
der Meereswelt kommt auch in der Mehrzahl finden: Eulimene, Sao, während die Eu- 
der Namen der einzelnen Nereiden zum Aus- molpe des ApMpdgr, wenn sie nicht auf einer 
druck, die in malerischer Anschaulichkeit 20 Verschreibung für Eupompe beruht, das melo- 
gröfsenteils den Reichtum der Meereswelt ver- dische Bauschen des Meeres andeutet. Die 
sinnbildlichen und in Preller-Ro bert, Gr. Myth . gewaltigen unwiderstehlichen Wirkungen und ' 
1^_555 f.j Lehrst Populäre A ufsätze aus der das stürmische Auftreten der Meereswogen 
Mtertumswiss* 120, Schümann, Gomm. z. Mes. bezeichnen Namen wie Dynamene, vielleicht 
Ibssggnieu. > a. ihre Erklärer gefunden haben, auch Eranto und Eukrate und jedenfalls 
„Es ist natürlich," sagt Lehrs, „dafs ein alter . auch Oreithyia (Sj_ul), die heitere Buhe des- 
Dichter, der ein solches Namensverzeichnis selben Galene. Das Meeresleben und -weben 
bildete, eine Zahl solcher Namen schuf, die am sandigen Strande, an felsiger Küste, an 
auf Meer, Meeresbläue, Welle und Schnelle Ufergrotten und um kleine Eilande her spricht 
u. dergl. Bezug haben. Allein es machte ihm so sich in Namen wie Amatheia, Psamathe, 
auch nichts aus, darunter allgemeine Frauen- Eione, Aktaia, Speio, Neso, Nesaie, 
namen zu schaffen, die für ein schönes Mädchen, Amphitrite aus, während Haue und Hali- 
eine hohe Frau passen, nicht nur solche, wie mede einfach die Salzflut bezeichnen. Eua- 
die allgöttliche, Pasithea, auch Thetis göre und Leiagore können, auf Wellen- 
dürfte die Göttliche bedeuten, sondern auch nymphen angewendet,, unbedenklich auf das 
die Weitwaltende, Polynome (doch ist auch wohllautende, sanfteinschmeichelnde, ge- 
Polynoe überliefert), die Völkergebietende, schwätzige Plaudern der Wellen bezogen wer-,, 
Laomedeia, die Liebliche, Erato, auch ein den, wie Eumolpe auf das stärkere geBangs- 
Musenname, die Sanftredende und die Wohl- gleiche Tönen des Meeres. Von den mancherlei 
redende, Leiagore und Euagore, die Blühende 40 reichlichen Gaben des Meeres haben Doto, 
oder Üppige, Thaleia, auch Name einer Muse Doris und Eudore ihre Namen; Proto da- 
und einer Grazie; Euneike, um die gar sehr gegen bezeichnet nichts anderes als die Erste 
Hader und Streit waltet", also die Vielum- und Melite ist ein Kosename, die Süfse. 
strittene. Diese letzteDeutungtrifftdasBichtige Dafs auch Namen wie Themisto, Thetis, 
jedenfalls in dem Sinn, dafs über die Deutung auch Polynome, wenn diese Form richtig ist, 
dieses Namens gar viel Streit und Hader in ihrer Grundbedeutung gefafst, recht gut auf 
herrscht. Da die Namensform Evvi%r\ eben- das ewig Gesetzmäfsige in der scheinbaren 
sogut beglaubigt ist, so liegt es doch näher Regellosigkeit des Wellenspieles passen, ist 
an vhhj als an vsCxog zu denken unddenNamen nicht zu bestreiten, wogegen dann Autonoe^ 
auf ihre siegreiche Schönheit zu beziehen: 50 die Ausnahme von dieser Regelmäfsigkeit be- 
„Sigelint", so heifst auch das eine der Meer- zeichnen würde. Die allen Meereswellen zu- 
weiber, die Hagen an der Donau der Nibelungen geschriebene Kraft der Weissagung mag man 
Untergang weissagen. Und gerade den Zauber endlich in den Namen Pronoe, Proto- 
und Liebreiz der Schönheit bezeichnet auch medeia, Nemertes und Apseudes erkennen, 
eine Beihe anderer Nereidennamen, wie Agaue, wenn man nicht vorzieht, die zwei letzteren 
Ianeira (nicht Deianeira), Pasithea, Tha- überhaupt nicht als Namen, sondern als Epi- 
leia (oder Thalie), Erato. Auch Kallia- theta zu fassen. Bei vt]ficQzrig legt sich dies 
neira und Kallianassa gehören hierher. dadurch nahe, dafs bei Mesiod 61 Namen 
Den Übergang zu einer anderen Gruppe bildet herauskommen, wenn man das Wort _nicht zu 
Panope." Denn dieser Name dürfte kaum den 60 ilgovo'jj zieht. Bei Homer freilich, "der den 
abstrakten Begriff der weiten Meeresfläche an- Namen Apseudes neben Nemertes allein hat, 
deuten, sondern heifst einfach konkreter die wird man beides als Eigennamen fassen müssen, 
Helle und führt so hinüber zu den zahlreichen da sonst Galateia 3 Epitheta hätte. Ist also 
Namen, die von der Lichtwirkung und von wirklich Nemertes auch bei Hesiod als Name 
der Farbe der Haut, der Augen oder der Haare zu fassen, dann mufs man bei Hßsiod, will 
als einem wesentlichen Element der Frauen- man an der Zahl 50 strikte festhalten, y^Jäüi 
Schönheit genommen sind, wie Galateia, aus &ör\ &' *A\tt\ zs eine &alirj machen und 
Glauke, Glaukonome , Maira, wahrschein- &6ri als Epitheton zu der vorausgehenden 



215 



Nereiden (Namen) 



Nereiden (Mythen) 



216 



Speio ziehen; doch hat auch dies seine (Be- 
denken, da auch Apollodor, der mit Hesiod, in 
der Hauptsache übereinstimmt, wohl eine Halia, 
aber keine Thalia und hinwiederum keine Thoe 
hat, die doch neben Halie zu erwarten wäre. 
Man wird also auf die Zahl 50 bei Hesiod keinen 
allzu grofsen Nachdruck legen dürfen. 

Auch auf Va8enbiidern finden sich neben 
den genannten noch andere Nereidennamen: 
Nao, Pontmeda, Kalyka, Choro, Eiresia, vgl. 
Overbeek. Bil dwerke d. theb. u.troi. Sa genkr . 
S 180. 185, Schlie. Zu den Kvvrien S . 16, 
0. Jahn , Einleit ung z w Vasen kunde S. _11 7 
A. 858. Endlich Eudia auf denTDeckel einer 
Schale bei He udemann, N ereiden mit d. Waffen 
deS'ÄeMll Taf. 5, 2. 

Dafs die Nereiden insgesamt als anziehende, 



daher auch der Mythus vom Raub der Orei- 
thyia durch Boreas.. 

Nereiden bei mythologischen Vorgängen. 
Aber nicht nur das oben geschilderte trau- 
liche Stillleben im eigenen Kreise führen die 
Meerjungfrauen, sie schauen auch neugierig 
dem Treiben der Menschen zu, sie nehmen 
auch an den Schicksalen der Sterblichen Teil, 
10 nicht blofs an denen der Seefahrer, denen sie 
auf alle Arten behilflich sind, sondern auch 
der übrigen, zumal der Anwohner des Meeres, 
und erscheinen auch diesen zumeist als hilf- 
reiche gütige Gottheiten. Als solche sind sie 
auch mit einer ganzen Reihe mythologischer 
Vorgänge verknüpft, besonders, wo es sich um 
Angehörige ihres eigenen Kreises handelt, aber 




1) Nereiden im Meere schwimmend. Untere Hälfte des Poseidonmosaiks Ton Constantine 
(na ch Archäol. Zeitung 18 (= J8SS&. Tat U4). 



bezaubernde, liebreizende Wesen von höchster 
Schönheit aufgefafst werden, spricht sich auch 
in den oft wiederholten Epitheta einzelner aus 
wie igösoocc, %agk(saa, %uQ{ecau äipae, (pvqv 
tQaxr\, svacpvQog, eveiäfjs, QoSönrjxys, qpiXopftst- 
Sris. Kalypso, bei Apollodor, ist wohl aus 
dem Okeanidenkatalog entnommen, Orei- 
thyia endlich steht bei Hom&L- allein unter 
den Nereiden und da sie auch gewifs ursprüng- 
lich eine Nereide war, so mufs auch ihr Name *> 
in diesem Sinne gefafst werden, er bedeutet 
nicht die die Berge durchstürmende („vom 
Stürmen ihres Gatten Boreas durch die Berge", 
wie man erklärt, was doch eine seltsame Art 
der Namengebung wäre), sondern die berge- 
hoch Daherstürmende, also die wildeste in der 
sonst sanften Schwesternschar, die Erscheinung 
der Welle unter dem Ansturm des Boreas; 



auch überall sonst, wo es gilt eine Meerfahrt 
durch ihre Anwesenheit zu beleben oder zu 
fördern. Die epische und dramatische, auch 
die lyrische Dichtung der Griechen und Römer 
führt die Nereiden ein, wo sie sich irgend ge- 
eignet anbringen lassen, und die bildende Kunst 
hat mit Vorliebe die Stoffe der Sage behandelt, 
wo sie Nereiden, sei es in kleinerem Kreise, 
sei es in grofsem Aufzug, anbringen konnte, 
und ihre Erzeugnisse bilden so vielfach eine 
willkommene Ergänzung der oft lückenhaften 
poetischen Darstellungen. Dabei erscheinen 
die Nereiden der allgemeinen Vorstellung ent- 
sprechend meist in langen fliefsenden Gewän- 
dern, bald auch, seit dem 4. Jahrhundert, leicht 
entblöfst, erst in späterer Zeit ganz nackt, 
wobei dann die Nacktheit zuweilen motiviert 
ist durch das Baden. 



217 



Nereiden (in der Kunst) 



Nereiden (in <Jer Kunst) 



218 



1) Eine solche Ergänzung der litterari- 
schen Überlieferung bietet z. B. das in dem 
Artikel Nereus erwähnte Vasenbild bei 
Brunn, Vorlegeblätter Taf. 12, wo Nereus 
und Thetis dem Achill ein Diadem über- 
geben in i Anwesenheit zweier Nereiden, 
Kymothoe und Psamathe. Auch dem ähn- 
lichen Vorgang der Kranzubergabe an The- 
seus auf einem „polygnotischen" Krater 
sind 4 Nereiden ohne Namensinschrift als 
Zuschauerinnen beigegeben, s. Bo bert, 16. 
Hall^Windielmannßprogrgmm^ (die Nekyia 
des Polygnot) S.ML 

2) Beim Ringkampf des Herakles 
mit Nereus (s. dj hat ein alter Vasen- 
maler, wohl noch aus der 1. Hälfte des 
6. Jahrhunderts, zwei Frauengestalten an- " 
gebrächt , die gleich Nereus durch Ver- 
wandlungen, die eine in einen Löwen, 
die andere in einen Panther, den Herakles 
abschrecken wollen und so als Nereiden 
gekennzeichnet sind, Abbildung s. Bau- 
meister, Denkmäler 2 .. S.„lfilL Diese Zu- 
gabe der Nereiden dürfte wohl hier, nicht 
auf freier Erfindung des Künstlers beruhen, 
sondern schon im Epos vorgebildet gewesen 
sein. 

3) Die Werbung des Poseidon um 
Amphitrite (s. d.) hat in Poesie und Kunst 
Keine nachhaltigen Spüren hinterlassen. 
Amphitrite flieht (Eratosth. Katast. 31 nach 
Artemid. Eleg.) zu Atlas, und auch die meisten 
Nereiden verstecken sich, ein gleiches Schick- 
sal fürchtend. Treten sie hier ins Dunkel, 
so hat sie dagegen die bildende Kunst um 
so reizender dargestellt in dem Hoch- 
zeitgzug des Poseidon und der Amphitrite, 
wovon eine prächtige Darstellung a) in dem 
bekannten Fries der Mflnchener Glyptothek 
nr. 115 vorhanden ist, abgebildet und be- 
sprochen 0. Jah n, Berichte d. sächs. Ges. d . 
Wiss. 1854 8. 160 ff. t. 3—8. Overbeck. Atlas 
der Kunstmythti. Taf. 1 3, 16. Sittl , Atlas 
Ta£_l8X 7. Baumeister TDenkmäler unter 
„Skopas" Taf. 62 Fig . 1744. Collignon, Bist , 
de la sculpt. gr. 2, 443 u. 480. Man hat 
das schöne Werk in Zusammenhang mit 
der noch zu b es P recnen den Gruppe des 
Skopas bringen wollen. Collignon, betont 
aber mit B-echt den selbständigen Charakter 
der Frieskomposition und versetztes in 
den Anfang des 3. Jahrhunderts, wozu auch 
die Aufgabe der vollständigen Bekleidung 
bei einer Nereide stimmt. — b) In einem 
Mo saik ans Cons t antin e , Explor. scientif. 
d el'Älgeri e. Ärche'ol. pl. 139— 141. Arch*. 
Ztg. 1860 Taf. 144 sind Poseidon und Am- 
phitrite auf einem von 4 feurigen Seerossen 
gezogenen Wagen dargestellt, umgeben von 
2 Schiffen, allerlei Seetieren und -pflanzen 
und 2 Nereiden (s . Abb. 11. Diese tauchen, 
mit Schilfkränzen im Haar und mit Hals- 
bändern geschmückt, auf Delphine gelehnt, 
aus dem Meere anf ; in der einen Hand halten 
beide eine Art von Guirlande. Ahnliche 
Darstellung auf einem römisch en Mosaik b. 
ItortoUpict. ant. 18, Weitere Mosaiken mit 
Seegeschöpfen aller Art zählt L Jghn±Arch. 




219 



Nereiden, (in der Kunst) 



Ztg. 1860 S. 11 5 A. 3auf . — c) Inmitten von Meeres- 
gottheiten waren Poseidon und Amphitrite in 
einer grofsartigen Weihgeschenksgrappe 
des Herodes^tticus im Heiligtum des P. 
auf dem Isthmus dargestellt, Paus. 2. 1. 7 f. : 
die nächsten Begleiterinnen zu beiden Seiten 
des Viergespanns waren die Nereiden; die 
nachher "besonders genannte Galene scheint 
nicht mehr zu diesem Werk gehört zu haben. 

Auch die besonders in Sicilien und Grofs- 
griechenland beliebte Sage von dem Liebes- 
wfirhen des Kyklopen Po.lyjjhem um 
Galateia (s. dj und deren neckischem, Sniel 
mit ^em tJnnöld giebt der Kunst zuweilen 
Gelegehneit, in deren Gesellschaft Nereiden 
erscheinen zu lassen. 

4) Bei der Befreiung der Andromeda 



Nereiden (in der Kunst) 220 

haben, oder der Vasenmaler wollte durch ihre 
Gegenwart nur als Lokal das Meeresufer an- 
deuten. Die eine reitet auf einem Seepferd, 
die andere schwimmt auf einen Delphin ge- 
stützt und macht eine Gebärde gegen Andro- 
meda, die für jene Auffassung zu sprechen 
scheint. Auch Skylla ist bei dem Vorgang 
zugegen. 

6) So werden in späteren Zeiten auch der 
10 Europa auf ihrer Meerfahrt nach Kreta Ne- 
reiden beigegeben, wie sie bald auf Hippo- 
kampen oder Seedrachen sitzend, bald auf 
einem Delphinengespann stehend mit Fächer 
und Tympanon oder Ball spielend die vom 
Stiere getragene Königstochter begleiten. Vgh 
die_Vasfinbilder B erlin 32 41 (Abb. 21 treffliche 
Zeichnung, ahgebJSexkard,jiip^l VasenbJTaU* 




Nereiden mit Thetis von Peleus überrascht, Vase von Kameiros (nach T%m^rwlegeblätt&:_2.-'J&LJkJä- 



durch Perseus sehen wir zwei Nereiden zugegen 
auf zwm^aseJäbjMejrn.jn.. Neapel. Vasen- 
samm l. nr, JJL25_ und Solang- nx. 108,-lslzieies. 
abgeb. Mon. d. Inst. 9 Taf. 38 4 JSngdmWü, 
Atlas zu Ov._Met ( 4, 67 0) nr.__49^_V_gL Ssyde- 
"V\m, WrrtitfjW- *""■ 8A Die Mutter der 
Andromeda, Kassiopeia, hatte sich in stolzer 
Vermessenheit gerühmt, schöner zu sein als 
die Nereiden. Auf .ihre Veranlassung sendet 
Poseidon einMeerunheuer: Ifratosih. Katast. 16 . i 
nach Sonh. 'Andromeda', Apnllod. 2, 4, 3. 2. 
Andromeda wird dem Untier zum Fraise aus- 
gesetzt, aber von Perseus befreit. Wenn nun 
auf dem Vasenbild Nereiden bei der Befreiung 
der Jiingfrau anwesend sind, die doch ihrer 
fiachsucht zum Opfer fallen soll, so bedeutet 
das entweder, dafs sie inzwischen milder ge- 
stimmt sind und Mitleid mit der Unschuldigen 



Overbecle, Atlas z. Kunstmyth. 6, 18. Petersb, 
Ermitage nr. 1799. 1800 v beide aus. der_Krim, 
e bd. 1915 (abgeb. Compte-rendu 1866 Taf. 3, 
Qverbeck, Atlas z. Kunstmyth. 6, SOa^ Text Bd. 
2. 439 ff. Beschreibungen dieser Meerfahrt 
Mosch. Id. 2 4 115ff. ZttC, Bial. mar. 15,^ 
{%aqlnicevov in\ räv Silyfatov). S . Beydem ann, 
Nereiden S. 7 f. Anm. 86- 

61 Mit Staunen sehen die Nereiden das erste 
) Schiff in die Wogen gleiten beim Argonauten- 
zug, mit Staunen die sterblichen Augen zum 
erstenmal die Nymphen des Meeres aus der 
dunkeln Flut auftauchen (CaMLJH,-A2M.\ 
Auf der Heimfahrt geleiten die Nereiden unter 
Thetis' Führung die Argo als rettende Schutz- 
gottheiten durch die Plankten, wovon Apollon. 
Bhpd. 4, 842 ff. eine anschauliche Schilderung 
entwirft. VgL4p£Öfi&.„l^:9«J2V2. 



221 



Nereiden (in der Kunst) 



Nereiden (in der Kunst) 



222 



/ 7) Am beliebtesten in Poesie und Kunst ist 
die Herbeiziehung des Chores oder einiger der 
Nereiden bei den Schicksalen ihrer Schwester 

vThetis und ihres Sohnes Achilleus, zunächst 
bei dem Ringkampf des Peleus mit Thetis. 
Hier lassen sich in den bildlichen Darstellungen 



und dem Vater Botschaft bringend, s^jQser- 
beek, Ga ll. her. Büd w. f. 7 u . 8. Engelniann, 
Atlas zu Ov. Met (11, 227) nr." 1 25. Schlie, Zu 
den Kyprien S. J6 u. 44, Es Täfst sich aus 
den älteren Vasendarstellungen schliefsen, dafs 
auch schon in den Kyprien die übrigen Nerei- 




vcnohiedene Stadien des Vorgangs unter- 
scheiden: » . Graf. Jahrb. d. Arch. Inst. 1886 
8. >01 ff und die Ar t. Peleus nnd Theti s. Hier- 
bei werden die Nereiden in verschiedenster 
Weiie tur Belebung des Vorgangs verwendet: 
all erichreckte Zuschauerinnen, oder fliehend 



den in den in den Bildern angedeuteten Rich- 
tungen mitfühlend oder thätig geschildert waren. 
Vgl. besonders die sch5ne Vase aus Kameir os. 
Wien. Vorlegebl. 2, 6, 2 (s. Abb. 3). — Ebensowenig 
fehlen sie bei dem Hochzeitszuge der Schwester. 
Gerne erwähnen die Dichter den Aufzug der 



isa. 



mm*m 



(py-«'iii, .WP'ip' 



223 



Nereiden (in der Kunst) 



Nereiden (in der Kunst) 



224 



Götter bei diesem vielverherrlichten Feste, &JL 
Eurip . Iph. Ant. 1053. jgu, Smyrn, 5^73 gl (Wer 
als Sehmuck am Schilde des Achill geschildert), 
Catull c. 64 . Auffallenderweise sind in diesem 
Gedicht gerade die Nereiden nicht besonders 
erwähnt und ebenso fehlen sie in dem berühm- 
ten Hochzeitszug auf der Francoisvase, wo sie 
den Hören, Musen, Chariten und Moiren den 
Vortritt lassen müssen. — Die Nereiden ge- 
leiten sodann den Achill nach Troia, Ewip.ffl- 
433. Heyd emann S. 5. Besonders aber treten 
sie im Epos hervor in den letzten Lebens- 




neuen, von Hephaist geschmiedeten Waffen 
an Achill durch die Nereiden gefunden Das 
älteste Denkmal, auf dem Nereiden als Ge- 
fährtinnen der Thetis schon bei der Abholung 
der Waffen erwähnt werden, ist derKyjDselos- 

f/Ti 



tagen des Achill. Bei dessen Klage um 
Patroklos kommen sie im Gefolge der Thetis 
(IIJlS j _36S). Und diese Scene wiederholt ( 
sich bei der Klage der Thetis um ihren ! 
toten Sohn ( Odyss. 24, 47.L wo die Achaier ' 
ob ihrem Klagegeschrei solcher Schrecken er- 
griff, dafs sie auf die Schiffe fliehen wollten; 
Q u. Smyrn . 3^ 681 _nach_der _AMMQm§~Mß 
ArMinos. — Eine ganz besonders reiche Aus- 
bildung aber hat in der bildenden Kunst im 
Lauf der Jahrhunderte, während das Helden- 
lied davon schweigt, die Überbringung der 




kästen in O lympia (Patts,. 5, 18, 9), und zwar 
erscheinen sie hier auf Zweigeipannen mit 
Flügelrossen. Auch auf der Tabula Ilia n a ( /[ ahn , 
GriecKBiläerchr. A, taf. 1, zu 2 — Scfine_3fi) 
erscheint bei der Hoplopoiia hinter Thetis 
eine gleichgekleidete Frauengestalt, die viel- 



225 



Nereiden (in der Kunst) 



Nereiden (in der Kunst) 



226 



leicht als Nereide zu 
fassen ist, wie ähnlich 
bei der Wappnung 
Achills in JZL=jScfine 
37. In der älteren Kunst 
erscheinen die Nereiden 
noch zji Fufs, Waffen- 
stücke tragend und sie 
dem Achill überge- 
bend, so ^w^fr, 
Gall. her. Bildwerk e IS, 
l_2,_ Moa,.ßuJast^ UU&. 
Engelmann, A tlas zu 
Hom ers Ili qs nr. 86. 
Tab. Iliaca zu T_J.~J3. 
— Weit zahlreicher sind 
die Darstellungen des 
j5ugs der Nereiden 
übers Meer mit den 
fertigen Waffen, aber 
erst in späterer Zeit, 
besonders seit in der 
Mitte des 4. Jahrhun- 
derts Skopas seine 
grofse Gruppe Posei- 
don, Thetis und Achill, 
Nereiden auf Delphi- 
nen, Meerdrachen und 
Hippokampen.Tritonen 
u.s.w. geschaffen {EMtL 
N. H. 36, 26. Ooerbeek 
S^-Q.m^lim, gefallt 
sich die griechische 
Kunst, besonders Relief- 
bildner und Vasen- 
maler, in der Wieder- 
gabe der Nereiden, wie 
sie auf solchen Meer- 
wesen sitzend das Meer 
durchziehen, die Waf- 
fenstücke der Rüstung 
des Achill tragend. Es 
wird also hier ein von 
Skopas, wie es scheint, 
zur Darstellung des 
Triumphzugs des apo- 
theosierten Achill nach 
der Insel Lenke ge- 
schaffener Typus auf 
einen speziell mytholo- 
gischen Vorgang aus der 
Heldensage angewen- 
det. TTp ydemnnn hat in 
der Gratulationsschrift 
der Universität Halle 
zum BOjährig. Jubiläum 
des archäologischen In- 
stituts ausführlich über 
die „Nereiden mit den 
Waffen des Achill" ge- 
handelt und einige 
schöne Vasenbilder die- 
ses Gegenstandes publi- 
ziert: 1) grolse -Erachi- 
ampkoxa des Mna .Tat.t-a 
in_Ruvo 24, auf Taf, 1 
u.2, danach Baumehtez, 
Bmlm. d, a. K 2 S.za2f.; 



Boscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. III. 



2) grofwAmpbor^dejaslhfiaJBaaim- 

"■ 5). 3) KraiBr_jd^r£elbenJamm- 
l unpnr. 1496 Taf. 5, 1, weniger gut 
bei Overbeck,Gall. 18,13. 41 Denke! 




Achill a— g. II) Mit den Waffen 
auf Seetieren A — U, wovon A — I 
8 



227 



Nereiden (in der Kunst) 



pnhliziert aind. IUI Aufserdem noch denselben 
Gegenstand auf Marmorwerken 4 Nummern 
(IJ^rmnrvagfi und 3 SarküphagfiklejoakpiteP 
7 Nu mmern. Wandb ilder aus Pom peji 3, Bronzen 

5 _fi ; " Goldsachen 2. Münzen 3, Geschnittene 

Steine 7 Nummern . Unter den Marmorwerken 
verdient besondere Hervorhebung dieMjiiLchfinßr 
Vase aus Rhodos (GlYatath£k_jnr_82^_abgeb, 
Mon. d. Inst. 3. %jlarnach .Abb. ,6), und dag 
S arkophagdeckelrel ief imjjojrvrej ^abgeb, bei 
Clarac. Muse' e de Sc. ZO^nbiBaumeister+Bmkm- 
2_S . 1011, verklein ert l^S^globen^wo die Nackt- 
heit zweier Nereiden ungewöhnlich ist. Der 
Knabe inder Mitte istwohl ein ungeflügelter Eros. 
Die Erklärung der Scene als Nereiden mit den 
Waffen des Achill ist übrigens, wie schon 
T(f. yde.mann S. 17 g ezeigt hat, nicht zutreffend. 
Die Waffen sind Köcher und Bogen, und der 
Deckel gehört dem bekannten Aktäonsarkophag 
an. Über Nereiden überhaupt als Sarkophag- 
schmuck s. u. 



Nereiden (in der Kunst) 228 

Leuke erwähnt, Phüostr.Heroic. p. 327,27 Kayser. 
— Endlich weihen die Nereiden dieselbe Teil- 
nahme wie dem Achill auch dessen Sohne 
Pyrrhoa, bei dessen Brautfahrt nach Sparta sie 
bei Kardamyle in Lakonien aus dem Meer 
aufgestiegen sein sollen, um ihn zu sehen, 
Pau s. 3, 2 6. 7. 

Sonstige Darstellungen der Nereiden. 
io Ohne Zusammenhang mit mythologischen 
Vorgängen begegnen uns die Nereiden in der 
bildenden Kunst selten als selbständige Kunst- 
werke, sondern mehr nur als dekorative Bei- 
werke, sei es an Werken der Baukunst, als 
plastischer Schmuck oder Wanddekoration, 
sei es an Vasen oder Sarkophagen und allerlei 
Geräten, sei es endlich in rein ornamentaler 
Verwendung, in allerlei Rankenwerk. Die 
früheste Verwendung dieser Art dürften die 
20 beiden Nereiden von Epidauros sein, die auf 
sehr kurz gebauten, aus den Wellen aufstei- 




7) Zwei Nereiden zu Pferd. Vom Asklepieion zu Epidauros (nach Overbeck, Gesch. A- .ST- Plnutil 1 ? . , 122). 



An die Totenklage um Achill schliefst die 
Aethiopis und in weiterer Ausschmückung spä- 
tere Schriftsteller die Apotheose Achills und 
seine Überführung auf die Insel Leuke 50 
im Pontos Euxeinos, vgL.QmnLJ kn- 3. %™S- 
Kinkel^ E^^C^hA-M^J^^^Q^J^B^Griech. 
Bilderchr. S. 28. . Die Nereiden kommen hierbei 
nur insoweit in Betracht, als sie eben auch 
den Zug begleiten, und dadurch den Künstlern 
mehr als den Dichtern Gelegenheit zur Ent- 
faltung eines grofsartigen Meerthiasos geben. 
Bahnbrechend und vorbildlich scheint in dieser 
Beziehung Skopas mit der schon oben er- 
wähnten grofsen Gruppe von Meeresgott- 60 
heiten gewesen zu sein. Wenigstens werden 
in dem wenig älteren Nereidenmonument in 
Xanthos die Nereiden noch nicht in dieser 
Weise, sondern auf den Wellen tanzend und 
schwebend dargestellt. Über Nereidenstatuen 
zu Pferd vom Asklepieion zu Epidauros s. u. 
In späterer Zeit werden sie auch bei der Ver- 
mählung Achills mit Helena auf der Insel 



genden Rossen sitzend die Eckakroterien 
des Asklepieions schmückten. Nach Frauenart 
reitend, sind sie beide bekleidet dargestellt, 
doch hat die eine die rechte Brust enthlöfst. 
Sie gehören dem ersten Viertel des 4. Jahr- 
hunderts an und sind nach Entwürfen des 
Künstlers Timotheos gemacht, wenn auch viel- 
leicht nicht von ihm selbst ausgeführt (vgl. 
Collignon, Scu lpt. grecque 2, 195ff. AbbjhL -äej 
linken Fig. 93 . " ÖierbecIc^G&cIh iL *K.-J2Jafit 
2 4 , 127, wo beide, aber wohl unrichtig gegen 
einander reitend abgebildet sind ; darnach Abb. 7). 
— Nicht viel spätererZeit, nach F urtwänakr und 
Wolters so gar noch dem 6. Jahrb., gehört das 
sog. NeFeidenmonument in Xanthos an, 
das seine Benennung einer dabei gefundenen 
Anzahl von Frauenstatuen mit Attributen von 
Meergottheiten verdankt. Man nimmt gewöhn- 
lich an, dafs sie in den Intercolumnien des 
tempelartigen Heroons aufgestellt waren. Es 
sind 12 mehr oder weniger stark fragmentierte 
Statuen erhalten, die nach ihren Attributen, 



229 Nereiden (in der Kunst) 



Nereiden (in der Kunst) 230 



Fisch, Delphin, Seeschnecke, Seekrebs, Wasser- Gipsabgüsse nr, 987-^90. Murray, Hist. o£gr. 
vogel nur Nereiden sein können. Vgl. Michaelis, sculpt. 2, 803 Taf. 18! 1 9. "Överbeck. Gr. Plast. *: 




8 a — d) Nereiden Tom Nereidenmonunient in Xanthos (nach Monum. d. Trist. 10 tav. 11). 



Annali d. Inst. 1874 .S,„2L 6ff, 18 75 8 . 68ff. 2 , 192ff. Collignon, S culpt. gr. 2 , 225ff.Fig. 111 . 
Monumenti 10 T af. 11-18. ( Darnach Abb. 8 a-eV U2.U3. Fig. 1 1 1 auch b ei Sittl, A tlas Taf. 1 1 r., 3, 
Furtwängler/Ärch.Ztg. 1882 , 347. 359. Wolters, irrtümlich als Nike von Epidauros bezeichnet. 

8* 



231 



Nereiden (in der Kunst) 



Nereiden (in der Kunst) 



232 



Dies sind die drei besterhaltenen. Wolters 
sagt über diese Statuen S.3U; „Äußerst 
charakteristisch ist für sie die Art zu 
laufen. Denn offenbar befinden sie sich 
nicht auf festem Boden, sie huschen 
über die Wellen dahin und berühren sie 
kaum mit der Spitze des Fufses. Die 
Eilfertigkeit und Hast ist in den stark 
bewegten Gestalten gut ausgedrückt, der 
Wind scheint die Gewänder zurückzu- 
treiben, sodafs der Körper ganz deut- 
lich hervortritt, und die Mäntel, welche 
die Mädchen halten, bauschen sich hin- 
ter ihnen wie Segel auf und bilden 
einen wirkungsvollen Hintergrund." Die 
Giebelakroterien stellen in kleineren 
Maßen beiderseits den Raub einer Jung- 




^ 



8 e) Nereide Tom Nereidenmonument 
in Xanthos. 

frau dar. Da die fluchtartige Eile der 
Nereiden, wenn sie nicht ein Charakte- 
ristikum der Nereiden selbst sein soll, 
doch eine Veranlassung haben mufs, so 
liegt es am nächsten, in den Akroterien- 
gruppen an den Raub von Nereiden zu 
denken, und da bieten sich eigentlich nur 
2 Fälle dar, der Raub der Thetis durch 
Peleus und der der Oreithyia durch Bo- 
reas, der dann allerdings hier, was nichts 
Auffallendes hätte, jugendlich gebildet 
wäre, und der auch in Delos in einer 
Akroteriengruppe dargestellt war, wo 
Oreithyia offenbar nicht die attische 
Prinzessin, sondern eben eine Nereide ist 
( s. o.1 r sodafs auch die Begleiterinnen 
dieser Gruppe Nereiden wären. 

Dekorativ sind auch die Nereiden- 



m\ 



Mi 




^ 






'**: 




233 



Nereiden (in der Kunst) 



Nereiden (in der Kunst) 



234 



darstellungen in einem in Delos gefundenen 
Pries von fast lebensgrofsen Nereiden, die 
langbekleidet auf Seetieren reiten, aus der früh- 
hellenistischen Zeit, F^twänglf/r, Arrh. — Ztg. 
1882 S. 365 . in dem Münchener Poseidonfries 
und in der Münchener Marmorvase aus Rhodos 
(s. o.) . Ebenso in dem schönen Fries mit See- 
wesen, gefunden in der Nähe der Thermo- 
pylen j. in Athen, Hevdemann. Die antiken 
Marmor bildwerke zu Athen nr. 250. 251 (mit 10 
Abb., darnach Abb. 9 a u. b) , Wolters. Gipsabg . 
l£0JL_19jߧ» u nd an der Berliner Amphora nr. 3258 
( Gerhard. Apul. Vasenbilder „TafL&rrlOJ. wo auf 
dem Fufse rings umlaufend ein Zug von 4 Nereiden 
nach links, zwei neben Delphinen, zwei neben 
Seedrachen schwimmend, dargestellt ist; alle 
in langen ungegürteten Chitonen und mit 
Spiegeln ( s. Abb. 10). Als Gefolge der übers 
Wasser fahrenden Aphrodite 
unter anderen 2 Nereiden auf 
der sehr fein gezeichneten Ber- 
line r Kanne nr. 2660 ans Athen . 

— Geflügelte Nereiden auf 
Fischen auf dem Deckelbild einer 
praenestinischen Ciste, Mon. d. 
I nst. 6 u. 7 Taf. 63 (s. Abb. 11 ). 

— E in Fragment eines Nereiden - 
f rieae s Berliner Vasens. nr. 4122 

— Einzelstatuen von Ne reiden, 
die erhalten sind, gehörten ur- 
sprünglich wohl einem gröfse- 
rem Komplex an, oder dienten 
als Schmuck von Brunnenan- 
lagen, Bassins u. dgl. In Flo- 
renz, Offizien, befindet sich eine 
Nereide auf einem Seepferd 
reitend, der Unterkörper leicht 
mit dem Mantel umhüllt, Ame- 
l una. Führer d. d . Antiken von 
Florenz S. 77 nr. 108. abgeb. H. 
Meyers Gesch. d. bild. Künste 
Taf. 10 A. Im Vatikan zwei 
Nereiden auf Seepferden, Frie- 
de richs - Wolters, Gipsabg. 1546 . 
1 547 ; ein Fragment in Ince 
Blundell Hall, MisMdk^Axsh- 
Ztg. 1874 S. 27 nr. 83. auf einem 
Hippokampen seitwärts sitzend. 
Ob in der vatikanischen Gruppe 
des eine sich sträubende Frauen- 

i gestalt raubenden Tritons eine Nereide zu 
erkennen ist, ist zweifelhaft, s. Baumeister . 
Denkmäler 3 S. 1 864. Müller. Handbuch 
§ 402, 3. — Besonders finden wir Nereiden 
nicht selten als Sarkophagschmuck ver- 
wendet. 4 solche Darstellungen, N. mit den 
Waffen des Achill, sind schon oben erwähnt; 
weiter sind zu nennen 5) ein Sarkophagbruch- 
Btück in Turin, Wolters nr. 1834 (Miliin. Galt . 
mvthol. Taf. 49. 303). 6 ) ein römisch er Sarkn- 60 
phag aus Medina S idonia mit den Bildnissen 
von Mann und Frau in einem von Tritonen 
und Nereiden umgebenen Medaillon, nebst 
Barken und Ruderern ( Hübner. Ant. Bildw. in 
Madr . S. 3181. 7) Nereiden und Meerdämonen 
auf einem Sarkophag der Galleria Corsini in 
Rom ( Mon. d. Inst. 6 Taf. 26) . 8) Tritonen 
und Nereiden an einer Urne, Relief, Mtuu. 






235 



Nereiden (in der Kunst) 



Pjo- Clem. 4 tav. 33, erotischen Charakters. 
9) Sarkophagrelief aus Rom, Venus Anadyomene 
anter Meeresdämonen, G-nrhnrd, A nt. — Bildm- 

TafaooUl8 iJ ÄbiJ2). io) EkaidauIaL-LflO» ..2. 

S arkophag aus Villa Miol lis in Rom: Nereiden 
und Tritonen um die Maskeemes Flufsgottes ver- 
sammelt. Weiteres vgl. Mi»Mer x Handk^AS>%, 3» 
G larac. Mus, de seulpt. p l. 206 —209. Miliin, 
Gal. mifthol. 73. 298. Endlich sindT diese 
Meerjungfrauen im Verein mit Seewesen aller 
Art auch sehr Deliebt in der 
Wandmalerei , sowohl 
ganzen Zügen, als in 
Einzelgruppen, als 
endlich in rein 
ornamentaler 
Art , ver 
flochten 
und 
über- 



Nereiden (in der Kunst) 236 

in dem Fortleben desselben bei den Neugriechen, 
teils aus der litterarischen und monumentalen 
Überlieferung. Gerade die häufige Verwen-' 
dang von Nereiden aaf Sarkophagen ist ein , 
Beweis für diesen Glauben, vgl. Martha^jQaii 

si gniRcave rint se^ulcrales Nereidum__ßgurae. 

Paris 1882. Ihr Aufzug ist eine Erinnerung 
an das Geleite, das sie einst dem Achill zur Insel 
Leuke, Täei seinem Eingang in die Unsterb- 
10 lichkeit gegeben haben, also ein Sinnbild des 
Unsterblichkeitsglaubens. 
Häufig begegnen wir, 
namentlich wo es 
sich um glück- 
liche Fahrt 
handelt, An- 
rufungen 
der Ne- 
reiden, 
z.B. 




geh 
end in 
Ranken- 
werk; SMl, 
AtiasTaLia, 
7XPomEiWand- 

gemäldfiX-BnA-ta, 
2 iStuckreliel_.vp.ia 

GrabJlexXalerifi 1 - i» 
Die Vorstellung von Nerei- 
den mit Fischschwänzen.die 
man aus Vlin. Jf, ff- 9, 4. 
entnehmen will, scheint 
der griechischen Kunst fremd und die ver 
einzelten Beispiele solcher fischschwänzigen 60 Indica 18. 11. Als Kultstätten sind bezeugt Kap 



11) Geflügelte Nereiden. Deckelbild einer 
pränest. Cista (nach Mnn. 4. Tn.it. fi/7 Taf. 631. 



Soph. 

Phil. 

147Q. 

JEWtg. 

He i. 1586. 

Arist^Thesm. 

325 t QxghJIym, 

24. AnthsL^zJ^ 

3_49.ua, Die Seeleute 

opfern Poseidon, Amphitrite 

und den Nereiden, Arnan 

de ven. 35 und Alexander 

d. Gr. bei seiner Überfahrt 

über den Hellespont und 

über den Hydaspes, Arrian Anab. 1, 11. 6. 



Frauen z. B. ein Relief Gal. Giust. 2, 142, 
Fried^shSzJEä3i£ts2M,-BronzeS.gm von einem 
Geräte, gefunden bei Perugia, werden als Tri- 
toninnen zu fassen sein. 

Kultus. 

Wie tief der Nereidenglaube in der grie- 
chischen Volksseele wurzelte, sieht man teils 



Sepias, Herod. 7, 191. das dort als ihr eigent- 
liches Gebiet bezeichnet wird. Euri p. An drom. 
1 6—20. Lesbos, Plut. Sept. Sap. C onv. 20. 
Delos, A then. 7 p. 296 C der Isthmus von 
Korinth, Pind. Isthm. 5(6) . 6. Paus. 2 1. 8 . wo es 
heilst: raürais «od ETtpoolh tjjs EllaSos ßa>iiovg 
oläa ovrag, to«s 3i »cd rsfiivt] atpieiv ava&evzas 
noifiaivieiv (1. sipos lifiiaiv oder kqos rjCöeiv) 






237 Nereiden (bei den Neugriechen) 

nach Schol. Ap. Bhod. 2, 658, Preller- Robert. 
1. 557,5. K ardamyle, Paus. 3, 26 , 7, Kerkyra, 
Schol._Ag^Bhqd._ 4, 12r7 x Brythrae in Ver- 
bindung mit Achill, DMenkmykJMläüeJSxtw- 
376, 52. 76. Ein Kult der Doto allein bestand 
in Gabala, Paus. 2 X 1, 8. Wie die mitgeteilte 
Pausaniasstelle lehrt, war aber ihr Kult in 
ganz Griechenland verbreitet, und wenn man 
sich um ihre Huld bemühte, so liegt darin, 
dafs man sie nicht blofs als huldvolle Mächte 10 
verehrte, sondern auch ihren Groll abwenden 
zu müssen glaubte. Denn dafs sie auch furcht- 
bare Mächte denen werden, die sie verachten, 
das zeigen die Vorstellungen, die von ihnen 
bis in unsere Tage im Griechenvolke fortleben. 

Volksglaube der Neugriechen. 
(Nach Bernha rd Schmidt,. Dg§_ VolMkkenJkr 
Neugrieclien 1, 98—130). 
Der neugriechische Begriff Neraiden ist 20 
umfassender als der alte, und begreift auch Na- 
jaden, Dryaden und Oreaden in sich. Sie wer- 
den auch kurzweg die Mädchen und euphe- 
mistisch die guten Fräulein genannt. In Wuchs, 
Schönheit und äufserer Erscheinung (weifse 
Gewänder, Blumenschmuck, weifse Kopftücher) 
gleichen die Neraiden des heutigen Volks- 
glaubens ganz den Darstellungen auf antiken 
Bildwerken, z. B. Monum. d. Ins t. 6. 26. Die 
Vorstellung, dafs ihre Schönheit durch tierische 30 
Bildung der Füfse (Ziegen- und Eselsfüfse) be- 
einträchtigt werde, ist vereinzelt, vorherrschend 
die Vorstellung vollkommen menschlicher Ge- 
stalt. Die Fischweibchen mit einem Schiff auf 
der Hand, die an Seeplätzen zuweilen als Wand- 
bilder zu sehen sind, dürften kaum für Neraiden 
des Volksglaubens zu halten sein. Dieser 
spricht den Neraiden dieselben Eigenschaften 
zu, die den alten Nereiden zukamen, leichte 
Beweglichkeit, Behendigkeit, das Vermögen 40 
sich auf der Stelle unsichtbar zu machen und 
auch sich in die Luft zu schwingen. (Damit 
vergleiche man ( Abb. 111 die geflügeltenNereiden 
auf dem praenestinischen Cistendeckel, Mon. 
d^ImiJL.M*-Z. Tat 6J), Auch haben sie die 
Fähigkeit, sich in verschiedene Gestalten zu 
verwandeln, ja selbst durch Schlüssellöcher zu 
schlüpfen. Sie spinnen und weben noch wie 
die goldenspindligen Nereustöchter des Pindar : 
Neraidengarn nennt man eine Schlingpflanze 50 
an Bäumen, Neraidenspindeln durchlöcherte 
Steinchen (vgl. unsere sog. Glückssteine), die 
als Amulette gegen Dämonen getragen werden. 
Ebenso haben sie die Gabe der Weissagung, 
und bezaubernd ist ihr Gesang. In manchen 
Gegenden haben sie noch eine Gebieterin 17 
fityälrj Med oder i7e<or?j ry (isyalhtQrj genannt, 
die milder und menschenfreundlicher ist als 
die übrigen. B. Schmidt vermutet darin eine 
grofse Gottheit der antiken Mythologie, wahr- eo 
scheinlich Artemis. Eher dürfte dabei anThetis 
zu denken sein, die Ssenoiva der Nereiden des 
alten Glaubens. In Elis heifst sie Lamia. Viel- 
fach erscheinen die Neraiden als Frauen von 
Dämonen und Teufeln. Vorherrschend ist je- 
doch die Vorstellung jugendlicher Mädchen- 
haftigkeit und herber Jungfräulichkeit: in einer 
kretischen Sage stofsen sie eine Gefährtin, die 



Nereiden (bei den Neugriechen) 238 




„ v 



239 Nereiden (bei den Neugriechen) 

sich mit einem jungen Landmann verbunden 
hat, aus ihrer Gemeinschaft aus. Sie lieben 
aber Fröhlichkeit und Lust, Musik und Tanz, 
besonders bei Nacht auf den Tennen der Land- 
leute. Die Dämonen, die ihnen zu ihren nächt- 
lichen Tänzen aufspielen, sind eine Erinnerung 
an Pan und die Satyrn. Die Neraiden ver- 
sammeln sich gern um musicierende Hirten 
und beginnen fröhliche Reigen (Kephalonia, 



Nereus (Bedeutung) 



240 



Robe rt, Gr. Myth. 1. .71SU,; ähnlich die Sage 
von Dryope, 4M-2dk. Ä Nach rhodiscber 
Sage erscheinen die Neraiden nächtlichen Wan- 
derern beim Überschreiten von Flüssen und 
verkünden ihnen schnellen Tod. Manchmal 
befragen sie einen Menschen und machen ihn, 
wenn er antwortet, stumm. 

Ferner gelten die Neraiden als Urheberinnen 
o __ r _ des Wirbelwindes, in dem sie den Unglück- 
Kreta). " Man erzählt, dafs °sie nicht selten 10 liehen, welcher darein gerät, entführen. Beim 



Sterblichen ihre Liebe schenken und ver- 
schmäht schwere Rache nehmen, gegen wirk- 
liche Vermählung mit Sterblichen aber eine 
Abneigung haben. Doch kann man sie zur Ehe 
zwingen, wenn man ihnen einen Gegenstand, ihr 
Kopftuch oder einen Riüg oder (in Euboia ver- 
einzelt) ihre abgelegten Flügel entreißt. Er- 
innern schon diese Züge an Thetis und Peleus, 
so noch mehr eine kretische Sage, wonach ein 



Wirbelwind sagt man „die Neraiden tanzen". 
Hier scheinen die Vorstellungen von den Har- 
pyien auf die Neraiden übertragen zu sein. 
So mischen sich in dem neugriechischen Volks- 
glauben zwei Vorstellungen, eine freundlichere, 
noch heidnische, und eine unter dem Einflufs 
des Christentums verfinsterte, die jetzt über- 
wiegt. Denn sie erscheinen oftmals als reine 
Teufelinnen, öqyal &sov — duxBoloi, sie ver- 



Jüngling eine Neraide dadurch gewinnt, dafs er so schwinden beim Krähen des Hahnes. Ihre 



sie um den Hahnenschrei bei den Haaren fafst 
und trotz Verwandlung in einen Hund, Schlange, 
Kamel, Feuer nicht fahren läfst. Die so in die Ehe 
Gezwungenen verlieren aber ihre Fröhlichkeit, 
verweigern die Sprache und suchen auf alle 
Weise sich wieder zu befreien. Von manchen 
Familien glaubt man, dafs sie aus solcher 
Neraidenehe stammen. Soweit stimmen die 
modernen Vorstellungen mit dem alten Nerei- 
denglauben im wesentlichen überein. Die wei- 
teren Vorstellungen sind gröfstenteils von 
andern antiken Gottheiten wie Najaden, Strig- 
len und Harpyien auf die Neraiden übertragen. 
In manchen Gegenden spielen sie eine ähn- 
liche Rolle wie die Heinzelmännchen, doch 
stören sie auch zuweilen die Arbeit der Men- 
schen, besonders das Spinnen, durch nächt- 
liche Verwirrung des Garns. Sie sind den 
wohlgestalteten Kindern der Menschen gefähr - 



Opfer sind dieselben, wie im Altertum an 
Nymphen, Eumeniden u. a. : Milch und Honig, 
oft an ganz bestimmten Plätzen: Höhle am 
Musenhügel, bei Kephisia; schon durch die 
Beschwörungsformel (iei.i. xal ydXu etbv 5q6\io 
aov kann man ihren Einflufs abwehren. An 
Drei wegen wird ihnen Zuckerwerk, von Zaube- 
rinnen bereitet, geopfert, auch Ziegen werden 
gebracht, um die bösen Geister zu versöhnen, 
so ebenso Spindeln, was wieder mehr an die alten 
Nereiden, die Spinnerinnen im Palaste des 
Nereus, erinnert. [Siehe über die Nereiden 
auch Politis, Mslsrri inl z. ßiov zäv vsartiemv 
'EUrivuv. Töms^ -L „Athen 1871 p. &l=J2ß- 
Bennell Bodd, Thecustoms jmd Inre. in Modern 
Greece. Londoji 1892 _p. jL73_-rlS5^ ( Mifaril. 
MaxiSovwä , rjzoi vscozepa iXlrfviiia fi&ri iv 
MaKiSovia iv a^iasi nobg za üa fuia. Hermu - 
polis 1879. Tatarakis. in den Ne oU qrtxg 'Avä- 



lich, die sie gern rauben oder ihnen nächtlich 40 *fKta^J^18JL2_jLä2L2=J&l_(Melo8). H e,nt, The . 



Gyclades p. 12— 16(S eriphos). rv rfoyinc S. <£o«y- 
K ovä^j_Knng(j^_AtheaJ.S90 p. 74. Mannhardt . 
A.W. F. K. 36 ff. Drexler.] [Weizsäcker.] 

Nereus (NriQevg). Dafs wir es in NriQevg mit 
einem Meergotte zu thun haben, geht schon aus 
dem Namen aufs _deutlichste hervor. Er geht 
auf dieselbe Wurzel zurück wie via>, vorig, väfuc, 
vfjeog und das neugriechische Wort für Wasser 

vcqö. Am nächsten steht der Bildung nach das 

Kinder, Jünglinge, Jungfrauen, Neuvermählte 50 in guter Zeit nur bei ( den . Tragikern nach 
und Schwangere. (Vgl. vvnfölrinzos Plut . weisbare Adjektiv vagös^Äzchgli * "'" 



Blut aussaugen (vgl. Empusa, Striglen, Vampyr 
glauben). Besonders gefährlich sind die Ne- 
raiden um die Mittagsstunde, zumal im Sommer, 
in der Nähe von Brunnen, überhaupt am Wasser, 
unter Bäumen und an Kreuzwegen. Da wird 
der Mensch leicht von ihnen „ergriffen", d. h. 
er erhält einen Schlag, einen plötzlichen geisti- 
gen oder körperlichen Schaden, oder verliert 
den Verstand; besonders bedroht sind dabei 



Aritf. 11 im Sinne von verrückt und die ver- 
wandte Vorstellung Theokr. Id. 1, 15, wonach 
um die Mittagszeit Pan schläft und nicht ge- 
stört werden darf, will man nicht seinen Zorn 
erregen.) Ebenso gefährlich ist Mitternacht, 
wo die Neraiden ihre Mahlzeit halten und nicht 
gern von Menschen gestört werden. Bei jungen 
hübschen Personen äufsert sich diese Einwir- 



Soph. fram . 569 (Nauck*) 
geben Phot 



rm 

dieses Wortes „ 

Et ym. M. 597, 45 ^ Schal. H om. 2 38 als §sv 



Bedeutung 
286. 8 ff. . 



azinös bezw. vyqög; vgl. auch C urtius, Grunds. 

d gr. Et ym. 6 S. 3 19. Fick, Wör terb. d. indog . 

Spr. 1 S. 123. 250. Die richtige Etymologie 

des Namens finden wir in dem erwähnten 

Iliasscholion, ebenso bei Eustath. ad Hom. 87. 5 

kung der Neraiden bisweilen in einer Schwer- 60 und 1625, 54, während er ebenda 4,37, 15 von 



mut, die sie in die Einsamkeit treibt und end- 
lich den Tod herbeiführt. Die Neraiden holen so 
den Bezauberten zu sich (Anklang an die Hylas- 
sage). Diese Vorstellung findet oft in antiken 
Grabschriften ihren Ausdruck, z. JB. <?.!._ .St. 
1^ 6201 : itcciSa yäg ia&lijv rjqnaoav mg zSQnvTjV 
NatScg, ov dävazog; in Ü9_7_sind es die Orea- 
den, in 6293 die Nviitpai, r.qr\vaim, Prellet- 



väsiv und ghiv und bei Cornut. 23 v on viotiui 
abgeleitet wird. 

Die Götterlehre sieht in Nere'tiB eines der 
ältesten göttlichen Wesen, jedenfalls einen 
älteren Beherrscher des Meeres als Poseidon. 
Der älteste unter den Meergöttern ist er nach 
Orph. Araon. 336. Die hesiodische Theogonie 
macht ihn zum Sohne des Pontos (t^_233), 



241 



Nereus (im Mythus) 



Nereus (= Meergreis) 



242 



welcher sich niemals von der elementaren Ab- 
straktion ,zur belebten Personifikation ent- 
wickelt hat. Wenn fhil. B ybl. bei Euseb . 
Praep^ ev. 1,10 +M Nereus derT^Valer des 
Pontes nennt, so ist dies natürlich nur eine 
falsche Übertragung semitischer Götternamen. 
Ohne mythologischen Wert ist. es ferner, wenn 
Plaut. Iri n. 4, 1 , 1 Nereus zum "Brüder des 
Poseidon macht. Dafs Nere.us„ wie die übrigen 
Pontoskinder Gaia zur "Mutter habe, gent 
aus Hesiod a. a. 0. nicht hervor; doch fafsten 
es so auf Apollod. Bibl. 1. 2, 6; Eya. Praef.; 
Philargur. a d Ve ra. Georg. 4. 92. Nereus' Gattin 
ist Doris, mit welcher er die Nereiden er- 
zeugt, smL_ Von einem Sohne dieses Paares, 
Nerites, der durch seine Schönheit bald seine 
Jugendgespielin Aphrodite, bald, Poseidon 
bestrickte, berichten nur die bei Älian. Hist. 
an. 14, 28 wiedererzählten Rschermärchen. 
Da sie alle mit der Verwandlung dieses Sohnes 



u. IVitonJsLjjFJ Damit verträgt sich freilich 
nicht Welckers _ Ansicht ( Gr. Götte rl. 1 S. 618), 
dafs in der ältesten Mythologie Thetis die 
einzige Nereustochter gewesen sei; die Verkör- 
perung der Meereswellen durch eine grofse 
Mädchenschar ist eine ebenso natürliche Vor- 
stellung, als" eine Einzelgestalt an dieser Stelle 
bedeutungslos wäre. 

Vielmehr mufs man annehmen, dafs Thetis 

10 von vornherein eine Einzelgestalt war; aber 

zur Nereustochter wurde sie erst, als sie schon 

längst die Mutter des Achilleus war, um 

diesem göttlichen Ursprung zu verleihen^ 

Die Bezeichnung „Meer greis" AHos 
ysQcov ist „Kollektivname der vor Po- 
seidon zurücktretenden Gottheiten, 
der depossedierten Meeresfürsten", 
(Esclter. Triton jind seine B ekämpfung durch 
Herakles S. 7) . Nereus teilte ihn jnit Tri- 
ton ( b.A.\ Glaukos, Phorkys u. Proteus; 




1) Herakles und Nereus, umgeben von 2 Nereiden (nach Gerhard, Aus erl. Vasenb._1&f. 112); vgl. Sp. 246, 10 ff. 



in die vq^ltrig genannte Muschel schliefsen, 
"darf man annehmen, dafs erst der^ Anklang 50 
des Namens an Nereus den Anstpfs zu diesen 
Erfindungen gegeben. Unwahrscheinlich ist 
dielWtung einer Terrakottagruppe aus Ägina 
auf Aphrodite und Nerites, Arch. Zeit. 1865 
Taf. 200; vgl. S. 71fl: (Stark). 

Nereus spielt in der griechischen Mytho- 
logie eine weit bescheidenere Rolle als vielfach 
angenommen wird, z. B. von Preller-Robert. Gr^ 
Myth. S. 554. In der Volksvorstellung traiT 
seine Gestalt gänzlich hinter der. des jüngeren 60 
Meerbeherrschers Poseidon zurück, während 
seine Töchter, die Nereiden, allezeit die helle- 
nische Phantasie stark in Anspruch nahmen. 
Ja, Nereus spielt fast.nur als Vater der Nereiden 
eine Rolle, so dafs der Schlufs nahe liegt, er sei 
der erst durch Rückschlufs aus diesen überhaupt 
entstandene „Meeresalte", "AUoe yd^av. 
[Vgl. Kuruniotis. He rakles mit Halios aeron 



zu den bei Escher a. a. O. S. 1 ff. angeführten Be- 
legstellen vgl. auch Schol. Viet. zu Hom. Z 38. 
Nicht für alle diese Gestalten ist Escher s 
Folgerung berechtigt, dafs die Sondernamen 
älter sein müfsten als der gemeinsame. Der 
letztere ist natürlich von einem vorposeido- 
nischen Meergotte erst auf die anderen über- 
tragen worden; aber ursprünglich ist er doch 
wohl an einer Stelle aufgekommen, wo der 
„ältere Meergott" einen besonderen Namen nicht 
führte. Dafs aliog yeQmv zuerst sich mit 
Nereus gedeckt, ist darum wahrscheinlich, 
weil erstens, wie oben erwähnt, Nereus erst 
seinen Töchtern seine mythologische Existenz 
d. h. auch zugleich seinen Namen zu ver- 
danken scheint, und zweitens, weil an seiner 
Gestalt hauptsächlich die greisenhaften Züge, 
das Verständige, Wohlwollende aber auch das '] 
Kraftlose ausgebildet sind. Dafs man diesen 
älteren Meergöttern greisenhaftes Aussehen 



243 



Nereus (Kult etc.] 



Nereus (mantisch) 



244 



andichtete, leiteten die alten Gelehrten von 
dem Schaume der sich brechenden Wogen ab, 
Cornut. 2 3. Schgl. Hom. A 358. Eustath. ad 
Hom. 116. 25. Sero, ad Vera. Georg. 9. 403, 
vg l. Schümann, Opusc. ac. 2 S. 211 . Da jedoch 
bei Poseidon dieser Zug völlig fehlt, kann 
man ihn nur auf die Einreihung der „Meeres- 
alten" in die göttliche Genealogie zurückführen, 
in welcher sie der gleichen Generation ange- 
hören, wie die Titanen. 10 

Als Meergott genofs Nereus immer einen 
gewissen, wenn auch bescheidenen Kult. Paus. 
3 , 21, 9 erzählt, dafs die Gytheaten einen rigcov 
verehren, ofaslv iv frcddoorj (päfiivoi, und dafs 
er in ihm den Nereus wiedererkannt habe, 
vgl. Wide , Lakonische Kulte S. 222 fl . — 
Gaedechens (Glaukos d. Meerg ott S^189ff. und in 
Bo schers Lexikon 1 Sp. 16 82Y"ebens(TTy"e7cfcer. 
Gr. Götterl. 3 S. 187 hielten 
Pausanias' Ansicht für falsch 
und identifizierten Glaukos 
mit dem gytheatischen 
Geron. Escher a. a. 
S. 3 hat mit Recht 
hervorgehoben, dafs 
nach Pausanias' 
Worten das Bild 
des Geron rein 
menschliche Zü- 
ge, ja nicht ein- 
mal ein charak- 
teristisches Attri- 
but trug, was bei 
Nereus durchaus 
der Gepflogenheit 
entspricht, wäh- 
rend es bei den 
anderen Meeres- 
alten, zumal bei, 
Glaukos, unzulässig ist. 
So ist Nereus auch der 
uXiog yegtov der Kolchos- 
kanne ( Berlin 1732. Klein, 

an. S. 48. Gerhard, 

Wiener 




durch den Zug des väterlichen Wohlwollens ■ 
der besonders in dem innigen Verhältnisse zu 
Beinen Töchtern sich ausspricht, und nur aus- 
nahmsweise erscheint auch er einmal als feind- 
lich stürmischer Dämon, Vera. Aen. 2. 418 f. 
Die Vorstellung von ihm hing in der späteren 
Zeit hauptsächlich von seiner Charakterisierung 
in der hesiodischen Theo qonie ab: 

v. 233. NrjoEa S uipeväsa v.al aXn&ta yei- 
vato Ilövrog 
nQeaßvzazov itaCStov avzaq xaliovai 

ysgovza 
ovvsy.cz vrjfiSQtris ze tau fjmog oväi 

^ejuarmv 
Xrfösxai ffüti SCyiaia Y.al ^ma dqvsa 
olSsv. 
Neue Nahrung gab dieser Vorstellung Pind. 
Pyth. 3, 94 ff.: 

fit] Xöyov ßXänzwv äXCoio yiqovzog 
Y.Qvnziza> 
»ffi/os aCvsiv Kai zbv £%&qov 
itavzl &v(i(ö avv ys dtxa 
xciXci QsfZovz' i'vvensv, 
wozu das Scholion b e- 
merkt , dafs cEiser 
Grundsatz , auch 
dem Gegner Ge- 
rechtigkeit 
widerfahren zu 
lassen, ein Xöyog 
NriQSag wäre. In 
der Fassung des 
Sch olions will 
Escher a. a. . 
S. 3 ein Citat aus 
einemEpos einge- 
schlossen sehen. 
Wahrscheinlich 
liegt ein solches 
schon den Worten 
Pindars zu Grunde, die 
sich mit leichter Mühe 
in episches Versmafs um- 
setzen lassen.*) 
Wie Glaukos, Proteus und 



Auserl. Vasenb. Taf. 122 

V orl.-Bl. 1889 Taf. 1, 20) . — 2) Nereus und Herakles, Thon- andere Wassergottheiten, z. B. 

Sonst wird Nereus nur in später diskus ( nacl1 Benndorf, Griech. di e Meertöchter im Nibe- 

Jt Zeit und selten als Meerbeherr- «■-"'«:',. Fo^nyHer Taf.ji4b} ; l un genliede, besitzt Nereus 

.scher angerufen, so Oryh. Hvmn. -^ p ' 2 * ?i * —= auch mantische Kraft. So sägt er 

23. Opyian : HaJ. 2. 3 6. Cyneg. 



1, 77. ~ Den Dreizack führt er bei Verg.Aen. 
2. 418 u ndmehrfach in Vasenbildern, so Gerhard, 
Au serl. Vasenb. Taf. 8 . Wiener Vorl.-Bl. Ser, 7 
Taf. 2, während die mischgestaltigen Wesen, 
welche ihn führen, zu Unrecht von Gerhard 
a. a 0. 1 S. 37 auf Nereus bezogen sind7~T5fter 
wird das Meer als sein Bereich und Wohnsitz 
bezeichnet, so schon Hom. A 358. Eur. Androm . 

Phanii 



nach Hör. Carm. 1, 15 Paris das 
Unglück Troias voraus, wie Heyne, Observ . 
ad Apollod. S. 171 vermutet, nach der Version 
eines griechischen Dichters. Welckers Ein- 
setzung des Bakchylides beruht jedoch auf 
einem Irrtum. Nach Porphyr, zn Hör. Od . 
1. 15 ahmt Horaz hier wohl den Bakchylides 
nach, doch wird bei diesem Troias Fall von 
Kassandra prophezeit. Bei Apoll . Bhod. 1. 13 10 
prophezeit als vito<fi)zrjg des. Nereus den Ar- 



ial, Alexis b ei Athen. 3 , 107 A 

Athen. 1, 6 F. Metonymisch braucht Nereus für 60 gonauten Glaukos, welcher nach Nikand ros 

Meer zuerst Kaüim. Tfy mn. \, 40 (vgl. Schneider. ( Athen., 7, 296 F. ; frgm- 25. Schneider) ( m einem 



Onllimachea 1 S. 147), später (Tibull), 4, 1, 5 8, 
Ovid. Met. 1, 187. QnäZk-JiÄ-JjSt 4m?«ÜB- 
Ätteg. bei Westermann. Mitth. gr. S. 228. Nom- 
LHonys. , der 6, 216; 32, 194 ; 3 6, 96 von einem 
"Agaip NrjQSvg, 2 5, 51 von einem ACßvg N. 
spricht. 

Nereus ist, wie schon bemerkt, ausgezeichnet 



Liebesverhältnisse zu ihm steht! Auf Nereus 
mantische Kraft beziehen sich auch seine Epi- 
theta svßovXog bei Pind. P yth. 3, 93 ; BüSekyL 
fr gm. 6 (Kenyon), äipevSrjg, vrniiqz^g bei Hes . 

*) Etwa so: 

Kai tov; ix^Qov; xttvo; ijtaivstv Zweite 7tavtl 
&VJU& avv ys oiy.a xccXa Qe&vza;. 



245 Nereus (u. Herakles) 

Theog. a. a. 0., wie auch die Namen einiger 
Nereiden hierauf anspielen : Nthisqttis, Uipevdijg 
bei Hom. 2 46 , Sepietiä, ügovöri, Nrnisgr^g 
bei Hes. Theog, 261 f . — Die mit der Mantik 
nahe verbundene Iatrik vertritt der sicherlich 
in diesen Kreis gehörige, in der Troas verehrte 



Nereus (u. Herakles) 



246 



welchem wir hören, zeigt ihn im Grunde als 
hilfreichen Gott; nur mufs er in diesem Falle 
erst gezwungen werden seine Wohlthat zu 
erweisen. Als .Herakles ausgezogen war 
die goldenen Äpfel zu holen, so erzählte 
Pherecydes (fr gm. 33 in Müller, Fragm. hist. gr. 1 




Neryllinos, dessen Bild %Qrj\iuzt&i-v %ai läadcci 
vooovvzus rofu'fsYort; Athena g. Leg. 23 , vgl. 
Lobe ck, Aglaoph^lllL 

In den Götter- und Heroenmythen tritt 50 
Nereus nur sehr selten auf, gewöhnlich als 
freundlicher tJönrier. Aphrodite wird in 
seinem Hause ^aufgezogen, Lucian. Tragodop.81 . 
Älian. Hist. An . 14. 28. Als Herakles des 
Sonnenbechers bedarf, erhält er diesen nach 
Pa nyassis v on NereuB, nach Peisandros von 
Okeanos, Athen. 11. 469 D. Eine lustige Tra- 
vestie dieses Zuges finden wir bei Ptolem. 
Ee phaest. 6 (Westerman n, Mythogr. gr S. 196, 8 ) : 
Als alle Götter dem Peleus Geschenke bringen, 60 
spendet ihm sein Schwiegervater Nereus ein 
- „Göttersalz" , ein unfehlbares Mittel für noXv- 
' cpay i'a, opsiis und niiptg; jedenfalls geht dieser 
Einfall auf ein Satyrstück oder eine Komödie, 
allenfalls auch auf ein Epigramm zurück, wie 
überhaupt Ptolemäus Hephästion weitaus besser 
ist als sein Ruf. 

Auch der einzige Kampf des Nereus, von 



4) Nereus. Aus einem Peleus- Thetisbilde (nach Gerhard, 
^aserOtee^.Taf. 178/9); vgl. Sp. 247, 28 B._~ 

SL18. Apollod. Bibl. 2, 5, 11^6. Schal. Apoll . 
Eh. 4, 1396), gelangte er an den Eridanös. 
Die Nymphen daselbst, Töchter des Zeus und 
der Themis(also Moiren), verraten ihm, dafs 
Nereus den Weg zu den goldenen Äpfeln wisse. 
Herakles überfallt ihn darum im Schlafe und 
hält ihn trotz Verwandlung in mancherlei Ge- 



247 



Nereus (u. Herakles) 



Nereus (u. Herakles) 



248 



' stalten, z. B. Wasser und Feuer, fest, bis er ihm 
Bescheid gegeben. Da Stesichoros bei Keller , 




5) Nereus und Boris. Von einer Schale des Duris 
(nach Wiener V orleaeblätter Ser. 7_Ta£Jl; vgl. Sp. 247. 41 



■ Ber. «qf. Script. S. 110 vo n Verwandlungen des delt. 
Nereus erzählte, nahm Wilamowitz, Herakles 1 1 können. 



S r 9ft Stesichoros als Pherekpdes' Quelle be- 
zeichnen. Die Kenntnis dieser Sagenform war 
schon zu S tesidmrns' Zeit all- 
gemein. Ein schwarzfiguriges 
Pariser Vasenbild, das sicher- - 
lieh noch in die erste Hälfte 
des sechsten Jahrhunderts ge- 
hört, stimmt mit jenem Be- 
richte nicht nur überein, son- 
dern stellt diesen Kampf noch 
ausführlicher dar ( Gerhard . 
Auser l. Vasenb. Taf. 112, da- 
nach Baumeister, Denkmäler 
S. 1017). Durch Wellenlinien 
und Delphine ist der Schau- 
platz als das Meeresufer cha- 
rakterisiert. Nereus, greisen- 
haft, bekleidet mit Chiton und 
Himation, will nach rechts ; 
enteilen, aber Heiakies bat 
ihn bereits erreicht und um- 
klammert ihn mit Aufbietung 
aller Kraft. Vier von Nereus' i 
Rücken ausgehende Strahlen 
deuten die Verwandlung in 
Wasser oder Feuer an. Rechts 
und links von dieser Gruppe 
entweicht je eine weibliche 
Gestalt; die zur Linken hält 
einen Löwen, während an der 
anderen ein Panther herauf- 
klettert: Zwei Nereiden haben 
versucht dem Alten zu helfen 
und sich wie Thetis oder 
Proteus in Ungetüme verwan- 
ohne jedoch damit etwas erreichen zu 




6) Nereus auf Hippokamp (nach dexharji, 4merk Va senb. Taf. 81: Tg l. Sp. 247. 66 ff. 



S. 272 m it Wahrscheinlichkeit an, dafs er diesen 
Kampf gegen Herakles behandelt habe. Schwer- 
lich darf man aber darum schon mit Esther a.a.O. 



Dieses Eingreifen der Nereiden als 
Erfindung des Va- 
senmalers gelten 
zu lassen ist ge- 
wifs unzulässig; 
es mufs in der 
Volkssage oder im 
Epos schon vor- 
gekommen sein. 
— Ohne Verwand- 
lung findet die 
Ergreifung des 
Nereus sich auf 
einer schwarzfigu- 
rigen Lekythos in 
Athen, vgl. Bd. 1 
Sp. 2193. während 
Gerhard a. a. 0. 
Taf. 113 aus die- 
sem Zusammen- 
hange zu streichen 
ist, vgl. .KJMg- 
man n. Ann, del l' 

JnsL-im-^3&, 
Anm. 

"Von den drei 
rotfigurigen Va- 
senbildern dieses 
Gegenstandes hal- 
ten zwei am alten Typus fest, vgl. Bd. 1 Sp. 2 230, 
das Bild einer Hydria des Brit. Mas. 716 u nd das 
eines wahrscheinlich zum Aufhängen bestimmten 



249 



NereüS (auf Vasen) 



Nergal (älteste Kulte) 



250 



Thondiskus, Benndorf, Grieeh. u. sie. Vasenb. 
Taf. 32, 4 b. Auf dem ersteren hat Nereus weifses 
Haar und einen langen weifsen Bart, und auch. 
Herakles ist bärtig; auf dem zweiten ist 
Herakles jugendlich, und nur durch die Spär- 
lichkeit von Haupt- und Barthaar ist dag 
Greisenhafte an Nereus ausgedrückt. — Ganz 
eigentümlich ist die (Fig. 3) Scene in dem dritten 
Bilde, Ann, d. Inst. 1878 tav. d'agg. E. Herakles, 



Vasen ( Lenormant e t de Witte, Mite, getarnt 
Taf. 1—3. Gerhard. Auserl. Vasenb. Taf. 8) . 
Auf dem pergamenischen Giganten- 
friese endlich war der inschriftlich bezeichnete 
Nereus durch eine, wie es scheint, aus „Fisch- 
haut" gefertigte Mütze charakterisiert (Be- 
schreibung der verganten. Bü dme.rju: S. gäj. ' 

[Bloch.] 
Nergal*), babylonische Gottheit. Die Aus- 



jugendlich, tobt im Inneren eines Hauses. Er 10 spräche ist gesichert durch die hebräische 0>5"} 3, 



hat, nach den Krügen und Kannen zu schliefsen, 
in Nereus' Hause eine gute Aufnahme gefunden, 
sich dann des Dreizacks bemächtigt und ist 
im Begriffe mit diesem Mobilien und Gefäfse 
zusammenzuschlagen, sicherlich in der Absicht 
von Nereus das Geheimnis zu erpressen. Dieser, 
mit weifsem Haupt- und Barthaar und einer 
grofsen Glatze, steht dabei und scheint auf 
den Gast zu schelten. Das Vasenbild ist nicht 



2. Kön. 17, 30. Jer. 39, 3. 13), syrische, man- 
däische (s. n. Sp. 268) und phönizische (Corp. 
Inscr. sentit. 119) Transskription, sowie durch 
die griechische in den Namen Nrigiylieaqos 
(Berosus) und Nt'igyilos. Nergal, der Stadtgott 
von Kutha (HR 60, 12 a u ll b — so zusammen- 
gehörig) ist seiner Naturgrundlage nach Gott- 
heit der verzehrenden Sonnenglut**); dann 
übertragen der Kriegsgott, der mit seinem 



so alt, dafs eine Abhängigkeit vom Satyrspiele, 20 Schreckensglanz dem Feinde tödliche Seuchen 



dem die Scene in der Auffassung am nächsten 
steht, ausgeschlossen wäre. 

Von Kunstdarstellungen kommen für Nereus 
fast ausschliefslich Vasenbilder in Betracht. 
Er ist eine häufige Nebenfigur bei Herakles' 
Kampfe mit dem anderen „Meergreis", dem 
Triton; die betreffenden Denkmäler sind zu- 
sammengestellt von Petersen. Ann, d. Inst. 1882 
gjjfi.f.; vgl. Escher a. a. 0. S. 137; u. d. Art, 
Herakjes. Ferner boten die Darstellungen vom so es, dafs im mythologischen Lexikon nach Mar 



und Verderben bringt. In beiden Eigenschaften 
erscheint er als Löwen gott. Schließlich 
wird ihm als einem Gemahl der Höllengöttin auch 
die Herrschaft in der Unterwelt zugewiesen. 

I. Der Koitus des Nergal im 

altbabylonischen, assyrischen und 

chaldäo-babylonischen Beiche. 

Die zufällige Reihe der Buchstaben ergiebt 



Liebeskampfe des Peleus mit Thetis oft Gelegen- 
heit Nereus als Nebenfigur zu verwenden. Ge- 
wöhnlich finden wir in den Schalenbildern ihn 
auf dem Reverse stehend oder sitzend, während 
ihm seine Töchter oder auch Hermes die Nach- 
richt von dem Vorfalle überbringen. Die letzte 
und vollständigste Zusammenstellung der Denk- 
mäler bietet Graf, JahxbuctuL dreh. Inst. 1 
SL2Ql-ff. In fast allen Fällen ist Nereus greisen 



duk, dem Stadtgott von Babel, und Nebo, dem 
Stadtgott von Borsippa, nunmehr Nergal, der 
Stadtgott von Kutha, der dritte im Bunde der 
kultisch wichtigsten babylonischen Götter, zur 
Behandlung kommt. Durch alle Epochen baby- 
lonisch-assyrischer Geschichte, ja darüber hin- 
aus, spielt Kutha mit seinem Nergalkultus 
neben Babylon und Borsippa eine bedeutende 
politische Rolle (warum? ist noch nicht fest- 



haft gebildet — eine Ausnahme bildet (Fi g. 5) 40 gestellt; s. vorläufig Winckkr, Altorient. Forsch. 
die Durisschale des Louvre (KMtuMäsierMgn. 1, 3_S. 218f.) 



S. 1 58, 1 5, abgeb. Wiener Vorl.-Bl. Ser. 7 Taf. 2) — , 
bekleidet mit Chiton und Himation, meist 
durch einen Stab oder Scepter, selten durch 
den Dreizack ausgezeichnet, dagegen öfter 
durch Delphine kenntlich. — 

Einen litterarisefi nicht bezeugten Mythus 
stellt ein Vasenbild (Bull. Na p. NT S^5_ laLX 
- -leqebl. Taf. 12t dar. Auf dem 



Die Stadt Kutha wurde durch Bassam in 
dem fünf Stunden östlich von Babylon ge- 
legenen Ruinenhügel Tel Ibrahim gefunden, 
wo schon M. Bawlinson und G. Smith sie ver- 
mutet hatten. Der Tempel des Nergal in Kutha 
hiefs Esitlam. Auf Grund des bisher bekannt 
gewordenen Inschriftenmaterials können wir 
die Baugeschichte des wieder aufgefundenen 



- Meeresgrund thronen Nereus und Thetis, zwi- 50 Tempels bis in die sog. erste Dynastie der 
* - 1 ---- — - ■"____■ j-_ «.i-;ii— Könige von Ur verfolgen (ca. Mitte des 3. Jahr- 
tausends), die sich im Bauen von Tempeln be- 
sonders hervorgethan hat. Dungi, König von 
Ur, König von Sumer und Akkad, wird als Er- 



sehen ihnen stehen zwei Nereiden. Achilleus, 
knabenhaft, der von Hermes hereingeleitet wird, 

— soll von Nereus ein Diadem empfangen. Alle 
-— Figuren sind inschriftlich bezeichnet, auch die 

— Nereiden als Kymathoe und Psamathe. In 
der Situation zeigt diese Darstellung eine 

— überaus grofse Verwandtschaft mit den Bildern 

— von Theseus' Anerkennung durch Poseidon, so 
dafs man auch hier wohl eine Anerkennung 



*) Es ist der Wunsch ausgesprochen worden, dafs 
die Bd. 2 Sp. 773 angekündigte Beine von Aufsätzen 
über babylonisch-assyrische Gottheiten erweitert und wo- 
möglich vervollständigt werden möge. Es werden neben 
den bereits erschienenen Artikeln Izdubar, Marduk, 



— <• VOn Achills göttlicher Abkunft erblicken darf; 60 Moloch (Anhang), Nebo, Nergal noch folgende er 

— zum Pfände derselben soll das von Nereus 
dargebotene Diadem dienen. Minervi nis Er- 
klärung ( Bull. Nap. a. a . 0. S . 17) auf Achills 

~~ Empfang in Leuke scEeiterT "an der ausge- 
sprochen knabenhaften Erscheinung. 

_ Nereus allein sehen wir in dem auf einem 
Hippokampen reitenden, einen Dreizack halten- 

— den Greise (Fjg^auf mehreren seh warzfigurigen 



scheinen: Ninib (Adar, Nindar), Nusku, Oanne« 
(Ea), Papsukal, lammin, Sanas, Sin, Tam- 
muz, Tiamat, Zu und (in den Nachtragen) Anu, 
Anunnaki, Aralu, Aruru, Asur, Bei, Cherub, 
Dagon, Etana, Gibil, Gula, Istar, Kingu, 
Mar tu. [Alfred Jeremias.] 

**) Ahnlich -wie der griechisohe Apollon und der ita- 
lische Mars, vgl. Röscher, Apollon und Mar). Leipzig 1873 
und die Artikel Apollon und Mars. 



251 Nergal (älteste Kulte) Nergal (älteste Kulte) 252 

bauer (was freilich auch Renovator bedeuten die alle drei ur-sag lag-ga de8 Gottes Bei 

kann) des Nergaltempels Esitlam in Kutha heifsen, geschlossen.] 

bezeichnet (KB III, 1 S. 80 f.). Auf einer in Sehr alt ist die Bezeichnung des Nergal als 

assyrischer Sprache in Nineveh gefundenen Ne-uru-gal, d. h. (Volksetymologie) „Herr des 

Inschrift heifst es: „Dungi, der Mächtige, grofsen Landes", d. i. der Unterwelt. Schon 

König von Ur und König der vier Weltgegenden, auf den altbabyl. Siegeln de Clercq nr. 200 u. 

Erbauer von Esitlam, dem Tempel des Nergal, 243 heifst er so. In der Sintflutlegende aber 

seines Herrn, in [ ]a-ki." Wahrschein- dürfte En-nu-gi, d. i. wohl dasselbe wie 

lieh ist der Name zu Gu-du-a-ki, d. i. Kutha En-kur-nu-gi, „Herr des Landes ohne Heim- 
zu ergänzen. Dungi, dessen Einflufs sich bis 10 kehr" Nergal sein*). In der vorhin erwähnten 
in jene Gegend erstreckte, hielt den Tempel- Urkunde des Singamil ist die Bezeichnung als 
bau für wichtig genug, ihn auch in der fernen König der Unterwelt wahrscheinlich. 
Gegend gebührend zu erwähnen. Vielleicht In den uns bekannten Inschriften Hammu- 
aber ist [Ninu]-aki d. i. Nineveh zu er- rabi's wird (gewifs zufällig) Nergal nicht er- 
gänzen, dann hätte Dungi in Nineveh einen wähnt, wohl aber bei Samsu-üuna (KB III, 1, 
Nergaltempel erbaut, wie Gudea dort einen 132 f.). Aber im ganzen erscheint er selten und 
Istartempel baute (damit erweitere ich meine nur beiläufig in den historischen Inschriften 
in Beitr. z. Assyr. 3, 1 S. 108 geäufserte An- des altbabylonischen Reiches. Samas&umukin 
sieht). Einen anderen Tempelbau aus der hebt bei der Schilderung des Akitufestes das 
Dynastie von Uruk (Singamil) zu Ehren des 20 Kommen des Nergal, des Gewaltigen und Er- 
Nergal, des Königs der Unterwelt (?), erwähnt habenen, der unter Jauchzen und Frohlocken 
ein Alabastertäfelchen des Britischen Museums aus Esitlam nach Babylon zieht, besonders 
(KB III, 1 S. 84 f.). Nach dem Tempel Sit-lam hervor und nennt ihn in der Prozession neben 
in Kutha wird Nergal schon in altbabyloni- Bei, dem „Herrn der Herren" (Lehmann, Samassu- 
schen Urkunden mit Vorliebe von Hammurabi mukin L 4 col. III). Dem Wesen des Nergal 
Sidlamtauddua genannt. So schon iu der alt- entspricht es auch, wenn S. an anderer Stelle 
babylonischen Legende IV R 35 nr. 2 und Coli. derselben Inschrift sagt: während er von Mar- 
de ClerccL nr. 125. Vielleicht ist auch auf der duk und Nebo seine Weisheit habe, verdanke 
von Hüprecht entdeckten und restituierten er Nergal die Kraft der Männlichkeit und un- 
Vaseninschrift des Lugalzaggisi (3. Jahrtausend, so vergleichlichen Verstand. In den Texten von 
s. Thureau-Dangin, Bevue semitique 1897 S. 270) Tell-el-Amarna erscheint Nergal (London 5. 82) 
der Z. 30 erwähnte Gott Sid Abkürzung für zum ersten Male in der ideographischen Schrei- 
Sidlamtauddua. bung, die kaum anders als „Gott des Eisens" 
[In den Urkunden der ältesten uns be- gedeutet werden kann. Da die Inschriften in 
kannten babyl. Zeit scheinen die Götter Ninib den Beginn der Eisenperiode fallen, so würde 
und Ningirsu (d. i. Herr von Girsu, der politi- dies von besonderem kulturgeschichtlichen 
sehen und religiösen Metropole der Patesi von Interesse sein. 

Lagasch) nahe verwandt, wenn nicht identisch Im assyrischen Reiche können wir den 
(so Fr. Rommel) mit Nergal zu sein. Ningirsu, Nergalkultus - nicht weiter als bis ins 9. Jahrh. 
der schon bei dem südbabylonischen semiti- 40 hinauf verfolgen. Die Haupteigenschaft des 
sehen Könige Eanadu eine hervorragende Rolle Nergal, die das kriegslustige Assyrervolk inter- 
spielt (s. Thureau-Dangin, a.a.O. 1897 S. 263 ff.), essieren mufste, war durch den assyrischen 
ebenso in altbabylonischen Eigennamen (s. Götterkönig Asur genügend vertreten. Jedoch 
Meifsner, Altbabylon. Privatreckt nr. 65. 69. 108) kann man deutlich verfolgen, wie im Ringen mit 
und Siegeln (de Clercgi nr. 197 u. ö.) und in Babylonien der Kultus des waffengewaltigen 
den Gudea -Inschriften, wird auf der Ur-Bau- Nergal auch bei den Assyrern zur Geltung kam. 
Inschrift de Sareec pl. VIII als „der mächtige Theophore Namen mit Nergal gebildet finden 
Krieger" des Gottes Enlilla (d. i. Bei) an- sich nicht selten in den Eponymenlisten. 
gerufen. Aber nicht nur die Eigenschaft als Asurnasirpal (885 — 860) sieht in Nergal den 
Kriegsgott hat er mit Nergal gemeinsam, son- so Kampfgewaltigen, der seine Waffen zum Sieg 
dem auch die Eigenschaft als chthonischer führt (KB I S. 74f.), Ninib und Nergal sind 
Gott; der Bauer heifst „Knecht des Ningirsu" die Schutzgötter seiner königlichen Jagdunter- 
und auf dem Fragment K 48 wird von Ningirsu nehmnngen (ib. S. 122 f.); Salmanassar II. 
gesagt, dafs ohne seine Vermittelung „Feld und (860—825) nennt ihn bei Aufzählung der grofsen 
Kanal kein Gelingen giebt und keinen Halm er- Götter als „König der Schlacht" (KB I, 130f. 
zeugt". Bei de Clercqur. 125 bleibt es zweifelhaft, vgl. 158f. 168f.), und bei seinen babylonischen 
ob das neben Ningirsu stehende Sidlamtauddua Feldzügen opfert er in Babylon, Borsippa und 
(Bezeichnung für Nergal) Apposition ist oder Kutha und stiftet dort den grofsen Göttern 
ob hier die beiden neben einander aufgezählt (Marduk, Nebo, Nergal) Geschenke und Opfer 
sind. Andererseits bezeugt HR 57, 74c die 60 (ib. S. 138f. 200ff.). Bammanirari (812—783) 
nahe Verwandtschaft zwischen Ningirsu und opfert ebenfalls in Kutha und rühmt sich, dafs er 
dem Kriegsgott Ninib (dafs beide identisch sind, die Aufträge dieser drei Götter entgegennimmt 
beweist die Liste meiner Ansicht nach nicht). (ib. S. 192 f.). Tiglatpileser III. opfert denbaby- 
Nimmt man hinzu, dafs in altbabylonischer Zeit Ionischen Hauptgöttern, unter besonderer Her- 
Ninib und Nergal schwer zu trennen sind (s. ., T , „ . Ä „ , „ „. 
Fr Hommel Assuriol Notes in Proc nf fhe Snr > In der Sene Surpu ( heraus ge8° bM1 Ton B - Z'mmern) 
I'-d^i ".' ^y °-?„? eS - f \. C -$J me üoc - 4, 83 erscheint dieser Enugi allerdings neben Nergal 
0/ Blbl. Arclt. Dez. 1897), SO ist die Verwandt- ^ Gott der Vegetation, wie Ningirsu. Vielleicht ist dies 
Schaftskette zwischen Ningirsu, Nergal, Ninib, auf eine spätere Differenzierung zurückzuführen. 



253 Nergal (Gott der Sonnenglut) 

vorhebung des Nergal und seiner Gemahlin Laz, 
im Tempel Charsagkalama. Sargon II. erzählt, 
dafs er in Relach einen Tempel renoviert habe, 
in dem Kriegsbeate aufgestapelt und wo neben 
den Göttern vonKelach auch dem Nergal und dem 
Ramman Opfer gebracht und Feste gefeiert wür- 
den. Sanherib nennt Nergal unter den Göttern 
seines Vertrauens (KB II, 106 f.), Asarhaddon 
übergeht ihn zwar zuweilen bei Aufzählung der 



Nergal (Löwengott) 



254 



Konsequenz davon Gott des Krieges, der Pest, 
des Todes, der Unterwelt (die Logik der Reihen- 
folge zuerst von mir aufgestellt in den „Bdbyl - 
assyr. Vorstellungen vom Leben nach dem Tode" 
S. 68). Dafs er Sonnengott in diesem Sinne ist, 
beweist ein kossäisch-babylonisches Glossar (s. 
Delitzsch bei Zeller, Bibl. Handwörterb. S. 622), 
welches Nergal identifiziert mit Nusku, dem 

o .._ Gott der alles verheerenden Mittagssonne, als 

7"Schutzgötter (ib. S. 124f. 134f. vgl. "aber 10 welcher er zugleich mit dem Feuergott eins 



142 f.), rechnet ihn aber (Beitr. z. Assyr. 3, 
2, 229) zu den 12 grofsen Göttern und sagt: 
Als Asur ihn zum König ernannte, habe ihm 
Ami seine Krone (ib. S. 237), Bei seinen Thron, 
Ninib seine Waffe, Nergal seinen Schreckens - 
glänz (s. u. Sp. 256) verliehen. Asurbanipal 
aber, der ebenfalls Nergal zu den grofsen 
Göttern zählt und ihm Opfer in Kutha dar- 
bringt, sagt, er habe den surinnu im Hause 



ist (IV R 24, 64 a wird er geradezu Gibil, d. i. 
Feuergott „mit glühendem Munde" genannt), und 
jenes berühmte Götterverzeichnis V R 46 besagt, 
Nergal werde im Westland, d. h. in Kanaan, 
Sarrapu (Seraph!) d. h. „Verbrenner, Versenger" 
genannt (s. Abb.). Auch stimmt dazu, dafs ihm 
mit Vorliebe „Schreckensglanz" zugeschrieben 
wird. Jensen, Kosmologie S. 484fi. bringt neue 
Gründe hinzu. Nach dem Sp. 257 f. übersetzten 



des Nergal von Tarbisu, der seit uralter Zeit 20 Hymnus ist er der Liebling von Duranki, wo 
nicht bestanden, aufgestellt. Unter den Nach- mit ein vom Sonnengott beherrschter kos- 
folgern Asurbanipals gilt vom Nergalkultns das- mischer Ort gemeint ist. Als Gott der Glut- 
selbe, was oben Sp. 51 f. vom Kultus deB Mar- sonne erscheint Nergal in Löwengestalt, 
duk und Nebo gesagt wurde : die babylonischen Jensen hat diese althergebrachte Ansicht a. a. 0. 
Hauptgötter sollten die sinkende Macht 
Assyriens stützen helfen. Dafs den 
kuthäischen Kulten der assyrischen 
Könige ebenso wie denen zu Babylon 
und Borsippa ein politischer Sinn zu 
Grunde liegt, ist sicher (s. Winckler 
a. a. ). Am wahrscheinlichsten bleibt 
es, dafs der Kult von Kutha, der bis in 
die Seleucidenzeit aufs innigste mit dem 
von Babylon und Borsippa verbunden 
war, in Beziehung zur babylonischen 
Königswürde stand. 

Bei den chaldäo-babylonischen Köni- 
gen Nabopolassar und Nebukadnezar 
wird Nergal zunächst nur beiläufig er- 
wähnt. Sie „befafsten sich beständig" 
mit den Tempeln des Marduk und Nebo. 
In einer der Bauinschriften Nebukad- 
nezars wird die Befestigung und der 
Neubau der Umfassungsmauern von Esit- 
lam erwähnt und vom Einzug der kuthäischen 
Götter in ihre Tempel berichtet. Es scheint dar- 
nach, dafs Kutha samt seinem Tempel vorher in 
Verfall geraten war. Einer der Nachfolger Nebu- 
kadnezars, der als grofser Geschäftsmann und 
Glied der königlichen Familie vor seiner Thron- 50 dafs der Pestgott, der mit Nergal identisch ist, 




1) Geflügelte Genien (Seraphim) aus Nineveh (aus G. Smith, 
Assyriern Discoveries S. 174). *) A 



S. 489 wieder in Zweifel gezogen. Die üb- 
liche Begründung lassen auch wir fallen; die 
Lesung nergallu für das Löwenideogramm ist 
allerdings mindestens zweifelhaft. Aber in der 
Dibbarra- Legende wird ausdrücklich erzählt, 



besteigung schon eine Rolle spielte (Winckler, 
Geschichte S. 338), heifst Nergal-sar-usur (d. h. 
Nergal schütze den König). Auch der letzte 
babylonische König holt sich Orakel bei Nergal 
(KB III, 2, 90 f. neben Samas und Ramman). 
Dafs der Kultus des Nergal noch in der Seleu- 
cidenzeit in Blüte stand, zeigt die oben Sp. 52 
erwähnte Schenkung der Laodike an Babylon, 
Borsippa und Kutha. Auch die mandäische 



sich in einen Löwen verwandelt**). Dadurch 
gewinnt auch der Umstand, dafs Nergal ge- 
legentlich mit einem Epitheton bezeichnet wird, 
das sonst Löwe bedeutet (urgallu), an Be- 
deutung. Dann aber dürfen wir in den von 
Bezold veröffentlichten keilinschriftlichen Be- 
schreibungen zu assyrischen Göttertypen (ZA 
9, 114 ff.) Nergal unter folgender Beschreibung 
erkennen: „Hörn eines Stieres, ein Haarbüschel 



Religion kannte den babylonischen Nergal 60 fällt auf Beinen Rücken (?) herab; Menschen- 

■"- - - ■"- •- antlitz und Stärke eines . . . ., Flügel ... seine 
Vorderfüfse und einen Löwenleib, der auf vier 
Füfsen [ruht]". Das stimmt aber genau zu den 



noch unter dem verstümmelten Namen Nerig 
und Nergil (s. oben Sp. 59 und unten Sp. 268). 

II. Nergal als Gott der verzehrenden 
Sonnenglut nnd als Löwengott. 

Wie Marduk der Gott der schöpferischen 
Frühsonne, so ist Nergal der Gott der ver- 
derbenbringenden Sonnenglut, und erst in 



*) Ygl. die Verzierung auf dem zweiten Götterthron 
Sp. 67 f. 

**) Die Legende übersetzt tou Harper in Beitr. t. Assyr. 
2, 425 ff. Schon oben Ed. 2 8p. 806 haben wir auf die 
Eigentümlichkeit hingewiesen, dafs »ich Götter zu be- 
stimmten /wecken in Tiere verwandeln. 



255 



Nergal (Löwengott) 




2) Löwenkolofs, den 
Nergal darstellend. 



Bildern der in den Thorlaibungen aufgestellten 
menschenköpfigen Löwenkolosse (s. Puclistein, 
Zeitschr. f. Assyr. 9, 410 ff.). Sind die Löwen- 
kolosse Nergale, so gewinnt die Gleichung Nergal 
im Westland = Sarrapu von neuem Bedeutung 
für die Erklärung der jesaianischen Seraphim*). 
Dafs der Löwe Symbol und Gestalt des Nergal 
darstellt, ist ja für den Gott der Glutsonne 
höchst charakteristisch. 
Der Löwe ist in ganz 
Vorderasien Symbol der 
Sonnenglut. Den heifse- 
sten Monaten Juli und 
August eignet das Bild 
des Löwen, die Sonne 
befindet sich während 
der Hundstage im Zo- 
diakalbild des Löwen, 
das selbst die Sonnen- 
glut des Hochsommers 
symbolisch darstellt (s. 
Jensen a. a. 0. S. e6, 
478 Amn.). Auch zu 
Nergal als verderben- 
bringendem Gott im all- 
gemeinen stimmt das 
Bild des Löwen. Die 
Löwen, die die Wüste 
südlich vom Euphrat 
bewohnen , waren der 
Schrecken der Baby- 
lonier. Der Held des „Nimrodepos" fürchtet 
sich vor den Löwen in der Gebirgsschlucht (s. 
Bd. 2 Sp. 793). Die Bilder verherrlichen ihn 
und seinen Freund als Löwentöter, und nach 
dem Verlaufe der Sintflut giebt Ea dem Bei, 
der die Flut angerichtet, u. a. den Rat: „An- 
statt dafs du (künftig) eine Sintflut anrichtest, 
mögen Löwen kommen und die Menschen ver- 
mindern" (vgl. Bd. 2 
Sp. 810 Anm.51 den Hinr 
weis auf die biblischen 
Parallelen). Die Omina 
(viele im 3. Bande des 
Inschriftenwerkes), die 
besagen, dafs Nergal 
kommt, um Land und 
Leute aufzufressen, schei- 
nen, sofern sie nicht Pesti- 
lenzen meinen, Löwen- 
plagen anzukündigen. 
Vielleicht deutet auch die 
Bezeichnung der Feld- 
zeichen als urugallu auf 
s) k ii ii t äugelten den Löwengott. Dasnr.4 
Löwen (Symbol des abgebildete assyrische 
Feldzeichen ist allerdings 
das einzige löwenge- 
schmückte, das ich bis- 
her entdecken konnte — 
und auch hier bilden die Löwenköpfe nicht 
den Hauptschmuck. — Übrigens zeugt auch 

*) Auch sonst empfängt die alttestamentliche Engel- 
vorstellung immer nenes Licht von Babylonien her. In 
den 1896 veröffentlichten Babylonian Tahlets des Britischen 
Museums begegnet nns häutig die Vorstellung vom Schutz- 
gott, bez. Schutzengel (ilu nasirka). Bin assyrischer 
Brief an die Königin Mutter redet vom „Gnadenboten 1 ' 




Nergal) aus Nineveh 

(ff. Smith, Nineveh and its 

remains S. 127). 



Nergal (Kriegs- u. Pestgott) 256 

der von Mme. Jane Bieulafoy, La Perse, la 
Chäldee et la Susiana 1887 S. 624 geschilderte 
und abgebildete Löwe von Babylon (plumpe 
BaBaltskulptur) von der Vorliebe der Babylonier 
für das Löwensymbol. 

III. Nergal als Gott des Krieges 
und der Pest. 

Kriegsgott ist Nergal zunächst nicht in 
10 demselben Sinne wie Asur, der Heldengott in 
dem kampfesfreudigen Volke der Assyrer, son- 
dern, wie der italische Mars als Gottheit, 
die dem Feinde, gleich der Sonnenglut, Ver- 
derben bringt. „Furcht und Schreckensglanz" 
zieht vor ihm her. Schon bei Urbau heifst 
er der „Krieger" des Gottes Bei. Das ge- 
bräuchlichste Ideogramm bezeichnet ihn als 
Gott des Schwertes. Auch assyrische Könige, 
Asurnasirpal und Salmanassar IL, preisen ihn 
20 als „König der 
Schlacht" 
und versäu- 
men nicht, 
ihm auf ba- 
bylonischem 
Boden wie im 
eigenen Lan- 
de Opfer zu 
bringen. In 
30 einem Hym- 
nus IV R 26, 
2 a wird er ge- 
nannt „der 
Kriegsheld, 
der grimmige 
Sturm, der das 

feindliche 
Land nieder- 
wirft".*) 
40 Auch in den 
babyloni- 
schen Kon- 
trakten gilt er 
gelegentlich 
als „vernich- 
tender Gott" 
{KB 4, 61 u. 
ö.). Mit der 
kriegerischen 
50 Eigenschaft 

verbindet sich von selbst die Vorstellung eines 
Repräsentanten männlicher, heldenhafter 

(aptt iipri la duniu) des Merodach und Nebo (Beitr. z. 
Assyr. 1, 190). Trotz der sich erhebenden grammatischen 
Schwierigkeit dürfte die Angabe, ilu (Gott) werde im West- 
land (d. i. Kanaan) malahü genannt (K 2100, s. Bezold's 
Publikation), durch das hebräische ^Xl» (of. iTliT' TiXia) 
seine Erklärung finden. Auch der Cherub ist babylonisch. 
Die Mitteilung Lenormanfa, der Name Kirubu sei durch 
60 eine Siegelinschrift der Collection de Clercq bezeugt, be- 
ruht, wie mir Herr de Clercq vor Jahren brieflich mit- 
teilte, auf Versehen. 

*) Auch ich erkläre jetzt in dem Hymnus mat nukurti 
als „Feindesland". Aber unmöglich ist die Beziehung 
auf das Totenreich durchaus nicht (gegen Jensen a. a. O. 
S. 221); es würde dann Nergal als Bezwinger (vgl. die 
Eriskigal-Legende) des den Menschen kat. exoch. feind- 
lichen Landes angerufen sein; auch nabalkattu kann sehr 
wohl in diesem Sinne „Feindesland" = Hölle bezeichnen 




4) Assyrisches Feldzeichen nach 

Rawlinson, The five great Monarchies 

L 461. 



257 Nergal (Kriegs- u. Pestgott) Nergal (Höllengott) 258 

? r u f T*; ,7 R i 6 ' T ^ 2 heifst Ner ^ al Karradu, aufthun, der Mächtige, dessen Geifsel 

<L h Heldengott; VR 21, 25ff. c d heifst er (als Herr, dessen Macht unentrinnbar ist, gieich 

Mars) „Herr der Kraft"; auch die häufigere Be- dem Traum, der durch die Thürangel nicht 

nennung almuallamu bedeutet wohl dasselbe [zurückgehalten wird(?)l, der Mächtige der 

(s. unt. Sp 267). Der Heldengott aber ist bei du den Feind von Ekur, den Gegner 

den jagdliebenden Assyrern zugleich Schutzgott von Duranki , ein Sturmwind, der das 

der Jagd (s. ob. Sp. 252). Auf den Jagdgott be- Land der Ungehorsamen überwältigt 
zieht sich wohl III R 43, col. IV, 121 das Epithe- Im Anschluß daran geben wir den Anfang 
ton „Herr der Waffen und der Bogen«. Aber vor einer Beschwörung aus assyrischer Zeit wiede? 
allem wird dem Nergal als Kriegsgott Verderben 10 der Nergal mit charakteristischen Beinamen 
zugeschrieben Nergal ist der Pestgott»). In belegt und zugleich einige mythologische Rätsel 
den Omentafeln werden von ihm die Pestilenzen bietet. King, Babylonian Magie nr. 27 : „Ge- 
abgeleitet. In der Serie Surpu (Zimmern S. 25) ist waltiger Herr, Erhabener, Erstgeborener des 
Nergal der Herr der Seuche, der die Dämonen GottesNU-NAM-NIR,ErsterunterdenAnunnaki 
aussendet, welche die verborgensten Orter mit Herr des Kampfes, Sprofs derGöttin KU-TU-SAR 
beuchen schlagen Seine Spezialität ist die auf- der grofsen Königin, Nergal, Allgewaltiger unter 
fallend gefurchtete „Kopfkrankheit" (te'u), die den Göttern, Liebling des Gottes NIN-MIN-NA 
vonauctoritativerSeitekürzlichalseineArtKopf- du strahlst am glänzenden Himmel, deinem 
rose 'erklart worden ist (Sanitätsrat Bartels in ZA hohen Wohnsitz, du bist grofs in der ünter- 
8,179ä.) Als Pestgott führt er den Namen Urra- 20 weit, ohne Rivalen, mit Ea in der Götter- 
gal. Vielleicht hegt der Name in Abkürzung Versammlung ist dein Rat hervorragend mit 
schon m den mit Urra gebildeten theophoren alt- Sin siehest du alles im Himmel Bei, dein 
babylonischen Namen vor (Meifsner nr. 2. 45; Vater, hat dir die Schwarzköpfigen, alle Lebe- 
zuweilen auch ohne Götterdeterminativ, wie wesen, übergeben, das Vieh des Feldes das 
in Arad-Urra nr. 12 und ürra-näsir nr. 103 f.); Gewürm hat er deiner Hand anvertraut" 
der letztere Name würde dann den Pestgott 

mit dem bekannten Euphemismus als Schutzgott IV. Nergal als Höllengott (bez. Gemahl 
bezeichnen. In einer altbabylonischen Legende de *' Höllengöttin) und die babylonischen 
erscheinen in Begleitung Nergals vierzehn HöUenfahrten. 
Ungeheuer, wie Blitz, Fieber, Gluthitze, ent- 30 Die Hölle der Babylonier wird von einer 
sprechend seinem Charakter als Gott aller weiblichen Gottheit, Namens Eriskigal (assv- 
Schrecken (s. unten Sp. 263). risch Allatu) beherrscht. Ein Gemahl und 
Hymnus Mitherrscher derselben ist Nergal, als solcher 
auf Nergal den Schreckensgott. S"*"? Irkall f genannt. Nergal ist Herr der 
mPo , , , . , t . , ., ' Unterwelt — das ist die letzte Kon- 
iv ±1 ii nr 1 bietet einen leider nur frag- seqnenz seiner verderbenbringenden Thätig- 
mentarisch erhaltenen Hymnus auf Nergal. keit. Der babylonische HadeT wird zuweilen 
Auen die erhaltenen Bruchstücke bieten un- geradezu Kutha genannt nach dem Kultusort des 
losbare Schwierigkeiten. Nergal wird als Gott Nergal. Vielleicht vermuteten die Babylonier 
aller bchrecken geschildert. „...Oberster, dessen 40 im Tempel zu Kutha einen Eingang in die Unter- 
Angesicht glänzend, dessen Mund glühend - weit; gelten doch die Tempel als Nachahmungen 
mächtiger Feuergott, geliebter Sohn, Herzens- der Götterwohnsitze. Euphemistisch heifst der 
Hebung des Gottes von Duranki, grofser Auf- Hades „Land ohne Heimkehr". Den Namen Ner- 
seher, Herr der grofsen Götter, dessen Ehrfurcht gal erklärte man deshalb künstlich als Ne-uru-sal 
und Worie [.....], Beherrscher der Anunnaki, d. h. „Machthaber der grofsen Stadt" d i der 
dessen Glanz furchterregend ist, Herr erhöbe- Gräberstadt. In der Götterliste II R 59 wird 
nen Hauptes Liebling von Ekur, dessen Name Nergal in dieser Eigenschaft König von Aralu 
I . . . . J, Erhabener unter den grofsen Göttern, (d. i. das Totenreich) genannt. Vgl. zu der gan- 

dem Gericht und Entscheidung [ ], er- zen Materie meine „Babylonisch-assyrische Vor- 

nabener Urache, der du Gift über sie ausspeiest, 50 Stellungen vorn Leben nach dem Tode" (2 Auf- 

. . ... . Ghedmafsen, wütende Dämonen, ge- läge in Vorbereitung). Wegen der hervor- 

waltige zur Rechten [und zur Linken], von ragenden Wichtigkeit dieser Materie für die 

riesiger Leibeserscheinung, sodafs sein Schlag vergleichende Mythologie geben wir schon 

Uen * eind an seiner Seite der [. . . .], hier eine verbesserte Übersetzung der „Höllen- 

bei dessen Fufs-Dröhnen sich das verschlossene fahrt der Istar" und im Anschlufs daran eine 

HauB [öflnet], der in der Nacht umhergeht, Besprechung anderer babylonischer Höllen- 

vor dem verschlossene Thüren sich von selbst legenden. 

Die Höllenfahrt der Istar.**) 

Vorderseite. 

An das Land ohne Heimkehr, das Land [ ] 

gedachte Istar, die Tochter des Mondgottes. 

Des Mondgottes Tochter gedachte 

an das Haus der Finsternis, den Sitz Irkalla's (d. i. Nergal), 

*) Vgl. Apollon, der als Postgott seine Pfeile, d. i. die heifsen pestbriugenden Suuueustralilen herabsendet 
s. Roiclur, Apotkm und Mart 8. 58 ff. 63 ff. ' 

**) 8. hUriu die Bemerkungen Bd. 2 Sp. 816. 
Eo»uhku, Laxikuu der gr. u räm. Mythol. III. 9 



259 Nergal (babylonische Höllenfahrten) 260 

an das Haus, dessen Betreter nicht mehr herauskommt, 

an den Pfad, dessen Hinweg nicht zurückführt, 

an das Haus, dessen Betreter (Bewohner) dem Lichte entrückt ist, 

den Ort, da Staub ihre Nahrung, ihre Speise Erde, 

da Licht sie nicht schauen, in Finsternis wohnen, 

da sie gekleidet sind wie Vögel in ein Flügelgewand, 

über Thür und Riegel Staub gebreitet ist. 

Als Istar zum Thore des Landes ohne Heimkehr gelangt war, 

sprach sie zum Wächter des Thores: 

„Du Wächter da, öffne dein Thor, 

öffne dein Thor, dafs ich eintreten kann. 

Wenn du nicht öffnest das Thor, ich nicht eintreten darf, 

werde ich zertrümmern das Thor, den Riegel zerbrechen, 

werde zertrümmern die Schwellen und aufreifsen die Thürflügel, 

will heraufführen die Toten, dafs sie essen und leben, 

zu den Lebendigen sollen sich scharen die Toten." 

Der Wächter öffnete seinen Mund, zu sprechen, 

kund zu thun der hehren Istar: 

„Halt ein, meine Herrin, stürze sie nicht um! 

Ich will gehen, deinen Namen melden der Königin Eriskigal." 

Es trat ein der Wächter, sprach [zur Königin Eriskigal] : 

„Diese da, Istar, deine Schwester, [ ] 

Als die Göttin Eriskigal dies [gehört], — 

wie wenn ein Baum gefällt wird [ ], 

wie wenn Kunlnu-Rohr abgeschnitten wird, [sank sie hin] (und sprach): 

„Was mag sie von mir wollen, was [ ], 

o die hier, ich will mit ihr [ ] 

anstatt Brot will ich Erde essen, anstatt Wein will ich [Thränen] trinken, 

will weinen über die Männer, die ihre Frauen verlassen, 

will weinen über die Weiber, die von der Seite ihres Gatten sich [wenden], 

über die kleinen Kinder will ich weinen, die vor ihrer Geburt [ein Ende nehmen]. -^ 

Geh, Wächter, öffne ihr dein Thor, 

bemächtige dich ihrer gemäfs den alten Gesetzen." 

Der Wächter ging, öffnete ihr sein Thor: 

„Tritt ein, meine Herrin, Kutha (die Unterwelt) möge jauchzen, 

der Palast des Landes ohne Heimkehr möge dich freudig bewillkommnen!" 

Das erste Thor Helfe er sie betreten, entkleidete sie, die grofse Krone nehmend von ihrem Haupte. 

„Warum, o Wächter, nimmst du die grofae Krone von meinem Haupte?" 

„Tritt ein, meine Herrin, denn also lauten der Eriskigal Befehle." 

Das zweite Thor liefs er sie betreten, entkleidete sie, die Geschmeide nehmend von ihren Ohren. 

„Warum, o Wächter, nimmst du die Geschmeide von meinen Ohren?" 

„Tritt ein, meine HerriD, denn also lauten der Eriskigal Befehle." 

Das dritte Thor liefs er sie betreten, entkleidete sie, die Ketten ihr nehmend vom Nacken. 

„Warum, o Wächter, nimmst du die Ketten von meinem Nacken?" 

„Tritt ein, meine Herrin, denn also lauten der Eriskigal Befehle." 

Das vierte Thor liefs er sie betreten, entkleidete sie, die Schmuckstücke nehmend von ihrer Brust. 

„Warum, o Wächter, nimmst du die Schmuckstücke von meiner Brust?" 

„Tritt ein, meine Herrin, denn also lauten der Eriskigal Befehle." 

Das fünfte Thor liefs er sie betreten, entkleidete sie, den Gürtel mit Edelsteinen nehmend 

von ihren Hüften. 
„Warum, o Wächter, nimmst du den Gürtel mit Edelsteinen von meinen Hüften?" 
„Tritt ein, meine Herrin, denn also lauten der Eriskigal Befehle." 
Das sechste Thor liefs er sie betreten, entkleidete sie, die Spangen nehmend von ihren 

Händen und Füfsen. 
„Warum, o Wächter, nimmst du die Spangen von meinen Händen und Füfsen?" 
„Tritt ein, meine Herrin, denn also lauten der Eriskigal Befehle." 
Das siebente Thor liefs er sie betreten, entkleidete sie, das Schamgewand nehmend von 

ihrem Leibe. 
„Warum, o Wächter, nimmst du das Schamgewand von meinem Leibe?" 
„Tritt ein, meine Herrin, denn also lauten der Eriskigal Befehle." 

Als nun Istar hinabgestiegen war zum Lande ohne Heimkehr — 
da erblickte sie Eriskigal, fuhr sie wütend an; 
Istar, unbesonnen, stürzte sich auf sie — , 

*) In dieser Zeile steckt das ungelöste Bätsei Ton Istars Höllenfahrt. 



261 Nergal (babylonische Höllenfahrten) 262 

da öffnete Eriskigal ihren Mund, zu sprechen, 
Namtar, ihrem Diener, kund zu thun den Befehl: 

„Geh, Namtar, öffne mein [ ] und 

führe hinaus zur [ ] die Göttin Istar, 

mit Krankheit an den Augen [schlage?] sie, 

mit Krankheit an den Hüften [schlage sie], 

mit Krankheit an den Füfsen [schlage sie], 

mit Krankheit am Herzen [schlage sie], 

mit Krankheit am Kopfe [schlage sie], 

auf sie, in ihrer ganzen Person [ ]. — 



Nachdem Istar, die Herrin [ ]. 

bespringt die Kuh nicht mehr der Stier, 

über die Eselin beugt sich der Esel nicht mehr, 

über das Weib auf der Strafse beugt sich der Mann nicht mehr nieder. 

Es schlief ein der Herr in seinem Gemache, 

es schlief ein die Magd auf ihrer [ ]. — 

Rückseite. 
Pap-sukal, der Diener der grofsen Götter, senkte sein Antlitz vor [Samas], 
in ein Trauergewand bekleidet mit zerzausten (?) Haaren. 
Es ging Samas vor Sin, seinen Vater, wei[nend], 
vor Ea, dem König, Thränen zu vergiefsen: 

„Istar ist in die Unterwelt hinabgestiegen und ist nicht wieder heraufgekommen. 
Seitdem Istar ins Land ohne Heimkehr hinabgestiegen ist, 

bespringt die Kuh nicht mehr der Stier, beugt sich über die Eselin der Esel nicht mehr, 
über das Weib auf der Strafse beugt sioh der Mann nicht mehr nieder. 
Es schläft ein der Herr in seinem Gemache 

es schläft ein die Magd auf ihrer [ ]." 

Da schuf Ea in der Weisheit seines Herzens ein männliches Wesen, 

schuf den Uddusunämir, den Götterdiener: 

„Wohlan, Uddusunämir, nach dem Thore des Landes ohne Heimkehr richte dein Antlitz, 

die sieben Thore des Landes ohne Heimkehr mögen sich vor dir öffnen, 

Eriskigal möge dich sehen, möge dich freudig bewillkommnen. 

Sobald ihr Herz sich beruhigen und ihr Gemüt sich aufheitern wird, 

so beschwöre sie mit dem Namen der grofsen Götter, 

hebe hoch deine Häupter, auf den Quellort (?) richte deinen Sinn (und sprich): 

'Wohlan, Herrin, der Quellort(?) möge mir Wasser geben; daraus will ich trinken.'" 



Als Eriskigal dies hörte, 

schlug sie ihre Lenden, biss sich in den Finger (und sprach): 

„Du hast von mir verlangt ein unerlaubtes Verlangen — 

fort Uddusunämir, ich will dich verfluchen mit einem grofsen Fluche, 

die Speisen in den Rinnen der Stadt sollen deine Nahrung sein, 

die Gossen der Stadt seien dein Trank, 

der Schatten der Mauer deine Wohnung, 

eine Steinschwelle dein Aufenthalt, 

Gefängnis und Einschliefsung sollen brechen deine Kraft." — 

Eriskigal öffnete ihren Mund zu sprechen, 
Namtar, ihrem Diener, kund zu thun den Befehl: 
„Geh, Namtar, zerschlage den ewigen Palast, 

die Schwellen zertrümmere, dafs die erbeben; 

die Anunnaki führe heraus, setze sie auf einen goldenen Thron, 

die Göttin Istar besprenge mit dem Wasser des Lebens; schaffe sie fort von mir!" 

Namtar ging, zerschlug den ewigen Palast, 

zertrümmerte die Schwellen, dafs die erbebten, 

die Anunnaki führte er hinaus, setzte sie auf goldenen Thron, 

die Göttin Istar besprengte er mit dem Wasser des Lebens und schaffte sie fort: 

Das erste Thor führte er sie hinaus, gab ihr zurück das Schamgewand ihres Leibes; 

das zweite Thor führte er sie hinaus, gab ihr zurück die Spangen ihrer Hände und Füfse ; 

das dritte Thor führte er sie hinaus, gab ihr zurück den Gürtel von ihren Hüften, mit 

Edelsteinen besetzt; 
das vierte Thor führte er sie hinaus, gab ihr zurück die Schmuckstücke ihrer Brust; 
das fünfte Thor führte er sie hinaus, gab ihr zurück die Kette ihres Halses; 
dal sechste Thor führte er sie hinaus, gab ihr zurück die Geschmeide ihrer Ohren; 
das siebente Thor führte er...sie hinaus, gab ihr zurück die grofse Krone ihres Hauptes. — 



263 Nergal (Höllenfahrten und -legenden) 264 . 

„Wenn sie ihre Freilassung dir nicht gewährt, so wende zu ihr [dein Antlitz], 
dem Tammuz, dem Gemahl ihrer Jugend, 

giefse reines Wasser aus; kostbaren Balsam [ ], 

mit einem Opfergewand bekleide ihn, eine krystallene Flöte möge er [ ], 

die Uhat mögen wehklagen mit schwerer [ ], 

es möge zerbrechen die Göttin Belili das Prunkgerät, das sie [ ■'..•], 

die Diamanten voll von [ ]." 

Da vernahm sie die Klage um ihren Bruder, es zerschlug die Göttin Belili das Prunkgerät, 

das sie [ ], 

die Diamanten, mit welchen erfüllt war die [ ]. 

„Meinen einzigen Bruder richte mir nicht zu Grunde, 

in den Tagen des Tammuz spielet mir die krystallene Flöte, auf dem Instrument 

von Edelstein spielet mir seine Totenklage, 
seine Totenklage spielet mir, ihr Klagemänner und Klagefrauen, 
dafs die Toten emporsteigen und Opferduft atmen!" 

. , ,, , . . „..-,, i j sie. wischte ihre Thränen ab und sagte: 'was 

Andere fcafcylomscne Hollenlegenden. du auch immer von mir verlangtest seit fernen 

1. Die Eriskigal-Legende. Monaten bis jetzt' " Halevy hat in 

Bruchstücke einer Legende von der Höllen- 20 einem Aufsatz der Bevue semitique , Le Bapt 
göttin Eriskigal*) wurden in den Thontafeln de Persephone ou Proserpine par Pluton chez 
von Teil el Amarna gefunden. Diese Fragmente les Babyloniens p. 372 ff. die Eriskigal-Legende 
wurden bereits ob. Bd. 2 Sp. 1586 f. von Brexler in Zusammenhang mit dem griechischen Sagen- 
im Artikel Kure Persephone Ereschigal erwähnt. kreis gebracht. Dafs die Vergleichung nicht 
Die Legende berichtet, wie Nergal die Herr- von der Hand zu weisen ist, beweist zur Ge- 
schäft über die Unterwelt an sich reifst, indem er nüge die Zusammenstellung der .Namen in der 
die Höllengöttin zwingt, ihn als Gemahl an- Anrufung der Kovgri negoeyövr) 'Egsc^iyal 
zuerkennen. „Als die Götter ein Gastmahl (s. Bd. 2 Sp. 1584ff.). Im einzelnen gehen 
veranstalteten, sandten sie einen Boten zu ihrer freilich beide Sagen weit auseinander; nur 
Schwester Eriskigal (und liefsen sagen): 'Wir so die gewaltsame Eheschliefsung ist ihnen ge- 
möchten wohl zu dir hinabsteigen, wenn du nicht meinsam. 

zu uns heraufkommst; sende einen, der deine Höllenfahrten im Gilgames 

Speisenportion in Empfang nimmt.' Da sandte m m ,n^ Enn» 

Eriskigal den Namtar, ihren Boten, und er stieg (JNimrod)-Jipos. 

empor zum des hohen Himmels. Es trat 1) Das babylonische Zwölftafel - Epos läfst 

ein (Namtar) " Hier folgen 12 zerstörte seine Helden in den Hades hinabsinken. Den 

Zeilen. Im folgenden Stück zieht Nergal mit Riesen Eabani verschlingt die Unterwelt. Wahr- 
7 und 7 Helfershelfern nach den Thoren der scheinlich hat Istar mit seinem Tode die ihr 
Unterwelt, wohin Namtar bereits zurückgekehrt widerfahrene Schmach gerächt (s. oben Bd. 2 
ist. Blitz, Fieber, Gluthitze u. s. w. sind ihre 40 Sp. 792). Sein Freund Gilgames (Izdubar), 
Namen. An den vierzehn Thoren der Unterwelt der nicht wie Eabani sterben will, holt sich 
werden die Helfer Nergals aufgestellt. Nergal bei seinem Ahn Heilung vom Aussatz und er- 
fordert vom Thorwächter Einlafs. Die Scene fährt das Geheimnis der Seligeninsel; aber die 
ist ähnlich wie in der Höllenfahrt der Istar. Nur Lebenspflanze , die er zum Geschenk erhielt, 
dafs Namtar hier nicht direkt Thorwächter ist, wird ihm auf dem Heimweg geraubt. Am An- 
sondern „Oberpförtner" (ein Oberpförtner er- fang der XII. Tafel klagt er über das Elend 
scheint auch in dem Höllentext Kingm. 63). Der der Totenwelt, dem sein Freund verfallen ist 
Thorwächter geht zu Namtar und meldet, dafs (s. a. a. 0. Sp. 802). Von einem Tempel zum 
ein Gott vor den Thoren stehe. Eines der Bruch- anderen zieht er mit seiner Totenklage. End- 
stücke berichtet, wie die Höllengöttin von dem 50 lieh wendet er sich an Nergal*), den „Helden 
Besuch erfährt und ihm Einlafs gewährt. Nun und Herrn" selbst, und erreicht Bein Ziel: 
folgt die Katastrophe: „Innerhalb des Hauses Nergal läfst den Geist des Eabani, den „die 
ergriff er Eriskigal bei ihrem Schopf, stiefs Totengeister bannten" und der „vom Weh der 
sie vom Throne herab auf die Erde, um ihr Unterwelt erfafst" war, aus der Unterwelt 
den Kopf abzuschlagen. 'Töte mich nicht, emporsteigen. Dafs Gilgames selbst in der 
mein Bruder, ich will dir ein Wort sagen (?).' XII. Tafel zur Unterwelt hinabsteigt (nach 
Als Nergal dies hörte, liefs er seine Hand ab. Jensen bei Wüdeboer, Das Buch Esther in 
Sie weinte und schluchzte (?): 'du sollst mein Marti's Kommentar Lief. 6, 174: um Richter 
Gatte sein, ich will deinWeib sein, ich will dir die der Totenwelt zu werden), kann ich ans den 
Herrschaft geben in der weiten Unterwelt, ich 60 Fragmenten nicht herauslesen. — Übrigens 
will dir die Weisheitstafel in deine Hand scheint das von uns mit Haupt zur I. Tafel 
geben, du sollst Herr sein, ich will Herrin sein.' gerechnete Fragment (a. a. 0. Sp. 783) von einer 
Als Nergal dies hörte, ergriff er sie, küfste Höllenfahrt auf dem Totenflusse zu reden. Die 

Situation ist ähnlich wie die in der Höllen- 

*) Früher wurde Ninkigal gelesen. Die Teil el fanrt der j gta] . ge3c hilderte: dort ist völlige 
Amarna- Texte sohreiben, um den ägyptischen Priestern ° 

das Entziffern der babylonischen Schrift zu erleichtern: *) Bei der Gelegenheit wird wiederholt der rabisu 
E-ri-eä-ki-i-ga-a-al. Das wichtigste Fragment yerSffent- des Nergal genannt, d. i. wahrscheinlich eins der Un- 
lichte zuletzt Beiold in Oriental Diplornacy nr. 82. geheuer, die in seiner Begleitung gedacht sind. 



265 Nergal (Tammuz' Höllenfahrt) Nergal (kuthäische Sintflutsage) 266 

Sterilität, hier gänzliche Verwirrung die Folge die beiden Thorwächter brechen in Wehklagen 

der Hadesfahrt. aus, als Adapa sagt, er trage Trauerkleider, 

2) Bd. 2 Sp. 804f. haben wir ein Keilschrift- weil zwei Götter von der Erde verschwunden 

fragment besprochen, das in den Bereich der seien. — Auch andere Götter der Vegetation 

Legende von Gilgames (Izdubar) gehört, ohne werden in die Hölle versetzt aus demselben 

dafs es uns gelingen will, dasselbe in den Grunde wie Tammuz: so Enmesara, Ningiszida, 

Zusammenhang des Epos einzufügen. Auf der der Gott der Heilkunst (wohl ursprünglich 

Vorderseite wird die verführerische Dirne Uhat Gott der heilkräftigen Kräuter), 

in die Hölle verflucht, wobei ein besonderer . „. , ., .. . , „. .„, ,, , 

Strafort (!) im Hades geschildert wird, genau wie lo 4 - Die kuthäische Sintflutlegende, 

in der Höllenfahrt der Istar, während die Rück- In diesem Zusammenhange verdient Er- 

seite eine Schilderung des „Landes ohne Heim- wähnung eine in „Kutha, im Tempel Esitlam, 

kehr" giebt, die zum Teil wörtlich mit der in im Heiligtum Nergals" aufbewahrte Legende, 

Istars Höllenfahrt übereinstimmt, dann aber die gewöhnlich kuthäische Schöpfungslegende 

eine höchst interessante Aufzählung der Unter- genannt wird, wohl aber eher eine kuthäische 

weltsbewohner giebt. Eriskigal empfängt den Sintflutsage darstellt (bearbeitet von H. 

Ankömmling, wie oben die Istar. Ihr zur Zimmern, ZA 11 S. 317ff.). Die Veranlassung 

Seite waltet Belit-seri [so ergänzt Meifsner zur Sintflut ist eine Horde mischgestaltiger 

a. a. 0. mit Recht], die „Sehreiberin der Unter- Wesen, ein „nächtliches" Volk, das unter der 

weit", ihres Amtes. — 20 Leitung von sieben, dem Weltberg entsprossenen 

Unter den Helden, die nach dem oben be- Königen steht. Wir vermuten, dafs die Legende 

sprochenen Fragment in die Unterwelt ver- von Kutha Riesen der Unterwelt im Sinne hat. 

bannt sind, befindet sich Etana. Das stimmt Wie von den höllischen Geistern am Schlufs 

vortrefflich zum Schlufs der Etana-Legende, des Nimrod-Epos, so heifst es von diesem 

die vom Tode des Etana berichtet und seinem „nächtlichen Volke", dafs sie „schmutziges 

ToteDgeiste (also in der Unterwelt) eine Herr- Wasser trinken, reines Wasser nicht trinken". 

scherwürde zuerteilt. Der Versuch Stuckeris, Wir hätten also hier recht eigentlich QiKSI 

zwei Berichte von einer Himmelfahrt und einer vor uns , das sind Riesen und Totengeister 

Höllenfahrt Etanas auszugleichen (4sfra7»M/tfa. 2, zugleich. Diese kuthäische Legende dürfte ge- 

vgl. C. Niebuhr in der Orient. Lit.-Ztg. 1 so eignet sein, neues Licht auf die Gen. 6 und 

Sp. 116 f.) ist gegenstandslos. im Buche Josua berichteten Giganten -Tradi- 

„.„,,„,.,„. , tionen zu werfen. Auch nach israelitischer 

3. Die Hollenfahrt des Tammuz und Trad iti n (Buch Henoch 106, 141 Josephus, 

anderer Fruhlingsgötter. ÄnUqu ^ 3 x) ist um der Riesen wiUen die 

Im Hintergrund der Istarlegende steht Sintflut gekommen, und nach Buch Henoch 
die Legende von Tammuz (s. Bd. 2 Sp. 808), Kap. 6 sind sie zum Abgrund der Qual ver- 
der in den babylonischen Hades versunken ist, dämmt. Kurios ist, dafs nach Josephus 1, 8, 9 
und dessen Befreiung in Scene gesetzt werden Kedorlaomer und seine Genossen Abkömm- 
soll. Der Legende liegt ein Frühlingsmythus linge der Riesengeschlechter in Syrien be- 
zu Grunde. Tammuz, der schon in den In- 40 kämpfen müssen, ehe sie das Land der Sodo- 
schriften des Siniddinam neben dem Sonnen- miter erreichen. » 
gott erscheint, repräsentiert als schöner Jung- 5. Endlich ist hier zu erwähnen das Gebet 
ling die Frühlingsvegetation, die im Herbst eines Menschen, der von einem Totengeiste 
und Winter unter der Erde gleichsam in der besessen ist {King, Babylonian Magic and 
Unterwelt verschwindet. In irgend welcher Sprcery nr. 53, s. Meißner in ZDMG. 50 S. 750f. 
Weise steht der wollüstige Istarkultus damit in und Wiener Zeitschr. f. d. Kunde d. Morgenl. 
Verbindung. Dennnachder 6. Tafeides „Nimrod- 12 S. 63). Der Totengeist läfst den Kranken 
epos" haben die Buhlkünste der Istar sein jähr- Tag und Nacht nicht los, dafs ihm die Haare 
liches Sterben verschuldet, und beim Tammuzfest zu Berge stehen, seine Glieder wie gelähmt 
übernehmen Priesterinnen der Unzucht die Rolle 50 sind. Der Sonnengott soll ihn befreien von 
der Klageweiber. Zwei Hymnen, die vom Hinab- dem Dämon, möge es nun der Schatten eines 
sinken des Tammuz in die Unterwelt reden und Familienmitgliedes oder der eines Ermordeten 
von denen einer unwillkürlich an die AdoniBgärt- sein, der sein Wesen treibt. Kleider und Schuhe 
chen erinnert (s. Art. Adonis Bd. 1 Sp. 75 f.), und Lendengurt habe er ihm schon gegeben (!), 
haben wir Bd. 2 Sp. 808 in Übersetzung mit- auch einen Wasserschlauch und Wegzehrung, 
geteilt. Übrigens wird auch ihm, wie anderen Nun möge er nach dem Westen, nach der 
hinabgesunkenen Halbgöttern und Helden, eine Unterwelt gehen und dort soll Gott Nedu, 
Herrscherrolle im Hades zugeteilt. Wiederholt der Pförtner der Unterwelt, ihn festhalten, dafs 
ist von den Hirtenknaben des „Hirten Tammuz" er nicht mehr entrinnen kann, 
die Rede. Einer derselben weidet die gelben eo _._ _, .«. , *± « ->j 
Ziegen seines göttlichen Herrn; weiteres s. V « Der Plane * Sat ? ra ( s P" er Mar «) dem 
im Artikel Tammuz. —Einem anderen Mythen- «ergal geweint. 
kreise scheint der Tammuz der Adapa-Legende Dafs der Saturn von den babylonischen 
anzugehören. Hier erscheint er neben einem Astrologen ursprünglich mit Nergal verknüpft 
anderen Gotte Giszida (der auch anderswo wurde und nicht, wie früher allgemein an- 
mit der Unterwelt in Verbindung steht) als genommen, der Mars, hat Fr. Hommel im 
Thorwächter des Himmelsgottes Anu. Der Ausland 1891 S. 382ff. (zunächst gegen Jenseti, 
Grundzug des Mythus ist übrigens derselbe; Kosmologie) nachgewiesen. Saturn (Zalbad- Ann 



267 Nergal (u. d. Planet Saturn) 

oder simtitu genannt II R 48) ist der eigent- 
liche Unglücksplanet (ursprünglich oder infolge 
seiner Verbindung mit Nergal?), im sieben- 
stufigen Tempel ist ihm (s. oben Sp. 54) die 
schwarze Farbe geweiht. Er selbst heilst „der 
schwarze Stern" oder „der Bchwarze Gott". 
Aber die Vergleichung der dem Nergal V R 
46, 18ff. cd beigelegten Epitheta mit dem 
Planeten -Syllabar V R 21, 25 ff. cd (die Epi- 
theta beweisen, dafs unter dem bibbu, d i. 
Planet, hier Nergal gemeint ist) zeigen, dafs 
auch Nergal als planetarische Gottheit den 
Charakter des Kriegahelden beibehält. Er heifst 
Ningir (bei enmki, das phonetische Komplement, 
zeigt an, dafs man semitisch lesen darf), d. h. 



Nergal (Gemahlin) 



268 



zeichnen Mars mit V^flS (etwa Nerigh zu spre- 
chen) und iWiJ (etwa Nerghil)*); bei den 
Syrern wechselt die Bezeichnung Ares mit 
Nerigh. 

Übrigens gilt auch der „glänzende, strah- 
lende" Mars mit seinem roten Lichte als Un- 
glücksstern; das spiegelt sich in der arabischen 
Anschauung wieder. — Auch die Zwillinge 
(Gemini, bab. Tuämu) wurden von den assy- 
10 rischen Astrologen mit Nergal (bei den Grie- 
chen mit Apollo und Herakles) in Verbindung 
gebracht, weil sie in der heifsen Zeit heliakisch 
aufgehen, s. Jensen a. a. 0. S. 64, eine Beziehung, 
die auch an einer altteetamentlichen Stelle 
durchblickt (s. u. Sp. 270), 





5) Babylonisch-assyrische Bronzetafel, Himmel, Erde nid Unterwelt darstellend (gewöhnlich genannt Hadesrelief). 
Nach Perrot et CMpiez, Sisioire de l'art. S. unten Sp. 269 Anm. **. 



Herr der Kraft", almu, allamu, d. h. „der 
Mannbare" (vgl. targ. öi9, auch im syr. und 
arab. vorliegend) und Ningir-banda, d. h. „Herr 
der jugendlichen Kraft" (die letzteren beiden Er- 
klärungen mache ich gegenüber den kompli- 
zierten Deutungen Jensen's Kosmologie S. 135. 
64f. geltend). Auch das für kaiwänu übliche 60 
Ideogramm dürfte als „Mann" nai s£o%r}v zu 
erklären sein. Vielleicht liegt hierin schon 
der Keim der späteren VertauschuDg des 
Nergal - Saturn mit dem Planeten Mars, der 
ursprünglich dem Ninib beigegeben war, und 
der seinerseits wieder unter babylonischem 
Einfluf8 mit dem Kriegsgott Ares identificiert 
wurde. Die mandäischen Planetenlisten be- 



VI. Die Gemahlin des Nergal 

heifst, wie wir oben sahen, in einem Teile 
der babylonischen Sagenkreise (II R 59) Eris- 
kigal, d. h. „Herrin des grofsen Landes", der 

*) Wie mir Prof. Noeldeke freundlichst mitteilt, liegt 
diese Schreibung bisher nur in der noch ungedruckten, 
sehr wichtigen Schrift Deräie de Malache, Pariser Hand- 
schrift fol. 76a vor (nach Kutingi Handschrift; zu der 
Stelle ist noch ein anderer Oodex verglichen). Ausserdem 
gab Biruni, Chronol. 192 (des arabischen Textes) als 
„syrische Form die LeiUDg Nirghal, während der Planet 
in dem, was wir ' syrisch* (= edessenisch) nennen, in einer 
Form wiedergegeben wird, die auf die Aussprache 
NerTgh (s. oben) führt". Ob das g in allen diesen Formen 
assimiliert ist (gh\ läfst sich übrigens nach Noeldeke nicht 
sicher erweisen. 



269 



Nergal (Gemahlin) 



Unterwelt, assyr. Allatu, d. h. „die Mächtige".*) 
Die Hadesreliefs (s. Abbild. 6 u. 6) scheinen 
eine Abbildung der Höllengöttin darzubieten: 
das nackte Scheusal auf dem Totenkahne**). 
Löwenköpfig ist sie vielleicht als Gemahlin 
Nergals. Die 12. Tafel des „Nimrodepos" 
schildert sie an einer leider nur fragmenta- 
risch erhaltenen Stelle : „Die da finster ist, die 
da finster ist, Mutter (des?) Nin-azu, die da 
finster ist (d. 'h. die in der finsteren Unter- 
welt haust), deren glänzender Leib durch kein 
Gewand verhüllt ist, deren Brust gleich einem 

jungen Sappati-Tiere nicht "***) Nach der 

Höllenfahrt der Istar thront sie im Palast der 
Unterwelt (das unterirdische Kutha), wacht 
über die uralten Unterweltsgesetze, nimmt aus 
dem Munde des Wächters die Namen der 
Ankömmlinge entgegen und verhängt über 




6) Babylonisches Hadesrelief, die Göttin Eriskigal 

darstellend (nach Lajard, Rech, sur le culte de Venus 

pl. XVII). S. unten Anm. **. 



*) Der Name der arabischen Sonnengöttin Alilat 
klingt vielleicht nicht nur zufällig an. 

**) Über die Hadesreliefs (ein Duplikat des bekann- 
ten Clermont-Ganneau' sehen veröffentlichte kürzlich Scheil 
in Masperos Recueil de Traveaux vol. XX) handelte zuletzt 
Meißner in 'Wiener Zeitschr. f. d. Kunde d. Morgenl. Auf 
das Abb. 6 einseitig wiedergegebene Belief wies ich 
bereits in meinen Vorstell, vom Leben nach dem Tode S. 79 
hin. Auskunft über den Verbleib der Tafel, vor allem 
eine genaue Untersuchung der Inschrift auf der Rück- 
seite wäre sehr wünschenswert. Einiges ist in der dürfti- 60 
gen Kopie doch zu erkennen. Zweimal ist von asru rapsu, 
dem „weiten Orte" die Rede, die beiden letzten Zeilen 
Bcheinen einen Gott Massil zur Beschwörung für das 
Gericht des Lehens der grofsen Götter anzurufen. Die 
Anzeichen häufen sich, dafs die Babylonier mit ihrem 
Unsterblichkeitsglauben die Anschauung von 
einem Strafgericht bez. von einer Strafbefrei- 
ung nach dem Tode verbunden haben 1 

***) Bd. 2 8p. 80S danach zu korrigieren. 



Nergal (im alten Testament) 270 

solche, denen sie zürnt, Pest und Verderben. 
Eifersüchtig bewacht sie den iu der Unterwelt 
in einem besonderen Palaste verborgenen Quell 
des Lebens, dessen Wasser die Toten ihrer 
Gewalt entrücken kann. Als Richterin steht 
ihr eine Schreiberin der Unterwelt zur Seite 
und als Richterkollegium die Auunnaki, die in 
einem besonderen Palaste wohnen, als deren 
Oberster gelegentlich (s. oben Sp. 258) Nergal 

10 erscheint. — In der grofsen Beschwörungs- 
sammlung K 166 (Bezold, Cataloguel, 41) wird 
Eriskigal als Zaubergöttin angerufen, da- 
mit die bösen Geister weichen und die guten 
Geister beim Kranken einziehen sollen. Viel- 
leicht ist auch die direkt vorher angerufene 
Göttin des Reinigungswassers Ninahakuddua 
(s. Delitzsch, Wörterbuch S. 79) mit der zauber- 
kräftigen, den Lebensquell behütenden Höllen- 
göttin identisch. — Nach dem Sternverzeichnis 

20 V R 46, 20 ab ist der Eriskigal der „Stern des 
Höhlenvogels"*) geweiht. — Ein assyrischer 
Tempel der Gemahlin Nergals wird in einem 
Asarhaddon- Bruchstück K 7599 (s. Windeier, 
Altorient. Forsch. 6 S. 630) erwähnt. — In einem 
andern in Kutha heimischen Sagenkreise heifst 
die Gemahlin des Nergal Laz (s. z. B. Sp. 252f.). 

VII. Nergal im Alten Testament. 

„Und die Leute von Kuth machten den 
30 Nergal (^315). Mit diesen Worten bezeugt die 
israelitische" Überlieferung beim Bericht über 
das assyrische Exil den oben geschilderten 
Nergalkultus. In einem Kommentar zum Penta- 
teuch beruft sich Nachmonides (12. Jahrh.) 
auf uralte Bücher der Heiden (er meint naba- 
täische Schriften), nach welchen die Kuthäer 
Sonnenkultus trieben (Babba Bathra 91a 
vgl. Herrschensohn rnasn snia S. 222). Auch 
diese Tradition ist richtig (s. oben Sp. 253f.). 
40 Im Hinblick auf die israelitischen Exulanten 
gilt den späteren Jaden das Land der Kutim 
als rein (im Gegensatz zum Heidenland) vgl. 
Tractat Mikwot 6 (Eerrschensohn a. a. 0. S. 139), 
andererseits werden die Samariter wegen ihrer 
Vermischung mit den Heiden im Talmud ver- 
ächtlich Kutim genannt.**) Sonst erscheint im 
A. T. der Name Nergals nur noch in dem theo- 
phoren Namen Jer. 39, 13, der dem assyrischen 
Nergal-sav-usur (N. schütze den König), bei 
Berosus NrjgiylriaaQog, entspricht. — Endlich 
scheint im Hohenlied 6, 10 eine Spur der sideri- 
schen Beziehungen, die mit dem Namen Nergals 
verknüpft sind, vorzuliegen. Wenigstens sind 
wir geneigt, der Vermutung H. Wincklers, 
Altor. Forsch. 1, 3, 293 zuzustimmen, dafs statt 
mim zu lesen ist nibais. „Wer ist, der da 

*) Zur Deutung des Namens s. II R 37, 33 und vgl. 
V R 47, 25. Zum „Höhlenvogel" s. Delitzsch, Sandw. S. 29Ü. 
**) Ein noch ungelöstes mythologisches Rätsel ist mir 
die Überlieferung (z.B. Traktat Chulin (i a), die Samariter 
(Kutim) hätten auf Garizim das Bild einer Taube ge- 
funden, da« sie anbeteten. Sollte das nur ein mttfiiger 
Erklärungsversuch für das rätselhafte nj"Pn 3"in (wört- 
lich „Schwert der Taube") »alu, womit Jeremia 46, 16; 
50, 16 vgl. 86, 38 die Herrschaft Babylons bezeichnet? 
Vielleicht verbirgt sioh in dorn „Bohwert der Taube" 
wirklich eiu babylonisches Symbol; die traditionelle Er- 
klärung „Seliwert des Tyrannen" lafst sich nicht be- 
gründen. 



50 



271 Neria Neritos 272 

hervorleuchtet gleich der Morgenröte, schön Auf der andern Seite hat das von Ovid. fast. 
wie der Mond, lauter wie die Sonne, furcht- 3, 681 ff. erzählte griechische Märchen von 
bar wie die Nergale?" Gemeint sind die der Liebeswerbung des Ares-Mars um Athena- 
Zwillinge am Sternenhimmel, die dem Nergal Minerva und seiner Täuschung durch Unter- 
geweiht sind — das Epitheton „furchtbar" Schiebung eines alten Mütterchens (sicher 
erinnert an den mythologischen Ursprung. ebensowenig italische Sage wie der von 
[Alfred Jeremias.] F. Marx, Arch. Zeit. 43, 1885, 169 ff. nach- 
Neria = Nerio (s. d.). gewiesene Ares-Mythus) späterer Gelehrsam- 
Neriene, Nerienes = Nerio (s. d.). keit Anlafs gegeben, dies auf Mars und Nerio 
Nerine = Nerio (s. d.). 10 zu übertragen (Porph. zu Hör. epist. 2, 2, 209 
Nerio, alte Kultgenossin des Mars, die in Maio mense religio est nubere, et item Martio, 
den Gebetsformeln als Nerio Martis (so die in quo de nuptiis habito certamine a Minerva 
libri sacerdotum populi Bomani bei Gell. 13, Mars victus est, et obtenta virginitate Minerva 
23, 2 und noch Ewa. arm. frg. 70 Baehr. Neriene est appellata; dasselbe meint wohl 
Nerienem Mavortis et Herem) ebenso angerufen Mari. Gap. 1, 4 Gradivum Nerienis [NerinaeJ 
wurde wie Lua Saturni, Salacia Neptuni, Hora coniugis amore torreri); die weitgehenden Kom- 
Quirini u. s. w. Was wir von dieser' altrömi- binationen, die A. Beifferscheid (Annali d. Inst. 
sehen Göttin wissen, verdanken wir fast aus- 1867, 359) und H. JJsener (Rhein. Mus. 30, 
schliefslich dem aus guter Quelle stammenden 1875, S. 221 ff.) an diese Nachrichten ange- 
GelliusJcapitel 13, 23. Danach ist die richtige 20 knüpft haben, entbehren daher, soweit sie sich 
Namensform Nerio, Genet. Nerienis (wie auf „italische Mythen" beziehen, des Funda- 
Anio, Anienis); doch hatte Varro (sat. Me- mentes. [Wissowa.] 

nipp. 506 Buech.) den Nominativ Nerienes Nerites (NrjQizrjg), der einzige Sohn des 
gebildet, der Annalist Cn. Gellius (frg. 15 Peter) Nereus, Bruder der Nereiden, von dem Homer 
in dem Gebete der Hersilia die Form Neria und Hesiod nichts wissen, während zwei ver- 
Martis gebraucht. Nsqivt) hat Lyd. de mens. schiedene Schiffersagen (löyoi, ftalärrtm) von 
4,42, Neriene (als Nom.) Porph. zu Hör. seiner Verwandlung in eine Muschel berichten. 
epist. 2, 2, 209; bei Mart. Cap. 1, 4 steht So lange Aphrodite noch im Meere lebte, 
Nerienis Nerinae (Gen.) neben einander. liebte sie den schönen Jüngling. Als sie aber 
Das Wort hängt zweifellos zusammen mit 80 unter die Olympier aufgenommen werden sollte, 
Nero, das angeblich sabinisch, in der That wünschte sie den Gefährten mitzunehmen, er 
aber gemeinitalisch (Buecheler, Lexic. ital. aber wollte lieber bei den Seinen in der Tiefe 
p. XVII f.) = fortis, strenuus ist (Suet. bleiben. Und da er die ihr von der Göttin 
Tib. 1; vgl. Hör. carm. 4, 4, 29; epist. 1,9, 13), (offenbar zu diesem Zweck) verliehenen Flügel 
bedeutet also virtus, uvägsia (Gell. a. a. 0. § 7. verschmähte, verwandelte ihn Aphrodite in die 
Lyd. a. a. 0.). Der Nachricht, dafs von den nach ihm benannte Muschel und nahm sich 
Marsfesten des altrömischen Kalenders ins- statt seiner den Eros zum Begleiter, dem sie 
besondere das Tubilustrium am 23. März zugleich die Flügel des Nerites gab. Nach 
(C. I. L. I 2 p. 313) aufser dem Mars auch der andrer Sage liebte Poseidon den Nerites und 
Nerio gilt (Lyd. a. a. 0. tjj agb äixa %aXav- 40 dieser ihn wieder, woraus Anteros" hervorging. 
äwv 'Anqikitav xa9ctQfi,og eäXmyyog v.al xivrjGig Erzürnt über die Schnelligkeit, mit der er dem 
xäv onXmv Kai npul "Agsog Kai NsQivngi das- Poseidon durch das ihm überall ausweichende 
selbe meint Ovid. fast. 3 , 849 f. summa dies Meer folgte, verwandelte ihn Helios (dem gegen- 
e quinque tubas lustrare canoras admonet et über er sich jedenfalls seiner Schnelligkeit 
forti sacrificare deae), haben wir keinen Anlaf e gerühmt oder gar in einen Wettlauf eingelassen 
den Glauben zu versagen. Damit ist aber unser hatte), Ael. Hist. anim. 14, 28. Herodian b. 
Wissen von der Göttin erschöpft. Die Dichter Etym. m. s. v. dvrjgiTrjg und vr\qCtng. Engel, 
machen sie unter dem Einflüsse der griechi- Kypros 2, 71. Gerhard, Griech. Mytji. 1 § 384, 3. 
sehen Vorstellung von Götterehen zur Gattin 526, 6. Preller- Bobert, Griech. Myth. I 4 , 558. 
des Mars, so Plaut. Truc. 515: Mars peregre&öDie erste Sage hat dadurch ein gewisses In- 
adveniens salutat Nerienem uxorem suam, Liei- teresse, dafs hier, wie dies in Schiffersagen 
nius Imbrex (Bibbeck Com. frg* p. 35): Nolo leicht wirklich geschehen sein kann, mit einem 
ego Neaeram te vocent sed Nerienem, cum qui- Vorleben der schaumentstiegenen Göttin im 
dem Mavorti es in conubium data und Cn. Meere Ernst gemacht wird, wobei natürlich ein 
Gellius im Gebete der Hersilia (bei Gell. a. a. 0. dem Eros entsprechender Begleiter nicht fehlen 
| 13) Neria Martis te obsecro . . . quod de tui darf. Auf einer Terrakottengruppe aus Aigina 
coniugis consilio contigit. Daher hat man sie glaubte Stark Aphrodite mit Nerites zu er- 
später bald mit Minerva bald mit Venus kennen (Arch. Ztg. 1865, 71 ff. t. 200). [Wagner.] 
gleichgesetzt (Lyd. de mens. 4, 42 ; mit Bellona Neritos (NrJQitog) hatte mit Ithakos und 
August, e. d. 6, 10) und die Namen Minerva 60 Polyktor bei der Stadt Ithaka einen Brunnen 
und Nerio einfach mit einander vertauscht hergerichtet, aus welchem die Bürger ihr 
(Nerio und Minerva neben einander bei Varro Wasser holten, Od. 17, 207. Nach Akusilaos 
Sat. Men. 506 Buech.: Nerienes <e<> Minerva, b. Schol. Od. a. a. 0. waren die drei genannten 
Fortuna ae Ceres). So ist bei Liv. 45, 33, 2, Heroen Brüder aus dem Geschlechte des Zeus, 
wo als Gottheiten, quibus spolia hostium dicare Söhne des Pterelaos und der Amphimede, die 
ius fasque est, Mars, Minerva und Lua mater von Kephallenia nach der Insel Ithaka über- 
(s. d. Art.) genannt werden , Minerva wahr- siedelten und die Stadt Ithaka gründeten, die 
geheinlich an die Stelle der Nerio getreten. nach dem einen benannt ward; nach Neritos 



273 Nerius Nerthns 274 

wurde der Berg Neriton auf Ithaka (Od. 9, 22) fiovsg heifsen, M. Mayer. Gig, u. Tit. 103, 121 ; 

genannt, nach Polyktor Polyktorion, ein Ort vgl, d, A. Chthonios Bd. 1 Sp. 908, 14. Aufser 

auf Ithaka. Vgl. Eustath. Hom. p. 1815,48. den erwähnten werden als Unterweltsgottheiten 

Fick, Griech. Personenname 365. Nach Lupercus bezeichnet die Erinyen (%&6vwi ftsaC s. Bd u l, 

hiefs auch die sonst Nerikos benannte Stadt Sp. 1325, 5 1 ff. ; vgl. Eur. 0»\_26J), Th anatos , 

Akarnaniens Neritos oder Neriton, Steph. Byz. Kerberos, ^rmj^sChthoniqs(BdJ^23741-), 

s. v. NrjQMos. Und so las auch Strabo den Ära, Soph. Oid. K. 1568 ff ., vgl, mit El. 110 ff., 

Namen in der Homerstelle Od. 24, 377, Strab. Enryno mos , SaCficov zcöv iv"Ai8ov, Paus. 10, 

1, 59. 10, 452. [Wagner.] 28, 7, in dem Welcher, Kl. Schriften 5. 117. 
Pier ins, der Gott der Thermen von Neris- io eine rein allegorische Gestalt, die „Verwesung" 

les-Bains, den alten Aquae Neri (Tab. Peut., sieht, während Rohde 1,318^ ihn „als einen 

auch Neriomagus genannt, s. Pauly-Wissowa, ganz concret gedachten, mit einem euphemisti- 

Bealencykl. s. Aquae nr. 59). Greppo, Etüde sehen Beinamen benannten Höllengeist" be- 

archeol. sur les eaux thermales de la Gaule zeichnet, wie Laraia. Morm_o_, Gorgyra, 

p. 122ff. Ein dort gefundenes Inschriftfrag- E mpu sa, Gorgo, Mormplyjbe, Baubo, 

ment lautet [numinijbfus) Aug(ustorum) et Gello , Keren/Harpyien (s. über diese Rohde 

Nerio deo, und derselbe oder ein ähnlicher 2 . 409 ff. u. Bosch er, Kynanthropie 40 ff. 68 ff. 

Text scheint auf einer zweiten ebenfalls frag- 85 [ Enr ynomo s]). Eine ziemlich grofse Zahl 

mentierten Inschrift gestanden zu haben (ob %&övioi zählt A rtemidor Oneir. 2, 3 4, vgl. j$9, 
echt?). Vgl. Mowat, Bevue archeol. n. s. 36, 20 auf: ÜXovzcov xai üsgastpövr) xai dr\\t,r\zr\g xai 

189. Allmer, Bevue ipigr. du midi 1891 Kögri xai Iax%og xai Sägamg (eb d. 4. 26. 5. 93 . 

p. 140 nr. 887. Ein Zusammenhang zwischen 94) xai Iaig neu "Avovßig xai 'Agnongtixrig xal 

diesem Namen und der Sabinischen Nerio Mar- 'Exdzri %&ovia %ct\ 'Egivvvsg xai Jaifiovsg oi 

tis erscheint nicht wohl glaublich. [M. Ihm.] itsgl xovzovg xai 3>ößog xai dsipog . . . avzbv 

Nersikeuae, Beiname der Matronae auf der Ss zbv "Aqtj ny fisv sv zoig smysioig nij äs sv 

„im Jülicher Lande" gefundenen Inschrift zoig xfrovloig xaxazaxzsov; über Dem eter 

Brambach C. I. Rh. 626 (=» Bonn. Jahrb. 83 %&ovla s. d. A. Kora u . D emeter 1333 ff., über 

p. 152 nr. 314): MatrofnisJ Vatuiabfus] Ner- Men *ataz&6viog Bd. 2, 999. 49 ff. 2768, 28 ff. ; 

sihenis Priminia Iustina pro se et suis ex im- rata vsgrsgCri C. I. G. 6273 ; Kaibel, Epigr . 
perio ip(sarum) l(ubensj mferito). Der Name so Graec. 572, 2, vgl, d. A. Gaia Bd. 1, 1571, 24ff. 

verrät eine so auffallende Verwandtschaft mit Vgl. im allgemeinen die Artikel Chthonios, 

dem Ort Neersen (Kreis Gladbach) und dem Katac hthonioi, wo nachzutragen sind die 

hier fliefsenden Plufs Neers oder Niers, dafs vielen von Bohde 2, 342 f., vgl. 424, gesammel- 

8ie wohl hierauf bezogen werden müssen. ten Belegstellen und ebd. 2 04 —215 Kultus der 

Bonn. Jahrb. 83, 22 (vgl. p. 71). F. Kauff- chtho nischen Götter . — Das Wort vsotsoos selbst 

mann, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde wird im Sc hol. Eur. Phoen. 1020 mit xata- 

1892 p. 44. [M. Ihm.] %&6viog umschrieben; die vsgzsgoi sind also 

,j;Nerteroi, Nerteroi Theoi (vegzsgoi, vsg- = nuTaiftövoi; als gleichbedeutend führt Pollux 

zsgoi &so(), Gesamtbezeichnung aller in der 1,24 an &sol . . vitöysioi, %&6vt.oi xai vito- 
Erdtiefe waltenden Götter, Aesch. Pers. 62 K; 40 %»öv tot ( Hesiod . op. 141 und dazu Bohde 1 , 

Soph. Oid. Kol. 1661; Antig. 661 f.; Eur. Alk . 100,2; G.I. G. 3915 ) xai v.azu%&övioi. Noch 

1145; Ör. 6 20; Bohde. Psyc he* 2, 240. 7 : zumal andere Benennungen der Unterweltsgötter sind 

heifst Hades , der ßacsiXevg svsgmv (= vsgzs- ot xärco&s &so£, Soph. An t. 1070 (Hades: 

qbiv) Aesch. Pe rs. 627, oder aW£ ivsgcov Hom . b xazw&ev ccaaovSog &sog, Eur. Alk. 424) ; 

II 61; Kaibel, Inscr. Graec. Steil. 1842, oder ot xarro &sot, Soph . Ml. 292 (vgl, 01 %ütw 

svsgoiaiv avüoocov, vsgzsgog, 2ä#\_IM,_9J5S. Kögr] avaS, re, Eur. Alk^Sblf^ vgl. auch Soph. 

Wie der griechische Hades heifst auch der Ant. 75. 542) ; 01 Hvsg&s &101, Hova. Il^ll, 

ägyptische Herr der Seelen, Osiris ö fyooi' znv 274; vgl. Eur. H. f. 608; ot y% tvsg&s Sac- 

Y.axs%ova£uv xai zb ßaailsiov räv vsqzsqcov [tovsg, Aesch. Choep h. 11 9; vgl. auch G . Iica no- 
fl-se>j>, Kaibel a. a. 0. 1047; Bohde 2 . 391 ; so witsch+ Jüp iniones Homeri et Trag. Graec. de 

Perse p hone , u xarä %&ovog vsgzigaiv uccX- inferis, Berl. Stud. f .Philol. u. Arch . 16 (1894). 

Xinaig avaaaa, Eur. Or. 964, heifst rj vsQzega 1, 77 ff. Oft ist es nicht zu entscheiden, ob 

&s6g bei Soph. Oid. K. 1648; Hekate . die mit den vsgzsgoi die Unterweltsgötter oder 

vegzegeov itgvz'avig, Sophron im Schol. nur die Toten in der Unterwelt gemeint sind 

■ Theokr. 2 , 12, ähnlich vegtegirj, Örph . Hyrrm. (vsgzsgcov nvXai, Eur. Hipp. 1 447; (päafia veg- 

v. 294. 47 Abel ( Pap. Paris. 2864). Auch zigmv, Alk. 1127; aitevSsiv vsgzlgoig j;oas, Or. 

Echidna . die bei Arist. ran. 478 als hundert- 1322, Aesch. Pers . 618; vegzsgmv azstpr], Troad. 

köpfiges Ungeheuer der Unterwelt erscheint 1247; Scog^fiaza vsgzsgcov, Or. 123; vsgzsgcov 

und in Hierapolis einen chthonischen Kultus äyäXpazu, Alk. 613 ; »vfiaza vsgzsgcov, Ion 
besafs, G utschmid. R hein. Mus.^ 19, 3 98 ff .; 60 1236 etc .); vgl. G. H erman n zu Soph. Ant. 59 8 

Bohde^ Psyche* 1, 213, 1 , führt den Beinamen p. 136 f. [Höfer.T 

vsgzsgog, Eur. Phoen. 1020. Medea schwört Nerthus. Nachdem Tacitus Germ. 40 die 

fid zovg nag' "AiSy vsgzsgovg aXuazogag gröfstenteils auf der kimbrischen Halbinsel 

(s. d. A. Alaator u nd dazu Ro hde 2 ■ 230. 3. anzusetzenden germanischen Völker der Reu- 

409. 413 ; Paus. 1, 30, 1), Eur. Med. 1059 . Von digni, Aviones, Anglii, Varini, Eudoses, Suar- 

den Titanen sagt Hesy chios : vigzsgoi xai dones und Nuithones kurz erwähpt hat, spricht 

vsgzsgioi oi Tizävsg, öiä zb xaxazezag- er ausführlicher von einer Göttin Nerthus, 

zagäadai, wie sie auch ot xaiajfiJ-o'j'ioi Hat- deren Kult diesen Stämmen gemeinsam, und 



275 Nerthus Nerthus 276 

die nach römischer Auslegung als Terra mattr Da wo die Gottheit hinkommt, wird sie gast- 
aufzufassen sei (nee quiequam notabile in sin- lieh empfangen und freudig begrüfst; ihr zu 
gulis [nämlich die aufgezählten Völker], nisi Ehren werden mehrtägige Feste gefeiert, und 
quod in commune Nerthum id est Terram ma- es herrscht Gottesfriede im ganzen Lande 
trem colunt). Über dieses Kapitel ist sehr (laeti tunc dies, festa loca, quaecumque adventu 
viel geschrieben worden (s. die Erklärer des hospitioque dignatur. non bella ineunt, non 
Tac); eingehend und scharfsinnig äufsert sich arma sumunt; clausuni omne ferrum, pax et 
namentlich Wilhelm Manrihardt (der Baum- quies tunc tantum nota, tunc tantum amata). 
kultus der Germanen und ihrer Nachbarstämme Dann geleitet der Priester die Göttin zu ihrem 
p. 567 — 602), dessen Darlegungen für das Ver- 10 Heiligtum zurück (donec idem sacerdos satiatam 
ständnis von besonderer Wichtigkeit sind. Über conversatione mortalium deam templo reddat), 
manche Punkte herrscht aber immer noch badet mit seinen Gehilfen in einem abgele- 
Zweifel. Schon die Worte in commune Ner- genen See den Wagen, die Decken und wohl 
thum colunt können verschieden aufgefafst auch das numen selbst, worunter irgend ein 
werden. 1 "acitus selbst scheint sagen zu wollen, Symbol, nicht ein Götterbild zu verstehen 
dafs diese Völker ein gemeinsames Heiligtum sein wird (mox vehiculum et vestes et, si cre- 
oder Fest einer Göttin Nerthus gehabt hätten. dere velis, numen ipsum secreto lacu abluitur); 
In diesem Falle wäre der Kult nui an einem die Knechte, die bei dieser Prozedur hilfreiche 
Orte ausgeübt worden. So spricht auch Müllen- Hand geleistet, werden dann vom See ver- 
hoff (Schmidts Zeitschr. f. Geschichte 8 p. 227 ff.) 20 schlungen (servi ministrant, quos statim idem 
von dem gemeinsamen Heiligtum der Ingae- locus haurit. arcanus hinc terror sanetaque 
vonen, in dem die Göttin verehrt ward. Die ignorantia, quid sit illud quod tantum^ perituri 
andere Auffassung, der Mannhardt zuneigt und vident). 

die viel für sich hat, geht dahin, dafs die Nerthus- Was die römische Auffassung der Nerthus 
Verehrung eine diesen sieben Stämmen gemein- als Terra mater anlangt, so ist fraglich, ob 
same Eigentümlichkeit gewesen sei, die sie von darunter die römische Tellus zu verstehen 
andern Völkerschaften unterschied, so dafs in ist (vgl. Preller- Jordan, Böm. Mythol. 2, 2. 
diesem Fall der Kult nicht an einem einzigen Orte Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde 2, 28 f.) 
ausgeübt, sondern an vielen Stellen zugleich, oder die Phrygische Magna mater, Mater 
nur auf gleiche oder ähnliche Weise vollzogen so deum. Mannhardt (a. 0. p. 571 ff.) entscheidet 
sein könnte. Der tbatsächliche Inhalt des sich für das letzte, da die Gebräuche bei den 
Taciteischen Berichts ist dann folgender. Die jährlichen Festen der Kybele (besonders beim 
Göttin übt auf die Angelegenheiten der Men- Märzfest; in so vielen Stücken dem Nerthus- 
schen einen bestimmten Einflufs aus und hält kult gleichen, dafs dies dem römischen Be- 
einen Umzug bei den Völkern (eamque inter- obachter sofort auffallen mufste (s. dieses Lex. 
venire rebus hominum, invehi populis arbitran- Bd. 2 Sp. 1667 ff.). 

tur), was wohl zu bestimmten, regelmäßig Die Deutung des Namens ist gleichfalls 
wiederkehrenden Zeiten geschah. Ähnliche strittig. Abzuweisen ist jedenfalls die Lesart 
Umzüge (Prozessionen) lassen sich auch sonst Hertham (für Nerthum, hss. Variante neithum), 
noch bei Germanen und andern Völkern nach- « mit der z. B. Karl Barth (Hertha und über 
weisen, Mannhardt führt viele Beispiele aus die Beligion der Weltmutter im alten Teutsch- 
älterer und neuerer Zeit auf (a. 0. p. 581 ff.). land, Augsburg 1828) operiert (Müllenhoff, 
Aber wie wir uns die Nerthusumfahrt zu den- Haupts Zeitschr. 9, 256). Altere Etymologieen 
ken haben, ob der eine Wagen durch alle verzeichnet 0. Schade, Altdeutsches Wörterbuch 
sieben Gaue fuhr oder ob sich bei den ein- 2. Aufl. 1 p. 645 f., neuere Golther, Handbuch 
zelnen Völkern ein gleichartiger Aufzug wie- der germanischen Mythologie p. 219. Lautlich 
derholte, bleibt unklar (Mannhardt a. 0. p. entspricht Nerthus dem altnordischen Gott 
592ff.). Die Prozession nahm ihren Ausgang Njördr (Grimm, Deutsche Mythol. I 4 p. 208ff. 
von einem auf einer Insel des Ozeans gelege- Mannhardt a. 0. p. 570 f.), und es ist längst 
nen heiligen Hain (est in insula Oceani castum 50 nachgewiesen, dafs in dessen, sowie seiner 
nemus); welche Insel gemeint ist, wird nicht Kinder Freyr (über Beovulf als Stellvertreter 
berichtet, keinenfalls die Insel Rügen, an die des Freyr s Müllenhoff in Zeitschr. f. d. Alt. 
Frühere gedacht haben. Wenn der Priester 7 p. 41 9 ff. 440 f. und in seinem Beovulf y. 11 f.) 
(sacerdos, nicht Priesterin) an gewissen Zeichen und Freyja Kult sich ganz ähnliche Gebräuche 
wahrnahm, dafs die Gottheit in ihrem Heilig- wiederholten, wie im Nerthuskulte. So ist nach 
tum zugegen sei, begann der Umzug (is adesse Simrock (Mythol. 3 p. 309 ff.) Njördr der Vater 
penetrali deam intellegit; unter penetrale kann der Freyja, Nerthus ihre Mutter, während nach 
sowohl der heilige Hain, als auch der heilige Müllenhoff (de chorica poesi p. 8 u. Allgemeine 
Wagen, der in dem Hain stand — dicatumque Zeitschrift f. Geschichte 8, 1847 p. 227 ff.) Ner- 
in eo vehiculum — verstanden werden). Die 60 thus eine deutsche Freyja unter einem älteren 
Gottheit wurde auf dem mit Kleidern oder Namen darstellt. Mannhardt (a. 0. p. 571) 
Decken verhüllten Wagen (veste contectum), den und Müllenhoff (Zeitschrift f. deutsches Alter- 
nur der eine Priester berühren durfte (attin- tum 23, 11) kommen darin überein, dafs 
tingere uni sacerdoti eoncessum), von Kühen Nerthus im wesentlichen mit dem keltischen 
zum Festort gefahren (vectamque bubus feminis nertos (Kraft, Stärke, vgl. Glück, Keltische 
multa cum veneratione prosequitur , seil, sacer- Namen p. 81. 97) zusammenfalle, dafs Nerthus 
dos). Wie der Wagen von der Insel auf das (= Njördr) die Mannheit, die in der Mann- 
Festland gelangte, berichtet Tacitus nicht. haftigkeit sich erweisende Kraft bedeute. 



277 Nertus Nesepteitis 278 

Schwierigkeit macht die Gleichsetzung von bei Cäsar p. 81. 97. Bacmeister, Keltische 
Nerthus und NjörSr nur insofern, als NjörSr Briefe p. 2. [M. Ihm.] 
ein männlicher, Nerthus dagegen aller Wahr- Nerullinus 8. Neryllinos. 
8cheinlichkeit nach (trotz der Einwände Mann- Nervini (oder Nervinae), Gottheiten, deren 
hardts) ein weiblicher Name ist. Die Fragen, Name auf den Volksstamm der Nervii hin- 
wie es kommt, dafs Tacitus nur von einer weist. Die eine Inschrift, die sie erwähnt 
weiblichen Nerthus spricht, während die is- (Nervinis G. lul. Tertius v. s. I. m.), ist im 
ländische Mythologie nur einen männlichen Gebiet der Nervier gefunden worden, in Bavai. 
NjörSr kennt, und ferner, wie es komme, dafs Mowat, Revue archeol. 1880 p. 48. Desjardins, 
der Kult der Göttin Nerthus in späteren Zeiten 10 Monum. epigr. de Bivai p. 32 pl. IV 7. Bonn. 
wesentlich als Kult des Gottes Freyr auftritt, Jahrb. 83 p. 174 nr. 463. Ob Moires Nervinae 
während die Göttin Freyja eine mehr unter- zu verstehen sind, läfst sich mit Sicherheit 
geordnete Stellung einnimmt, sucht Axel Kock nicht entscheiden {Bonn. Jahrb. a. O. p. 103). 
in der Zeitschrift für deutsche Philologie 28 [M. Ihm], 
(1895) 289ff. zu beantworten. Er glaubt, dafs Neryllinos (NiQvlMvog), ein Heros in Troas, 
es die Veränderung der Sprache gewesen ist, wo man ihm opferte und ihn als medizinisches 
die hierbei eine wesentliche Rolle gespielt Orakel befragte. Und zwar war diese Be- 
habe. Nerthus ist weiblicher tt-Stamm, und in fragnng an ein bestimmtes Standbild des Heros 
den nordischen Sprachen sind die weiblichen gebunden: of (isv alXoi ävS^iävxeg xov Nsgvl- 
tt-Stämme gänzlich ausgestorben, nur mann- 20 livov «de(i)j(ta situ 8r\fiömov slg Ss avrmv xctl 
liehe vorhanden. So sei aus der weiblichen iQrjfiazigsiv «ai läo&ai voaovvrag roju'JsTat, 
Nerthus ein männlicher Njördr geworden. inxl frvovoiv avtä nal %qvaä neQiaXi(<povBi xal 
Schliefslich sei erwähnt, dafs auch die von atetpavovai rbv ävSgiävta oi Tqtoaäsig, Athenag. 
Tacitus Germ. 9 Isis getaufte Suebengöttin apol. 26 p. 107. Lobeck, Agl aoph . 1171. Bohde , 
mit der Nerthus zusammengestellt worden ist Psyche 640. Von einem Zusammenhang mit 
(Drexler in diesem Lex. Bd. 2 Sp. 549; vgl. Nereus (Gerhard, Griech. Myth. 1 §526) kann 
Falch, Blätter f. bayer. Gymnasialwesen 16, keine Rede sein, schon weil Athenagoras ihn 
(1880) 407 — 413; Much, Zeitschrift f. deutsches als avr\Q tmv yiuft' tjfiäg bezeichnet. [Wagner.] 
Altertum 35, 327), dafs Grienberger (ebenda Der Name ist entschieden römisch. Nerylli- 
p. 396) in der Göttin Vagdavercustis einen 30 nos war möglicherweise ein Statthalter der Pro - 
Beinamen der Terra mater (= Nerthus) ver- vinzAsia. Freilich wird ein Prokonsul von Asia 
muten zu können glaubt, dafs Much (a. a. 0.) Namens Nerullinus nur durch eine von Morellus 
Nerthus, Gefjon, Nehalennia und Sandraudiga unter Familie'Suillia und nach ihm von Mionnet, 
zusammenwirft (vgl. J. W. Wolf, Beiträge zur S. 6, 335, 1661 mitgeteilte Münze des Vespasian 
deutschen Mythologie 1 (1852) 150f. 160), und von Smyrna mit der Reversaufschrift Ell • M • 
dafs endlich nach Siebs {Zeitschrift, f. deutsche IY1AAIOY • NEPOYAINOY • AN0YTTATOY • 
Philol. 24, 458) die friesische Hludana der ZMYP belegt, s. W. H. Waddington, Fastes 
Nerthus als 'Meeresgöttin' entsprechen soll. — des provinces asiatiques de l'empire romain 
Vgl. auch E. Mogk in Pauls Grundriss der depuis leur origine jusqu'au regne de Diocletien. 
germanischen Philologie 1 p. HOlff. B. Koegel, 40 Premiere partie. Paris 1872 p. 141 f. Man 
Geschichte der deutschen Litteratur 1, 1 p. 20 fi. würde den Nerullinus der Münze mit dem 
Wolfgang Golther, Handb. d. german. Mythol. NsgvlUvog des Athenagoras unbedenklich 
(Leipzig 1895) p. 218 f. 456 ff. [M. Ihm.] identifizieren können, wenn letzterer nicht von 
Nertns(J). Einen Gott dieses Namens glaubte Athenagoras als Zeitgenosse bezeichnet würde, 
man auf einer in Brugg (Aargau) gefundenen der freilich nach dem Schlufs von cap. 26 zur 
Inschrift zu erkennen: ARAM NERT | MMAS- Zeit als Athenagoras die itoicfata schrieb, 
TER I MIL-LEG-XI CPF | CRISPI LIBES nicht mehr am Leben war. Da bereits der 
|| POS VIT. Anzeiger f. Schweiz. Alt. 1882 p. Vater des auf der Münze von Smyrna genannten 
265. 329. Korr.-Bl. d. Westd. Zeitschr. 2 p. 1. Nerullinus Prokonsul von Asien gewesen war, 
Bonn. Jahrb. 77 p. 194. — Zangemeister, Korr.- 50 s. Waddington a. a. 0., so wäre es nicht undenk- 
Bl. d- Westdeutsch. Zeitschr. 8 p. 224 hat den bar, dafs ein Sohn des Prokonsuls der flavi- 
Stein aufs Neue untersucht und glaubt, dafs sehen Periode unter den Antoninen die Statt- 
in der ersten Zeile eher AIERT als NERT halterschaft von Asia bekleidet hätte. Vgl. auch 
zu lesen sei; doch giebt er zu, dafs sich mit De Vit,Onom. s.v. Nerullinus u.Neryll. [Drexler.] 
Sicherheit nicht sagen lasse, ob AI (er dachte Nesaie {Nrjaairj), Tochter des Nereus und 
an Avertentibus) oder N eingehauen sei. Ist N der Doris, II. 18, 40 (Eustath. p. 1130, 54). 
richtig, so kann man die Inschrift lesen Aram Hes. Theog. 249. Lykophr. 399 mit Schol. u. 
Nert(i) M. M(. . . .) Aster [so eher als M. Tzetz. Apollod. 1, 2, 7 {^aairj u. laal* codd.). 
Mas. Terßius), was Mommsen vorgeschlagen Verg. Georg. 4, 338. Arn. 5, 826 (Nisaee). 
hat] mil(es) legfionisj XI G(laudiae) p(iae) CO Propert.S, 26,16. Hyg.fab.praefj). 10 Schmidt; 
fßdelis) (centuria) Grispi libe(n)s posuit. Nertus dargestellt auf einer rotfigurigen Vase C. I. G. 
ist als gallischer Eigenname bekannt (ein 8362 c. Neapel nr. 2296 (Genrescene mit Ne- 
Nertus Dumnotali filius auf einer Inschrift aus reidennamen). Vgl. Schömann, Opusc. acad. 
Alt-Ofen, Arch. epigr. Mittheil, aus Oest. 7, 2, 168 (Insulana). Braun, Griech. Götterl. § 80, 
91), vgl. die zahlreichen Komposita, wie 97. Preller- Robert, Griech. Myth. I 4 , 556. Es 
Nertomarus, Cobnertus, Esunertus, Nertobriga ist einer der Nereidennamen, die in allen Ver- 
u. a. Keltisch nert ist begrifflich = lat. vir- zeichnissen wiederkehren. [Wagner.] 
{«s (vis, robur), vgl. Glück, Keltische Namen Nesepteitis (?). Von einem Hügel bei Byblos 



279 Nesimachos Nessos (Mythus) 280 

stammt ein Altärchen mit der von Renan, 3. Buch der Gigantias bei Steph. Bye. und 
Miss, de Phenicie p. 200 ff., PL 22 nr. 11 (vgl. Suid. s. v. (vgl. A. F. Pott, Jahrb. f. Philol. 
Rev. arch. 1861 , I p. 171 f. p. 327) veröffent- Suppl. 3, 314). [Wagner.] 
lichten Inschrift: 0EA | NEIETTTEITII. Renan Nessos (Nseaog, Nit[t]og auf einer alt- 
hält diese Nesepteitis für eine ägyptische attischen Amphora, Ant. Denkmäler l, 57; durch 
Göttin. Fröhner, welcher die Inschrift Philo- ' Vermittelung der Form Nearog [s. u. 1] zu der 
logus 19 p. 136 nr. 8 und Les inscr. grecques "Wurzel vsS „brüllen, rauschen" gestellt von 
[du Muse"e du Louvre]. Paris 1865 p. 30 f. A. F. Pott, Jahrb. f. class. Phil. Suppl. 3, 313. 
nr. 19 verzeichnet, giebt das Denkmal zwar Cwtius, Grunds. 5 243 f. üsener, Der Stoff des 
unter der Überschrift „autel consacre ä Ne- 10 griechischen Epos 1897 S. 8). 

litis" und übersetzt die Inschrift „La 1) Stromgott in Thrakien, Sohn des Okeanos 



deesse Nesepteitis", aber er bemerkt dazu, dafs und derTethys, Hes. Theog. 341. Der Flufs heifst 
der unzweifelhaft ägyptische Name vielleicht sonst, z. B. Herodot 7, 109, meist Nestos (s. d.). 
bedeute Ns-Ptah „attachee ä Ptah" oder Se- 2) Kentaur, Sohn des Ixion und der Nephele, 
nepteitis „ßle de Nephthys" und dafs man Eyg. fab. 34. Sern. Herc. Oet. 492. In dem 
dann zu lesen habe &eä Nsaenzsiti'g „Ne- Kampfe des Herakles gegen die Kentauren bei 
septeitis widmet dieses Denkmal der Göttin". der Höhle des Pholos war er dem Tode ent- 
Dieser Vermutung schliefst sich an Clermont- gangen und hatte sich am Flusse Euenos nieder- 
Oanneau, Le dieu Satrape et les Pheniciens gelassen, Apollod. 2, 5, 4, 6. Dort trug er gegen 
dans le Peloponnese, Journal asiatique 7 e ser. 20 Lohn die Reisenden über den Flufs, und zwar 
t. 10. Paris 1877 (p. 167—236) p. 165 f. Anm. 5, behauptete er (jedenfalls dem Herakles gegen- 
der mit dem Namen vergleicht die ägyptischen über), die Götter selbst hätten ihm wegen 
Personennamen Nes-ta-neb-tä-ti und Nes-paud- seiner Gerechtigkeit diesen Fährmannsdienst 
tä-ti und die Vermutung äufsert, dafs er zu- übertragen, Apollod. 2, 7, 6, 4. Als Herakles 
sammengesetzt sei mit dem Namen des Gottes auf seiner Reise von Kalydon nach Trachis 
Seb, etwa Nes-seb-ta-ti oder mit dem der an den Euenos kam, übergab er ihm, während 
Göttin Sepet (Sothis): Nes-sepet-ta-ti. Auch er selbst hinüberschwamm, seine Gattin Deia- 
E. Ledrain, Notice sommaire des monuments neira, um sie über den Flufs zu tragen. Dabei 
pheniciens du Muse'e du Louvre. Paris 1888 erfrechte sich Nessos, ihr Gewalt anthun zu 
p. 50 nr. 103 ist der Ansicht, dafs die In- 30 wollen, und wurde von Herakles erschossen, 
schrift zu übersetzen sei „Neseipteitis ä la Um sich an Herakles zu rächen, übergab er 



deesse"; er erklärt das Wort für einen ägyp- ihr sterbend als angeblichen Liebeszauber sein 

tischen Personennamen mit der Bedeutung von dem Pfeile des Herakles vergiftetes Blut, 

„attachee au dieu Ptah". [Drexler.] welches sie mit dem ihm entfallenen Samen 

Nesimachos? (Ni\eCpuios?), Argiver, Vater vermischen sollte (so Apollod. u. Diod., bereits 

des Hippomedon, eines der sieben Führer gegen angedeutet b. SophoMes Trach. 580f. 7CQoaßalovß 

Theben, den ihm Mythidike, die Tochter des Sau Je5V tisivog dne, also alt); andere erwähnen 

Talaos, Schwester des Adrastos, gebar, Hyg. aus begreiflichen Gründen nur das Blut, Ovid. 

fab. 70. Schol. Stat. Theb. 1, 44. Vielleicht Met. 9, 132 calido velamina tincta cruore). So 
ist mit Bunte zu schreiben Aristomachos nach 40 kam es, dafs Herakles später, als Deianeira 

Apollod. 3, 6, 3, 1, wo Hippomedon auch direkt v^gen Iole den Zauber anwenden zu sollen 

als Sohn des Talaos bezeichnet wird. Niebuhr glaubte, durch das Gift seiner eigenen Pfeile 

vermutete Nausimachos. [Wagner.] den Tod fand (s. u. Herakles). Der älteste 

Nesis (Nrieig) , nach Suid. s. v. Name einer Zeuge für diese aitolische Sage ist Archilochos, 

Göttin und einer Stadt. [Stoll.] Schol. Apoll. Rhod. 1, 1212, Frgm. 147, der sie 

Neso (lYijera), 1) Tochter des Nereus und der mit einer gewissen Ausführlichkeit behandelt 

Doris, Hes. Theog. 261. Schoemann, Opusc. acad. haben mufs; denn JDio Chrysost. berichtet in 

2, 168 (Insulia). Braun, Gr. Götterl. § 89. — seiner Nessos betitelten 60. Rede von einer 

2) Mutter der Sibylla, Lykophr. 1465 mit Schol. änoQi'a (des Aristoteles nach Schneidewins Ver- 
u. Tzetz. Nach Arrian {Eustath. zu 11. 2, 814 50 mutung): man tadle den Archilochos, weil er 

p. 356, 28. Müller, F. H. G. 3, 598) war sie die Deianeira in ihrer Bedrängnis sich in einer 

eine Tochter des Teukros, vermählt mit Dar- längeren Rede hilfeflehend an Herakles wenden 

danos. [Stoll.] lasse (jrpos rov 'Hguyilta quipaSovauv , uvu- 

Nesoi (iWjeot). BeiKallim.hymn.inDel. 18, wo nifivriexovoav rrjs xovjA%ti\a>ov ^ avr\axs(ag «ai 

es heifst, dafs Delos allen voran ist, wenn sich xmv xöxs yevopsvcav, mors noU.r\v oxolrjv sivai 

bei Okeanos und Tethys die Nfjeoi versammeln, xäNsaem xi ißovlsTongä^ai). Mit Recht zieht 

erkennt Maafs, Hermes 25 (1890), 404 in den Schneidewin (Phüol. 1, 148«.^ auch Fragm. 41 

vfjaoi einerseits eine Personifikation der Nesoi, upiod-l yüg as nüjinuv ov 8iu£,ofiev als Worte 

andererseits die eponymen Nymphen dieser des Nessos heran*). Dafs SophoMes, dessen 

Inseln. [Höfer.] 60 *) D a8 Zweitälteste Zeugnis bietet jetzt die 16. Ode 

NeSOS (IVjjffOs), ein Grieche aus Mykene, VOr des Bakehylides, welche den Tod des Herakles schil- 

Troia VOn Eurypylos getötet, Quint. Sm. 6, 616. derte und offenbar dem Sophokles als Quelle gedient hat. 

[Stoll] Die Worte (16, 34 f. Kenyon) lauten: 6V inl itata/iä, 

Nesson (M***v), Sohn des Thessalos, nach £««*« *"*f* f- "■• • ?»** ',S^S^?^±2 

, , mV. t ■ i -kt • i.-„r o*„„j, Niooov naoa Oaiuöviov «pfa;]. Leider bricht das Iredicnt 

welchem Thessalien einst Nessoms hiefs, Strab. gerade an ^„„^lie ab, sodars sich nicht entscheiden 

9,444. Denselben Namen führte der bei Larisa uftt) ob das Ereignis ausführlicher erzählt war. Der 

gelegene See Strab. 9, 430; auch hiefs eine Zusammenhang macht es wahrscheinlich, dafs sich der 

Stadt Thessaliens NeSSOn nach DionysiOS im Dichter auf die blofse Erwähnung beschränkte. 



281 Nessos (Mythus) Nessos (in der Kunst) 282 

Trachinierinnen die Nessossage zu Grunde liegt, der Vermischung mit dem Blute des verwun- 
den Archüochos benutzt hat, läfst sich nur ver- deten Nessos erhalten haben, Schol. Hom. II. 2, 
muten (v. 555 ff. 680 ff. 831 ff. 1141 f., vgl. 527 (vgl. Boscher u. Kentauren Bd. 2 Sp. 1044, 
Schneidewin,Soph. Track. 5 p.8). Weitererzählen 1049, 1085). Ebenda wird Sp. 1049 mit Recht 
die Sage (aus epischer Quelle nach Pherekydes?) hervorgehoben, wie wichtig diese Beziehungen 
Apollod.2,1,6 (daraus arg um. Trachin. Zenob.l, eines der hervorragenderen Kentauren zum 
33. Tzetz. Lykophr. 50 und CHI. 2, 458 ff.). Diod. Euenosflufs und zu jenen Quellen für die Deu- 
4, 36 (zum Teil wörtlich mit Apollod. überein- tung der Kentauren im allgemeinen sind (vgl. 
stimmend). Hyg. fab. 34 (vgl. 31. 36. 240. 243). Nessos 1). [Wagner.] 

Strab. 10,451. Lucian.de salt. 50. Liban.narr. 51 10 Über die Kunstdarstellungen der Sage 

(Westerm. 'Mythogr. p. 371). Serv. Verg. Arn. handeln bereits Furtwängler unter 'Herakles' 

8, 300. Schol. Stat. Theb. 11, 235. Myth. Vat. (Bd. 1 Sp. 2194f. 2229 u. 2244f.) und Sauer 

1, 58 und 171. 2, 165. Ovid. Met. 9, 101 ff. unter 'Kentauren' (Bd. 2 Sp. 1049f.). Es wird 

Her. 9, 141 ff. Senec. Tiere. Oet. 491 ff. Quint. deshalb im folgenden von einer — doch nur 

Smym. 5, 644. 6, 283 ff. (als eine der Herakles- wiederholenden — Aufzählung und Besprechung 

darstellungen auf dem Schilde des Eurypylos). der erhaltenen Denkmäler abgesehen und nur 

Sophokles setzt die Vermählung des Herakles ein kurzer Nachtrag zu den beiden genannten 

mit Deianeira, wie es nach v. 34 scheint (vgl. Artikeln gegeben. Derselbe beschränkt sich 

Schneidewin a. a. O. p. 7), in den Anfang seiner auf eine neue Beleuchtung des Verhältnisses 
Laufbahn und läfst ihn gleich nach der Ver- 20 der Schriftquellen zu den Monumenten sowie 

mählung von Kalydon aufbrechen, so dafs auf eine Beschreibung des unten abgebildeten, 

Deianeira in ganz jugendlichem Alter (nccig Furtwängler und Sauer noch unbekannten 

«' ovaa 557) das Abenteuer mit Nessos erlebt, Madrider Mosaiks. 

wobei freilich unberücksichtigt bleibt, dafs I. Den meisten bisherigen Bearbeitern der 
Herakles damals sein Pfeilgift von der Hydra Nessossage ist es mit Recht aufgefallen, dafs 
noch nicht gewonnen hatte. Nach Pindar die älteren Denkmäler, besonders die Vasen- 
(Schol. Hom. II. 21, 194) dagegen fand seine bilder, dieselbe nicht in der — wie man bisher 
Vermählung nach seiner Rückkehr aus dem glaubte — bereits seit Archüochos litterarisch 
Hades statt, nach den zusammenhängenden nachweisbaren Form wiedergeben, wonach der 
Darstellungen bei Apollod. und Diod. erst gegen so Angriff des Kentauren auf Deianeira mitten 
das Ende seines Lebens, und zwar hielt er im Flusse und infolgedessen die Bestrafung 
sich erst eine Zeit lang (drei Jahre nach Diod.) durch Herakles mittelst Pfeil und Bogen statt- 
bei Oineus auf, ehe er auf der Reise nach findet. Auf keinem der uns erhaltenen,_ zahl- 
Trachis an den Euenos kam. Sonst zeigt sich reichen archaischen Vasengemälde ist irgend 
nur in einem Punkte eine schon im Altertum welche Andeutung des Wassers vorhanden*), 
bemerkte "Verschiedenheit in der Erzählung auf keinem wird die Bestrafung mit Pfeil und 
des Nessosabenteuers: Nach Bio Chrysost. a.a.O. Bogen vollzogen; vielmehr kehrt typisch die 
wurde Sophokles (v. 564ff.) getadelt, weil er Darstellung des fliehenden Nessos wieder, 
den Herakles nach Nessos schiefsen läfst, welchen Herakles soeben erreicht hat und mit 
während dieser noch mitten im Flusse ist, so 40 Schwert oder Keule bearbeitet, 
dafs dadurch zugleich das Leben der Deianeira Es ist eine Selbsttäuschung, wenn man, wie 
bedroht ist. Damit hängt es offenbar zusammen, es bisher vielfach geschah, diesen Widerspruch 
dafs Apollodor, Biodor , Ovid und Seneca aus- zwischen der litterarischen und der monumen- 
drücklich hervorheben, Herakles habe erst talen Tradition durch die Annahme zu er- 
dann sein Geschofs entsendet, als Nessos am klären sucht, es hätten der sagengetreuen 
jenseitigen Ufer angelangt war. (Ptolem. Heph.'Z Wiedergabe des Vorganges auf engem Räume 
p. 184, 26 West, weifs zu berichten, Aphrodite in der älteren Kunst Schwierigkeiten entgegen- 
habe, wegen Adonis auf Herakles eifersüchtig, gestanden; denn es bedarf nur eines Hinweises 
den Nessos über das Mittel HerakleB zu ver- einerseits auf die bekannte, einfache Manier**) 

derben belehrt.) 50 ^ Auch nicht auf dem Iimenb ii,i e aer Schale Miliin, 

Pausanias (10, 38, 2, Vgl. Flut. (JuaeSt. irr. 15) G(a myfh _ {De utsch von Tölken; Berlin 1820) Tafel 118 

berichtet, Nessos sei nach seiner Verwundung Nr töe > b WO hl es im Texte heilst, es sei Nessos dar- 

durch Herakles noch lebend ins Gebiet der gestellt „wie er die .. . Deianeira auf dem Kücken durch 

ozolischen Lokrer geflüchtet und dort erst ge- das Wasser tragt . . ." 

Stürben und unbestattet verwest. Von dem **) Nur wenige Beispiele : Laufender Hund und 

schlechten Geruch, den die Leiche verbreitete, Fische: Würzburger mneusschaie abgeb Bd. 1 *. »ras. 

1 • 4 v j xr „ ,]„_ „„„i;„„l,„„ Laufender Hund allem: noch auf dem Innonbild 

sei, nach einer Angabe, der Name der ozolischen einer Va8e de8 4 . Jatah . T . Chx , B d. 1 s P . 2675. Wellen- 

Lokrer abgeleitet. Dies erklart Sien aus der 1 ' inien . Bd . 1 s p .2204undgan2:vorzuglichmit'Ver«uchder 

genaueren Angabe des Strabo (9, 427) über ; den Perspektive Gerhard, Auserles. Yasenb. 2,112. Fisohe 
unweit der EuenOSmÜndung an der aitolisch- 60 und andere Tiere: Metope v. Selinu», abgeb. Lütiow, 

lokrischen Grenze gelegenen Berg TaphiasSOS Ztschr.f. bild. Kunst 4 (1898) S. 159; ferner Gerhard a. a 0.1, 

(Taphios bei Antig. hiSt. mir. 117; Vgl. B ursian, 49 und schliefslioh bei den Darstellungen der Europa- 

Geoar. V. Griedh. 1, 133 f.): auf ihm habe sich W C=- *.), die von besonderem Interesse sind, weil «e 

urcwj/i. v. <•*'«" • JL I , , , . v mit denen des Nessos-Mythos am meisten typische Ahn- 

das Grabmal des Nessos und der übrigen Ken- ^^ ^^ übrlgenB kommt die EuropMige au£ den 

tauren befunden , und aus ihren verwesenden &lteBten Denkmälern c T. ebenfalls ohne Andeutung des 

Leibern seien die Übelriechenden Quellen am Wassers vor; es wttre naturlioh unrichtig, daraus irgend 

Fufse des Berges entsprungen. Auch der welche Schlüsse auf die Abbildungen der Deianeira- 

lokrische Flufs Ozon soll seinen Namen von Nessossage tiehan tu wollen, da diese bei weitem mehr 



283 Nessos (in der Kunst) Nessos (in der Kunst) 284 

der aichaischen Künstler, das Wasser durch 1) Die Stelle Bio Chrys. 60, 1 berechtigt in 
Wellenlinien (oft nach Art eines „laufenden keiner Weise zur Auslegung, als habe danach 
Hundes"), durch Fische und andere Tiere etc. der Angriff des Nessos bei Ärchilochos mitten 
anzudeuten, andrerseits auf die in Bd. 1 Sp. 2140 im Strome stattgefunden; im Gegenteil werden 
gegebene Aufzählung der Denkmäler der älteren hier Ärchilochos und Sophokles in einen ge- 
Kunst, welche Herakles bogenschiefsend dar- wissen Gegensatz gebracht, dergestalt, dafs der 
stellen*), um diesen Erklärungsversuch sofort eine diese, der andere jene Unwahrschein- 
ais unhaltbar zu kennzeichnen. lichkeit sich hat zu Schulden kommen lassen. 
Die Lösung des Widerspruches kann viel- Ärchilochos trifft nur der Vorwurf der langen 
mehr nur eine neue, sorgfältige Prüfung unserer 10 fäais, Sophokles nur der der tcqo rov xcuqov 
litterarischen Quellen und besonders jener xo&Ca, und wie sehr dieser damit aus der 
einzigen liefern, welche wir aus archaischer gewöhnlichen, auch dem antiken Kunstkritiker 
Zeit besitzen, des Ärchilochos. Diese Prüfung geläufigen Form der Sage herausfällt, zeigt 
hat sich in erster Linie auf die Frage zu er- deutlich der Zusatz: „alXa pr\, xa&äiii-Q sfods, 
strecken, wo der Angriff des Kentauren statt- nolv aaga xr\v äö^ccv Xeytov v.ul itävxa. 
findet, ob im Flusse oder erst nach Erreichung p&Uov rj o n S av olrj&sir}." Es ist also durch- 
des Ufers. Nach diesem Gesichtspunkte grup- aus unrichtig, wenn Schneidewin a. a. 0. aus 
pieren sich die litterarischen Berichte wie folgt: der besprochenen Stelle schliefst: „Demnach 

A. Soph. Trach. 555 ff.; vgl. Bio Chrys. 60, 1. liefs Ärchilochos die Deianeira mitten im 
Sygin. fab. 34. Ovid. Heroid. 9, 1, 137. Ps.- 20 Flusse, wo Nessos ungestüm ihr zusetzte, 
Apollod.Bibl.2,7,b. Schol. Stat. Theb. i,838. — den Herakles an alle Not mahnen, . . ." Es 

B. Archiloch. Schol. Apoll. Rhod. 1, 1212. Bio ergiebt sich daraus vielmehr gerade umgekehrt, 
Chrysost 60,1. Archil.Fragm.il. Ovid. Metam.9, dafs sich nur Sophokles allein diesen Vorwurf 
101 ff. Biod. Bibl. 4, 36. Ps.-Senec. Tiere. Oet. zugezogen hatte, nicht auch Ärchilochos, dafs 
499 ff. Philostrat. iun. Imag. 16. Die übrigen — also in dem Gedichte des letzteren der Ge- 
oben aufgeführten — Schriftsteller, welche die waltakt des Kentauren zu Lande stattfand. 
Sage erzählen, kommen für den vorliegenden 2) Das Fragment Archil. Nr. 41 käme für die 
Zweck nicht in Betracht. Frage, wo sich der Angriff auf Deianeira nach 

Nach Gruppe A schreitet Herakles durch Ärchilochos ereignete, nur dann in Betracht, 
den Strom voran (Sophokl.: ivnaTgstpag %s- so wenn man darin den Sinn finden könnte: „Ohne 

Qoiv 7jksv jto^rjjK löv ig St nXtv[iovug OTiQ- Entgelt werde ich dich nicht vollständig 

viav du-QQOLgTjcev ...), Nessos und Deianeira — durch den Strom tragen", so dafs derselbe 

von ihm ungesehen, so dafs der Vergewal- danach mitten im Flusse erfolgt wäre. Dies 

tigungsversuch sehr erleichtert war — folgen. ist indessen aus dem Grunde nicht möglich, 

Dieser findet mitten im Flusse statt und weil dann das Wort apiaSl lediglich in der 

wird sofort bestraft; nur Ps. - Apollodor läfst Bedeutung gebraucht wäre, welche Schneidewin 

mit Rücksicht auf Bio. Chrys. a. a. 0. den durch die Annahme einer „ironischen Amphi- 

Herakles mit der Bestrafung geduldig so lange bolie" (Einleitg. zu Soph. Trach. S. 8)*) erst 

warten, bis auch Nessos das Ufer erreicht hat. hineininterpretiert hat, nämlich „ohne Liebe d- 

Nach Gruppe B schreitet Nessos mit 40 lohn". Denn dafs Nessos sie ohne Entrichtung 

Deianeira voran und Herakles folgt. Der An- der, üblichen Geldgebühr nicht übersetzen 

griff auf Deianeira findet daher erst am Jen- würde, das wufste Deianeira schon längst und 

seitigen Ufer**) statt, und zwar entweder während es brauchte ihr nicht jetzt erst mitten im 

Herakles noch mit den Wellen kämpft {Biod. Strome gesagt oder wiederholt zu werden, da 

Senec. Philostrat.), oder aber (Ovid) nachdem der Fährmann sich natürlich seinen Lohn be- 

auch er an das Ufer gelangt und ein Flucht- reits vor Beginn seiner Thätigkeit von Herakles 

versuch des Kentauren mit Deianeira vorher- ausbedungen hatte (vgl. Apollod. 2, 7, 6). Auch 

gegangen ist. wäre wohl die fuc#ds-Frage im eigentlichen 

Wenn ich entgegen der bisherigen, be- Sinne kein ausreichender Grund zum ov näp- 
sonders von Schneidewin (Philologus 1, 148 ff.) 60 stav Siüyeiv gewesen. Die Übersetzung der 

vertretenen, Auffassung Ärchilochos der zweiten Worte apiG&C etc. kann also richtig nur lauten: 

Gruppe zuteile, so geschieht dies ausfolgenden „Ohne Entgelt werde ich dich unter keinen 

Gründen: Umständen durch den Strom tragen", und 

als jene auf der mythischen Zuthat des Gewässers beruht, das Fragment kommt somit für die Frage, WO 

ganz abgesehen davon, dafs letztere hier — auf den alte- der Angriff des Kentauren nach Ärchilochos 
sten Denkmälern — stets, dort nur sehr teilweise fehlt. 

*) Vgl. auch Bd. 1 Sp. 2193: „Nicht minder hoch gehen *) Übrigens ist auch diese Annahme eine reine, durch 

die Darstellungen der Sage vom Kampfe mit den Ken.- nichts gestützte Vermutung. Denn die von Schneidewin 

tauren in die alte Zeit hinauf. Ein guter Teil der Denk- zur Erklärung und Erhärtung seiner amphibolischen 

mäler geht ins 7. Jahrh zurück. Der alte Typus ist Deutung angezogenen SteUen beweisen für den Unbe- 
folgender: Herakles, noch ohne Löwenfell, meist nur mit 60 fangenen doch nur soviel, dafs Niaaot toig aaowvtag 

dem Bogen oder auch mit der Keule bewaffnet, kniet oder ätsnö^d-ftevs fuo9ov und dafs in diesem Sinne hier auch 

schreitet mit eingesenkten Knieen nach recht«; meist a/uo&L zu verstehen ist. Dafs sich Nessos mit der For- 

schiefst er mit dem Bogen." Auch am Kypselos- derung des Tragelohnes an Deianeira und nicht an 

kästen war Herakles im Kentaurenkampf tohimv dar- Herakles wendet, ist nicht auffällig, da auch nach anderen 

gestellt. Berichten (z. B. Hygin. a. a. O.) sie es war, welche den 

**) Nach Ärchilochos fand der Angriff auf Deianeira Kentauren bat, sie überzusetzen. 'Wer weift jedoch 

vielleicht auch noch am diesseitigen Ufer statt, nachdem ob nicht gar ursprünglich anstatt ae das ionische otpl 

Herakles bereits in den Strom hinein vorangeschritten war. (= aiitijv) bei Archil. gestanden hat und doch Herakles 

Sicheres wissen wir darüber nicht. angeTedet war! 



285 



Nessos (in der Kunst) 



stattfand, nicht in Betracht; ebensowenig wie 
das Schol. Apoll. Bhod. 1, 1212, denn die Worte: 
„ävstlsv iv Kvfivm Neaeov KivzavQOv, a>e ««l 
'Aq%{Io%os löTogei" können sowohl bedeuten: 
Herakles tötete den Nessos in wie an dem 
Euenos (vgl. II. 18, 521. Od. 5, 466 etc.). 

Fassen wir zusammen, so ergiebt sich fol- 
gendes: Während Fragment 41 und Schol. Apoll. 
Rhod. 1, 1212 für die Frage, wo in dem Ge- 
dichte des Arehilochos der Vergewaltigungs- 
versuch des Nessos stattfand, ohne Belang 
sind, darf aus Dio Chrysost. 60, 1 mit grofser 
Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dafs 
derselbe zu Lande erfolgte und nicht mitten 
im Strom. Die letztgenannte Version ist dem- 
nach, soweit wir sehen können, zuerst von 



Kessos (Mosaik in Madrid) 286 

los auch auf den Vasengemälden die Angabe 
des Wassers nicht fehlen. 

Die ältesten Monumente lassen die Be- 
strafung des Nessos durch das Schwert oder 
die Keule geschehen; ob dies auch in dem 
Gedichte des Arehilochos der Fall war, ver- 
mögen wir nicht zu entscheiden, doch ist es 
nicht unwahrscheinlich*), da, wenn auch nicht 
die Notwendigkeit, so doch die Zweckmäfsig- 
10 keit, Pfeil und Bogen zu diesem Behufe ein- 
zuführen, erst durch die neue sophokleische 
Version gegeben war, wonach das Attentat 
mitten im Strome stattfand. Wie sehr man 
gerade diese Modifikation der Sage auch in 
späteren Zeiten noch als etwas ganz Neues 
empfand, das beweist, wie schon bemerkt, der 




Herakles erschiefst den die Deianeira tragenden Nessos (unediertes Mosaik in Madrid nach Originalphotographie). 



Sophokles um das Jahr 420 in die Litteratur 
eingeführt worden. 

Und damit ist der vermeintliche Widerspruch, 
welcher bisher zwischen der litterarischen und 
monumentalen Überlieferung der Nessossage 
bestand, gelöst. Griechische Darstellungen 
derselben besitzen wir nur aus der Zeit des 
Archaismus und des strengen Stiles; diese 
Denkmäler*) geben die Sage natürlich so 
wieder, wie sie damals gang und gäbe war, 
d. h. ohne Andeutung des Flusses, da der 
Angriff des Nessos eben zu Lande erfolgte. 
Hätten wir griechische Abbildungen des Mythos, 
die sophokleisch beeinflufst sein könnten, also 
aus der Zeit nach etwa 420, so würde zweifel- 

*) Auch die Darstellung am amykläischen Thron 
(Fau». 3, 18, 12: 'HQaxXJjg $7t' Eörfvtp töj ntytafitö Nsaaov 
ft/uufoüptvo;.) 



Schlufssatz der angezogenen Austeile, welche 
den Ausgangspunkt unserer Betrachtung bildete. 

' *) Gerade das spätere Epos und die Lyrik verwenden ja 
für Herakles die Keule (vgl. Bd. 1 Sp. 2188 ff.), die außerdem 
in lonien nach Ausweis der Denkmäler dortiger Pro- 
venienz als seine Waffe besonders beliebt war. Im übrigen 
ist dieser Funkt für unsere Zwecke .durchaus unwesentlich ; 
wir müssen hier viel zu sehr mit der Typik, zumal der 
älteren Kunst, rechnen, die einen einmal geschaffenen 
Typus, unbekümmert um litterarisoho oder andere Varia- 
60 tionen derbetr. Sage, lange Zeit hindurch feithalt (vgl. Bd. 1 
Sp. 2194 Furtwängler über die Entstehung das Herikles- 
NessöstypuB). Ebenso wie die altere Kunst aus sloh heraaB 
die Nesgosdarstelluugon (gleloh anderen, ■. B. denen des 
Parisurteils u. s. w.) mit Zuthaten verlieht (Zuiohauer eto.) 
oder sie nur auszugsweise giabt (Nesioi-Delaneira ohne 
Herakles oder Horaklei-Nesios ohne Deianeira), so ist sie 
möglicherweise auob in der Art der Bewaffnung des 
Herakles ihre eigenen, von den litterarischen Bearbei- 
tungen der Hage unabhängigen Wege gegangen. 



287 Nestis Nestis 288 

II. Das römische Mosaik, mit einer Dar- Personifikation des feuchten Elements (xo aicegfia 
Stellung der Nessossage, welches sich (als Kai zo vöag Stob. ecl. 1, 10, IIb Wachsm.) ist 
nr. 3610) im archäologischen Museum zu Madrid (Emped. 33ff. u. 175 Stein bei Laert. Diog. 8, 2, 12. 
befindet und auf Sp. 285/86 zum ersten Male ab- Hippolyt. ref. omn. haer. 7, 384, vgl. Sturz, 
gebildet erscheint, war bis vor wenigen Jahren Emped. 549 ff. 704. Schneidewin, Philol. 6, 155 ff! 
ganz unbekannt. Hübner {Die antiken Bild- ten Bririk, Philol. 6, 731 ff. Zeller ^Philos. d. 
werke in Madrid. Berlin 1862) hat es offenbar Griech. I 5 , 2 , 758 ff. Diels^ Doxoyr. 89). Einen 
nicht zu Gesicht bekommen, und ich war wohl überraschenden weiteren Ausblick hat jüngst 
der erste, der — im Jahre 1892 — davon Dieterichs Erklärung der vielumstrittenen Aber- 
Kenntnis erhielt; ich verdanke dieselbe, ebenso 10 kios-Inschrift im Lateran eröffnet, indem er 
wie die Photographie, welche der Abbildung feststellte, dafs Z. 12 nicht «tätig, was die 
zu Grunde liegt, der Güte des Herrn Sanitätsrats Handhabe zu einer christlichen Deutung zu 
Dr. G. Kispert, Kaiserl. Deutschen Botschafts- bieten schien, sondern Ntjarig zu lesen ist. 
arztes in Madrid, durch Vermittlung des Herrn Daraus ergiebt sich, dafs zur Zeit Elagabals 
Sanitätsrats Dr. S.Herxheimer in Prankfurt a.M. Nestis in dem Kultus des „heiligen Hirten" 
Im Jahre 1894 publizierte E. Bethe im Archäol. Attis zu Hieropolis in Phrygien eine hervor- 
Aneeiger (8 S. 8) eine kurze Notiz über das ragende Rolle gespielt hat. Sie leitete (itQoijye) 
Mosaik, die ich zur Beschreibung unseres Bildes den Aberkios auf seiner Reise und sorgte 
hierhersetze: „Landschaft. In der Mitte galop- dafür, dafs er überall die seiner Kultgemeinde 
piert n. r. Nessos, Deianeira auf dem Rücken, 20 vorgeschriebene Nahrung fand (l%&vv dito itrjyrjgl 
sie mit beiden Armen umklammernd. Er itctvpsye&rj xa&aei'v, ov iSqü^ato ukq&i vog 
schaut n. 1. zurück, wo im Hintergrund Herakles Syvn \ xal tovtov eitiSams cpCloig h&siv Sia 
auf ihn anlegt." Da im Anhange einer im navtog \ olvov xQriatov e'xovoa nsQuopa diäovaa 
Laufe des Jahres 1898 erscheinenden gröfseren (ist' uqtov). Die sicilische Meer- und Fisch- 
Arbeit des Verfassers (Quilling: Aus städtischen gottheit, die allen Nahrung spendet (Hippolyt. 
und privaten Sammlungen in Frankfurt a. M.) a. a. 0.), die aber der Bedeutung ihres Namens 
auch dieses Mosaik besprochen werden wird, entsprechend (vfierig ist auch der Name eines 
so kann hier von eingehenderen Erörterungen fastenden Fisches) als Fasterin aufgefafst wurde, 
über dasselbe abgesehen werden; nur einiges sorgt dafür, dafs ihr Anhänger überall die 
möchte ich der Bethesehen Beschreibung noch 30 ihm gestattete Speise findet ( Dieterich. Die 
hinzufügen: Das Mosaik hat (ohne Rahmen Gr abschrift des Aberkios 1896, 9 , 13, 42 ff.) . Da- 
gemessen) eine Breite von etwa 48 cm und gegen erblickt Hilgenfeld (Berl. Philol. Wochen- 
eine Höhe von 38 cm, ist also sehr klein und schrift f897, 394) in der Fasterin Nestis die 
kaum auch nur als Stück eines Fufsbodens um Osiris trauernde Isis. Wenn er dabei die 
denkbar; es wird vielmehr wie eine ganze sicilische Nestis mit der von Pluto entführten 
Anzahl anderer, ebenfalls im Madrider archäo- Peisephone gleichsetzt, so kommt er damit auf 
logischen Museum aufbewahrter Mosaikbilder eine Vermutung Heynes zurück, gegen die 
von vornherein zum Aufhängen an der Wand Krisehe (Forschungen 128) Einspruch erhob, 
bestimmt gewesen sein. Die geringfügigen [Wagner.] 
Restaurationen, welche es im Laufe der Zeit 40 [Gegen Dieterichs Deutung der Grabschrift 
erlitt, haben sich im wesentlichen offenbar desAberkios wurde sofort oben Bd. 2 Sp. 2880 ff . 
auf das umrahmende Ornament beschränkt. s i v 1 _Mßter.Einspruch erhoben. Speziell gegen 

Das Motiv der Darstellung nähert sich am seine Lesung Njjarig wurde bemerkt, dafs nur 
meisten der Schilderung Ovids in seinen Meta- ZTE auf dem Steine noch deutlich zu er- 
morphosen: Hinter dem Höhenzuge ist jedenfalls kennen sei. Cumont^L'inscription d'Äbercius 
der Strom zu denken, welchen soeben zuerst et_sgn demier exegete [Exir. de la Re v ue de 
Nessos mit Deianeira, dann Herakles durch- l' Instruction Publique en Belgiern], der gleich- 
schntten haben. Kaum am jenseitigen Ufer falls Dieterichs Deutung der Inschrift ver- 
angelangt, eilt der Kentaur hinweg über die wirft, 'bemerkt ^, 93 nach autoptischer Prü- 
lhn dem Anblick des Helden nunmehr ver- 50 fung des Steines: „Je ne parle pas de cette 
deckende Hügelkette über Felder und Wiesen invraisemblable Nestis, que les my stires de 
ms Weite; Herakles indessen, durch die Hilfe- Cybeleavaientemprunte'eälaphilosophied'Empe- 
rufe seiner Gemahlin (offener Mund, ausge- docle, car im examen attentif de Tinscription 
breitete Arme) von der ihr drohenden Gefahr m'a convaineu que la premiere lettre du mot 
unterrichtet, hat seine Schritte beschleunigt mutile ne pouvait pas etre un N", und in 
und legt soeben auf den Frevler an: Anm^2 „Ce qui aura trompe M. D., c'est que 
„Eaud tarnen effugies, quamvis ope fidis equina, sur ce coin du bloc de pierre il s'est forme un 
vulnere, non pedibus te consequar". _ depot calcaire de couleur brune, dornt um bout 
, . [Quilling.] semble former la barre transversale du N. Mais 
:r _- Nestis (Nrieng, vgl. Curtius, Griech. Etym. 5 eo ce depot ne correspond ä aucun trait de gra- 
319. Preller -Mobert, Griech. Myth. l i , 555), vttre. II se retrouve sur d'autres parties de la 
eine sicilische Gottheit nach Eustath. II. 1180,14 stele et il y affecte les formes les plus diverses. 
u. Phot. Lex. NrjOTrjg (1. Nrjaxig) SinsXixri &iög • Je suis persuadi que tous eeux qui examineront 
AXslig. Empedokles verwandte diesen Namen le marbre mutile, confirmeront ce diagnostic", 
zur Bezeichnung eines der Urstoffe, aus denen vgl, p. 90 Anm. 4. — Eine Zusammenstellung 
alles zusammengesetzt ist: Zsig dgy^g, "Hqtj ts der neueren Arbeiten über die Aberkios-ln- 
cpsQtoßiog, ijä' Aldcovsvg, \ Nf,axig »', ij daxQvoig schrift giebt Audo llent, Bev. d e l'hist. des reli- 
tsyyei kqovvcoiicc ßQoznov, wonach Nestis die gions Anne"e 18 t. 35 (1897) p. 418— 419, der 



289 Nestor Nestor 290 

wie Zahn im Artikel Avercius der Bealenc. f. zu zeigen, das ebenso einfache als glückliche 
prot. Theol. u. Kirche an dem christlichen Ur- Mittel, den Nestor selbst bei Gelegenheit die 
sprung der Inschrift festhält. [Drexler.] Thaten seiner jüngeren Jahre weitläufig er- 
Nestor (Nsotcoq, etrusk. Nestur; s. d.), jung- zählen zu lassen und ihn so zugleich als an- 
ster Sohn des Neleus und der Chloris, der mutigen Erzähler (fidveicrjg), als gesprächigen 
Tochter Amphions und der Niobe, daher JVjj- Alten, als beredten Lobredner der früheren 
Xrjtdrig, Gemahl der Eurydike, T. des Klymenos, Zeiten vorzuführen. So ist Nestor eine der 
Od. 3, 452, oder der Anaxibia, T. des Kratieus, ansprechendsten Gestalten des Epos, und da 
Apollod. 1, 9, 9, 3. Als seine Söhne werden seine „Geschichte" in der Folgezeit keine wesent- 
genannt (Odyss. 3, 413 f. und Ulf.) Perseus, 10 liehen Veränderungen erfahren hat, so wird 
Stratios (== Stratichos Apollod), Aretos, Eche- sie nachstehend hauptsächlich im Anschlufs 
phron, Peisistratos, Antilochos und Thrasy- an das Epos, jedoch in der natürlichen Folge 
medes*), als Tochter {Od. 3, 464. Res. frgm. 36 der Ereignisse erzählt. 

Bzach) Polykaste. Apollod. a. a. 0. nennt In dem Kriege, den Herakles angeblich 
aufser ihr noch Peisidike, und auch die Odyssee deshalb gegen Neleus führte, weil ihn dieser 
3, 450 redet von „Töchtern". nicht vom Morde des Iphitos reinigen wollte, 
Was den Nestor vor allen Helden der Sage kommen sämtliche Brüder Nestors um; er 
kennzeichnet, ist sein aufsergewöhnlich hohes allein wird gerettet, U. 11, 692, weil er damals 
und dabei frisches und rüstiges Alter: zwei in Gerenia abwesend war, wo er auferzogen 
Menschenalter hat er sterben gesehen, die mit 20 oder wohin er geflüchtet wurde : Hes. Katal. 
ihm aufwuchsen und lebten, und herrscht nun frgm. 33 — 35 (Bzach); frgm. 33, von Schol. 
im dritten, 11. 1, 250; Od. 3, 245**). Zur Er- Venet. A zu II. 2, 336 zitiert, um den Bei- 
klärung dieser aufserordentlichen Erscheinung namen r^vioq zu erklären. Gerenia war 
giebt Hygin f. 10 an, Apollo habe ihm, dem eine Stadt in Messenien, berühmt durch Rosse- 
Sohne der Chloris, die Zahl der Jahre zugelegt, zucht (ev ImtoSäpoiei ri^voig Hes. fr. 34), 
die er den Brüdern derselben, den Niobiden, daher auch Nestor hier und oft im Homer 
durch ihren frühen Tod entrissen. — Wenn innöza genannt wird. Vgl. Apollod. 2,7,3. 
man von den nicht zahlreichen späteren Er- Paus. 3 , 26. Philostratos giebt im Heroikos 
Weiterungen der Sage sowie den gelegentlichen (p. 302 Kayser) als Grund jenes Krieges an, dafs 
Erwähnungen Nestors in der alten Litteratur 80 Neleus und seine Söhne aufser Nestor dem Hera- 
absieht und sich an die weitaus ergiebigste kies die Rinder des Geryones wegnahmen. Dem 
Quelle der homerischen Epen unter Beiziehung Nestor habe dann Herakles zum Lohn für seine 
der Fragmente des epischen Oyklus und des Rechtschaffenheit Messenien geschenkt und ihn 
auf diesem fufaenden Quintus Smyrnaeus hält, mehr geliebt als Hyllos und Abderos. Auch 
so bekommt man den Eindruck, dafs diese habe Nestor zuerst beim Herakles geschworen, 
Epen in Nestor das Ideal eines Greises zeich- und die Helden vor Troja hätten diese Sitte 
nen wollen, der durch sein Alter wie eine von ihm angenommen. — Pausanias (4,3, 1) 
Reliquie aus einer älteren noch helden- weifs zu berichten, dafs nach dem Tode der 
hafteren Generation in die jüngere hereinragt, Söhne des Aphareus die Herrschaft über die 
der sich durch seinen Reichtum an Erfahrung, 40 Messenier an Nestor überging, mit Ausnahme 
durch Einsicht und Gerechtigkeit (Od. 3, 244) derer , die den Söhnen des Asklepios ge- 
auszeichnet, der gleichsam der Nachwelt die horchten. 

Weisheit der Vorzeit vermittelt, und dessen Als Jüngling schon war Nestor ein in allen 
Rat daher überall aufgesucht wird, wo die Arten des Kampfes geübter Held. Gewöhn- 
eigene Weisheit nicht mehr ausreicht. Doch lieh werden seine Erzählungen aus seinen 
nicht blofs als Berater des einzelnen ist er Jugendjahren von ihm mit dem Wunsche ein- 
gesucht, sondern namentlich auch in der Ver- geleitet, dafs er noch dieselbe Jugendkraft wie 
Sammlung der Fürsten und des Volkes, wo er damals haben möchte. So erzählt er bei den 
als Xiyvq äyoQTixr]s die Herzen aller Hörer Leichenspielen des Patroklos, an denen er 
bezwingt. Dabei ist er nicht grämlich, sondern 50 selbst nicht mitwirkt (II. 23, 629 ff.), dem 
heiter und lebensfroh, bei aller Teilnahme an Achill, wie er bei den Leichenspieien des 
schmerzlichen Verlusten stets zu trösten be- Amarynkeus in Buprasion im Faustkampf, Riug- 
reit, ein Freund frohen Mahles und des sorgen- kämpf, Wettlauf und Speerwurf über namhafte 
brechenden Weines. Seine frühere Lebenszeit Helden gesiegt, und nur in der Wettfahrt dem 
kommt dabei dem Dichter nur insoweit in Zwillingspaar der Molionen unterlegen sei. 
Betracht, als er ihn doch auch als Blume der Die Eleier (Epeier) erlauben sich nach der 
Ritterschaft (tnnora, InnoSctfioi) zeichnen will; Besiegung des Neleus durch "Herakles allerlei 
und da er ihn vor Troja an den Kämpfen nur Bedrückungen der geschwächten Pylier halten 
noch, soweit es sein Alter erlaubt, als Führer u. a. Rosse und Wagen des Neleus und anderer 
und Leiter, und an den ritterlichen Kampf- 60 Pylier, die diese zu Kampfspielen nach Elis 
spielen gar nicht mehr teilnehmen läfst, so geschickt, zurück und machen Raubzüge ins 
ergreift er, um ihn auch als Kampfeshelden pylische Gebiet. Da rückt Nestor gegen sie aus, 

•) über Antilocho. und Thr„ ym ede. aU Stammväter !£?' Ä '* ™ °»Z " \ [< *» Hypeirochos Sohn, 

der attischen Paioniden und Alkmaiouidens. P ai «.2,18,8f. ??! „* "l 1 * »"»*« »«ite an Herden ZU- 

und Toepfer, AU. Oeneal. 226 ff. 228. 237. [Koscher.] ^1 { L U '. 671 ?• Neleus verteilt die Beute, 

**) Diese Measchenaiter (iwcuia) werden von manchen da rücken die Eleier aufs neue heran bis an den 

als Jahrhunderte gefalst: vixi aunos bis ceotum; nunc Grenzflufs AlpheiOS Und belagern Thryoessa. 

vttftur tertia aetas, 0n. Met. 12, 187 f. Athena verkündet es den Pyliern, und alsbald 

BoBCilBB, Lexikon d. gr. u. röm. Mythol. 111. j_n 



291 



Nestor 



Nestor 



292 



ziehen diese wieder aus. Neleus will den 
Nestor nicht wieder ausrücken lassen, da er 
noch zu jung sei, und verbirgt ihm die Rosse. 
Nestor zieht nun zu Fufs mit, sie lagern in 
der letzten Nacht an dem Flüfschen Minyoeis, 
rücken bis Mittag des nächsten Tages bis vor 
Thryoeäsa und besiegen die Epeier. Nestor 
tötet des Augeias Eidam Mulios, und gelbst 
die Molionen wären ihm erlegen, wenn 
nicht Poseidon sie gerettet hätte. Er verfolgt : 
die Feinde bis übet Buprasion und kehrt beute- 
beladen und ruhmgekrönt nach Hause zurück, 
IL 11, 707—761. 

Ein andermal bekriegt er die Arkader am 
Keladon und tötet den Riesen Ereuthalion, 
der die Edelsten zum Zweikampf herausgefor- 
dert hatte, IL 4, 319; 7, 133 ff. 




1) Analogem zum Becher des Kegtor 
(nach Selbig, D. homer. Epot* 8. 272). 

Im Kampf der Lapithen (s. d.) mit den Ken- 
tauren wird er von jenen zu Hilfe gerufen, kämpft 
allein, und jene bedienen sich auch seines 
Rates, II. 1, 260 ff.; vgl. Ovid Metam. 12, 210 
— 365. Dagegen an der Kalydonischen Eber- 
jagd und am Argonautenzug lassen ihn erat 
spätere teilnehmen: Od. Met. 8, 313. Vol. Flacc. 
1, 380. Nach Homer ist er zur Zeit des Todes 
seines Bruders Periklymenos , der den Argo- 
nautenzug mitmachte {Apöllon. Ehod. 1, 166. i 
Apd. 1, 9, 16), noch ein Knabe. 

ErBt ins dritte Menschenalter seines langen 
Lebens fällt die Zeit seines höchsten Ruhmes 
als Teilnehmer am trojanischen Kriege. 
Zwischen jenen früheren Thaten und diesem 
Zuge ist eine grofse Lücke, da der Haupt- 
zweck des Epikers eben die Verherrlichung 
des Greises Nestor und die Schilderung jener 



Jugendthaten nur Nebenzweck ist. Haben in 
der IHas mehrere Helden ihre besondere Ari- 
steia, so ist bei Nestor sein ganzes Wirken 
eine einzige ununterbrochene grofse Aristeia. 
Der Dichter häuft auf ihn alle Ehren, die ein 
alter Kriegsheld haben kann. Als Ahnherr 
der Gründer der kleinasiatischen Jonierstädte 
wird er in besonderem Mafse verherrlicht, 
s. Neleus. 

Schon für das Zustandekommen des Kriegs- 
zugs ist Nestor in hervorragender Weise thätig. 
An ihn wendet sich Menelaos zuerst, nachdem 
er den Raub der Helena erfahren; vgl. Cypria,' 
Kinkel, frgm. ep. Gr. S. 18. Bezeichnend für 
den gesprächigen Alten ist, dafs er auch jetzt 
dem beleidigten und drängenden Menelaos lange 
Geschichten von Epöpeus, von Oidipus, von 
des Herakles Wahnsinn, von The- 
seus und Ariadne erzählt, und ihm 
möchte man bei dieser Gelegen- 
heit die Worte des Fragments 10 
{Kinkel a. a. O. S. 27. Athen. 2 
p. 35. C) in den Mund legen: 

Olvöv toi, MevilaB, *sol itoC- 
rjaav aousxov 

ftvrjzoig dvfrqcbitoiaiv änoax-e- 
Sdaai fisXeSäva. 

Nahm er ja doch seinen lieben 
Becher, ein merkwürdiges Kunst- 
werk von respektabler Grofse, mit 
nach Troja (II. 11, 682 ff.) und ver- 
trieb sich auch im Lager die Grillen 
und Sorgen beim Becher, 14, lff. 
und sonst. Über diesen Becher vgl. 
Heibig, Bas hom. Epos 1 S. 272 ff., 
Schuchardt, Schliemanns Ausgra- 
bungen S. 277. Der daselbst ab- 
gebildete c. 19 cm hohe Becher 
mit zwei Henkeln, zwei Tauben 
und zwei Henkelstützen kann uns 
ein annäherndes Bild geben von 
dem Riesenhumpen des Nestor, 
der seiner Grofse und Schwere ent- 
sprechend am unteren Teil des 
eigentlichen Behälters noch ein 
Paar gleicher Henkel hatte, damit 
der schwere Becher, wenn er halb 
geleert war, leichter geneigt wer- 
den konnte. 
Nestor zieht dann mit Menelaos in Griechen- 
land umher, um die Führer zu sammeln, Cypr. 
a. a. O. Mit Odysseus kommt er nach Phthia, 
um Achill und Patroklos zum Auszug zu be- 
wegen, IL 11, 767 ff. Das eigene Aufgebot 
Nestors umfafste nach IL 2, 602 neunzig, nach 
Apollodor Epit. 3,12 Wagner vierzig Schiffe, 
auch begleiteten ihn seine Söhne Antilochos 
und Thrasymedes. (AnderB Philostr. hero.a,. a.O.) 
Von dem Anteil der Beute des Achilleus 
von seinem Zug nach Tenedos erhält Nestor 
Hekamede, des Arsinoos Tochter, II. 11, 624. 
Überall tritt er mit Rat und That helfend 
ein. Er sucht den Streit des Achill mit Aga- 
memnon wegen Briseis zu schlichten, 11. 1,247 ff. 
Auf der ilischen Tafel (Jahn- Michaelis, Griech. 
Büderchroniken A, Taf. I S. 11 nr. 5) sitzt er 
auf einem Sessel zwischen den Streitenden. 



293 



Nestor 



Nestor 



294 



(S. Abb. 2 nach der älteren Zeichnung von Fedor, 
da deren Richtigkeit im allgemeinen bestätigt 
wird durch Robert, Arch. Ztg. 32, 106. S. Engel- 
mann, Bilderatlas z. Homer, Ilias Taf. 2.) — 
In der auf den Streit folgenden Beratung spielt 
Nestor gleichfalls eine wichtige Rolle; vgl. 
Jahn- Michaelis S. 13 Nr. 8 (Taf. III C 1 ): Nestor 
und Agamemnon sitzen in der Agora, daneben 




*XIAAETI ASHNA 



wird ein Rofs Nestors von Paris verwundet, 
das Gespann gerät in Unordnung, Nestor wird 
von Hektor angegriffen, Diomedes eilt ihm zu 
Hilfe, nimmt ihn auf seinen Wagen und stürmt 
dem Hektor entgegen, Nestor führt die Zügel. 
Da fährt ein Blitzstrahl vor den Rossen zur 
Erde (v. 135), die Rosse beben, Nestor rät zur 
Umkehr, und sie fliehen trotz Diomedes' Wider- 
streben zum Lager. Diese Scene ist darge- 
10 stellt auf der Tabula lliaea B unter (Jahn- 
Michaelis Taf. II B, zweiter Streifen v. u., s. 
S. 15, nr. 20. Engelmann, Bilderatlas zu Homer, 
llias Taf. I Fig. 4 s. Abb. 4), wo Nestor ohne 
Diomedes auf seinem Wagen von Hektor verfolgt 
wird. Links daneben kämpft Paris zu Fufs mit 
einem älteren Manne zu Fufs mit der Unterschrift 
OP (Nestor?). Bei dieser Begegnung Nestors 
mit Hektor wird auch des reichen goldenen 
Schildes Nestors gedacht, den Hektor erbeuten 
20 will, v. 192 ; vgl. Heibig, das homtr. Epos 1 S. 225, 
230. Beichel, homer. Waffen S. 23 f. — In seiner 
Not will Agamemnon die Belagerung aufheben 
(Buch 9), da rät Nestor zur Versöhnung mit 
Achill und bewegt jenen zur Gesandtschaft an 
diesen. Da Achill in seinem Groll verharrt, 
so erhebt sich in der Nacht Agamemnon und 
sucht den Nestor auf, 10, 18, und sie be- 
schliefsen, die übrigen Helden zu nächtlicher 
Beratung zu wecken. Nestor schlägt in der 
30 Versammlung einen Streifzug ins feindliche 
Lager vor, 10, 205, und Diomedes und Odysseus 
erbieten sich dazu. — Im Kampf des folgen- 
den Tages rettet Nestor den von Paris ver- 
wundeten Machaon, 11, 510. 597. Achilleus 
sieht die Fliehenden und schickt den Patroklos 
zu Nestor, um sich zu erkundigen. Dieser 
benutzt die Gelegenheit, dem Patroklos zuzu- 
reden, dafs er sich wieder am Kampfe beteilige 
und auch den Achill umzustimmen suche, in- 
40 dem er ihn an die Worte seines Vaters Me- 
noitios beim Auszug erinnert, II. 11, 765 ff. 
785 ff. Machaon wird von Nestor und Heka- 
mede gepflegt, 11, 624; 14, 5. Das von Over- 
beck, Bildwerke des att. und troj. Sagenkreises 
421, auf die Pflege Machaons durch Nestor ge- 
deutete Terrakottarelief im Brit. Museum 
(Overb. Taf. 17, 7. Engelmann , Bilderati. zu 
Ovid Taf. 13, 83) stellt vielmehr Aigeus vor, 
der dem Theseus den von Medeia bereiteten 
Gifttrank wegreifst. 

Endlich gestattet Achill dem Patroklos die 
Beteiligung am Kampfe und giebt ihm dazu 
seine eigenen Waffen. Ein hübsches Vasenbild 
des Epigenes Abb. 5 (Ann. d. Inst. 1850, tav. 
d'agg. J. Engelmann, Bilderatlas z. Homer, 11. 
Fig. 72), das aber nicht unmittelbar an die 
homerische Darstellung anknüpft, zeigt die 
Darstellung seines Auszugs. Patroklos in voller 
pia von Onatae, Paus- 5, 25, 8. Brunn, Gesch. Ausrüstung steht vor Thetis, die eine Kanne 
d. gr. Künstler 1, 92. Br. Sauer, Anf. d. statuar. 60 und eine Schale hält, um ihm die Spende zu 



2) Nestor den Streit zwischen Agamemnon und Achill 
schlichtend. Von der Tabula Iliaca A. 



sieht man Thersites von Odysseus gezüchtigt. 
S. Abb. 3. 

Im vierten Buch der Ilias 294 ff. ermuntert 
N. die Seinigen zum Kampf, giebt ihnen Rat- 
schläge aus seiner Erfahrung und erzählt seinen 
Kampf mit Ereuthalion. — Wie Hektor die 
Griechenhelden zum Einzelkampf herausfordert, 




3) Nestor und Agamemnon in der Agora, Odysseus 
züchtigt den Thersites. Tabula Iliaca O 1 . 

erklärt Nestor, er würde sich gerne selbst 
dem Hektor im Kampfe stellen, wenn er noch 
jünger wäre , II. 7, 126 ff. Da melden sich als- 
bald neun Helden, und er läfst sie losen. Diese 
Szene war der Gegenstand einer grofsen Weih- 
geschenksgruppe der Achaier in Olym- 




i) Nostor Ton Hektor verfolgt. Tabula Iliaca B 
(nach 0. Jahn, Grieck. Büderchron. S. 15 nr. 20). 



Gruppe S. 38 f. Die Helden standen auf einer 
leicht gerundeten Basis, das Loa erwartend, 
Nestor auf besonderem Bathron vor ihnen den 
Beim mit den Losen haltend. Diese Basis ist 
gefunden östlich vom Zeustempel, s. Olympia, 
Ausgr. V, 31, 82. Bötticher, Olympia Taf. 19, 20. 
Arch. Ztg. 1879, 44, 3. 

In der heftigen Schlacht des achten Buches 



reichen (II. 16, 225 ff. bringt Achill selbst die 
Spende dar), auf der andern Seite stehen An- 
tilochos und Nestor, die wohl darum beige- 
geben sind, weil Nestor es war, der in Pa- 
troklos zuerst wieder die Lust zur Teilnahme 
am Kampfe wachgerufen, und Antilochos der 
erste, der dem Achill die TodeBbotschaft bringt, 
und der nachherige beste Freund des Achilleus. 

10» 



295 



Nestor 



Nestor 



2% 



Eine Scene, die gleichfalls in der Ilias nicht 
vorkommt, ist der Gegenstand auf der atti- 
schen rotfigurigen Vase strengen Stils von Oltos 
und Euxitheos Abb. 6 (Berlin 2264. Overl., Gdll. 
heroischer Bildw. 18, 2, S. 428. Müller, D. a. K. 
1, 207. Engelmann, Bilderatlas Fig. 62) : Achill 
und Nestor begrüfsen sieh, wie es scheint, zum 
Abschied. Denn hinter Achill sehen wir ein 
Viergespann, das Phoinix als Wagenlenker 



liehe Haare durch Pünktchen angedeutet sind, 
die der Zeichner als einen Kranz aufgefafst 
hat. — Bei den Leichenspielen des Patroklos 
tritt diese Freundschaft Achills mit Antilochos' 
wie auch mit Nestor besonders hervor. Dieser 
wird von ihm mit einer kostbaren Schale als 
Ehrengabe zum Andenken beschenkt, II. 23, 
615ff. 

Nicht im Epos, höchst wahrscheinlich aber 




e«t °r 




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OETIV 




5) Vasenbild von Epigenes: des Patroklos und Antilochos Abschied von Nestor (anwesend Thetis). 



schon bestiegen hat, Antilochos eben besteigt. 
Neben dem Gespann steht Iris. Die Meldung 
vom Tode des Patroklos, wie Overbeck an- 
nimmt, kann hier nicht dargestellt sein, da 
ja Achill gewappnet ist, während er durch 



in der Tragödie spielt Nestor eine Rolle bei 
Hektors Lösung, ein Gegenstand, den 
Aeschylos und Sophokles behandelt haben. Und 
bo finden wir Nestor auch bei diesem Vorgang 
gegenwärtig auf einer sehr schönen apul. Am- 




Patroklos' Tod seine Waffen verloren hat. Da 
aber Achill vor seinem Auszug zur Rache für 
Patroklos sich unter andern in erster Linie die 
Söhne des Nestor zu Gefährten erwählt, II. 
19, 239, und Antilochos fortan sein besonderer 
Liebling ist (23, 656), so ist hier wohl dar- 
gestellt, wie eben Achill, zum Aufbruch bereit, 
sich bei Nestor verabschiedet und von ihm 
sich den Antilochos als seinen Begleiter holt. 
Nestor ist dargestellt als Greis, dessen spär- 



6) Achills Abschied von Nestor; anwesend: Iris, 
Phoinix, Antilochos: Berliner Vasenbild nr. 2264. 



phora in Petersburg (nr. 422), Baumeister, 
Denkm. 2 S. 739 und Overbeck, Gall. her. 
Bildwerke 20, 4. 

Die Angaben des Excerpts des Epischen 
Cyklus für den Rest des trojanischen Kriegs 
ergänzt bis zu einem gewissen Grade Quintus 
Smyrnaeus. Dem Zweikampf des Achill und 
Memnon geht der Tod des Antilochos voraus. 
Quintus 2, 243 ff. erzählt, wie Nestor von Memnon 
angegriffen wird, wie Antilochos ihm zu Hilfe 



297 



Nestor 



Nestos 



298 



eilt und dem Memnon erliegt. Nestor beklagt 
ihn und sieht auch seinen zweiten Sohn Thrasy- 
medes von Memnon bedroht, er ruft Achill zu 
Hilfe ; dieser rettet den bedrängten Thrasymedes 
und tötet den Memnon. Vgl. Pind. Pyfh. 6, 
29 ff. Die Bergung der Leiche des Antilochos 
durch Nestor wird erkannt in einer etruskischen 
Aschenkiste, Overbeck, Galt 22, 12 S. 630. 
Nach dem Tode des Achill wollen die Grie- 



bild der Schale des Brygos mit Iliupersis zeigt 
Briseis mit einer Kanne vor einem Greise stehend, 
der eine grofse Schale hält, und der wohl nur 
Nestor sein kann, s. Neoptolemos und Urlichs, 
Beiträge zur Kunstgeschichte S. 63. 

Die Nosten und Od. 3, 165 ff., ebenso Apd. 
Epit. 6, 1 (Wagner) berichten die glückliche 
Heimkehr des Nestor nach Pylos, wo ihm 
„Zeus Gnade verlieh, für die Tage der Zukunft, 



chen, als sie die Klagen der Nereiden ver- 10 selbst in behaglicher Fülle daheim im Palaste 
nehmen, erschrocken auf die Schiffe fliehen, _1L J *" 1 " >-*-*: °»' 

werden aber durch Nestors ermutigende Worte 
zurückgehalten. Od. 24, 50ff. 

Nach der Klage um Achill werden Leichen- 
spiele veranstaltet, wozu Thetis Preise aus- 
setzt. Da preist zuerst Nestor (Quint. 4, 118 ff.) 
die Thetis, schildert ihre berühmte, von den 
Göttern verherrlichte Hochzeit mit Peleus, 
rühmt die unvergänglichen Thaten des Achilleus, 



zu altern, und sich verständiger Söhne zu 
freu'n, die trefflich im Kampf sind" (Od. 4, 
209 ff.). Auch die Gemahlin findet er noch 
am Leben. So trifft ihn Telemachos, der sich 
von Ithaka aufgemacht hat, um bei ihm Kunde 
von seinem Vater einzuziehen. Ein Vasenbild 
(Berlin 3289) zeigt uns Telemach mit Schild 
und zwei Lanzen, den Reisehut in der Rechten, 
von Nestor freundlich empfangen, hinter dem 



Beine Schönheit und Stärke, und wünscht, dafs 20 ein Mädchen steht, das ihm eine Schüssel mit 
sein Sohn ihm gleichen möge. Thetis schenkt Backwerk anbietet. In ihr ist wohl Polykaste 
ihm dafür die Rosse, die 
einst Achill von Telephos 
erhalten. Den Streit zwi- 
schen Aias und Diomedes 
bei diesen- Spielen trennt 
Nestor, indem er den Preis 
unter beide teilt, Quint. 4, 
217. — Beim Streit um die 
Waffen Achills giebt Nestor 
den Rat, das Urteil der 
Troer darüber zu hören, 
welcher der Tapferste der 
Griechen sei. Nach Quintus 
Sm. 6, 318 geschieht dies 
durch gefangene Trojaner, 
ebenso bei Pacuvius, viel- 
leicht nach Aeschylus (vgl. 
Ribbeck, Gesch. d. röm. 
Dichtung 1, 167) und bei 
Accius (Ribbeck ebd. S. 177); 
anders nach Schol. Aristoph. 
Eq. 1056 f.; vgl. Kinkel, 
Ep. Cykl. S. 39 Frgm. 2. 
Das Waffengericht wurde 
vielfach in Poesie und Kunst dargestellt; vgl. 
Ribbeck, Gesch. d. röm. Dichtung 1,167. 177 und 
besonders Ov. Met. 13, 1—398 und den berühm- 
ten Wettstreit des Parrhasius und Timan- 
thes (vgl. Overbeck, Schriftquellen nr. 1700), in 50 
deren Gemälden Nestor nicht gefehlt haben 
wird. In erhaltenen Darstellungen des Gegen- 
standes ist Nestor nicht nachzuweisen; auch 
in dem einzigen Sarkophagrelief von Ostia 
(Overbeck Taf. 23, 3 S. 563), auf dem man ihn 
erkennen zu dürfen glaubt, ist dies zweifelhaft. 
Bei der Zerstörung Trojas lassen ihn erst 
späte Quellen unter den Helden sein, die in 

das hölzerne Pferd stiegen. Nach Quintus Sm. , ■...,. 

12, 339 führt Nestor die Griechen mit Aga- 60 freundliches Bild von Nestor, wie ihn sich ein 




7) Telemach bei Nestor; Berliner Vasenbild nr. 3289. 



zu erkennen, die nach Od. 3, 464 seine Pflege 
übernimmt, und von Eesiod (frgm. 36 Rzach) in 
intimere Beziehung zu ihm gesetzt ist. S. Abb. 7 
nach Engelmann, Homeratlas, Odyssee Taf. 3, 13. 
Über Nestors Tod schweigt das Epos und 
die spätere Überlieferung. Sein Grab wurde 
in Pylos gezeigt, Paus. 4, 36, 2. Anth. 7, 144, 
ebendort die Grotte, worin er wie sein Vater 
ihre Rinder untergebracht haben sollten, und 
sein Haus, in welchem auch sein Bild gemalt 
gewesen sein soll. Ein anderes Bild von ihm 
in einem Cyklus von Bildern messenischer 
Könige von Omphalion, einem Schüler des 
Nikias, erwähnt Pausanias 3, 31, 11. — Ein 



memnon nach Tenedos und wieder zurück nach 
Troja. Auf den ilischen Bildertafeln ist er bei 
der Iliupersis nicht dargestellt; dagegen malte 
ihn Polygnot in seinem grofsen Wandgemälde 
der Iliupersis in der Legehe in Delphi, Paus. 
10, 25, 11. C. Robert, 17. Hallisches Winckel- 
mannsprogramm 1893. P. Weizsäcker, Polygnots 
Gemälde in der Lesche S. 26. 32. — Das Innen- 



Gelehrter des 3. Jahrhunderts nach Christus 
nach den Überlieferungen dachte, entwirft 
Philostratos in seinem Heroikos p. 302 ff. ed. 
Kayser. Vgl. Nestur. [Weizsäcker.] 

Nestorides s. Nestor. 

Nestos (Neatos), Flufsgott in Thrakien, Vater 
der Kallirrhoe, der Mutter des Biston (s. u. 
Kallirrhoe nr. 5); Steph. B. s. v. Bustovia, 



299 Nestur Neteiros 300 

jedenfalls identisch mit dem Hesiod. Theog. 341 qui honorait tonte sa famille." Glermont- 
unter den von Okeanos und Tethys stammenden Ganneau (p. 294) sieht in äno&sä die Be- 
Flüssen verzeichneten Nessos (s. d. nr. 1). Zeichnung eines gewaltsamen Todes und nimmt 

[Wagner.] an, unter Nachweis paralleler Fälle aus semi- 
Nestnr (Niataq), gut erhaltene Figur eines tischen Kulten, dafs es sich bei dem Tod des 
Wandgemäldes in Vulci (jetzt in Rom), gegen- Neteiros um ein rituelles Kinderopfer handelt 
über <puinis = $oivi£,; s. Fabr. G. I. L. 2164, (p. 297): „Em voilä assez pour rendre au moins 
t.TL;NoeldesVergersl'Etr.Ill,t.TXlll;I)eec7ce tolerable la conjecture d'apres laquclle notre 
in Bezzenb. Beitr. 2, 169, nr. 77. [Deecke]. Neteiros, nouveau Pelops voue au na&ctQog 
Nesytes s. Lokalpersonifikationen. 10 Xeßrjg, aurait bien pu avoir ete offert par son 
Nete (N-nzrj), eine Muse der Delphier, welche pere, adorateur de Baal, ainsi qu'en fait foi son 
neben den neun olympischen drei ältere theo- nom de Beeliabos, comme victime d'un de ces 
gonische Musen annahmen: JVtjttj (JVfatrj), sacrifices monstreux que les cruelles divinites 
Msori,'Tiiäxri,Plut.quaest.conv.9,li,4:. Während syriennes n'ont jamais cesse de reclamer tant 
die Dreizahl der delphischen Musen alt ist, qu'elles ont eu des autels." Hinsichtlich des 
beruhen die Namen, welche die drei Ton- Wortes Ußw erinnert er (p. 294) daran, dafs 
geschlechter personifizieren sollen, jedenfalls es auch die Bedeutung einer Quelle, eines 
auf später Erfindung. Buttmann, Mythol. 1,279. heiligen Wasserbeckens oder Teiches haben 
Preller-Robert, Gr. Myth. I 4 , 491. Roediger, könne, was in weiterer Ausführung seiner An- 
Die Musen. Jahrb. f. class. Phüol. Suppl. 8, 280. 20 nähme zu der Erklärung führen würde, dafs 
Vgl. auch d. Art. Musen. [Wagner.] Neteiros in einem heiligen Teiche geopfert 
Keteiros (Nhsigog), ein apotheosierter Syrer worden sei. Ich denke indessen, sowohl Fossey 
des 1. Jahrhunderts n. Chr. Oben Bd.2 Sp.2015 als Glermont- Ganneau gehen in ihrer Erklärung 
s. v. Leukothea wird von Höfer eine Inschrift fehl, und doch hätte Letzterer leicht auf das 
von Syrien verzeichnet, die von Glermont- Richtige kommen können, wenn er die (p. 297) 
Ganneau, Rev. crit. 1886 2 p. 232 veröffent- geäufserte Vermutung, dafs Leukothea mit der 
licht worden ist. In berichtigter Gestalt Apotheose des Neteiros in irgend einem Zu- 
wird dieselbe mitgeteilt von C. Fossey, In- sammenhange stehe, weiter verfolgt hätte. 
scriptions de Syrie. I. Dedicace de El-Burdj, Aber er begnügt sich mit dem Hinweis darauf, 
Bull, de corr. hell. 19 (1895) p. 303—306 und 30 dafs Ino verlangt, dafs ihr Stiefsohn Phnxos 
von Clermont- Ganneau, Notes d'arch. Orient. dem Zeus geopfert werde und dafs ihr Sohn 
§ 27 L'apotheose de Neteiros, Bev. arch. 3 e se"r. Melikertes-Palaimon auf Tenedos durch Kinder- 
tom. 30 (1897) p. 282 — 299: 'Ticsq amvriQiag opfer verehrt wurde. Nach Apollodor 3,4,3 
avro-ngÜToqos \ Tgaiavov, NtQOvcc asßaoxov | tötet aber Ino, von Hera wegen der Pflege 
■ufös (sie), Beßaerbg (sie), rtepavixov, \ dun- des Dionysoskindes in Wahnsinn versetzt, den 
Kbg (sie), Me.vveag BisXiäßov, \ toü BssXiaßov, Melikertes in einem Kessel kochenden Wassers 
TiaTQog Ns\ts^ov, toi ano&eco&hzos | sv zw (s. oben Bd. 2 Sp. 2632). Was Ino mit dieser 
*,_,.-, ,„ , ,, El Handlung beabsichtigte, wird nicht gesagt; 
Xißrjzi Si ov <*i [e]o<>zai aytov\xai, smanonog man könnte versucht seint darin einfach eine 
n&vzmv *oo» toftaSs yjyovoxcav t Q ycov , «ai ^ ^ ufserung des Wahnsinns zu sehen. Nun 
sv\asßila S ave&nittv »sa Asv*o\&sa CErEIPQN. kehrt aber in verschiedenen Mythen der Zug 
Der Fundort steht nicht genau fest. Fossey wieder, dafs eine Göttin ein Kind durch das 
(a. a. O. p. 303) läfst sie gefunden sein „ä l'en- Feuer unsterblich zu machen Bucht. Beispiele 
droit appele El-Burdj, au-dessous du Eala'at- dafür giebt Dieterich, Nekyia p. 197f. (vgl. 
Iendal, sur le versant oriental du Bjebel-ech- Kroll, Antiker Aberglaube p. 36 f. und oben 
Cheikh". Clermont- Ganneau (Bev. arch. 1897 Bd. 2 Sp. 2407f. Art. Mars), wozu man noch 
p. 282 f.) teilt mit, dafs er 1885 eine Abschrift fügen kann die gar nicht weit von dem Fund - 
von Schlumberger erhalten hatte mit der Notiz ort unserer Inschrift, in Byblos spielende 
„voiei copie d'une inscription grecque trouvee Geschichte von Isis, welche bei Nacht die 
dans le Haurän et qui se trouve ä Nabate". 50 sterblichen Teile des Kindes des Königs Mal- 
Auf spätere Erkundigung bei Herrn Löytved kandros verbrennt. Plutarch, welcher (de Is. 
in Beirut erfuhr er „que la pierre etait deposee et Os. c. 16) diesen Sagenzug erhalten hat, 
dans um 'ferme' situee ä environ une heure et sagt ganz deutlich, dafs die Mutter des Kindes, 
demie de Qatana, village distant de Damas de als sie dies einmal beobachtete und aufschrie, 
quatre heures, dans Vouest-sud-ouest, au pied de ihm dadurch die Unsterblichkeit entzogen habe 
l'Hermon". Ursprünglich dürfte sie wohl aus (ätpsXio&ui ztjv ä&uvuoiav). So dürfen wir 
Der-el-qal ! a bei Berytos, der Stätte des Heilig- wohl annehmen, dafs der Handlung der Ino 
tums des Balmarkod (s. oben Bd. 2 Sp. 2554), ein ähnliches Motiv zu Grunde liegt. Und 
stammen, da hier nach Mordtmann, Athen. wie in Griechenland der Mythus der Leukothea 
Mitth. 10 p. 169 eine Widmung an die mit 60 zu „teils düstern, teils heitern Gebräuchen" 
Leukothea identische Mater Matuta gefunden Anlafs bot (Preller- Robert, Griech. Mythol. I 4 
worden ist. p. 604 Anm. 6), so werden auch in Syrien im 
Verschiedene Erklärungen sind vorgebracht Kultus der Leukothea oder einer ihr assimi- 
worden für die Stelle Nsxiiqov dnoxrcio&evzos Herten einheimischen Göttin Scenen aus ihrem 
sv zä> Xsßrjzi.. Fossey (p. 305) hält ino&sä Mythus aufgeführt worden sein. Eine solche 
für synonym mit iv&äitta> und erklärt: „Les liegt uns offenbar in der Auotheosis des Neteiros 
cendr'es de Netiros ont ete depose'es dans un vase im Kessel vor. Das Wort anodeä ist dabei ganz 
sacre, et Menneas a tenu a rappeler une faveur wörtlich zu nehmen. Neteiros wird durch die 



301 Neteiros Nevtlane 302 

Prozedur, die mit ihm in dem Kessel vor- finden wir noch im 5. nachchristlichen Jahr- 
genommen wird, zu einem Gotte gemacht. Wie hundert in Syrien den Brauch geübt, dafs 
wir uns dieses Verfahren vorzustellen haben, Kinder von ihrer Mutter durch das Feuer ge- 
kernten wir vielleicht aus Gebräuchen ent- tragen werden. Theodoret Opp. ed. Sirmond. 
nehmen, die heute noch in der Mark Branden- Paris 1642. 1 p. 352 (vgl. Manrihardt, Antike 
bürg , in Ungarn und auf der Balkanhalbinsel Wald- und Feldkulte p. 304 und Lewy, Morgen- 
an schwächlichen Kindern zur Kräftigung ihrer ländischer Aberglaube in der römischen Kaiser- 
Gesundheit vollzogen werden. H. Prahn, zeit, Zeitschr. d. Ver. f. Volkskunde 3 (1893) 
Glaube u. Brauch in der Mark Brandenburg, p. 27) erzählt: elSov ycco iv zioi nölsaiv unu% 
Zeitschr. d. Ver. f. Völkskunde 1, 1891 [p. 178 10 xov ixovg ev tafs nXaxsCaig anxofievag nvgag 
— 197] p. 191 führt als Mittel gegen die Ab- v.al xavxccg xivag vnsQalloiiivovg neu nrjämvxag 
zehrung an: „Das kranke Kind wird in einen ov fiövov naldag, äXla xal ävägag, xa dt ys 
mit Wasser gefüllten Kessel gesetzt, der über ßgiepr] magu xwv jirjxigmv icaQcupsQÖueva Siä 
gelindem Feuer steht. Sobald das Wasser xfjg qployds. sSonei 8h xovxo cinoxQoniaeyi.bg 
warm wird, rührt die Mutter mit einem Holz- slvcu r.u\ xä&ccgaig. [Drexler.] 
stabe darin. Darauf erscheint eine andere Ne&unug, neS'uns, Genitiv ne&unsl, ne - 
Frau in der Küche und fragt: 'Was kocht Ihr?' ö-unsl, aus *neh'9 - unus, *nef#unus = 
Die Antwort lautet: 'Dörrfleisch, dafs es soll Neptunus, von den Etruskern viel verehrt, 
dick werden'. Frage und Antwort müssen Er spielte in der etruskischen Genienlehre 
dreimal erfolgen." In den Ethnol. Mittheil, aus ao eine Rolle (Nigid. bei Arnob. adv. gent. 3, 
Ungarn Jahrg. 1 (1887 — 88) p. 75 lesen wir: „Man 40) und galt als Stammvater der Könige von Veji 
stellt das Kind unbekleidet in ein grofses irdenes (Serv. zur Aen. 8, 285); eine „postulatio" 
Gefäfs und stellt dies an das Feuer, aber in des Neptun begegnet in einem „responsum 
einiger Entfernung; ein altes Weib hält mit haruspicum" bei Cicero; er erscheint als 
der einen Hand das Kind, mit der anderen Schutzgott von Vetulonia (Relief von Cervetri, 
Hand aber rührt sie mit einem Kochlöffel in Ann. 42, p. 38), findet sich auf Spiegeln, Gem- 
dem kleinen leeren Raum im Topfe herum, men, Münzen, auf letzteren auch seine Sym- 
wie der Koch die Speisen zu rühren pflegt. bole: Dreizack, Seepferd, Delphin, Anker; 
Indessen geht die unverständige Mutter des so in Vetulonia, Volterra, Populonia, "irezle 
Kindes um das Haus herum und an die Küchen- so (= Faesulae?). Auf der Mumieninschrift kommt 
schwelle gelangt, schaut sie in die Küche sein Name achtmal vor, sonst noch dreimal: 
hinein und fragt die alte Frau, die das Kind Fabr. C. I. I. 2097 (Spiegel von Toscanella 
kocht: mit föz kend? (was kocht ihr?) Das im Vatikan); ebdt. 2140 (Carneolskarabaeus 
Weib pflegt zu erwidern: aggottat (ein Alt- der Sammlung Luynes); 2345 (entstellt, cor- 
gewordenes), hierauf spricht die Mutter: Ifju netanische Wandinschrift nach Piranesi). Vgl. 
vällyon beiöle (ein Junges werde daraus) und Corssen, Spr. d. Etr. 1, 312ff. ; O. Müller, Etr. 
das wird dreimal wiederholt und dann der 2*, 53ff. nebst den Noten; Deecke, die etr. 
Säugling aus dem Topfe genommen und die Münzen 89 ff.; 140ff.; Etr. Forsch. 4, 60; 
Kocherei ist aus." Leopold Glück, Skizzen aus Lottes, Ise. Etr. della Mummia, Giunte 19, 28; 
der Volksmedicin und dem medicinischen Aber- -to Nota 42. [Deecke.] 

glauben in Bosnien und der Hercegowina, Netos (Neton), Name des Kriegsgottes (Mars) 

Wissenschaf fl. Mitteilungen aus Bosnien und beiden Accitanern in Spanien; vgl. Macrob. Sat. 

der Hercegowina Bd. 2. Wien 1894. 4°. [p. 392 1, 19, 5: c Accitani etiam, Hispana gens, simu- 

— 454] p. 412 berichtet aus Bosnien: „Um in lacrum Martis radiis ornatum maxirna religione 

einer Familie, der bereits mehrere Kinder ge- celebrant, Neton vocantes'. Vgl. C. I. L. 2, 

storben sind, das Neugeborene zu erhalten, 3386 (Acci = Guadix in Hisp. Tarrac): „Isidi 

zieht man es dreimal durch das Rauchloch puelflar(i)?J || iussu dei Ne[tonis1] und ib. 

(badza) und legt es dann für einen Moment 365 (Conimbriga = Cordeixa a velha in Lusi- 

in den Kessel, welcher über dem offenen Herde tania): Meto || Valerius. Avit | Turran(i)us etc. 
an einer Kette hängt." Aus Bulgarien ver- 50 Ib. Suppl. 5278 (Turgalium = Trujülo) : Netoni 

zeichnet Adolf Strausz, Zur Volksmedicin der deo |) Caelius \\ v. s. I. m. [Roscher.J 

Bulgaren, Ethnol. Mitteil. a. Ungarn 3, 1893/94 Neverita(?), rätselhafte Göttin, welche nach 

[p. 223 — 233] p. 224 und Die Bulgaren. Leipzig Mart. Cap. 1, 54 p. 18 Eyss. zusammen mit 

1898 p. 413: „Ist ein Kind schwächlich, so Neptunus, Lar omnium cunctalis (s. Bd. 2 

ruft die Mutter 10, 20 oder 40 MenBchen an Sp. 1886) und Consus in der 10. Region des 

einem Samstag in ihren Hof zusammen. Weniger in 16 Teile geteilten caelum wohnt, in Glossen 

als 10 dürfen nicht zugegen sein. Sind 40 ge- mit 'timor' und 'reverentia' erklärt. Vgl. darüber 

rufen worden, so bringt jeder 1, sind 20, eo 2, Müller -Deecke, Etrusker 2 2 p. 133 ff., besonders 

sind 10 gerufen worden, so bringt jeder 4 Zweig- S. 135 Anm. 24 b . Nissen, Templum 1 S. 184 ff. 
lein mit sich. Dann wird ein kupferner Kessel 60 Deecke, Etrusk. Forschungen. 4. Heft. Das 

mitten im Hof auf 3 Steine gestellt und darunter Templum v. Piacenza S. 18 Anm. 18 u. S. 60. 

mit den Zweigen ein Feuer angemacht, jedoch Preller-Jordan, Rom. Myth. 2,121,1. [Röscher.] 

so, dafs die Zweige nicht mit Flammen lodern, Nerüane (entstellt aus *neptlame) = Neon- 

sondern mehr qualmen als brennen. Die Mutter roXsfiog, neben a%le = Achilleus und fre&is 

stellt nun ihr nacktes Kind auf einige Minuten auf einem Spiegel unbekannter Herkunft im 

in den Kessel, damit es dadurch erstarke. Pariser Münzkabinet; s. Fabr. C. I. I., 2525; 

Schließlich badet sie das Kind in warmem Gerhard, Etrusk. Sp. 3, 217, t. CCXXXI; Deecke 

Wasser." Sehen wir von dem Kessel ab, so in Bezzenb. Beitr. 2, 169, nr. 75. [Deecke.] 



303 Nika 



Nikaia 304 



SftL^./v ( -°V- «•!, •• n Ste Ph. Byz. s. v. NU ala . Eustath. Hom. II. 2, 
HikagOM (ZVj*«yo ? «) eine Sikyomerm, Ge- 863). Die Übertragung auf die Nymphe hat 
mahlin des Echetimos, Mutter des Agasikles; also erst nachher stattgefunden, scheint aber 
sie sollte den Asklepios m Gestalt einer Schlange offiziell angenommen worden zu sein, wenigstens 
von Epidauros auf einem mit Maultieren be- wird auf Münzen der Stadt ein durch Mauer- 
spannten Wagen nach Sikyon gebracht haben kröne, Epheukranz und den beigefügten Köcher 
(Paus.2,10,3) DerGott,dessenheihgeSchlange bezeichneter Kopf (Eckhel. B. N 1 2 426) 
in allen von Epidauros aus gegründeten Askle- sowie eine auf einem Elephantenkopf stehende 
pieien gehalten wurde, erscheint hier selbst in Gestalt im kurzen Chiton mit Kantharos und 
Schlangengestalt (vgl . Thraemer u. Asklepios 10 Scepter (Catal. of Greek coins in the Brit. Mus., 
™k a P- 'S 5, gg^Bobert, Griech. Myth. 1 «, Pontus, Taf. 32, 1 p. 154) als Nikaia gedeutet! 
WW?E" fl- [W ^ er -] T . . „, ,. , A ^ er . ««e bedeutungsvollen Namen dieser 
Jüikaia (Nikcucc) eine Najade, Tochter des asiatischen Sage weisen ihr noch einen tieferen 
Flufsgottes Sangarios in Bithymen und der Sinn zu: es spiegeln sich in ihr die engen 
7? ■ e , »* ^ er Liebe unzugänglich lebt sie Beziehungen zwischen dem Kultus des Dionysos 
^7 Atalante) nur den Freuden der Jagd. und der Kybele wieder. Am Sangarios lag 
bei bat die Liebe des Dionysos verschmäht sie; Pessinus, der Mittelpunkt des Kybeledienstes 
aber der Gott verwandelt das Wasser der (Bapp u. Kybele Bd. 2 Sp. 1640 u. 1652) Aus 
Quelle, aus der sie zu trinken pflegt, in Wein. der Verbindung der trunkenen Kybeletochter 
Als sie im trunkenen Schlafe liegt, bemächtigt äo mit Dionysos geht Satyros hervor (Preller- 
er eich ihrer und zeugt mit ihr den Satyros Robert, Griech. Myth. 1* 726 Anm. 1) sowie 
und andere Kinder. Nach ihr wurde die Stadt die personifizierte Telete, wie ja Dionysos in 
Nikaia in Bithymen genannt (Memnon v. Herakl. Phrygien von Rhea, rag M l«Äe *«l ti,v azolrjv 
bei Phot.bM. p 233 40 ff. = F. H. G. 3, 547). empfangen hatte (Apollod. 3, 5, 1, 2; vgl. Voigt 
JL„ e ZT eite ? e Z G - estalt ^ Maa f s > Herm - 24 > n - Dionysos Bd. 1 Sp. 186). TWagner 1 
523 ff.) und breitester Ausführung kehrt die Über die Darstellungen der Nikaia auf 
Sage bei Nonnos wieder, wo sie fast zwei Münzen handelt F. Imhoof-Blumer, Bithynische 
Bucher ausfüllt (Bionys 15, 169-16, 405). Die Münzen, Journal international d'archeoloqie 
?-, U » cnwan pchen Ausdrücken als Xaya- numismatique dirige par J. N. Svoronos Tom 1 
ßolog Aqxs(iig aXXn, als vin QoSoSäy.rvloq 'Hmg 80 Athenes 1898 p. 25 — 27. Das Brustbild der 
u. dgl. gepriesene Nymphe wird als kühne Nymphe, geziert mit Epheukranz, Turmkrone 
Jagerm, die am hebsten Löwen und Bären und Gewand, erscheint mit der Beischrift 
W l e # ' ö ? e x s( * lldert - , Vergebens sucht der NIKAIA auf einer Münze des Marc Aurel 
scnöne Hirt Hymnos ihren harten Sinn zu er- Imhoof p. 25 nr. 30, Taf B' nr 16- vgl Mi 
weichen, und als er sie auffordert, ihn lieber S. 5, 95, 498; desgleichen, doch'ohn'e NIKAIA" 
zu toten, wenn er sie nicht erhören will, er- unter Commodus/TFar«»'c/fc Wroth, Cat of Gr 
schielst sie ihn im jungfräulichen Zorn über C. Pontus etc. p. 159 nr. 45 PI 32 15- mit 
seine Werbung wirklich. Da erfüllt Eros, der der Beischrift NEIKAIA, geziert mit Tu'rmk'rone, 
den Schmerz der Gotter und Nymphen über Köcher auf dem Bücken, vor ihr Bogen, unter 
diese 1 hat teilt, um sie zu strafen, den Dionysos, 40 An toninus Pius, Mi. 2, 452 220- vgl S 5 88 
der sie im Bade belauscht, mit Liebe zu ihr. 446 (NIKAIA), und M. Aurel, Mi S 5 95 496' 
Auch sein Liebeswerben ist vergeblich, und Auf Münzen des M. Aurel sieht man, begleitet 
die spröde Nymphe wagt es sogar, den Gott von der Beiechrift NEIKAIA, „die stehende 
mit dem Schicksal des Hymnos zu bedrohen. Nymphe Nikaia als Stadtgöttin mit Turmkrone 
Da berauscht er sie durch das anat^Xiov vämg linkshin, Kantharos in der R., die L gesenkt 
der Quelle aus der sie, von der Jagd ermüdet, Hinter ihr Baum, um den sich eine Schlange 
trinkt und gewinnt so Gewalt über sie. Aus ringelt". Imhoof p. 26 nr. 31 (Cat. Perikles 
ihrer Verbindung geht ; eine Tochter hervor, Exereunetes nr. 176. Sammlung Waddinqton), 
nvTilsvnv ovomviv ail xaiQovaav foprcft, | Taf. B' nr. 16. Nach Imhoofs Ansicht stellt 
*ov<> n v w*TixoQ£vzov, syiaitofievTiv Jiovvcw, | 50 sie dieser Typus in dem Augenblick dar wo 
liZ*°.tfi?£? «poTodoi« xal apcpinl^yi $osi V sie von dem Brunnen getrunken hat, dessen 
(16, 400Ü.) Anfangs will sie sich in Ver- Wasser durch Dionysos in Wein verwandelt 
zweiflung töten, aber später hat sie sich mit wurde. Auf Münzen der Faustina jun (Mi 
dem Gotte ausgesöhnt; denn nach dem Selbst- S. 5, 97, 515. 516) und des Septimius Severus 
mord der Aura (s. d) deren dem ihren ahn- (A. de Longperier, Bescr. des med. du Cab. de 
licnes Schicksal sie beklagt (48, 811 ff.), über- M. de Magnoncour. Paris 1840 p 37 nr 310 
nimmt sie auf seine Bitte die Pflege ihres PI. 2) sind Dionysos und Nikaia sitzend ' ein- 
verlassenen Sohnes (48, 880 ff. 948 ff.). Nach ander umarmend dargestellt, Imhoof p 26 
semer Rückkehr aus Indien erbaut Dionysos Auf Münzen der Iulia Domna erscheint sie 
ihr zur Ehren die Stadt Nikaia (16, 403 ff.), r eo neben Dionysos sitzend auf einem von einem 
weshalb er von Bio Chrys. 39 p. 485 ngonätmo Kentaurenpaar gezogenen Wagen, dem Pan 
der Stadt genannt wird. Köhler, Zu den voranschreitet, während Eros auf dem Rücken 
Bionys. d_.Nonn. v. Panop. Halle 1853 S. 28 des einen Kentauren steht, Seguin, Sei. num 
u. 74f. Maafs a. a. O. Preller-Bobert, Griech. ant. Paris 1665. p. 157 Mi 2 458 259 S 5 
Myth. I 4 , 700, Anm. 1. — In Wirklichkeit er- 113, 616. Müller -Wieseler, Bettlern! d a K 
hielt die von Antigonos neuerbaute und Anti- 2, 3, 377. Gerhard, Ant. Bildw. Taf 311 21 
goma genannte Stadt den Namen Nikaia nach Brexler, Bemerk, zu einigen Münzen bei Cohen 
der Gattin des Lysimachos (Strab. 12, 565. Mionnet u. a, (S.-A. aus Aex Zeitschr. f Num 13) 



305 Nikainetos Nike (Personifikation des Sieges) 306 

p. 28ff. Imhoof p. 26. Nikaia und Dionysos als der Dichtung oder dem Kultus. Bei Hesiod, 

dürften wohl auch auf der Rückseite einer Theog. 383 ist sie als Tochter des Pallas 

Münze des Valerianus I. und Gallienus dar- und der Styx neben Zelos, Kratos und Bia in 

gestellt sein, welche Warwick Wroth a. a. 0. die Genealogie der Titanen eingereiht. Zur 

p. 175 nr. 147 so beschreibt : „Ol KTIC TAIN IKAI Belohnung, dafs Styx mit ihren Kindern dem 

EQN Artemis huntress, wearing modius and Zeus gegen die Titanen zu Hilfe geeilt ist, wird 

holding bow in r., Standing r., grasping the Styx selbst zur Schwurgöttin und werden jene 

Hand of young Dionysus, who Stands opposite in den Olymp aufgenommen. Auch bei Bakchyl. 

her, holding in l, thyrsus; at Ms feet, panther; frg. 71 (Kenyon) = Änthol. 6, 313 heifst Nike 

both wear Short chitons'\ vgl. p. 176 nr. 152 10 xovga näXXavxog. Vgl. Serv. ad Aen. 6, 134. 

(Gallienus); wird doch, abgesehen davon, dafs Apoll. 1, 2, 4. Hygin p. 11, 20 ed. Schmidt. 

Nikaia mit viel mehr Recht als Artemis Bei Dionys. Halic. 1, 32, 10 tritt dagegen an die 

„Gründerin" der Stadt Nikaia genannt werden Stelle des Titanen der Arkader PallaB, Nike ist 

kann.^sie von Nonnos 15, 171 als eine Xaym- die Jugendgespielin der Athena; der orphische 

ßoXog "Agxtßig äXXn bezeichnet. Den gewöhn- Hymnus 88, 4 nennt Ares als ihren Vater, 

lieh als Nikaia gedeuteten Typus einer Gott- Beides sind späte und mythologisch wertlose 

heit auf Münzen Caracallas, „die mit Doppel- Vorstellungen. In einem Fragment des Menan- 

chiton, Turmkrone, Kantharos und Thyrsos, der (Com. att. frg. 2, p. 185, nr. 616 Koch) 

hin und wieder mit der cista mystica zu Füfaen, wird Nike evnäxsiga genannt, was Hinter. Oral. 

dargestellt ist" (Wiczay, Mus. Hedervar. 1 20 19, 3, der diese Stelle im Auge gehabt zu 

nr. 4516. Tab. 20,437 = Sestini, Mus. Hedervar. haben scheint (Kekule, Balustrade des Tempels 

2 p. 56 nr. 36, wonach Mi. S. 5, 121, 669. der Athena Nike (18691, S. 5, Anm. 2. Sikes, 

Sestini a. a. 0. nr. 37 Tab. 16 flg. 11, wonach Classi, Review 1895, S. 282) auf Zeus als ihren 

Mi. S. 5, 121, 670), erklärt Imhoof p. 27 für Vater bezieht; doch bemerkt das Schol. zu der 

Dionysos als Stadtgott. [Drexler.] Men anderstelle wohl mit Recht, dafs hier Athena 

Nikainetos (Ni-xaivftog), trojanischer Heros, Nike (s. u.) gemeint sei, wie auch bei den 

von Thrasymedes getötet, nach dem Fragment Tragikern vielfach Athena als Nike angerufen 

einer Tabula Iliaca (C. I. Gr. 6126B). Vgl. wird (Soph. Philokt. 134. Eurip.Ion. 464 f., 1529). 

0. Jahn. Bilderehron.-p.67Ta.i.UlT> 1 . [Röscher.] — Auch bei Bakchyl. 11, 9 wird nicht mit 

Mkaios (Nixuiog) , Beiname des Zeus auf so Kenyon novga [dwg 6q~\&oS(h.ov , sondern 

einer Inschrift aus Myra in Lykien, C. I. G. Sxvybg zu ergänzen sein. 

3, 4303b add. p. 1139 und auf einer Inschrift Nike ist nicht die Verleiherin, sondern 

aus Lykaonien, Sterrett, Papers 3, 178 u. 293; die Überbringerin des Sieges. Sie kann 

vgl. Larfeld, Bursians Jahresber. 87 (1897), daher als Begleiterin oder als Attribut zu allen 

Suppl. 447. [Höfer.l siegspendenden Gottheiten treten, z. B. auch zu 

Nikandre (Nixävägn), 1) eine Weberin in Demeter, Gic. in Verr. 4, 49, 110; zu Aphrodite 

Korinth im Hause der Alkinoe. Diese wollte Urania als Beherrscherin des Pontos auf einem 

ihr den für ihre Arbeit ausbedungenen Lohn Weihreliefvon Kertsch, Compte-rendu de l'Acad. 

nicht auszahlen, und N. wandte sich deshalb de St. Petersbourg 1877, S. 246; zu Aphrodite 

an Athene, welche schweres Unglück über 40 Stratonikis auf Münzen von Smyrna, Sallets 

Alkinoe (s. d. nr. 3) verhängte, Moiro iv xaig Numism. Ztschr. 8, 334. Besonders eng ver- 

ägatg bei Parthen. 27. — 2) Eine der drei bunden ist sie aber mit Zeus und mit Athena. 

ersten Priesterinnen (Peleiaden) zu Dodona, Am deutlichsten wird ihr Wesen umschrieben 

Herodot. 2, 55. [Wagner.] im Eingänge des Siegesliedes des Bakchylides 

Nikator Theos. Eine Inschrift von Böyük (11, lf. ed. Kenyon; vgl. Bergk frgm. 9) auf 

Kabadja lautet nach J. B. Sitlington Sterrett, The den Metapontiner Alexidamos: Nfaa yXvxv- 

Wolfe Expedition to Asia Minor p. 402 nr. 589: Sage .... iv noXvxgvem d' 'OXvjmm Zr)vl 

A?Xiog TeXs<sq>og[og'] fegsvg dubg sv | naQuSTttpiva ■xqtvsig xiXog ä&aväxoiai ' xs ttal 

natu Kslevaiv xov d[iog] \ ix rmv l&icov ccvcc- &varoig dgsväg. Ihre Beinamen sind meist 

X[m(iätmv\^ dviatrjaa to ayaXfi.\a ®sov] | Nsi- 50 poetischer Art, die zum Teil, wie hier yXvv.v- 

xaTogog evv xä \nsgißöXmf\. [Drexler.] S topos oder noXvwvvfiog {Bakch. frg. i8Bergk, 

Nike (Nfan, dor. NUa, spätgriech. NsUn, 71 Kenyon), bei Simonides (ep. 146, 4 Bergk 
röm. Victoria), die Göttin des Sieges, ist, wie = Anth. Pal. 6, 213) ivdofrg, in Soph. Antig. 
Eirene, Plutos und ähnliche Gestalten, nicht aus 148 iisyaXmwpog, mit ihrem Wesen zusammen- 
alten natursymbolischen Vorstellungen entstan- hängen, teils allgemeinerer Natur sind UaXXC- 
den {Prellers Erklärungsversuch, Griech. Myth. 1 ecpvgog Hesiod. Theog. 384; KvavonXoxapoe 
S. 286, ihrer ursprünglichen Bedeutung als Blitz Bakchyl. 5, 33 Kenyon; aepvr\ Eurip. Iphig. 
ist in den späteren Auflagen fallen gelassen Taur. 1497; itöxviu. Herod. 8, 77; Bakchyl. 12, 6; 
worden), sondern ist ihrem Namen und ihren frg. 71 Kenyon; %gveia Pindar Iethm. 2, 26. 
Eigenschaften nach eine jüngere, aus den Be- 60 Später auch &eü, ßaa(Xcia Anth. Pal 11, 386; 
dürfnissen einer bereits hoch entwickelten 15, 46). Nike bringt den Sieg sowohl im ernsten 
Kultur entstandene Abstraktion, diePersoni- Kampfe, wie im friedlichen Wettstreit (Aristoph. 
fizierung des Begriffes Sieg. Homer Bitter 581: trjv iv axgccnalg te xol (läiuig 
kennt sie noch nicht, wohl aber Hesiod. Dafs fifisxigav £vvegy6v Nfarjv ^ %ogivt<öv iaxiv 
sie nicht eine schattenhafte Abstraktion ge- exalga xoig r iiftgotai p«©* rj/iäv axuaiä^u). 
blieben, sondern zu einer vollen göttlichen Als Nike des Krieges tritt sie aufser bei 
Persönlichkeit ausgestaltet worden ist, ver- Hesiod in älterer Zeit nicht deutlich hervor, 
dankt sie aber weit mehr der bildenden Kunst, Imhoof-Blumer konnte daher im Anschlufs an 



307 



Nike (ihre Thätigkeit) 



Nike (Mundschenkin; vervielfältigt) 308 



artige Vorstellung findet sich bei Ptndar, wo 
der Sieger der Nike in die Arme oder m den 
Schofs sinkt (NUag h iyruöveaai nizvmv JSem. 
5 42. XQvesag ev yovvaeiv taxvövza NC-nag 
Isthm. 2, 26), eine enge persönliche Beziehung 
zwischen Gottheit und Mensch, zu der ich nur 
das Gemälde von Polygnots Bruder Anstopnon : 
Alkibiades auf den Knieen der Nemea sitzend 
menten, namentlich den streng rotugurigen (Brimn Z»*^«* *£> &££%$£. 

Gedanke' zu Grunde, dafs Nike am Ende der 
Rennbahn sitzend den Sieger erwartet. Dem 
Dichter haben vielleicht Darstellungen vor- 
geschwebt wie die sitzenden Niken auf den 
Münzen von Elis (unten Sp. 331 f.); vgl. auch die 
sitzende Nike des weissgrundigen Aryballos 
Gaz.arch. 1878 Taf. 32 = Furtwängler, Samml. 
" ' hübsche Bild ■ bei 
in the Ashmolean 



seine Untersuchung der Nikebilder auf Münzen 
(Hubers Numism. Zeitschr. 1871 S. lf.) mit einer 
gewissen Wahrscheinlichkeit dieVermutung auf- 
stellen, dafs die Ausgestaltung der Personifika- 
tion des Sieges vorwiegend im Zusammenhange 
mit den friedlichen Agonen der Nationalspiele, 
namentlich in Olympia, erfolgt sei. Aber der 
Charakter der Nike ist doch auf den älteren 
Monumenten, namentlich den streng rotfigurigen 
Vasen, i 

mutung *.« „„.,v~~-. . B-. ■, . , . . 

Vasenmalerei S. 7. Als Nike des Krieges wird sie 
wieder genannt in dem Orakelspruch des Bakis 
auf die Schlacht bei Salamis (Herod. 8, 77) ; später 
wird ihr Name zusammen mit dem des Zeus bis- 
weilen als Feldgeschrei ausgegeben (Xenoph. 
Anab. 1, 8, 1 6. Plutarch Bemetr. 29 ; vgl. Röscher, 
Jahrb. f. Phil. 1879 S. 346 ff.). Aemihus Paulus 



ruft vor der Schlacht gegen PerseusXeäTOswoXf 

po* *«l NC*r,v an. (Plut. Aemil. Paul. 19). -In 20 Somzee Taf. 38 und das 

welchen Thätigkeiten Nike gedacht wurde, E. Gardner, Greek Vases 



Museum Taf. 14 nr. 288, wo 
Nike, das Kinn in die Hand 
gestützt, oben auf einem 
Pfeiler sitzt und abwartend 
zwei Ringkämpfern zuschaut 
(vgl. Abbild. 1). 

Aus dem Grundgedanken 
der Siegbringerin entwickelte 
sich ihr Wesen in zweierlei 
Richtung. Einmal versieht 
sie als Mitbewohnerin des 
Olymps neben Iris und Hebe 
das Mundschenkenamt bei 
den oberen Göttern {Knapp 
S. 13 f., Kieseritzky S. 20f.), 
deren sieghafte Macht sie 
gleichzeitig symbolisiert. 
Andrerseits wird sie, da jeder 
Sieg durch ein Opfer gefeiert 
werden mufs, zur Opferdie- 
nerin, entweder als Gehilfin 
bei der Siegesfeier (Kieseritzky 
S. 14f.), oder indem sie an 
_,^_- Stelle des Siegers das Opfer 

1) N&ein der Palästra, Vasenbild (nach Gardner, Ashmolean Museum Taf. 14). vo l] z i e ht (Knapp S. 74f., 

Kieseritzky S. 18 f.). In man- 
lehren uns vorwiegend die monumentalen chen der „Spendescenen", wie sie in der älteren 
OueUenTältereTz g eitnamentüch die Vasen, rotfigurigen Vasenmalerei besonders behebt 
^^ni^i\^uäe\t 7 o a Knapp, Nike to^ni, aber auch noch in Monumenten wie 




in der Vasenmalerei (Tübingen 1876) und 
Kieseritzky, Nike in der Vasenmalerei I (Borpater 
Biss 1876). Als Siegesbotin ist sie entweder im 
Kampfe gegenwärtig, oder bringt nach seiner 
Beendigung die Zeichen des Erfolges, oder ist 
als günstige Vorbotin („proleptisch") den Käm- 
pfern beim Wappnen oder bei der Vorbereitung 
zum.musischen Wettstreit behilflich (Kieseritzky 
S 13 nr. 9f.). Durch Errichtungvon Siegeszeichen, 



den sog. Kitharödenreliefs (Schreiber, Hellenist. 
Beliefbiläer Taf. 34f.) vereinigen sich diese 
beiden Bedeutungen. 

Nike ist wie Eros der Vervielfältigung 
fähig, ohne dafs ihr Wesen dabei eine Diffe- 
renzierung erführe, wie es bei jenem in älterer 
Zeit der Fall ist. Vielmehr scheint auch dies 
bei Nike nur ein Gedanke der bildenden Kunst 
zu sein (Sp. 328), der vielleicht in Analogie zur 
— - -> r - ' " ■ — i.-1—j Denn dafs 



Ä"ÄSSSSStoBlKnS^ « vVvlSng des Eros entstand 
"^-„'T?^ *^„v-n Hl« tritt zu dem der Vervielfältigung die allgemein 



ein dauerndes Angedenken. Sie tritt zu dem 
siegreichen Wagenlenker auf den Wagen (Paus. 
6 18 1)- in dem schon genannten Epigramm 
auf Simonides (Anth. Pal. 6, 213) darf der sieg- 
reiche Dichter ihren Wagen besteigen. Im 
Gigantenkampfe lenkt sie den Wagen des 
Zeus; den vergötterten Herakles geleitet sie aut 
ihrem Gespann in den Olymp. — Eine eigen- 



der Vervielfältigung die allgemeine Auffassung 
zu Grunde liege, dafs die Kämpfer nicht von 
der Göttin Nike schlechtweg gekränzt werden, 

*) Einen Entwurf dieser Arbeit (Antrittsvorlesung in 
Leipzig) durfte ich im Manuskript einsehen. Auch sonst 
bin ich dem Verfasser für mannigfache Nachweise und 
Belehrungen, die ich bei der Korrektur verwerten konnte, 
zu Danke verpflichtet. 



309 Nike (b. sterbl. Frauen; bakchisch) Nike (Kult in Athen; Athena Nike) 310 

sondern jeder einzelne von seiner Nike (so Über Nike in Verbindung mit Lichtgottheiten 
Usener, Götternamen S. 298), scheint mir durch auf unteritalischen Vasen vgl. Knapp S. 54. 
die Dichter, die allein hier Aufschluss geben In der hellenistischen Zeit erfährt Nike zwar 
können, nicht bestätigt zu werden. Sie rufen in keine eigentliche Erweiterung ihres Wesens 
ihren Gebeten um Sieg die Nike nur als ,,grofse mehr, doch tritt sie mehr als früher handelnd 
hehre Göttin" oder ähnlich an, niemals als im Kampfe auf. Bei Nonnos, der uns wenigstens 
„ihre" Nike (Bakch.yl.frg. 71 Kenyon. Schluss- ein indirektes Zeugnis für ihre Auffassung in 
verse von Euripides Orest. Phoeniss. Iphig. der hellenistischen Zeit sein kann, ist sie eine 
Taur. u. a.). Und wenn Nike ein spezielles richtige Helferin im Kampf, eine %aQrjyoQOS, 
Abzeichen trägt, etwa ein Aphlaston (unten 10 die den Zeus in der Gestalt der Leto anfeuert 
Sp. 326), so besagt das nur, dafs jenes Bild (2, 2051 und dem Dionysos die Segel der Schiffe 
zur Erinnerung an einen Seesieg errichtet wor- schwellt (36, 386). — Auch die weichlichere 
den ist, nicht, dafs man sich eine Göttin dieses Auffassung, von der schon die Rede war und 
einen Sieges vorgestellt habe. Wenn Nike die uns an den Denkmälern der hellenistischen 
ursprünglich vielleicht eine „Augenblicksgöttin" Zeit vielfach begegnet, findet bei Nonnos eine 
in Useners Sinne gewesen ist, so ist sie in Parallele, wo sie bei der Hochzeit des Kadmos 
historischer Zeit bei den Griechen doch eine mit den Eroten zusammen singt und tanzt 
zu persönlicher Ausgestaltung gelangte „Sonder- (5, 107 f., vgl. auch 2, 709). — Eine späte Vor- 
göttin", die zwar aus künstlerischen Bedürf- Stellung ist es, wenn Nike als tgoqiög oder 
nissen vervielfacht wurde, aber weder in Poesie 20 Mutter von Siegern gepriesen wird; Anth. 
noch Kultus die Spaltung in eine Vielheit er- Plan. 5, 372. 339. 
fuhr. Bei den Kömern dagegen ist die Spe- Kulte. 
zialisierung der Siegesgöttin auf einzelne Per- Wie es gemäfs der begrifflich- poetischen, 
sonen und Ereignisse das gewöhnliche (unten nicht mythisch-religiösen Entstehung der Nike 
Sp. 313 f.); es bildet das einen der charakte- keine Mythen von ihr giebt, so sind auch ihr 
ristischen Unterschiede der Victoria von der Kulte selten. Zu besprechen ist zunächst, ob- 
Nike. wohl es sich nicht um Nike als selbständige 
Mit dem Ende des 5. Jahrhunderts ist das Gottheit handelt, der Kult der Athena 
Nike-Ideal in allen wesentlichen Zügen fest- Nike auf der Akropolis von Athen (vgl. 
gestellt. An den Reliefs der Balustrade des so oben Bd. 1 Sp. 689). Er hat neuerdings Ver- 
Tempels der Athena Nike haben wir die anlassung gegeben, die Nike, wie sie seit 
glänzendste Zusammenfassung ihrer Eigen- der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts in 
schaften als Götterbegleiterin, Sieges- und Kunst und Poesie auftritt, für eine jüngere 
Opfergottheit. Eine Erweiterung ihrer Bedeu- Bildung als die von Hesiod genannte Titanen- 
tung ist aber schon in der zweiten Hälfte des tochter zu erklären und sie als eine Ab- 
5. Jahrhunderts in der jüngeren attischen zweigung von dem Wesen der Athena Nike 
Vasenmalerei erfolgt in dem Sinne, dafs sie zu deuten; Baudrillart , les divinites de la 
nun auch sterblichen Frauen und zwar als Victoire en Grece et en Italie (Paris 1894), 
Symbol sieghafter weiblicher Schön- S. lf., 7f. Ebenso Jane Sarrison, Class. Beview 
heit beigegeben wird (Furtwängler, Eros S. 48. 40 1895, S. 187 und Mythology and Monuments of 
Knapp S. 81; seiner Aufzählung ist hinzuzu- Athens S. 366. Sikes hat in der Classical 
fügen die Vase Berlin 2937 und die von Bobert, Beview 1895, S. 280 f. dem mit Recht wider- 
Arch. Zeitung 1882, S. 151 zusammengestellten sprochen. Auf der Akropolis führt Athena den 
Gefäfse; ferner Furtwängler, Samml. Sabouroff Beinamen Nike in einem Sonderkult genau in 
1, Taf. 68). Vielfach tritt sie nun auch als Ge- dem Sinne, wie in den anderen Kulten den der 
nossin oder Gegenstück zu Eros (vgl. das Hygieia und Ergane neben ihrem Hauptkult als 
schöne Tarentiner Terracottarelief vom Ende Polias (Suidas s. v. 'Tyi'eia 'A9r\vä. Aristides, 
des 5. Jahrh. Journ. of hellen, studies 1886, Athenaip. 26. Schol. Soph. Phil. 134). Es dürfte 
Taf. 63), ein Gedanke, der in hellenistischer aber wohl niemandem einfallen, auch die 
Zeit besonders beliebt ist (Pottier et Beinach, 50 Hygieia als eine Abzweigung der Athena deuten 
Ne'cropole de Myrina S. 146. Campana, Opere zu wollen. Denn gerade umgekehrt hat Athena 
in plastica Taf. 88). — Auszuscheiden aus dem die Namen dieser Göttinnen und deren beson- 
Kreise der Nike ist dagegen die Vorstellung dere Eigenschaften zur Erweiterung ihres eige- 
von der Liebesverfolgung eines Jünglings durch nen Wesens an sich herangezogen, ohne dafs 
sie, die man ans der gefälschten Inschrift dadurch der Geltung der Nike oder Hygieia 
Linos und Nike der Berliner Vase nr. 2210 als selbständiger Gottheiten Abbruch ge- 
abgeleitet hatte (Arch. Zeitung 1884, Taf. 21, Beliehen wäre. — Wie in neuester, so hat schon 
S. 321. 1876, S. 124. Vgl. ebenda 1880, S. 101. in alter Zeit die Athena Nike Verwirrung an- 
161. Bobert, Bild und Lied S. 32, Anm. 36). gerichtet, indem man sie schlechtweg als Nike 
Endlich wird Nike hie und da auch in den so nahm und ihr flügelloses Kultbild Wxij äitregos 
bakchischen Kreis gezogen (jungattischer nannte (Paus. 1, 22, 4), obwohl es einen un- 
rotf. Krater in Würzburg, Mon. d. Inst. 10, 3. geflügelten Typus der Nike nicht gegeben hat 
Bullet. Napöl.TS. S. 5 (1857) Taf. 13. Inghirami, funten Sp. 316 f.). Ein ohne Zweifel auf die 
Vasi fitt. 3, 292, beides unteritalische Vasen; Epigrammendichter (vgl. als ähnlich Anthol. 
vgl. Knapp S. 50), wo Bie ihr Amt als Opfer- Pal. 9, 647) zurückgehender Einfall wufste 
dienerin ausübt, oder Dionysos mit Ariadne dann die Flügellosigkeit ebenso witzig zu deuten 
vereinigt, dies letztere eine Vorstellung, die wie bei dem Ares in Sparta die Fufsfesseln 
der attischen Vasenmalerei fremd blieb. — (Paus. 8, 15, 6). Der von Benndorf, Kultbild 



311 Nike (Kulte v. Olympia, Ilion) Nike (Kulte von Tralles etc. Rom) 312 

der Athena Nike versuchten Herleitung ihres Tralles, wo sie im 1. Jahrhundert v. Chr. 
Kultes von Side haben namentlich E. Curtius, einen eigenen Tempel hat (Caesar bell. civ. 3, 105. 
Archäol. Zeitung 1879, S. 98, Kekule, Reliefs Plutarch Caesar 47. Valer. Maxim. 1, 6, 13. 
an der Balustrade S. 25, Furtwängler, Meister- Weihgeschenk C. I. G. 2, 2925); 3. für Aphro- 
werke S. 208 Anm. 3 widersprochen. Er ist als disiaa (tsgsa äia ßiov &eäg Ninrjg, nach- 
ein alteinheimischer anzusehen und zwar gerade hadrianisch, C. I. G. 2, 2810); 4. für Olbia, 
auch wegen des ungewöhnlichen und alter- wie aus zahlreichen Weihgeschenken römischer 
tümlichen Attributs des Granatapfels. Aus der Zeit zu vermuten ist (C. I. G. 2069. 2072—74. 
soeben gefundenen Stiftungsurkunde des Tem- 2077c. 2078); 5. ebenso für die Insel Karpa- 
pels (Ephem. arch. 1897), die in die Mitte 10 thos nach der Weihung I. G. I. M. A. 2, 979, 
des 5. Jahrh. gesetzt wird, geht hervor, dafs wenn auch für nr. 4. und 5. nicht auf einen fest 
damals zwar der heilige Bezirk, aber noch eingerichteten Kult geschlossen werden kann, 
nicht einmal ein steinerner Altar existierte. Der Kult von Aphrodisias könnte sehr wohl 
Diese Ärmlichkeit des Heiligtums wäre nicht erst unter dem Einflufs des in Born in hohen 
zu erklären, wenn der Kalt wirklich, wie Benn- Ehren stehenden Victoria -Kultus entstanden 
dorf vermutet hat, kurz vorher als Erinnerung sein; nr. 1 n. 2 dagegen sind sicher hellenistisch, 
an die Schlacht am Eurymedon von Side her Dafs die Gestalt der Nike in den Zeiten der 
eingeführt worden wäre. Auch in Megara Diadochen und der römischen Kaiser so be- 
(Paus. 1, 42, 4) und in Erythrai (Bitten- sonders beliebt wird, hat seinen guten Grund 
berger, Sylloge 370, 27) gab es Kulte der Athena 20 darin, dafs sie wie nichts Anderes sich zur 
Nike. Ein gleicher ist aus einer Inschrift des Verherrlichung des einzelnen Herrschers eignet, 
3. Jahrhunderts n. Chr. für Rhodos bezeugt als dessen unzertrennliche Begleiterin sie ge- 
(/. G. Ins. M. Aeg. 1, 20). Vgl. auch TJsener, dacht wird. Sie wird daher nicht nur auf 
Götternamen S. 220. 337. Münzen und bei künstlerischen Verherrlichungen 

In Olympia nennt Paus. 6, 14, 8 einen Altar der Fürsten mit Vorliebe verwendet, sondern 
des Zeus Katharsios und der Nike. Derselbe spielt auch bei Prunkaufzügen eine Rolle, in- 
Kult wird für Athen aus hadrianischer Zeit dem die Herrscher von Nikebildern begleitet 
bezeugt durch die Sesselinschrift des Priesters werden (z. B. in der Pompa des Ptolemaeus n., 
der „Olympischen Nike" im Dionysostheater Athenaeus 5, 197 E. 202 A. Vgl. Dio Cassius 
C. I. A. 3, 1, 245; er ist von Hadrian jeden- 80 47, 40. Plutarch Brutus 39). Nikebilder haben in 
falls zusammen mit den olympischen Spielen der Lehre von den Vorzeichen eine besondere Be- 
in Athen eingeführt worden. Wie alt er in deutung. Timoleon, Sulla erhalten ein günstiges 
Olympia war, ist aus der schriftlichen Über- Omen, indem eine Nike auf sie herabfällt 
lieferung nicht festzustellen. Doch würden die (Plutarch, Timoleon 8. Sulla 11 ; vgl. auch Sueton, 
Monumente dafür sprechen, dafs er schon um Galba 10; vgl. Caes. b. c. 3. 105). In anderen 
den Anfang des 5. Jahrhunderts bestanden hat Fällen wird Unheil angekündigt durch eine sich 
(altertümliches Nikebild im Heraion Paus. 5, umwendende (Dio Cass. 56,24. Tacit. Ann. 14,32) 
17, 1; Nike seit Anfang des 5. Jahrhunderts oder stürzende Nike (Livius 26, 23. Dio Cass. 
häufig auf elischen Münzen, Sead, hist. num. 47, 40. 50, 8), und die gleiche Bedeutung hat 
S. 353; aus unbestimmter Zeit überliefert ist 40 das Schwitzen eines Victoriabildes (Cicero de 
ein Nikebild im Athenatempel zu Elis (Caesar divin. 1, 43, 98). Mehr bei Baudrillart S. 72. 
bell. civ. 3, 105). Immerhin mufs sein Alter Die Victoria der Römer, das unmittel- 
bei dem Mangel bezeugter Nikekulte in älterer bare Gegenbild der griechischen Nike, hat sich 
Zeit fraglich bleiben. — Der bei Pseudo-Demosth. im Gegensatz zu dieser von Anfang an einer 
prooem. 54 p. 1460 für Athen genannte Opfer- geregelten religiösen Verehrung zu erfreuen 
dienst für Nike ist unsicher und könnte sich gehabt. Schon vor dem Eindringen der grie- 
überdies auf Athena Nike beziehen. chischen Kultur scheint es in Italien Göttinnen 

Kulte der Nike als selbständige Gott- des siegreichen Erfolges gegeben zu haben, 

heit scheinen: im übrigen erst seit der Zeit die nachher mit Victoria identifiziert wurden, 
Alexanders des Grofsen aufzukommen, und 50 so die Vacuna der Sabiner (Preller -Jordan, 

zwar scheint die Ausbreitung ihrer Verehrung Rom. Mythol." 1, 408 f. Baudrillart S. 32 f.; 

schon mit Alexander selbst zu beginnen, der vgl. Artikel Vacuna) und die Vitula oder 

in Indien Altäre der Minerva und Victoria er- Vitellia, die Göttin des Siegesjubels (Preller- 

richtete (Curt. 8, 2, 11). Der Aufschwung in Jordan 1, 407. Baudrillart S. 44. C. I. L. 

der Verehrung der Nike, die jeder der Nach- 1, 58). In Rom selbst ist die Vica Pota, 

folger Alexanders an sich zu fesseln wünschte, die am Fufs der Velia, da wo einst das Haus 

spiegelt sich auf den Münzen der Diadochen des Valerins Poblicola gestanden hatte, noch 

deutlich wieder (Imhoof- Blumer, Hubers im 1. Jahrhundert v. Chr. ein Tempelchen be- 

Numismat. Ztschr. 1871, S. 25 f.). In römi- safs, die Vorgängerin der Victoria. Vgl. oben 
scher Zeit ist das Vorhandensein von Kulten eo Bd. 2 Sp. 230 f. 

etwas ganz Gewöhnliches (Dionys. Halic. 1, 33: Für die römische Victoria ist es charak- 

ri/xas siap' av&qmncov ag ?j;si vvv). Vgl. auch teristisch, dafs sie ein völlig abstraktes 

unten Sp. 313f. Wesen bleibt, das sogar aufser jeder genealo- 

Griechische Kulte sind bezeugt: 1. für gischen Verbindung mit anderen Göttern steht, 

Ilion aus einem Dekret für Antiochos I. die nüchterne, ohne alle poetische Zuthat ge- 

Soter, in welchem Gebete für ihn zu Apollon, lassene Personifikation eines Begriffes ähnlich 

Nike und Zeus angeordnet werden (C. I. G. wie Honos, Salus, Ops u. a. (Cicero de Leg. 2, 11, 

2,3595. Dittenberger, Syll. nr. 156, 27); 2. für 28). Sie ist nicht mehr Dienerin oder Begleiterin 



313 Nike (Kult in Rom) Nike (Kult in Rom) 314 

anderer Götter, sondern empfängt gleichbe- pels am Westabhang des Palatins siehe Hülsen, 

rechtigt mit den übrigen ihre Ehren. Gemein- Böm. Mitt. 1895, S. 28. 269. Lanciani, Bullet. 

sam mit Mars, Fortuna, Diana, luppiter, Inno, comwn. di Borna 1888, S. 206 f. Ob auf dem 

Pluto oder Saturn erhalt sie Altäre (C. I. L. Kapitol, dem sakralen Mittelpunkte Roms, 

3, 4412; 8, 2465. 4286—4290). Sie hat eigene ein eigentlicher Kult der Victoria bestanden 

Priester und Priesterkollegien (BaudrillartS. 69). hat, ist nicht festzustellen. Jedenfalls waren 

Von ihren Tempeln wird nachher die Rede aber dort zahlreiche Bilder der Göttin, so die 

sein. Victoria ist ungleich mehr als Nike, ja von Bocchus von Numidien dem Sulla zu Ehren 

fast ausschliefslich die Göttin des kriegeri- geweihten trophäentragenden Niken (Plutarch, 

sehen Erfolges, wenn auch ihr Bild in der 10 Marius 32); eine wagenlenkende Victoria, der 

Pompa circensis neben anderen Göttern einher- vor dem Untergange des Nero als ein böses 

getragen wird {Ovid Amores 3, 2, 45), und Vorzeichen die Zügel entfielen (in veetibulo 

Victoriastatuen die' Spina der Rennbahn Capitolii, Tacit. hist. 1, 86. Plutarch, Otho 4); 

schmücken (Gerhard, Ant. Bildw. Taf. 120, 2). das Bild des Nikomachos (Victoria quadrigam 

Spezifisch römisch ist die Differenzierung der in sublime rapiens Plin. 35, 108) und gewifs 

Göttin nach historischen Ereignissen als Vic- noch andere. Ob und wie lange die nach der 

toria Parthica (C. I. L. 8, 965. 4583), Medica, Schlacht von Cannae den Römern von Hiero II. 

Armenica (C. I. L. 8, 965), Germanica (C. 1. L. von Syrakus gestiftete goldene Nike von 220 

8, 4202), Britannica (Ephem. epigr. 8, 13), Sar- Pfund Gewicht auf dem Kapitol gestanden hat 

matica (Cohen, Mon. Imp. 1 6, S. 559, nr. 548 f.). 20 (Liv. 22, 37), ist nicht ganz sicher, wenn die 

Eng verbunden erscheint sie seit der Gründung Gabe in der That mit Valer. Maxim. 4, 8, 5 

des Kaiserreiches als Schutzgottheit mit der als die schonende Einkleidung einer materiellen 

Person des einzelnen Herrschers (Victoria Cae- Unterstützung zu betrachten ist; andernfalls 

saris C. I. L. 9, 5904. Victoria L. Septimi Severi läge die Vermutung nahe, dafs das oben- 

C.l.L. 8, 9024 u. s. f. ; vgl. auch Aelius Spartian., genannte Bild einer Wagenlenkerin mit dem 

Severus 22, wo für jeden der drei Regenten des Hiero identisch ist, da der Typus der 

Severus, Geta, Bassianus eine besondere Vic- fahrenden Nike nach Ausweis der Münzen in 

toria im Circus aufgestellt ist), doch geht dieser Syrakus besonders beliebt war. — Eine erhöhte 

Brauch schon in die letzten Zeiten der Re- Bedeutung erhielt der Victoriakultus durch die 

publik zurück (Victoria Sullana). Neben dem so ludi Victoriae, die Sulla nach der Schlacht 

Beiwort Virgo (Liv. 35, 9), dem einzigen, das an der Porta Collina im Jahre 82 v. Chr. stif- 

ihre Persönlichkeit umschreibt, erhält sie seit tete (Cic. in Verr. 1, 10, 31. Velleius Paterc. 

dem Anfang der Kaiserzeit die Bezeichnung 2, 27, 6). Sie wurden fünftägig vom 27. Oktober 

Victoria Augusta, vielleicht im Anschlul's an als dem Jahrestage der Schlacht gefeiert 

an den Namen des ersten Kaisers, wahrschein- und sind nach dem Ausweis einer Münze des 

licher aber doch wohl in allgemeinerem Sinne M. Nonius Sufenas in Sullas Auftrag von seinem 

als Epitheton ornans (vgl. Ovid Fasten 609). Neffen Sextius Nonius eingerichtet worden 

Zu unterscheiden ist davon der Ausdruck Vic- (vgl. Baudrillart S. 73 f.). Später nannte man 

toria Augusti oder Augustorum, der sich auf diese Spiele zum Unterschiede ludi Victoriae 
bestimmte Personen bezieht (Cohen, Med. Imp. 40 Sullanae, denn im Jahre 46 v. Chr. wurden zur 

1, S. 302, nr. 345, 350. S. 350, nr. 343). Bei Erinnerung an die Schlacht von Pharsalos von 

dem vorwiegend kriegerischen .Charakter der Caesar die ludi Victoriae Caesaris einge- 

Victoria spielt ihre Verehrung im Lagerleben setzt (Cic. ad fam. 11, 28. Bio Cass. 45, 7. 

der Legionen naturgemäfs eine grofse Rolle Sueton Caes. 88; Aug. 10), die aber mit denen 

(Tertullian Apol. 15. Baudrillart S. 67. Do- der Venus Genetrix oder Victrix znsammenge- 

maszewski, Beligion des römischen Heeres, West- fallen oder identisch gewesen zu sein scheinen, 

deutsche Zeitschr. f. Geschichte 14, 1895 S. 37 f.). ohne dafs darum Victoria mit diesen beiden 

Nikebilder an Geldzeichen, Domaszewski, Fahnen Göttinnen gleichgesetzt zu werden brauchte (so 

im römischen Heere S. 31, Fig. 5; S. 78 Fig. 98. Mommsen, C. I. L. 1, 397; dagegen Beifferscheid, 
Gaz. arch. 1876, Taf. 29, S. 112). 50 Ann, d. Inst. 1863, S. 370. Baudrillart S. 79 f.). 

Dafs der Kultus der Victoria in Rom — Überstrahlt wird alles Andere durch den 

als in die ältesten Zeiten zurückgehend ange- Kultus der Victoria in der Curia Iulia, 

sehen wurde, zeigt die Legende bei Dionys. den Augustus gleichzeitig mit der Weihung 

Halic. 1, 32, nach der Evander auf dem Gipfel des Gebäudes nach der Schlacht bei Actium 

des Palatins ein Temenos der Nike gegründet stiftete (Bio Cass. 56, 22) und mit „ägyptischen 

hat. Historisch bezeugt ist der von. L. Postu- Beutestücken" verherrlichte. Über einem Altar, 

mius im Samniterkriege 294 v. Chr. geweihte an dem die Senatoren vor Beginn der Sitsung 

Tempel der Victoria (Liv. 10, 33); ob er aber Weihrauch und Wein opferten (Herodian 6, 

auf dem Kapitol gelegen, wie bei Preller- Jordan, 5, 7; 7, 11, 8), schwebte ein Bild der Victoria. 
Böm. Myth. 3 2, 245 vermutet wird, ist unge- 60 Es war aus Tarent gebracht worden, vermut- 

wifs. Wahrscheinlicher ist doch, dafs er mit lieh bei der Eroberung der Stadt duroh Fabius 

der bei Liv. 29, 14 genannten aedes Victoriae, und Marcellus im Jahre 209 T. Chr. und nicht 

guae est in Palatio identisch ist, in der im erst zur Zeit aeiner Aufteilung, Über erhal- 

Jahre 204 v. Chr. das Bild der Göttermutter tene Nachbildungen liehe unten (Sp. 864). Das 

aus Pessinus vorübergehend untergebracht ursprünglich rein griechische Bild dieser Nike 

wurde. M. Porcius Cato baute im Jahre 196 begleitet fortan als Symbol der Unüberwind- 

v. Chr. in seiner Nähe eine aedicula Victoriae lichkeit alle Geschicke des römischen Reiches. 

Virginia (Liv. 35, 9). Über die Lage des Tem- Auf Befehl des Senates wurde es dem Leichen- 



315 Nike (Kult in Rom) Nike (in d. ältesten Kunst: beflügelt) 316 

begängnis seines Stifters vorangetragen (Sueton ßdaiov gwypäqpov jraji^v iQyäaae&ai zijv NUrjv, 
Aug. 100). Bei dem neronischen Brande blieb mg ot iteql Kaqvoziov zov Ileqyaiirjvov tpaeiv. 
es unversehrt, denn Bio Cass, 56, 22 bezeugt Die Nachricht ist, soweit sie sich auf Eros 
ausdrücklich, dafs zu seiner Zeit noch das von bezieht, sicher falsch, da x«i zov "Egcoza späte- 
Augustus selbst geweihte Bild vorhanden war. rer Zusatz ist (siehe oben Bd. 1 Sp. 1360, 44). Für 
Vgl. Jordan, Topographie von Born 2, 1, S. 251. die Geschichte der Nike ist ihr mit Sicherheit 
Über ihm liefs Heliogabal sein eigenes Bildnis nur das eine zu entnehmen, dafs in den Kreisen 
anbringen, damit die Senatoren zugleich ihm der pergamenischen Kunstgelehrten ein ge- 
und der Victoria opfern mufsten (Herodian. 5, flügeltes Bild von der Hand des Archermos 
5, 7). Der Vater des Alexander Severus sieht 10 bekannt war, das auf Nike gedeutet und für 
als gutes Vorzeichen im Traum, wie sein Sohn die älteste derartige Darstellung in der Plastik 
auf den Flügeln jener Victoria (Victoriae, quae gehalten wurde {Bobert, Archäol. Märchen 
est in senatu) zum Himmel getragen wird S. 119. Hermes 1890, S. 448f.). Während dieser 
(Lampridius, Alex. Sever. cap. 14). Claudian Teil des Scholions nach Münzer, Hermes 1895, 
hat offenbar dieses Bild im Sinne, wenn er die S. 524 (vgl. Fränkel, Jahrbuch 1891, S. 59, 
Victoria feiert als "custos imperii virgo' (24, 205) Anm. 20) auf Antigonos von Karystos zurück- 
und als 'Bomanae tutela togae, quae divitepalma geht, wufsten andere als ältestes Gemälde eine 
Patricii referenda fovet sacraria coetus' (28, 597). geflügelte Nike des Aglaophon anzuführen. Dafs 
Mit der sinkenden Macht des Heidentums ge- schon die hellenistischen Kunstgelehrten einen 
winnt der Altar in der Curia eine besondere 20 ungeflügelten Niketypus annahmen, geht aber 
Bedeutung, indem er fast vierzig Jahre hin- nicht daraus hervor. Dafs man später, wohl 
durch (356—394) ein Gegenstand des Streites imAnschlufsandieMifsdeutungderAthenaNike 
zwischen der christlichen und der altgläubigen als Nike apteros, fälschlich die Vorstellung 
Partei im Senate wird. Unter Constantius von flügellosen Niken hatte, zeigen aufser dem 
wurde die Ära zum ersten Male entfernt, aber Scholion z. Aristoph. Stellen wie Paus. 5, 17, 3 
fünf Jahre später unter Iulian wieder herge- und 6, 12, 6, wo er das eine Mal die Be- 
stellt. Unter Valentinian II. scheint sie wiederum flügelung der Nike ausdrücklich anzuführen 
fortgeschafft gewesen zu sein, der Usurpator für nötig hält und das andere Mal eine offen- 
Eugenius aber willigte nach dreimal wieder- bar ungeflügelte Gestalt auf Nike deutet. — 
holten Gesandtschaften der heidnischen Partei, so Keinerlei mythologischen oder kunstgeschicht- 
zum* Ärger des heiligen Ambrosius, in die liehen Wert hat natürlich der Scherz des Kp- 
Wiederaufrichtung; aber sie kann nicht von mikers Aristophon (Athen. 13, 563 B = Comic. 
langer Dauer gewesen sein, denn unter Theo- att. frg. 2, 1, S. 250 nr. 11 Kode), dafs die Göt- 
dosius erneuert Symmachus als der eifrigste ter dem Eros die Flügel genommen und der 
Verfechter des alten Glaubens seine Bitten für Nike gegeben hätten, eine Erzählung, nach der 
den Fortbestand des alten Kultus, aber ver- offenbar die Gemme bei Müller- Wieseler, Denk- 
geblich. Der Sieg des Christentums ist ent- mäler 2, Taf. 55, nr. 699 gefälscht ist. — Nach 
schieden. Da aber Theodosius, einsichtsvoller Ausweis der Denkmäler ist mit Entschieden- 
ais andere Eiferer für den Glauben, die Scho- heit daran festzuhalten, dafs es einen unge- 
nung aller Denkmäler als Werke der Kunst 40 flügelten Typus der Nike nicht ge- 
anordnete (Prudentius 1, 501), so ist es nicht geben hat (so richtig Knapp S. 33. 92; anders 
unmöglich, dafs das Bild in der Curia den Kieseritzky S. 6. Stephani, Gompte-rendu 1874, 
Untergang des Kultus überlebt hat, denn S. 159). Denn wo sichere flügellose Niken 
es blieb das Sinnbild auch des christlich ge- vorkommen, sind es entweder belanglose Aus- 
wordenen römischen Reiches. Noch Romulus nahmen oder sie fallen wie die Athena Nike 
Augustulus prägte das Bild der Victoria Augusta unter einen anderen Gesichtspunkt. Zu der 
auf seine Münzen. — Litteratur: C. Rose, de letzteren Klasse gehört die Nike von Terina. 
dea Victoria et ara deae in Curia Iulia, Halle Auf Münzen dieser Stadt aus der ersten Hälfte 
1741. J. Auer, Der Altar der Göttin Victoria des 6. Jahrhunderts v. Chr. ist eine Frau in 
in der Curia Iulia zu Born, Jahresber. des 50 einfachem dorischen Kleide mit Zweig in der 
akad. Gymnasiums zu Wien 1859. 0. Gerhard, Hand als Nha bezeichnet (Head, Hist. num. 
Streit um den Altar der Victoria; eine Episode S. 96. Head, Guide to the Coins of the Bnt. 
aus der Geschichte des Kampfes des Heidentums Mus. taf. 8, 23). Dieselbe Frau wird aber auf 
mit dem Christentum in Born, Siegen 1860. einer anderen (von Friedländer bei Kekule, 
Wieseler , Barstellungen von Siegesgöttinnen, Balustrade S. 12, Anm. 4 beschriebenen) Münze 
Göttinger Festrede 1871. Baudrillart, Les Terina genannt und von einer fliegenden Nike 
divinites de la Victoire en Grece et en Italie gekrönt (Hubers Numism. Ztschr. 1871, S. 11, 
S 93. — Einige inschriftlich bezeugte Victoria- nr. 17). Mit Recht hat Kekule daraus den 
kulte aufserhalb Roms sind zusammen- Schlufs gezogen, dafs die Stadtgöttin Terina 
gestellt bei Baudrillart a. a. 0. S. 87. 60 als Nike verehrt wurde und daher die ältesten 

Darstellungen aus gutem Grunde ungeflügelt 

Nike in der Kunst. g j n ^ g e j t d er j^tte des 5. Jahrhunderts er- 

I. Älteste Zeit. scheint nur noch ein geflügeltes Mädchen auf 

Beflügelung. Das Scholion zu Aristo- den Münzen, aber aufser mit dem Kerykeion 

phanes' Vögeln 574 berichtet: vscozsqikov to auch mit Attributen, die mit dem Wesen der 

zfiv Nl*r\v v.a.1 zov "Egmza iitzsQäa»ai. "Aqxiq- Nike nichts zu thun haben, mit emeni Vogel, 

aov (cod "Aqzcvvov) yao tpaai, zov Bovnülov mit Bällen, mit einer Amphora (Head b. 97), 

%al 'A&r\vi8o$ nazioa, oi de 'Aylaotpüvzu zov was, wenn wir diese Gestalten überhaupt noch 



317 Nike (in d. ältesten Kunst) 

Nike nennen dürfen, vielleicht aus einer Ver- 
mischung mit einer anderen lokalen Gottheit (der 
Nymphe Ligeia, siehe oben Bd. 2, Sp. 338, 22 f.) 
erklärt werden kann. — Eine inschriftlich be- 
glaubigte flügellose Nike findet sich auf der 
Pyxis des Agathon (Mitte des 5. Jahrh.) in 
Berlin (Arch. Anz. 1896, S. 38, nr. 39); dafs sie 
aber nicht die geringste typische Bedeutung 
hat, wird sofort dadurch klar, dafs auch die 
Iris derselben Vase ohne Flügel ist. Aus einer 
ähnlichen künstlerischen Laune heraus sind 
auf dem Krater des Nikias mit der Lampado- 
dromie (Fröhner, Coli. Tyskiewicz Taf. 56) die 
Flügel durch ein flügelartiges Gewandstück 
ersetzt. — Auf dem Schalendeckel Bullet. 
Napolet. N. 8. 1 (1852) , Taf. 3 nr. 4 ist Nike 
(inschr.) Personenname. — Von den übrigen 
Darstellungen, die man als ungeflügelte Niken 
angeführt hat (Stephani, Compte-rendu 1874, 
S. 156. Kieseritzky S. 39 f.), sind entweder die 
entscheidenden Teile ergänzt oder verdächtig 
(Berlin nr. 2479. Petersburg nr. 427 = Inghirami, 
Vasi fitt. 1, 2, vgl. Compte-rendu 1864, S. 80, 
Anm. 3 und 1874, S. 168. De Witte, Catal. 
Durand nr. 307. Mülingen, Vases de div. coli. 
Taf. 49), oder die Deutung auf Nike ist falsch 
oder unsicher (British Mus. Catal. of vases 3, 
E 381; E 269 sind menschliche Spendescenen). 
Bei den stiertränkenden Frauen Gerhard, Auserl. 
Vasenb. Taf. 243 an Niken zu denken, läge 
nahe, die Berechtigung dazu ist aber nicht 
nachzuweisen. Bei der Kitharödendarstellung 
Mus. Gregor. 2, 22, 2 mufs Stephan* (C. B. 1874, 
S. 156) selbst zugeben, dafs die Flügel der 
einen Nike nur ans Raumzwang, also aus einem 
äufserlichen künstlerischen Beweggrund fort- 
gelassen sind. Künstlerische Nachlässigkeit ist 
es auch, wenn auf flüchtigen unteritalischen 
Vasenbildern die Flügel fehlen (Heydemann, 
Neapler Vasen nr. 770. 1769. Sammlung Sant- 
angelo nr. 694. Baccolta Cumana nr. 125). Einer 
von diesen Gesichtspunkten wird sich bei jeder 
etwa noch auftauchenden „flügellosen" Nike 
geltend machen lassen. — Unter den Münzen 
endlich iBt die Frau auf dem Tetradrachmon 
von Gela (Imhoof -Blumer, Hubers Ztschr. S. 16, 
nr. 31. Numism. Chron. 1888, Taf. 9, 4), die 
einen Stier bekränzt, nicht Nike, sondern aus- 
drücklich als Sosipolis bezeichnet (üsener, 
Götternamen S. 173); und in der Serie der 
Münzen von Syrakus bildet die von Imhoof- 
Blumer a. a. 0. S. 8, nr. 4 erwähnte, wenn 
die über den Rossen schwebende Gestalt vom 
8tempelschneider in der That flügellos be- 
absichtigt war, eine belanglose Ausnahme. 
Von eben so geringer Bedeutung ist es end- 
lich, wenn Nike auf geringen Steinen römischer 
Zeit (Furtwängler , Beschreibung der geschn. 
Steine in Berlin nr. 2657. 2558) oder auf einer 
spaten Bronzetafel (Arch. Ztg. 1858, Taf. 112, 3) 
ohne Flügel vorkommt. — Einen ungeflügelten 
Typus der Nike in ihrer eigentlichen Bedeutung 
hat es also nicht gegeben. Vielmehr sind 
gerade die Flügel, als Symbol ihres wind- 
ichnellen Herabseh webens aus den Höhen, in 
denen die siegyerleihenden Götter wohnen, von 
Anfang an ihr wichtigstes Abzeichen. 
Vgl. Aristoph. Vögel 574. 



Nike (in d. ältesten Kunst) 318 

Erhaltene älteste Darstellungen. Da 
es durch Roberfn Kritik des Aristophanes- 
Scholions (Hermes 1890, S. 448 f.) in Zweifel 
gestellt ist, ob die pergamenischen Gelehrten 
die Flügelfrau des Archermos mit Recht als 
eine Nike deuteten, so müssen wir uns zunächst 
danach umsehen, ob uns aus dem 6. Jahr- 
hundert gesicherte Nikebilder erhalten sind. 
Ein inschriftlich beglaubigtes ist nicht vor- 

lohanden, doch finden sich Flügelgestalten, die 
die Erklärung als Nike entweder zulassen 
oder durch die begleitenden Umstände heraus- 
fordern. Zu den ältesten Wesen dieser Art ge- 
hören zwei auf Vasen von Daphnai: die eine, 
kurzbekleidet und unsicheren Geschlechts, mit 
Fufs- und Schulterflügeln, eine Blüte in der 
Hand (Petrie, Tanis 2, Taf. 26, 4. Brit. Mus. 
Cot. of vases 2, B 106 8 ), die andere langbe- 
kleidet und sicher weiblich zwischen zwei 

20 Hähnen (ebenda Taf. 31, 10. Brit. Mus. Cat. 
B 125g). Sie können hier nur der Vollständig- 
keit wegen angeführt werden, da jede andere 



30 



10 




2) Nike bei einem Beiter, kyrenäische Schale 
(nach Arch. Zeitung 1881 Taf. 13, 2). 



Interpretation gleichberechtigt ist. Die gleiche 
Unsicherheit herrscht bei der viergeflügelten 
laufenden Frau auf einer zu der von Dümmler 
50 gesammelten Gefäfsgattung gehörigen Vase aus 
La Tolfa in Karlsruhe (Schumacher, Jahrbuch 

4, 1889, S. 222, Taf. 5-6, 2, 2 a). Zweifelhaft 
ist die Nike (so Dümmler, Born. Mut. 1888. 

5. 167), die auf der Caeretaner Hydria bei 
Jahn, Entführung der Europa Taf. 6, a mit 
zwei Kränzen hinter der Europa auf dem Stier 
herfliegt, obwohl die von Cecil Smith (Journ. 
of hell. stud. 1892—98, S. 112) vorgeschlagene 
Erklärung als Harpyie zum mindesten kein« 

60 bessere ist. Mit gröfseror Bestimmtheit möohte 
ich dagegen für die. Dämonen, die auf den 
kyrenäischen Schalen jugendliche Beiter 
begleiten, an der Deutung auf Niken festhalten 
(Puchstein, Arch. Ztitung 1881,8. 888. Taf. 18, 2 
[danach Abb. 9 u. 8J. Mioali, Sioria Taf. 87, 8), 
denn sie sind keineswegs identiioh mit den 
Dämonen auf der groinen Bohale aus Nau- 
kratis (oben bd. i 8p. 1780 Fig. 6), um derent- 



319 Nike (in d. ältesten Kunst) Nike (in d. ältesten Kunst) 320 

willen LoescUke (Jakrbuch 1887 S. 277, Anm 5) ^.j» ***? <*■£ %£>£* aKn 
sich eine vollkommen befriedigende Erklärung. lieh Am «neswn kuuu j 

mir den Ausschlag zu geben, dafs wir es hier wie z tf. der ^ ^ , 6? , - t Taenie) auf 

Pithosrändern aus Sizilien an {Eehule g^rt^hte ^ Watoieinlichkeit anzu- 
Tewocotten i>0» SwtJten Taf .55, 2; 56, 1. ^«™?? ?t Wir werden es also als That- 

der Steht«, tage« oe m ** Link»» em„ ™ *"' '£SeT E. mob »So doch «hon 

20, 7. 9), die man geneigt sein könnte als JSike cnen Jvieiseu u* Benennung uns vielfach 

ST3 ( s äÄts s-^- m !r g eSrÄrrc 

eine langbekleidete viergeflugelte Frau die wird klar ™ 8 kyrenäischen Vasen und 
Flügellräu zwischen zwei Wettläufern hineilt. {Bull de corr. teU .3 1879, & 393 I sah m ihr 

ää^Ss ESsSsSSütä 



321 Nike (in der ältesten Kunst) 

zweifelhaft wurde. Brunn schlug die Deutung 
auf I r 1 s vor (Abh. der bayer. Akad. d. Wiss. 1884 
S. 522) und M. Mayer (oben Bd. 2, Sp. 354) 
stutzte sie durch den Hinweis darauf, dafs nach 
dem Zeugnis des Lokalschriftstellers Semos auf 
der Nachbarinsel Hekatesnesos ein Kult der 
Ins existierte. Aber über das Alter und die 
Bedeutung desselben wissen wir nichts Näheres 
sodafs dies nur ein indirektes Beweismittel sein 



}£^^T'J!*Zs^~'^^*?tt&T£: 



Cambridge 1891, S. 27) wies darauf hin, dafs 
schon im Epos (Hymn. Born, in Apoll. 1, 202. 
II. 15, 54) Iris in Verbindung mit Apollon auf- 
tritt, doch ist dieser Grund für unsere Frage 
hinfällig, da es sich an den betreffenden Stellen 
nur um ganz äufserliche Bezieh- 
ungen des Gottes zu Iris als der 
Götterbotin handelt. — Mit 
schwerer wiegenden Gründen 
tritt die von Eobert (Hermes 
1890, S. 448f.) wieder aufge- 
nommene Deutung auf Artemis 
auf, da sie die Schwester des 
Hauptgottes von Delos ist und 
da es in derThat einen geflügelten 
Typus der Artemis giebt, der sich 
noch bis weit herab verfolgen 
läfst (vgl. StudniczJca, Kyrene S. 
157. Froehner, Musees de France 
S. 18 Taf. 4). Trotzdem ist die 
Deutung auf Artemis ausge- 
schlossen, weil das fliegende 
Dahineilen, das Hauptmotiv der 
delischen Statue, kein für Arte- 
mis irgendwie charakteristischer 
Zug ist. Und in der That hat 
Bobert auch nur e"ine Parallele, 
die laufende, aber ungeflügelte 
Artemis auf dem Teller des Si- 
kanos, anführen können. Dazu 
kommt, dafs eine jüngere Reihe 
von Statuen auf der athe- 
nischen Akropolis und eine 
Anzahl von Bronzefigürchen 
(Petersen, Athen. Mut. 1886, 
S. 372, Taf. 11), die die unmittel- 
bare künstlerische Fortsetzung 
des delischen Typus bilden, 
mir notwendig eine einheitliche 
Deutung zu fordern scheinen. 
Diese kann aber nur auf Nike 
lauten, denn die jüngsten Exem- 
plare sind schon gleichzeitig mit 
den Nikebildern der strengrotfigurigen Vasen 
und verwandt mit den ältesten Niketypen der 
elischen Münzen. An Iris ist bei den umfäng- 
lichen Weihgeschenken der Akropolis von vorne 
herein nicht zu denken, und die Artemis 
Brauroma, auf die Bobert hinweist, scheint mir 
deshalb ausgeschlossen, weil, wenn diese 
wirklich in älterer Zeit als eilendes Flügelmäd- 
chen verehrt worden wäre, sich davon deut- 
lichere Spuren in der Vasenmalerei erhalten 
haben müfsten. Dafs der Typus des fliegenden 
Madchens bei der Übertragung aus dem Osten 
nach Athen die Bedeutung gewechselt habe, wäre 
Bobert vielleicht als Möglichkeit zuzugeben- 
aber nicht sein Satz, dafs Nike auf Delos nichts 

Eoschee, Lexikon der gr. u. röm. Mytnol. HL 



Nike (in der ältesten Kunst) 322 

zu thun habe. Denn für Delos sind schon in 
ältester Zeit musische und gymnische Agone 
aufs beste bezeugt (Hymn. Hom. in Apoll. Del. 
v. 149); die Spiele wurden, nachdem sie eine 
Zeit lang geruht hatten, von den Athenern 
während des peloponnesischen Krieges er- 
neuert (Thuk. 3, 104, 6). Es ist also durchaus 
möglich, dafs ein agonistischer Sieger schon 
im Anfang des 6. Jahrhunderts auf Delos ein 



gens das Bruchstück eines zweiten Exemplars 
von gleichem Typus, nur von gröfseren Ab- 
messungen, gefunden worden (Furtwängler, 
Arch. Zeitung 1882 S. 325). Ferner eines in 
Delphi (Gazette des beaux arts 1894, 3. Ser. 




3) Nike von Delos. 
Mit Ergänzungen (nach Treu, Verh. d. 42. PMM.- Vers. S. 824). 

12, S. 449. Vgl. S. 447. Bull. corr. hell. 20, 652), 
das von Homolle stilistisch etwa eine Generation 
jünger als die delische Nike angesetzt wird, also 
die Kunststufe des Bupalos und Athenis repräsen- 
tiert. Endlich eines in Olympia (Olympia 3 
'aiisapar-V,!«»»^" ~"-1~"' """"—" f" Ta ?- ?. 3 S. 40) aus Terracotta, das aller Wahr- 
ausgeschlossen weil, wenn diese 60 scheinlichkeit nach als Akroterion Bedient 
>. alterer Z«t als m l m H- «■».«,„.-,. hat. An je mehr grofsen Ctplätze/ dieser 

Typus vertreten ist, desto energischer mufs für 
sämtliche Figuren eine einheitliche Deutung 
gefordert werden. Auf Artemis kann sie nicht 
lauten, denn — um dieses wichtigste Argu- 
ment zu wiederholen — Artemis hat zwar 
Flügel, aber sie fliegt nicht. Also mufs 
es Nike sein, die Verkörperung des Sieges, 

11 



323 



Nike (in der alt. Kunst) 



der sieh als eine Geburt des entscheidenden 
Augenblicks plötzlich und überraschend, in der 
Sprache der Kunst also auf Flügeln, den Men- 
schen naht. — Unsere Denkmäler sind dem- 
nach mit der Überlieferung im besten Einklang, 
dafs die Bildhauerschule von Ohio s den ältesten 
Niketypus geschaffen hat. — Die zweite Frage, 
ob die delische Statue die Nike des Archermos 
ist, d. h. ob sie auf die Basis mit seiner Künstler- 
inschrift gehört (vgl. Treu, Verh. d. 42. Philo!.- 10 Die Figuren haben fast alle aufgebogene Flügel, 



Nike (in d. Vasenmalerei d. 5. Jahrh.) 324 

und in Karlsruhe {Schumacher, Bronzen v. Karls- 
ruhe S. 176, nr. 930) und die vollständige 
Publikation der in Athen befindlichen Klein- 
bronzen bei de Bidder, Bronzes sur l'Acropole 
d'Athenes S. 315f., nr. 799—802, 805 — 814. 
[Abb. 4 nach Äth. MM. 1886 Taf. 11 nr. c], 
endlich ein Exemplar aus dem 5. Jahrh., an 
einem Spiegelgriff, neue Erwerbung des Berliner 
Antiquariums, abg. bei Studniczka Taf. 2, 11. 



Versamml. zu Wien, 1893 S. 324), ist dem gegen' 
über weniger wichtig und kann hier nicht 
erörtert werden. Da die Statue stilistisch in 
die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts gehört, so 
kann das Nikebild des Archermos auf jeden 
Fall nicht wesentlich anders ausgesehen haben. 
Das künstlerische Mittel, mit dem Archermos 
— für seine Zeit jedenfalls in höchst befrie- 
digender Weise — das Fliegen ausdrückte, ist, 



auch dadurch die östliche Herkunft des Typus 
verratend. Die Gewandung ist bei einzelnen, 
und zwar den ältesten, der einfache kurze 
Chiton (de Bidder a. a. 0. nr. 799, 800, 801, 
806), bei den jüngeren Stücken die ionische 
Tracht mit dem schrägen Obergewand. Das 
jüngste Exemplar der athenischen Reihe ist die 
grofse marmorne Nike bei Petersen Taf. 11 C. 
Sie führt uns bis in den Anfang des 5. Jahr- 



wie Petersen, Atlien. Mitth. 11 S. 372 f. erkannt 20 hunderts hinab und bezeichnet nach einer Be 
hat, einfach dies, dafs er die in der Malerei aus- obachtung Studniczkas auch insofern einen 

End- und Wendepunkt, als bei ihr die Flügel 
nicht mehr am Rücken festkleben, sondern im 
Winkel dazu stehen, also Gelenke erhalten 
haben. Auch ist das Laufschema zu einer 
gemäfsigten Schrittstellung gemildert. Weiter 
konnte man auf Grund der Erfindung des Ar- 
chermos nicht kommen. (Vgl. unten Sp. 334.) 
— An die Terracottanike von Olympia schliefsen 
so sich die ältesten elischen Münztypen an (siehe 
unten Sp. 331). Vgl. auch das bei Paus. 5, 17, 3 
genannte altertümliche Nikebild im Heraion, 
das man jetzt nicht mehr mit Milchhöfer (An- 
fänge der Kunst S. 80) „kunsttypisch unbe- 
denklich demjenigen des Archermos voran- 
stellen" wird. Vielmehr ist durch das seit 
jener Zeit hinzugekommene Material deutlich 
geworden, dafs die Ursprünge der Nike- 
typen in der östlichen Hälfte der grie- 
40 chischen Welt zu suchen sind. 

II. 5. Jahrhundert v. Chr. 
1. Vasenbilder. Schon vom Ende des 
6. Jahrhunderts an ist Nike den Vasen- 
malern als eine voll ausgebildete göttliche 
Persönlichkeit vertraut, und zwar tritt im 
strengrotfigurigen Stil die abgeleitete Eigen- 
schaft als Mundschenkin der Götter 
mehr hervor als ihre abstracto Bedeutung. Zu 
Träger machte. Die Flügel Bind vorerst nur so den ältesten derartigen Darstellungen gehören 




4) Bronzefigur auf der athenischen Akropolis 
(nach Athen. Ititt. 1886 Taf. 11 nr. o). 

gebildete Formel für schnelle Bewegung, das 
„Knielaufschema", in die Plastik übertrug, indem 
er das herabhängende Gewand zum materiellen 



Symbole, es wird nicht wirklich Gebrauch von 
ihnen gemacht. Auch konnte der Künstler 
noch nicht erreichen, dafa die Gestalten auf 
den Beschauer zukommen, Sie eilen an ihm 
vorbei und wenden ihm nur, freundlich lächelnd, 
Kopf und Oberkörper zu. Dor neuo Gedanke 
imponierte trotz aller kindlichen Mängel so 
sehr, dafs er mit geringen Vervollkommnungen 
fast über ein Jahrhundert hindurch in Geltung 



die Peliken in Berlin nr. 8166 (abg. Arch. Ztg. 
1876, Taf. 10) und 2167, wo Nike (inschrift- 
lich) in ionischer Gewandung mit der Schale 
und dem von Iris übernommenen Kerykeion 
(vgl. Knapp 8. 17) zwischen den thronenden 
Göttern Zeus und Poseidon steht; ferner Elite 
cdram. 1, 76 a (Nike der Athena einschenkend) 
und Museo Gregor. 2, 21, 1 (Nike in Götter- 
versammlung). Jünger ist die Darstellung 



blieb. Zu dem von Petersen in den Athen. 60 Mon. d. Innt. 6, 68, wo Nike (innerhalb einer 



Mut. 1886 S. 372 f. Taf. 11 gegebenen Mate- 
rial sind aufser der schon genannten delphi- 
schen und olympischen Nike hinzugekommen 
die beiden Marmortorsen Ephetn. arch. 1888 
Sp. 89 f., ferner die Bronzefigürchen im Brit. 
Museum (v. Sybel, Weltgeschichte der Kunst 
S. 113 Fig. 94; eines der ältesten Exemplare, wo 
das Gewand noch nicht als Träger verwendet ist) 



gröfseren Götterversammlung) zu Zeus tritt, ein 
Typus, der im frei entwickelten rotfigurigen 
Stil einen besonders schönen Vertreter auf der 
Münchener Erichthoniosvase hat (Jahn nr. 345. 
Mon. d. Inst. 1, 11; von einem Fälscher modern 
kopiert auf dem Spiegel Gerhard, EPr. Spiegel 
1, 61. Overbeck, Kunstmythol. 1, S. 187, a. 
Atlas Taf. 1, nr. 36), später aber mehr ver- 



325 Nike (in d. Vasenmalerei d. 6. Jahrh.) Nike (Vasenmalerei: Thätigkeiten) 326 



schwindet (ein spätes Beispiel El. ceram. 1, 
23). In gleicher Weise bringt sie der Hera 
den Trank auf Vasen des strengen Stils (El. 
ceram. 1,32; 3, 38 = Gerhard, Auserl. Vasenb. 
1, 50. Gerhard, Trinkschalen und Gefäfse 
1, Taf. D). Durch die gleiche Situation ist sie 
auf der „strengschönen" Vase Gerhard, Auserl. 
Vasenb. 3, 175 mit Poseidon und Dionysos 
verbunden, ebenso mit Apollon auf der Vase 
Gerhard, Ant. Bildw. 1, 50 = El. ceram. 2, 47. 10 
Auch im eleusinischen Mythenkreis waltet sie 
einmal dieses Amtes auf der Schale des Brygos 
Wien. Vorl. 8, 2, wo die von Strube, Eleus. 
Bilderkr. S. 14 vorgeschlagene Deutung des 
beflügelten Mädchens auf Iris wegen der langen 
Gewandung ausgeschlossen bleibt. In dieser 
allgemeinen Bedeutung als Schenkin giefst sie 
auch das Trankopfer vor Zeus auf den Altar 
(El. cer. 1, 14). — Deutlicher tritt ihre Be- 
deutung als Siegesgöttin hervor, wenn sie der 20 
Athena eine Taenie reicht (El. cer. 
1, 68; vgl. auch ebenda 1, 70) oder 
in feierlicher Weise zu Apollon als 
Kitharoden tritt (Gerhard, Ant. 
Bildw. 58, 1. Stackeiberg, Gräber 
Taf. 20 = El. cer. 2, 48. Brit. Mus. 
Cat. 3, E 444. Vgl. Knapp S. 43). 
An ihrer Gruppierung mit Apollon 
ist besonders deutlich zu verfolgen, 
wie sie etwa seit der Mitte des 
5. Jahrhunderts aus einer den Göt- 
tern an Wuchs gleichen Gestalt zu 
dem attributiven Wesen wird, das 
in kleinerer Figur aus den Lüften 
auf die Sieger herabschwebt. So 
erscheint sie auf jüngeren Vasen 
neben dem leierspielenden Apollon 
bei Darstellungen seines Sieges über 
Marsyas (Ephem. arch. 1886, taf. 1. 
El. cer. 2, 65, spätattisch; mehr 
bei Knapp S. 44). 

Als Siegesgöttin im eigent- 
lichen Sinne findet sie sich zuerst 
bei einem gewappneten Krieger auf 
dem Innenbild der Durisschale 
Berlin 2283 (abg. Arch. Zig 1883, 
Taf. 1), dann auf einer Vase „streng- 
schönen" Stils bei Gerhard, Auserl. Vasenbilder 
3, 151 (= El. cer. 1, 85) bei dem neu- 
geborenen Erichthonios; bei troischen Kämpfen 50 
(Overbeck, Seroengallerie Taf. 28 nr. 8. Millingen, 
Anc. uned. monum. 22. Inghirami, Vasi fitt. 1,9); 
auf einer Vase freien Stils bei der Ableistung 
des Ephebeneides (Ann. 1868, Taf. J); einem 
Palaestriten gegenüber auf der Schale des 
Hegias (Stackeiberg, Gräber der Hellenen Tat. 25), 
hier überall noch in voller Gestalt. Mit dem 
Beginn des freien rotfigurigen Stils \jird sie dann 
in ausgedehnteren Darstellungen als kleiner 
gebildetes Wesen formelhaft Göttern und 60 
Helden im Kampf und in der Buhe beigegeben, 
was hier im einzelnen nicht weiter verfolgt wer- 
den kann. Vgl. Knapp 8. 30f. Kieseritzky S. 8f. 
Ein Übergang zu dieser verkleinerten Bildung 
der Nike findet sich auf der strengschönen Vase 
El. cer. 1, 64 — 65, wo sie bei der Athenageburt 
zwar noch zwischen den übrigen Zuschauern 
»teht, aber in kleinerer Gestalt. — Da Nike 



den Sieg in jeder Beziehung symbolisiert, so 
tritt sie ebensogut wie zu Göttern, Helden 
und agonistischen Kämpfern jeder Art auch zu 
denen, die durch Geist and Geschicklichkeit 
über ihre Mitbewerber siegen, also zu fleifsigen 
Jünglingen (Mon. d. Inst. 1, 5, 4) und zu ge- 
schickten Handwerkern (Ann. d. Inst. 1876, Tav. 
DE = Baumeister, Dkm. S. 1992 Fig. 2137). — 
Über die symbolische Andeutung der Sieg- 
haftigkeit durch ihre blofse Gegenwart oder 
das Darbringen von Siegeszeichen hinaus er- 
streckt sich ihre Thätigkeit aber, wenn sie 
einerseits vor dem Kampfe oder dem Wettstreite 
bei den Vorbereitungen behilflich ist, 
also den Helm darreicht (Ann. 1844, Tav. C. 
Kieseritzky S. 13, nr. 9 f.) oder die Kithar her- 
beibringt (El. cer. 1, 98. 99), und wenn sie 
andererseits alles das vollzieht, was nach er- 
rungenem Siege geboten ist, also die Sieges- 
zeichen aufzustellen und den Göttern durch 




5) Nike am Tropaion. Rotfiguriges Vasenbild (nach El. cer. 1, 94). 



Opfer zu danken. Das erstere geschieht, falls 
es sich um ernsten Kampf gehandelt hat, durch 
Errichtung eines Tropaions, so auf einem Bild 
etwa aus der Mitte des 5. Jahrhunderts (El. 
cer. 1, 94; danach Abb. 5), wo Nike die In- 
schrift auf dem Helm eines fertigen Tropaions 
anbringt. Das Motiv der Tropaionerrichtung 
kehrt auf Reliefs von Statuenbasen (Friederichs- 
Wolters, Berl.Gipsabg.ia. 1184. 1185) und an der 
Nikebalustrade ähnlich wieder, erfährt aber erst 
seit dem 4. Jahrh. eine weitere Verbreitung. Bei 
musischem Siege errichtet oder schmückt sie 
den gewonnenen Dreifufs (Arch. Zeitung 1867, 
Taf. 226. El. ceram. 1, 91). Spezialisiert auf 
ein bestimmtes Ereignis ist der Sieg, wenn sie 
ein Aplustre in der Hand hält, wie auf der 
Vase Berlin nr. 2211 (El. ciram. 1, 96), eine 
Darstellung, bei der man wegen der monumen- 
talen Haltung der Göttin mit Recht an ein 
statuarisches Vorbild gedacht hat (Knapp S. 26. 
Loeschcke, Arch. Zeitung 1884, S. 96, Anm. 8). 

11* 



327 Nike (Vasenmalerei: Thätigkeiten) Nike (Vasenmal.: Thätigkeit., Zweizahl) 328 

Eine Statue mit Schiffsakroterion in der Hand, S. 256), aber hier ist die Deutung auf Eos die 
also wohl eine Nike, hatten die Athener nach wahrscheinlichere, um so mehr, als auf der Vade 
der Bchlacht bei Salamis nach Delphi geweiht Gerhard, Auserl. Vasenb. 2, 79 eine Flügelfrau 
(Herodot 8, 121). Zu vergleichen sind ferner auf Viergespann, die noch dazu an einem Drei- 
eine Münze von Elis, Brit. Mus. Cat. of Greek fufs vorbeifährt, inschriftlich Eos genannt wird 
Coins, Peloponnesos Taf. 10, 16 ; das Relief im (vgl. auch Knapp S. 66). Erst in der zweiten 
Louvre Gerhard, Ges. akad. Abh. Taf. 23, 3. Hälfte des 6. Jahrhunderts kommt Nike allein 
Benndorf, Kultbild der Athena Nike S. 39. zu Wagen — ein in späterer Zeit sehr be- 
Furtwängler , Meisterwerke S. 202, Anm. 2; liebtes Motiv — mehrfach vor: auf dem Väschen 
Reliefs in Athen, Schöne, Griech. Reliefs Taf. 23 10 Berlin 2661 (abg. Stackeiberg, Gräber Taf. 17, 1 
nr. 97. 99. und El. ciram. 1, Taf. 97), auf einer Glaspaste 

Sehr ausgedehnt sind aber vor allem die Funk- in Berlin (Furtwängler, Beschr. der getchnitt. 
tionen der Nike als Opferdienerin. Nament- Steine Taf. 6, nr. 324), als goldener Ohrschmuck 
lieh im strengschönen Stil und in der ersten Zeit (Froehner, La Coli. Tyskiewicz Taf. 1, 2); auch 
des freien Stils sind die Beispiele zahlreich, das Marmorrelief in Madrid (Hübner nr. 559. 
wo sie mit Kanne, Schale, Opferkorb, Fackel, Ann. d. Inst. 1862, Tav. G): Nike in langer Ge- 
Thymiaterion oder Eranz einem Altar naht wandung ein Gespann besteigend, geht auf ein 
(Kieseritzky S. 14. Knapp S. 47. Stephani, Aus- Vorbild aus dem 5. Jahrhundert zurück. Vgl. 
ruhender Herakles S. 258. Athen. Mut. 1880, auch die fahrenden Niken auf der Reliefvase 
Taf. 14), am Siegesdreifufs die Spende ausgiefst 20 des Xenophantos (Antiqu. du Bosphore Cimer. 
(Daremberg-Saglio,IHctionn. IS. 1118 Fig. 1422), Taf. 46). Besonders interessant für die Frage, 
Wasser zum Opfer holt (Benndorf, Griech. u. wann Nike zuerst als Wagenlenkerin dargestellt 
sizil. Vasenb. Taf. 23, 2; Nike als Hydrophore wird, ist die oben Bd. 1 Sp. 2240 von Furt- 
auch in Terracottastatuetten Panofka, Berliner wängler zusammengestellte Serie von rotfiguri- 
Terracotten Taf. 12), den Opferstier tränkt gen Vasen mit der Auffahrt des Herakles 
(Gerhard, Auserl. Vasenb. 1, 81) oder ihn her- in den Olymp; denn auf dem ältesten Exem- 
beiführt (Inghirami, Vasi fitt. 4, 361. 363), oder plar (Mon. d. Inst. 4, 41) führt noch Athena die 
endlich ausführlicher dargestellte Opferhand- Zügel, während auf zwei jüngeren Vasen Nike 
lungen durch ihre Anwesenheit als Siegesopfer an ihre Stelle tritt (Gerhard, Ant. Bildw. 
kennzeichnet (Gerhard, Auserl. Vasenb. 3, 155. so Taf. 311, attisch, vom Ende des 5. Jahrhunderts; 
Inghirami, Vasi fitt. 1, 17. Opfer der Fackel- Bull. Napol. N. S. 3, 1855, Taf. 14, apulisch); 
läufer Antiqu. du Bosph. Cimer. Taf. 63, 5. auf einer noch jüngeren Reihe wechselt Nike 
Froehner, La Coli. Tyskiewicz Taf. 35. Inghi- mit Iolaos im Lenkeramt. Parodiert, wahr- 
rami, Vasi fitt. 4, 363). Ganz an Stelle des scheinlich unter dem Einflufs der Bühne, ist 
Siegers tritt sie, wenn sie, in der einen Hand die Scene auf dem aus der Kyrenaika stammen- 
eine Leier, mit der anderen selbst die Spende den attischen Väschen Monuments grecques 1876, 
ausgiefst (Benndorf, Griech. und sis. Vasenb. Taf. 3. — Bei Inghirami, Vasi fitt. 3, 223 = 
Taf. 47, 1). — [Auf der weissgrundigen Leky- Miliin, Peint. div. 1, 24 lenkt Nike den Wagen 
thos aus Eretria Journ. of hell. stud. 15, 1895 eines Apobaten. — Auch auf Münzen erscheint 
Taf. 15, wo ein geflügeltes Mädchen mit einem 40 Nike nicht vor dem Ende des 5. Jahrhunderts zu 
Opferkorb zu einer Grabstele tritt, ist nach Wagen: Münzen von Kyrene Head, hist. num. 
einer Mitteilung Furtwänglers , der die Vase S. 729. Gardner, Types 9, 35. Goldmünze von 
genau untersucht hat, von moderner Hand Gela kurz vor 405 v. Chr., Head, Guide to the 
eine gewöhnliche Mädchengestalt zur Nike ge- coins ofBrit. Mus. 16, 24. Von Agrigent ebenda 
macht worden.] 16, 66. Gardner, Types 6, 28. In Syrakus erst 

Hilfreich im Kampf ist Nike nicht, mit im 3. Jahrhundert, Head, hist. num. Sp. 160f. — 

der einen Ausnahme, dafs sie im Giganten- Über Nike im Kreise schöner Frauen und bei 

kämpf den Wagen des Zeus lenkt; doch Aphrodite, sowie bei Dionysos s. oben Sp. 309. 

findet sich dies erst auf jüngeren Vasen Nike erscheint auf Vasen öfters in der 
(Wiener Vorlegeblätter 8, 7. Bull. Napolet. 50 Zweizahl (Knapp S. 37), eine aus rein künst- 

2 (1844), Taf. 6). lerischen Gründen geschehene Verdoppelung, 

Die früheste gesicherte Darstellung der die vielleicht durch die monumentale Kunst 
Nike als Wagenlenkerin dürfte die angeregt worden ist, wo Phidias, anscheinend 
Gruppe des Pythagoras in Olympia sein, die den als der erste, am Throne des olympischen Zeus 
Kyrenäer Kratisthenes und Nike auf einem einen ganzen Choros von Niken darstellte. 
Gespann darstellte, dessen Zügel ohne Zweifel (Vgl. oben Sp. 308 und unten Sp. 338). 
Nike führte (.Patts. 6, 18, 1). Da hierin ein Es ist schon oben darauf hingewiesen wor- 
neuer Gedanke liegt, der sich zwar schon bei den, dafs Nike im strengen Stil an Gröfse den 
Simonides findet (oben Sp. 307), dessen künst- übrigen Personen gleich ist und stehend oder 
lerische Verwertung man aber auf einen be- 60 schreitend dargestellt wird. Erst im ent- 
deutenden Künstler wird zurückführen dürfen, wickelten rotfigurigen Stil wird sie auch 
so liegt es nahe, zu vermuten, dafs in der That schwebend und fliegend gebildet (vgl. 
Pythagoras ihn zuerst in die bildende Kunst auch das Fragment auf dem gemalten Schild 
eingeführt hat. Die Denkmäler widersprechen Jahrbuch 1897 S. lff.). Eines der ältesten Bei- 
dem nicht. Zwar findet sich schon auf spiele auf Vasen scheint mir El. ciram. 1, 93 
archaischen Bronzeblechen eine Flügelfrau auf (danach Abbildung 6) zu sein, wo sie mit 
dem Viergespann (Carapanos, Dodone Taf. 19, 1. Thymiaterion und Schale auf einen Altar zu- 
Journ. of hell. stud. 13, 1892—93, Taf. 9. 10, 2. schwebt, den Oberkörper in Vorderansicht, die 



329 Nike (Vasenmalerei: fliegend) 

etwas eingeknickten Beine in Profilstellung. 
Von gleichem Typus, aber feiner ausgeführt 
ist P. Gardner, _ V. in the Ashmolean Museum 
Taf. 23 nr. 312. Ähnlich, aber etwas freier ist die 
Aufgabe gelöst auf der Vase bei Benndorf, Griech. 
u. sizü. Vasenb. 47, 1. Doch hat man schon sehr 
bald die für die Malerei leichteste Lösung des 
Problems durch reine Profil Stellung des etwas 
vornüber geneigten Körpers bei rückwärts ge- 
streckten .Unterschenkeln gefunden (Benndorf, 
ebenda 47, 2. Mus. Greg. 2, 60, 3 u. a.), und 
alle späteren Bilder variieren nur durch steilere 
oder wagerechtere Haltung des Körpers. Als 
ein Beispiel für viele vgl. Abb. 7, nach El. 
ceram. 1, Taf. 91; weggelassen ist der rechts 
stehende Dreifufs, den Nike zu schmücken 
im Begriff ist). Nur vereinzelt wird, wie in 
archaischer Zeit, die Vorwärtsbewegung auch 
noch durch ein Schreiten der Beine verdeut- 
licht (El. ceram. 1, 99. Mus. Greg. 2, 25, 2). 




Nike (Vasenmalerei: Tracht) 330 

für den Schöpfer des ältesten malerischen 
Niketypus einen anderen Namen, und zwar 
aus jüngerer Zeit, zu nennen weifs als für den 
des plastischen, nämlich den Aglaophon von 
T h a s o s (vgl. oben S. 316). Dafs wir seine Nach- 
wirkungen auf den Vasen zu erkennen hätten, 
läfst sich zwar nicht über den Grad einer 
Vermutung hinausführen, ißt aber chronologisch 
gut möglich. 

10 Die Tracht der Nike ist im älteren rot- 
figurigen Stil der dort überhaupt herrschende 
vielfaltige ionische Chiton mit dem kunst- 
voll gesteckten Himation darüber; etwa um 
die Mitte des 5. Jahrhunderts tritt an seine 
Stelle der einfache dorische Peplos, anfangs 
gegürtet (besonders schön Gerhard, Ant. Bildw. 
Taf. 49), später auch lose, doch ist es selten 
das offene lakonische Mädchengewand, das den 
Kontur des Kückens sichtbar werden läfst (El. 

20 ceram. 1,91. [Abb. 7.] Inghirami, Vasifitt. 3,290). 

»II IS * 



6) Nike als Opfergöttin. Kotfiguriges Yasenbild 
(nach El. cer. 1, 98). 




7) Rotfigurigea Vasenbild (nach. El. cer. 1, 91). 



Hand in Hand mit der Darstellung des Fliegens 
geht dann die verkleinerte Bildung der Nike, 
die ja erst durch jene künstlerisch möglich 
und gerechtfertigt ist. Während der alter- 
tümlichen Lösung des Flugproblems die Vor- 
stellung des schnellen Laufens durch die Luft 
zu Grunde lag, wird nach den Beobachtungen 
von Sigism. Exner, Die Physiologie d Fliegens u. 
Schwebens, Vortrag, Wien 1882 (unabhängig 
von ihm auch Studniczha, Siegesgöttin, Neue 
Jahrbücher für Philologie 1898, I, Heft 7) 
bei Darstellungen der entwickelten Kunst 
die Vorstellung des Fliegens im wesentlichen 
erweckt durch die Verwertung von Erinne- 
rungen, die wir an das Schwimmen haben. 
Der Körper schwebt als habe er nahezu die- 
selbe Schwere wie die umgebende Luft. — 
Das Nike-Ideal der Vasenmaler hat, wie wir 
sehen, mit den altertümlichen plastischen Dar- 
stellungen keinerlei Zusammenhang. Damit 
stimmt aufs beste, dafs uns die Überlieferung 



Eine teilweise Entblöfsung des Körpers findet 
sich erst auf unteritalischen Vasen ( Welcher, Alte 

50 Dkm. 3, Taf. 20. Miliin, Peint. de vases 1, 43). 
Der Chiton der Nike reicht immer auf die Füfse 
herab, das kurze Gewand wird der Iris vor- 
behalten. Über Verwechselungen von Iris und 
Nike, die bei den gleichartigen Attributen der 
Kanne und des Kerykeions nahe liegen, s. o. 
Bd. 2 Sp. 354. — Die Haartracht, in älterer 
Zeit feierlicher mit Stephane (Mus. Greg. 2, 
21, la. El. ceram. 1, 76 a. Gerhard, Auserl. 
Vasenb. 3, 151) oder Haube (Gerhard, Ant. 

60 Bildw. 50), folgt dem Wechsel der Mode. Das 
Haar wird später entweder mit Binden um- 
wunden oder ist in einen Knoten geschlungen 
oder fällt frei herab (Knapp S. 93). — Die 
Attribute der Nike sind Schale und Kanne 
als Abzeichen der Schenkin und Opferdienerin; 
das Kerykeion trägt sie (nur im strengen Stil) 
als Botin, die den Willen der siegverleihenden 
Götter ausführt, ferner die Taenie als das 



331 Nike (Vasenmalerei: Attribute) 

eigentliche Siegeszeichen, zu dem der Kranz 
erst etwa um die Mitte des 5. Jahrhunderts 
der attischen Vasenmalerei hinzukommt, 



Nike (Münzen des 6. Jahrb..) 332 

zeigen die Nike, Kranz und Taenie in den 
Händen, mit ausgebreiteten Flügeln laufend, 
also ganz im Schema der Flügelmadchen auf 
der athenischen Akropolis (s. oben Sp. 821), 
was noch bis in die Mitte 
des Jahrhunderts beibehal- 
ten wird (Head, Guide 
Taf. 14, 27. Gardner, Types 
3, 14; danach Abb. 8). Es 




8) Silbermünze von 

Elia (nach Gardner, 

Typet 8, 14). 



aber seltener bleibt (eines der ältesten Bei 
spiele scheint Benndorf, Griechische u. sizil. 
Vasenbilder Taf. 48, 1; schönen Stils ist 
Boulez, Vases de Leyde Taf. 1 : Nike den Zeus 
kränzend, ein im 5. Jahrhundert seltenes Motiv). 
Von Opfergeräten hat sie aufser Kanne und 

Schale den Korb, das Thymiaterion, die Hydria, 10 sind die direkten Nach 
endlich die Fackel, die, auch wo kein unmittel- kommen der Nike des Ar 
barer Bezug auf eine Opferhandlung ange- 
deutet ist (Benndorf, Griech. u. siz. Vasenb. 
Taf. 19, 3), schwerlich mehr als ein vom Opfer- 
dienst herübergenommenes Gerät sein wird 

(anders Knapp S. 20). Vereinzelt bleiben Stab, 

Szepter, Aplustre (s. oben Sp. 326, 61 und P. 

Gardner, Vases in the Ashmolean Museum Taf . 1 5). 

Das Attribut, das später das wichtigste wird, 

der Palm zweig, tritt nicht vor dem Beginne 20 

des 4. Jahrhunderts auf, etwa in derselben Zeit, 

aus der wir von einem Athleten des Eupompos 

mit der Palme in der Hand wissen (Plin. 35, 75. 

Milchhöfer, Ärchäol. Studien, H. Brunn darge- 
bracht, S. 62). Das älteste Beispiel scheint die 

unteritalische Vase Gompte rendu 1862, Taf. 6, 3 

(Nike, einen grofsen Palmzweig im Schofs, sitzt 

über der Szene von Heras Befreiung durch 

Hephäst), andere Beispiele Gerhard, Änt. Bildw. ») Münze von Syrakus 10) Münze von Himera 

43 Miliin, Teint, de vases 1, 24. Catalogo Jatta 30 ( nach Ordner, Type, 2, 10). (nach Gardner, Types 2, 35). 

1050. Auch auf einem eigenartigen Münztypus 



chermos, nur dafs, den Be- 
dingungen des Münzbildes 
entsprechend, der Kopf in 
Profilstellung gerückt wird, 
während die Brust in Vor- 
deransicht bleibt. Der Typus hat seine Wir- 
kungen aber noch weiter nach Westen erstreckt, 





von Elis {Gardner, Types 8, 4; nach Gardner, 

Numism. Ohron. N. S. 19, 1879, S. 240 aus dem 

Anfang des 4.. Jahrhunderts) hat die auf einem 

Bema sitzende Nike einen langen Palmwedel. 

Dafs die Palme im Verlauf des 4. Jahrhunderts 

zum gewöhnlichen Siegesabzeichen wird, zeigen 

die panathenäischen Preisamphoren Mon. d. Inst. 

10, 48c, 2, wo Nike, und Mon. 10, 48,f 5; g 10; 11; 

12; 48 h, 14, wo Athleten und Paidotriben lange 40 2, 19, Abb. 9) eilt 

Palm wedel tragen. Wo der Palme zuerst diese Nike in ganz ana- 

Bedeutung beigelegt wurde, ist nicht ganz 

aufgeklärt. Pausanias (8, 48, 1) erwähnt in 

Tegea das Reliefbild des mythischen Arkaders 

Iasos, dem Herakles in Olympia die Palme 

gegeben haben soll; gleich darauf leitet er 

den Brauch von der delischen Palme und den 

Spielen des Theseus zu Ehren Apollons her. 

Wahrscheinlicher ist, dafs der Gebrauch von 

Nemea stammt (Hehn, Kulturpflanzen*, S. 221 ; 50 all der alte lau 

die Nemea des Nikias trägt einen Palmzweig fende Typus von 

Plin. 35, 27). 293 v. Chr. wurde die Palme 

als Siegeszeichen in Rom eingeführt „translato 

e Graecia mort" (Liv. 10, 47). 

2. Münzen. Imhoof- Blumer in Hubers 
Numism. Zeitschr. 1871, S. 8 f. hat durch Zu- 
sammenstellung des Materials nachgewiesen, 
dafs Nike im 5. Jahrh. Bich vorwiegend auf 
Münzen des griechischen Westens findet 
und zwar auf dem Gelde von Elis und dem der 60 pafaten Weise in 
sizilischen Städte. Die Typen sind zuerst kunst- horizontaler Stel- 
geschiehtlich verwertet worden von Petersen, 
Athen. Mitth. 1886 S. 392 f., mit Litteratur- 
angaben. Über die Münzen von Mallos in Kilikien 
(mit Iris, nicht Nike) siehe oben Bd. 2 Sp. 353. 
Die ältesten elischen Typen vom Anfang des 
5. Jahrhunderts (Gardner, Types Taf. 3, 14. 
Head, Guide Taf. 14, 28. Hist. num. S. 353) 



denn die frühesten sizilischen Nikelypen hängen, 
wie Imhoof-Blumer a. a. 0. S. 22 f. es auch histo- 
risch begründet, 



von den elischen 
Bildern ab. Auf 
den syrakusani- 
schen Münzen 
(Gardner, Types 



loger Haltung 
über dem sieg- 
reichen Gespanne 
hin (ähnlich in 
Messana, Gardner 
a. a. 0. 2, 37), 
während sie spä- 
ter,nachdem über- 



dem freien male- 
rischem Schema 
des Schwimmens 
oder Schwebens 
in der Luft abge- 
löst worden ist, 
in einer demMünz- 
rund mehr ange- 




il) Marmorstatue. Athen, Akro- 
polis (nach Studniczka Taf. H 
Kg. 10). 



lung über dem 
Lenker und zwar 
meistens auf ihn 
zufliegt (Head, 
Hist. num. S. 153—155). Vgl. die Münze von 
Himera Abb. 10. Der etwas freiere Typus 
von Katania (Gardner, Types 2, 19) ist eben- 



333 Nike (Münzen des 5. u. 4. Jahrh.) 

falls deutlich von dem jüngeren elischen 
Typus (Head, Guide Taf. 14, 29) abhängig. 
— Himera prägt um die Mitte des 5. Jahr- 
hunderts eine stehende Nike mit Aplustre in 
der Hand, also in Beziehung auf einen See- 
sieg (Gardner, Types 2, 21). — Gegen Ende 
des 5. Jahrhunderts beginnen die Darstellungen 
der das Gespann selbst lenkenden Nike (oben 




Nike (Plastik des 5. Jahrh.) 334 

zweistufigen Bema sitzt und einen Palmzweig 
im Arme hält. Sie ist ganz offenbar von einem 
statuarischen Typus abhängig, der uns in der 
„Barberinischen Schutzflehenden" erhalten ist 
(Kalkmann, Bonner Studien, B. Kekule ge- 
widmet, S. 38f.), sodafs wir schliefsen dürfen, 
dafs das Original in Olympia oder Elis stand. 
Doch hat der Stempelschneider das Vorbild 
nur benutzt, nicht kopiert, sodafs keine Rück- 
10 Schlüsse auf die Bedeutung des Originals ge- 
macht werden können. 

3. Plastische Darstellungen. Das 
jüngste und gröfste der marmornen Nikebilder 
der athenischen Akropolis (Petersen, Athen. Mitt. 




12) Nike von ParoB. 
Nach OriginalphotograpMe gezeichnet. 



60 



Sp. 328, 39), ein Bild der Sieghaftigkeit in allge- 
meinerem Sinne, während die ältere Serie mit 
dem siegreichen Wagenlenker einen unmittel- 
baren Bezug auf die Rennbahnsiege der sizili- 
schen Herrscher in den griechischen National- 
spielen hat. — Elis prägt im Anfang des 4. Jahr- 
hunderts (ob. Sp.308,17; 331,31) das künstlerisch 
hervorragende Bild einer Nike, die auf einem 



13) Marmorstatue. Koro, Conservatorenpalast 
(nach Studniczka Taf. IV Tig. 22). 



1886 Taf. 11 C [Abb. 11]), das schon in den An- 
fang des 5. Jahrh. gehört, ist zugleich das letzte 
Beispiel der altertümlichen Ausdrucksweise des 
Fliegens durch weites Ausschreiten der Beine 
in Profilstellung (oben Sp. 324). Neue, wenn 
auch noch schüchterne Versuche, das Problem 
des Fliegens plastisch zu bewältigen, werden 
in der Zeit des strengen Stils gemacht. Wir 
sind so glücklich, zwei griechische Originale 
zu besitzen, von denen das eine uns wieder in 
das ionische Kunstgebiet führt. Es ist eine 
etwas unterlebensgrofse marmorne Nike auf 
Paros, bespr. und abg. von Löwy, Arch.-epigr. 



335 Nike (von Paros; im Pal. d. Conserv.) 

Mut. aus Österr. 11, 1887, S. 162, Fig. 16 
(Seitenansicht) und Taf. 6, 1 (Abb. 12 nach 
einer Photographie des Athen. Instituts). Vgl. 
Furtwängler, Arch. Studien, R. Brunn dar- 
gebracht S. 79. Der an der rechten Seite offene 
Chiton wird von der gesenkten Hand zusammen- 
. gehalten, die hoch erhobene Linke hielt das 
Siegeszeichen. Der linke Fufs haftet an der nicht 
näher charakterisierten Unterlage, während das 
rechteBein nach vorne frei in die Luft heraustritt. 
Das Anschmiegen des Gewandes an die Beine 
vervollständigt den Eindruck der Fortbewegung, 
die allerdings weniger ein Fliegen, als ein 

Dahinwandeln 
durch die Luft 
ist. Die Haupt- 
sache ist, dafs 
hier das Prin- 
zip der seit- 
lichen Bewe- 
gung endgiltig 
aufgegeben und 
durch die Rich- 
tung auf den 
Beschauer zu 
ersetzt ist, dafs 
ferner nur das 
eine Bein sich 
von der tragen- 
den Masse los- 
löst, während 
das andere mit- 
samt dem Ge- 
wände den nöti- 
gen Halt giebt, 
und dafs end- 
lich der linke 
Arm, hoch er- 
hoben und ver- 
mutlich etwas 
nach vorne ge- 
streckt, denEin- 
druck der Vor- 
wärtsbewegung 
verstärkt; das 
sind aber die 
jenigen Ele- 
mente, aus de- 
nen später Pai- 
onios die kühne 
Bewegung sei- 
ner Nike auf- 
baut. 
Ebenfalls aus 
der ersten 
Hälfte des 5. 
Jahrh. haben wir eine etwas zahmere, aber, wie 
wir sehen werden, für die attische Kunst bedeut- 
same LöBung der Aufgabe in der Nike im 
Konservatorenpalast zu Rom (Abbild. 13. 
Beibig, Fuhrer 1 nr. 689. Brunn- Bruckmann, 
Dkm. Taf. 263. Bull. com. 15, 1886, S. 51. Furt- 
wängler, Arch. Studien, M. Brunn dargebracht 
S. 81). Sie ist aus grobkörnigem parischen 
Marmor und ohne Zweifel ein griechisches Ori- 
ginal. Ihre Bewegung kann nicht, wie Selbig 
meint, als ein Abstofsen nach oben, sondern nur 
als das Auftreffen auf den Boden beim Herab- 




14) Bronzefigur in Neapel 

(nach Studniczia Taf. IV Mg. 23) 

[Flügel waren eingesetzt; die 

Weltkugel römische Zuthat.] 



Nike (b. d. Athena Parthenos) 336 

schweben aufgefafst werden. Die Füfse sind nach 
unten gestreckt, um den ersten Halt zu suchen; 
der Überschlag des Chitons, den sie mit beiden 
Händen gefafst hält, bauscht sich durch den 
Luftzug ein wenig nach oben; der Hauptein- 
druck des Schwedens mufs aber doch durch 
die verlorenen Flügel bewirkt worden sein. 
Die strengen Steilfalten um die Beine und die 
Behandlung der Falten des Überschlags er- 

10 innern an die Frauentypen, wie sie um diese 
Zeit in den peloponnesischen Kunstschulen 
üblich sind. — Eine ähnliche, etwas fortge- 
schrittene Nikebildung ist der in einer römischen 
BronzeBtatuette erhaltene Typus Museo Borb. 
3, Taf. 26 [Abbildung 14], der im Stil den 
Herculanensischen Tänzerinnen nahe steht. 
Dafs er auch auf Attika eingewirkt hat, 
zeigt die attische Terracotte bei Dumont- 
Chaplain, Les Ceram. de la Grece propre 2, 

20 Taf. 9, 1, zeigt vor allem aber die Lösung, wie 
sie Phidias an seiner Nike auf der Hand der 
Athena Parthe- 
nos gab (Abb. 15: 
Zeichnung nach 
dem Abguss der 
Kopie vom Varva- 
kion). Hier beruht, 
bei den geschlos- 
senen Füfsen und 

80 angelegten Ober- 
armen, der Ein- 
druck des Schwe- 
bens ausschliefs- 
lich auf der Vorn- 
überneigung der 
Längsachse des 
Körpers, indem die 
Gestalt sich gleich- 
zeitig durch eine 

40 Viertelswendung 
dem Beschauer un- 
mittelbar zuwen- 
det. Sie ist voll be- 
kleidet und hat um 
die Hüften einen 
eigenartigen Um- 
wurf. Sie trug eine 

lange Taenie, deren Enden bei der Varvakion- 
statuette in denHänden erhalten sind (nicht einen 

50 Kranz). Unten am Gewand ist nach Mitteilung 
Zahns eine Bruchstelle erkennbar (in Abb. 15 
nicht angegeben), wo ehemals die Taenie anlag. 
[Ein wulstiger Gegenstand, der sich an den 
Abgüssen und auf älteren Photographien hier 
findet, ist das Stück eines früher hier willkür- 
lich angebracht gewesenen Fingers.] Das 
Original hatte auf dem Haupte einen goldenen 
Kranz, der leicht abnehmbar gewesen sein mufs, 
da er allein von allen Teilen des grofsen Gold- 

60 elfenbeinbildes in den Übergabsurkunden auf- 
geführt wird (zuerst 428/27, C. I. A. 1,149,8; 
bisweilen werden nur einzelne Blätter verzeichnet 
C. I. A. 2, 645, 646, 656, 668, 676 ; der ganze Kranz 
C. I. A. 2, 649, 660, 674, 729, zuletzt im Jahre 
321/20, C. I. A. 2, 719; vgl. Michaelis, Parthenon 
S. 291). Auf den Reliefs, welche die Parthenos 
kopieren, schwebt die Nike bisweilen in schräger 
Haltung auf eine vor der Göttin stehende Per- 




15) Nike auf der Hand der 
Athena Parthenos. 



337 Nike (Kolossalstatue d. 5. Jahih.) 

son zu (Berliner Skulpturen nr. 881. Schöne, 
Griech. Reliefs Taf. 19, nr. 85). — Nike in 
anderem Sinne die Verbindung zwischen zwei 
Personen herstellend auf dem schönen attischen 
Relief Arch. Ztg. 1869, Taf. 24, 1 (Friederichs- 
Wolters nr. 1188), wo sie den Herakles mit 
Hebe als dem Preis seiner Mühen vereinigt. 

Aus der 2. Hälfte des 5. Jahrh. ist der Typus 
einer überlebensgrofsenNike in vier römi- 
schen Kopieen erhalten(Reinach, Repert. H, 807,3. 
Berliner Skulpt. nr.226— 228; nr.227 = Abb.16). 
Der mit einem Diadem geschmückte Kopf von 



Nike (b. Zeus d. Phidias) 



338 




16) Grofse marmorne Nike in Berlin. 
(Nach Photographie). 

nr.227 (nach dem Katalog wahrscheinlich zuge- 
hörig, vgl. Abb. 16) fügt sich gut zu einer An- 
setzung ins 6. Jahrh. ; mit ihm eng verwandt ist 
das kleine Köpfchen bei Kekule, Hebe Taf. 2, 
Friederichs- Wolters nr. 1274, Baumeister, Denk- 
mäler 1 S. 629 Fig. 699, sodafs die Deutung 
auf Nike statt auf Hebe dafür nahe gelegt 
wird. Diese Niken tragen Kreuzbänder über die 
Brust, wie sie auch an der Nikebalustrade 
wiederkehren (Kekule, Balustrade Taf. 3, H. J. ; 
vgl. auch die Kreuzbänder der Nike der schön- 
rotfig. Vase Journ. hell. stud. 9, Taf. 2), also 



keineswegs erst im 4. Jahrhundert vorkommen 
(Berliner Skulpturen zu nr. 226). In Haltung 
und Bekleidung steht dieser Niketypus in funda- 
mentalem Gegensatz zur Nike des Paionios, 
ist dagegen dem Bilde auf der Hand der 
Parthenos aufs engste verwandt, nicht nur in 
der Gesamtanlage, sondern auch durch den 
Umwurf um die Hüften. Nun haben die 
Athener 425 v. Chr. nach dem Siege von 

10 Sphakteria ein ayai.(ia %aXxovv der 
Nike auf der Akropolis errichtet (Paus. 4, 
36, 6), das doch vermutlich ein Weihgeschenk 
von ansehnlicher Gröfse war. Es ist möglich, 
dafs die genannten Statuen Kopieen dieses 
Bildes sind, wenn man auch ohne diese Kom- 
bination ihr Urbild vielleicht lieber etwas 
früher ansetzen möchte, sowohl wegen der 
gebundenen Anordnung des Ganzen als wegen 
der strengen Haarbehandlung bei nr. 227. 

20 Von der Nike im Ostgiebel des Parthenon 
bei der neugeborenen Athena ist nichts zu 
sagen, seit die Beziehung des Madrider Pnteals 
zu dem Giebel wieder unsicher geworden ist 
(Furtwängler, Intermezzi S. 23). Sicher keine 
Nike, sondern Iris ist wegen der kurzen Ge- 
wandung das geflügelte Mädchen J (Michaelis, 
Parthenon Taf. 6, nr. 14, J. Friederichs- Wolters 
nr. 540); der Torso gehört in den Westgiebel, 
denn er ist sicher identisch mit der Gestalt 

30 neben der Lenkerin von Poseidons Gespann, 
da in Carrey's Zeichnung das entblöfste Knie 
völlig deutlich ist (die Flügel brauchten nicht 
in voller Gröfse ausgearbeitet zu sein, sondern 
konnten an Giebelwand und -decke abschneiden). 
Vgl. Trendelenburg, Arch. Ztg. 1880 S. 131 f. 
Furtwängler, Meisterwerke S. 22 S f. — Die 
Nike auf der Hand von Phidias' Zeus 
in Olympia ist auf den Münzen dem Gotte zu- 
gewandt, dem sie eine Taenie entgegenstreckt 

» (Imhoof u. Gardner, N. Gomm. on Paus. Joum. 
hell. stud. 1886, Taf. 66, P, 20-21; nach Paus. 
5, 11, 1 trug sie auf dem Haupte einen Kranz). 
Da jedoch auch auf den Münzbildern, die die 
Parthenos kopieren, die Stellung der Nike in 
diesem Sinne geändert wird, so bleibt es zweifel- 
haft, ob dieser Zug dem Originale eigen war. 
Sonst wäre er, bei der lebhafteren Bewegung, 
die daraus resultiert, mit als Beweis zu ver- 
wenden, dafs der Zeus später als die Parthenos 

50 geschaffen worden ist. — Am Throne des 
Zeus war eine Schar von Niken zoQgvovamv 
xaQS%6fiBvai e%ijiia (Paus. 5, 11, 2) dargestellt, 
je vier um den oberen Teil jedes Thronbeines, 
je zwei an dem unteren Ende (vgl. Brunns 
Rekonstruktionsversuch Ann. d. Inst. 1851, tav. 
D. F. Hauser, Jahrbuch 1889, S. 259). Es ist 
das erste bezeugte Beispiel einer ausgedehnteren 
dekorativen Verwendung der Niken an einem 
monumentalen Kunstwerke, wofür die zahl- 

60 reichen kleinen dekorativen Bronzeflgürchen 
von der athenischen Akropolis und die Ver- 
doppelung der Nike auf Vasenbildern kaum als 
Vorläufer angeführt werden dürfen. Die be- 
treffenden Vasenbilder sind zudem, soweit ich 
sehe, alle freien Stils (vgl. Knapp S. 37), so- 
dafs sie umgekehrt von der grofsen Kunst ab- 
hängig sein werden. Wir dürfen also vielleicht 
den neuen und, wie die Nikebalustrade und viele 



339 Nike (am Thron des phid. Zeus) 

spätere Denkmäler zeigen, künstlerisch unge- 
mein fruchtbaren Gedanken eines Chores von 
Niken dem Phidias zuschreiben. Das Schema 
der Gestalten am Zeusthron beschreibt Pausa- 
nias als ein tanzartiges. Nike im Motiv eines 
religiösen Tanzes (mit Krotalen an einem Altar) 
ist mir nur in einer vereinzelten Terracotta- 
statuette aus der Krim bekannt (Antiquites du 
Bosph. Cimer. Taf. 70, 1). Die Gestalten müssen 
den rechteckigen Flächen der Thronbeine an- 
gepafst gewesen sein. Ich glaube, dafs wir 
uns eine bestimmtere Vorstellung über sie 
machen können aus den kleinen flachen Terra- 
cottafigürchen attischer Herkunft, von denen 
eines bei Furtwängler, Sammlung Sabouroff 
Taf. 145 (oben) abgebildet ist (danach Abb. 17). 
Identische Exemplare im British Museum, im 
Münchener Antiquarium, im Louvre (Pottier et 
Beinach, Neerop. de Myrina S. 356, Anm. 2), 
endlich Bullet. Napol. TS. S. 8, 1860, Taf. 5, 5, 
wo die Abweichungen von den übrigen viel- 
leicht nur von der schlechten Zeichnung 



Nike (ruhig stehend) 



340 



eine hellenistische Umbildung in der römischen 
Bronze bei Babelon et Blanchet, Bronzes de la 
Bibl. not. nr. 680. — Die „Niken" an dem 
Stephanos der Nemesis des Agorakritos (Paus. 
1, 33, 3) waren nach Dümmler'a Vermutung bei 
Studniczka,KyreneS.lb9wegen derGrnppierung 
mit Eehen in Wirklichkeit wahrscheinlich 
Bilder der tiütvuc &rjQ<äv. 

Buhig stehende Niken sind in der Kunst 
10 des 5. und 4. Jahrhunderts nicht selten. Bei 
dem Mädchen, das am Ostfries des Par- 
thenon bei Hera steht (Bd. 2 Sp. 348 Fig. 5), 
schwankt die Deutung zwischen Iris (so nach 
Flaschs Vorgang M. Mayer oben a. a. 0.) und 
Nike (so zuletzt Overbeck, Plastik l 4 , 444 








17) Haches vergoldetes Terracottafigürchen 
(nach Furtwängler, Sammlung Sabouroff Taf. 145). 

herrühren. Sie schweben mit angefafstem 
Gewände seitwärts, indem sie die Füfse über- 
einandersetzen, eine Bewegung, die man durch- 
aus mit Pausanias als einen Tanzschritt auf- 50 
fassen kann. Die Richtung auf den Beschauer 
ist hier wieder durch die Seitwärtsbewegung 
ersetzt, wie es sich bei der Dekorierung eines 
viereckigen Pfeilers von selbst ergiebt. Da 
auch die Tracht im wesentlichen der der 
phidiasischen Zeit entspricht, so wäre es nicht 
unmöglich, dafs wir sogar wirkliche Nach- 
bildungen der „tanzenden" Niken des Phidias 
vor uns haben, auch wenn sie erst im 4. Jahrb. 
gemacht sind (Furtwängler a. a. 0.), um so 60 
mehr, als sich in derselben Gattung von 
thönernem vergoldetem Grabschmuck direkte 
Kopieen aus einem anderen Monumentalwerke, 
der Nikebalustrade, finden (Arch. Anzeiger 1891, 
S. 122). VgLunt. Sp.346,21. — Eine Fortbildung 
des Motivs im 4. Jahrh. haben wir in der über das 
Meer schwebenden Nike des Statuettengefäfses 
bei Furtwängler, Sammlung Sabouroff! Taf. 59; 




18) Nike mit Granatapfel. Tercacottastatuette 
in München. 

und Studniczka, Siegesgöttin S. 396). Die 
lange Gewandung entscheidet für Nike, ob- 
wohl es allerdings auffallend ist, dafs sie 
nicht in engerer Verbindung mit Zeus steht. 
— In Abbildung 18 ist nach einer Zeichnung 
des Herrn K. Reichhold in München eine vom 
Münchener Antiquarium erworbene Terra- 
cottastatuette etwa aus der Mitte des 
5. Jahrhunderts abgebildet, die in der Rechten 
die Kanne trägt, während der linke Ellenbogen 
sich auf einen Baumstumpf lehnt und die Hand 
das für Nike ganz ungewöhnliche Attribut des 
Granatapfels hält. Es wird so zu verstehen 
sein, dafs sie ihn als Opfergabe bringt, vielleicht 
für Athena Nike. Ein anderes, besonders 



341 Nike (des Paionios) Nike (des Paionios) 342 

schönes Erzeugnis der Thonplastik, das in geschaffen zu haben, zeigt die Inschrift am 
seiner ruhigen Hoheit und Einfachheit den Sockel {Olympia 5, nr. 259), in der er aus- 
Koren des Erechtheions nahe steht, befindet drücklich darauf hinweist, dafs er auch die 
sich in Athen (aus der Eyrenaika, Martha, Akroterien, d. i. vor allem die Niken auf dem 
Terres-cuites d'Athenes nr. 698). Ein analoges, First der Zeustempels {Paus. 5, 10, 4\ gemacht 
aber schlechtes Exemplar attischen Fundorts habe. Inbezug auf die Entstehungszeit, die schon 
bei StacMberg, Graber der Hellenen Taf. 51. Ein im Altertum strittig war, neigt man sich jetzt 
drittes, ohne Flügel, ist abgebildet bei Pottier, mehr und mehr dem jüngeren der beiden in Be- 
Les Statuettes de terre cuite S. 99, Fig. 38. Die tracht kommenden Daten zu, indem man die Nike 
sehr feierlich als Opferdienerinnen des Dionysos 10 in der Zeit um 420 geweiht sein läfst. Was 
auftretenden Niken an der athenischen Drei- sich aus Btilkritischen Gründen für die ältere 
fufsbasis von der Tripodenstrafse Ansetzung um 450 geltend machen läfst, siehe 
(Friederichs-Wolters, Bausteine nr. 2147. Ann. bei Treu S. 191. Die Übersicht der Niketypen 
d. Inst. 1861, Tav. G) sind in den Grundzügen dieser Epoche bestätigt die Richtigkeit der 
nach Motiven aus dem Parthenonfries konzi- jüngeren Ansetzung. Denn wir dürfen nicht 
piert {Hauser, Neu-attische Reliefs S. 68, nr. 98); annehmen , dafs man nach der Erfindung des 
gearbeitet sind sie wahrscheinlich gegen das Paionios in Attika noch so viel strengere Lö- 
Ende des 4. Jahrhunderts {Reisch, Grieeh. Weih- sungen des Problems ertragen hätte, wie es 
geschenke S. 95). die Nike auf der Hand der Parthenos und der 
Durch die Nike des Paionios von 20 ähnliche in den Berliner»Niken erhaltene Typus 
Mende (Abbildung 19 nach Treus Ergän- sind. Endlich führen auch die historischen 
zung; Treu, Olympia 3, Taf. 46— 38, S. 182 f. Gründe auf das jüngere Datum ; Olympia 5 S. 382. 
und S. 288), die die Messenier und Naupaktier — Zu der von Treu aufgezählten Litteratur 
als Sieges- und Weihgeschenk nach Olympia über die Nike des Paionios ist hinzugekommen 
gestiftet haben, wird, soweit wir sehen, das Weil, Berliner Philol. Wochenschr. 1896 S. 1152. 
von den Attikern Geleistete weit in den Schatten Jahrbuch XI, 1896, Anzeiger S. 140 und Furt- 
gestellt; an ihr ist das Problem des Fliegens wffngler, Bruchmanns Denkmäler, Schulausgabe 
in der Plastik zum ersten Mal vollkommen Taf. 32. — Über eine vermutliche Wie der- 
und in einer für die spätere Zeit vorbildlichen holung der Nike des Paionios in Delphi, von 
Weise bewältigt. Das Gewand, als materieller 30 deren genau gleicher dreieckiger Basis Blöcke 
Träger, wird möglichst nach hinten gedrängt; gefunden worden sind, siehe Pomtow, Arch. 
der Körper bewegt sich zugleich vorwärts und Anzeiger 1890 S. 108 und Jahrb. f. Phil.u.Pädag. 
abwärts, das linke Bein schreitet weit vor. Es 153, 1896 S. 505 f. — Von der Wirkung, die die 
ist die Fortsetzung dessen, was in der Nike Schöpfung des Paionios ausgeübt hat, zeugt 
von Paros schüchtern versucht wurde, und zunächst die römische Wiederholung des Kopfes, 
es ist kein Zufall, dafs der Vorläufer des Paio- die Amelung im Besitze von Fräulein Hertz in 
nios sich auf ionischem Kunstgebiete findet. Rom entdeckt hat (Rom. Mitteil. 9, 1894, Taf. 7, 
Das Mittelglied zwischen beiden bildet eine S. 162) und die nach Treus Vermutung (S. 190) 
Nike von Delos {Athen. Kavvadias nr. 135. von der Umarbeitung zu einer Herme stammt. 
Furtwängler, Arch. Zeitung 1882, S. 339), ein 40 Zeitlich am nächsten stehen der Nike des 
leider sehr verstümmelter kleiner Torso. Die Paionios die in Epidauros gefundenen Nike- 
Beine sind voll bekleidet, aber in Schrittstellung ; bilder (Kavvadias, Fouilles d'Epidaure l,Taf. 10, 
der linke Arm ist hoch erhoben, während der 15 — 18. Kavvadias, "E&v. fiovasiov nr. 155, 
rechte Arm am Körper anliegt. Das Ganze ist 159—161, 162), von denen die drei jetzt dem 
noch weit gebundener als bei Paionios, baut Artemistempel als Akroterien zugewiesenen 
sich aber auf denselben Grundlagen auf. Über {Befrasse et Lechat, Restauration d'Epidaure 
andere Berührungspunkte der Nike des Paionios S. 168f. Overbeck, Plastik* 2, S. 128) in Haltung 
mit der ionischen Kunst vgl. das von Treu der Beine und Anlage des Gewandes unmittel- 
S. 184 Zusammengestellte. — Die Nike des bar von Paionios abhängen (bei der einen, 
Paionios trägt kein Attribut, sondern sie fafst 50 Kavvadias nr. 160, ist das vortretende Bein 
mit beiden Händen den weiten Mantel, der verhüllt). Doch ist der gebauschte Mantel 
sich wie ein Segel bauscht; die Flügel sind, weggelassen, und die Arme sind infolgedessen 
was durch Treus Rekonstruktion klar gewor- nicht erhoben. [Eine nahe verwandte Figur in 
den ist, ein wenig ungleich gestellt, sodafs Nike Rom, Palazzo Spada (Matz-Buhn, Zerstreute 
sich in schrägem Fluge zur Erde niederläfst. Bildwerke nr. 935. Phot. beim röm. Institut), 
Unter ihren Füfsen schiefst ein Adler hindurch, ohne Flügel und deshalb als Aura erklärt 
sodafs für die Phantasie jeder Zusammenhang {Bull. d. Inst. 1849 S.70)]. Vom Asklepiostempel 
mit der Erde aufgehoben ist. Phidias hatte sich stammt wahrscheinlich das Fragment Kavvadias 
begnügt, das Fliegen als ein Schweben ohne nr. 156, der Oberkörper einer Nike, die einen 
jede Bewegung der Glieder darzustellen. Paio- 60 Vogel, nach Befrasse und Lechats (a. a. 0. S. 77) 
nios nimmt Vorstellungen hinzu, die wir uns glaublicher Vermutung einen Hahn als das 
an dem sausenden Fluge grofser Vögel ge- dem Asklepios heilige Tier in der Rechten 
bildet haben, die sich mit weit ausgebreiteten trägt; der linke Arm war erhoben. In der 
Schwingen aus der Luft herablassen. Der ge- Führung der geschwungenen Falten bildet das 
bauschte Mantel seiner Nike wirkt, indem er Fragment eine unverkennbare Fortsetzung des 
das Fallen hemmt, wie ein einziger riesiger Stils der Nikebalustrade, der seinerseits ein 
Flügel. — Dafs Paionios sich stolz bewufst Abkömmling der von Paionios vertretenen 
war, in seinem Niketypus etwas ganz Neues Kunstrichtung ist. Während diese vier Niken 



343 Nike (Nachwirkung d. Paionios) 

dem 4. Jahrhundert angehören, stammt der 
Oberkörper einer fünften (Kavvadias nr. 162) 
wahrscheinlich aus hellenistischer Zeit. Er hat 
mit der Nike des Paionios die Entblöfsung 
der Brust und das Motiv des hinter den Flügeln 
wehenden Gewandes gemein. Neu ist die 
höchst effektvolle Aufbauschung des Gewandes 
vor der rechten Brust infolge der Eile des ab- 
wärts gerichteten Fluges (weshalb die von 
Kavvadias vermutete Zugehörigkeit zu einer 
Schiffsbaßis ausgeschlossen ist). — An den Er- 
zeugnissen der Kleinkunst, namentlich der 



Nike (Nachwirkung d. Paionios) 344 

zurückflatterndem Gewände und häufig auch 
an dem Heraustreten des einen Beines, obwohl 
die Typen im einzelnen natürlich sehr variieren. 










19) Nike des Paionios. Nach Treus Ergänzung. 



Thonplastik, ist überall die Nachwirkung des 
von Paionios geschaffenen Ideals zu spüren, vor 
allem in der Vorneigung der Körperachse bei 



Vgl. die Terracotten Stackeiberg, Gräber der 
Hell. Taf. 60 (jetzt im Münchener Antiquarlum), 
Bumont-Chaplain, Les Ceramiques de la Grece 



345 Nike (Balustrade dea Niketempels) 

propre Taf. 9, 2; die kleine Bronze in Wien, 
v. Sacken, Bronzen des Münz- und Antiken- 
kabirutts Taf. 13, 1; ferner Pottier et Beinach, 
Necrop. de Myrina S. 352. 356. Sehr eng lehnt 
sich, nur mit WeglassuDg des fliegenden Man- 
tels, an Paionios das italische Terracottarelief 
in München an (v. Lützow, Münchener Antiken 
Taf. 13. Friederichs- Wolters, Abgüsse in Berlin 
nr. 1723. Baumeister, Denkmäler 2, S. 1020: 
ergänzt die Arme mit den Attributen, der 
gröfste Teil der Flügel, der linke Fufs, der 
aber, wie ein Rest am Knöchel zeigt, richtig 
mit Schuh ergänzt worden ist; der Kopf scheint 
alt, aber nicht zugehörig). Vom Hintergründe 
ist ein kleines Stück mit intensiv rotem harten 
Farbenüberzug alt, das Belief stammt also vom 
Schmuck eines Tempels. — Auch der Gedanke, 
die Nike durch unter ihr durchfliegende Vögel 
von der Erde zu lösen, den Paionios an den 
Nereiden des Monumentes von Xanthos vor- 
gebildet gefunden hatte, ist später noch ver- 
wertet worden, obwohl wie es scheint nicht 
häufig (Weihgeschenk des Lysander in einer 
Halle in Sparta für zwei Siege bei Ephesos und 
Aigospotamoi: zwei Niken auf Adlern, Paus. 
3, 17, 4. Weihgeschenk auf Delos in einemlnven- 
tar vom Jahre 279 v. Chr. : Nike auf einem Iktinos, 
Bull. eorr. hell. 15 S. 162 Z. 60). — Die Verwen- 
dung der Nike als architektonischen Zierstückes, 
womit in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts 
zuerst in ausgedehnterem Mafse begonnen wor- 
den ist, wird mit der Zeit immer häufiger, 
sodafs sie als Dachschmuck der Tempel fast 
zur Regel wird (vgl. z. B. die Tempel auf den 
Kitharödenreliefs bei Schreiber, Hellenist. Relief- 
bilder Taf. 35f. Livius 26, 23); häufig wird die 
Nike auch in architektonische Formen einge- 
fügt (Kompositkapitell Berlin, Verz. der Skulpt. 
nr. 999 g. Rankenakroter vom Trajaneum in 
Pergamon, Altertümer von Perg. 5, 2, Taf. 14. 
Console im Hof des Museo nazionale in Neapel. 
Kapitell in Pisa Gaz. arch. 1877 Taf. 29. 30 
u. a.). — Über die Weiterbildung des Typus 
der fliegenden Nike in hellenistischer Zeit siehe 
unten Sp. 349, 65. — 

Die Balustrade um den Tempel der 
Athena Nike auf der Akropolis, gegen das 
Ende des 5. Jahrhunderts (vgl. Michaelis, Athen. 
MM. 14, 1889, S. 364. Furtwängler, Meister- 
werke S. 222) entstanden, führt die in der Vasen- 
malerei begonnene Erweiterung des Begriffes 
der Nike zur Opferdienerin zuerst in die monu- 
mentale Kunst ein (Kekule, Balustrade des 
Tempels der Athena Nike, 1869. Belief 's an der 
Balustrade der Athena Nike, 1881; neugefun- 
dene Bruchstücke, durch deren eines bewiesen 
wird, dafs die Athena der einen Seite nicht 
auf einem Schiff, sondern auf einem Felsen 
sitzt, Journ. of hell. stud. 13, 1892/93, S. 272). 
In einem glänzenden und bewegten Bilde sehen 
wir eine ganze Schaar von Flügelmädchen be- 
schäftigt, ein Dankopfer darzubringen und 
aus erbeuteten Waffen Tropaia zu errichten; 
Athena wohnt in eigener Person der Feier bei. 
Für beide Thätigkeiten der Niken finden sich 
die Vorläufer in der Vasenmalerei. Ob der 
Künstler aber in der Wahl seiner Motive in 
so weitgehendem Mafse von malerischen Vor- 



Nike (Balustrade des Niketempels) 346 

bildern abhängig war, wie Müchhöfer, Jahrbuch 
9, 1894, S. 80 anzunehmen geneigt ist, kann 
hier nicht erörtert werden. Sein Gewandstil, 
das Anliegen des dünnen Stoffes, die grofsen 
geschwungenen Falten, die über den durch- 
scheinenden Körper hinlaufen, bilden eine 
Fortsetzung dessen, was sich in einfacherer 
Weise bei Paionios und bei ionischen Werken 
wie den Nereiden vom Monumente in Xanthos 

10 findet. Doch finden sich auch ruhigere Motive, 
die mit den Werken aus der Nachfolge des 
Phidias, etwa den Basisreliefs der Nemesis des 
Agorakritos, eine grofse Verwandtschaft haben 
(Kekule, Beliefs der Balustrade Taf. 5, Q. R), 
sodafs die Annahme zweier verschiedener 
Künstler erwogen werden mufs. Die Typen 
der Balustrade haben eine lebhafte Nach- 
wirkung auf die spätere Kunst gehabt, was 
sich namentlich an dem Schema der auf 

20 dem zusammenbrechenden Opfertier 
knieenden Nike verfolgen läfst. Kleine 
Thonplättchen (Kekule a. a. 0. S. 11. Furt- 
wängler, Arehäolog. Anzeiger 1891, S. 122, 
nr. 17 d. Abb. 20 a ), die zeitlich der Balustrade 
nahe stehen, wiederholen aller Wahrschein- 
lichkeit nach genau die leider nur in einem 
kleinen Bruchstücke erhaltene Gruppe der 
Balu&trade. Ein anderes Stück gleicher Art 
(Furtwängler a. a. 0. nr. 17 c. Abb. 20 b ) kopiert 

30 die Nike, die die wildwerdende Kuh an einem 
Stricke zurückhält. Der erstgenannte Typus 





„ 20a, b) Thonplättchen (nach Arch. Anz. 1891 S. 122). 

wird in mannigfacher Weise, wobei bisweilen 
ein Widder an die Stelle des Rindes tritt, 
weitergebildet auf Münzen (Kekule a. a. 0. S. 1, 
Vignette), geschnittenen Steinen (G. Smith, 
Journ. of hell. stud. 7, 1886, Taf. E. Furt- 
wängler, Verz. der geschn. Steine in Berlin 
nr. 3572. 3577. 6250. 6732), auf Vasen (Bull. 
Napolet. 6, 1848, Taf. 2), auf einem bronzenen 

50 Spiegelrelief (C. Smith, a. a. 0., Taf. D), end- 
lich auf Marmor- und Terracottareliefs (Kekule 
a. a. 0. S. 27. 30. Zoega, Bassirilievi 2, 60. 
Campana, Opere in plast. Taf. 84 — 86) und in 
Rundwerken (Clarac 637, 1448. 1448 A. Friede- 
richs -Wolters, Abgüsse 1440. 1441). Vgl. die 
Europa auf dem Stier oben Bd. 1 Sp. 1417. Es 
wechselt bei diesen Typen nicht nur die Rich- 
tung der Gruppe und die Haltung der Nike, 
sondern auch ihre Gewandung, indem sie mehr 

60 und mehr entkleidet dargestellt wird. Ob die 
erste Erfindung des Motivs auf einen Künstler 
des 5. Jahrhunderts, Myron oder Mikon, zurück- 
geht, wie man ans einer Stelle des Tatian or. 
ad Graecos cap. 38 zu folgern versucht hat, 
ist außerordentlich zweifelhaft (Kekule a. a. 0. 
S. 22 f.). Dagegen hat wahrscheinlich ein 
Künstler aus der Nachfolge des Lysipp, Menaech- 
mus, ein den römischen Kunstkennern bekanntes 



347 Nike (in der Kunst des 4. Jahrh.) 

Bronzebild dieses Typus geschaffen (PHn. 34, 80). 
— Für die Sandalenbinderin und die Niken 
am Tropaion vgl. Kekule a. a. 0. S. 8. 9. — 
Für die Ergänzung des Bruchstücks Kekule 
Taf. 6, U (Nike mit dem einen Fufs hoch auf- 
tretend) kann vielleicht das Bild des Gold- 
ringes bei Furtwängler, Verz. der geschn. Steine 
in Berlin nr. 289 verwendet werden (nach F. 
Arbeit des 5. bis 4. Jahrhunderts.). — 

III. 4. Jahrhundert v. Chr. 

Wir sind von den Monumenten des 5. Jahr- 
hunderts aus überall schon in jüngere Zeit 
und bisweilen bis zur römischen Epoche herab- 
geführt worden. Was an neuen Gedanken und 
Erfindungen, zunächst im Verlaufe des 4. 
Jahrhunderts, auftaucht, bewegt sich in 
zweierlei Richtung: einmal dahin, dafs die 
Tracht der Nike eine freiere und leichtere wird 
und die Entblöfsung des Körpers nicht 20 
mehr durch schnelle Bewegung motiviert zu 
sein braucht, sondern um der Schönheit des 
künstlerischen Motivs willen geschieht. Vgl. 
besonders die schönen Münzen des Agathokles 
von Syrakus (Head, Rist. num. S. 159. Guide 
Taf. 35, 29) und von Lampsakos (Head, Guide 
Taf. 18, 19); vor allem aber die sehr reizvolle 
Gemme bei Furtwängler, Jahrbuch 3, 1888, 
Taf. 8, 10, S. 206, wo nur der Unterkörper mit 
einem leichten Mantel bekleidet ist. Ein grofses ao 
Relief in Thespiai {Friederichs- Wolters nr. 
1853. Körte, Athen. Mut. 3 S. 415, 196. Phot. 
Ath. Inst. Thesp. nr. 4) : Nike neben einer (oben 
abgebrochenen) Säule in Vorderansicht ruhig 
stehend, nur um den Unterkörper bekleidet, 
ist in Haltung und Gewandung der Aphrodite 
von Arles so nahe verwandt, dafs wir das 
Werk, wenn es auch keine sehr sorgfältige 
Arbeit ist, unbedenklich dem praxitelischen 
Kreise zuschreiben dürfen. — Zweitens wird die 40 
Nike bisweilen zurthätigen Helferin bei Er- 
ringung des Sieges, so namentlich auf dem 
Gemälde des Nikomachos, wo sie ein Vier- 
gespann mit sich fort zur Höhe des Sieges reifst. 
( Victoria quadrigam in sublime rapiens. Plin. 
35, 108). Das Bild befand sich später in Rom 
auf dem Capitol. Die feurige und echt male- 
rische Komposition, die den älteren Gedanken 
der wagenlenkenden Nike um einen Schritt 
weiterführt, ist uns in Nachbildungen auf ge- 50 
schnittenen Steinen und auf Münzen der gens 
Plautia erhalten (Schuchardt, Nikomachos S. 20. 
Furtwängler, Jahrbuch 3, Taf. 11, 10. 4, S. 60. 
Vers, der geschn. Steine in Berlin nr. 6252. 6254). 
Nike ein Zweigespann lenkend malte Euty- 
chides, wahrscheinlich der Bildhauer und 
Schüler des Lysipp (Plin. 35, 141); der Typus 
hält sich namentlich auf sizilischen Münzen 
und bis in die pompeianische Wandmalerei 
hinein (Selbig, Campanische Wandgemälde nr. 60 
939). Vgl. auch den Grabstein des Metro- 
doros von Chios, Berlin, Vers. d. Skulpturen 
nr. 766A. — Apelles malte auf einem Bilde, 
das später in Rom war, Castor und Pollux nebst 
Victoria und Alexander auf dem Wagen (Plin. 
35, 93), eine Komposition, von der man sich 
nach den nur in alten Stichen erhaltenen 
römischen Wandgemälden zweier triumphieren- 



Mke (in der Kunst des 4. Jahrh.) 348 

der Kaiser (Mon. d. Inst. 3, 10) vielleicht eine 
Vorstellung machen darf. Doch sagt uns 
Plinius leider nicht, ob wirklich, wie dort, die 
Nike mit Kränzen über dem Alexander schwebte. 
— Zur Verherrlichung von Seesiegen er- 
scheint Nike, statt wie früher mit einem Schiffs- 
teil auf der Hand, in der zweiten Hälfte des 
4. Jahrhunderts auf einer Schiffsprora stehend, 
zuerst auf der athenischen Preisvase des Jahres 




11) Aikc von Samothrake, Parti, I.ouvre 
(nach Studnicika Taf. XI Fig. 51). 

332/31 v. Chr. (Mon. d. Inst. 10, 47 d, vgl. auch 
47e),\sodafs dieses Motiv immerhin schon 
etwas früher erfunden sein mufs; auf einem 
anderen Preisgefäfs vom Jahre 818 v.Cbr. (a. a. 0. 
Taf. 48 a) steht Nike anscheinend auf einer 
Schiffsprora, die ein Redner tr&gt, worin man 





Münzen des Demetriot Poliorketes 
(nach Studnicika Taf. XI Fig. 56). 

eine Nachbildung der Statne des Lykurg von 
Kephisodot und Timarchos vermutet hat (Americ. 
Journ. of arch. 1895, S. 287). 

IV. Hellenistische Kunst. 

In der grofsen Nike von Samothrake 
[Abb. 21] (Brunn-Bruckmann, Venkm. Taf. 85. 
Conse, Sauser, Benndorf, Arch. Unters, a. Samo- 
thrake 2, Taf. 64, S. 54f.), errichtet von Deme- 



349 Nike (in der hellenist. Kunst) 

trios Poliörketes um 300 v. Chr., findet die 
eben genannte Idee ihre glänzendste Verwirk- 
lichung. Die Göttin steht auf einer als Schiffs- 
vorderteil gebildeten Basis, in mächtiger Be- 
wegung vorstürmend, im Arm ein Holzkreuz 
zur Errichtung des Tropaions, mit der Salpinx 
aller Welt den errungenen Sieg verkündend. 
Vgl. die Nachbildungen auf den Münzen 
Abbild. 22 a, b; Gonze-Benndorf 
a. a. 0. 2, S. 82. Eine Umbildung 
des Motivs in einer kleinen römi- 
schen Bronze in Wien, Arch. Anz. 
1892, S. 53, nr. 90. — Ein anderer 
plastischer Typus hellenistischer 
Erfindung ist die Statuette in 
der Galleria dei candelabri 
des Vatikans : Nike vor einem Tro- 
paion, den Fufs auf einen Schiffs- 
stachel setzend, die linke Hand mit 
einem (verlorenen) Siegeszeichen erhebend 
(Heibig, Führer durch Born 1, nr. 367). Bei 
einer Wiederholung im Louvre (Froehner, Notice 
de la sculpt. nr. 477) setzt sie den Fufs auf 
erbeutete Waffen (Kopf nicht zugehörig). An 
dem vatikanischen Exemplar trägt sie auf dem 
Haupte eine Medusenmaske, die sie nach 
Helbig's Deutung soeben vom Gesichte ge- 
schoben hat, nachdem sie im Kampfe die Feinde 
damit gescheucht hatte. Der Kopf ist aber nach 
Mitteilung Amelungs nicht zugehörig, da er 
mit Schnitt aufsitzt und die Locken von Kopf 
und Schulter an der linken Seite nicht zu- 
sammenstimmen; er gehört vielmehr zu einem 
statuarischen Typus der Athena, dessen Büste 
auf dem Relief Bullet, comun. 9, 1881, Taf. 19/20 
kopiert ist. Vgl. Friederichs-Woltersnr. 1439. — 
Nike ist in der vatikanischen und Pariser Statue 
nur um den Unterkörper bekleidet. Dafs aber 
in hellenistischer Zeit die vollbekleideten 
Typen daneben immer in Geltung blieben, zeigt 
die kleinere Nike von Samothrake (Conze u.s.w., 
a. a. 0. 1, S. 27), die vielleicht ebenfalls vor 
einem Tropaion stand, und die Nike des Nike- 
ratos, von der uns in einer Zeichnung bei 
Petrus Apianus eine schwache Vorstellung er- 
halten ist (Loewy, Bildhauerinschriften nr. 496). 
Diese letztere stand, falls die Zeichnung wenig- 
stens sachlich zuverlässig ist, auf einer Welt- 
kugel, das erste Beispiel für diese in römischer 
Zeit allgemein üblich werdende Vorstellung. 
Ein Relief mit einer vollbekleideten stehenden 
Nike aus Ephesus in Berlin, Verz. d. Skulpt. 
nr>926. — Auf den Münzen der hellenistischen 
Herrscher, auf denen Nike sehr häufig er- 
scheint, herrschen die stehenden Typen vor. 
Auf Münzen des Alexander, des Philippus 
Aüdaeus und Seleukos I. Nikator findet sich 
eine ruhig stehende Nike in einfacher Ge- 
wandung, im linken Arm ein Tropaiongestell, 
in der vorgestreckten Rechten einen Kranz, die 
auf ein bekanntes statuarisches Vorbild zurück- 
gehen mufs (Head, Guide Taf. 27, 3. 9. 28, 11. 30, 
3.4.8. Gardner,Typ.T&{.12,lO. Imhoo) '-Blumer, 
Hubers Numism. Ztschr. 1871, S. 26, nr. 51). 
Von fliegenden Niketypen scheint mir 
vor allem die grofse Nike von Megara in 
Athen (Kavvadias nr. 225. T?urgold, Athen. Mitt. 
6, 1881, Taf. 10. 11, S. 276) in hellenistische 



Nike (in der hellenist. Kunst) 350 

Zeit zu gehören, einmal wegen der Gewandung 
mit ihren grofsen Flächen und starken Ein- 
tiefungen, mehr noch aber wegen der Körper- 
haltung. Die Gestalt ist etwas nach vorne 
geneigt und wird durch das unten in schweren 
Massen zurückwehende Gewand gehalten. Das 
linke Bein schwebt frei vor. Im Unterschied 
von den älteren Typen steht nun aber der 
Oberkörper nicht in einer Ebene mit den 
Hüften, sondern ist stark abgedreht, indem die 
rechte Schulter nach vorne geschoben ist und 
vermutlich auch der rechte Arm weit 
vorgestreckt war. Aus dem ruhigen 
Fliegen ist dadurch eine energisch 




28) Bronzestaluette in Neapel. Nach Photographie. 

nach vorne stofsende Bewegung geworden, die 
an Wucht die einfachere Lösung des Paionios 
weit übertrifft. — Aufs nächste verwandt ist die 
wundervolle Bronzestatuette aus Pompei 
in Neapel (Mus. Borb. 8, Taf. 59, 1. Friederichs - 
Wolters, Abgüsse nr. 1755, mit Weglassung der 
modernen Weltkugel beistehend in Abb. 23; die 
eo Figur war schwebend aufgehängt), bei der infolge 
der guten Erhaltung der reizvolle Chiasmus der 
Glieder und das Stürmische der Bewegung 
noch besser zum Ausdruck kommen. Den 
hellenistischen Ursprung beweist hier noch 
eine Einzelheit, die Bildung der Flügel, die 
nicht wie in älterer Zeit mit der vollen Breite 
im Rücken ansetzen, sondern mit einem 
dazwischengesetzten Verbindungsstück. In der 



351 Nike (in d. hellenist. Kunst) Nike (in d. etruak. u. altitalisch. Kunst) 352 

vorgestreckten Hand hielt sie ohne Zweifel siehe ob. Sp. 324, 65). 2, 143 (bei Herakles); 151 
einen Kranz, in der Linken (das Stäbchen ist (bei Herakles und Aphrodite, dieselbe Kom- 
modern) einen Gegenstand, den sie mit voller position wie auf der Silberschale Mon. d. Inst. 
Hand umfafste, also etwa ein kleines Tro- 9 Taf. 26, 3); 145; 230 (bei Jünglingen). 4,371 
paion. (inschr., bei Venus); 412 (bei Apollon). 5, 2 

Ganz das gleiche Bewegungsmotiv hat die (Zeus kränzend); 21 (bei Aphrodite); 106 (bei 

Nike, die im Gigantenfries des pergame- Paris). Dagegen hat die bekleidete Flügelfrau 

nischenAltars die Athena krönt (Baumeister, auf 5, 68 bei Perseus und Athena, die in der 

Benkm. 2 Taf. 38); bemerkenswert ist, dafs die Vorlage des Spiegelzeichners unzweifelhaft 
Siegesgöttin hier wieder in ihr enges Verhältnis 10 Nike war, die Beischrift Meanpe, ähnlich der 

zu Athena tritt.— Schwebende Niken, meist in nacktenMean(s.d.),dieauf2,181denAlexandros 

ruhiger aufrechter Haltung, finden sich fernerauf kränzt. Auf 1, 37 heifst eine kurzbekleidete 

Münzen des Pyrrhus (Head, Guide Taf. 24—26) FlügelfraumitZweigbeiAthenaLasa(s.d.). Diese 

und anderer hellenistischer Herrscher (Imhoof- Lasen, ursprünglich dienende Wesen des aphro- 

Blumer, Hubers Numinm. Ztschr. 1871, S. 29f., disischen Kreises {Schippice, de speculis etruscis 

nr. 66, 67, 87, 93, 102), auf einer Glaspaste 1, S. 4— 24. Bresl. Diss. 1881) und durch Nackt- 

(Furtwängler, Verz. d. geschn. Steine in Berlin heit, Beflügelung, Schuhe und meist ein Ala- 

nr. 1081) und endlich, als Nachklänge malerischer bastron in der Hand gekennzeichnet, versehen 

Kompositionen dieser Periode, auf campanischen bisweilen die Punktionen der Victoria (5, 3 

Wandgemälden (Heibig, Untersuchungen über so bei Zeus; 5, 31 bei einem Kitharöden; 2, 144 

du camp. Wandm. S. 316. Wandg. der Städte bei Herakles). Es scheinen also die Grenzen 

Campaniens nr. 902 f.). zwischen dem, wahrscheinlich ohne viel Ver- 

Gruppiert finden wir Nike in dieser ständnis übernommenen griechischen Typus der 
Epoche selten als handelnde Person, wie Nike und dem national-etruskischen Begriff der 
etwa bei der Scene einer Tropaionaufrichtung Lasa allmählich verwischt worden zu sein. 
Heibig, Wandg. nr. 665. Ihre Bedeutung als Vielleicht unter dem Einflufs der Lasa- Dar- 
Opferdienerin tritt ganz zurück. Sie wird, wo Stellungen, teils wohl auch aus der allgemeinen 
sie nicht rein dekorativ verwendet wird, wieder Neigung der etruskischen Kunst zu möglichster 
mehr eine symbolische Figur, die den Zeus Entblöfsung, erscheint Nike manchmal ganz 
(Heibig nr. 102) oder siegreiche Krieger (Heibig 80 nackt (1, 73. 3, 246 A bei Athena. 3, 251 A 
nr. 940. 941) bekränzt, indem sie über ihnen kalbopfernd). Ob die spätetruskischen Bronze- 
schwebt. Von ihren Attributen verschwindet Statuetten in Caeael (Friederichs- Wolters nr. 206. 
die Taenie fast ganz; die weitaus häufigsten 207), nackte Mädchen, bei denen die Flügel an 
sind Kranz und Palmzweig. Bisweilen nimmt Kreuzbändern festsitzen, und eine ähnliche 
sie die Abzeichen anderer Götter an, Zeus' Blitz Figur im British Museum als Lasen oder Niken 
(auf Münzen von Tarent, Head, Hist. num. S. 56; zu deuten sind, mufs demnach bei dem Mangel 
von Bruttium Imhoof '- Blumer a. a. 0. nr. 80; von Attributen dahingestellt bleiben. — Dafs 
auf Gemme Berlin nr. 1069) oder Poseidons es eine etruskische Natioualgottheit, die den 
Dreizack (Münzen von Boeotien Brit. Mus. Cat. Sieg personifizierte, ursprünglich nicht gegeben 
Central Greece Taf. 6, 9—11). Neu sind in 40 hat, dürfen wir daraus schliefsen, dafs auf den 
dieser Periode die kleinen tragbaren Tropaia, älteren Wandgemälden, wo doch bei athleti- 
die sie sehr häufig in Händen hat, besonders sehen Darstellungen hinreichend Veranlassung 
auf Münzbildern. — Für die weichliche Auf- gewesen wäre, nichts derartiges zu finden ist. 
fassung der Göttin seien noch angeführt die Auf Wandgemälden, die unter dem Einflufs 
Terracotta von Kyme (Furtwängler, Sammlung der freien griechischen Kunst stehen, sehen 
Saburoff 2, Taf. 134), wo sie mit nacktem Ober- wir hie und da Flügelwesen nach Art der Nike, 
körper lässig auf einem Felsen sitzt, und die aber eine Erklärung als etruskische Schicksais- 
Silberschale Mon. d. Inst. 9, Taf. 26, 3 : Nike, göttin ist in jedem dieser Fälle mindestens 
fast nackt, mit einer Fruchtschüssel zwischen eben so nahe liegend (Mon. d. Inst. 6, 31 
Aphrodite und Herakles. — In Stil und Auf- 50 Conestabile, Pitture murali di Orvieto Taf. 8. 
fassung auf den Traditionen des 6. Jahrhunderts Cardella, Pitture della tomba degli Hescanas 
beruhend, erscheint Nike als Spendegöttin bei Taf. 2, A, C). — Die altertümliche laufende 
Apollon auf den bekannten Kitharödenreliefs Nike mit Taenie auf der etruskischen rotfig. 
bei Schreiber, Hellenist. Beliefbilder Taf. 34f. Vase Berlin nr. 2957 (El. ciram. 1, 88) kehrt 
Overbeck, Plastik l 4 S. 262. nahezu identisch auf dem Spiegel Gerhard 1, 

Taf. 32, 9 wieder und ist offenkundig von einem 

V. Etruskische und altitalische Kunst. ^^q griechischen Typus wie dem auf den 

Auf etruskischen Spiegeln treffen wir Niken Münzen von Elis herübergenommen. Eine 

von rein griechischem Typus an, d. h. be- unzweifelhafte Siegesgöttin ist das nackte 

flügelt und voll oder halb bekleidet, von denen 60 Figürchen mit Taenie und Kranz bei einem 
einige durch die Situation die Deutung auf Reiter auf der jüngeren etruskischen Vase 

Siegesgöttinnen herausfordern, andere sogar Gerhard, Auserl. Vasenb. Taf. 321, 1. 

inschriftlich als Victoria bezeichnet sind. Ger- Auf den praenestinischen Cisten tritt 

hard-Körte, Etruskische Spiegel: 1, 38 (im Ge- Nike meist in griechischer Auffassung und 

wand auffallend verwandt der grofsen Nike Typik auf, so bei Göttern und Helden (Mon. 

im Goldkranz von Armento, Arneth, Gold- und d. Inst. 9, 24/25; 68/69, inschriftlich Victoria. 

Silbermonumente des Wiener Münzkabinetts Taf. Gerhard, Ges. dkad. Abh. Taf. 57) oder in Kampf- 

13); 1, 39; 40; 41. 1, 61 (vermutlich Fälschung, scenen (Mon. d. Inst. 6/7, Taf. 61/62). Erotische 



353 



Nike (römische Kunst) 



Bedeutung hat sie, wenn sie zwischen zwei 
sieh Küssenden (ebenda, oberer Streifen) oder 
hinter Paris erscheint. Vom griechischen Ge- 
brauche abweichend ist die stehende, völlig 
unbekleidete Nike (auf der Ciste Arch. Zeitimg 
1862, Taf. 164), die den Kopf des erymanthischen 
Ebers an einer Palme befestigt, vorausgesetzt, 
dafs wir nicht vielmehr eine Schicksals- 
göttin in ihr zu sehen haben. Auch auf 
einem sonst so ganz in griechischem Geiste 
geschaffenen Werke wie der Fi coroni- 
schen Ciste {Baumeister, Denkmäler 1 
S. 454 Fig. 501) ist die Nike, die in wage- 
rechter Haltung wie auf sizilischen Münzen 
über dem Sieger schwebt, fast nackt und 
nur mit einem leichten Umwurf um die 
Schultern angethan. 

Die altitalischen Siegesgöttinnen Va- 
cuna (s. d.) und Vica Pota (s. d.) haben in 
der bildenden Kunst anscheinend keinerlei 
Spuren hinterlassen. 

VL Römische Kunst. 

Die Römer übernehmen das künstle- 
rische Ideal der Nike aus der hellenistischen 
Zeit, ohne es in seinen Grundzügen weiter zu 
gestalten. Höchstens dafs die synkretistische 
Tendenz Mischbildungen erzeugt wie die Nike- 
Hygieia eines Marmordiskus in Neapel (Oeer- 
beck, Pompei* S. 539 Fig. 277 links. Eevue arch. 
42, 1882, Taf. 15; Bruchstück eines 
ähnlichen im Münchener Antiqua- 
rium, abg. Bachofen, Mutterrecht 
Taf. 2) und einer Gemme (oben Bd. 1 
Sp. 2787, 10). Bei dem grofsen Be- 
darf, den das kriegerische Volk an 
Victoriabildern hatte, reichen die 
überkommenen Motive aber nicht 
immer aus, und da zu eigentlichen 
Neuschöpfungen nicht genug künst- 
lerische Erfindungsgabe vorhanden 
ist, so werden bisweilen andere 
Typen zu Victorien umgeschaffen, 
wofür unten mehrere Beispiele an- 
geführt werden. Es können hier 
nicht alle die zahlreichen Vari- 
ationen aufgezählt werden, die die 
älteren Typen in den verschiedenen 
Monumentenklassen erfahren, son- 
dern nur einige der interessanteren. 

AufdenMünzen der republi- 
kanischen Zeit gehört das Bild 
der Victoria zu den offiziellen Typen 
des Staates (Babelon, Monn. de la 
republ. rom., Introduction S. 41); es 
wiederholt sich in eintöniger Ab- 
wechslung eine fahrende Nike, die 
sich an sizilische Vorbilder anlehnt 
(Babelon 1 S. 135, 139, 220, 314. 2 S. 6, 
8, 108, 510), und eine stehende, mit 
entblöfstem Oberkörper, die Palme 
in. der Hand, die öfters mit einem Tropaion 
gruppiert wird, das sie bekränzt (Babelon 
1, S. 12, 41, 49, 56, 198, 251, 269, 296, 319, 
860, 498. 2, S. 4, 41, 531, 537). Man wird 
nicht fehl gehen, wenn man für beide sta- 
tuarische Vorbilder voraussetzt, und zwar 
auf dem Kapitol, wo uns eine fahrende Nike 

Boschee, Lexikon der gr. u. rom. Mythol. HE. 



Nike (in der Curia Iulia) 354 

sicher bezeugt ist (Tacit. Hist. 1, 86. Plutarch. 
Otho 4). Wo in der Serie der republikanischen 
Münzen andere Nikebilder auftauchen, scheinen 
sie immer eine besondere Veranlassung gehabt 
zu haben; so schliefst sich M. Porcius Cato, 
der Enkel des Censors und Vater des Uticensis, 
an die sitzenden Gestalten von Terina an 




24) Münze des* Antoninus Pins 
(nach Cohen, Med. Imp^ 
2, 281, 113); s. Sp. 855. 




25) Glaspaste in Berlin 
nr. 2816, Zeichnung nach 
Gipaabdruck (s. Sp. 356). 



(Babelon 2, 371); die gens Oppia prägt eine 
schreitende Nike mit der Fruchtschüssel in der 
Linken (Babelon 2, 276). Auch die nach 
alter sizilischer Weise über einem Gespann 
schwebende Victoria kommt vereinzelt vor 
(Babelon 1, 263. 2, 178.) 




26) Bronze aus Cirta (nach Revue arch. 1890, 1 Taf. 14) ; vgl. Sp. 350 f. 



Seit der Zeit des Augustus ist das wich- 
tigste Victoriabild Roms dasjenige in der 
Curia Iulia (s. ob. S. 314, 61), das Augustus 
nach der Schlacht bei Actium weihte. Wir 
können zahlreiche Nachbildungen davon nach- 
weisen: zunächst auf Münzen des Augustus 
(Babelon 2, 60. 63. Cohen, Mid. Imp.* 1, 

12 



Nike (in der Curia Iulia) 356 

ginale vorauszusetzen. Seit Probus tragen die 
Kaiser die Victoria mitsamt der Weltkugel 
auf der Hand (Cohen, Med. imp. 6, 280, 
271. 291, 378. 371, 25. 7, 216, 17. 399, 277. 
484, 295. 8, 38, 48), bis schliefslich an die 
Stelle der Siegesgöttin das christliche Kreuz 
auf die Kugel gesetzt wird (Münzen Valen- 
tinians III: Cohen 7, 215, 42), ein Symbol der 

*^ u ^ ^.^^ ~— Macht, das sich als Reichsapfel bis auf den 

Iwe7e"bald"ein Feldzeichen haltend. Dafs sie 10 heutigen Tag erhalten hat. Der Globus als 
- - • - • — - -,,,_• i...-j-_ Zeichen der Weltherrschaft kommt zwar 



355 Nike (in der Curia Iulia) 

72, nr. 63. S. 107), des L. Pinarius Scarpus 
(geprägt zwischen 30 und 27 v. Chr , Babelon 
2, 306. 307. Cohen, Med. Imp.* 1, 136, 
nr. 497. 499), des Vatronius Labeo und Rutilius 
Plancus als Duumvirn von Korinth (Brit. Mus. 
Cat. Corinth Taf.15, 10) u. a. Auf diesen Münzen 
findet sich eine Victoria, auf einer Kugel 
seh webend, die Hechte mit einem Kranz vor- 
gestreckt, mit der Linken bald einen Palm 



abwechselnd in Vorderansicht und in beiden 
Profilansichten erscheint, macht ein statuarisches 




27) Bronzestatue in Eiescia (nach Studniczka Taf. XII Fig. 59) 



schon in hellenistischer Zeit vereinzelt vor 
(Sittl, Adler und Wellkugel 
S. 43), und auch die Verbin- 
dung mit Nike hat möglicher- 
weise ihren Ursprung schon 
in jener Epoche (siehe oben 
Sp. 349, 42), aber weiter ver- 
breitet wird die Darstellung 
erst im Anschlufs an das Bild 
der Curie, wie denn in der 
That erst die römische Victoria 
das Recht hatte, siegreich 
über dem ganzen Erdkreis zu 
schweben. — Von anderen 
Nachbildungen ist vor allem 
eine Glaspaste etwa augu- 
steischer Zeit zu nennen (Furt- 
wängler, Verz. der geechn. Steine 
in Berlin nr. 2816. Abb. 25 
in Zeichnung nach einem Ab- 
druck), die die Victoria selbst 
allerdings etwas verändert 
giebt, nämlich ohne Kranz in 
der Rechten und mit einem 
Tropaion statt der Palme im 
Arm, auch mit etwas ge- 
änderter Beinstellung, aber 
dafür durch den mit einer 
fahrenden Nike geschmückten 
Altar keinen Zweifel läfst, dafs 
das Bild der Curie gemeint ist. 
Zudem knieen zu den Seiten 
zwei Barbaren in engen Ho? en, 
welche römische Feldzeichen 
zu ihr emporhalten, eine Dar- 
stellung, die man ohne Zögern 
auf die bekannte Rückgabe der 
von Crassus an die Parther ver- 
lorenen Feldzeichen beziehen 
wird. Die schönste und wahr- 
scheinlich auch im Stil ge- 
treuste Wiederholung scheint 
eine Bronze aus Cirta im 
Museum zu Constantine zu 
sein (Doublet et Gauckler, Muse'e de Con- 
stantine Taf. 8, S. 40. 98. .Rente archeol. 



Vorbild gewifs. Und da der Typus in der 

Folgezeit (besonders deutlich auf Münzen des 

Antoninus Pius Cohen 2, 281, 113; vgl. Abb. 24; 

ferner 2, 62, 429. 3, 286, 436. 5, 278, 126. 

445, 1062. 6, 203, 254. 360, 86. 365, 9. 404, 3) 60 bildern übereinstimmt (Weltkugel und Attribute 

immer vonneuem auftaucht, und zwar gegen das sind verloren; die von den Mnnzbildern^ ab- 



1890, Bd. 1, Taf. 14, S. 66; danach Abb. 26), 
die in allen wesentlichen Teilen mit den Münz- 



Ende des Kaiserreiches hin, als der Streit der 
alten und neuen Religion jenes Bild zu einem 
Zankapfel machte, gerade wieder häufiger, so 
kann kein Zweifel sein, dafs die Münzen die 
Victoria der Curie wiedergeben. Da in spä- 
terer Zeit das Attribut der Linken regelmäfsig 
die Palme ist, so haben wir diese beim Ori- 



weichende Flügelhaltung wird das Original ge- 
treuer wiedergeben, da die abstehenden Flügel 
für das Münzrund unbequem waren). Das Be- 
wegungsmotiv ist das chiastische der helle- 
nistischen Zeit, aber nicht von jener stürmischen 
Kraft der Neapeler Bronze (oben Sp. 350). Auch 
ist die Stilisierung des Gewandes und die Haar- 



357 Nike (römische Typen) Mkephoroi Theoi 358 

bracht schlichter als bei jener. Dafs wir für haben, unter Vertauschung der Seiten durch An- * 
die Entstehungszeit des Originals aller Wahr- Setzung von Flügeln eine Victoria herstellte, wo- 
scheinlichkeit nach in der Eroberung von Tarent bei er sich nicht einmal die Mühe gab, das jetzt 
209 v. Chr. (oben Sp. 314, 60) einen terminus ganz bedeutungslose Pantherfell fortzulassen; 
ante quem haben, stimmt gut dazu, sodafs wir es denn so, und gewifs nicht als eine Anspielung auf 
als ein Werk des 3. Jahrhunderts betrachten den parthischenKrieg Marc Aureis (Urlichs, Ann. 
dürfen. — In der Haltung der Flügel und der d. Inst. 1839, S. 77), erklärt sich diese Zuthat. 
(ergänzten?) Arme verändert, aber im Körper Von Attributen der Nike ist neben Kranz 
und Kopftypus übereinstimmend ist die schöne und Palme jetzt sehr häufig das tragbare 
Bronzestatuette von Fossombrone in Cassel. 10 Tropaion. Namentlich hat sie es an den 
Beinach, Bepert. 2, 1 S. 385, 3. Studniczka Taf. 2, Triumphbögen, wo schwebende Niken in den 
26; 27. Andere gröbere Nachbildungen lassen Zwickeln über dem Thorbogen zu den stän- 
doch immernoch erkennen, dafs dem Künstler der digen Dekorationselementen gehören. Das 
Typus der berühmtesten Victoria des römischen Fliegen der Nike wird, je nach den Bedürf- 
Reiches vorgeschwebt hat. Bronzen: v. Sacken, nissen des zu füllenden Raumes, oft ein flaches 
Bronzen des Antikenkabinetts in Wien Taf. 36, 2. Schweben (Sarkophagdeckel: Gerhard, Antike 
Anthes, Antiken der Erbachischen Sammlung Bildw. Taf. 28 — Heibig, Führer 1, nr. 75. 
S. 29. nr. 2; abg. Guattani,Monum. ined. 1787, Terracottarelief: Campana, Opere in plast. 2, 
Febbr. Tav. 3; wahrscheinlich von einem Feld- Taf. 88), wie wir es an einem Denkmal auf 
zeichen. Statue aus Kalkstein: Eekule, West- 20 griechischem Boden bei den Gestalten am 
deutsche Zeitschr. für Geschichte 1, 1882 Taf.b, Thurm der Winde in Athen finden. Von neuen 
S. 291. Lampe: Bartoli, Lucerne 3, ,3. Gemmen: dekorativen Schemata wäre noch zu nennen 
Furtwängler, Verz. d. geschn. Steine in Berlin die Gruppierung zweier stehender Victorien 
nr. 2447. 2926. 6738. 7281. 7283. 8177. 8716).— die mit beiden Händen einen grofsen Schild 
Eine Victoria Augusti will G. L. Visconti (Bullet. halten, während darunter meist ein oder meh- 
com. 1884, Taf. 17, 9. 24. S. 214) auf einem in rere Gefesselte sitzen. Auf Münzen seit Marc 
mehreren Exemplaren (Campana, Opere in plast. Aurel: Cohen, Med. imp.* 3, 88, 892. 4, 76, 732. 
2, Taf. 86 B. Musee Fol, Taf. 23) erhaltenen 5, 140, 16. 6, 332, 792. 7, 303, 633. 398, 265. 
Stirnziegel erkennen, wo Nike mit einem 430, 167. Sarkophag: Museo Torlonia Taf. 105, 
grofsen Tropaion auf der Weltkugel steht, 30 nr. 416. Aschenurne : Anc. Marb. in the Brit. 
neben der zwei Steinböcke — das Horoskop Mus. 5, Taf. 5, 4. Echt römischem Geiste 
des Augustus — sichtbar sind. entsprungen ist endlich der Gedanke, Victoria 
Für die Umwandlung eines beliebigen ande- einen Gefangenen herbeischleppen (Cohen, Med. 
ren Typus zur Victoria ist das bedeutendste iwp.» 7, 301, 623. 8, 94, 50) oder auf einen Ge- 
Beispiel die Nike von Brescia, Abbild. 27 fesselten treten zu lassen (ebenda 7, 426, 139. 
(Friederichs-Wolters nr. 1453). Denn die Unter- 8,17,61. 18,62. 27,28). — Das Ende der 
suchung der Niketypen bestätigt die Ausfüh- antiken Kultur und das Emporkommen einer 
rungen von Furtwängler (Meisterw. S. 631. 637), neuen Weltanschauung bedeutet es, wenn die 
dafs, wenn auch schreibende Niken in der älteren Victoria in den letzten Darstellungen, die wir 
Kunst hie und da vorkommen, das Schema dieser 40 von ihr kennen, auf Münzen des Honorius 
Victoria sich nicht früher nachweisen läfst, als (Cohen 8, 194, 1. 197, 14. 219, 1) und Romulus 
auf Münzen seit Vespasian, von wo ab es dann Augustulus (ebenda 8, 234, 1. 242, 3), ihres 
aufser auf Münzen und Gemmen z. B. auch an heidnischen Charakters entkleidet, das christ- 
der Trajanssäule (Studniczka Fig. 58) wieder- liehe Kreuz in die Hand nimmt. — Unmittelbar 
kehrt. Die N. von Brescia selbst ist aber nichts nach Vollendung dieses Artikels ist erschienen: 
weiter als ein durch äufserliche Veränderung S. Beinach, Bepert. de la Statuaire Gr. et Born. 
zur Siegesgöttin gemachter Aphroditetypus des II, 1, wo p. 379ff. viele Nikestatuen und 
4. Jahrhunderts, von dem wir in der Aphrodite -Statuetten abgebildet sind. — 2) s. Nikodro- 
v. Capua eine römische Kopie haben. — In mos u. Thespios. [H. Bulle.] 
ähnlicher Weise werden die kurzbekleideten 50 Jiikephoroi Theoi (vmTjipÖQOi, 9sof). In einem 
„lakonischen Tänzerinnen" durch Ansetzung Briefe Alexanders des Grofsen bei Pseudo- 
von Flügeln zu Niken umgewandelt auf Reliefs Kallisth. 3, 17 findet sich die Schwurformel 
an Panzern (Museo Pio-Clementino 3, Taf. 11. opvviii öl 'Olv/uciov, "Afifimva, 'j&rjväv, vixa- 
Hübner, Statue des Augustus, 28. Berl.Winck.- cpÖQovg tfsoris anavrag. [Eine fragmen- 
Prgr. Taf. 1, 2. Verz. der Berl. Skulpt. nr. 343. tarisch erhaltene Inschrift von Pantikapaion 
368. Zoega, Bassirilievi di Borna 2, Taf. 110) ist gewidmet &eoig viiirjq>ögoig, Stephani, C. r. 
und Kandelabern (Anc. Marb. in the Brit. Mus. p. l'a. 1863 p. 208. Inscriptiones ant. orae sept. 
1, Taf. 5. Mon. d. Inst. 4, Taf. 42). Auch die Ponti Euxini Gr. et Lot. ed. B. Latyschev 2 
schöne Bronze in Lyon (Gaz. arch. 1876, Taf. 29), p. 22 f. nr. 26. Drexler.] Im besonderen 
die von einem römischen Feldzeichen stammt, 60 führen den Beinamen Nixtitpögog folgende Gott- 
ist nichts anderes als eine Mädchengestalt des heiten: 1) Zeus auf Münzen des Königs Antio- 
4. Jahrhunderts mit angesetzten Flügeln. Noch chus IV. Epiphanes, Visconti Iconogr. Gr. pl. 
sorgloser verfuhr ein Künstler aus der Zeit 46,22. Catal. of greek coins Brit. Mus. Seleucid 
Marc Aureis, der in einer grofsen Bronze- Kings of Syria p. 34 ff. pl. 11, 7. 9. Babelon, 
figur von Calvatone (Verz. d. Berliner Skulpt. Les rois de Syrie XCIVf. 69f. Head, Hist. num. 
nr. 5) aus einer tanzenden Maenade hellenisti- 641. — [Zeus wird auf Münzen dieses Königs 
scher Kunstart, von der wir eine Marmorkopie nur als Nikephoros dargestellt, aber er führt 
in Villa Albani (nr. 103, Clarac 694 B, 1656 D) nicht den Beinamen vi*r}<pÖQog; die Aufschrift 

12* 



359 Nikephoroi Theoi Nikephoroi Theoi 360 

BAIIAEQI ANTIoXoY 0EOY ETTI0ANOYI gekommen sein. Daneben findet sich auch die 

NIKH<l>oPoY bezieht sich auf den König. Bezeichnung IloXiag Kai NiKrjcpogog'A&nvä 

Drexler.] Bei Joseph. Ant. 19, 4, 3 entspricht 226. 474. 489. 490. 491. 492. 493. 494 B. 512. 

der ywjjqpdpos Ztt>s dem Iuppiter Victor; bei 518 oder NiKr\(p6gog «ort IloXiag A&tjvü 

Aelius Spartianus vit. Hadrian. 2 liest man 360. 494 A. 497—504. 521—525. 529, wohl auch, 

statt fanum Nicephori Iovis jetzt Nicephorii wenn richtig ergänzt, 'A&nvä üoliag Kai 

Iovis; über die Darstellungen des Zeus Niuntpögog 292; über die Verbindung von 

Nikephoros {itolXa%ov äs Kai Ninrjv Kgaztöv Iloliäg und NiKricpÖQog s. Fränkel a. a. 0. p. 77. 

nldzzszai, Cornutus de nat. deor. p. 31 Osann), Aufser dem Heiligtum der Athene im Nike- 
s. Overbeck, Kunstmythologie Zeus 59 und den 10 phorion (Strabon 13, 624) gab es noch einen 

Art. Nike. — 2) Aphrodite, der HypermneBtra Tempel auf der Burg, tö isgbv rijg 'A&rjväg sv 

im Apollotempel in Argos ein ^öavov errichtet ä-nQOitilsi 251, 39. Der Kultus der Athene soll 

hatte, Paus. 2, 19, 6; das nähere s. unter Danaos durch Auge {Apollod. 3, 9, 1, 4) aus Tegea nach 

Bd. 1 Sp. 953. Vgl. Luc. dial. deor. 20, 16, wo Pergamon verpflanzt sein: tö tegbv zijg'Ad-riväg, 

Aphrodite zu Paris sagt ngiitoi jag dv Kaps rj» [ägvaazo Avyrj nr. 156,24; vgl. Paus. 8, 4, 9, 

viKtifägov vjiw ovfiTtcegiLvai; vgl. die Venus nach dem in Pergamon sich das Grab der Auge 

victrix(s.d.)\mABayr.Akad.d.Wiss. 1837,71.— befinden sollte; das angeblich von dieser ge- 

B) Artemis auf einer Inschrift aus Magnesia stiftete Kultbild der Athene ist auf Münzen 

ad Maeandrum: 'Agzi/juSog AevKoygvrjvrjg von Pergamon abgebildet, Belegstellen s. bei 
NiKrjcpoQov, Arch. Anzeig. 9 (1894), 122 und 20 Fränkel a. a. 0. p. 80. Die der Athene N. zu 

Kern z. d. S. — 4) die personifizierte Roma Ehren gefeierten Spiele hiefsen NiKrjq>6gia 

auf einer Widmung aus Mytilene zä 'Päpa. zä 167,4. 15. 223. 226. 525, 17. Corr. hellen, a. a. 0., 

NiKuyÖQia, Athen. MM. 13 (1888);,' 67, 7, die über ihre Feier s. Fränkel p. 104 f. — Eine 

nach C. Cichorius a. a. 0. 68 der Roma Victrix Inschrift aus Knidos ist gewidmet 'A&äva 

auf Münzen des jüngeren M. Cato entspricht. — Ninucpogto Kal'EetiaBovlaia, Newton, Discov. 

5)die Mondgöttin (s. d.) nach ATai&e/'s sicherer 771, p. 79.' Anc. greek inscript. Brit. Mus. 

Verbesserung Inscr. Graec. Ital. et Sicil. 1032 4, 820, 26. Loewy, Griech. Bildhauerinschr. 133, 

T7ji> Ttolvnogcpov Kai iivQicövvpov navsnieKonov nr. 161. — Nach Eratosthenes bei Synk. 104 

[2]f[i](j[»']aiai' veinaqiÖQOv. — 6) Dike, Aesch. soll der ägyptische Name N£zw*gig gleich- 
Choeph. 142 Kirchh., Kur. Phoen. 781. — so bedeutend mit 'A&rivä viKr]<pöqog sein; vgl. 

7) Athene in Pergamon; die zahlreichen In- hierüber L. Stern, Zeüschr. f. ägypt. Sprache 23 

Schriften sind gesammelt von Fränkel im (1885) 92. [Eine Inschrift von Tschauach, 

8. Bande der Altertümer von Pergamon; sie von der nur die Worte NGIKH<t>OPOC KAI TTPO 

heifst entweder 'A&rjvü NiKrjtpögog [nr. 60. 62. 64; erhalten sind, wird von J. B. Sitlington Sterrtt, 

vgl. 149. 194. 303. 304; Arch. Zeit. 42 (1884), 71]; The Wolfe Expedition to Asia Minor p. 161 

auch auf Münzen findet sich häufig die Legende nr. 271 zu [. . . .'A&tjvu] NeixriqiÖQog Kai Ilgo- 

'A&rjväg .ATixjjqprieou [Head, Hist.num. 463. Gatal. [liä^og. . .] ergänzt. Die ersten lesbaren Worte 

of greek coins Brit. Mus. Mysiap. 130— 133pl.27, einer Inschrift von Ulu Borlu lauten nach 

10— 15]od.iViji?;qp()gos^ä'??i'ä[160B54.167,6.14. Sterret a. a. 0. p. 367f. nr. 532 . . .'A[&ri]\[v]äg 
248, 52. 255, 11. 19] oder A & »j v ä rj NiKntpögos 40 Nn.Kijq>6gov. Eine Bleitessera in Athen zeigt 

Corr. hellen. 5 (1881), 374f.; ihr Heiligtum r6 auf dem Obv. ein Tropaion und die von Posto- 

isqov ttjs NtKTjcpogov 'Afrrjväg 160 B 54. 167, 14. lacca, Piombi inediti del Nazionale Museo 

Seit Eumenes II. genofs der Tempelbezirk des Numism. di Atene, Ann. d. Inst. 40 (1868) p. 301 

Nikophoros auch das Vorrecht der Asylie: nr. 758, p. 310— 314 zu AGHNAi- NIK[Hct>OPQi, 

äavlov zb zefiivog zäg 'AQ-aväg rag Nixatpogov, ergänzte Inschrift , während der Revers einen 

Corr. hellen, a. a. 0. 375, 10; tö zi/ievog zäg Altar mit der Umschrift [4>]Q21<t>OP[oH] APTE- 

'A&ctväg ras Nmuyögov zb nozh nsqydfim aev- MIA[t] darstellt, vgl. über dasselbe Stück 

lov ebenda 376, 18; über das Heiligtum'selbst Albert Bumont, De plumbeis apud Graecos 

vgl. das ausführliche Werk von Bohn, Bas tesseris. Lutetiae Parisiorum 1870 p. 97. Drexler.] 
Heiligtum der Athene Polias Nikephoros im 50 — 8) Ein iiQsiig r?js ATunjqpdpou frEfäs] 

2. Band der Altertümer von Pergamon. Wie ohne weitere Bezeichnung erscheint auf einer 

Fränkel a. a. 0. p. 76 zu nr. 150 ausführt, ist Inschrift aus Komana, Corr. hellen. 7, 127 

es Attalos I. gewesen, der der Göttin als Ur- [= Bamsay, Journ. of Philology 11 p. 147 

heberin seiner Siege diesen Namen beigelegt und Sitlington Sterret, An epigraphical journey 

hat — unter Eumenes I. führt Athene den Bei- in Asia Minor p. 234 f. nr. 263. Drexler.]. Diese 

namen 'Agiia, der den Beinamen NiKrjcpöqog Göttin wird von den meisten für Ma (s. d. 

zu jener Zeit ausschliefst, vgl. Fränkel zu Bd. 2 Sp. 2219 Z. 3ff. Sp. 2221 Z. 20ff.) er- 

13, 24 — und der Name NiKrjyögog ist in den klärt. — 9) Dafs auch Demeter in Henna 

Weihinschriften des späteren Königs stehend als viKrjcpögog verehrt wurde, beweist Cic. in 
geworden; in den erhaltenen Volksbeschlüssen 60 Verr. 4, 49, 110: insistebat in manu Cereris 

tritt er nur einmal auf 167, 6. 14; vgl. auch dextra gründe simulacrum pulcherrime factum 

Imhoof- Blumer, Münzen der Bynastie von Victoriae; vgl. im allgemeinen auch noch Cic. 

Pergamon 26, der mit Recht die Einführung de nat, deor. 3, 34, 84 Victoriolas aureus 

des neuen Athenatypus mit dem Siegeskranze et pateras coronasque, quae simulacrorum 

(in der rechten Hand) auf Attalos I. zurück- porrectis manibus sustinebantur. — [10)Eine 

geführt hat. Nach Mordtmann, Athen. Mitt. als Ares bezeichnete, doch wohl ägyptische 

7, 251 Anm. soll der Kultus der NiHTjcpögog und Gottheit, etwa Besä (oder Month oder Anhur) 

Athene Polias aus Kyzikos zu den Pergamern erhält den Beinamen viKr\<pögog in einer aus 



361 



Nikephoros 



Nikostrate 



362 



Ägypten stammenden Inschrift des British 
Museum, H. B. Hall, Greek inscriptions from 
Egypt., Classical Review 12 (1898) p. 274ff. 
nr. I (1207): 'Tjcsq ßaeiXemg ilzoltpaCov xal 
ßa\ail'i'aar)g 'Agaivörig xccl UzoXsfiaCov | zov viov 
@s£v 0iXo7tatÖQa>v zäv | sx TlxoXsfialov Hai 



sie aufhebt, Cohen, Med. imp. 2*, 213, 1283. 
1284. [Drexler.] 

Nikon (Nixmv), einer der Teichinen: Tzetz. 
Ghiliad. 7, 125. 12, 837. [Höfer.] 

JJikondas? (NmävSag), beigesehriebener 
Name(?) eines sprengenden Flügelrosses (Pega- 



BsQSvtxjjg &t\äv Evigyszäv. "Aqtji NixrjqiÖQtBi sos), vor dem ein Ephebe erschrocken flieht, auf 
Eväygtoi \ 'Als^avägog ZvvSaiov 'Ogoavvevg | o einer Amphora aus Nola: Frohner, Die griech. 
avvaitoexaXelg 8iä8o%og \ Xagifiogzm rät azga- Vasen u. Terracotten d. großherzogl. Kunsthalle z. 
Trjyan IjiI | zr[v ■frijoav zäv slsyävzatv, xal 10 Karlsruhe nr. 146 p. 48. Gerhard, Arch. Anz. 



'Aitöuaig Miogßöllov 'Ezsvvsvg | ^/«jutör, «cd 
oi vit avzöv xtTttWpevoi ozgaziäzai. Drexler.] 

[Höfer.] 

Nikephoros (NiKr)<p6gog) 1) als Götterbeiname 
s. Nikephoroi Theoi. — 2) s. d. Art. Arantas, 
Nachträge zu Bd. 1 Sp. 2865 Z. 4 ff. [Höfer.] 

Nikias (Nimag) : Plin. n. h. 7, 196: Fulloniam 
artem Nicias Megarensis [invenit]. Dieser 
Nikias ist wohl eine mythische Person und 
erscheint bei Plinius als der mythische Ver- 20 
treter der uralten und bedeutenden Tuchfabri- 
kation Megaras. Vgl. Blümner, Technologie 
etc. 1, 98. [Röscher.] 

Nikippe {NiyiiTtnr\), 1) Tochter des Pelops 
und der Hippodameia, Gemahlin des Sthenelos, 
dem sie Alkyone, Medusa und Eurystheus ge- 
bar, Apollod. 2, 4, 5, 5. Schol. Eurip. Or. 5. 
Eesiod. bei Schol. II. 19, 116, fror. 120 Rzach. 
Andere Namen der Gemahlin des Sthenelos s. u. 



9 (1851), p. 34, nr. 15 (hier ohne Namensbei- 
schrift). [Der Name bezieht sich nicht auf das 
Rofs. Wie das beigefügte xalög zeigt, gehört 
die Vase zu denen mit Lieblingsinschriften, 
s. H. Winnefeld, Beschreibung der Vasensamm- 
lung. Karlsruhe 1887 p. 48 nr. 204 und Wilh. 
Klein, Die griech. Vasen m. Lieblingsinschriften, 
Denkschr. d. k. k. Ak. d. W. ph.-h. Gl. Bd. 39. 
1891 Abh. 2 p. 82. Drexler.] [Höfer.] 

Nikopolis (NiKÖnoXig) , die Stadtgöttin von 
Nikopolis in Epirus ist dargestellt gewöhnlich 
mit Turmkrone und Schulterflügeln auf Münzen 
dieser Stadt, Eead, Hist.num.272. Jul.v. Schlos- 
ser, Beschreib, d. altgriech. Münzen (Kunsthistor. 
Samml. d. allerh. Kaiserhauses, Wien 1893) 
p. 80 f. nr. 1—14, 17. 18. 25; andere Typen 
ebenda nr. 56. 63. 73. [Höfer.] 

Nikostrate (Ni%oaxgäzri), 1) arkadische 
Nymphe und Seherin, von Hermes Matter des 



Eurystheus und Heyne, Ohss. ad Apollod. a. a. 0. so Euandros, während sie nach andern (Plut. 



— 2) Tochter des Thespios, mit welcher Herakles 
den Antimachos zeugte, Apollod 2, 7, 8, 6. — 
8) Priesterin der Demeter in Dotion, deren 
Gestalt Demeter annahm, um den ihren heili- 
gen Hain verwüstenden Erysichthon zu warnen, 
ehe sie ihm als strafende Göttin erschien, 
Callim. h. in Cer. 43. [Wagner.] 

Nikodamas (NittoSafiag), ein Pygmaie, Anton. 
Lib. 16. Das Nähere unter Gerana. [Höfer.] 



Bomul. 21. Aurel. Vict. orig. 5. Serv. Verg. 
Aen. 8, 181) selbst eine Tochter des Hermes und 
Gattin des Euandros war (vgl. Immerwahr, 
Kulte u. Mythen Arkad. 1, 226). Mit Euandros 
wanderte sie 60 Jahre vor dem trojanischen 
Kriege aus dem arkadischen Pallantion nach 
Italien aus, wo dieser, von Faunus gast- 
freundlich aufgenommen, auf dem Palatin die 
älteste Stadt gründete und Bildimg und Ge- 



Nikodromos {Nin.oSQOfi.og), Sohn des Herakles 40 sittung unter den Aboriginern verbreitete. Der 



und der Thespiade Nike (?), Apollod. 2, 7, 8, 4. 

[Stell.] 

Nikokreon (NiKongiatv), König von Salamis 
auf Kypern, Vater der Arsinoe, Hermesianax 
bei Anton. Lib. 39. Das Nähere unter Anaxa- 
rete Bd. 1 Sp. 335, lff. [Höfer.] 

Nikomachos (ZVtxöpazog), Enkel des Askle- 
pios, Sohn des Machaon und der Antikleia, 
einer Tochter des Diokles, in dem messenischen 



Name der Nymphe (die nach vereinzelten ab- 
weichenden Angaben Themis oder Tyburs 
hiefs) wurde dort wegen ihrer Weissagungsgabe 
in Carmenta (s. d.) oder Carmentis umgewandelt, 
und man errichtete ihr am Fufse des Kapitols, 
wo ihre Wohnung gewesen war, nach ihrem 
Tode (nach Serv. Aen. 8, 51 soll sie im Alter 
von 110 Jahren von ihrem Sohne umgebracht 
worden sein) einen Altar. Plut. Bomul. 21. 



Pharai. Er und sein Bruder Gorgasos erhielten 50 Quaest. Born. 56. Strdb. 5, 230. Solin. 1, lOff. 



nach dem Tode des Diokles in Pharai die 
Herrschaft, und Isthmios, der Sohn des Glaukos, 
errichtete ihnen daselbst ein Heiligtum, wo 
sie als wirksame Heroen der Heilkunde noch 
zu des Pausanias Zeit Opfer und Weihgeschenke 
erhielten. Paus. 4, 3, 10. 4, 30, 3. Gerhard, 
Gr. Myth. 2 § 889, 3. 841, 2. Curtius, Peloponn. 
2, 159. Thraemer unt. Asklepios Bd. 1 Sp. 625. 
Von Nikomachoa leitete sich die Familie des 



Aurel. Vict. orig. 5f. Serv. Aen. 8, 51. 130. 336. 
Isid. orig. 1, 4, 1. Mythogr. Vat. 1, 70. Als 
begeisterte Seherin erscheint sie überall als 
das treibende Element in dem Unternehmen 
des Euander. Sie treibt ihn zur Auswanderung 
an (Serv. Aen. 8, 51), wählt die geeignete 
Stelle für die Ansiedelung aus, veranlafst 
die Gründung eines Heiligtums des Pan 
(Lupercal) als des ältesten arkadischen Gottes 



Philosophen Aristoteles her, in welcher der 60 (Dion. Hai. Ant. Born. 1, 31), und weissagt 

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Name Nikomachos öfter vorkommt, Hermippos 
b. Diog. L. 5, 1, 1. Suid. v. Nixöpuxog. C. I. 
Gr. 8382. [Stell.] 

Nikomedeia. Die Personifikation der Stadt 
Nikomedeia erscheint auf Bronzemünzen Ha- 
drians mit der Reversaufschrift RESTITVTORI 
NICOMEDIAE S • C. Nikomedeia kniet, ein 
Steuerruder haltend, vor dem Kaiser, welcher 



die künftige Gröfse Roms {Verg. Aen. 8, 333 ff. 
Ovid. Fast. 1, 461 ff.). Als Herakles zu Euander 
kam, verkündete sie ihm zuerst, dafs er einst 
unter die Götter aufgenommen werden würde, 
und gab so die Veranlassung zur Gründung der 
ara maxima (Strdb. 5, 280. Dion. Hai. 1, 40. 
Solin. 1, 10), in deren ätiologischer Kultlegende 
sie ebenfalls eine Rolle spielt (Plut. Quaest. 



363 Nikostratos Ninib 364 

Born. 18. Aurel. Vict. orig. 6). Näheres und Neileus 3 (d. i. Nrjlcvg, Neäecog; s. d.): 

Deutung s.u. Carmenta Bd. 1 Sp. 852 ff, Euander Ammian. 22, 8, 12: Milesii, inter Ionas alios 

Bd. 1 Sp. 1393 ff., Hercules Bd. 1 Sp. 2281 ff. in Asia per Nileum multo ante locati, Codri 

2) Kebsweib des Oibalos, Mutter des Hippo- illius filium; vgl. ib. 28, 1, 4. Vgl. Usener, 
medon (der Apollod. 3, 10, 4, 3 unter den Söhnen Götternamen 12 f. [Röscher.] 

des Oibalos fehlt) Sehöl. Eurip. Or. 457. Beim- Hilns s. Neilos. 

ling, Leleger 119. Nimrod s. Izdubar. 

3) Tochter des thebanischen Feldherrn Nineudios (Nivsväiog), Beiname des Zeus im 
PhoidoB. Als dieser von der Bestrafung der karischen Aphrodisias : Corr.hell. 9, 80 nr. 10; der 
Mörder des Phokos (s. u. Phokos nr. 4), den to NameerklärtsichnachJHbHeaMaja.a.O.ausJVivd»;, 
die Freier seiner Tochter Kallirrhoe erschlagen der früheren Bezeichnung für Aphrodisias, Steph. 
hatten, siegreich zurückkehrte, wurde ihm auf Byz. s. v. MsyäXij nötig und Nivör). [Höfer.] 
dem Heimwege die Geburt einer Tochter ge- Ninib, babylonische Gottheit* 1 ). _ Soweit die 
meldet, der er zur Erinnerung den Namen bisher veröffentlichte religiöse Litteratur der 
Nikostrate gab. Plut. am. narr. 4. [Wagner.] Babylonier erkennen läfst, ist Ninib eine der 

Nikostratos (NixöozQccTog) , 1) Sohn des Stadtgottheiten von Nippur und gilt als Sohn 
Menelaos und der Helena. Nach Homer (11. 3, des alten Bei von Nippur (nicht zu verwechseln 
175. Od. 4, 12) hatten Menelaos und Helena mit Bel-Merodach, a. Bd. 2 Sp. 2341). 
nur eine Tochter, Hermione, und diese That- Seiner Naturgrundlage nach ist Ninib zu- 
sache wird später mehrfach ausdrücklich her- 20 nächst einer der babyl. Sonnengötter, aber 
vorgehoben, z. B. Eurip. Androm. 898u. LyJrophr. nicht, wie früher allgemein angenommen wurde, 
851. Daneben aber gab es eine alte Über- der Gott der alles verzehrenden und versengenden 
lieferung, nach welcher Helena dem Menelaos Süd- oder Mittagssonne, sondern der Gott der 
auch einen Sohn gebar, bitlözurov S' hstiev Ostsonne (so Jensen). Und zwar repräsen- 
NiKÖaigatov, o£ov "Aorjog, Hesiod. frg. 122 Bz. tiert Ninib nach unserer Auffassung zunächst 
Schol. Soph. El. 539 (an welcher Stelle Kly- die geheimnisvolle Sonne, die in den Tiefen 
taimnestra ebenfalls voraussetzt, dafs Helena d